Posts mit dem Label Autokram werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Autokram werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 4. Oktober 2023

Altmetall statt Dudelsack und Scones

 









Wochenendveranstaltungen sollte man nicht unbedingt am letzten Tag besuchen und schon gar nicht erst zwei Stunden vor dem Ende, wenn die Tische und Bänke schon abgeräumt werden. Trotzdem müssen wir für die British Days auf Gut Basthorst noch den vollen Eintritt berappen, aber wenn man den Weg schon auf sich genommen hat...

Der Pappenheimer steuert schnurstracks auf das teure Altmetall zu und ignoriert dabei geflissentlich die noch geöffneten Verpflegungsstationen, weshalb ich es wieder einmal verpasse Scones mit Clotted Cream zu probieren. Mit Lemon Curd, verdammt!

Da die traditionell urbritischen Darbietungen wie Polo, Rugby, Gummistiefelweitwurf, Damensattelreiten oder Hunderennen alle schon durch sind, bleiben als Motiv für diesen Tag nur noch Jaguar, Rolls Raus, Morgan und/oder deren stolze Besitzer. 

Leider habe ich mich früh auf das lange Tele festgelegt und so ist die Kühlerportraitfotografie nur sehr eingeschränkt möglich, also konzentriere ich mich auf Emily und Schwabensterne, die ja eigentlich mit Britannien nichts am Hut haben, aber das hat auch der 56er Buick Roadmaster aus den alten Kolonien nicht.

Vereinzelt sind noch ein paar Kiltträger auf dem Gelände zu sehen, die sehen zwar aus als könnten sie mit Dudelsäcken umgehen, aber so etwas wie ein Schlusskonzert ist scheinbar nicht geplant und statt Scones gibt es für uns zum Abschluss nur ein Kaltgetränk im Pferdestall. Der wurde zum Restaurant umgebaut, daher klingt das erst mal ungemütlicher als es ist.

Die British Days in Klein Flottbek waren irgendwie britischer als die im freiherrschaftlichen Garten, aber das kann natürlich auch an der besseren Zeitplanung gelegen haben. Die hätte wenigstens noch Scones mit Clotted Cream möglich gemacht.


Fotos dazu: British Days Gut Basthorst 2023 - Nikon D7200

Musik dazu: Eels - Hombre Lobo

 









 

Donnerstag, 17. Januar 2019

Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf
















Geht mal etwas größeres kaputt, dann meistens wenn keiner damit rechnet. Am besten kurz vor Weihnachten, das ist ein geradezu idealer Zeitpunkt. Gott sei Dank kann ich ganz gut rechnen und habe daher auch damit gerechnet, dass ein 21 Jahre alter Polo nicht mal so eben eine neue Plakette vom TÜV bekommt. Angesichts der schier endlosen Liste erheblicher Mängel war allenfalls verwunderlich, dass der Schrauber von nebenan noch eine Reparatur in Betracht zog. Einen Kostenvoranschlag von 1800 Euro erstellen, für eine 21 Jahre alte Rostlaube, da braucht jemand scheinbar verzweifelt Kunden.

Also muss eine neue alte Karre her, möglichst in den vier Wochen vor Weihnachten. Mit beschränktem Budget, was heutzutage kein Problem mehr sein sollte, man muss ja nicht mehr die Anzeigenteile der Tageszeitung durchforsten oder Händler abklappern, man gibt die Rahmendaten einfach bei den großen digitalen Gebrauchtwagensuchmaschinen ein und voilà, ein Schnäppchen jagt das andere. Oder so.

Alle Nase lang gibt es hier fantastische Angebote, die meist zu gut klingen um wahr zu sein und es dann auch nicht sind, wie der knallrote Focus mit den glänzenden 18 Zoll Alufelgen und 150 PS, scheckheftgepflegt und nur 18000 Kilometer gelaufen. In sieben Jahren? Stand der als Götze im Wohnzimmer oder zu lange in der Werkstatt? Ein näherer Blick und der warnende Satz mit den starken Lack- und Blechaufwerfungen enthüllte einen notdürftig mit der Lackspraydose ausgebesserten Totalschaden, Spaltmaße jenseits von Gut und Böse. Wer auch immer was auch immer mit der Karre angestellt hat, hier war schon sehr viel Lack ab.

Ganz groß auch der Polo mit 60 PS und Anhängerkupplung, der bei 54.000 Kilometern ein neues Getriebe bekam. Das hat jetzt aber auch schon 12.000 auf der Uhr und ich weiß nicht recht, vielleicht war der Wohnwagen doch etwas zu schwer für so ein kleines Auto?

Ab und zu findet man aber dennoch etwas in annehmbarer Entfernung, wie den Mazda 3 im Nachbarkaff vom Nachbarkaff, der einen näheren Blick wohl wert schien. Bombige Beratung, sehr nett, äußerst zuvorkommend, beantwortet sogar Fragen die man gar nicht hatte. Sehr gepflegtes Rentnerfahrzeug mit wenig Kilometern, Scheckheft, HU neu, keine Schramme am Lack und kein Fussel im Innenraum der da nichts zu suchen hätte. Fast perfekt, wäre der Preis verhandelbar gewesen, doch leider wird das Fahrzeug im Kundenauftrag verkauft, so wie der andere Mazda dahinter und der Skoda daneben und der Ford und und.. und so spart man sich als Zwischenhändler ein halbes Jahr Gewährleistung und ich mir weitere Verhandlungen.

Das ewige Problem beim Kauf von Gebrauchtwagen ist das mangelnde Vertrauen in eine Branche, die möglichst günstig erworbenes Altmetall möglichst gewinnbringend wieder verkaufen möchte, werden dann noch irgendwelche Fallstricke offensichtlich kann der Händler noch so nett und freundlich sein, stellt sich zwei Tage später heraus dass die Zylinderkopfdichtung im Eimer ist habe ich die Arschkarte.

Auf dem Rückweg einfach mal spontan den nächsten Autoverkaufsfriedhof angesteuert, jede Menge Zeugs für das angedachte Budget dabei und ein sehr informatives und sehr unterhaltsames Gespräch mit dem schon etwas angeheiterten russischen Schrauber geführt, von dem der Inhaber des Ladens hoffentlich nie erfährt, Ergebnis: Alles Schrott.

