Montag, 23. März 2026

Igor, was hast Du getan

 











Eigentlich hätte das alles anders laufen müssen, schließlich hat der Dartmeister seinen Dreimalnichtverlorenglücksschal um den Hals, ich trage meinen abgerockten Dreimalnichtverlorenglückshoodie und zu guter Letzt liegt der Skipper schon wieder flach (gute Besserung). Und wenn der auf der Couch liegt, gewinnen wir ja immer mit 2:1. Das wäre wirklich oberfantastisch, nachdem Werder am Vortag das Kellerduell mit Volkswagen glücklich gewonnen hat. Wir brauchen dringend mehr Abstand nach unten – zu wem auch immer.

Durch den Ausfall sitze ich nach langer Zeit mal wieder auf der Seniorenbank. Hier ist es schon durch die Nähe zur Südkurve deutlich lauter, und viel Lärm ist genau das, was ich heute brauche. Nach dem ganzen Busempfangsbengalozirkus wird die Mannschaft hoffentlich ordentlich angefixt sein – das muss krachen im Abstiegskampf.

Die erste Halbzeit läuft für uns auch ganz wunderbar: Wir sind gieriger, immer einen Tick schneller am Ball als die Freiburger; wir haben Joel Chima Fujita, der Knoten in Beine spielen kann, und wir haben Danel Sinani, der uns mit 1:0 nach 24 Minuten verdient in Führung bringt. Sieht von hier aus mehr nach einem reingestocherten Zufallstreffer aus als nach einer großartig herausgespielten Chance – aber wen juckt das schon.

In der Halbzeit: zufriedenes Grinsen auf der Seniorenbank. Das hatten wir nicht unbedingt so erwartet – schließlich haben die Genk gerade fünf Dinger eingeschenkt im Eurobokal. Sollten wir es schaffen, noch so eine Halbzeit abzuliefern, ist ein 2:1 durchaus nicht unrealistisch, und der Skipper muss den Rest der Saison auf dem Sofa bleiben. Hülft ja nix.

Ein zweites Tor wäre meinen Nerven durchaus zuträglich. Aber wie wir alle wissen, zählt das Toreschießen nicht unbedingt zu unseren Stärken, und Freiburg startet ganz anders in die zweite Hälfte – mehr wie ein Eurobokalteilnehmer. Gegen diesen können wir zwar eine Zeit lang das Torekassieren verhindern, aber just nachdem wir uns ein wenig vom Freiburger Druck befreien können, schlägt es ein.

Und natürlich wird es jetzt wieder welche geben, die mit der alten Weisheit kommen von den ehemaligen Sankt-Paulianern, die besonders gerne gegen den alten Verein treffen. Denn natürlich – und ausgerechnet – muss es das alte Toptalent Igor Matanović sein, der gegen uns trifft. Der Mann, der nach vergebenen Großchancen immer wie ein bedröppelter George McFly auf dem Rasen stand, als er noch das braun-weiße Trikot trug. Inzwischen spielt er für das liebliche Schwarzwalddorf und hat wohl gelernt, wo das Tor steht – sehr zu meinem Missfallen.

Kaum habe ich mich von dem Schock erholt und mich mit dem Gedanken befasst, auch ein Punkt wäre vielleicht noch vertretbar und immer noch besser als leere Hände, geht Freiburg in Führung. Dann doch wieder nicht, weil der VAR sich meldet und es wohl Abseits war. Ja, liebe Freiburger, ich kann den VAR auch nicht leiden – außer jetzt gerade, weil Abstiegskampf ist echt anstrengend.

Statt daraus zu lernen und es besser zu machen, steht es keine vier Minuten später doch 1:2. Wieder ist es schlecht verteidigt, wieder ist es Igor. Der vorausgehende Freiburger Konter wird freundlich unterstützt vom angeblich Unparteiischen, der gleich drei Fouls in Reihe an unseren Jungs völlig ignoriert – und ich bin gerade froh, nicht auf meinem angestammten Platz zu sitzen. Mein Nachbar dort dürfte explodiert sein.

Noch zwölf Minuten plus Nachspielzeit, in der sich die Gegengerade nicht mehr so genau zwischen Support und Schiedsrichterauspfeifen entscheiden kann. Wir sind uns eigentlich schon länger einig, dass man mal einen Stürmer einwechseln könnte, müssen auf Hountondji aber bis zur 84. Minute warten – scheinbar reicht seine Luft nur für zehn Minuten.

In der Nachspielzeit reißen wir dann auch nichts mehr raus, und das ist insgesamt schon ein wenig enttäuschend. Denn wenn ich mir vorstelle, am letzten Spieltag im direkten Duell mit Wolfsburg um den Relegationsplatz spielen zu müssen, packt mich das nackte Grauen.



Was sonst noch gut war:

Gemeinsame Fanaktionen gegen dämliche Anstoßzeiten

Tapete im Umlauf der Gegengerade, leider am falschen Block, aber bei G3 sind halt die Wurstbuden.

