Donnerstag, 13. Juni 2019

Wohnzimmerzugangsberechtigungsnachweisverlängerung

















Design oder Nichtsein, das ist hier keine Frage, allenfalls eine Feststellung. Wahrscheinlich fiel dem Verantwortlichen zwei Tage vor der Dauerkartenverlängerung ein, dass sich noch niemand Gedanken gemacht hat wie das Ding denn nun aussehen soll. Großer Totenkopf und kleines Logo oder doch umgekehrt? Haben wir ein Motto und wenn, hat das was mit Aufstieg zu tun oder lieber nicht? Können wir einen mehrstelligen Betrag sparen wenn wir das zweifarbig halten und bekommen wir dafür einen Stürmer der mehr als einmal trifft?
Hat wenigstens jemand eine Skizze?
"Ja, hier, ich!" sprach der Praktikant und flugs war das Thema vom Tisch. Bestimmt hat auch jemand das Wort kultig in den Mund genommen und musste sich diesen hinterher mit Seife auswaschen, wie die Kinder im Mittelalter.

Jedes Jahr gibt es etliche geniale Choreos am Millerntor, wir haben vier Tribünen voller kreativer Menschen (nein, ich meine nicht die Werber in den Logen) aber der Marketingabteilung, oder wer immer dafür verantwortlich ist, fällt nichts anderes ein als ihre Ideenlosigkeit zu thematisieren. Voll selbstironisch latürnich, dafür sind wir ja bekannt.

Könnte man einen Zusammenhang herstellen zwischen Dauerkartendesign und Saisonverlauf, gäbe es diese Saison wirklich großen Anlass zur Hoffnung. Nach Durchsicht der letzten Jahre kann ich das aber leider nicht bestätigen, ich finde meine selbst beklebte Karte nämlich immer noch schick.

Trotzdem: Forza St.Pauli. Auf ein neues Jahr im Wohnzimmer.

Foto dazu: Coole, sehr gute Dauerkarte für 17 Heimsiege. Mindestens.
Musik dazu: The Interrupters - Fight The Good Fight



Freitag, 7. Juni 2019

Im Land der kleinen bunten Steine

















Vor schätzungsweise 25 Jahren standen ein paar völlig bekiffte Menschen staunend vor der Amsterdamer Altstadt, bestimmt eine halbe Stunde, wenn nicht noch länger (der Zustand lässt keine genauen Angaben zu) aber: War das toll! Diese ganzen Details. Die kleinen Legoautos, die durch die Straßen fuhren, die Touristengondeln, die durch die Grachten schipperten, die öffnenden und schließenden Brücken und da kommt die Feuerwehr und das Männchen mit der roten Brille kommt doch bestimmt gerade aus nem Koffieshop und der Mann da hinten muss schon das dritte Mal jetzt die entgleiste Eisenbahn wieder auf die Schienen setzen und das ALLES AUS LEGO! War das toll!

Amsterdam war für uns jedenfalls DIE Attraktion im Legoland Billund, noch vor dem Flughafen oder den großen Schiffshebewerken, den Hafenkränen und was sich sonst noch alles so bewegt hat. Schätzungsweise 25 Jahre später und völlig nüchtern hat sich daran nichts geändert, Amsterdam ist immer noch toll.
Der Park allerdings, der hat schon etwas gelitten inzwischen, jedenfalls für Fans der kleinen bunten Steine. Die Fläche hat sich zwar mindestens verdreifacht, doch ausgewirkt hat sich das nur auf die Anzahl der Achterbahnen, Wildwasserbahnen, Kanubahnen, Karussells und Nochmehrachterbahnen. Würde man nicht hin und wieder über ein paar verstreute Figuren und Bauwerke aus Legosteinen stolpern, wäre es ein Park wie jeder andere.

Für die Kinder ist das natürlich trotzdem toll, schon allein weil man Wochentags im Mai keine Wartezeiten befürchten muss, egal wie begehrt die Attraktion ist. Der Stöpsel hat das Glück, dass er mit seinen genau 100cm in fast jedes Fahrgeschäft darf und er will auch in jedes rein, solange er die Hand seiner großen Schwester dabei ganz feste drücken kann. Das lässt sich in knapp acht Stunden auch locker bewältigen, weil die Wartezeiten überall unter fünf Minuten liegen.
In der Hauptsaison dürfte das anders sein, denn an der Kasse werden auch VIP Tickets angeboten, durch die man Wartezeiten vermeiden kann. Da so etwas nur zu Lasten derer gehen kann, die sich so ein Ticket nicht leisten können, ist das ein Grund diesen Park in Zukunft zu meiden.

