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Sonntag, 9. Oktober 2016

Ein kleiner Ausflug zum Sport
















Die Rugbydamen des FC St.Pauli verlieren ihr Bundesligaheimspiel gegen den ASV Köln mit 10:31, ich tauge also nicht einmal beim Rugby als Glücksbringer, verdammt. Spaß gemacht hat es trotzdem, obwohl ich von diesem Sport immer noch nicht die leiseste Ahnung habe. Es ist schon interessant zu sehen, wie dort extrem verbissen um jeden Meter gekämpft wird. Es wird gezerrt und gezogen, geklammert und gehalten, zur Not auch an den Socken, geht aber alles ohne größere Blessuren ab und so ein richtig fieses Foul wie bei den Fußballern hab ich ebenfalls nicht gesehen.

Liegt möglicherweise auch daran, dass ich absolut keinen Plan habe was im Rugby als grobes Foul gewertet wird. Spielunterbrechungen gab es zwar reichlich, aber das kann ja auch andere Gründe gehabt haben. Dann stehen sich beide Mannschaften gegenüber und verknoten sich derart, dass es keinem so richtig gelingen will das darunter platzierte Ei zu erreichen, bis sich irgendwer das Ding schnappt und damit stiften geht. Wenn das niemand rechtzeitig bemerkt und der Gegner eine sehr schnelle Läuferin am Start hat, wie die Kölner an diesem Nachmittag, liegt man schnell mal hinten - und das dummerweise gleich mit 0:10.

Eine Zählweise, die mir immer noch etwas suspekt ist, denn natürlich hätte ich wahnsinnig gerne einundvierzig Tore gesehen, aber gezählt habe ich nur vier. Dafür sind die Einwürfe sehr viel spektakulärer als beim Fußball, weil sich die Ballfängerinnen mit erhebender Teamunterstützung schon in der Luft um das Sportgerät balgen dürfen.

Ansonsten liegen sie nämlich auch gern alle auf dem Rasen herum, manchmal derart gestapelt, dass einem schon vom Zugucken die Luft wegbleibt. Gibt es beim Fußball zwar auch ab und zu, aber eigentlich nur nach Toren und da bleibt wenigstens der Gegner außen vor...

Rugbier: Doggie Style Pale ALe, 5.5%, Flying Dog Brewery 
Rugmusik: Auf Der Maur - Out Of Our Minds
















Donnerstag, 8. Mai 2014

Dunkle Wolken überall
















Auf dem Regenradar bewegt sich ein großer blauer Fleck auf Hamburg zu. Formatfüllend, kein Entkommen möglich. Trotzdem setze ich mich ins Auto, denn die Abteilung Fördernde Mitglieder hat zum alljährlichen Ü50 Treffen auf das Trainingsgelände eingeladen und dem kann ich mich aus mehreren Gründen nicht verweigern. Zum einen war mein Erscheinen in den letzten Jahren ein zuverlässiger Indikator für anstehende Trainerentlassungen - und in den letzten Wochen hängen dunkle Wolken auch über unserem Übungsleiter. Zum anderen ist das die wahrscheinlich letzte bequeme Möglichkeit von Fabian Boll mein Trikot signieren zu lassen, am besten beidseitig, damit ich das ab und zu mal andersherum aufhängen kann. Abgesehen davon könnte ich mal wieder ein wenig Sportfotografie üben wenn die Jungs über den Platz toben.

Der dunkelblaue Fleck erwischt mich dann auf der Fahrt, es schüttet wie aus Eimern. Trainieren Profis eigentlich bei so einem Sauwetter auch, oder warten die bis es aufgehört hat? An der Kollau gibt es jedenfalls null Unterstellmöglichkeiten, es sei denn man besetzt kurzerhand das Gebäude. Gott sei Dank tröpfelt es nur noch ein wenig als ich dort ankomme. Auf dem Parkplatz läuft mir Buchti über den Weg und verschwindet durch eine Hintertür im Trakt. Wenn die Spieler jetzt erst eintrudeln wird es wohl noch etwas dauern, ich krame ein wenig im Kofferraum und finde einen abgewrackten Restschirm mit gefährlichen Spitzen, der ist im Falle eines Falles immer noch besser als nichts, muss man halt etwas aufpassen mit dem Ding.