"Guckst den Benz da? Siehst du Rost schon von hier, alles Schrott Benz." Opel? "Bewahre Opel. Motor immer kaputt. Alles Schrott. VW auch Schrott, nur teurer." Und was ist mit Ford? "Nujaa, Ford hat man ja immer gesagt ist Türkentransporter, früher, weil Türken alles transportiert nach Istanbul mit Ford. Aber ist eigentlich zuverlässig."
Hurra, es gibt noch eine Marke die man in Erwägung ziehen könnte. Ist aber nichts da, außer Fiestas in zu klein und zu teuer. Was ist denn eigentlich mit Hyundai? Da hab ich neulich was nettes gefunden im Netz. "Jaa, nicht schlecht, Hyundai nicht schlecht, kann man kaufen, aber hab nix da."

Der Hyundai Vertragshändler um die Ecke war auch sehr nett und zuvorkommend, hat stolz die neuen Modelle vorgeführt, die natürlich noch toller sind als die alten Modelle, die aber auch noch toll sind und davon stehen jede Menge auf dem Hof. Leider steht heutzutage bei Vertragshändlern kaum noch etwas unter 10.000 Euro herum, wer sich einen Neuwagen leistet gibt meistens einen ab, der die neue Kiste halbwegs finanzieren hilft. Das Altmetall landet beim Höker mit den bunten Fähnchen oder gleich im Export, was viele logischerweise bevorzugen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Was für 'ne Garantie?

Das Rennen machte am Ende der Toyota eines (von der AutoBlöd, aber immerhin) ausgezeichneten Toyota Vertragshändlers, weil der Inhaber von Protz-Mobil auf seiner Webseite hauptsächlich Fotos seines geilen AMG zeigte und ein Skoda Roomster zwar viel Platz bietet, aber 69 PS und eine Anhängerkupplung? Was sagt denn das Getriebe so dazu?

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die legendäre Zuverlässigkeit meines alten Corollas auf den Auris auch ein wenig abgefärbt hat, das erste Jahr ist ja noch Garantie drauf.

Beispielfoto dazu: Dello Ahrensburg (hat nichts mit der Geschichte zu tun)
Musik dazu: Nils Koppruch - Caruso (aus der Reihe: Unverzichtbare Lieblingsplatten)

Dienstag, 5. September 2017

Behörde mit Service














Behördengänge gehören eindeutig zu meinen Top 10 der unbeliebtesten Tätigkeiten überhaupt. Ganz oben auf der Liste des Schreckens steht die Verkehrsbehörde in Hamburg, oder Landesbetrieb Verkehr, wie das inzwischen heißt. Zwar war ich nur ein einziges Mal in meinem Leben in diesem Laden und das ist gut 40 Jahre her, doch wie man erkennen kann hat das nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Sicherlich werden die dort heute nicht mehr mit Rohrpost arbeiten (obwohl man sich bei Behörden nie sicher sein sollte), aber schon der Gedanke an die heimelige Nachbarschaft aus Gebrauchtwagenhändlern, Auto-Exporteuren, Schrottplätzen, Ersatzteillagern und Schilderdruckern sowie die Suche nach einem Parkplatz irgendwo in der näheren Umgebung ist schrecklich genug, auch ohne den abendlichen Straßenstrich der Süderstraße. Dazu kommen noch mindestens drei Wochen Wartezeit auf einen Termin. Grau-en-haft!

Aber ein Jahr mit 'nem auswärtigen Kennzeichen herumfahren reicht, ich brauche wieder mein FC am Auto, mit der dazugehörigen Totenkopferweiterung. Obwohl so ein "ich kenn mich hier nicht aus" Kennzeichen in manchen Situationen ganz praktisch sein kann. Ortsfremden gegenüber sind die meisten Hamburger Autofahrer jedenfalls erheblich zuvorkommender, was spontane Spurwechsel deutlich erleichtern kann.

Dennoch wollte ich das längst erledigt haben und zu meiner großen Überraschung hätte ich das auch längst erledigt haben können, denn im Landesbetrieb Verkehr sind inzwischen richtig moderne Zeiten ausgebrochen. Computer! Internet! Service! Man muss da gar nicht hin! Erwähnte ich den Service schon?

Man muss sich nur beim Gateway Hamburg als Bürger registrieren, den ganzen Datenschrott eingeben von Versicherungsnummer bis Wunschkennzeichen, knapp 80 Euro an Gebühren zahlen, sich ein (exakt einzuhaltendes) Übergabedatum in einer der sechs Partnerfilialen aussuchen, dort Zulassung und alte Kennzeichen gegen neue Papiere und neue Kennzeichen tauschen und fertig ist der Lack. Innerhalb von drei Tagen erledigt, man glaubt es kaum.

Als Kirsche auf der Torte stellt sich dann noch heraus, dass eine der Partnerfilialen mein sehr geschätzter Tabakhöker an der nächsten Ecke ist. Es gibt einfach nichts, was Shabani nicht besorgen kann - und wenn es neue Kennzeichen sind.

Bier dazu: Riegele Amaris 50, Kellerpils 5.0%
Musik dazu: Porcupine Tree - Voyage 34: The Complete Trip


Mittwoch, 15. Februar 2017

Nepper, Schlepper, Autodiebe














Lecker Adana Kebab im Schanzenviertel essen: 0 Euro (Danke für die Einladung)
Taxi nach Rothenburgsort weil Auto weg: 25 Euro
Knastwächter bestechen damit Auto wieder da: 270, 40 Euro
Nette Menschen kennenlernen: Unbezahlbar

Scheiß Parkplätze die zwar wie scheiß Parkplätze aussehen, aber nur Ladestationen für dort nicht vorhandene Elektroautos sind, sollte man deutlich besser kennzeichnen. Jedenfalls nicht mit einem dicken fetten P und darunter stehender Uhrzeit. Hat man diese nämlich schon überschritten guckt man sich den "Ticketautomaten" nicht mehr genauer an.

Und wieder habe ich eine Lektion gelernt: Auch an einem kalten Montagabend im Winter muss man in der Schanze immer misstrauisch sein wenn man einen freien Parkplatz findet.


