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Dienstag, 6. März 2018
Unter Rindern
Die Speicherkarte bringt es an den Tag, seit mehr als fünf Monaten habe ich die Kamera nicht angefasst, sieht man von den Enkelkinderfotos an Heiligabend ab, aber das zählt nicht. Das heißt, seit Mallorca gab es hier fünf Monate durchgehend Scheißwetter - und wenn nicht, war ich anderweitig beschäftigt, meistens mit Arbeit. Davon gibt es mittlerweile derart viel, dass es an fußballfreien Wochenenden oft nur noch für die Couch reicht und nicht mehr für irgendwelche Exkursionen mit der Kamera.
Immerhin habe ich es geschafft während der Nachtschichtwoche eine gute Stunde durch die verschneiten Wege im NSG Höltigbaum zu schlendern, bei knackigen -12° Celsius am Spätnachmittag. Auch wenn man angesichts der (leider nicht mehr schneebedeckten) dürren Bäume kaum von einer Winterlandschaft sprechen kann, aber mit viel Glück erwischt man ja ein zotteliges schottisches Hochlandrind im norddeutschen Flachlandschnee. Mit dampfendem Odem in der winterkalten Luft, latürnich.
Natürlich nicht, weil man für solche Fotos wahrscheinlich tagelang dort herumlungern müsste, ich hab nur 'ne Stunde und komme gerade zur Fütterungszeit, alles im Stall. Große zottelige Schotten gibt es auch keine mehr, nur reichlich Galloways und eines dieser schnuckeligen Hochlandkälber, deren Lockenköpfe ich immer sofort knuddeln würde, wenn ich nur sicher wüsste dass die nix dagegen haben.
Die Ausbeute war dann auch eher so naja, außer niedlichen Kuhbabys nur etwas Schnee von links und rechts und von vorne und von hinten, was man halt in einer Stunde hinbekommt, wenn außer Schnee und blauem Himmel nicht viel geboten wird.
Wobei das eigentlich nicht stimmt, denn trotz der lausigen Temperaturen sind hier eine ganze Menge Leute unterwegs und jeder, wirklich jeder, grüßt mit einem freundlichen Moin zurück. So kann man gleich viel besser in den Tag starten. Oder in die Nacht, je nachdem..
Fotos dazu: Naturschutzgebiet Höltigbaum / Haus der Wilden Weiden - Nikon D7200
Bier dazu: Ratsherrn Cherry Pie, Kirsch-Dubbel, 7.5%
Musik dazu: Wovenhand - Refractory Obdurate
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Eichberg, 22143 Hamburg, Deutschland
Freitag, 8. Januar 2016
Schnee von gestern
"Überraschung" ruft Petrus, "ich kann doch noch Winter!" Das kommt davon, wenn man vier Stunden vor Feierabend die Jalousien runterfährt. Man kriegt nix mit, aber es muss kurz darauf angefangen haben zu schneien und es fällt immer noch in dicken Flocken vom Himmel. Der heftige Wind hat den Rest erledigt, der Parkplatz ist eine weiße Dünenlandschaft, meine Karre der letzte farbige Fleck, jedenfalls das, was noch unter dem Schneemantel herausguckt. Mindestens vier Zentimeter Schnee überall, nur an den flachen Stellen, die Dünen weit höher und alles ist völlig unberührt, keine Fuß- oder Reifenspuren weit und breit. Ich würde mich glatt darüber freuen, hätte ich Kamera und Stativ dabei, so überwiegt leider der negative Aspekt: ich hab immer noch Sommerreifen drauf.
Der Vorteil sehr großer und sehr leerer Parkplätze liegt allerdings auf der Hand, man kann prima Parkplatzrallye fahren und mal gucken, wie sich die Sommerreifen so verhalten auf dem Untergrund. Sobald ABS und Traktionskontrolle ausgeschaltet sind funzt auch die 180° Wende mit angezogener Handbremse wunderbar, ich komm mir vor wie Walter Röhrl. Trotzdem ist so eine Traktionskontrolle nicht übel, wenn man in einer Schneewehe feststeckt zum Beispiel. Schneewehen! Winter! Morgen geh ich raus, Winter fotografieren!
