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Montag, 19. Juni 2023

Darmstadt für Anfänger Teil 3: Alice und die Donnerkuppel

 









Die in Darmstadt recht häufig vorkommenden Ludwigs hatte ich ja schon im zweiten Teil erwähnt und selbstverständlich gibt es auch eine Kirche mit diesem Namen, die katholische Innenstadtkirche St. Ludwig, im Volksmund Kääsglock genannt. Dort musste sich der Pappenheimer vor ungefähr 60 Jahren unter seltsamen Beschwörungsformeln Wasser über den Kopf gießen lassen, damit er später ordentlich Kirchensteuern bezahlen kann. Wegen dieser fast tragischen Geschichte sind wir allerdings nicht hier, wir wollen das fotografieren. Als Vorbild für den klassizistischen Bau diente nämlich das Pantheon in Rom und da wir beide nicht mehr nach Rom kommen werden, toben wir uns halt fotografisch an der Darmstädter Miniaturausgabe aus.

Um nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen (und weil mein Stativ mehrere Kilometer entfernt im Kofferraum liegt) leihe ich mir vom Pappenheimer ein kleines Klappstativ aus, das man wunderbar auf Kirchenbänken, Taufbecken oder Klavieren abstellen kann, nur nicht immer da wo man es gerne hätte, weswegen mir die berühmte Mittelgangperspektive natürlich entgeht. Schon 1000 Mal fotografiert, nur nicht von mir, so ist das als Tourist.

Das wäre alles gar nicht nötig gewesen, denn hier stört sich zumindest an Wochentagen niemand an Fotografen mit Stativ. Bei Kirchen habe ich da schon ganz andere Erfahrungen gemacht, wobei der Publikumsverkehr im Hamburger Michel natürlich in ganz andere Kategorien fällt. Hier sitzt nur ein freundlicher Mensch der Initiative Innenstadtkirche vor dem Laptop und geht seinem ehrenamtlichen Tagewerk nach, irgendwie bedrohliche Herren in seltsamen Gewändern sind nicht in Sicht. Zwischendurch gibt es etwas Musik aus der Winterhalter Monsterorgel, die ein eigenes Bild verdient hätte, nur nicht von mir. So ist das als Tourist.

Dafür habe ich etliche Fotos von Alice, der unvergesslichen Grossherzogin von Hessen und bei Rhein, bzw. ihrem Denkmal, welches ihr von Frauen und Jungfrauen Hessens gewidmet wurde. Bei so viel Lobeshymnen über den Adel musste ich mich direkt mal bei Wikipedia informieren und die Frau war tatsächlich aus guten Gründen sehr beliebt, weshalb sie nicht nur ein Denkmal vor der Donnerkuppel bekommen hat, sondern auch ein Mausoleum in einem Park.

Den gibt's dann in Teil 4.

 

Fotos dazu: St.Ludwig Darmstadt - Alice-Denkmal - St.Ludwig Kuppelbau - Staatstheater Darmstadt mit Georg-Büchner-Denkmal / Nikon D7200 + Sigma 10-20

Musik dazu: Carole King - Tapestry / Wrap Around Joy

 








 


Sonntag, 31. Oktober 2021

Heiliger Klotz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heiliges Gebimmel, was zur Hölle ist das für ein Klotz, dass man selbst mit 10 Millimeter Brennweite den halben Weg zurücklaufen muss, um den mit Mühe und Not auf den Chip zu bekommen und dann muss man noch eine halbe Stunde im Labor an den Ecken zerren, um ein halbwegs zufriedenstellendes Ergebnis zu bekommen. Ich und Kirchen, ey. Keine Ahnung was mich immer wieder in solche Lokalitäten treibt, die Faszination des Übernatürlichen vielleicht.