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - SC Freiburg, Endstand 1:2 

Tore dazu: Sinani (24.) Matanović (65./78.) 

 Links dazu: Eine Halbzeit reicht nicht (Stefan Groenveld) Mut wird belohnt (Millernton)

Musik dazu: 1001 Songs you must hear befor you die:  572. R.E.M. - Radio Free Europe  573. Grandmaster Flash - The Message 

 










 

 

Montag, 9. März 2026

Unerwartet zufrieden: Ein Punkt gegen Frankfurt

 










Nach dem gestrigen Spieltag wären drei Punkte gegen die Frankfurter Eintracht natürlich ganz fantastisch, aber erwarten tu ich nix. Man lernt ja dazu - seit ich nichts mehr erwarte werde ich regelmäßig positiv überrascht. Die erste positive Überraschung des Tages gibt's schon vor dem Spiel: Die infektiösen Ablagen an der Wand im Umlauf sind gereinigt worden, außer Stickern klebt da jetzt nichts mehr. Hilft also tatsächlich, wenn man dem Herrn Brux mal eine Mail schreibt (ich war's nicht).

Die zweite Überraschung wartet am Platz: Wir machen mal wieder Choreo, also nicht wirklich wir, sondern eher die Leute, die diese große Tapete, Blockfahne oder whatever gebastelt und installiert haben. Entfaltet werden soll das allerdings erst in der Halbzeit, ich bin gespannt. Doof ist halt immer, dass man davon selber nichts sieht, aber später gibt's garantiert genug Fotos, ich ahne auch schon wo.

Überraschung drei, die Frankfurter sind gar nicht mal so gut wie befürchtet, was die an Fehlpässen spielen schaffen wir an schlechten Tagen auch. Kein Vergleich jedenfalls mit den Hoffenheimer Anfangsminuten, bei denen man Schlimmes befürchten musste. Hier haben wir das Spiel weitestgehend im Griff und sogar ungefähr eineinviertel Torchancen bei denen zweimal Aluminium rausspringt. 

Ein Führungstreffer würde dem Spiel gut tun, ein etwas beherzteres Eingreifen des Schiedsrichters bei dem etwas zu körperbetonten Einsatz der Frankfurter Trikottester wäre auch nicht ganz schlecht, aber das ist halt Zwayer, mit merkwürdigen Entscheidungen muss man da leben. Mein hochgeschätzter Sitznachbar hat schon nach zwei Spielminuten die Hasskappe auf, da weiß ich noch gar nicht, dass es sich um den unglücklichen Felix handelt. Kann man das nicht irgendwie erreichen, dass man den Mann nur einmal pro Saison ertragen muss?

Torlos geht es in die Halbzeit, durch die zwei Alus liegen wir bei diesen ominösen expected Goals wahrscheinlich knapp vor den Frankfurtern und wenn wir die zweite Halbzeit in diesem Stil weiterspielen können sieht das doch gar nicht so übel aus. 

Vorher entfalten die Choreo-Leute jedoch erstmal die große Tapete, auf der wahrscheinlich irgendetwas zum Internationalen Frauentag steht. Ich könnte nachfragen statt Antifa Hooligans zu singen, werd das aber früh genug erfahren ohne jemanden anschreien zu müssen, also sing ich weiter.  

Als das Spiel wieder läuft ist die Sicht dadurch noch kurz eingeschränkt, was manche Menschen zum Anlass nehmen wutentbrannt am Stoff zu zerren und mich zu der Frage bringt, warum manche Menschen zum FC St.Pauli gehen. Der grandiose Fußball allein kann's eigentlich nicht sein, bleibt also nur die Haltung und die ist irgendwie...anders. 

Anders ist auch die zweite Halbzeit, durch die Tapete verpassen wir die Verletzung von Manos, der von Lars ersetzt werden muss. Wir stehen viel tiefer, es gibt wenig Entlastung nach vorne, Frankfurt überlegen, aber ohne wirklich gefährlich zu werden. Trotzdem sieht es nicht so aus als könnten wir hier mehr erreichen als einen Punkt und so langsam bin ich bereit, mich damit zufrieden zu geben. 

Die nächsten unfreiwilligen Wechsel gibt's in der 66. Minute, weil Ando kurz vor einem Platzverweis steht und dann noch in der 80. als sich auch James Sands verletzt. Das nimmt gerade wieder Ausmaße an, die mir so gar nicht behagen. Zwayer beschert uns noch sieben spannende Minuten Nachspielzeit, dann ist Schluss.

Hätten wir gewinnen können. Ob wir das hätten gewinnen müssen oder ob das ein entscheidender Punkt zum Klassenerhalt war wird man am Ende sehen.

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Eintracht Frankfurt, Endstand 0:0

Links dazu: Ein Punkt ist ein Punkt (Millernton) Verletzungen und wichtige Langeweile (Stefan Groenveld)

Musik dazu: 1001 Songs you must hear before you die: 490. Public Image Ltd. - Public Image, 491. Stiff Little Fingers - Public Ulster, 492. The Clash - White Man in Hammersmith Palais