Doch Petrus, der alte Scherzkeks, macht mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Nur noch Schnee von gestern und der ist, sieht man etwas genauer hin, sogar im Kern ganz schön verdreckt. Mal ganz abgesehen davon, dass die innere Struktur eines schmelzenden Schneeballs nicht annähernd die feine kristalline Struktur echten Gletschereises besitzt, weshalb ich unbedingt mal wieder nach Norwegen muss, aber das ist ein anderes Thema..
Schneefotos: Schnee von gestern, Tokina 100mm Makro
Schneebier: Ratsherrn Lumberjack Winter Ale, 5.5%
Schneemusik: Townes Van Zandt - The Nashville Sesions
Samstag, 24. Januar 2015
Einbruch
Nu isser hier doch noch eingebrochen, der Winter. Glatte zehn Zentimeter Neuschnee, an der Blattlänge gemessen! Bevor er wieder ausbricht...
Eingeschneite Fahrräder. Wären die richtig eingeschneit, wärs ein Motiv. So ähnlich wie der Busch vor dem Haus, dem mit der Blattlänge.
Der Zugang zum Wald gestaltet sich von dieser Seite aus problematisch, fast vollständig abgeschottet durch Einfamilienhäuser mit Waldgrundstück. Sind die Versicherungsprämien da nicht deutlich höher, obwohl das Googlemobil die Rückseite nicht fotografieren konnte?
Keine Angst, der will nur spielen. Der Satz ist so alt wie dämlich, trotzdem wird er immer noch gerne benutzt. Vorzugsweise von Leuten, die das "Hunde sind anzuleinen" Schild an jeder Ecke des Waldes ignorieren. Also allen. Ich habe keine Angst vor Hunden, wenn der Köter mein Equipment umwirft sollte er Angst vor mir haben.
Aufwärmen kann man ganz prima mit Jameson, heißem Kaffee, Rohrzucker und Sahne. Entweder ich habe mich in der Menge getäuscht, oder irischer Kaffe macht entschieden besoffener als Pharisäer.
Schönes Wochenende. Allen Lesern ebenso ;)
Fotos: Volksdorfer Wald
Musik: The Waterboys - Modern Blues
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Volksdorf, Hamburg, Deutschland
Donnerstag, 15. Januar 2015
Mein kleiner grüner Kaktus
Mein kleiner grüner Kaktus steht draußen am Balkon, hollari, hollari, hollaro!
Vergammelt ist er inzwischen ganz sicher schon, hollari, hollari, hollaro!
Es gibt nicht so viele Dinge, die mich am Winter begeistern können. Eisblumen am Fenster vielleicht, mit Raureif überzogene Äste oder schockgefrostetete Tannennadeln im Eispanzer. Das sind jedenfalls die Motive, die mir für ein Makro im Winter einfallen würden, will man nicht zu Hause mit Modellautos, Buntstiften oder ähnlich banalen Gegenständen experimentieren.
Würden die Temperaturen mal ins zweistellige Minus fallen, statt laufend am zweistelligen Plus zu kratzen, könnte man zur Not mit Wassernebel aus einer Sprühflasche nachhelfen. Abends einpüstern und am nächsten Morgen fotografieren oder so. Aber die Natur spielt nicht mit in diesem Winter, richtig knackige Minustemperaturen gibt es wohl erst wieder wenn die Fußballrückrunde anfängt, damit man sich kräftig den Arsch abfrieren kann.
Mit bunten Blüten ist in nächster Zeit ebenfalls nicht zu rechnen, aber da gibt es doch noch dieses ganzjährig stachelige Gestrüpp aus wüsten Gegenden...oder vom Balkon!