Benötigt wird er dann doch nicht, es bleibt halbwegs trocken und der Schrott kann am Geländer hängen bleiben. Angesichts der unsicheren Wetterlage haben sich die Organisatoren für heiße Würstchen aus dem Topf entschieden, ein Holzkohlegrill verträgt sich halt nicht so mit Hamburger Wetter. Das Training fällt ebenfalls aus, denn die Mannschaft tritt um 18:30 bei einem Benefizspiel gegen Teutonia an, weil ein durchgeknallter amerikanischer Grundstücksverteidiger einen ihrer Spieler erschossen hat. Der wollte dort eigentlich nur ein Jahr zur Schule gehen, wurde aber wohl über die Gefahr für Leib und Leben die in solchen Bananenrepubliken droht nur ungenügend aufgeklärt.

Bleibt eine knappe Stunde für Fragen an Trainer und Sportchef (kritisch gerne, aber bitte nicht aggressiv), die Antworten befriedigen mich aber nur so mittelmäßig wenn ich ehrlich bin, sonderlich souverän wirkt der Trainer dabei auch nicht immer. Im Schlepptau dabei ist Schnecke Kalla, der den Übungsleiter sogar zu Rauchpausen auf den Balkon begleitet, und zu meinem Glück lässt sich auch Boller noch blicken, der natürlich sofort umringt wird und die zahlreichen Foto- und Autogrammwünsche wie immer gut gelaunt erfüllt. So komme ich wenigstens zu meinem signierten Trikot und als Ausgleich zur verpassten Sportfotografie zu einem richtig schicken Regenbogen auf der Rückfahrt.















Sonntag, 19. Januar 2014

Auch tote Revolutionäre können Leben retten















Eigentlich soll der Sonntag ja der Erholung dienen, aber die Kinder wollen heute aufs Eis. Wie bei Patchworkfamilien üblich bedarf das einer logistischen Leistung, der man am besten entgeht indem Opa einfach früh aufsteht und ins Auto steigt. Die Prinzessin muss bei einer Freundin abgeholt werden, irgendwo in Barmbek. Danach dann zurück um Junior einzusacken und dann wieder in die andere Richtung, zum Dammtorbahnhof, da kommt der Rest an. Das erscheint mir auf den ersten Blick als völlig blödsinnig, aber da ich ein gewisses Verständnis für Langschläfer und Gemütlichfrühstücker habe sag ich nix dazu, ich bin ja eigentlich selber einer.

Wenn es schon mal nicht regnet kann man auch früh aufstehen, die Chance auf Eislaufaction mit der Kurzen lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Durch geschickte Fahrweise und Parkplatzsuche (am Dammtor!) ergattere ich mir eine halbe Stunde Zeit für das Frühstück, leider überlassen wir die Wahl des "Restaurants" der Prinzessin. Da kleine Kinder auf überflüssiges Plastikspielzeug stehen fällt die Wahl natürlich auf McDoof, wenigstens gibt es zur Zeit den 1955er, den kann man essen.

Draußen ist es schweinekalt und die Gören wollen zu Fuß zur Eisbahn laufen. Meine Kamera ist im Kofferraum, ich muss in die andere Richtung, außerdem ist das am anderen Ende der Wallanlagen, mir zu weit für zu Fuß. Bei solchen Entfernungen sollte man die Rückwege einrechnen, ganz besonders mit kurzen Beinen, also setze ich mich in die Karre und finde, einen guten Kilometer weiter, wieder eine Parkmöglichkeit.

So clever das für später erscheinen mag, so blöde ist das jetzt. Ich stehe eine halbe Stunde alleine an der Eisbahn und friere mir den Hintern ab. Eine weitere halbe Stunde dauert es bis alle auf dem Eis sind. Alle außer mir natürlich, denn der Wahnsinn hat Grenzen. Die fünf Euro Eintritt spare ich mir ebenfalls, denn von draußen kann man wesentlich besser fotografieren, drinnen ist es brechend voll.

Wenn man das findet, was man fotografieren will. Trotz auffälliger Mütze ist nichts zu entdecken, weil die Prinzessin lieber am anderen Ende der Eisfläche den Erwachsenen beim Curling zusieht. Das ermöglicht mir von der anderen Seite der Wurfzone eine ganze Serie schöner Portraitaufnahmen, bis sie mich bemerkt und die Session mit den üblichen Faxen beendet. Danach darf ich mein Glück endlich mit Actionfotos versuchen. Nachdem sie feststellt dass die restliche Familie ohnehin nicht hinterher kommt, weil sie die Allerschnellsteimkreisfahrerin ist, kann ich sogar die ersten zaghaften Pirouettenversuche festhalten, die allerdings durch die viel zu große Mütze ein wenig gehandikapt werden.

