Posts mit dem Label Nervkram werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nervkram werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 1. April 2021

Nimm mich mit, Kapitän







 

 

 

 

Nicht unbedingt in die weite weite Welt und schon gar nicht über den Suezkanal, das dauert aktuell einfach noch zu lange und ich will auch gar nicht nach Asien, aber gerne weit weg von diesen vielen korrupten dummdreisten Versagern in Deutschland und der restlichen Pest, die sich "das Volk" nennt und die korrupten dummdreisten Versager alle Jahre wieder ins Amt wählt, oder noch schlimmeres, weil sie das für eine Alternative halten. Blöder geht halt immer.

Neuseeland wäre eine gute Idee, da gibt es eine Regierungschefin die ich gerne adoptieren würde. Als Begrüßungsgeschenk nehme ich auch gerne eine Spritze von was auch immer die da unten verimpfen, bis ich hier eine bekomme werde ich alt und grau. Ach nee, bin ich ja schon. Noch grauer geht auch gar nicht, aber ein paar Jahre älter wäre schon nicht schlecht und wenn das hier so weitergeht sinken meine Chancen, weil man ja trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein AHA-Erlebnis haben kann, nur weil irgendwer nicht geschnallt hat was mit AHA gemeint ist.

Von diesen Spinnern sieht man, zumindest hier in den Läden, inzwischen keine mehr, dafür rennen sie jede Woche zu tausenden maskenlos durch irgend eine verkackte Stadt, um gegen Maßnahmen zu protestieren, die ihnen das Leben retten sollen. "Ich bin doof und steh dazu" wäre die einzige Parole, die sie vor sich her tragen dürften, aber Selbsterkenntnis ist zwar der Weg zur Besserung, doch in diesen Kreisen ist die definitiv nicht in Sicht. 

Wenn sich Einzeller für die herrschende Spezies des Planeten halten, weil sie zwar quer denken können, aber nicht merken dass nur Stuss dabei herauskommt, dann ist das Ende wirklich nahe und ich glaub der nächste Containerfrachter ist dann meiner... 


Fotos dazu: Museumshafen/Schlepperbrücke Hamburg - Nikon D7200

Musik dazu: Tamikrest - Chatma





Samstag, 28. März 2020

Menschenleer am Wattenmeer

















Eine erholsame Woche in Dänemark, Füße hochlegen, Bücher lesen, Wattwandern und Menschenmengen aus dem Weg gehen, was im März auf Rømø kein Problem sein sollte bei den 20 Einwohnern und 30 Touristen, wird durch die Coronakrise erbarmungslos zunichte gemacht. Grenzen dicht am Anreisetag, da kann man sich das Benzin auch gleich sparen hab ich mir gedacht.

Herrn L. nimmt das weitaus mehr mit, der will ums verrecken raus aus dem Haus und in die Einöde. Die findet er auch recht schnell und bucht eine Ersatzhütte bei den wilden Nordfriesen im heimeligen Dagebüll, von wo aus die noch anwesenden dreieinhalb Touristen zwar auch nicht mehr nach Sylt oder Amrum dürfen, aber man kann die Inseln immerhin vom Deich aus sehen.

Am Dienstag teilt man uns dann mit, dass Touristen eigentlich überhaupt nicht mehr gerne gesehen sind und wir doch bitte am Mittwoch wieder verschwinden möchten. Der kürzeste und sinnloseste Kurzurlaub meines Lebens, aber hey, wir haben 2020 und werden voraussichtlich noch sehr viel schlimmere Dinge ertragen müssen als zwei abgebrochene Urlaube in einer Woche.

Die können wir laut Ferienhausvermietung irgendwann nachholen wenn wir den ganzen Mist überstehen und ich weiß dann immerhin schon, was ich als erstes mache: Fleischsalat vom Schlachter Hansen aus Ladelund kaufen und zum Kaffee dieses halbe Kilo Quarkbüddel aus der Niebüller Backstube besorgen.

Um die berühmten lokalen Spezialitäten kennenzulernen reicht halt auch ein Urlaubstag, wenn man mit den richtigen Tipps versorgt ist.


