Samstag, 15. Juni 2024

Darmstadt für Fortgeschrittene Teil 2: Blaue Mathilde

 









Clever wie wir sind, haben wir rechtzeitig unser letztjähriges Domizil gebucht, das sehr begehrte Souterrain einer alten Villa in unmittelbarer Nähe der Mathildenhöhe. Umzingelt von etlichen Verbindungshäusern der Darmstädter Burschenschaften, was das Flanieren mit Antifashirts nach Einbruch der Dunkelheit zu einer leicht gruseligen Angelegenheit machen könnte, aber den Geräuschen nach zu urteilen die aus den Häusern dringen, liegen die zu der Zeit alle schon unterm Tisch.

Am ersten Abend die Lage sondiert, festgestellt dass um 21 Uhr immerhin die Laternen angeknipst werden und etwas zusätzliches Licht versprechen, ein paar Handyfotos gemacht und beschlossen, am nächsten Abend mit dem Stativ zu erscheinen, damit das Ding nicht nur im Kofferraum rumliegt wie im letzten Urlaub.

Das trockene Wetter lockt leider nicht nur uns auf den Weltkulturerbehügel, sportliche junge Menschen spielen auf den Wegen, Radfahrer und E-Scooter kreuzen, ein Verkehr fast wie auf dem Lui. Um die Zeit zu überbrücken beschäftigen wir uns mit den Skulpturen im wiedereröffneten Platanenhain bis die Stunde endlich blau wird.

Man könnte das Ensemble wirklich etwas geschickter illuminieren denk ich mir, etwas indirektes Licht auf der Kapelle wär schon ganz nett aber kostet ja auch Strom, da muss man Verständnis haben, doch kaum sind Kamera und Stativ verstaut, flammt vor der Kapelle ein greller Scheinwerfer auf, der bei den vielen goldenen Verzierungen garantiert für reichlich ausgefressene Lichter sorgt, weshalb ich das Geraffel gar nicht erst wieder auspacke. Indirekt ist anders.

Vielleicht nächstes Jahr, bei Darmstadt für Profis.

 

Fotos dazu: Mathildenhöhe Darmstadt, Platanenhain, Sterbende Mutter mit Kind, Relief Schlaf, Pflanzkübel mit Schakal

Musik dazu: Pearl Jam - Vitalogy / No Code 

 







 

  



Donnerstag, 13. Juni 2024

Darmstadt für Fortgeschrittene Teil 1: Obendrüber freundlich, unten nass

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem die letztjährige Serie Darmstadt für Anfänger aus rein logistischen Gründen ein paar Flecken von des Pappenheimers Heimaterde auslassen musste, haben wir einen zweiten Besuch geplant. Wild entschlossen, in diesem Jahr ein paar Lücken zu füllen und mehr Biergärten zu besuchen. 

Leider will es das Schicksal anders, der Pflichtbesuch am ersten Tag erweist sich als Reinfall. Zwar gibt es die Eisdiele Venezia immer noch, doch ohne das im letzten Jahr fast täglich genossene Zitrone-Basilikum. Ein herber Rückschlag, genau wie die unbeständige Witterung, die den Besuch von Biergärten zum Glücksspiel macht.

Wenn man schon in der City rumlungert, kauft man sich am besten gleich eine Darmstadt-Card, mit der man die nächsten zwei Tage den Nahverkehr nutzen kann. Nebenbei verpasst mir die äußerst charmante aber maximal verwirrte Dame im Tourismusbüro die drölfzigste Schreibweise meines Namens, ich heiße jetzt Elke. Hoffentlich gibt das bei einer Kontrolle keine Probleme.

Unterdessen fällt dem Pappenheimer ein, dass Mutti im altehrwürdigen Kaufhaus Henschel (so etwas wie Karstadt ohne Insolvenzverwalter) früher gerne zu Kaffee und Kuchen eingekehrt ist und weil das Restaurant "Obendrüber bei Henschel" heißt und mit einer großen Dachterrasse wirbt, beschließen wir sogleich einen Besuch.

Mit Kaufhausdächern hab ich schon in Aarhus gute Erfahrungen gemacht, Henschels Dach ist ähnlich nett. Der Espresso ist gut, die Sitzgelegenheiten anständig und der Blick von hier oben, auf Ratskeller, Schloss und Landesmuseum, unbezahlbar. 

Wieder auf dem Boden angekommen beschäftigen wir uns eine Weile mit Brunnenfotografie, folgen den sprudelnden Quellen bis hinter das Landesmuseum in den Herrngarten, um mal wieder etwas Natur zu schnuppern. Und den Biergarten, natürlich.

