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Montag, 27. Februar 2023

Bomberjackenspacken

 










Ich hatte ja keine Ahnung! Bomberjacken, da hab ich immer gedacht, das wäre so etwas was der Herr Harris getragen hat damals, als er, ihr wisst schon... aber da hab ich wohl mal wieder Dresden und Rostock verwechselt. Kann passieren, ist ja eine ähnlich ätzende Klientel. 

Anfangs hab ich noch gedacht, die armen Rostocker, jetzt müssen die sich alle eine Bomberjacke kaufen, weil irgendein Spinner diese Idee hatte mit dem Bomberjackenfanmarsch, dabei sind die doch bestimmt seit 40 Jahren nicht mehr in Mode. Aber in Rostock schneidet man einfach ein Loch in einen Müllbeutel, stülpt sich den über'n Kopp und nennt das dann Bomberjacke. Einen Müllbeutel kann sich wahrscheinlich auch die letzte Lichtenhagener Hohlbratze noch leisten, dann passt das.

Immerhin haben die Bomberjackenspacken nur die Waschbecken im Gästeblock zertrümmert (um damit Leute zu bewerfen) und nicht noch die Toiletten, denn pissen muss man vielleicht noch, Hände waschen nicht unbedingt. Wenn euch ein Bomberjackenträger begegnet, gebt ihm nicht die Hand!

Die Ostseekackbratzen waren jetzt schon so lange nicht am Millerntor, dass ich beinahe vergessen hatte, was das für ein widerlicher Haufen ist. Gegen Vereine wie Rostock und Dresden wirkt sogar Stellingen inzwischen wie der leicht debile Typ von nebenan, den man irgendwie ertragen muss, wenn man ihm im Treppenhaus mal begegnet. 

Rostock aber ist schlicht unerträglich und zwar alles davon, das muss schleunigst zurück in Liga drei. Ist es da ein Wunder, wenn ein Sieg gegen diese Vereine noch einmal deutlich süßer schmeckt als jeder andere? 

Selbst dann, wenn er nicht so wirklich überzeugend ist, denn außer Dapos butterweicher Flanke und Jackson Airvines Killerkopfball waren es hauptsächlich zwei bis drei granatenstarke Reflexe von Nikola Vasilj, die uns den Arsch gerettet haben. Was da streckenweise für Harakirifußball im eigenen 16er zelebriert wurde war haarsträubend und auf drei Ecken in drei Minuten so kurz vor der Halbzeit kann ich gerne verzichten, das schadet meinem Blutdruck enorm. 

Vorne kommt der letzte Pass nicht an, weil der vorletzte eigentlich schon einer zu viel war und man besser hätte schießen sollen, oder die Chancen sind so groß und kommen so unverhofft, dass man sie vor lauter Schreck nicht verwandeln kann. Da fehlt einfach die Kaltschnäuzigkeit eines Burgstallers.

Vielleicht sollte Dapo öfter in den Strafraum dribbeln, so oft wie der gelegt wird springt früher oder später wenigstens ein Elfer dabei raus. Man könnte vielleicht auch mal länger als 10 Minuten testen ob Maurides weiß wo die Kiste steht. Irgendwann demnächst wird ein Tor jedenfalls zu wenig sein um ein Spiel zu gewinnen, dafür bieten wir hinten einfach zu viel an. Andere werden das ausnutzen.

Zum jetzigen Zeitpunkt hört sich 32 von 40 aber schon deutlich besser an als erwartet. Man könnte fast beruhigt sein.

 

Was sonst noch schlecht war:

Schlechter als hirnlose Faschos, die mit Böllern, Raketen und Waschbecken um sich werfen? Mal überlegen... 

Was sonst noch enttäuscht hat:

Wenn ganz ganz viele Menschen mit ihren Smartphones filmen, wie toll die Stimmung bei Pauli am Millerntor ist, dann ist die Stimmung bei Pauli am Millerntor meist nicht so toll, weil Smartphones keinen Lärm machen, außer in der Bahn. Das angekündigte Lautstärkeduell hat die Südkurve quasi kampflos gewonnen - und das bei einem Spiel gegen Rostock.