Fotos dazu: Dagebüll Nordfriesland: Nikon D7200 - Futterkram: Smartphone
Musik dazu: Tamikrest - Tamotaït












 










Mittwoch, 26. Februar 2020

Die Odyssee















Allenthalben wird ja gerne über die Deutsche Bahn gemeckert, über Verspätungen, volle oder kaputte Züge, schlechten Service und so weiter und das ist ganz sicher auch häufig berechtigt, doch in der Regel kommt man an. Irgendwann. Mit Bummelzügen oder auf Umwegen, aber man wird irgendwie schon transportiert werden.

Bei der Deutschen Flug respektive German- oder Eurowings kann so etwas allerdings sehr viel unangenehmer werden. Und teurer.

Aufstehen, morgens um vier, im Urlaub. Macht man nur einmal und auch nur, weil das Taxi zum Flughafen um fünf vor der Tür steht. Eine Stunde nach Faro, zwei Stunden Abfertigungszeremonien, drei Stunden Flug nach Köln, drei Stunden Wartezeit auf den Anschlussflug nach Hamburg und endlich im Flieger sitzen. Etwas beengt in den letzten Reihen, die lange nicht so viel Beinfreiheit haben wie die Sitze im vorderen Bereich, aber für die eine Stunde bis nach Hamburg wird es auszuhalten sein.

Nicht eingerechnet dabei die halbe Stunde auf dem Rollfeld, in der alle gespannt auf den Schub warten, bis der Kapitän einen Computerfehler meldet, der sich mal eben so nicht beheben lässt, weshalb wir da wieder verschwinden müssen. Zurück in der Parkposition würde man den Rechner dann neu hochfahren und er wäre recht optimistisch, dass wir dann unsere Reise fortsetzen könnten.

Eine weitere halbe Stunde passiert nichts, dafür bekommt eine Dame in der letzten Reihe schwere Panikattacken, wie das halt so ist in Flugzeugen die nicht fliegen wollen. Kann vorkommen. Sollten Flugbegleiter drauf vorbereitet sein, deren Privatgespräche wir erst unterbrechen müssen damit sie darauf aufmerksam werden.

Ein paar Minuten später geht es ihr wieder besser, beruhigender als der Schluck Wasser ist vielleicht auch die Nachricht des Flugkapitäns, dass sie heute nicht mehr fliegen muss. Sie nicht und alle anderen auch nicht, der Computerfehler ist leider immer noch da. Aussteigen bitte.

Und tschüss... und nun?

Erst einmal das Gepäck holen ist wohl die beste Idee, wo sich die Gepäckausgabe befindet lässt sich relativ schnell herausfinden, wo die Koffer ankommen nicht so ganz, denn eigentlich sollten die hier ja gar nicht ausgeladen werden. Kommt dann zusammen mit Zürich irgendwann alles angerollt, wird auf zwei Gepäckkarren verladen, Kinder an die Hand und los, den Schalter von Eurowings suchen.

Der ist schnell zu erkennen, an mindestens fünfzig Menschen vor und zwei völlig überforderten Mitarbeitern hinter dem Schalter, von denen einer hektisch telefoniert, während der andere versucht die inzwischen recht genervten Kunden zu beruhigen. Tickets & Service werden hier versprochen, danach sieht es gerade nicht aus. Per Warteschlangengeflüster machen beunruhigende Meldungen die Runde, einen sollen sie in den Flieger nach München gesetzt haben, da gäbe es dann einen Anschlussflug nach Hamburg, aber mehr Plätze nach München wären nicht frei gewesen. Einen Ersatzflug gibt es nicht und Hotelzimmer gäbe es auch keine, weil in Düsseldorf, Köln und einer weiteren Stadt gerade Messen stattfinden würden, im Umkreis von 100 Kilometern ist alles ausgebucht.

Erklärt die leichte Panik in den Augen des Eurowingers, der uns nach einer weiteren halben Stunde Warterei "nur das sagen kann, was ich allen bisher gesagt habe. Es gibt keinen Ersatzflug und es gibt keine Hotelzimmer weit und breit. Nehmen sie sich einen Mietwagen und schicken sie die Rechnung per Email an Eurowings. Ein Stockwerk tiefer gibt es jede Menge Mietwagenfirmen."

Hier begehe ich meinen ersten großen Fehler, das sollte man sich nämlich in jedem Fall schriftlich geben lassen.