 

Fotos dazu: Ratskeller Darmstadt, Hessisches Landesmuseum, Darmstadt Schloss, Brunnen Luisenplatz, Herrngarten - Nikon D7200

Musik dazu: The 1975 - The 1975 / Being Funny in a Foreign Language

 







 


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Freitag, 24. Mai 2024

Heute hier, morgen fort: Die große Lebensmittelverschwindung

 









Der neue Edeka Supermarkt an der Ecke ist voll super, deswegen heißt er ja auch Supermarkt. Neben den Grundnahrungsmitteln überrascht er immer wieder mit außergewöhnlichen Angeboten, von exotischen Früchten in der Obstabteilung bis hin zu kreischend bunten amerikanischen Süßigkeiten im XXL Family Pack. Da außer mir anscheinend keiner bereit ist 5 Euro für eine Amalfi Zitrone hinzulegen oder drei verschiedene Sorten Drachenfrucht zu probieren, hat sich das meist nach kurzer Zeit wieder erledigt mit dem Angebot, was man bei frischer Ware schon verstehen kann, bei vielen anderen Produkten aber ein ausgesprochenes Ärgernis ist.

Steht da doch seit Monaten ein schickes kleines klappriges Holzregal mit italienischen Nudeln und die scharfen roten Tagliatelle Peperoncino sind exakt das, was zu meinen Gambas in Portweinsahne passt. Natürlich sind diese Tagliatelle auch als erstes weg, was nicht an mir alleine liegen kann, bei den lächerlichen zwei Paketen die ich noch erwischt habe. 

Man ahnt es schon, hier wird niemals nachgefüllt, erst wenn die letzten drei Packungen Fettuccine Seppia und Tagliolini al limone genug Staub angesetzt haben fliegt der Rest inklusive Regal in den Müll und man kann sehen woher man in Zukunft seine roten Tagliatelle bekommt.

Ähnlich bescheiden sieht es in der Getränkeabteilung aus, in der ein Hannoveraner Startup seine "Limomente" vorgestellt hat, von denen die Sorte Kirsche-Waldmeister wohl nicht nur bei mir auf viel Zuspruch stieß, in drei Tagen komplett weg - und ich war es nicht. Nach Wochen des vergeblichen Wartens auf Nachschub entdeckte ich das Zeug bei einem anderen Edeka, der noch drei Pullen im Kühlregal hatte, wo sie wohl niemand entdeckt hat.

Im Regal selber verstauben die Reste an Apfel-Minze und Kirsche-Rose, was mich nicht weiter wundert, das eine ist zu gewöhnlich, das andere nix für Aleman. Aleman wolle keine Rose kaufe.

Der Ersatzsupermarkt erwies sich dann als weiterer Quell der Inspiration, die haben nicht nur die sauteure englische Gartenerdbeermarmelade im Regal, für die ich Idiot im Internet 5 Euro mehr bezahlt habe, die haben auch Mrs. Darlington's Legendary Orange Curd, von dessen Existenz ich bisher nichts ahnte. Ein legendäres Lemon Curd von Mrs.Darlington war leider nicht zu finden, also nahm ich das letzte Glas Orange mit. 

Leider ist das Zeug der Hammer, weshalb ich latürnich sofort das zitronige Gegenstück haben will, doch auch auf Nachfrage konnte mir niemand sagen, wann und von wem das nachgefüllt wird, weil die zwei Reihen der Mrs. Darlington im Regal nicht von Edeka bestückt werden.

Nach sechs Wochen haben sie es endlich geschafft und wahrscheinlich war es ein Fehler, nur ein Glas mitzunehmen. Sollte das Zeug ähnlich gut sein wie das Orange Curd, sind die Regale inzwischen garantiert wieder leer.

Nicht länger suchen muss ich jedenfalls nach Lychee im Fruchtsaftgetränkeregal. Nachdem es die Firma Zentis schon vor vielen Jahren geschafft hat, ihre einzige richtig gute Sorte aus dem Programm zu nehmen und mich damit zum Zentistotalverweigerer zu machen, hat die Firma Rauch jetzt nachgelegt und den einzig trinkbaren "Saft" aus ihrer Happy Day Serie aus dem Programm genommen. Man kann sich weiter mit Blaubeer, Himbeer, Erdbeer und Honigmelone überzuckern, aber eiskalter Lychee ist vorbei. 

Hatte nicht mehr so viele Fans sagt die Firma. Die müssen alle bei mir um die Ecke wohnen, denn wenn mal wieder eine Reihe Lychee im Regal stand war sie schnell auch wieder weg.  