Es gibt Schiedsrichter, die töten mir mit ihren Nichtentscheidungen den letzten Nerv, der Herr Brand war so ein Fall, bei dem man sich über ein paar frühere Entscheidungen gefreut hätte. Merkt erst nach 60 Minuten, dass er auch Karten dabei hat und freut sich darüber so sehr, dass er noch ein paar davon verteilt. In der ersten Halbzeit nur ermahnendes Gelaber, das hat niemanden beeindruckt. 

Was sonst noch gut war:

Jackson Airvine Fußballgott. Hätt ich ja wirklich gerne noch mal gehört.

Ich lerne in meinem Alter noch das Hamburger Streckennetz kennen. Durch die Sperrung der U3 nach dem Spiel (angeblich haben irgendwelche Bomberjackenspacken einen kompletten Zug entglast) und meinen ausgeprägten Unwillen, die nächste S-Bahn Station anzulaufen, hab ich doch tatsächlich gleich zwei Buslinien kennengelernt, die mich zwar gemächlich, aber immerhin ein großes Stück, in die richtige Richtung befördern. Ich werd noch zum HVV Profi.

Was sonst noch getan werden musste:

Hab den Namen John Verhoek auf die Liste der Namen von Ex-Spielern gesetzt, deren Namen ich vergessen möchte.

 Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Hansa Rostock, Endstand 1:0

Tore dazu: Jackson Irvine (26.)

Links dazu: Kogge versenkt - Immer wieder Hansa - Ungewohnt, aber stabil

Musik dazu: Acid Arab @ Kiosk Radio 23.1.20 

 














 

Samstag, 5. September 2020

Frankentage (3): Kirche, Knast und Leberkäse


 

 

 

 

 

 

 

 

Vier Tage am Stück Hochsommer mit bis zu 35°, das kann auf Dauer nicht gut gehen, für den heutigen Tag sind Gewitter angesagt und ordentlich Regenschauer. Besser man verlegt das fotografische Vorhaben in Innenräume und da bieten sich in Franken natürlich Kirchen an, davon gibt es ja reichlich. Interessant könnte dabei vor allem die ehemalige Zisterzienserabteikirche Ebrach sein, die mit der großen hochgotischen Rose der Fassade aus dem Jahr 1280.

Das ist ein wenig geschummelt, denn das baufällige Original befindet sich inzwischen im Bayrischen Museum München. Die Kopie ist erst 134 Jahre alt, was garantiert niemandem auffällt der nicht ein paar Münzen in den kleinen bebilderten Kunstführer investiert, in dem diese und viele andere interessante Details beschrieben werden. Keine schlechte Investition, dann weiß man hinterher wenigstens was man da eigentlich die ganze Zeit fotografiert hat.   

Der Kasten ist wirklich höchst beeindruckend, was nicht nur an dem gewaltigen Fenster und den drei Kirchenorgeln liegt, es steht und hängt unglaublich viel Gedöns an den Wänden der drei Kirchenschiffe, Stuck und Gemälde, Engel mit und ohne Trompeten, ein Ururururgroßvater von Loddar, Heilige von Nepomuk bis Nikolaus, ein ganzes Pfingstwunder sogar, direkt über der Sakristeitür, das Grabmal der Stauferkönigin Gertrud und bestimmt auch mindestens eine Jungfrau dabei irgendwo. Was ein Maßwerktympanon ist habe ich immer noch nicht nachgeschlagen, aber wer so etwas sucht sollte mal nach Ebrach kommen.

Mittelalterlich ist das alles aber nicht mehr, durch die frühklassizistische Umgestaltung von 1778 bis 1791 wurde der Raum "ästhetisch vernichtet" schrieb ein berühmter Kunsthistoriker. Der mochte wohl den Hofstuckator Materno Bossi nicht, der mittelalterliche Bauformen durch antikische ersetzte und um die Säulen verkröpftes Gesims einzog, was wirklich ein unverzeihlicher Fehler ist. Verkröpftes Gesims, also echt mal.

Andererseits gelang es Bossi dadurch, über die frühgotischen Wände einen antikisierenden Rhythmus schwingen zu lassen und das auch noch farblich passend. Weiß, Gold und Marmor, wenn das nicht ästhetisch ist weiß ich auch nicht, aber wenigstens das mit dem Rhythmus sollte man ihm zugutehalten finde ich.