Ein Mietwagen also. Einer für fünf Personen, mit Kindersitz und Platz für fünf Koffer und reichlich Handgepäck, das wird nicht einfach. Europcar hat noch einen Opel Corsa, davon bräuchte ich drei. Sixt hätte ein SUV von Jaguar, was zwar schick aber unpraktisch ist, weil man da nur das halbe Gepäck unterbringen könnte und bei Avis gäbe es zwar einen Transporter für das Gepäck, aber nur mit Vorderbank für drei Personen.

Die beiden Herren von Buchbinder beobachten unsere Versuche indessen scheinbar belustigt, sie grinsen jedenfalls beide breit als wir uns ihrem Stand nähern, wohl wissend, dass sie die einzigen sind die uns helfen können. Wir kriegen auch schnell raus, warum sie sich so freuen. "Ich hätte da noch einen Ford Galaxy S-Max" und ja, das hört sich gut an "aber der kostet 900 Euro" schüttet er sofort etwas Wasser in den Wein. Das muss der "Kunde-ist-verzweifelt-und-hat-keine-andere-Wahl Tarif" sein, den ich später auf sämtlichen Seiten vergeblich suchen werde. Der Renault Captur für zehn Tage an der Algarve hat nur die Hälfte gekostet, aber den habe ich halt in Lagos wieder abgegeben und nicht in Lissabon.

Nach inzwischen 16 Stunden auf den Beinen entlockt mir das nur ein "Scheißegal, muss eh Eurowings bezahlen" was mich zu den 900 Öcken für die Karre nochmal 250 Kaution kostet, da fragt man sich aber schon, was Leute machen sollen, die mit ihrer Familie in der Walachei stehen (sorry Köln) und das nicht mal eben latzen können. Bei Eurowings nachfragen hätte wohl keinen Erfolg schätze ich.

Wenigstens erweist sich die Karre als tauglich, wir kriegen Gepäck und Kinder gerade so eben verstaut, eiern trotz Navi bei Dunkelheit und Regen durch Köln bis zu irgend einer Autobahn, die uns zum nächsten und übernächsten Autobahnkreuz führt, bis wir irgendwann auf der richtigen Strecke sind. Glücklich bin ich gerade einzig darüber, bei dem Scheißwetter nicht fahren zu müssen, das übernimmt Junior, der sich schon in Portugal als ganz famoser Chauffeur erwiesen hat. In der Zeit kann ich im Kopf schon ein paar spitze Formulierungen für mein Schreiben an Eurowings entwerfen.

Eine Kindernotfütterung beim Kamener Burger King und drei Staus später erreichen wir Hamburg, nach einer 21stündigen Odyssee, die mit der Bahn vielleicht auch nicht länger gedauert hätte, aber bei dem dauernden Genörgel über die DB kann das ja keiner ahnen. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, warum ich Direktflüge immer bevorzuge. Wäre die Kiste in Faro verreckt, hätten wir immerhin noch ein paar Tage an der Algarve verbringen können.   

Was man bekommt für den ganzen Stress:
Mehr graue Haare.
Laut FluggastrechteVO eine Entschädigung von 250 € pro Person, die man in solch glasklaren Fällen auf jeden Fall selber einfordern sollte, statt sie für 30% Provision an eine der zahlreichen Inkasso-Dienste zu verschleudern. In diesem Fall hat Eurowings jedenfalls ohne zu mucken gezahlt.

Was man nicht bekommt für den ganzen Stress:
Die Kohle für den Mietwagen, weil "zu Ihrem Fall keine Angabe in unserem System vorliegt, dass eine Sonderregelung getroffen wurde. Daher ist es uns nicht möglich, die von Ihnen erwähnte mündliche Vereinbarung nachzuvollziehen."

Danke Eurowings, legt euch gehackt.