Wahrscheinlich eher unfreiwillig aus den Kühltruhen verschwunden ist Häagen-Dazs - und zwar ziemlich zeitgleich aus sämtlichen Kühltruhen die man so kennt, Rewe, Edeka, Famila, Kaufland, sogar die lokalen Pizzalieferanten haben nur noch B&J im Programm. Bei Rewe soll das durch Mälzer & Fu ersetzt werden, ausgerechnet der kleine Timmi, dessen Produkte oft eine Halbwertszeit von einem Jahr nur mühsam erreichen, soll jetzt meine Lieblingssorten ersetzen.

Eis wird dann wohl in Zukunft auch nur noch vom Fachhandel bezogen. 

Foto dazu: Samsung A33

Musik dazu: Sea Level - Sea Level / Cats On The Coast


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Sonntag, 12. Mai 2024

Erstklassig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist geschafft! Endlich wieder Bundesliga, das sechste Mal in knapp 50 Jahren, da kann man einen Aufstieg nicht gerade als Routine bezeichnen, das muss man genießen. 2010 hat das noch mit Kieztour und Kopfschmerzen am nächsten Tag geendet, heute freue ich mich nur, dass ich das noch mal erleben darf und bleibe auf meinem Platz sitzen, bis die Ordner endlich Feierabend machen wollen. 

Meine Nachbarn sind noch sportlich und wollen sich den Wahnsinn auf dem Rasen selber ansehen, ich genieße den Platzsturm lieber aus der Distanz, obwohl das mal eine Gelegenheit wäre den heiligen Rasen zu betreten. Von hier oben sieht man einfach mehr, mehr jubelnde und hüpfende Menschen und mein Bierbecher wird auch nachgefüllt. Einfach mal glücklich sein.

Über das Spiel gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer das Osnabrück wirklich verdammt schnelle Spieler hat, zu schnell jedenfalls für Eric, die uns aber trotzdem.nur selten in Verlegenheit bringen können. Wir dagegen haben Dapo Afolayan (Fußballgott), der heute mal so richtig aufdreht, das 1:0 nach 6 Minuten erzielt, das 2:0 in der zweiten Hälfte nachlegt und dann noch Marcel Hartel (Fußballgott) das 3:0 mustergültig serviert. 

Das ist endlich mal wieder mein Sankt Pauli wie ich es kenne. Also das aus dem letzten Jahr jetzt mein ich. Ansonsten gibt es in der letzten Minute noch einen Elfmeter für Osnabrück der etwas unglücklich im Netz landet, den ich aber binnen Sekunden schon wieder vergessen habe, weil der Schiedsrichter ein Einsehen hat und pünktlich abpfeift. Platzsturm allez.

Mein ewiger Traum, einmal mit einer granatenstarken Mannschaft als unangefochtener Spitzenreiter der zweiten Liga aufzusteigen, ist damit in greifbarer Nähe. Wenn das klappt träum ich nur noch von Europa..

 

Was sonst noch gut war:

An solchen Tagen ist einfach alles gut, sogar das Essen vom Lieferservice

Was noch richtig gut wird: 

Mindestens ein Jahr lang bei Heimspielen ausschlafen können 😆

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - VfL Osnabrück, Endstand 3:1

Tore dazu Afolayan (6./58.) Hartel (68.) / Kehl (91.)

Links dazu: In meinen Träumen (Millernton) Klassenerhalt nicht geschafft (Stefan Groenveld) Hallo Bundesliga da sind wir wieder (Übersteiger) Erstklassig (KleinerTod)

Musik dazu: Minimal Utopia Orkestra - A Moment of Everywhere

 





















 

Samstag, 27. April 2024

Abwrackhilfe

 









 

Sonnenschein am Millerntor? Seit wann gibt's denn so was? Damit war nicht unbedingt zu rechnen als ich heute Mittag die Augen öffnete. Wie immer bei solch hoch emotionalen Spielen kann ich die Nacht vorher schlecht schlafen, dafür aber immerhin so lange wie ich will. Rentnerprivileg. Greift halt nur bei Abendspielen, oder in der ersten Liga.

Damit wir da endlich landen und unseren dominanten Ballbesitzfußball gegen Dortmund, Leverkusen und Bayern ausprobieren können, müssen nur noch vier Hürden genommen werden. Zwei davon sind besonders unangenehm. Hansa Rostock ist, ähnlich wie Dünamö Dresdn, einer dieser Vereine bei denen ich mir immer mindestens zwei Ligen Abstand wünsche, nur um die depperte Reisegruppe möglichst lange nicht ertragen zu müssen. 