Der nette Mann an der Kunstführerverkaufskasse hält dazu ungefragt noch ein paar aktuelle Informationen bereit, so ist der Klostergarten auf der anderen Straßenseite leider zur Zeit etwas ungepflegt, weil die Strafgefangenen während der Coronakrise nicht raus durften und das bitte er zu entschuldigen. Aha.

Mit dieser Information kann ich erst etwas anfangen, als ich die vergitterten Fenster und den Stacheldraht am nebenstehenden Klostergebäude bemerke, aus dem sie 50 Jahre nach dem Tode des letzten Abtes ein Gefängnis machten. Heute ist es eine Jugendstrafanstalt und das tut mir leid, weil ich die Justiz im Freistaat Bayern so einschätze, dass da bestimmt einige nur sitzen, weil sie beim letzten Starkbierfest lieber eine Tüte geraucht haben statt sich um den Verstand zu saufen.

Was ich ebenfalls entdecke ist der kleine Metzger gegenüber, der ausgezeichneten (im Sinne von: da hängt eine Auszeichnung an der Wand) warmen Leberkäse anbietet und so sicher wie ich in Dänemark wenigstens einen Hot Dog essen muss, ist es in Franken eine Leberkässemmel. Wäre das auch eine ausgezeichnete Semmel gewesen, hätte das zusammen mit dem ausgezeichneten Leberkäse eine ganz ausgezeichnete Leberkäsesemmel ergeben, aber die Semmel ist leider nur Durchschnitt und kaan Händlmaier gab's auch ned dazu. Kruzifix.

 

Fotos dazu: Abteikirche Ebrach, Nikon D7200 - Musik dazu: Javi Garcia & Cold Cold Ground - A Southern Horror

 











 

Montag, 3. Oktober 2016

Ein kleiner Vorgeschmack auf den Weltuntergang
















Wenn hier auf der Erde mal so ein Supervulkan ausbricht, dann ist Schluss mit lustig sagen die Wissenschaftler. Erdbeben, Flutwellen und eine Klimakatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Ein Vulkanischer Winter mit weltweitem Temperatursturz, ausgelöst durch die alles Leben erstickende Vulkanasche.

Dagegen ist so ein Waldbrand normalerweise natürlich nix, es sei denn er ist groß und nahe genug, die Auswirkungen sichtbar und fühlbar zu machen. Sichtbar war es schon gegen Mittag, als die Rauch- und Aschewolken aus dem zwanzig Kilometer entfernten Monchique das sonst so malerische Blau des Himmels immer mehr verdeckten.

Dort kämpften 400 Bombeiros gegen die Flammen, die dem Ort schon bedrohlich nahe kamen, wie wir auf verwackelten Handyfilmen bei Twitter sehen konnten. Der ganze Aufstand natürlich wieder nur, weil irgendein Idiot mit Geld einem anderen Idioten ohne Geld selbiges für effektive Brandrodung bezahlt hat. Eine Unsitte, die auch in Spanien gerade neu aufflackert, seit die Bebauung abgebrannter Flächen dort wieder erlaubt ist.

Da es in Monchique ganz sicher keinen Bedarf an Katastrophentouristen gab, bin ich lieber in die andere Richtung gefahren. An den Stauseen Funcho und Arade war der Himmel noch blau, die Bäume noch grün und der Ausblick derart grandios, dass es mich nicht wundern würde, wenn es hier irgendwann brennt. Man könnte dort ganze Dörfer errichten, oder zumindest Platz schaffen für einige schicke Villen mit guter Feuerversicherung.

Doch auch dort muss man sich warm anziehen, wenn der Himmel sich verdunkelt und die Sonne verblasst. Ein Temperatursturz von 35 auf 20° innerhalb weniger Stunden, nur durch einen Waldbrand. Das hat mich tatsächlich ein wenig geschockt, weit mehr noch als die Tatsache, zum ersten Mal in Portugal einen warmen Hoodie überziehen zu müssen. Dabei war der eigentlich nur Transportsicherung für die Flasche Tanqueray.