Foto dazu: EW Schalter Köln
Musik dazu: Loop Guru - Loop Bites Dog

Sonntag, 3. November 2019

Traumurlaub mit Hindernissen

















Seit Jahren schon träume ich davon, den Nachwuchs mit nach Portugal zu schleppen. Weil sich die beiden pferdeverrückten Teenies bestimmt gut verstehen, weil ich dem großen Kind auch mal einen Grillabend beim weltbesten Chefkoch und der weltbesten Gastgeberin gönnen würde, weil jeder mal über die Klippen am Ende der Welt geschaut haben sollte, weil die Algarve samt Hinterland insgesamt ziemlich traumhaft ist und nicht zuletzt weil ich es generell für eine gute Idee halte, Lieblingsmenschen und Lieblingsorte miteinander zu teilen, auch wenn fast 3000 Kilometer Distanz zu überwinden sind.

Das war dann bisher auch das Hauptproblem, als unabhängiger Single kommt man zwar mit dem billigen Iren recht günstig von Hamburg nach Faro, aber mit fünf Personen in den Ferien kosten die Tickets so viel wie ein kompletter Pauschalurlaub. Der ist jedoch grundsätzlich nur mit Umsteigeverbindungen zu haben, über Lissabon, Brüssel oder Köln und mit teils mehrstündigen Wartezeiten. Mit kleinen Kindern alles andere als ideal, aber letztlich die einzige Möglichkeit.

Der Hinflug mit einer Stunde Aufenthalt in Köln verläuft jedoch äußerst entspannt, die Kiste von Germanwings bietet geradezu unfassbar viel Beinfreiheit, kein Vergleich mit Ryan, die Flugbegleiter sind netter und verkaufen auch keine dämlichen Rubbellose, nur Gin Tonic gibt es leider nicht, ich muss Warsteiner trinken. Aus der Dose ist das eine echte Strafe.

Am Flughafen in Faro wartet schon der perfekt organisierte Transport auf uns, die Koffer werden verstaut und ab nach Lagos, es ist 21 Uhr und ich habe das ungute Gefühl, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln in so einer Appartementanlage um diese Zeit Probleme bereiten könnte. Das ungute Gefühl verstärkt sich, als der Fahrer mehr oder weniger hilflos in und um Lagos herum kurvt. Sein Smartphone mit dem schicken Portrait von Che Guevara ist zwar mit Gummibändern am Armaturenbrett befestigt, aber leider kein Navi installiert.

Immerhin funktioniert die Freisprechanlage und sein Kollege lotst uns nach einer knappen halben Stunde an den richtigen Ort. Vom Pförtner gibt es den Schlüssel und eine Wegbeschreibung zum Appartement, dann ist auch das geschafft, es ist inzwischen 22:30 Uhr und der Kühlschrank leer. Findet man als Erwachsener nichts im Kühlschrank geht man halt ins Bett, aber Kindern ist das schwerer zu vermitteln, also machen wir uns zu zweit auf Nahrungssuche.

Der sehr nette ältere portugiesische Pförtner versichert uns, das Wasser aus dem Hahn wäre ganz ausgezeichnet, viel besser als das aus der Flasche, dafür müssten wir nun wirklich nicht in die Stadt laufen. Meine Erfahrung sagt etwas anderes, aber das Problem mit der festen Nahrung hat sich damit noch nicht erledigt. Ja, dann müssten wir wohl in die Stadt, am besten runter zur Marina und über die Fußgängerbrücke in die Altstadt. Da steht die Statue von so 'nem Typen, er wüsst jetzt gerade nicht wie der heißt, aber die wäre nicht zu verfehlen. Da hat bestimmt noch was auf.

Die Brücke kenne ich und die Statue von Heinrich dem Seefahrer, einem der großen portugiesischen Entdecker, ebenfalls. Natürlich fällt mir der Name in diesem Moment auch nicht ein, aber man soll im Ausland eh nicht klugscheißen. Die Entfernung habe ich allerdings deutlich unterschätzt, auf der Gugelmappe war das nicht so weit und vor allem nicht so steil.

Auf dem kopfsteingepflasterten Höllenweg runter in die Altstadt ruiniere ich mir nachhaltig beide Knie, weshalb ich heute noch rumlaufe wie Freddie Frinton nach dem Hauptgang. Am Hafen finden wir eine hell erleuchtete Pizza Hut Filiale, man muss allerdings erst eine steile Treppe bewältigen um die letzte Angestellte beim Geldzählen erspähen zu können. Wäre ideal gewesen, denn auf dem restlichen Weg an der Marina entlang gibt es höchstens noch Bier vom Fass.