In der Basilika Vierzehnheiligen gab es der Überlieferung zufolge gleich mehrere Erscheinungen, was mich überhaupt nicht wundert, weil Cannabis anno 1445 ja noch nicht verboten war und wenn der Stoff richtig ballert kann man schon mal das Jesuskind erblicken. Dass in seiner Begleitung gleich 14 andere Heilige erschienen, lässt mich allerdings auf stärkere Substanzen schließen, die Schäfer haben damals bestimmt nice Pilze gekannt.

Der Forderung, für diese 14 Nothelfer eine Kapelle zu bauen, kam man dann auch nach und im Laufe der Jahrhunderte und mehreren Wiederaufbauten nach mehreren Kriegen, wie es damals Sitte war, hat man letztendlich 1772 diesen Klotz fertiggestellt.

Herzstück der Basilika ist der frei im Raum stehende Gnadenaltar, von dem aus man den besten Blick auf die Erscheinung haben soll, falls die noch mal auftauchen sollte. Da wir ja demnächst Cannabis legalisieren geht da vielleicht wieder was...

 

Fotos dazu: Basilika Vierzehnheiligen Bad Staffelstein, Nikon D7200

Musik dazu: 17 Hippies - Sirba







 

 

Montag, 22. April 2019

Die Kirche der Seefahrer

















Das Wahrzeichen von Rømø steht direkt an der Hauptstraße nach Havneby und ist somit kaum zu verfehlen. Normalerweise sind Kirchen verschlossen sobald ich eine Kamera in der Hand und ein Stativ im Kofferraum habe und wären bei meinem zweiten Besuch nicht gerade ein paar Besucher ins Freie getreten, wäre ich wohl auch diesmal an der Tür gescheitert. Dass man sich mit seinem ganzen Körpergewicht dagegen stemmen muss um die zu öffnen kann Mensch ja nicht ahnen, in Zukunft gehe ich bei verschlossenen Kirchen resoluter vor, um mir Eingang zu verschaffen. 

Von der St. Clemens Kirke, benannt nach dem heiligen Schutzpatron der Seeleute, bietet nämlich ganz besonders der Innenraum viele interessante Motive. Segelschiffe, schicke Kronleuchter (deren Lichtschalter ich leider nicht gefunden habe) und Haken für die herrschaftlichen Hüte hängen von der hölzernen Decke, die bunt bemalte Kanzel ist ebenfalls aus Holz geschnitzt und könnte man Orgelpfeifen aus Holz herstellen, hätte mich auch das nicht gewundert. Die Reederdynastie Maersk und andere wohlhabende Familien besitzen eigene Kirchenbänke, die allerdings auch nicht bequemer aussehen als der Rest, man soll ja auch ein wenig büßen beim Besuch.

Der ist jedenfalls äußerst empfehlenswert wenn man auf Rømø weilt, nicht nur aus Mangel an Alternativen. Kräftig gegen die Tür drücken.

Fotos dazu: St.Clemens Kirke Rømø - Nikon D7200
Musik dazu: Dynamite Deluxe - Deluxe Soundsystem / TNT








Sonntag, 5. November 2017

Das Limettentortenkloster
















Am vorletzten Urlaubstag brennt die Sonne ziemlich gnadenlos von Himmel und spendiert uns Temperaturen weit jenseits der 30°. Dem Pappenheimer geht es ohnehin schon nicht besonders gut, bei der Hitze wird selbst die Zigarette vor der Haustür zur Qual, er will sich wieder ins Bett verkriechen und auf den kühleren Abend warten. Ausgerechnet heute will ich die längste Tour überhaupt machen und ans Cap Formentor, bin also auf mich alleine gestellt.

So doof das auch ist, ich bin dadurch wesentlich schneller unterwegs und kann einige Aufnahmen sicherheitshalber noch einmal machen, am Mirador ses Barques, am Mirador MA-10, am Gorg Blau (diesmal mit Esel) und am Mirador de s'Entreforc halte ich kurz an, springe schnell aus dem Wagen um ein paar Fotos zu machen und bin ratzfatz wieder weg.