Für den Fall eines tatsächlichen Weltunterganges steht also schon fest was ich auf jeden Fall einpacken werde. Einen warmen Hoodie und eine Flasche Gin.

Untergangsfotos: Silves, Barragem do Funcho 
Untergangsbier: Hopper Bräu Weizheit, Weizen IPA, 5.4%
Untergangsmusik: Lorde - Pure Heroine










 


Samstag, 12. September 2015

Keen Platz för Nazis


















Auch das Ohnsorg-Theater bezieht klar Stellung gegen das braune Gesocks. Hier bin ich richtig, Hachmannplatz 10 Uhr, ein Treffen mit Leuten aus der Tresenkurve und ein paar tausend anderen Demonstranten. Alles noch ziemlich entspannt, sogar die Cops, bis erste Nachrichten die Runde machen: Die Patridioten weichen aus nach Bremen. Der nächste Zug geht in 15 Minuten und viele strömen spontan in den Bahnhof um den zu erreichen, was die Helmchen scheinbar überfordert. Uns ebenfalls, auf Rundreise war niemand vorbereitet, wir bleiben hier und hören uns die Ansprache von St.Pauli Präsident Oke Göttlich an, der irgendwas über Schrei nach Liebe von Die Ärzte erzählt, von dem ich maximal die Hälfte verstehen kann. Mikrofonlautsprecherwagengedöns halt, wird schon stimmen, ist ja Oke.

Wie immer heißt 'Demo' erst einmal viel rumstehen und warten. Wir vertreiben uns die Zeit mit einem Ausflug durch die Wandelhalle, auch hier ist noch alles ruhig. Wenn die Kackbratzen jetzt wirklich alle nach Bremen abgezogen sind warten wir auf die wenigstens umsonst und es ist schon mal befriedigend, dass die hier wieder kein Bein auf den Boden bekommen.

Eine knappe Stunde später dürfen wir uns bewegen, vorbei an Wasserwerfern unserer Schutzmacht, die mit den Dingern besser nach Bremen fahren sollte. Ein Bekleidungsunternehmen stattet den Demozug nebenbei mit bunten Werbeluftballons aus, was eine richtig tolle Aktion sein könnte, hätten die da ein fettes FCK NZS auf die Ballons gedruckt, aber auf solche Ideen kommen Bekleidungsunternehmen natürlich nicht. 

Vor dem Rathausmarkt werden wir umgeleitet, da ist es wahrscheinlich vorher schon voll gewesen und es ist sehr zweifelhaft, dass da noch ein paar tausend Menschen mehr Platz finden. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht was ich da soll, auf das Geseier des Scholzomaten oder irgendeines anderen Politkaspers hab ich null Bock und dem Rest geht es ähnlich. Während wir noch beratschlagen was zu tun ist, stürmen sportliche junge Leute an uns vorbei, in die Gegenrichtung. Wenige Minuten später drehen auch Teile der Cops um und auf Twitter muss ich lesen, dass im Bahnhof Refugees von den braunen Bildungsverweigerern angegriffen wurden und Support benötigt wird. Daher also die Eile. Herr B. hat eigentlich keine große Lust auf Stress, schiebt dem allerdings ein unvollendetes "andererseits..." hinterher. Wir kehren ebenfalls um, auch wenn er noch keinen Siegelring hat der das Fanclubwappen auf Glatzen hinterlässt.

Denn einerseits ist es zwar sinnvoll gegen den faschistischen Mob zu demonstrieren, andererseits ist es aber noch viel sinnvoller sich dem entgegenzustellen. Zehn Minuten später sind wir wieder in der Wandelhalle, es ist rappelvoll und die Aufgänge scheinbar völlig blockiert, gegenüber auf dem Südsteg marschiert ein ganzer Zug Cops auf und besetzt Bahnsteig 14. Warum weiß kein Mensch, es bewegt sich eh nichts. Kein Zug fährt rein, keiner raus. Genug Zeit für ein Frühstücksbaguette vom Bahnhofsbäcker, bei einer Zigarettenpause kommen wir an der Anzeigetafel vorbei: Verkehr eingestellt. Nichts geht mehr, auf keinem Gleis fährt einer ab, alle ankommenden Züge mit Verspätung.