Ähnlich ist die Lage auf der anderen Seite der Bucht, die Bürgersteige werden so langsam hochgeklappt, in den Restaurants sitzen nur noch ein paar letzte Gäste beim Wein, nichts was uns weiterhelfen würde.

Die Rettung ist ein netter Mensch in einem gerade schließenden Bistro, der uns eine seiner letzten beiden Pizzen anbietet, die eigentlich für das Personal nach Feierabend gedacht waren. Hungrige Kinder sind zumindest im Süden ein herzerweichendes Argument, eine Pizza allerdings recht mager, selbst wenn die Erwachsenen verzichten. Was ist denn mit der halben Apfeltorte? Die kann man doch sicher käuflich erwerben. Wie viele Stücke? Alles. Wir nehmen alles. Und zwei Flaschen Wasser mit Pups, weil ich dem Zeug aus dem Hahn nicht traue.

Durch die Nähe des Bistros zum nächsten Taxistand ist die Pizza sogar noch warm als wir ankommen und natürlich sollte man Wasser in Portugal besser aus der Flasche trinken wenn man Chlor nicht mag, was der Rest der Familie glücklicherweise trotz Durst beherzigt hat.

Trotzdem wird es noch ein Traumurlaub, weil man sich auf Lieblingsmenschen und Lieblingsorte einfach verlassen kann. Zur Rückreise allerdings sage ich lieber noch nichts. Schwebendes Verfahren und so...

Fotos dazu: Rutschbeachbuggies und Heinrich der Seefahrer, Lagos Portugal / Nikon D7200
Musik dazu: Pearl Jam - Live on two legs / Backspacer







      





Samstag, 14. April 2018

Noch eins für die Statistik


















Pfeifen geht so gar nicht am Millerntor und "Buh" rufen höchstens Schlossgespenster in Kinderbüchern, der Mannschaft wird das jedenfalls nicht helfen. Andererseits fragt man sich langsam, was der Mannschaft überhaupt helfen kann. Noch ein neuer Trainer? Ein alter Trainer? Ein Trainer für den Kopf? Helfen würde jemand der Tore schießen kann, aber der müsste sich selbständig den Ball schnappen und ins Tor tragen, auf irgendwelche Vorlagen oder Zuspiele warten hat sich bisher nicht bewährt.

Was soll man überhaupt noch schreiben nach solchen Spielen, was man nicht schon etliche Male in dieser Saison geschrieben hat? Ach was red ich, in den letzten Jahren. Sie haben sich bemüht, zumindest in der ersten Hälfte, sie haben gekämpft und sind gerannt, zumindest in der ersten Viertelstunde, aber am Ende ist die Note wieder nicht ausreichend, nicht einmal mangelhaft. Bei einer 5 sollte man erkennen können, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können.

Da fehlt mir allerdings so langsam der Glaube. Wenn man sieht wie Paderborn und Münster gespielt haben wären wir momentan selbst in der dritten Liga kein Aufstiegskandidat, was eine mögliche Zukunft in wirklich düsterem Licht erscheinen lässt. Nur vier von inzwischen fünfzehn Heimspielen gewonnen, was zum Teufel soll mich hoffen lassen, dass wir in den verbleibenden zwei Heimspielen irgend etwas besser machen? Oder auswärts in Regensburg oder Duisburg etwas reißen können?

Eine eigentlich ganz passable erste Hälfte, in der man seine Torchancen kläglich versemmelt, dabei noch Glück hat, dass der Gegner seine ebenfalls nicht nutzen kann, ist in dieser Liga vielleicht gerade noch ausreichend. Lässt man den Gegner hingegen zehn Minuten vor Spielende im eigenen Strafraum Fußball spielen, ist das ungenügend. Setzen, sechs und Schuljahr einen Stock tiefer wiederholen. Bleibt nur zu hoffen, dass am Ende noch drei schlechter sind als wir, denn in dieser Verfassung werden wir auch eine eventuelle Relegation verkacken.

Bleibt wieder mal ein Spiel für die "gegen zehn Mann sind wir zu doof" Statistik, aber ein Erkenntnisgewinn war das jetzt auch nicht.