Und damit haben wir schon wieder ganz viel gelernt. Zum Beispiel, dass Kakteen aufgrund ihrer in alle Richtungen weisenden Stacheligkeit ein selten dämliches Objekt für die Makrofotografie sind. Das könnte man umgehen indem man sich fotografisch in feinsten Details verliert, aber dann sollte man sich nicht die absolut winzigsten Exemplare zulegen die der Laden führt. Zumal so ein winzig kleiner Kaktus als Makro nicht wesentlich beeindruckender ist als jeder andere dusselige Kaktus auf der Welt, selbst wenn man weiß dass er gerade mal die Größe eines Daumennagels hat.
Die zwei Euro wars trotzdem wert, schließlich ist das die einzige Pflanze die hier eine längere Überlebenschance hat. Oder der man den Tod nicht so schnell ansieht. Brauchen die wirklich nur alle paar Jahre mal Wasser?
Kaktanten: 1€ Laden
Mucke: Insane Clown Posse - The Great Milenko
Mittwoch, 31. Dezember 2014
Noch'n Panorama
Was macht man über die Feiertage auf dem Dorf, außer feiern? Also nachmittags, nach dem Frühstück? Fotografieren gehen, latürnich. Die üblichen Ecken besuchen, die man schon in ziemlich jeder Jahreszeit besucht hat, mit und ohne Osterfeuer oder Weihnachtsbaum. Drölfzigtausendmal fotografiert, aaaber: nicht so richtig mit totalem Rundblick. Panorama heißt das Zauberwort, so richtig volle Elle, am besten gleich 360°, mindestens aber 180.
Seit der Pappenheimer seine Wohnung panoramisiert hat, will er sein erdbebensicheres Berlebach-Stativ natürlich auch einmal außerhalb der eigenen vier Wände ausprobieren. Dazu ist der Gebrauch eines Fahrzeuges sehr empfehlenswert, denn obwohl es ein Stativ aus der Serie "Report" ist, dürfte kaum ein Reportagefotograf auf die wahnsinnige Idee kommen, dieses Monstrum per pedes herumzutragen. Dafür hat es eine fantastische Schwingungsdämpfung, sogar wenn direkt daneben ein Sack Reis umfällt, da wackelt nix.
Mit einem anständigen Kopf geradezu prädestiniert für Panoramafotos, hochkant natürlich, mindestens 12 Aufnahmen. Das 360° Pano wird leider durch den Parkplatz auf der Rückseite zunichte gemacht, dem es auch ohne die vielen parkenden Fahrzeuge an Attraktivität mangeln würde, aber für die Vier Täler kommt man auch mit etwas weniger aus.
Nur wenige Tage später ergibt sich eine weitere Gelegenheit das gute Stück zu testen, denn es schneit wie verrückt und für den nächsten Tag verspricht der Wetteronkel feisten Sonnenschein. Dafür kann man die Rückfahrt direkt um einen Tag verschieben, auch wenn die Autobahn am Montag sicher rappelvoll ist, aber: Schnee! Ich träume von schneebedeckten Bäumen und Wipfeln, auch wenn das Zeug schneller taut als gedacht, aber der Pappenheimer weiß mich zu beruhigen. Auf 500 Metern Höhe sieht das gaaanz anders aus, da liegt selbstverständlich viel mehr Schnee. Viel viel mehr Schnee.
Das entpuppt sich leider als Irrtum, nach schneebedeckten Bäumen muss man suchen und auch auf den Wiesen liegt das Zeug nicht sehr üppig, 500 Meter sind halt noch kein Hochgebirge. Trotzdem weit besser an diesem Tag die Sonne zu genießen, als nach der ganzen Feierei auf die Autobahn zu müssen. Das Berlebach hat seine Wintertauglichkeit ebenso beweisen können, auch wenn es die nächsten Jahre wohl mehr im Indoorbereich zum Einsatz kommen wird.