Aus Bremen kommen inzwischen Infos, die wollen das Pack dort auch nicht haben. Da unten steht ein Zug nach Cuxhaven, ich hätte da einen Vorschlag. Alle rein da und an der Küste kriegt jeder ein Gummiboot und ein paar Paddel fürs Patridiotenrudern. Wer Helgoland erreicht darf einen Antrag auf Rückreise stellen.  

Twitter liefert nur spärliche Infos, auf der anderen Seite droht die Schutzmacht scheinbar mit Wasserwerfern die Kirchenallee zu räumen, hier drüben kriegen ihre Kollegen ein Showprogramm geboten. Wir beschließen die Seiten zu wechseln, doch eine Polizeikette am Ausgang hält den Laden lange genug auf, die Situation hat sich wieder beruhigt als wir am Hachmannplatz angekommen sind. Hektisch wird es nur kurz, als eine Gruppe Refugees von einer schützenden Menschenkette durch den Ausgang geleitet wird, einige davon mit kleinen Kindern auf den Schultern. Ich habe selten so viele angsterfüllte Gesichter gesehen, nicht nur bei den Kindern, es ist eine Schande.

Was für ne Scheiße, da stehste da und kannst nix machen. Am liebsten würd man die alle in den Arm nehmen und beruhigen und denen erzählen alles wird gut, aber in dem Umfeld? Meins beruhigt sich hier immer mehr und strebt nach und nach dem heimischen Sofa zu, die letzte halbe Stunde verbringe ich alleine auf dem Südsteg. Eine Durchsage verkündet, dass "alle rechten Straftäter" inzwischen aus den Zügen entfernt wurden und keine mehr erwartet werden, da fällt mir ein dass meine kleine Schwester in einem dem der Züge sitzen könnte, die wollte heute Mittag nach Hause.

Sie sitzt tatsächlich in dem Ding an Bahnsteig 14, was eigentlich der falsche Zug ist, weil der schon vor einer Stunde hätte fahren sollen und was der ganze Blödsinn überhaupt soll, man müsste die Nazis einfach nur nicht beachten..
Kaum zu glauben, dass man heutzutage noch solche Grundsatzdiskussionen führen muss.

Hier is keen Platz för Nazis. Un dat blievt ok so.












Samstag, 7. Februar 2015

Der klägliche Rest der braunen Pest
















Die von der Reiterstaffel der Hamburger Polizei gespendeten Wurfgeschosse kamen zu spät, dabei wären sie ideal gewesen, von Farbe und IQ sehr ähnlich den gedachten Empfängern. Von den Fans des irren Schnurrbärtchens bekam ich ohnehin keinen zu Gesicht, der Gänsemarkt von den Cops hermetisch abgeriegelt, da müssen die sich wohl selber zuhören. Vielleicht hätte ich mit Storch Heinar Klamotten passieren können, oder irgendwelche Schleichwege durch Einkaufspassagen oder Parkhäuser nehmen müssen, aber wer will die Gestalten schon sehen? 35 sollen es gewesen sein, und dafür so ein Aufwand, Polizeibegleitung vom Jungfernstieg bis zum Hauptbahnhof, zu dem ich ja eigentlich gar nicht wollte, Wasserwerfer und Wannen ohne Ende, was das wieder gekostet hat.

Dabei könnte man sehr viel Steuergelder sparen, wenn man einfach mal gar keine Polizei einsetzen würde bei Nazikundgebungen. So lange das Verhältnis in Hamburg bei 800:35 bleibt, spart das allein schon beim Verwaltungsaufwand. Keine Anmeldungen mehr. Garantiert.

No Nazis but Music: Christopher Lawrence - Hook Recordings



Samstag, 3. Mai 2014

Verbote sollte man verbieten















In Deutschland wird gerne alles reglementiert. Zäune oder Schilder warnen den unmündigen Bürger davor irgendwelche furchtbaren Schandtaten zu begehen. Zum Beispiel den Kinderwagen oder auch nur die Schuhe im Hausflur abzustellen, im Park Fahrrad zu fahren oder den Rasen zu betreten. Ganz besonders den Rasen zu betreten.