Was sonst noch gut war:
Nicht das Wetter.
Dass die Mannschaft nach den Unmutsbekundungen am Ende noch etwas positiven Support vor der Südkurve tanken konnte.

Was sonst noch schlecht war:
Schnelles Umschaltspiel aka Konterfußball. Konnten wir mal (ich erinnere mich dunkel), können wir schon lange nicht mehr.
Die Angst des Torwarts vor dem Strafraum.
Allaguis Beschleunigung.
Atzes Entschleunigung.
Menschen die vier Wochen in einem Iltiskäfig leben und danach einfach in eine U-Bahn steigen, ohne vorher ihre Klamotten zu verbrennen. Döner, Knoblauch, Pizza und Haarspray sind ja normal inzwischen, aber das war abartig.

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Union Berlin, 0:1
Musik dazu: Calexico - The Thread That Keeps Us









Samstag, 30. September 2017

Wir fahr'n fahr'n fahr'n mit der Straßenbahn
















Eine der Attraktionen des Hafens ist die seit 1913 in Betrieb befindliche Straßenbahn nach Sóller, die ihre Existenz eigentlich nur finanziellen Zwängen verdankt. Da es staatliche Subventionen damals nur für Strecken ab 30 Kilometer gab, hat man die nur unwesentlich kürzere Bahnstrecke zwischen Palma und Sóller kurzerhand durch die "Tranvia de Sóller" verlängert.

Waren diese Bahnen ursprünglich zum Transport von Orangen nach Palma gedacht, sind sie heute nur noch für die Beförderung von Touristen zuständig, was zeitweilig zu drangvoller Enge führen kann. In solchen Fällen wartet man einfach eine halbe Stunde ab, bis die von Reiseleitern geführten Touristenhorden wieder verschwunden sind, was bei dem Angebot von Restaurants und Bars in Bahnhofsnähe nicht weiter problematisch ist, selbst das alte Bahnhofsgebäude ist inzwischen ein Tempel der leiblichen Genüsse.

Da ohnehin ein Besuch von Sóller auf dem Plan steht, nehmen wir natürlich die Gelegenheit wahr und fahren mit. Sieben Euro kostet die einfache Fahrt, das Ticket löst man beim Schaffner an Bord, das Personal geht durch. Wir hingegen bleiben sofort da stehen wo wir eingestiegen sind, denn fotografieren lässt es sich ganz sicher am besten, wenn man einfach eine der Plattformen in Beschlag nimmt. Prügeln will sich aber glücklicherweise niemand um die guten Plätze, der normale Tourist sitzt lieber und hält sein Handy dabei aus dem Fenster.

Die Bahn zuckelt entlang der Hafenpromenade bis zur Ctra. Puerto Sóller und folgt eine ganze Weile dem Verlauf der Hauptsraße, bis sich die Wege trennen und wir zwischen Häusern, Vorgärten und wild in der Gegend wachsenden Orangenbäumen durchgeschüttelt werden, mit streckenweise fast unverbautem Blick auf die Gebirgskette der Serra de Tramuntana. Die atemberaubende Geschwindigkeit von max. 30 km/h sollte allerdings nicht zum Leichtsinn verleiten, zu sehr wackelt dieses alte Gelöt auf den Schienen herum. Insbesondere wenn man auf der offenen Seite der Plattform steht, ist ein ums Geländer geknoteter Arm beinahe Pflicht um einen unfreiwilligen Abgang zu verhindern.

Während ich noch über die Fähigkeiten meiner Bildstabilisierung bei dem fürchterlichen Gewackel sinniere, entdeckt der Pappenheimer ein schmales Bändchen an der Decke, dass durch den ganzen Zug läuft. Wenn man daran zieht bimmelt es lustig, das kennt er noch aus Darmstädter Zeiten. Leider fällt ihm erst nach dem dritten lustigen Gebimmel ein, dass das wahrscheinlich ein Haltesignal für den Zugführer ist. Der hat allerdings spätestens nach dem zweiten Gebimmel auf offener Strecke erkannt, dass nur irgend ein dusseliger Tourist dieses Bändchen entdeckt hat und stellt seine Bremsversuche für die restliche Strecke ein, solange keine Haltestelle in unmittelbarer Nähe ist.