Daran ändert auch die Bar von Mos Eisley nichts, der Park hat sehr viel von seinem alten Charme eingebüßt. Mit Legobauwerken alleine könnte man so etwas wohl auch kaum noch betreiben, denn so sehr Kult die bunten dänischen Bausteine auch sein mögen, was den Detail- und Einfallsreichtum angeht ist das Hamburger Miniaturwunderland inzwischen um Längen voraus und Achterbahnen gibt es an jeder Ecke. 

Fotos dazu: Legoland Billund, Dänemark / Nikon D7200
Musik dazu: Ray Wylie Hubbard - Crusades Of The Restless Knights / Dangerous Spirits










 




   


Freitag, 31. Mai 2019

Brückentag (3)

















Hätte ich einplanen sollen heute, das wäre äußerst geschickt gewesen. Aber wer kann schon ahnen, dass durch marode Technik aus geplanten 4 Stunden Arbeitszeit gleich 9 werden.
Wochenendverkürzung sucks.

Brücken dazu: Vilsundbroen und Oddesundbroen /Limfjord DK - Nikon D7200
Musik dazu: Dire Straits - Alchemy





Donnerstag, 30. Mai 2019

Nazibunker und Schneckenhäuser

















Etwa 1800 Bunker haben die Nazis an Dänemarks Westküste von Zwangsarbeitern errichten lassen, quasi als Mahnmal für maximale Hirnerweichung. Genutzt hat es nix, heute so wenig wie damals, die weichen Hirne vermehren sich gerade wieder wie blöd, egal wie viele Mahnmale in der Gegend herumstehen.

Viele dieser Auswüchse doitschen Größenwahns sind inzwischen vom Dünensand bedeckt, einige wandern langsam aber sicher gen Meer, ich schätze mal, noch ein 1000jähriges Reich werden die nicht überstehen. In nicht allzu ferner Zukunft, wenn die Nordseeküste endgültig Mallorca als Urlaubsziel abgelöst hat, werden dafür sicher Tauchgänge vonnöten sein. Dann ist das Wasser sicher auch im Mai schon warm genug.


Die Dänen haben jedenfalls das Beste gemacht aus dem Scheiß, das Metall recycelt und den Rest einfach stehen lassen, die Natur wird's schon richten. In Thyborøn wurden die Dinger anscheinend mit großkalibrigen Waffen beschossen, vielleicht ist es aber auch nur Kunst, ganz sicher aber ein Abenteuerspielplatz für Kinder im Sommer. Strände gibt es ja viele, aber wo gibt es schon Strände mit Nazibunkern?

Weil es für sensible Menschen auf Dauer doch etwas deprimierend sein könnte, während des gesamten Urlaubs über braune Hinterlassenschaften stolpern zu müssen, hat jemand in dem Örtchen mitgedacht und den perfekten Gegenentwurf geschaffen, das Sneglehuset.

Dafür brauchte er nur ein buntes kleines Huset, welches er sodann mit tausenden noch kleinerer Husets bekleben konnte. Hauptsächlich Sneglehusets, aber auch sehr viele Muslinger dabei. Fortan konnte er sich täglich für ein paar Stunden in sein kleines Sneglehuset setzen, den Touristen gegen einen kleinen Obolus seine Flaschenschiffsammlung zeigen und Eis verkaufen, was einfach sehr viel sympathischer ist als alles, was Nazis sich jemals ausdenken könnten. 


Fotos dazu: Nikon D7200
Musik dazu: Daniel Lanois - Acadie / For The Beauty Of Wynona










 

Sonntag, 26. Mai 2019

Die Farben Dänemarks

















Geht man nach dem Dannebrog sind die Farben Dänemarks rot und weiß. Fährt man im Mai durch das hyggelige kleine Land hätten es auch alle anderen sein können.

Fotos klicken macht noch bunter ;)

Fotos dazu: Limfjord und Umgebung / Nikon D7200 und keine Filter
Musik dazu: Willy DeVille - Backstreets Of Desire / Loup Garou













Mittwoch, 22. Mai 2019

Viele Zettel ergeben ein Buch















Biografien waren für mich immer die uninteressanteste Kategorie in der Literatur, abgesehen von den abgedrehten Drogenexperimenten eines Jerry Garcia oder Deke Leonards Geschichte der Waliser Band Man konnte mich bisher nichts dazu bewegen eine Biografie zu lesen. Schon gar nicht die Biografie eines Fußballers. Bis heute.