Das alles wärmt mir zwar ungemein das Herz, aber das ist inzwischen nur noch ein kleines Häufchen Restwärme, der Rest fühlt sich an wie Eiszapfen. Falsche Jackenwahl, schon wieder. Wie lange kann so etwas Spaß machen?  Anfangs schien die Kurze nicht sonderlich motiviert, aber je länger das dauert desto fideler wird sie und die Lichtverhältnisse sind nicht mehr geeignet für kurze Belichtungszeiten.

Drinnen gibt es warme Getränke, ich entschließe mich, mit dem Kassierer zu verhandeln. "Ich kann und will nicht auf Schlittschuhen laufen, aber ich hab jetzt drei Stunden meine Enkeltochter fotografiert und wenn ich nicht gleich einen Glühwein kriege gibt es mindestens einen Toten hier." Das macht Eindruck, ich darf passieren ohne den Obolus zu entrichten. Noch 30 Minuten bis zum Heißgetränk, wenn ich Länge der Schlange und Geschwindigkeit des Abbaus richtig einschätze. Es gibt zwei Schlangen, eine an der Kasse für Crêpes, eine an der Kasse für alles andere. "Alles andere" sind Marsbountysnickersgefüllte Regale, Brat- und Currywürste, Donuts, Muffins, Torten, Kuchen, Pommes, Schnitzel und sämtliche Heiß- und Kaltgetränke. An beiden Kassen jeweils eine junge Dame beschäftigt, deren Aufgabengebiet klar umrissen ist. Es scheint völlig unmöglich zu sein, an der Crêpekasse ein Heißgetränk zu ordern, die Schilder sind unmissverständlich.

Nach 15 Minuten bin ich nahe genug, um die Kreideschrift auf den Tafeln entziffern zu können. An die zehn Kaffeesorten bis zum Latte Caramello, alkoholische Heißgetränke von Grog über Glühwein mit oder ohne Schuss bis hin zum...ermordeten afrikanischen Unabhängigkeitskämpfers Patrice Lumumba. Der Gedanke an heißen Kakao mit Rum lässt mich die letzte Viertelstunde überstehen, auch wenn mir bei diesem Namen wieder die Schokoladenschaumgebäckdiskussion einfällt. Schmeckt aber einfach lecker. Und kann Leben retten.

Wärmt auch: Morphine - Cure For Pain

Samstag, 16. November 2013

Im Reich der Kühlschränke















Man sollte aufpassen, wem man wann was verspricht. Dem notorischen Norbi soll ich irgendwann versprochen haben, ihn zu einem Heimspiel der Hamburg Freezers zu begleiten, obwohl mich der Verein nicht die Bohne interessiert. Für mich sind das immer noch umgesiedelte Münchner, die zur Gewinnmaximierung der O2 Arena installiert wurden, weil sich so ein Palast durch Konzerte von Scooter und DJ Bobo alleine nicht finanzieren lässt. Seitdem haben wir in Hamburg einen Handballverein, der eigentlich aus Bad Schwartau stammt und einen Eishockeyverein aus Bayern, die haben ja genug andere da unten. Zustände wie in Amerika, grauenhaft.

Meine Vorurteile versucht mein Begleiter sofort im Keim zu ersticken indem er mich mit Bier versorgt, kaum dass wir den Schuppen betreten haben. Holsten. Einen Cheeseburger gibt es noch obendrauf, auch keine Offenbarung, aber wohl besser als die Bratwurst. Die Karte im Skylight Cafe ist sehr viel beeindruckender, da könnte man ein blutiges Steak zum Sport verzehren, leider sind die besten Plätze besetzt.

Die Halle ist vielleicht halb voll, Eishockey wird hier oben immer eine Randsportart bleiben, die Sitze sind allerdings richtig bequem im Vergleich zum Millerntor. Um ordentlich Heimatgefühle beim Publikum zu erzeugen läuft reichlich Folklore, keine Ahnung ob das jetzt die Hymne ist, mitsingen will niemand in meiner Umgebung. Irgendwas mit viel Hamburg und Norden im Text, Wellen und Wind, was halt dazugehört an Klischees. Unter uns sind scheinbar die Ultras, wenn es so etwas im Eishockey gibt. Sie singen ohne Unterlass, unterstützt von Megaphon und mindestens fünf Trommlern, die ich im Halbdunkel nicht erkennen kann. Flaggen werden auch reichlich geschwenkt, sogar FCK SPD ist dabei, was mich angenehm überrascht.

