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Sonntag, 20. Oktober 2019
Halbzeitgänsehaut
Das war mal wieder ein echter Gänsehautmoment in der Halbzeit, die Solichoreos zu Rojava auf der Süd und der Gegengerade, die kurdischen Farben, die Sprechchöre "alle zusammen gegen den Faschismus", da wusste man gleich wieder warum man hier steht bzw. sitzt. Leider stellt sich auch schnell wieder dieses beschissene Gefühl ein, das einem sagt: Es wird sich nichts ändern, das Morden geht weiter und du kannst noch so wütend sein darüber, du änderst nichts daran, weder an deutschen Waffenexporten noch an Terror-Erdolfs Allmachtsfantasien, niemand wird Mord, Vergewaltigung und alle anderen möglichen Gräuel in diesem Krieg verhindern und das kotzt mich einfach unglaublich an, alles. Trotz Halbzeitgänsehaut.
Und sonst so?
Wenn einem nach dem Aufstehen als erstes das dämliche Rollo auf die Füße fällt, der Kaffee durch eigene Dusseligkeit zur Hälfte auf Schreibtisch und Tastatur landet und der HVV scheinbar unsinnige Streckenvorschläge macht, bis du merkst, es ist mal wieder ein Streckenabschnitt gesperrt wegen irgendwelcher Bauarbeiten und du darfst Regionalbahn fahren, was soll da noch kommen? Fußball?
Könnte sein. Immerhin ist das Selbstbewusstsein nach den letzten Spielen nicht gerade gering und einer Mannschaft wie Darmstadt wird man ja wohl fußballerisch Paroli bieten können. Denk ich mir so und dann kommt es doch wieder ganz anders, weil ich ganz vergessen habe, dass wir traditionell gerne Aufbauhelfer für glücklose Teams spielen und wer wäre bisher glückloser gewesen als Darmstadt?
Natürlich war das vollkommen unnötig, aber leider auch irgendwann abzusehen. Eine dieser eigentlich typischen Nullnummern, die dann durch ein blödes Kacktor entschieden werden, weil man es selber trotz deutlich mehr Ballbesitz nicht schafft, in den vorhergehenden 80 Minuten mal einen einzuschenken.
Dafür steht Darmstadt defensiv einfach zu gut und die seltenen Torchancen, die man durch die selten entstehenden Lücken bekommt, werden mehr oder weniger kläglich vergeben. Ein Abseitstor von Waldi und ein schöner Hackentrick von Mats, den Becker direkt auf den starken Schuhen zieht, das ist zu wenig, das ist nicht wirklich gefährlich und dann braucht's nur noch eine Ecke bei der Himmelmann wieder auf der Linie klebt und niemand den Kopfball verhindert, schon haste verkackt.
Unnötig ist das vielleicht auch, weil zwei bis drei Prozent mehr Laufbereitschaft, Wille, Reaktion, Konzentration oder whatever, die dem Team gegen Stellingen und Sandhausen anzusehen waren, heute einfach fehlen. Zu wenig Druck auf dem Kessel geht in dieser Liga nicht, wenn man oben mitspielen will. Das wollen schon wieder so viele, dass der Dämpfer vielleicht noch rechtzeitig kommt. Wenigstens nicht gegen einen unsympathischen Verein, das ist ja auch was.
13 von 40. Nachlegen!
Was sonst noch gut war:
Die rote Karte vom Netzwerk Gegengerade. Schlecht ist eigentlich nur, dass so etwas bei uns nötig ist.
Mal wieder bei den alten Säcken gesessen, ordentlich Konfetti aus dem Bier gefischt und Skippers Spielkommentare genossen *g*
Buballa. Bis auf die letzten 10 Minuten vielleicht, da lief er schon auf Felge. Ein paar mehr auf Augenhöhe und wir hätten das gewonnen.
Was sonst noch schlecht war:
Ich weiß ja dass ich keine Ahnung vom Fußball habe, aber sollte man, wenn man doch noch gewinnen will, nicht lieber einen Stürmer einwechseln? Einen Diarra oder Gyökeres vielleicht?
Die vielen hässlichen Pauli-Schals, die vor dem U-Bahn Eingang verkauft werden, haben hässlichen Derbysiegernachwuchs bekommen und es gibt verwirrte Menschen, die diesen Scheiß tatsächlich kaufen.
Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - SV Darmstadt 98, 0:1
Musik dazu: Faithless - Sunday 8PM / Outrospective
Schickere Fotos bei Gröni: Gegen den Faschismus aber nicht gegen Darmstadt
Der Magische FC trinkt darauf ein Astra (wie verzweifelt muss man sein)
Mittwoch, 8. Juni 2016
Keine Angst vor Moscheen
Im Urlaub hab ich mir die Dinger mal näher angesehen und festgestellt, ist auch nix anderes als Kirche. Die Türme sind etwas schlanker und statt Bim-Bam um sechs gibt's arabisches Gejodel um fünf, dafür wird es wenigstens nicht stündlich wiederholt. Statt auf harten Holzbänken zu sitzen muss man auf einem weichen Teppich (garantiert echt Orient) knien und natürlich vorher die Schuhe ausziehen, woran man sich erinnern sollte bevor man morgens seine Socken aussucht.
Das war es dann auch schon fast mit den Unterschieden. In beiden sitzen überwiegend alte Männer, die einen unsichtbaren Schöpfer irgendwo im Himmel anbeten, den Inhalt steinalter Bücher für der Weisheit letzten Schluss halten und an ein Paradies nach dem Tode glauben, weshalb viele es für überflüssig halten, dieses Paradies jetzt und hier schon zu erschaffen.
Also alles ganz normal :D
Moscheefotos: Moscheen von Avsallar (1,4) und Çeltikçi (2,3)
Moscheegetränk: Hendricks Gin & Tonic
Moscheemusik: Garbage - Not Your Kind Of People
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Standort:
Avsallar/Alanya/Antalya, Türkei
Samstag, 4. Juni 2016
Bauernmarkt in Avsallar
Eigentlich will ich nach Manavgat auf den Markt, eigentlich die große Moschee mit den vier Minaretten fotografieren und nebenbei Sesam Nüss mit Honig kaufen, aber der Montag liegt diesmal sehr ungünstig, mit dem Dolmuş bis Manvgat dauert bestimmt ne Stunde, wahrscheinlich will eh keiner mitkommen, es gibt Ausreden ohne Ende und der Montag verstreicht, ohne Markt in Manavgat.
Der nächste wäre wieder in drei Tagen, aber da kann ich auch einfach über die Straße gehen, Donnerstags ist Bauernmarkt in Avsallar. Der ist auch ganz toll haben die Jungs gesagt und sie kommen sogar alle mit. Männershopping, der eine will Unnerbüxen, der andere Glitzerkram für die Holde und Klamotten für die Gören, der nächste irgendwelche leckeren Teepflanzen und echten türkischen Tabak beim Tütünhöker, das kann lustig werden. Besser als alleine in Manavgat herumstolpern ist es allemal.
Anfänglich geht es wie immer durch die Klamotten- und Ramschabteilung, voll echte Bose Bluetoothlautsprecher, Dr. Dre's Beatskopfhörer und Diamantrolexe mit Batteriebetrieb für'n Appel und 'n Ei, Unnerbüxen von Calvin Klein bis Dolce & Gabbana im Zehnerpack, Plastikspielzeug der übelsten Sorte, Bauchtanzkleider für Kinder, Kühlschrankmagneten, Schlüsselanhänger und Jeansjeansjeans, was man halt so an den Touristen bringen kann.
Wenn man davon nichts haben will bleibt man besser nicht stehen, doch als Mr. T gerade irgendwelches Zeugs für seine Mädels einkauft stehe ich zu lange unentschlossen herum. Der Mann am gegenüberliegenden Klamottenstand erkennt scharfsinnig, dass ich genau die Art Kunde bin, die er im Auge hat. "Guckstu hier" macht er mich auf seine Kollektion ultrahässlicher Poloshirts aufmerksam, "alle bis 5XL", er packt aus bevor ich zucken kann und hält mir ein von oben bis unten mit dusseligem Camp Dingsda established schießmichtot Blablagedöns besticktes Shirt vor die Nase. Bunt! Ich will das nicht lesen!