Knastfoto: KFZ Verwahrstelle Rothenburgsort
Knastbier: Hopper Bräu Anstich, Märzen, 5.5%
Knastmusik. Calexico - Hot Rail

Samstag, 18. Juni 2016

Mein Mazorati fährt 210
















wahrscheinlich kost' das Benzin bald wieder Dreimarkzehn, dann fahr ich halt langsamer, wo ist das Problem? Mach ich ohnehin sehr oft, weil so ein Tempomat geradezu einlädt das Tempolimit exakt zu beachten, entspanntes cruisen macht damit richtig Spaß. Wenn die Anzeige einen Gangwechsel vorschlägt wechsle ich den auch meistens brav, schaden kann's ja nix. Anfänglich ist es etwas ungewohnt, dass der Motor jedes Mal ausgeht wenn man an der Ampel steht und auskoppelt, aber diese ganzen Maßnahmen führen dazu, dass die neue Karre einen guten Liter weniger im Schnitt verbraucht als die alte, trotz gut doppelt so vieler Pferdestärken.

Natürlich könnte man das alles abschalten, aber dann wüsste ich jetzt nicht, dass ich auf den ersten 2500 Kilometern schon glatte zweieinhalb Stunden vor roten Ampeln gestanden habe, ohne dabei allzu häufig in der Stadt unterwegs gewesen zu sein. Tolle Sache, so ein Bordcomputer, ich frage mich nur was der noch so alles an Daten sammelt wenn man unterwegs ist mit GPS, Bluetooth, Smartphone und anderem digitalen Empfangsgedöns.

Falls man mal unter Mordverdacht gerät ist es vielleicht ganz nützlich, wenn man nachweisen kann, dass man zur Tatzeit durch Bumsdorf in der Heide gefahren ist, dabei Radio Bob gehört, mit dem Erbonkel telefoniert und die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um 5.4 km/h überschritten hat. Aber wem passiert das schon, also das mit dem Mordverdacht?

Der mit Abstand teuerste Computer, den ich mir jemals gekauft habe - und wie bei jedem Computer sind eine Menge Spielereien dabei, die ich eigentlich nicht brauche. Digitalradio zum Beispiel nutzt wenig, wenn die Sender den gleichen Schrott verbreiten wie auf den analogen Frequenzen und der Spurwechselwarner ist wohl auch mehr für den hektischen Spurwechsler gedacht, ich weiß im Allgemeinen schon Minuten vorher wo ich eine Spur wechsle und ob da etwas ist, gepiept hat das Teil jedenfalls noch nie. 

Eine Freisprecheinrichtung mit Sprachsteuerung ist bestimmt total super, für Leute die am laufenden Band im Auto telefonieren müssen. Bisher war ich nur zu faul das auf meine Stimme zu eichen, denn solange ich einen Schalter am Lenkrad habe um Gespräche entgegennehmen zu können ist das völlig ausreichend. Angeblich soll das Ding aber auch "USB 1" und "David Bowie" verstehen können und das muss ich schon aus reiner Neugier irgendwann testen, auf Dauer ist es selbst mit einem relativ großen Bildschirm nervig durch 16 GB Musik blättern zu müssen.

Eine feine Sache ist die Rückfahrkamera, inzwischen aber bei Autos dieser Klasse geradezu Pflichtausstattung, weil der Blick nach hinten bei fast allen gleich bescheiden ist. Function follows Form oder so.

Wenn die Schwachpunkte aber überall gleich sind, dann kann man sich auch das schönste Gerät aussuchen. Hab ich gemacht.

Mazoratifoto: Gut Brodau, Ostsee - Mazda 3 Nakama G-165
Mazoratibier: Kehrwieder SHIPA Enigma, 7.5%
Mazoratimusik: Ramones - Hey! Ho! Let's Go: The Anthology
 


Mittwoch, 11. Mai 2016

Einparkhilfe?
















Braucht kein Mensch. Millimetergenau geht auch von Hand, wenn das Blech nicht so empfindlich ist.



Parkfoto: Avsallar, Alanya/Türkei
Parkbier: Wilderen Goud, Bierre Blonde, 6.2%
Parkmusik: Frank Zappa - One Size Fits All

Dienstag, 5. April 2016

Der Lappen
















Hurra, da ist sie wieder, die Erlaubnis ein Kraftfahrzeug mit Antrieb durch Verbrennungsmaschinen zu führen, auch kurz Führerschein genannt.

Bestimmt seit mehr als zehn Jahren war er in den Untiefen einer der vielen Dokumentenschubladen verbuddelt und wurde nie gebraucht, nicht einmal bei Kontrollen der Ordnungsmacht großartig angemahnt, obwohl das Nichtmitführen laut Bußgeldkatalog immerhin 10 Euro kosten soll. Will man allerdings eine Probefahrt machen, um zu sehen ob das neue Auto auch zu den Hosenträgern passt, muss man ihn vorweisen, den Lappen. 

Diesen Namen hat meiner jedenfalls noch verdient, quasi ein Museumsstück, das nicht einmal ein Liter ausgelaufene Fanta und die Trocknung in spanischer Sonne gänzlich zerstören konnte, nur die Stempel haben damals etwas gelitten. Ob ich nicht mal daran gedacht hätte mir einen neuen zu holen, fragt der freundliche Händler, aber dafür müsste man zum Verkehrsamt. "Ausschläger Weg?" sag ich, "da fährt doch keiner freiwillig hin." Ich erinnere mich an stempelbewaffnete Beamte hinter schusssicheren Scheiben mit Sprechschlitz und ein Rohrpostsystem wie in den 50er Jahren in Vadderns Büro, aber ganz so schlimm soll es nicht mehr sein, inzwischen hätten die dort auch Computer.

Da der Lappen jetzt wieder in der Schublade verschwinden wird kann ich mir das allerdings auch sparen, zwei Fragen bewegen mich aber doch, nachdem ich das Ding wiedergefunden habe.
Hieß der Lappen eigentlich auch schon vor 1933 Führerschein - und kann ich damit auch Elektroautos fahren, wo doch im Text explizit von Verbrennungsmaschinen die Rede ist?

Lappenbier: Anchor IPA, 6.5%, Anchor Brewing San Francisco
Lappenmusik: Jason & The Scorcherss - Halcyon Times


Samstag, 17. Oktober 2015

Bonusmeilen
















Bei der Anzahl klappernder und verbeulter Teile an meiner Karre war es relativ unwahrscheinlich, dass ich noch einmal so glimpflich durch den TÜV komme wie vor zwei Jahren. Hätte ich nicht versprochen das Ding zu vererben wäre es mir wohl auch egal gewesen, denn irgendwann im nächsten Jahr steht ohnehin sein Nachfolger vor der Haustür. Mit dem habe ich mich in den letzten Wochen derart intensiv beschäftigt, dass die Vorfreude kaum noch zu unterdrücken ist, einzig auf eine Probefahrt habe ich sicherheitshalber noch verzichtet. Aber ich will auch endlich Komfortblinker, Regensensor, Abstandswarner, Tempomat, Sitzheizung, eine funktionierende Klimaanlage, adaptives Kurvenlicht, USB, Bluetoothgedöns und was die Karren heutzutage noch alles eingebaut haben an nützlichen Gimmicks. Sechzehn Jahre Fortschritt im Automobilbau machen schon was aus.