Ist das Vorprogramm durch, inklusive Werbung und allen unangenehmen Nebenerscheinungen, beginnt die Show.  Ein aufgeblasener Kühlschrank als Einfallstor der Helden in die Arena, etwas künstlicher Nebel, Projektionen auf der Eisfläche, alles was geht. Sogar Pyrotechnik aka Feuerwerk, allerdings nur auf dem TV-Würfel, was eine Dame hinter mir trotzdem schöööön findet. Man sollte Silvesterfeuerwerk vielleicht einfach im TV zeigen, spart ein Heidengeld.

In der Halbzeit Drittelpause werden lustige Spiele für und mit den Fans veranstaltet, zwei Glückliche dürfen im Angesicht des von 1860 München geklauten Maskottchens (der angeklebte Bart ist eine sehr dürftige Tarnung) wetteifern, wer sich als erstes ein gefrorenes T-Shirt überstreifen kann. Dabei werden sie von leicht bekleideten Mädels auf Schlittschuhen ausgelacht angefeuert, die scheinbar keine weitere Funktion erfüllen, Cheerleaderbommel oder ähnliches Gerät ist nicht zu entdecken. Zur großen Überraschung gibt es zwei Sieger, obwohl Kandidat 1 sein T-Shirt sehr viel schneller aufgetaut hat dürfen beide ihr Hemdchen behalten. Es lebe der Hauptsponsor - oder wer immer so viel Gnade walten lässt.
Erinnert mich fatal an unser Auswärtsspiel in Regensburg, das Rahmenprogramm war ähnlich grausam, nur halt sehr viel bayrischer.
 
Irgendwann ist dann auch endlich Sport angesagt und der, das muss ich gestehen, macht schon Spaß. Zwanzig Minuten Nettospielzeit pro Drittel, das ist eine Stunde pure Action, rasante Spielzüge und nahezu null Verschnaufpausen dabei. Ungeheuer schnell, aber trotzdem gut zu verfolgen, nur die Tore sieht man erst wenn der Puck einschlägt. Zwischendurch darf der DJ für die wenigen Sekunden der Spielunterbrechung Gas geben und irgendwelche animierenden Sachen spielen, das erinnert mich an den Exilwestfalen nach einer Flasche Ouzo. Kassiert ein Düsseldorfer Spieler Strafzeiten darf Heidi Kabel ran. In Hamburg sagt man Tschühüss, schon wieder Folklore, beinahe schon zwanghaft hier. Kommt das vom Publikum ist es geil, kommt das vom Band ist es Animation, das ist der Punkt der mich stört, hier wird laufend animiert. Am schlimmsten ist der Mikrofonkasper mit seinen ellenlangen Tor-Arien, dreimal der Torschütze, einmal der Vorbereiter, Spielstand, Danke, Bitte, Blablabla, der ganze Sermon. Wie in Regensburg, liegt mir heute noch im Magen.


Fazit: Als Event ganz tauglich, die bessere Alternative zum Musicalbesuch. Aber wenn ich mit einem Verein nichts anfangen kann und es mir schlichtweg egal ist wer da unten gewinnt, dann ist das auch nicht viel mehr als ein Musicalbesuch, reine Unterhaltung. Aus fotografischer Sicht ist der Spaß auch eher uninteressant, denn Spiegelreflexkameras sind leider verboten.

Auch besser als Muscial. Pretenders - Learning To Crawl


















 

Sonntag, 20. Januar 2013

Eisprinzessinnen und alte Schätze















Ein ruhiger Sonntag sollte das werden, ausschlafen und rumgammeln, vielleicht einen Film gucken, lesen, chillen. Doch dann ruft Herr H. an und will mich mit an die Ostsee schleppen. Bei dem Wetter! Spazierengehen am Strand wär auch bei dem Wetter nicht so schlecht meint er. Typisch Dauercamper.