Da wird es auch viel eher benötigt, denn der Fußboden beim Pappenheimer hat so überhaupt keine Schwingungsdämpfung, da muss man halt für ein Stativ schon etwas tiefer in die Tasche greifen.
Fotos: Nix Panorama, voll normal Weitwinkel außer Hottehü
Musikalisches Panorama: Julia A. Noack - Piles & Pieces / Lee Clayton - Naked Child
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Dienstag, 4. Februar 2014
Stadtansichten: Binnenalster bei Nacht
Heute möchte ich Euch zu einem kleinen Nachtspaziergang um die Binnenalster überreden. Ganz ohne zu frieren und schön bequem vom Sessel aus. Für Ortsfremde (und weil ich keine Lust hatte die Fotos durch Unterschriften zu versauen) in der Reihenfolge ihres Erscheinens:
1. Hauptkirche St. Jacobi hinter dem Hapag-Lloyd Kontorhaus, Ballindamm
2. Hauptkirche St. Petri - Hauptkirche St.Katharinen - Rathaus - Mahnmal St. Nikolai
3. Jungfernstieg, Konsumtempel und Alsterpavillion
4. Rathaus, St.Nikolai und Alsterpavillion
5. Rathaus und Mahnmal
6. Lombardsbrücke
7. Alsterschiff Galatea (Restaurant)
8. Hotel Vier Jahreszeiten
Kalt war´s.
Nachtspaziergangsmusik: Echo & The Bunnymen - Live in Liverpool
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Neustadt, Hamburg, Deutschland
Donnerstag, 30. Januar 2014
Röhrich röhrt nich
Ein großer Zwölfender. Wenigstens ein Zehner. Imposant steht er auf der Lichtung und röhrt, sein heißer Atem türmt in der kalten Luft ganze Wolkenberge vor seinem mächtigen Schädel auf. Ein wahrer Platzhirsch, ein Meister Röhrich. Mit solchen Bildern locken sie einen am Sonntagnachmittag bei -10° Celsius ins Niendorfer Gehege. Kalt genug für heißen Atem, den will ich unbedingt vor die Linse bekommen, da stört mich auch die trübe Witterung nicht.
Auf der Fahrt frage ich mich, ob 300 Millimeter Brennweite überhaupt ausreichen, um den formatfüllend abzulichten. Wer weiß in welcher entfernten dunklen Ecke der steht, ich war noch nie im Niendorfer Gehege. Das einzige was ich in Niendorf kenne ist das Trainingszentrum des magischen FC. Auch eine Art Gehege, nur mit jungen Männern, von denen man immer hofft, dass sie sich keine Hörner aufsetzen lassen. Die sind beim Training oft zu weit weg für 300 Millimeter.
Dieses dämliche Foto manifestiert sich irgendwie in meinem Kopf. Dabei röhren die doch ohnehin nur, wenn gerade die Brunft eingesetzt hat, und wer hat schon Bock auf Sex bei den Temperaturen. Bei der Kälte reicht es möglicherweise ja auch, wenn der einfach nur herumsteht und atmet. Mit Lightroom lässt sich da sicher etwas draus machen.
In Niendorf angekommen nehme ich den ersten freien Parkplatz und latsche durch den Wald, so groß wird der schon nicht sein. Nach nur zehn Minuten Fußmarsch erblicke ich durch die kahlen Bäume eine große Lichtung, doch das ist nur die Hundewiese. Hundebesitzer nach dem Weg fragen? Damit bin ich schon mal auf die Nase gefallen, die laufen wahrscheinlich nur ihren Kötern hinterher, denn die wissen im Zweifelsfall wo der Napf steht. Das erste Pärchen kennt auch nur die Hundewiese, aber eine ältere Dame mit dackeldick eingepackter Bettwurst weist mir freundlich den Weg. "Sankt Pauli find ich auch toll" lacht sie und reckt den Daumen in die Höhe. Dieses Bekenntnis zu meiner Mütze lässt mich auf eine richtige Wegbeschreibung hoffen.