Aber da auch diesmal mehr Wartungs- als Reparaturkosten auf der Rechnung standen, wird der alte Gefährte in den nächsten Monaten noch ein paar Bonusmeilen absolvieren dürfen. Hoffentlich zickt er jetzt nicht rum, nur weil ich mal geguckt habe...

TÜV-Foto: HU Nachprüfung, 25 Euro
TÜV-Bier: Ratsherrn Kaventsmann, Baltic Porter, 6.6%
TÜV-Musik: Lloyd Cole & The Commotions - Rattlesnakes / Easy Pieces


Montag, 11. Mai 2015

Wischen Impossible
















Ein zerfetztes Gummi schraddelt über meine Frontscheibe, vor dem Urlaub muss das weg. Defekte Wischerblätter auswechseln? Dafür müssen selbst Menschen mit zwei linken Händen nicht in die Werkstatt, das kann man auch auf dem Parkplatz vom Baumarkt eben selber erledigen. Auf dem aushängendem Scheibenwischersuchaufklappdings ist mein Modell leider nur bis zum Baujahr 1998 aufgeführt und selbst für den ist nur der Heckscheibenwischer vorrätig, den ich eh so gut wie nie benutze.

Muss wohl doch der Fachhandel helfen, also auf zum nächsten Autoteilehöker. Dort bekommt man bei der Suche sogar elektronische Hilfe, ein Scheibenwischerfinder mit Touchscreen, wie praktisch. Die Suche über Marke, Modell und Baujahr ergibt keinen Treffer, ich fahre entweder einen Exoten oder der Fahrzeugschein ist gefälscht. Ach ja, Fahrzeugschein. Kann man auch nach suchen, hab ich sogar im Portemonnaie. Nummer eingeben und: Treffer! Modell, Baujahr, PS, Anzahl der Türen, stimmt alles. Meine Wischer befinden sich im Karton 116312.

116310, 116311, Lücke, 116313. Verdammt. Zurück im Menü, da gab es doch noch dieses andere Modell. Mit Superluxusdoppelgummiwischlippe und Anpressdruckverstärker aka Scheibenwischerspoiler. Das ist in Karton 119210. Mal gucken, 200, 205, 212, 213, 215. Kein Karton 119210. An der ganzen verdammten  Scheibenwischerwand fehlen vielleicht vier oder fünf Modelle und da muss ausgerechnet meins dabei sein?

Dann eben die andere Wand, mit den blauen Kartons. Von Bosch, einem Hersteller besonders hochwertiger teurer Autoteile - zwar ohne elektronische Suchhilfe, dafür mit dem bewährten Scheibenwischersuchaufklappdings in dem diesmal sogar mein Auto verzeichnet ist, mit korrektem Baujahr und allem Pipapo. Der Fahrerseitenwischer im Karton AU017, der Beifahrerseitenwischer in Karton AU033. Beide Kartons sind vorhanden, juhu! Aber warum steht das Modell nicht auch auf der Verpackung? Ach, war bestimmt nur Platzmangel, die passen bei so vielen Autos...

Bei meinem nicht, da hat sich das Aufklappdings geirrt. Wundert sich das Mädel an Kasse 1 auch drüber, gibt mir aber ohne Umschweife die Kohle zurück. Ich kann unmöglich 200 Kartons von der Wand nehmen und nachsehen, ob da irgend etwas an meinen Wischerarm passt, also versuche ich es online. Bei Bosch.de, einem Hersteller mit veralteten Scheibenwischersuchaufklappdingern. Der empfiehlt, eine Scheibenwischer App zu installieren, für Android oder iDings verfügbar. Ich soll ernsthaft eine Scheibenwischer App installieren, um die passenden Gummilippen für ein Fahrzeug zu finden, dass höchstwahrscheinlich eine kürzere Lebensdauer hat als die neuen Wischerblätter? Die Leute kommen auf Ideen..

Ab in die Werkstatt. Für einen Scheibenwischerwechsel eigentlich peinlich, aber die richtige Entscheidung, denn zehn Minuten später ist wischen nicht mehr impossible, der Regen kann kommen.

Wischerbier: Buddelship Great Escape IPA 6.5%
Wischermucke: Paul Weller - Stanley Road

Freitag, 13. Juni 2014

Der fabelhafte Minibüs















Man muss in der Türkei keine teuren Ausflüge buchen um die Gegend zu erkunden, zumindest nicht wenn man nur in die nächste Altstadt zum fotografieren will, zum Markt in die nächste größere Stadt oder in irgend ein entlegenes Bergdorf.

Denn dafür gibt es eine fabelhafte türkische Erfindung: den Dolmuş. Eine Art Sammeltaxi mit fester Route. Man steigt an einer der Haltestellen ein oder hält einfach den Daumen raus wenn einer vorbeifährt, und es fährt dauernd einer vorbei. Alle 10 Minuten in so ziemlich jede Richtung, für 1 bis 2 Euro kommt man in so ziemlich jedes umliegende Dorf und von dort aus auch irgendwie weiter. Die Klimaanlage in diesen Minibussen ist allerdings Oldschool, allenfalls geht mal ein Schiebefenster auf.

Man steigt einfach irgendwo zu und entrichtet dem Fahrer seinen Obolus am Ende der Fahrt. Die muss nicht zwingend an der Endhaltestelle enden, man kann ebenso einfach auch irgendwo wieder aussteigen, der Fahrer hält auf Wunsch an jeder Ecke. Manchmal gibt es auch einen Beifahrer, der die Kommunikation mit anderen Fahrern über Handsprechgeräte aufrecht erhält und vor Polizeikontrollen warnt, und es gibt reichlich Kontrollen in der Türkei. In 9 Tagen habe ich mehr gezählt als hier in den letzten 9 Jahren.

Das ist alles dermaßen perfekt organisiert, dass man als Tourist oft nicht einmal sein Ziel nennen muss, will man irgendwann wieder zurück. Die Fahrer erkennen schon an den All-Inkl.-Armbändern vor welchem Hotel man gerne aussteigen möchte. Und wenn man denen nicht deutlich genug sagt dass der Rest der Kohle Tipp ist, dann hupen und gestikulieren sie einem noch hinterher.

