Eigentlich hätte das alles anders laufen müssen, schließlich hat der Dartmeister seinen Dreimalnichtverlorenglücksschal um den Hals, ich trage meinen abgerockten Dreimalnichtverlorenglückshoodie und zu guter Letzt liegt der Skipper schon wieder flach (gute Besserung). Und wenn der auf der Couch liegt, gewinnen wir ja immer mit 2:1. Das wäre wirklich oberfantastisch, nachdem Werder am Vortag das Kellerduell mit Volkswagen glücklich gewonnen hat. Wir brauchen dringend mehr Abstand nach unten – zu wem auch immer.
Durch den Ausfall sitze ich nach langer Zeit mal wieder auf der Seniorenbank. Hier ist es schon durch die Nähe zur Südkurve deutlich lauter, und viel Lärm ist genau das, was ich heute brauche. Nach dem ganzen Busempfangsbengalozirkus wird die Mannschaft hoffentlich ordentlich angefixt sein – das muss krachen im Abstiegskampf.
Die erste Halbzeit läuft für uns auch ganz wunderbar: Wir sind gieriger, immer einen Tick schneller am Ball als die Freiburger; wir haben Joel Chima Fujita, der Knoten in Beine spielen kann, und wir haben Danel Sinani, der uns mit 1:0 nach 24 Minuten verdient in Führung bringt. Sieht von hier aus mehr nach einem reingestocherten Zufallstreffer aus als nach einer großartig herausgespielten Chance – aber wen juckt das schon.
In der Halbzeit: zufriedenes Grinsen auf der Seniorenbank. Das hatten wir nicht unbedingt so erwartet – schließlich haben die Genk gerade fünf Dinger eingeschenkt im Eurobokal. Sollten wir es schaffen, noch so eine Halbzeit abzuliefern, ist ein 2:1 durchaus nicht unrealistisch, und der Skipper muss den Rest der Saison auf dem Sofa bleiben. Hülft ja nix.
Ein zweites Tor wäre meinen Nerven durchaus zuträglich. Aber wie wir alle wissen, zählt das Toreschießen nicht unbedingt zu unseren Stärken, und Freiburg startet ganz anders in die zweite Hälfte – mehr wie ein Eurobokalteilnehmer. Gegen diesen können wir zwar eine Zeit lang das Torekassieren verhindern, aber just nachdem wir uns ein wenig vom Freiburger Druck befreien können, schlägt es ein.
Und natürlich wird es jetzt wieder welche geben, die mit der alten Weisheit kommen von den ehemaligen Sankt-Paulianern, die besonders gerne gegen den alten Verein treffen. Denn natürlich – und ausgerechnet – muss es das alte Toptalent Igor Matanović sein, der gegen uns trifft. Der Mann, der nach vergebenen Großchancen immer wie ein bedröppelter George McFly auf dem Rasen stand, als er noch das braun-weiße Trikot trug. Inzwischen spielt er für das liebliche Schwarzwalddorf und hat wohl gelernt, wo das Tor steht – sehr zu meinem Missfallen.
Kaum habe ich mich von dem Schock erholt und mich mit dem Gedanken befasst, auch ein Punkt wäre vielleicht noch vertretbar und immer noch besser als leere Hände, geht Freiburg in Führung. Dann doch wieder nicht, weil der VAR sich meldet und es wohl Abseits war. Ja, liebe Freiburger, ich kann den VAR auch nicht leiden – außer jetzt gerade, weil Abstiegskampf ist echt anstrengend.
Statt daraus zu lernen und es besser zu machen, steht es keine vier Minuten später doch 1:2. Wieder ist es schlecht verteidigt, wieder ist es Igor. Der vorausgehende Freiburger Konter wird freundlich unterstützt vom angeblich Unparteiischen, der gleich drei Fouls in Reihe an unseren Jungs völlig ignoriert – und ich bin gerade froh, nicht auf meinem angestammten Platz zu sitzen. Mein Nachbar dort dürfte explodiert sein.
Noch zwölf Minuten plus Nachspielzeit, in der sich die Gegengerade nicht mehr so genau zwischen Support und Schiedsrichterauspfeifen entscheiden kann. Wir sind uns eigentlich schon länger einig, dass man mal einen Stürmer einwechseln könnte, müssen auf Hountondji aber bis zur 84. Minute warten – scheinbar reicht seine Luft nur für zehn Minuten.
In der Nachspielzeit reißen wir dann auch nichts mehr raus, und das ist insgesamt schon ein wenig enttäuschend. Denn wenn ich mir vorstelle, am letzten Spieltag im direkten Duell mit Wolfsburg um den Relegationsplatz spielen zu müssen, packt mich das nackte Grauen.
Was sonst noch gut war:
Gemeinsame Fanaktionen gegen dämliche Anstoßzeiten
Tapete im Umlauf der Gegengerade, leider am falschen Block, aber bei G3 sind halt die Wurstbuden.
Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - SC Freiburg, Endstand 1:2
Tore dazu: Sinani (24.) Matanović (65./78.)
Links dazu: Eine Halbzeit reicht nicht (Stefan Groenveld) Mut wird belohnt (Millernton)
Musik dazu: 1001 Songs you must hear befor you die: 572. R.E.M. - Radio Free Europe 573. Grandmaster Flash - The Message






















