Ich schüttel den Kopf, keine Ahnung ob er "sieht echt scheisse aus" versteht, aber dass ich keinen Bock habe als Reklamefigur durch die Gegend zu latschen kriegt er mit. Leider kann ich ihn nicht davon abhalten das nächste Paket zu öffnen. "Guckstu hier alle bis 5XL." Ja, alle schrecklich, auch ohne Camp Dingsda Stickereien. Bevor er noch schlimmere Klamotten aus irgendeiner Ecke zieht versuche ich ihm begreiflich zu machen, dass ich eh nur T-Shirts trage und zupfe an meinem St.Pauli Shirt.
"Aaaah, Fußball" strahlt er mich an und springt in die nächste Ecke. Neiiiiiin. Kein Schland bitte, auch nicht von Schweinsteiger.
Hat man die Hürde "Klamottenstraße" überwunden wird es gemütlicher, aber nicht weniger bunt. Das Gemüse leuchtet hier knackiger als in deutschen Supermärkten mit Gemüseabteilungslichtdesign. Mich beschleicht langsam das Gefühl, dass die weißen Tücher mit denen hier alles verhängt ist, nicht nur Schatten spenden sollen, aber selbst wenn die Erdbeeren zu Hause nicht mehr ganz so rot leuchten, für nicht einmal 80 Cent pro Kilo wird das zu verschmerzen sein.
Herr H. bekommt seine Unnerbüxen, der Exilwestfale sein osmanisches Fleischgewürz für den nächsten Versuch mit Adana Kebap und am Ende stehen die Experten schnuppernd vor seltsamen Kräutersträuchen, die angeblich so etwas ähnliches sein sollen wie Tee, nur ganz bestimmt viel leckerer. Bei Kazim bekommen wir auch gleich heißes Wasser um die mitgebrachten Spezialitäten zu testen und tatsächlich, es schmeckt exakt wie Tee.
Womit sich das Gerücht "leckerer als Tee" auch sofort wieder verflüchtigt, ohne Rum und Zucker taugt das einfach nix. Auch nicht als Strauß vom Bauernmarkt.
Marktfotos: Avsallar Markt, Alanya, Türkei - Nikon D90
Marktbier: Arcobräu Mooser Liesl, Helles, 5.3%
Marktmusik: Thievery Corporation - The Mirror Conspiracy
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Standort:
Avsallar/Alanya/Antalya, Türkei
Mittwoch, 1. Juni 2016
Die besten Kneipen der Welt
erkennt man immer am Wirt, der Rest ist nur die Zugabe. In diesem Falle gehört Bakis Sportsbar in Avsallar garantiert dazu, denn Baki ist Weltklasse.
Der magische FC führt 1:0 gegen Bochum, als mir die lange Tafel mit den Longdrinks und Cocktails ins Auge fällt, 5, 6, 7 Euro, eigentlich ein Lacher, wenn man das Taschengeld sonst eh nur für Trinkgelder braucht. Der Treffer muss begossen werden. Ein anständiger Gin Tonic wäre nett, das Zeug im Hotel ist ungenießbar. "Baki, was hast'n für Gin im Tonic?"
"Gordons und Finlays" kommt es zurück. Gordons wär gut, ich bestelle einen.
Zwei Minuten später: "Hab kein Gordons mehr, ist leer. Bin gleich wieder da." Schwingt sich aufs Mopped und määääääääää, fünf Minuten später gibt es eiskalten Gin Tonic, amtliche Mischung, man schmeckt den Gordons gut raus. Dinge wie "Braucht ihr W-LAN? Passwort is Baki"* sind so selbstverständlich, wie die unausgesprochenen Wünsche seiner Gäste zu erkennen.
"Jungs, wollt ihr Eis?" Öööh, ja, gute Idee eigentlich. "Mit Erdbeeren?" Auja, das is mal ne Maßnahme. Viele Erdbeeren! "Und Sahne?" Klar, kann nicht schaden. Kurz darauf: "Hab keine Erdbeeren, bin gleich wieder da." Määääääääää....
..und was für eine Portion, da schämt sich jede italienische Eisdiele in Grund und Boden.
Wenn man etwas Glück hat bekommt man auch das zahme Rebhuhn zu sehen, das Vaddern als Küken aus den Bergen mitgebracht hat und das ihm seitdem nicht von der Seite weicht. Man darf aber nicht sagen "oh ein Rebhuhn, wie lecker", sonst ist es schnell wieder weg.