Meine erste direkte Erfahrung mit den Cops machte ich mit etwa 13 (oder 12? Die Zahlen passen super fällt mir gerade auf.) Weil wir mit etwa 20 Jungs ein schönes Fußballspiel auf einem schönen großen Rasen veranstalteten und den Pöbelspacken auf seinem Balkon eine halbe Stunde völlig ignorierten, bis die Grünen gleich mit mehreren Mannschaftswagen anrückten und uns jagten. Fußballspielende Kinder, in die Fahrzeuge verfrachtet und von den Eltern auf der Wache abholen lassen, weil das Betreten des Rasens verboten war..

Mich haben sie damals nicht gekriegt, aber die gefühlte halbe Stunde, die ich unter einem tief hängenden von Büschen geschützten Balkon gekauert habe, vergesse ich nie. So wenig wie das Arschloch von Parkaufseher, das mir im Eichtalpark die Luft aus den Reifen ließ und die Luftpumpe danach "konfisziert" hat. Zehn Kilometer schieben, denn Fahrradfahren im Park war verboten.

Im Karoviertel ist das Abstellen von Fahrrädern verboten, gleich mehrfach, doch scheinbar schert sich hier keiner drum und das finde ich gut so. Ganz egal, ob es die Anwohner selber sind, die dieses alberne Verbot ignorieren, oder irgendwer sonst. Manche Schilder kann man sich echt schenken.

Verboten gut: Wovenhand - Refractory Obdurate



Sonntag, 20. April 2014

Feuerwehr beim Zündeln erwischt
















Schashagen/Brodau, Ostsee.
Wie auf obigem Foto eindeutig zu erkennen, ist es die Freiwillige Feuerwehr Dingenskirchen selber, die den Misthaufen von Bauer Heinsen in Brand setzt. Wahrscheinlich nur eine Maßnahme um den Tourismus im Ort etwas anzuheizen. Endlich mal was los hier, außer der großen Schnitzelkarte in der Brodauer Eiche.

Schnitzel mit Thunfisch, Paprika und Zwiebeln gefüllt mag sich seltsam anhören, war aber nicht übel und die Bratkartoffeln ebenfalls lecker. Weitere Ostseeausflugsabenteuerbilder gibt es, wenn ich irgendwann wieder Herr über meinen Rechner und meine Sinne bin. Weitere krude Verschwörungstheorien zum Thema Feuerwehr gibt es hier.

Zündelmusik: Molotov - Dance And Dense Denso

Donnerstag, 20. Februar 2014

Noch 'ne Petition
















Onlinepetitionen sind schwer in Mode. Seit ich mich bei Campact registriert habe, um irgend etwas wichtiges zu unterzeichnen (was dann von der Bundesregierung trotz weiterer 250.000 Stimmen schlicht ignoriert wurde), werde ich mit einer Flut von Mails bombardiert. Am laufenden Band wird man auf neue Petitionen aufmerksam gemacht. Manche sind durchaus sinnvoll, daher habe ich auch die Petition gegen die Privatisierung der Wasserversorgung unterzeichnet und den Appell gegen den Verkauf von persönlichen Daten durch die Meldeämter, aber inzwischen gibt es für jeden Blödsinn eine Onlinepetition. Ernst nehmen kann man das kaum noch, daher landen Mails von change.org, campact oder onlinepetition.de inzwischen im Spamordner. Sollte es tatsächlich noch einmal etwas furchtbar wichtiges zu unterzeichnen geben wird mich mein politisch korrekter Freundeskreis sicher drauf hinweisen. Ob es hilft ist natürlich eine andere Frage.

Denn Mutti und ihre Rasselbande werden das ähnlich interessiert zur Kenntnis nehmen wie bisher, was in Neuland passiert. Das ZDF wird Markus Lanz sicher nicht entlassen, weil ein paar tausend Nasen sich über sein "Interview" mit Sahra Wagenknecht so unglaublich aufregen, dass sie sich der Mühe eines Mausklicks unterziehen. Ehrlich gesagt ist es mir auch völlig Wumpe, denn wer sich für diese inhaltsleere Laberbacke vor den Fernseher setzt hat es nicht besser verdient.