Auf dem Weg in Richtung Pollença liegt etwas abgelegen das Kloster Lluc, bei dem sich ein kurzer Abstecher lohnen könnte, das weiß ich noch von früheren Ausflügen. Was ich nicht mehr weiß ist, dass man vom Parkplatz aus noch elend lange latschen muss. In der Mittagshitze nicht gerade motivationsfördernd. Am Kassenhäuschen kann man nicht nur den Parkplatz bezahlen, es werden praktischerweise gleich Tickets angeboten für Führungen durch das Kloster, das jedoch auch ohne Führungen schon ein paar Euronen Eintrittsgeld verlangt.

Für einen längeren Aufenthalt fehlt mir eh die Zeit, ich lehne dankend ab und gucke mir den Kasten lieber nur von draußen an, das muss reichen. Es reicht gerade für den nicht entgeltpflichtigen Innenhof, wahrscheinlich damit die Touristen ungehindert in das dort befindliche Café strömen können. Es reicht für das große Hauptgebäude nicht ganz mit der Brennweite, aber für ein wenig Klostergarten, ein paar Skulpturen berühmter Mallorquiner und einen fantastisch dick bemoosten Brunnen, der mir damit eines meiner Lieblingsurlaubsfotos beschert. Alleine dafür hat sich der Abstecher gelohnt.

Als klösterliches Highlight allerdings entpuppt sich die Spezialität des Klostercafés, die hausgemachte Tarta Limón y Meringue. Bisher hatte ich allen süßen Verlockungen widerstanden, weil die im Ausland meist noch viel süßer sind als zu Hause, aber hier musste ich einfach zugreifen.    
Grandios! Sehr empfehlenswert, sollte jemand da vorbeikommen! Könnte man den irgendwie noch mit etwas Cachaça impfen, der weltweit beste essbare Caipirinha wäre geboren.


Fotos dazu: Kloster Lluc, Mallorca / Nikon D7200
Bier dazu: Doggie Style Pale Ale, 5.5%, Flying Dog Brewery
Musik dazu: The Waterboys - Too Close To Heaven / Karma To Burn










   




Dienstag, 31. Oktober 2017

Palma: Ohne Plan und ohne Kirchen











Fünf Stunden haben wir Zeit um die Inselhauptstadt zu erkunden, nicht besonders viel, aber sollte ausreichen für Altstadt und Kathedrale. Den Stadtplan habe ich im Kopf, oder besser gesagt öfter mal angesehen, ist ja alles eng beisammen hier, das kann also nicht so schwer sein. Vom Bahnhof der Ferrocarril aus muss man nur eine mehrspurige Straße überqueren und ist quasi schon mitten drin in den Sehenswürdigkeiten.

Sehen will ich die Plaça Major, die Plaça de Cort mit Rathaus und steinaltem Olivenbaum und natürlich die dicke Kathedrale, für die man runter ans Wasser muss um die formatfüllend ablichten zu können. Einzig zum Pueblo Español wird es wohl zu weit sein, aber der Rest wird sich finden lassen. Denkt man so.

In den engen Gassen und schmalen Straßen verliere ich allerdings sofort die Orientierung, hier geht es nicht nur laufend in alle möglichen Richtungen, hier geht es auch hoch und runter. Liegen die Plätze jetzt hier oben irgendwo oder doch schon auf Meereshöhe? Irgendwo mittendrin? Geht man jetzt die Treppen runter, nur um sie gleich wieder hoch zu latschen, weil da unten um die Ecke doch nix weiter ist? Kann man die Kirche fotografieren, deren Turm da hinten aus dem Meer der Häuserdächer ragt? Oder steht man in einer weiteren engen Gasse, die gerade mal eine Aufnahme des Portals zulässt?