Hätte der HVV solche Fahrer würde ich hier vielleicht auch mal Trinkgeld geben.

Es fahren mit im Minibüs: Bob Marley & The Wailers - Babylon by Bus

(Bilder anklicken macht Minibusse groß)



Mittwoch, 2. April 2014

Kommt ein Wagen vorgefahren...




Der Wagenmeister des Hotels Atlantic kennt jeden Fahrzeugtyp, das habe ich jedenfalls mal in irgend einem Käseblatt gelesen. Früher habe ich ja immer gedacht, der wäre dazu da die Fahrzeuge der Gäste ins Parkhaus und zurück zu befördern, aber angesichts der doch etwas ausladenden Dienstkleidung des Herrn kommen mir leichte Zweifel. Einen Bentley, oder eine S-Klasse von Daimler Benz, so etwas in der Richtung kann man sicher auch mit dickem Mantel und Zylinder fahren, bei einem Cabrio notfalls das Verdeck öffnen, aber in den Klamotten würde ich den Mann nicht ans Steuer meines Maserati lassen. Also, wenn ich einen hätte. Manchmal fahren die Gäste des Edelschuppens ja auch in weit bescheideneren Fahrzeugen vor, was für ein Segen dass die Dinger dann schon einen Fahrer haben.

Fahrradtaxis scheinen für Touristen ein durchaus lohnenswertes Vergnügen zu sein, bei dem was ich bisher so beobachten konnte machen die Jungs und Deerns einen ziemlich guten Job. Wem es zu anstrengend ist die Stadt per pedes zu erkunden der sollte das ins Auge fassen, viel teurer als eine Hafenrundfahrt ist es auch nicht.

Wagenmeistermusik: Van Morrison - Moondance

Mittwoch, 13. November 2013

Unkaputtbar
















Was hab ich mir für Gedanken gemacht, seit Wochen. 14 Jahre alt, da knackt und knarrt es hier und dort in den Gelenken schon verdächtig. Könnte die Hinterachse sein, ich hatte schon mal Hinterachse, beim Benz damals. Lohnt nicht mehr. Vielleicht sind es nur die Bremsen hinten, das wäre noch finanzierbar, die Scheiben vorne sind erst ein Jahr alt, wahrscheinlich merke ich deshalb nichts, der bremst super eigentlich, das klötern hinten hat auch von alleine aufgehört irgendwann. Was könnte denn noch knacken? Die Stoßdämpfer vielleicht. Keine Ahnung was so etwas kostet, vielleicht ist der da ja auch durchgegammelt und muss geschweißt werden. So etwas lohnt alles nicht mehr.

Aber ich bin gewappnet. Wer wenig Zeit hat muss gewappnet sein, ich hab mir schon ein paar Karren ausgesucht. Vorsichtshalber. Der Auris in Niedergeorgswerder war leider nach einer Woche weg, der lag auch locker 2000 Euro unter Normalpreis. Vielleicht sollte man sich ein neues Auto doch erst aussuchen wenn das alte nicht mehr fährt. Der mit den dicken Alufelgen und dem Sportauspuff ist noch da, aber der wirkt nicht nur elend prollig, der ist auch noch blau! Geradezu prädestiniert für einen Rautenschal im Heckfenster, das geht gar nicht. So viele St.Pauli Aufkleber kann ich gar nicht anbringen, das sieht immer noch wie'n Rautenauto aus.
Der grüne Auris ist ein Jahr älter und kostet trotzdem 300 mehr. Executive. Rückfahrkamera, Multimediasystem, elektrisch verstellbare Hühnerkacke (wer bitte stellt seinen Sitz laufend neu ein?). Keyless Go. Die Kiste hat nicht mal ein Schlüsselloch, die macht auf wenn Papi kommt. Zum Starten des Motors drücken Sie bitte diesen Knopf. Leder hier, Leder da, aber bei der Reifengröße müssen vier Winterschlappen mit drin sein im Preis, 225er dürften einiges kosten.

Eigentlich wollte ich ja noch zwei Jahre warten und mir dann den neuen 3er von Mazda als Jahreswagen holen, die Kiste ist echt schnieke. Schade dass der jetzt erst im Laden steht, unerschwinglich. Aber was willste machen, wenn die Karre nicht mehr durch den TÜV kommt muss schnellstmöglich eine neue her, ich bin schon zwei Monate über Termin. Und so ein etwas moderneres Gerät hat ja auch seine Vorteile, diese Piepsdinger als Einparkhilfe zum Beispiel sind enorm praktisch, von einer funktionierenden Klimaanlage mal abgesehen, auch wenn ich die dieses Jahr selten vermisst habe.

Die Autozeitungen bei meinem Mechaniker sind langweilig, nur Oldtimer, nichts über den neuen Mazda. Der Wagen ist schon über eine halbe Stunde in der Garage, gibt wohl viel zu schreiben, mal ne Kippe paffen gehen vor der Tür.  Da wird gerade mein Auto geparkt und der Schrauber schlendert mir entgegen.
"Und?" frag ich, "wat is mit der Karre?"
"Nix" sagt er, "wir haben nur die Glühbirnen von den Blinkern erneuert, die waren zu alt, dann verlieren die ihre Farbe."

Das ist beinahe ein bisschen enttäuschend, aber wozu ein neues Auto kaufen wenn man schon das beste hat? 

Nicht unbedingt Autofahrermusik: Knutson - Hasch gegen Hass

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Nichts als Ärger mit den Rostockern
















Besonders wild sieht die Beule in meinem Kotflügel jetzt nicht aus, beim Fahren ist sie auch nicht weiter hinderlich, aber teuer ist sie trotzdem. 2800 sagt der unabhängige Sachverständige, was bei einem Fahrzeugwert von 2500 nichts anderes heißt als "wirtschaftlicher Totalschaden".

Mein dritter Totalschaden in drei Jahren, davon zwei an einem Auto, wäre ich Versicherungsdetektiv oder so etwas, ich würde direkt mal nachforschen. Allerdings ohne Ergebnis, denn diesmal habe ich nicht einmal drin gesessen, nur geparkt. Reicht auch schon. 