Und tatsächlich, kurze Zeit später laufe ich an einem kunstvoll geflochtenen Holzhindernis vorbei, dass sich im Sommer wahrscheinlich als undurchdringlicher grüner Vorhang präsentiert, aber jetzt ist dahinter ein Zaun zu erkennen. Ein Maschendrahtzaun. Ein Gehege. Wo ist mein kapitaler Hirsch? Am überdachten Futtertrog ist nicht ein Vieh zu sehen, kein Wildbret weit und breit.
Den Grund dafür erspähe ich an der nächsten Ecke. Kinder. Jede Menge Kinder, alle bewaffnet mit Futter für die Rehe, die sich allesamt direkt am Zaum tummeln, auf der anderen Seite. Die ganze Herde. Darunter auch mein kapitaler Bock, der mir ohne Geweih gerade mal bis zu den Hüften reicht. Wenn der röhrt fallen die Rehe wahrscheinlich vor Lachen ins Koma. Überhaupt sind die Bambis ganz schön rundlich um die Hüften, kein Wunder bei dem Überangebot an Leckereien. Karotten zählen scheinbar nicht dazu, denn so angestrengt die junge Dame mit ihrer fein säuberlich geputzen Karotte vor den Nasen der Paarhufer herumwedelt, sie hat damit keinen Erfolg.
Mit Röhrich habe ich auch keinen, jedenfalls nicht den, den ich mir vorgestellt habe. Vielleicht hätte ich es im Wildpark Schwarze Berge versuchen sollen. Ohne Enkeltochter schaffe ich es möglicherweise sogar mal bis zu den Elchen.
Röhrt wie Hulle: Killswitch Engage - Disarm The Descent
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Sonntag, 19. Januar 2014
Auch tote Revolutionäre können Leben retten
Eigentlich soll der Sonntag ja der Erholung dienen, aber die Kinder wollen heute aufs Eis. Wie bei Patchworkfamilien üblich bedarf das einer logistischen Leistung, der man am besten entgeht indem Opa einfach früh aufsteht und ins Auto steigt. Die Prinzessin muss bei einer Freundin abgeholt werden, irgendwo in Barmbek. Danach dann zurück um Junior einzusacken und dann wieder in die andere Richtung, zum Dammtorbahnhof, da kommt der Rest an. Das erscheint mir auf den ersten Blick als völlig blödsinnig, aber da ich ein gewisses Verständnis für Langschläfer und Gemütlichfrühstücker habe sag ich nix dazu, ich bin ja eigentlich selber einer.
Wenn es schon mal nicht regnet kann man auch früh aufstehen, die Chance auf Eislaufaction mit der Kurzen lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Durch geschickte Fahrweise und Parkplatzsuche (am Dammtor!) ergattere ich mir eine halbe Stunde Zeit für das Frühstück, leider überlassen wir die Wahl des "Restaurants" der Prinzessin. Da kleine Kinder auf überflüssiges Plastikspielzeug stehen fällt die Wahl natürlich auf McDoof, wenigstens gibt es zur Zeit den 1955er, den kann man essen.
Draußen ist es schweinekalt und die Gören wollen zu Fuß zur Eisbahn laufen. Meine Kamera ist im Kofferraum, ich muss in die andere Richtung, außerdem ist das am anderen Ende der Wallanlagen, mir zu weit für zu Fuß. Bei solchen Entfernungen sollte man die Rückwege einrechnen, ganz besonders mit kurzen Beinen, also setze ich mich in die Karre und finde, einen guten Kilometer weiter, wieder eine Parkmöglichkeit.
So clever das für später erscheinen mag, so blöde ist das jetzt. Ich stehe eine halbe Stunde alleine an der Eisbahn und friere mir den Hintern ab. Eine weitere halbe Stunde dauert es bis alle auf dem Eis sind. Alle außer mir natürlich, denn der Wahnsinn hat Grenzen. Die fünf Euro Eintritt spare ich mir ebenfalls, denn von draußen kann man wesentlich besser fotografieren, drinnen ist es brechend voll.