Unsere halbkatalanische Reisebegleitung hilft mit Smartphone und Google Maps weiter und es ist alles ganz einfach, wir müssen nur der Straße folgen auf der wir uns zufällig gerade befinden und landen direkt auf der Plaça Major. Mit der richtigen Ausrüstung könnte man hier ein schickes Kugelpanorama machen, man müsste nur die vielen schattigen Teile irgendwie ausleuchten. Das Licht ist nicht so günstig gerade, aber das ist es hier wahrscheinlich nie, oder nur fünf Minuten am Tag.

Von den vier mittig gelegenen Ausgängen empfiehlt Google den südlichen, eine schmale Straße, die scheinbar hauptsächlich von Pferdekutschen benutzt wird. So angeregt wie sich manch Kutscher mit seinen Fahrgästen unterhält kann ich nur vermuten, dass die Pferde den Weg auswendig kennen.

Die Strecke führt direkt zur Plaça de Cort und direkt auf eine Baustelle. Wäre ja auch zu schön gewesen. Den steinalten Olivenbaum kann man aber fotografieren, man muss nur abwarten bis die vielen Selfieknipser aus dem Bild sind, was schon mal zehn Minuten dauern kann. Für das Rathaus bräuchte ich etwas länger, mal werden Baustellenabsperrungen abgeräumt, dann steht ein Lieferwagen davor, dann wieder geballte Touristenhorden mit Deppenzepter, es zieht sich, doch ich bin geduldig.

Nach kurzer Zeit allerdings fängt der Pappenheimer an zu zetern, weil er für alte Rathäuser nichts übrig hat und überhaupt müsste es langsam mal weiter gehen. Dank der dusseligen Baustelle kriege ich den Kasten ohnehin nicht optimal aufs Bild, aber so wenig überflüssiges Gedöns wie möglich sollte drin sein. Der einzige Nachteil, wenn man nicht alleine unterwegs ist, man muss ab und zu zähneknirschend Rücksicht nehmen.

Aus lauter Rücksicht kommen wir dann auch nur noch bis zur Plaça des, auf Mallorca allgegenwärtigen, Herrn Chopin. Das dort befindliche Café lockt uns mit kaltem Bier vom Fass und den Pappenheimer mit Erdbeermojitos, was dann wieder gut genug ist für die eine oder andere Viertelstunde, im Gegensatz zu Rathäusern beispielsweise.

Danach wäre es zwar sicherlich noch möglich gewesen wenigstens kurz die Kathedrale zu besichtigen, doch leider gibt es auch dazu unterschiedliche Meinungen. Die eine Hälfte fürchtet um die letzte Bahn, schließlich müsste man noch zum Bahnhof zurück laufen, die leider vernünftige Hälfte gibt nach. Keine Kathedrale.

Immerhin gibt es auf dem Rückweg ein paar Fußballkathedralen zu besichtigen, die Official Stores von Real Madrid, FC Barcelona und dem RCD Mallorca, alles auf einer Ecke. Muss die Plaça Futbol sein hier, bei dem Aufgebot. Am königlichsten ist natürlich der Schuppen von Real mit seinem omnipräsenten Werbeträger Ronaldo Everywhere. In Portugal auf Keksdosen, in der Türkei auf Trikots, in Holland als Actionfigur in Spielzeugläden und selbstverständlich grinst er einem auch hier überall entgegen. Kein Wunder, dass der so beliebt ist.


Natürlich hat die vernünftige Hälfte der Reisegruppe recht und es wäre genug Zeit gewesen für die Kathedrale, denn wir sind sehr früh am Bahnhof. Immerhin können wir die eingesparte Zeit so in Tortillas und Bier investieren und die sind gar nicht mal so übel, die Bahnhofsgaststättentortillas.   

Fotos dazu: Plaça Espanyol Denkmal, Altstadtgassen, Plaça Major, Plaça de Cort, Olivenbaum, Rathaus / Nikon D7200
Bier dazu: Klüvers Pils, 4.8%
Musik dazu: LaBrassBanda - Habediehre / Europa in Dub