So gelangen wir noch innerhalb der veranschlagten 30 Minuten nach Sóller, steigen mitten in der Stadt am Plaça de sa Constitució aus, stolpern in das nächste Café, laufen den restlichen Nachmittag planlos durch die Stadt, verpassen aus Unkenntnis wahrscheinlich attraktive Ecken oder alte Olivenölmühlen und können selbstverständlich auch keine anständigen Fotos von der Església de Sant Bartomeu machen, weil ein Gerüst zwar immer zu solchen Kirchen gehören muss, aber eine große Plastikplane über der (von einem Schüler Gaudis gestalteten) großen Fensterrose den Spaß dann doch zu sehr verdirbt, aber das ist eine andere Geschichte...

Dafür entschädigt die Rückfahrt im fast leeren letzten Waggon und die Aussicht auf das "goldene Tal", dass seinen Namen im Abendlicht auf jeden Fall verdient hat.


Fotos dazu: Tranvia de Sóller, Nikon D7200
Getränk dazu: Black Swan, Arnsberg Dry Gin, Limette, Schweppes Dry Tonic
Musik dazu: Legend - Red Boot Album / Mickey Jupp - Juppanese / Long Distance Romancer

















Sonntag, 17. September 2017

Im Tiefschlaf
















Der Flieger kommt zwar von einer Pleitefirma, hebt in Palma aber trotzdem rechtzeitig ab und holt dank Rückenwind sogar fünfzehn Minuten raus. Die Gepäckausgabe am Hamburger Flughafen ist gar nicht so lahmarschig wie viele behauptet haben und unser freundlicher afghanischer Taxifahrer schafft den Heimweg in der gleichen Zeit wie ich, wenn ich es sehr eilig habe.

Rein theoretisch müsste ich nur die Koffer nach oben wuppen und mich in den nächsten Bus setzen, dann würde ich es noch bis zum Anstoß ins Stadion schaffen. So war das eigentlich auch geplant, aber wie so häufig habe ich meine Kondition gnadenlos überschätzt. Wäre die Woche Mallorca so etwas wie Erholungsurlaub gewesen, mit lange ausschlafen und rumgammeln bis die Bars wieder öffnen, vielleicht dann.

Aber nach nur drei Stunden Halbschlaf zum Flughafen fahren, die Leihkarre ab- und die Koffer aufgeben, den Sicherheitsschleusenterror hinter sich bringen und absurde Kaffeepreise ertragen ist auch irgendwann mal gut. Das Bett sieht einfach zu verlockend aus, ich muss da rein jetzt. Sofort. Trotz Heimspiel.

Nach fünf Stunden geradezu komatösen Tiefschlafs von einer 0:4 Pleite zu erfahren ist zwar äußerst unerfreulich, aber dafür hat man halt auch nicht viel verpasst.
Ich war wohl nicht als einziger im Tiefschlaf heute.


Foto dazu: Flughafen Palma, Fuji X100F, geknipst & gesponsert von xs4all
Bier dazu: lieber keins 
Musik dazu: The Bright Light Social Hour - The Bright Light Social Hour / Space Is Still The Place

Sonntag, 9. Juli 2017

Wadde hadde Dudde da?

















Is dat da Wasser da watter da hat und wenn dat da Wasser ist, wat hatter damit vor?

Seit Tagen hänge ich nur noch im Netz, verfolge geschockt das Geschehen in Hamburgs Parks und Straßen und dröhne mich nonstop mit allen Scheiben von Rage Against The Machine zu die ich habe, was vielleicht nicht die geschickteste Wahl ist, weil es mich unaufhörlich in einen pulsierenden Sprengkopf verwandelt.

Was wirklich nicht verwundern sollte, wenn hier tagelang Bürgerrechte außer Kraft gesetzt werden, vorgebliche Gesetzeshüter auf Gerichtsurteile einen Scheiß geben, Menschen aus Grünanlagen und durch die Stadt gejagt und am Schlaf gehindert werden, Anwaltsvereine diskreditiert und Journalisten bedroht und an der Arbeit gehindert werden, man weiß nach drei Tagen gar nicht mehr wo man anfangen oder wieder aufhören soll mit der Kotzerei.. 