Wenn man das findet, was man fotografieren will. Trotz auffälliger Mütze ist nichts zu entdecken, weil die Prinzessin lieber am anderen Ende der Eisfläche den Erwachsenen beim Curling zusieht. Das ermöglicht mir von der anderen Seite der Wurfzone eine ganze Serie schöner Portraitaufnahmen, bis sie mich bemerkt und die Session mit den üblichen Faxen beendet. Danach darf ich mein Glück endlich mit Actionfotos versuchen. Nachdem sie feststellt dass die restliche Familie ohnehin nicht hinterher kommt, weil sie die Allerschnellsteimkreisfahrerin ist, kann ich sogar die ersten zaghaften Pirouettenversuche festhalten, die allerdings durch die viel zu große Mütze ein wenig gehandikapt werden.
Das alles wärmt mir zwar ungemein das Herz, aber das ist inzwischen nur noch ein kleines Häufchen Restwärme, der Rest fühlt sich an wie Eiszapfen. Falsche Jackenwahl, schon wieder. Wie lange kann so etwas Spaß machen? Anfangs schien die Kurze nicht sonderlich motiviert, aber je länger das dauert desto fideler wird sie und die Lichtverhältnisse sind nicht mehr geeignet für kurze Belichtungszeiten.
Drinnen gibt es warme Getränke, ich entschließe mich, mit dem Kassierer zu verhandeln. "Ich kann und will nicht auf Schlittschuhen laufen, aber ich hab jetzt drei Stunden meine Enkeltochter fotografiert und wenn ich nicht gleich einen Glühwein kriege gibt es mindestens einen Toten hier." Das macht Eindruck, ich darf passieren ohne den Obolus zu entrichten. Noch 30 Minuten bis zum Heißgetränk, wenn ich Länge der Schlange und Geschwindigkeit des Abbaus richtig einschätze. Es gibt zwei Schlangen, eine an der Kasse für Crêpes, eine an der Kasse für alles andere. "Alles andere" sind Marsbountysnickersgefüllte Regale, Brat- und Currywürste, Donuts, Muffins, Torten, Kuchen, Pommes, Schnitzel und sämtliche Heiß- und Kaltgetränke. An beiden Kassen jeweils eine junge Dame beschäftigt, deren Aufgabengebiet klar umrissen ist. Es scheint völlig unmöglich zu sein, an der Crêpekasse ein Heißgetränk zu ordern, die Schilder sind unmissverständlich.
Nach 15 Minuten bin ich nahe genug, um die Kreideschrift auf den Tafeln entziffern zu können. An die zehn Kaffeesorten bis zum Latte Caramello, alkoholische Heißgetränke von Grog über Glühwein mit oder ohne Schuss bis hin zum...ermordeten afrikanischen Unabhängigkeitskämpfers Patrice Lumumba. Der Gedanke an heißen Kakao mit Rum lässt mich die letzte Viertelstunde überstehen, auch wenn mir bei diesem Namen wieder die Schokoladenschaumgebäckdiskussion einfällt. Schmeckt aber einfach lecker. Und kann Leben retten.
Wärmt auch: Morphine - Cure For Pain
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Montag, 13. Januar 2014
Graunebelnieselfeuchtklammkaltesdrecksregenwetter, hau ab!
Mütze "Sankt Pauli" für warme Birne: 19.95 Euro
Reifenwechsel auf Winterschlappen: 50 Euro
Daunenwinterjacke für kalte Fußballspiele: 300 Euro
Echter Winter mit Schnee und Eis: Unbezahlbar.