In vielerlei Dingen kann Baki ganz sicher weiterhelfen, oder kennt jemanden der weiterhelfen kann. Die ganze Familie ist sehr geschäftig in Avsallar, ob Immobilien, Autoverleih, Ausflüge oder zungenverbrennendes Osmanisches Gulasch, so ziemlich alles im Portfolio und ganz bestimmt nicht nur das Gulasch direkt am Tresen buchbar, zur Not kommt der Experte mit dem Mopped vorbei...määäääää.
* ganz so einfach war es doch nicht mit dem Passwort, man könnte es aber erraten, wäre es nötig
Kneipenfotos: Bakis Sportsbar, Avsallar, Türkei
Kneipengetränk: Bombay Sapphire, Schweppes Tonic
Kneipenmusik: Little Feat - Live from Neon Park
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Standort:
Avsallar/Alanya/Antalya, Türkei
Montag, 30. Mai 2016
Auf dem Oymapınar
Es geht aufwärts, auf staubigen Serpentinen mit besser keinem Gegenverkehr. Da es heiß geworden ist, dürfen wir jetzt wieder aus unverhüllten Cabriobusfenstern gucken und in den Kurven den Abstand zwischen Reifen und Abgrund schätzen. Es ist merkwürdig still im Bus, jedenfalls jammert niemand mehr über Zugluft. Ich überlege kurz ein "wir werden alle sterben" zu seufzen um die Stimmung etwas aufzulockern, aber man ja weiß nie wo bei anderen Leuten die Humorgrenze ist. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Staudamm und dürfen uns die Beine darauf vertreten. Die Zeit nutzen etwa fünf Leute für Fotos vom Tal und fünfzig für Selfies mit Staumauer, man muss Prioritäten setzen..
Blau ist der Himmel, grün das Wasser, voll das Polfilterwetter. Heute scheine ich wirklich Glück zu haben mit dem Green Canyon, der seinen Namen nicht dem Grün an den Hängen verdankt, sondern der tollen grünen Wasserfarbe und wahrscheinlich einem cleveren Menschen bei der Tourismusbehörde, denn "Oymapınar Stausee" hört sich längst nicht so romantisch an.
Nach zwanzig Minuten dürfen wir endlich ins Boot, doch statt den Canyon anzusteuern schippert uns der Kahn ins nächstgelegene Restaurant. Ein sehr lauschiges Plätzchen, schön schattig unter Bäumen verborgen wie ein Piratennest. Es gibt wahlweise Köfte, Hühnerspieß oder Forelle vom Grill und dazu Beilagen satt, das ist das übliche all-inkl. Ausflugsangebot, nur das Getränkeangebot hat sich gegenüber früher verändert, es gibt kein Bier mehr. Das ist einigermaßen schockierend, aber zur Not kann man am Tag auch mal Wasser trinken. Oder türkischen Tee, was möglicherweise sogar die bessere Entscheidung ist.
Leider kostet das alles wertvolle Zeit, der Himmel droht schon seit längerem mit einer dichter werdenden Wolkendecke, das hatte ich hier schon Mal - und es wiederholt sich. Auf den sieben Kilometern Fahrt durch den Canyon taucht die Sonne nur noch selten einen der schroffen Felsen ins Licht und das Wasser hatte ich auch wesentlich grüner in Erinnerung. Als wir am Ende angelangt sind und uns der Reiseleiter gerade auf die sprudelnden Quellen an Backbord aufmerksam machen will (gucken sie hier links liebe Gäste), fängt es an zu schütten wie aus Eimern.
Okay, also keine Fotos auf dem Rückweg. Statt dessen ein Tee unter Deck, was bei zwei Busladungen mit Touris eine ziemlich kuschelige Angelegenheit wird. Bei garantierten 300 Sonnentagen im Jahr rechnet halt jeder das Oberdeck mit ein.
Mit eingerechnet wird sicher auch der Umsatz im Klamottenladen, an dem wir auf dem Rückweg halten. Auch eine Sehenswürdigkeit, in der es (garantiert liebe Gäste) echt originale Klamotten gibt (nicht getürkt liebe Gäste), dafür ist eine halbe Stunde eingeplant. Das reicht für mich um zu erkennen, dass Nike und Gucci sehr ähnliche Badehosen haben, mehr wollte ich ohnehin nie wissen. Für Mr. T reicht es leider nicht, weil der seinen Drei-Frauen-Haushalt mit allerlei Tuch versorgen muss und ich ihm beratend zur Seite stehe.
Und schon wieder komme ich als letzter aus dem Shopping Center. Diesmal ist es mir auch etwas peinlich.
Canyonfotos: Oymapınar Stausee, Manavgat, Türkei - Nikon D90
Canyonbier: Rügener Insel-Brauerei, Insel Kreide, 5.5%
Canyonmusik: Pearl Jam - Benaroya Hall: October 22nd 2003
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Standort:
Manavgat/Antalya, Türkei
Samstag, 28. Mai 2016
Shopping Center, 300 v.Chr.
Will man auf Pauschalreisen mehr sehen als Strand und Hotelbar kommt man um die Ausflugsangebote der Reiseveranstalter kaum herum. Zwar gelangt man in der Türkei mit dem Dolmuş billig und bequem in die nächsten Orte, aber Ausflüge ins Hinterland sind damit schon schwerer zu bewältigen. Den Green Canyon will ich aber noch einmal sehen, vor ein paar Jahren war das Wetter einfach zu schlecht für gute Fotos und ich hab diesmal sogar das Glück, dass Tamsi sich mir anschließt und ich die Tour nicht alleine machen muss.
Wir fahren mit dem "Cabriobus", ein abenteuerliches altes Gerät mit offenen Seitenfenstern, aus denen man zur Not während der Fahrt fotografieren könnte, würden nicht nach fünf Minuten die ersten Fahrgäste anfangen zu jammern. Es zieht und ihnen ist kalt, trotz der frisch gekauften dicken Camp Dingsda Jacken, der Reiseleiter muss die Plastikfenster verzurren. Weicheier.
Der zweite Nachteil solcher Exkursionen macht sich nach wenigen weiteren Minuten bemerkbar, der Bus hält einfach nicht da, wo ich anhalten würde. Genau genommen hält er gar nicht, nicht im Dorf mit den historischen alten Ziegelhäusern (sehen sie hier vorne liebe Gäste), nicht an dem Rest der alten römischen Brücke über dem malerischen Bach (sehen sie hier links liebe Gäste) und auch nicht an dem Tal mit dem wirklich langen gut erhaltenen Teil des alten römischen Aquädukts (gucken sie hier rechts liebe Gäste).
Die Hoffnung, er möge wenigstens auf dem Parkplatz halten, von dem aus man diesen fantastischen Blick auf das Tal mit Fluss und unterem See hat, erfüllt sich ebenfalls nicht. Das nächste Mal buche ich eine Tour mit Jeep und einem Fahrer den man anschreien kann, egal was das kostet. Stattdessen landen wir, auch das ist typisch für die Türkei, an einem Shopping Center. Mit Marktplatz.
In Seleukia gibt es allerdings keine Jeans, keine Trikots und keine Camp Dingsda Jacken, denn der Marktplatz ist an die 2300 Jahre alt und wird schon länger nicht mehr benutzt. Im Mittelalter soll noch jemand dort gewohnt haben, aber irgendwann war es halt nicht mehr modern und die Natur eroberte das Terrain zurück. Auf lange Sicht lohnt so ein Standort am Arsch der Heide halt nicht, aber immerhin kommen jetzt so langsam wieder Touristen. Und gleich zwei Busladungen...
Die Ruinen liegen in der prallen Sonne, überall harte Schatten, überall Bäume, die den spenden - und was viel schlimmer ist: überall diese Touristen. Gegen ein oder zwei davon irgendwo in der Ecke hab ich ja nichts, schon wegen der Größenverhältnisse, aber zwanzig geht gar nicht, das ruiniert die Ruinen völlig. Folglich latsch ich möglichst langsam hinter der Meute her, bis sich das Gros zwischen den alten Gemäuern verteilt oder den Rückweg zum Bus angetreten hat...
.. und komme als letzter aus dem Shopping Center. Ein Omen für den Rest des Ausflugs.
Agorafotos: Ruinen von Lyrbe (Seleukia), Manavgat, Türkei
Agoragetränk: Bulldog Tonic
Agoramucke: Pearl Jam - Ten/Vs./Vitalogy
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