Zu verdanken haben wir das hauptsächlich drei Leuten. Einem großkotzigen Bürgermeister Scholz, der die G20 Festspiele scheinbar für eine etwas anstrengendere Version des Hafengeburtstags hielt und wohl dachte, er könnte mit Mutti in der Schanze mal nen Galao trinken gehen, seinem unfähigen Innensenator Grote, der angesichts dieser Aufgabe wohl dermaßen die Hose voll hatte, dass er sie anscheinend komplett seinem Kettenhund übertrug, dem Eskalationsspezialisten Dudde, einem kreativen Rechtsausleger, dessen Einsätze schon in der Vergangenheit öfter für rechtswidrig erklärt wurden. Was kein Hindernis ist für eine Karriere bei der Hamburger Polizei.

Der hielt es für eine besonders kluge Idee eine genehmigte Demonstration aus fadenscheinigen  Gründen aufzulösen, quasi mit Ansage und mit Gewalt, und einen Block möglicher Gewalttäter in einen Block hochwahrscheinlicher Gewalttäter zu verwandeln. Die kriegen dann überflüssigerweise auch noch reichlich Zulauf von allen hochgradig gestörten Riottouristen zwischen Palermo und Pinneberg und legen die schönsten Ecken meiner Stadt in Schutt und Asche, während die Cops aus Bayern und Berlin mit Stadtplänen doof an der Ecke stehen oder gefährliche "Linksextreme" jagen, die möglicherweise nicht ganz so übel drauf gewesen wären, hätte man sie nicht seit Tagen behandelt wie den letzten Dreck. Grandiose Taktik, wär ich nie drauf gekommen.

Heute darf ich selber an die frische Luft, die letzte große NoG20 Demo zwischen Deichtor und Millerntorplatz. 75.000 Leute, alte, junge, ganz junge, bunte, blaue, lustige, friedliche - und seltsamerweise keine Schildkröten weit und breit. Nur in den Nebenstraßen sieht man ein paar Einsatzfahrzeuge, meist im Hintergrund. So wie es aussieht braucht man bei dieser Demo höchstens ein paar Verkehrskasper, das ist alles ungemein entspannt. Kaum zu glauben eigentlich nach der letzten Nacht.

Ändert sich schlagartig am Zielpunkt, da haben sie wieder alles aufgefahren was das Arsenal hergibt, dazu das permanente Gedröhne der bis zu acht Hubschrauber über uns. Wasserwerfer auf jeder Seite, Räumfahrzeuge und Mannschaftswagen in Massen. Mit Mannschaft natürlich - und da es auf Dauer langweilig ist in den Blechkisten zu sitzen, verschaffen die sich irgendwann Bewegung. Am intensivsten bewegen sich die maskierten und behelmten Kameraden, das müssen die sein, die immer die vermummten Gewalttäter verfolgen.

Dafür brauchen sie natürlich Platz und den verschaffen sie sich, gerne rigoros und im Laufschritt, immer schön den Knüppel dabei eingesetzt, immer rein in die Menge. Muss höllisch Spaß machen mit Schildkrötenklamotten. Manchmal wird dabei auch scheinbar jemand verhaftet, obwohl weit und breit keine vermummten Gewalttäter ohne Helm zu erkennen sind, nur Leute die bei Musik und Bier im Park chillen. Egal, verdächtig sind hier wohl alle, das Thema macht's halt.

Als sich langsam Unmut breit macht über die eskalierende Gangart bei einer völlig friedlichen Veranstaltung darf Kanonier Schulze auch noch seinen Wasserwerfer ausprobieren und nach inzwischen sechs Stunden auf den Beinen beschließe ich zu gehen, bevor auch Müller, Meier und die anderen Kanoniere ihr Spielzeug auspacken dürfen.

Eigentlich wollte ich noch Slime sehen und noch lieber Rainer von Vielen, aber wer weiß wat der Dudde da noch alles hat.


Fotos dazu: NoG20 Demo,  Deichtor, Willy-Brandt-Straße, Millerntorplatz
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, Red IPA, 6.7%
Musik dazu: Rage Against The Machine - Rage Against The Machine/The Battle Of Los Angeles/Renegades

Trump und Erdogan haben sich übrigens sehr lobend über die Hamburger Polizei geäußert. Lob aus berufenem Munde, wer freut sich da nicht.