Graunebelnieselfeuchtklammkaltesdrecksregenwettervertreibungsmusik: Filter - Short Bus / Title of Record
Donnerstag, 21. März 2013
Von Königen und schrägen Vögeln
Ein imposanter Anblick, gellwoll!? Deshalb nennt man den Löwen wohl auch König der Tiere, weil kein Tier im Reich (schon gar kein Stachelschwein) derart majestätisch chillen kann. Ein einfacher Baumstamm reicht ihm schon als Thron und kein Narr würde es wagen darüber zu lästern. Jedenfalls solange sich kein tiefer Wassergraben zwischen König und Narr befände.
Den gibt es glücklicherweise bei Hagenbeck, so dass man freie Sicht hat auf den König und seinen Harem. Wobei ich von Glück sagen kann, dass ich zweimal an der Löwengrube vorbeigegangen bin, sonst hätte ich den Pascha verpasst. Dieses Wetter lockte aber irgendwann auch den faulsten aus seinem Bau. Bis auf das Faultier, das war leider drinnen, aber das hat ja auch einen Ruf zu verteidigen. Gar nicht so einfach im Tierreich, wenn man sich ansieht wie Wapitihirsche trinken.
Wäre das Klima hier häufiger so freundlich könnte man direkt überlegen ob sich eine Jahreskarte lohnt, denn da ist noch einiges zu sehen, allerdings macht das erst richtig Spaß wenn der Park fast menschenleer ist, man muss nirgendwo anstehen oder sich vordrängeln und niemand latscht einem im besten Moment vor das Objektiv. Wenn man alleine ist kann man sich auch einem Pfau bis auf einen halben Meter nähern, dann erst fängt er an komisch zu gucken. Keine Ahnung was danach passiert, aber Vögel sollte man generell nicht unterschätzen, der Warnung "Reiher können hacken" habe ich angesichts des Schnabels lieber Glauben geschenkt.
Obelix hätte ebenfalls seine wahre Freude an dem Park, man könnte zum Beispiel Wildschweine mit Guru Gurus füllen. Sogar mit verschiedenen Sorten Guru Gurus, vom nordamerikanischen Truthahn bis zum Weissnichtwas. Bei einigen Vögeln frag ich mich immer mehr, was sich die Natur dabei gedacht hat. Diese merkwürdigen Lappen am Kopf der Truthähne sind doch garantiert wieder nur so eine Art Balzhilfe, einen praktischen Wert kann ich nicht erkennen. Mich würde es jedenfalls nerven wenn mir laufend was vorm Auge hängt. Und auch als Pfau hat man es nicht leicht mit diesem langen Schwanz, wenn man nicht grad ein Rad schlägt muss man laufend auf dem Zaun sitzen.
Was für ein Glück, dass wir in der Evolution etwas weiter sind, wir können die Damenwelt zur Not mit anderen Dingen beeindrucken.
Im Sommer muss ich da unbedingt noch einmal hin, für die Ameisen brauch ich noch ein Makroobjektiv, bis dahin werden sie aus der Winterruhe erwacht sein. Die Elefanten fehlen mir noch, die Bisons (die merkwürdigerweise nicht winterfest zu sein scheinen) und bei den Affen ist auch mehr los. Bei Pavianen ist "Arsch abfrieren" sicher eine überaus ernste Angelegenheit.
Im Sommer muss man im Haus der Orang Utans auch nicht eine halbe Stunde warten bis Brille und Objektive endlich aufhören zu beschlagen. Ein echter Härtetest für das Equipment, vom Eismeer in die Tropen von jetzt auf gleich, das mach ich garantiert nicht noch einmal. Dummerweise haben die Jungs ihren Spieltrieb in genau dieser halben Stunde voll ausgelebt und sich danach in ruhigere Ecken verzogen.
Werde ich nachholen, vorerst war es das dann jetzt mit Zoobesuchen und niedlichen Tierchen.
Spieltrieb hier: Kings Of Leon - Aha Shake Heartbreak/Only By The Night
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Hagenbecks Tierpark.



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