Ich hab nix vor und sag das natürlich auch auf die typische Eingangsfrage. Man sollte immer mit mit "vielleicht" antworten auf solche Fragen, aber hilft das? Eigentlich hab ich nur keine Lust zwei Stunden in seiner Karre zu sitzen, zu laut und zu langsam, aber ich kann so schlecht nein sagen. Vielleicht mach ich ihm morgen den Vorschlag mit meinem zu fahren, ich kann noch eine Nacht drüber schlafen, sag aber schon mal zu, falls das Kind sich nicht doch noch melden sollte. Von dem hab ich schon Tage nichts gehört, dabei waren wir lose verabredet für dieses Wochenende.

Keine halbe Stunde später klingelt es erneut, es ist die lose Verabredung. Morgen früh Schlittschuhlaufen mit der Prinzessin. Dafür müsste ich noch zwei Stunden früher aufstehen als für die Ostseetour, aber es ist die Prinzessin. Da kann ich noch viel schlechter nein sagen als bei Freunden, also sag ich dem Camper ab.

Meine Vorfreude auf Actionfotos wird leider getrübt durch die Wahl des Ortes. Eissporthalle Farmsen, also schlechtes Licht, der Blitz muss mit. Und das Tele, also kann ich gleich den ganzen Rucksack mitnehmen. Planten un Blomen oder Wandsbek wär mir lieber gewesen, auch wenn das Tageslicht nichts taugt momentan. Dafür darf ich auch als Nichteisläufer die vollen 5.50 Euro berappen, für zweieinhalb Stunden. Beim Betreten der Halle seh ich sofort, der ganze Aufwand war für die Katz. Die gesamte Eisfläche ist von einer ziemlich hohen und völlig verkratzten Plexiglaswand umgeben, die beiden Eingänge bieten die einzigen Lücken, sind aber permanent durch Menschen blockiert. Die einzige freie Sicht auf das Eis hat man auf den oberen Zuschauerrängen, dafür brauch ich keinen Blitz, dafür brauch ich einen Flakscheinwerfer.

Nach ein paar Versuchen geb ich auf und beschränke mich auf die Beobachtung des Geschehens. Die Prinzessin trippelt auf ihren kurzen Beinen in erstaunlichem Tempo auf der Außenbahn entlang und guckt nach einer halben Runde wo ihr Vater bleibt. Der steht erst das zweite Mal auf den Dingern und ist nicht zu sehen, anscheinend hat er ähnliche Schwierigkeiten wie ich vor dreißig Jahren, bei meinem ersten und letzten Versuch auf Kufen vorwärts zu kommen. Aber entweder ist er ehrgeiziger als ich oder sportlicher, nach ein paar Runden sieht das schon ganz gut aus, er fällt jedenfalls in der Masse nicht durch irgendwelche Slapstickeinlagen auf wie ich damals.

Die Masse besteht aus Familien mit kleinen Kindern, etlichen Pärchen zwischen 18 und Ende 30 und einem Haufen spartanisch bekleideter Eisprinzessinnen in pubertärer Lebensphase, allesamt Kandidatinnen für eine Blasenentzündung. In dem Alter ist Style einfach alles, da riskiert man sogar die Eierstöcke. Ich begebe mich in den Unterrang, da gibt es Glühwein und Bockwurst, mir fehlt so langsam das Frühstück.

Nach zwei Stunden sind die Kinder kaputt und nicht nur mir knurrt der Magen. Zwei Straßen weiter ist eine Schweinskefiliale, ein Tisch ist noch frei und es duftet verführerisch aus der Küche (das ist gelogen, in keinem Schweinske duftet es verführerisch aus der Küche, aber wenn man Hunger hat kommt es einem so vor). Als wir uns die Speisekarte greifen beschließt die Prinzessin keinen Hunger zu haben, also gibt es wieder nichts zu futtern. Verdammt.

Auf dem Heimweg gibt es dafür einen Kinderfilm aus der Videothek und die zwingend nötigen Beilagen wie Popcorn und Choco Crossies. Mir wär zwar eher nach Bifteki beim Griechen, aber das Angebot wird von der Prinzessin wieder ausgeschlagen. Kein Hunger. Natürlich gibt es dann zum Film weder Popcorn noch Schokolade, denn naschen vor dem Mittag ist nicht drin. Erziehung ist echt anstrengend, was für ein Glück, dass ich das hinter mir habe. Ich gucke wieder in die Röhre und überlege, mir heimlich im Schlafzimmer eine Pizza zu bestellen, aber Filme gucken macht auch kleine Kinder endlich hungrig und wir ordern was beim Inder. Nicht bei irgendeinem Inder natürlich, der residiert in Winterhude und ich muss erst einmal nachfragen ob der die Strecke gegen Aufpreis überhaupt zurücklegen möchte. Er überprüft meine Schätzung von 15 km mit google Maps und ich liege tatsächlich nur 400 Meter daneben. Für vier Euro Aufpreis sind wir dabei, hoffentlich ist der wirklich so gut wie Junior behauptet.