Das liegt hauptsächlich daran, dass Ewald Lienen nicht nur als Spieler und Trainer in Erscheinung getreten ist, sondern mir auch als politischer Mensch, Linker und Friedensaktivist wesentlich näher steht als alle Kaiser Firlefranzes und Loddars dieser Fußballwelt, ganz egal wie schön sie den Ball streicheln konnten.
Und natürlich, weil Ewald seit ein paar Jahren für den Verein meines Herzens arbeitet, wenn auch um Jahre zu spät und nicht mehr in der Position, in der ich ihn gerne sehen würde.

Natürlich fängt das Buch mit dem Ereignis an, durch das Ewald schlagartig berühmt wurde, DAS Foul der Fußballgeschichte überhaupt. Das Bild von der klaffenden Wunde auf Ewald Lienens rechtem Bein, aufgeschlitzt durch die Stollen des Bremers Norbert Siegmann, kann wohl jeder ältere Fußballfan aus seinem Gedächtnis abrufen. Selbst an Fußball eher weniger interessierte Schwiegermütter muss man nur auf dieses Foul hinweisen und sie erinnern sich wieder, wer Ewald Lienen ist. Dabei ist der Mensch Ewald Lienen sehr viel mehr.

Nach dem Prolog aus dem Schlachthaus geht es streng chronologisch weiter, Kindheit, Jugend, Schule etc. pp., recht konventionell erzählt, aber durch den immer wieder aufblitzenden Humor Ewalds und die für einen Fußballer sehr ungewöhnlichen "Nebenbeschäftigungen" in privaten, sozialen und politischen Bereichen, lesen sich die 420 Seiten recht flüssig weg, Anekdoten gibt es zuhauf.

Achtung Spoiler! 

Man erfährt, wie Lothar Matthäus ein Teil der Friedensbewegung wurde, wann er Felix Magath auf die Eier ging, wieso er auf eine mögliche WM Teilnahme in Argentinien verzichtete, weshalb er früher keine Autogramme gab, warum aus dem immer geplanten und mehrfach begonnenen Studium nie etwas wurde und warum Hannover 96 unter Martin Kind so ein Scheißverein ist, auch wenn Ewald das niemals so direkt sagen würde.

So richtig das Fett weg bekommt eigentlich niemand, außer einem Schreiberling der Vierbuchstabenzeitung und einem Herrn Kaenzig, der inzwischen für den VfL Bochum arbeitet. Zumindest von der Seite dürfte in nächster Zeit wohl keine Abwerbung zu befürchten sein. Meine Vorurteile über Bördivogts wurden zwar des Öfteren bestätigt, doch selbst ein Bördivogts ist kein schlechter Mensch und hilfsbereit in wirklich wichtigen Dingen und so etwas vergisst Ewald halt auch nicht.


Ein echtes Highlight ist seine äußerst kurios verlaufene Trainerkarriere in Griechenland und Rumänien, zumindest den Vereinen der ersten griechischen Liga hätte ich halbwegs professionelle Arbeit zugetraut, ein Wunder ist für mich eigentlich nur, dass Ewald es trotzdem bei gleich drei Vereinen versucht hat. Das Wetter ist da unten allerdings auch echt nicht zu verachten.

Für Fans des magischen FC ist das letzte Kapitel ganz sicher am interessantesten. Wer immer schon mal wissen wollte, wieso nach der grandiosen Rückrunde nicht mit dem Team Ewald und Olaf Janßen auf der Bank weitergemacht wurde, erfährt hier wenigstens seine Sicht der Dinge. Was mir auch nach der Lektüre immer noch nicht ganz klar wurde ist sein momentanes Betätigungsfeld im Verein, es scheint ein wenig, als könnte er machen wozu er gerade Lust hat. Gönn ich ihm.

Fazit: Ewald Lienen Trainergott! Zumindest Trainergott der Herzen. Irgendwann lass ich mir das Ding signieren, inzwischen sieht er das mit den Autogrammen ja nicht mehr so eng.

Foto dazu: Ewald Lienen - Ich war schon immer ein Rebell, Piper Verlag
Musik dazu: Zachary Richard - Coeur Fidèle / Last Kiss

Sonntag, 19. Mai 2019

Frau Marga wird abgeschleppt

















Und zum Abendbrot gibt es Fisch, den hatte Frau Marga in ihrem Bauch.
Vor Agger (Versterhavet, Dänemark) gefangen.

Foto dazu: Nikon D7200
Musik dazu: Zachary Richards - Mardi Gras Mambo / Le Fou