Um diesen Idealzustand zu erreichen sollte man am besten das machen, was in dem alten Gassenhauer schon immer gewünscht wurde: Wir holen die Meisterschaft und schießen Rostock ab. Vor ein paar Wochen noch hätte ich da gar keine Bedenken gehabt, weder bei der Meisterschaft noch bei der Koggenversenkung, aber seit das dominante Ballbesitzding nur noch sporadisch zündet kommen mir doch leise Zweifel, ob das wohl noch lange gut geht.

Hannover hatte das Momentum 30 Minuten lang nicht auf ihrer Seite und wir hatten Nikola Vasilj, das hat gereicht. Ähnlich sieht es heute aus, Hansa hat das Momentum halt auch nicht und wir haben Nikola Vasilj. Schön ist das nicht, wenn das Spiel überwiegend in der eigenen Hälfte stattfindet, dann wird auch das Toreschießen schwierig.   

Wo ist bloß die legendäre Ballsicherheit geblieben, dieses lässige von hinten raus mit zwei drei Pässen durch das Mittelfeld, das die Gegner häufig nur staunend zur Kenntrnis nehmen konnten? Wo ist das Team, das für alle Situationen eine Lösung findet? Ist das Aufstiegsangst? Die ganze Saison über die Liga gerockt und am Ende zittern die Knie und der Ball verspringt?

In der zweiten Hälfte schaffen wir es dann auf einmal wieder Fußball zu spielen und schwupp ist das Momentum in Form von Jackson Airvine Fußballgott zur Stelle und es steht 1:0. Endlich. Unter "und schießen Rostock ab" hab ich mir ja immer ein 4:0 oder 5:0 vorgestellt, also ein Abgang so richtig mit Schmackes in Liga 3, aber jetzt denk ich nur "38 Minuten. Noch 38 Minuten keinen einfangen und feddich is die Laube."

Das verwalten wir dann auch ganz geschickt, aber als Jojo sich die Schuhe zubinden muss (ich bin sicher es gibt eine Regel, dass man sich die Schuhe zubinden muss) guckt der Schiri so demonstrativ auf seine Uhr, dass sich die Nachspielzeit garantiert gerade um mindestens 3 Mnuten erhöht hat. Jede Minute mehr gegen den Rostocker Holzhackerfußball erhöht sie Verletzungsgefahr, volle sechs Minuten Nachspielzeit müssen wir überstehen, dann ist es geschafft.

Wir haben Rostock abgeschossen. Egal wo sie am Ende landen werden, wir haben zumindest etwas Abwrackhilfe geleistet. Mögen sie ähnlich erfolgrech in der dritten Liiga agieren, das wär schön.

Und jetzt die Meisterschaft?

Bei einem Derbysieg wär's wohl möglich. Hürde Nummer zwei wird zu nehmen sein, dann gucken wir auf die nächsten.

 

Was sonst noch gut war:

Bin mal früher los um die Millerntorpommes zu testen. Erstaunlich kurze Wartezeiten und die große Portion ist wirklich groß, das ist mehr was zum teilen mit der Bezugsgruppe. Satésauce dazu wär geil, beim letzten Heimspiel werd ich mal das Chutney testen.

Was man so hört sollen die Dixiklos heil geblieben sein, das wird die Hansajugend freuen. 4000 Euro weil die Orks nichts kaputt gemacht haben, ich hab meinen Lohn immer falsch verhandelt...

Der Dixi Rock absolute Weltklasse 😅

Was sonst noch schlecht war:

Mir fehlt Eric Smith mit seinen klugen Pässen und mir fehlt Philipp Treu mit seinem unermüdlichen Einsatz. Die beiden würden der Mannschaft gut tun.

Was vollkommen überraschend war:

Ich trag jetzt Hörgeräte und kann das Gras wachsen hören aber Hölle, ist DAS laut hier. Weil früher eh alles besser war hab ich das in den letzten Jahren wohl arg unterschätzt, was am Millerntor für ein Lautstärkepegel erreicht werden kann.

Jedenfalls gegen Hansa bei einem Abendspiel.

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor - FC St.Pauli - FC Hansa Rostock, Endstand 1:0

Tore dazu: Jackson Irvine (52.)

Links dazu: Historischer Erfolg (Stefan Groenveld) Flying through the AIRvine (Übersteiger) Geduld und Überzeugung (Millernton)

Musik dazu: Kettcar - gute laune ungerecht verteilt