Während wir auf das Essen warten verwandeln die Kinder meine Wohnung in ein mittleres Chaos. Ich hab gestern aufgeräumt und geputzt, weil ich die nächsten Wochen nicht dazu kommen werde, das hätte ich mir schenken können. Junior gräbt Schätze aus, dringt in Regionen seines alten Zimmers vor, in die seit Äonen niemand mehr reingesehen hat. Weil die Prinzessin zum Fasching als Pirat gehen will und die alte Vorderladerpistole gesucht wird, ein Degen muss da auch noch sein.

Findet sich auch alles an, dazu noch steinalte 1996er Paninibilder von alten Helden. Michel Dinzey, Carsten Pröpper, Jürgen Gronau und Yuriy Savichev sind dabei, als Krönung der ganzen Aktion fördert er auch noch ein Heimtrikot aus dieser Saison hervor, beinahe neuwertig. Schon wieder lauter Artefakte, mit denen man so recht eigentlich nichts anfangen kann, die man aber trotzdem unbedingt behalten muss. Das Trikot passt ihm wie angegossen, wäre was für ein Heimspiel im Sommer, wenn er mal wieder mitkommen würde. Bis dahin hängt es natürlich in meinem Schrank.

Zwei Zimmer sind inzwischen verwüstet, wir ziehen uns in die Küche zurück und spielen Goldgräber. Nach zwei Runden kommt der freundliche Inder aus Winterhude und bringt das sehr leckere Essen, wodurch sich die Küche endgültig den anderen Räumen anpasst. Das war es dann also mit dem chilligen Sonntag, wenigstens wird es mit Kindern nicht langweilig.

Und ich hab die Aussicht doch noch anständige Fotos machen zu können, nächstes Wochenende in Planten un Blomen.

Jetzt aber endlich voll am chillen mit Feierabendkerze und Kruder & Dorfmeister - The K&D Sessions
 

   

Samstag, 1. Dezember 2012

Churchill hatte recht














Einmal im Jahr werde ich tatsächlich gezwungen so etwas wie Sport zu treiben, jedenfalls solange die liebe Kollegin G. unsere Abteilungsweihnachtsfeier organisiert. Trotz ihrer letztjährigen Fehlversuche hat sie irgendwie einen Narren am Amikegeln gefressen, oder der Laden in Norderstedt ist die letzte Möglichkeit für verspätete Weihnachtsfeieranmeldungen. Ich bin jetzt schon gespannt welche Muskeln und Knochen morgen früh schmerzen, vor dem Spiel war es wenigstens nur das linke Knie.
Meine Lieblingsraute hat sich aus gesundheitlichen Gründen leider auch völlig aus dem sportlichen Wettbewerb verabschiedet, so ein Vereinsduell hätte eventuell noch meinen Ehrgeiz etwas entfachen können, zumal er heute mit einem schicken hsv-Hemd auflief. Nach dem Spiel gegen Schalke kann man so etwas wieder für ne Woche öffentlich tragen.

War vielleicht ganz gut so, ich krieg nichts mehr gebacken beim Bowling. Vor dreißig Jahren konnte ich das mal ganz gut, ohne auch nur den Hauch von Technik zu entwickeln, aber wenn ich das Ding in die Mitte gefeuert hab ist es dort auch meistens angekommen. Bei dieser Minimaltechnik bleiben zwar ab und zu die äußeren Pins stehen, aber wenn genug Wumms dabei ist hat man eine gute Chance die mitzunehmen. Auf diese primitive Art und Weise konnte ich sogar unsere Vereinsspielerin öfter schlagen.

Heute blickt man neidisch auf die grazil über die Nebenbahn hüpfenden jungen Kolleginnen, während man ächzend versucht die lädierten alten Knochen nicht zu sehr zu beanspruchen. Blooooß nicht zu tief in die Knie, das knackt schon wieder so. Damit gewinnt man natürlich keinen Blumentopf, aber wer kann schon den Schmerz dauerhaft ignorieren.