Vielleicht war der große St.Pauli Aufkleber auf der Heckscheibe eine unterbewusste Provokation, oder die Rostocker Dame hat meine Karre wirklich nicht gesehen. Kann passieren so etwas, immerhin ist sie nicht geflüchtet, hat brav die Cops gerufen und ihre Daten hinterlassen. Nicht ohne zu jammern, dass meine Karre im Parkverbot stehen würde, aber ein etwas dünnes Argument wenn das auf der anderen Straßenseite ist. Vielleicht ist ein VW-Bus auch etwas unübersichtlich, dann sollte man schon vorher gucken wo man damit hin will.

Die Versicherung guckt sich jetzt schon seit Wochen das Gutachten an, ohne dass etwas passiert. Irgendwann bin ich mit der Geduld am Ende, wahrscheinlich alles Hansafans, die mit Dartpfeilen auf die Fotos werfen. Hilft nix, ich muss in Rostock anrufen und Dampf machen. 

Doch da drüben sind sie so schlau wie ich, denn dummerweise reagiert der Versicherungsnehmer weder auf Anschreiben noch auf Telefonate, die Dame ist schlicht verschollen, ohne den Schaden zu melden. Die dritte Aufforderung wäre gerade rausgegangen.
Na wunderbar, denk ich, da habe ich wohl eine der gar nicht so seltenen Briefnichtöffner erwischt. Mit etwas Pech darf ich auch noch die Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen, als hätte ich Zeit für so einen Mist.

Mit Rostockern hat man nix als Ärger, selbst wenn der Verein inzwischen in einer angemessenen Liga kickt und man selber die Stadt meidet wie der Teufel das Weihwasser, man entgeht ihnen nicht.

Ärger abrocken: Doyle Bramhall II & Smokestack - Welcome

Montag, 19. August 2013

Hirnlos in der Tiefgarage















Frauen können nicht Autofahren. Das habe ich vor dreißig Jahren, bei entsprechenden Diskussionen mit der äußerst emanzipierten weiblichen Verwandtschaft, gerne mal in die Runde geworfen. Weil ich die sofort einsetzende große Aufregung zu schätzen wusste, Diskussionen ohne reaktionären Gegenpart sind einfach enorm langweilig. Hatten sich die ersten Emotionen wieder gelegt, konnte ich das wunderbar begründen. Sechs Blechschäden, allesamt verursacht von Frauen, standen auf der Habenseite. Zwei davon waren nahe am Totalschaden und einer so dämlich, dass man eigentlich eine versteckte Kamera hätte suchen müssen. An abschüssigen Straßen halte ich seither mindestens doppelten Abstand.

Das war damals reine Provokation und eine blöde Verallgemeinerung obendrein, denn natürlich weiß ich es besser. Ich kenne mehr Frauen als Männer, bei denen ich mich mit einem guten Gefühl auf den Beifahrersitz setze. Einige davon fahren auch einen ziemlichen Stiefel, aber das stört mich nicht, weil ich weiß dass sie es können. Und nach meinen letzten beiden Totalschäden, beide innerhalb 14 Tagen von Männern verursacht, ist es mit der bequemen Begründung eh vorbei.

Außerdem mögen Frauen vielleicht hier und da Probleme mit dem Einparken haben, was aber lange nicht so gefährlich ist wie die komplette Abwesenheit von Hirnsubstanz. Die konnte ich neulich bei jemandem bewundern, der sich in der Tiefgarage des örtlichen Einkaufzentrums durch quietschende Reifen und Kurzstreckenbeschleunigungen bemerkbar machte, und da weiß man nach den ersten Geräuschen schon, das kann nur ein Mann sein. Keine Frau wäre jemals so bescheuert, in einer Tiefgarage ein 4 mal 50 Meter Beschleunigungsrennen zu fahren, nur um Lärm zu machen.

War natürlich auch ein Mann, oder zumindest so ein halber, mit Halbfrisur und einem Testosteronwert weit jenseits des Üblichen, der ihn scheinbar hoffnungslos überfordert hat. Wer nicht weiß wohin mit seiner Kraft, der sollte vielleicht lieber Fahrrad fahren. Die Bereitschaft zur Einsicht ist bei den sehr einfältigen Menschen leider selten vorhanden.

Es kann also nur am Testosteron liegen, wenn Männer sich doch als die schlechteren Autofahrer erweisen. Oder daran, dass Schakkeline nie den Führerschein macht, weil der Käwwin sie ohnehin nicht an das Lenkrad seines Dreiers lässt. 


Frauen können (unter anderem) tolle Musik machen: Alela Diane - About Farewell


Dienstag, 9. Juli 2013

Optimisten in Klapperkisten















Ein Wohnmobil, das wäre schon was. Eines, in dem man wohnen kann wenn man mal Pause macht und von der Autobahn abfährt. Auf dem langen Weg nach, sagen wir mal, Spanien. Oder Norwegen. Sogar Österreich kann ziemlich weit weg sein, kommt halt auf das Wohnmobil an.

Unter den Wohnmobilisten habe ich immer die gnadenlosen Optimisten bewundert, die mit schmalem Geldbeutel, die sich mit einem ausgemusterten Bundeswehrunimog in Marokko herumtreiben, wie meine Schwägerin und ihr damaliger Freund. Den Dingern habe ich schon bei der Bundeswehr nicht getraut, und da waren die ja noch nicht einmal ausgemustert. Oder Herr H. mit seinem alten Bulli, der fährt zwar damit nicht mehr nach Marokko, aber immerhin häufig an die Ostsee, was ich angesichts der maroden Technik erstaunlich genug finde.

Noch bekloppter geht aber immer, das beweisen zwei Fans des FC St. Pauli, die sich bei ebay einen 18 Jahre alten Bulli kaufen um damit vom Kiez zum Kap zu fahren, von Hamburg zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Während der großartigen Aufstiegssaison des FC, was das ganze Unterfangen noch etwas abenteuerlicher macht, wenn man sich vornimmt die Spiele trotzdem zu sehen. In Addis Abeba, Nairobi oder Dar es Salaam garantiert schwieriger als in Eimsbüttel. Oder Österreich.

Weil die Idee schon so unglaublich bekloppt klingt findet sich natürlich auch gleich jemand, der das auf Film festhalten muss. Gott sei Dank, denn dadurch kann man sich Vom Kiez zum Kap jetzt im Kino ansehen. Das idealste Kino dafür ist natürlich das Open Air im Millerntorstadion, der idealste (und einzige) Zeitpunkt der Freitag Abend.

Dass ich beide Regenwäldler dazu überreden kann ist eigentlich schon Glück, was ich danach leider herausfordere, als ich nicht genug zur Eile mahne und die Strecke zum Stadion in rekordverdächtigen Zeiten fahren muss. Mit einem Parkplatz an der Glacischaussee hab ich noch einmal Glück, aber dann verlässt es mich, denn die junge Dame auf der Südkurventreppe hält ein Schild in den Händen. AUSVERKAUFT.

Was nicht ganz stimmt, denn auf die Tribüne passen natürlich weit mehr Leute, leider sind nur noch Hörplätze zu vergeben, auf denen man wahrscheinlich nicht einmal etwas hören kann. Diese Warnung beherzigen wir dann auch, ersatzweise gibt es ein paar Bierchen auf dem Spielbudenplatz und eine scharfe kiezianische Currywurst in der Heißen Ecke, die mich geschmacklich nicht überzeugt.

Den Film werde ich mir trotzdem demnächst ansehen, empfehlen kann ich den jetzt schon. Das ist so bekloppt, das kann eigentlich nur gut sein.

Auch ziemlich gut: Frank Zappa - A Token Of His Extreme
 

Donnerstag, 28. März 2013

Voll behindert














Eine halbe Stunde zum Brötchen holen, das hätte ich auch zu Fuß erledigen können, dabei haben die heute nur Schilder und Absperrungen abgeladen. Für das nächste halbe Jahr muss ich mir nicht nur einen anderen Bäcker suchen, ich werde sämtliche Autofahrten in diese Richtung auf ein Minimum beschränken, denn das wird die Hölle. Wer sich auskennt wird die kleinen Nebenstraßen verstopfen und die Anwohner in den Wahnsinn treiben, wer sich nicht auskennt wird die Umleitung nehmen und den Lieferverkehr im Industriegebiet zum erlahmen bringen, und wer den ganzen Zirkus weiträumig umfährt darf einmal im Monat mehr tanken, denn da kommt einiges an Kilometern zusammen.

Seit dreißig Jahren frage ich mich, wann diese Schotterpiste endlich von Grund auf saniert wird und war trotzdem jedes mal froh wenn nur die gröbsten Löcher aufgefüllt wurden, denn hier staut es sich schon wenn die Müllabfuhr kommt. Sogar der neue Aldi hat für eine Verschärfung der Verkehrssituation gesorgt, weil Linksabbieger minutenlang die Straße blockieren. Ein paar Minuten können bei einer zweispurigen Ausfallstraße eine Ewigkeit sein, ganz besonders, wenn es weit und breit die einzige Ausfallstraße in diese Richtung ist. Ich bin jetzt schon gespannt was die bei einer Vollsperrung der Autobahn machen, die letzte ist gerade mal ein paar Wochen her und hat auch ohne Baustelle für zwanzig Kilometer Stau gesorgt.

Wahrscheinlich wollte in den letzten dreißig Jahren niemand bei der Baubehörde für diesen Infarkt verantwortlich sein, oder der Verantwortliche hat hier gewohnt, dann ist er entweder gerade pensioniert worden oder umgezogen.

Kommt für mich leider beides nicht in Frage.

Verkehrsinfarktmusik: Rachid Taha - Zoom


Samstag, 2. März 2013

Wirtschaftswunderwagenwunderland















Irgendwie guckt er richtig sympathisch, der Herr Messerschmitt. Ein freundliches 9 PS Gesicht ohne Rückwärtsgang, aber 80 km/h soll er damit geschafft haben. Wenn man sich so ein Ding mal genauer ansieht, dann lässt man lieber die Finger davon. Das müssen die reinsten Selbstmordmaschinen gewesen sein, so ganz ohne ABS, ESP, Sicherheitsgurte und Airbags. Starr eingebaute Lenksäulen, herrjemine. Wahrscheinlich nicht mal Stahlgürtelreifen. Aber immerhin zwei Scheinwerfer, es gab Autos die hatten nicht einmal das. Wobei ich zugeben muss, niemals vorher eine Mopetta gesehen zu haben, und ich bin immerhin in frühester Jugend mal Isetta gefahren. Also mitgefahren natürlich nur, bei irgend einer Tante. Unglaublich an was man sich erinnert, bei Autos hab ich ein besseres Gedächtnis als bei Frauen.

Unsere erste Karre war ein Käfer, mit dem mein alter Herr unglaubliche Strecken zurückgelegt hat, mit Kind und Kegel in die Alpen oder bei Schneesturm über die Autobahn, der hat alles klaglos mitgemacht. Hat nachhaltigen Eindruck hinterlassen, ebenso wie mein Fahrschulkäfer. Den hätte ich sogar kaufen können, aber Käfer hin, Käfer her, 200.000 Kilometer bei einem Fahrschulwagen, so bekloppt war ich auch in dem Alter noch nicht. Dafür hab ich den gepflegten 1302 des Nachbarn genommen und ihn nach und nach in eine Rennmaschine verwandelt, mit der man zumindest damals noch Passatfahrer von der linken Spur scheuchen konnte. Bis ich gelernt habe, dass getunte Käfer eine deutlich geringere Lebenserwartung haben und man sich auch einfach ein schnelleres Auto kaufen kann. Eins mit Heizung und Gebläse, bei dem man nicht laufend den Ersatzreifen aufpumpen muss um die Scheiben sauber zu kriegen.

Mit Platz und Kofferraum, falls man mal verreisen will, obwohl wir auch das geschafft haben mit dem Käfer. Vier Leute zum Camping nach Dänemark, volles Gepäck mit Tisch und Stühlen. Mit Hilfe eines Dachgepäckträgers, aber immerhin.
 

Man ist heute eh viel zu verweichlicht und verwöhnt, der moderne Wohnwagen in Ultraleichtbauweise, der auch von Käfern gezogen werden konnte, hatte immerhin eine fast vollwertige Küche an Bord, sowie Platz für angeblich vier Personen. Sardinendosenschlafweise war damals halt nicht ungewöhnlich, am Wirtschaftswunderanfang waren ja alle noch schlank genug. Der Rest ist natürlich spartanisch wie nur was, aber wenn man da einen Kühlschrank einbauen würde, dann wär der heute noch für zwei Personen auf nem Festival gut.
Es sollte auch niemand über den Koffer auf dem Rücken vom Herrn Messerschmitt lästern, wenn Frauen eine ganze Woche mit nem Mazda MX 5 verreisen sieht das auch nicht anders aus.

Wer vom Wirtschaftswunder mehr profitierte hat sich die passenden Statussymbole zugelegt, am besten mit Stern, den hat auch der Adenauer gefahren. Auch heute noch ein feuchter Traum älterer Herren, das 300 SL Cabrio. Hätten sich nur mehr für die schöne Isabella interessiert, wer weiß was Borgward heute für Autos bauen würde. Wenn ich das richtig sehe hatte die Karre damals sogar zwei Aschenbecher, davon träumt die Zigarettenindustrie heute.

Das ganze Zeugs gibt es gerade im Protoyp Automuseum in der Hafencity zu sehen, Sonderausstellung Wirtschaftswunderwagen, und war eigentlich nur Ersatz für den geplanten fotografischen Streifzug durch die Hafencity. Der vom Wetterbetrüger versprochene blaue Nachmittagshimmel muss woanders gewesen sein, dann knipst man halt drinnen was. Darf man auch, ohne Blitz, ohne Stativ und mit sonstigen Auflagen, bei denen ich nur mit halbem Ohr hingehört habe. Man wird ohnehin die ganze Zeit misstrauisch beäugt vom Sicherheitspersonal.

So ändern sich die Zeiten, heute wird die schöne Isabella bewacht, damals wollt sie keiner haben. Oder sie war auch damals schon ein kostspieliges Vergnügen, trotz Wirtschaftswunder.



Konjunkturdellenmusik, aber großartige: Creedence Clearwater Revival - Bayou Country - Green River - Willy And The Poor Boys






















Dienstag, 4. Dezember 2012

Überraschung: Ab jetzt wird's gemütlich














Man sollte doch ab und zu mal aus dem Fenster schauen während der Arbeit, dann ist man nicht ganz so überrascht, wenn der vor kurzer Zeit noch nassgraue Boden auf einmal weiß ist.
Nach der ersten Verblüffung sollte man weißen Boden vorsichtig auf eventuell darunter liegende glatte Flächen abtasten, dann ist man nicht ganz so überrascht wenn man zu einem wenig eleganten Spagat gezwungen wird.
Es ist auch nicht ganz doof alle paar Jahre mal an eine neue Autobatterie zu denken, dann ist man nicht so überrascht, wenn die Karre ausgerechnet bei dieser Witterung ihren Dienst versagt.

Jedes Jahr um etwa die gleiche Zeit werden die gleichen Denkprozesse angeregt und nach nur einem Jahr hat man alles wieder vergessen. Aber was wäre das Leben ohne Überraschungen.

Überraschend steinalte Musik.The Rolling Stones - Jamming With Edward

Montag, 6. August 2012

Die spinnen, die Briten















Und das oft auf so eine skurrile und liebenswürdige Art und Weise, dass ich diese Inselbewohner schon sehr lange ins Herz geschlossen habe, obwohl ich leider nur recht wenige kennenlernen durfte, sieht man mal von den Verrückten ab, denen man im Millerntorstadion öfter begegnen kann.
Ich mag den englischen Humor, englischen Fußball, englische Filme und Autoren, irisches Bier manchmal, Single Malt aus Schottland immer, Fudge, Marmelade und kalten Cider vom Fass. Ich finde englische Autos und Motorräder toll, wäre aber nicht verrückt genug so etwas zu fahren. Einzig die englische Küche ist in weiten Teilen ungenießbar, aber möglicherweise gehört das mit zum englischen Humor, wie das T-Shirt mit dem Spruch "Eat Haggis and Ceilidh on." Vielleicht kann mir das ja ein kundiger Mensch mal übersetzen. Möglichst bevor ich Haggis tatsächlich einmal probiere.

Warum ich die alljährlich in den feinen Elbvororten stattfindende British Flair trotzdem immer nur am Rande wahrgenommen habe ist mir selber nicht ganz klar, mag am Standort liegen. Klein Flottbek, auf dem Gelände des Hamburger Polo Clubs. Hautevolee juchee. Mit Totenkopf fällt man da wahrscheinlich auf wie ein Punk im Michel, aber egal. Nach dem Fehlschlag gestern wollte ich wenigstens da nach ein paar Motiven suchen.

Wenn ich geahnt hätte was da geboten wird , ich wäre mit der Bahn gefahren. So schlich ich ziemlich häufig um den Whiskystand herum, auf dem ein unaufhörlich fröhliches Tasting stattfand. Nur ein Dram vielleicht, aber wenn der schmeckt kann ich mich nicht beherrschen, also hab ichs lieber gelassen. Nächstes Jahr bestimmt, ich werd Stammgast.

Nächstes Jahr ist das fest gebucht, nicht nur weil es da Motive gibt ohne Ende. Einen Tag werd ich mit der Bahn fahren, Gummistiefel werfen, Whisky tasten, Guinness oder Cider trinken und auch die englische Küche sah jenseits von Fish & Chips ziemlich gut aus, denn die orientierte sich mehr an der ehemaligen Kolonie Indien. Kinder kann man auch wunderbar mitnehmen, volles Programm mit vielen Tieren und Aufführungen, von Rotkäppchen bis Paddington.
Wobei ich nicht sicher bin ob Paddington eine Jugendfreigabe erhalten sollte, der alte Schwerenöter *g*.

Das Unterhaltungsprogramm bot allerlei seltsame Sportarten wie Rugby, Damensattelreiten, Hunderennen, schwere-Dinge-rückwärts-über-ein-Hochsprungseil-werfen und Schafe-von-Hunden-drangsalieren-lassen. Englische Autos (mit drei Rädern!), antike Möbel, fliegende Adler, hüpfende Geier, Scones mit Clotted Cream und natürlich Dudelsäcke satt. 

Tee, natürlich. Und Fudge. Das hab ich geahnt, auch, dass ich da nicht widerstehen kann. 400 Gramm allerfeinste Mischung, das Zeug ist aber auch echt schwer, dabei hab ich nur ein bisschen von den ganz leckeren Sorten genommen. Aber hey, dafür hab ich mir Fish & Chips gespart.

Englische Musik mag ich natürlich ebenfalls: The Real McKenzies - Off The Leash/Westwinds. Die haben da leider nicht gespielt, sonst wärs perfekt gewesen. Aber 8 Euro Eintritt, der ganze Spaß auch noch für einen guten Zweck, das lohnt.

Und weil glatte 150 Aufnahmen fürs Album dabei rumgekommen sind gibt es diesmal ziemlich viele Fotos. Klicken macht wie immer größer.