Mittlerweile kann jeder Kasper eine Petition starten, vom Wutbürger bis zum homophoben LehrLeerkörper. Für jeden Geschmack ist etwas zum unterschreiben dabei, von der Rettung historischer Hühnerställe bis zur Aufforderung an Heidi Klum, sie möge doch in ihrer Magermodelsendung über Magersucht aufklären. Es gibt sogar Erfolge zu verzeichnen. Bei der Vorratsdatenspeicherung nicht gerade, aber das Hotel Erbprinz verzichtet zukünftig auf französische Gänsestopfleber und führt dafür "faire" Gänseleber aus Italien ein. Hurra. Welch ein Fortschritt.

Und neulich lese ich, der Gerhard von der Gegengerade, der hat jetzt auch eine Onlinepetition am Start. Er möchte erreichen, dass die Rückennummer 17 nach dem Karriereende von Fabian Boll beim FC St.Pauli nicht mehr vergeben wird. Mann, denk ich, DAS ist jetzt wirklich ein wenig überzogen. Eine Onlinepetition, meine Güte, wie albern.
Ein wenig albern ist er ja öfter, aber wenn man das so liest, dann ist es dieses Mal sein voller Ernst. Er hat jedenfalls einen Haufen guter Argumente am Start.

Natürlich melden sich auch gleich ein paar mit Gegenargumenten, schließlich wird die 21 schon nicht mehr vergeben und so wahnsinnig viele Nummern gibt es im Fußball nicht, außerdem hätte man bei diesem und jenem dann auch die Nummer nicht mehr vergeben dürfen und überhaupt - ist diese "Tradition" nicht ursprünglich irgend so ein Amischeiß?

Mir egal, selbstverständlich habe ich unterschrieben. Ich kann nicht anders, ich bin befangen. Das einzige Fußballtrikot das ich je besessen habe (außer meinen eigenen in grauer Vorzeit) trägt die 17. Eine andere Nummer wäre nie in Frage gekommen. Am Ende der Saison werde ich das erste mal in meinem Leben eine Tapete basteln und sie wahrscheinlich hinterher nicht lesen können weil jemand massig Zwiebeln schneidet im Stadion. Sentimentaler Scheiß? Ja bitte.

Zwölf Jahre. Das ist eine Zeitspanne, in der andere Profis mindestens drei verschiedene Vereinswappen küssen beim Torjubel. Das hatte Boller nie nötig, weil jeder wusste, was es ihm bedeutet hat hier zu spielen. Bei dem Verein, bei dem er vorher als Fan in der Gegengerade stand. Für Boller war jedes Spiel bei "seinem" Verein ein Geschenk, und ebenso reichlich hat er zurückgezahlt, von der dritten Liga bis in die erste und (fast) wieder zurück, wenn es eine Konstante in dieser Zeit gab um die man sich keine Gedanken machen musste, dann war das Fabian Boll.

Wenn die Mannschaft einen Rückstand gedreht hat, dann war es oft genug Bollers Präsenz auf dem Platz, sein schier unglaublicher Wille, der die Truppe mitgerissen hat. Gegen Rostock, oder gegen Dresden, wo er kurz vor der Pause den Anschlusstreffer erzielt und die Jungs auf dem Weg in die Kabine auf die zweite Halbzeit einschwört. Nach Spielen in der Bundesligasaison lief er mit Eiswickeln um die kaputten Füße herum, weil sie nicht mehr in die Schuhe passten. Boller war immer da wenn es brannte, ob auf dem Platz oder in der Fanszene, man konnte sich beinahe darauf verlassen, dass der "Bulle" der einzige ist, der bei der "Bullen aus der Kurve" Diskussion die richtigen Worte findet, um die Gemüter zu beruhigen.  

Und dann wäre da noch sein oft knochentrockener Humor, der ist einfach unschlagbar. Es findet vielleicht nicht jeder in Hamburg lustig, dass er weiß wo Mordor liegt, aber mein Humorzentrum trifft er immer. Voll. Es gibt keine Interviews über die ich mich mehr freue, als über die mit Fabian Boll in der Vereinsflimmerkiste. Da muss ich meist schon grinsen bevor ich den Knopf gedrückt habe. Ob sich das Abo nach seinem Karriereende noch lohnt wird ganz davon abhängen, in welcher Funktion er dem Verein erhalten bleiben wird.