Wenigstens sind die Zähne wieder in Ordnung, ich hab trotzdem Filetsteak genommen hinterher.

Musik für alte Knochen: Jackson Browne - The Next Voice You Hear

Montag, 30. April 2012

42 Kilometer fleischlos














Wenn an einem Sonntag morgens um 7 Uhr die öffentlichen Verkehrsmittel überfüllt sind, dann droht irgend eine Großveranstaltung. Wenn ungefähr die Hälfte der Fahrgäste mit seltsamen Tüten hantiert, in denen sich Energieriegel, Energiegetränke und ähnlicher Schnickschnack befinden, dann kann es sich nur um eine sportliche Großveranstaltung handeln, in diesem Fall war es der Hamburg Marathon, bei dem ich schon immer mal fotografieren wollte.

Dabei geschah das diesmal rein zufällig, denn eigentlich hatte ich es auf den Fischmarkt abgesehen, und für Fotos vom Fischmarkt muss man entweder früh aufstehen oder die Nacht durchmachen, was mit einer kompletten Fotoausrüstung recht umständlich ist. Aber gleichzeitig mit dem Marathon hieß doppelte Ausbeute zum halben Preis, denn dadurch muss ich nur einen Sonntag im Jahr den Wecker auf eine eigentlich unmögliche Zeit stellen. Um Zeit zu sparen bin ich möglichst weit gefahren, hab die Karre am Straßenrand abgestellt und den Rest mit der U-Bahn erledigt.

Und da hab ich festgestellt, ich hatte bisher eine völlig falsche Vorstellung von Marathonläufern. Merkwürdige, athletische, hagere Asketen mit bunten Ganzkörperkondomen und furchtbaren Schuhen, die jeden Tag locker um den Stadtpark oder die Alster joggen, so etwas in der Art. Aber nicht unbedingt Menschen, die vor der U-Bahn Treppe noch schnell eine letzte Zigarette durchziehen, oder bei deren Gewichtsklasse jeder Arzt von Laufen als Sportart abraten würde. Bei mancher Figur hab ich mir gedacht, mangelndes Training mit mehr Energieriegeln kompensieren zu wollen, das ist keine besonders gute Idee.  
Zwei Stunden später war ich mit dem Fischmarkt fotografisch durch, hab mir ein Frühstück mit zwei Krabbenfrikadellen und nem heißen Kaffee gegönnt, und einen Platz gesucht der ein wenig Action mit Wasser versprach.

Da ich zu spät war konnte ich nicht sehen, in welcher körperlichen Verfassung sich Profis nach zehn Kilometern befinden, aber fotografisch bieten Amateure ohnehin deutlich mehr Abwechslung. Die Verbissenen, für die gerade der Kampf mit dem inneren Schweinehund begann, die Witzbolde, die in seltsamen Kostümen liefen und nebenbei noch Zeit hatten ihre Mitläufer anzufeuern, die lockeren Jogger mit Walkman (oder wie immer die Dinger heute heißen) und die Läufer mit Botschaft. Der eine läuft für seine Partei oder seinen Verein, der nächste für den Weltfrieden, und mancher teilt auch nur mit, welche Art der Ernährung er für seinen Marathonlauf bevorzugt. Der ganze Spaß wurde untermalt von Shanties und Hamburger Folklore in einer Lautstärke, die sich auch beim Wacken Open Air durchgesetzt hätte. Das dafür verantwortliche Trio hab ich allerdings erst entdeckt, als ich die Büsche auf der anderen Straßenseite näher in Augenschein nahm.

Ob der Schlussläufer die 42 Kilometer fleischlos überstanden hat würde mich allerdings schon interessieren, für das bis dahin überstandene Viertel der Wegstrecke hat er auf jeden Fall meinen tiefsten Respekt.

Genau wie die ganzen erschöpften und trotzdem strahlenden Gesichter auf dem Rückweg, die ihre dicke Medaille mit einigem Stolz um den Hals trugen. Dass der Hamburg Marathon bei Läufern so beliebt ist kann ich inzwischen nachvollziehen, sogar die Hamburger Stadtreinigung am Ende wurde noch frenetisch bejubelt. 
Die olfaktorische Belästigung, die ich nach dem Bericht bei Inchtomania befürchtete, kann ich übrigens nicht bestätigen. Kann aber auch an der steifen Brise gelegen haben die hier oben weht.

Marathonplatte des heutigen Abends: Tom Waits - Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards