Posts mit dem Label Musik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Musik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 12. August 2019
Der Himmel überm Wutzrock
Abwechslungsreich ist es ja immer, das Wutzrock. Musikalisch und meteorologisch geht auch alles an einem Tag, Liedermacher und Sonnenschein, Rock und Regen, Punk und Nebel, alles was das Herz begehrt. Außer Regen vielleicht, denn der nervt meistens gerade dann, wenn man sich nach einer halben Stunde Sonnenbad entschließt, dem ein oder anderen Künstler zu lauschen. Kaum ist man auf dem Gelände, zack, Wasser von oben.
Ohne diese höchst überflüssigen Erfrischungen hätte ich Strom & Wasser vielleicht etwas länger gelauscht, deren Musik + Texte ich schon vor Jahren auf der Altonale recht ansprechend fand. Dadurch kommt der Bewegungsapparat aber gut in Schwung heute, kaum sitzt man eine halbe Stunde im Luxuswohnmobil scheint die Sonne und man muss wieder los, nächste Band gucken.
Vor der Seebühne fällt mir überraschend meine völlig begeisterte Nachbarin nebst Tochter in den Arm, es ist ihr erstes Festival und sie ist völlig begeistert. Alles toll hier, ganz besonders die vielen Spezialitäten in den Fressbuden, man weiß gar nicht was man zuerst, aber die Falafel im Brot wären ganz toll und überhaupt wär das ein ganz großartiger Tipp von mir gewesen. 41 Jahre Wutzrock und man muss die Leute immer noch mit der Nase drauf stossen, also: selbst wenn Euch die Musik nicht unbedingt zusagt, das Essen ist ganz toll und es gibt jetzt Dithmarscher vom Fass statt Astra!
Bei der zweiten sonnigen Platzrunde spielt Ilgen-Nur auf der Elbbühne und leider ist das kein von mir erhoffter türkischer Anti-Erdolf-Polit-Hiphop, sondern Indiedreampop mit Slackerattitüde oder so. Mit elektrischer Gitarre zwar und eigentlich klingt das auch gar nicht schlecht alles, aber auf Dauer etwas zu eintönig für meinen Geschmack.
Meine (wie immer entzückende) Begleitung findet das "Geleier" ebenfalls nicht sonderlich spannend und eigentlich sind wir sowieso auf dem Weg zur Seebühne um mit Shirley Holmes eine Dosis Berliner Punk zu tanken. Die beiden Mädels (+Schlagzeuger) waren vor zwei Jahren ein Höhepunkt auf dem Immecke, hätten eigentlich gut als Anheizer von Slime spielen können und haben doch lieber die kleine Bühne vorgezogen.
Möglicherweise war das auch die bessere Entscheidung heute, denn den Sound kriegen sie nicht gebacken. Da Gitarren bekanntlich niemals zu laut sein können sind es wohl die Stimmen, die etwas mehr Dampf vertragen könnten. Den bekomme ich dafür reichlich am Bühnenrand, der Knopf für die Nebelmaschine muss auf irgend jemanden (wahrscheinlich auf den, der für die Mikros verantwortlich ist) eine ungeheure Faszination ausüben. Für Asthmatiker wär das hier nix und dann ist auch noch laufend alles blau, die Farbe geht gar nicht.
Da eine soundtechnische Besserung nicht in Sicht scheint nehme ich etwas mehr Abstand und eine der von meiner Nachbarin empfohlenen veganen Antifa-lafeln im Teigfladen vom Stand gegenüber. Mit ordentlich scharf. Sehr sehr geil. Vegan, antifaschistisch und so lecker, dass man glatt zwei davon essen könnte. Die zweite auf dem Weg zur Elbbühne.
Dort macht gerade die Vorgruppe von Slime ihren Soundcheck und Danube's Banks aus Hamburg stehen fest auf meiner Liste, weil Gypsy Swing, Klezmer und Balkanbeats. Muss. Kann nur gut sein, mit Platz in der ersten Reihe ganz bestimmt.
Eine halbe Stunde später wäre der nicht mehr drin gewesen, wie ein Blick über die Schulter zeigt. Es ist pickepacke voll, während Danube's Banks ihren Gypsy swingen, doch so wirklich abgehen will dabei scheinbar keiner. Die Band ist trotzdem begeistert, weil sie sonst halt vor 80 Leuten im Cotton Club spielen und der Beifall von mehreren tausend Menschen wahrscheinlich besser rüberkommt, auch wenn er verhalten ist.
Einerseits natürlich toll, andererseits eine ziemlich heikle Aufgabe ausgerechnet vor Slime auftreten zu müssen, was sich Shirley Holmes vielleicht ebenfalls gedacht haben. Dafür ist das leider auch alles etwas zu brav was die Banks hier vortragen, kein Kaliber wie die 17 Hippies oder Fanfare Ciocarlia, nichts was die Meute zum Hüpfen animiert. Nach einer knappen Stunde reicht mir das, auch für den Tag. Slime habe ich schon zu oft gesehen als dass die Pflichtprogramm wären und überhaupt...
..ist das ein seltsam schwermütiges Gefühl in diesem Jahr, weil zwei wichtige Menschen dabei fehlen und einer davon für immer. Auch daran wird mich dieses Festival ewig erinnern.
Nächstes Jahr wieder, hilft ja nix.