In meinen gut 40 Jahren als Fan dieses Vereins habe ich eine auch nur annähernd ähnliche Karriere nicht erlebt. Ich hatte immer meine Lieblinge, Walter Frosch, Volker Ippig, Thunder Zander oder Sonny Wenzel. Aber wenn ich irgendwann noch einmal eine Jahrhundertelf wählen darf, dann weiß ich jetzt schon, welcher Name dort als erstes auftaucht. Und wenn wir in den nächsten zwanzig Jahren noch einmal das unglaubliche Glück haben sollten, so einen Spieler in unseren Reihen zu haben, dann können wir gerne über die nächste Rückennummer reden.

Boller ist Sankt Pauli und 17 bleibt BOLL!


Geschrieben unter dem Einfluss der Black Seeds - Solid Ground & other Stuff

Donnerstag, 23. Januar 2014

Stadtansichten: Sankt Pauli (Teil 3)




















Der Kiez bei Nacht, das ist wahrscheinlich für 90% der Touristen alles, was sie von diesem Stadtteil zu sehen bekommen. Wenn man schon mal in Hamburg ist muss man natürlich auf die Reeperbahn und sich das weltberühmte Rotlichtviertel ansehen, aber kaum haben sie sich aus der trügerischen Sicherheit ihrer Reisebusse oder Hotels begeben, werden sie ein leichtes Opfer übler Kaschemmen, in denen sich leicht bekleidete Damen teuren Sekt ausgeben lassen. Die Opfer findet man manchmal bewusstlos in dunklen Ecken oder zornbebend auf der Davidwache wieder, einige nehmen es sportlich und besuchen danach das Millerntor.

Heute treten Touristen gerne in geballten Horden auf. Wenn irgendwo ein Menschenauflauf rücksichtslos den Weg versperrt, steht inmitten der Menge meist ein mehr oder weniger lustig gekleideter Mensch und erzählt Anekdoten. Kiezführungen sind total in Mode, am besten noch mit einer aus Funk- und Fernsehen bekannten Kiezgröße wie Olivia Jones oder Inkasso Henry. Steht zu fortgeschrittener Stunde kein lustig gekleideter und Anekdoten erzählender Mensch in der Menge, ist es wahrscheinlich eine Schlägerei mit Zuschauern. In diesem Fall einfach weiträumig umgehen.

Im Allgemeinen ist es auf dem Kiez nicht sonderlich gefährlich, wenn man sich an die Gehtmichnixanregel hält und üble Spelunken meidet. Auch Luden werden hier nur alle paar Jahre mal vom Barhocker geschossen, und dann auch nur weil sie Luden sind.
An manchen Tagen ziehen zur Unterhaltung der Anwohner bewaffnete Horden durch die Straßen, aber darüber wird man gottlob vorher informiert, dann ist Sankt Pauli ganz offiziell "Gefahrengebiet". Eine tolle Gemeinschaftsaktion unserer Polizei, unseres Bürgermeisters Olaf Barnabas Schilz und seines Innensenatogenerals Noimann von der FCK SPD, die jedem Junggesellenabschied erst den richtigen Kick verleiht. Leider hat der Tourismusverband diesen geschickten Schachzug nicht verstanden, daher ist eine Wiederholung des Events zur Zeit fraglich.

Es gibt jede Menge gute Kneipen auf dem Kiez, für jede Nase ist etwas dabei, nur halt nicht unbedingt auf der Reeperbahn. Die wahren Perlen liegen abseits, in Ecken, in die sich Touristen selten verirren. Leider sterben diese Perlen häufig ähnlich schnell wie die schlechten Stripschuppen, aber eigentlich war das hier immer so. Ein paar gute Läden und ein paar schlechte Stripschuppen werden überleben.

Der Kiez bei Nacht ist ohnehin alles, was die überwiegende Anzahl der Touristen vom Stadtteil sehen wird. Wahrscheinlich ist das auch ganz gut so.

Musikalische Spätschichtverlängerung: Kyuss - Blues For The Red Sun / Welcome to Sky Valley
Alle Kiezfotos Nikon D90 Freihand, Domfoto Canon Powershot A620