Fotos dazu: Himmel über Wutzrock - Punk '82 - Eichbaumsee - Doofe Elbe - Strom & Wasser - Heiter bis sonnig - Ilgen-Nur - Zweierlei Basilikum - Shirley Holmes - Seechiller - Fressbuden - Danube's Banks / Nikon D7200
Musik dazu: Archive - Live at the Zenith / Controlling Crowds
Labels:
Fotosafari,
Hamburg,
Konzerte,
Lecker Futter,
Musik
Sonntag, 14. Juli 2019
Ein Wälzer voll Musikkritik
Kann sich von den Älteren unter uns noch jemand an Badfinger erinnern? Nein? Immerhin waren das die legitimen Nachfolger der Beatles, so oder ähnlich hat es der Rezensent im Sounds jedenfalls damals gesehen. Ein verzeihlicher Fehler, verzeihlicher jedenfalls als Alben wie Dylans Blood on the Tracks und Led Zeppelin IV nicht umgehend als Meisterwerke zu erkennen, oder die Behauptung Z.Z.Top könnte die Allman Brothers Band ganz locker auf der Überholspur abhängen. Die Allman Brothers! Mit Duane! Vollkommen lächerlich.
Kann man (wahrscheinlich um die peinlichsten Schnitzer gekürzt) alles nachlesen, denn das Kompendium Sounds: Platten 66-77, 1827 Kritiken, wird noch (gebraucht) ab 55 Euro auf dem Buchmarkt gehandelt. Obwohl es hin und wieder Spaß machen kann in alten Schwarten zu blättern, die Platten von 66 bis 77 kenne ich so auswendig wie dieses Buch, denn die Hälfte davon steht ohnehin im Regal. Langsam musste unbedingt etwas Neues her.
Gute und schlechte Musik aus drei Jahrzehnten, zusammengefasst in über 3000 Plattenkritiken und geschrieben von einem Musikjournalisten mit exquisitem (rein zufällig dem Verfasser dieser Zeilen sehr ähnlichem) Musikgeschmack, wäre genau der passende Nachfolger. Kostet in der gedruckten Version nur wenig mehr als das antiquarische Gelöt aus dem 2001 Verlag und bietet zudem noch ein Vorwort des von mir sehr geschätzten Jan Plewka. Muss man einfach zugreifen.
Mindestens 1173 Kritiken mehr als die alte Schwarte, sehr viel aktueller (1989 bis 2016) und ein garantiert hoher Unterhaltungswert. Einmal sicher durch die (vom Herrn Wagner inzwischen selber eingeräumten) Fehldiagnosen, zum Anderen durch die Neugier auf Rezensionen eigener Lieblingsbands oder Platten, nicht zuletzt durch den bekannten Sprachwitz des Autors - und dazu natürlich durch die unschätzbare Möglichkeit, irgendwelche Perlen der Musik zu entdecken, die bisher aus unerfindlichen Gründen an mir vorübergegangen sind.
So wie etliche Perlen möglicherweise auch an Musikjournalisten vorübergehen, denn leider lese ich, mit nur einer Ausnahme, nichts über meine zehn Platten für die Insel und auch bei den Interpreten sieht es doch schmaler aus als gedacht. Vielleicht ist der Beruf des Musikjournalisten doch nicht so erstrebenswert, wenn man sich Mariah Carey anhören muss, statt Tamikrest, Florence + the Machine oder Tara Nevins. So manches Geheimnis wird also nie gelüftet werden, aber immerhin bescheinigt er Townes Van Zandts No deeper Blue die Schönheit der untergehenden Sonne, für die restlichen neun Alben lässt das hoffen.
Für geradezu lächerliche 2.99 Euro gibt es das auch in einer Version für das eBook, was den Vorteil hat, dass man seine Regalbretter nicht versetzen muss, damit das 1.6 Kilo schwere Monstrum noch in die Musikabteilung passt.
Aber Papier ist irgendwie doch analoger und schöner zum Stöbern, es reicht schon dass die Musik digital geworden ist.
Fotos dazu: Nikon D7200, Tokina 100mm Makro (1)
Musik dazu: 75 Dollar Bill - I Was Real
Dienstag, 15. August 2017
Aus voller Kehle und tiefstem Herzen
Hätte der Seemannschor Hannover nicht vor ein paar Jahren das Zeckenlied am Millerntor intoniert, die furiose Version des "Wild Rover" vom Shantykoor Oosterstörm aus Groningen wäre glatt auf Platz 1 meiner persönlichen Shantyhitparade gestiegen. Unfassbar gut, was die Jungs in nur schmaler Besetzung auf die kleine Bühne brachten, sogar die Pogues hätten da mitgeschunkelt. No, nay, never, no more, will I play the wild rover, no nay never no more!
Als Deutscher ist das irgendwie doppelt peinlich, wenn man daran denkt was Klaus & Klaus daraus gemacht haben.
Bier dazu: Tilmans Biere, Das Helle, 5.1%
Musik dazu: The Pogues - Red Roses For Me / If I Should Fall From Grace With God
Montag, 7. September 2015
Was Billy Gibbons in seiner Freizeit macht
Er spielt den Dudelsackboogie auf Mittelalterfestivals - und das gar nicht mal so übel.
Dudelfoto: Saor Patrol, Mittelalterlich Spectaculum Öjendorfer Park
Dudelbier: The Brale, Brown Ale 5.0%, Braufactum
Dudelmucke: ZZ Top - Tres Hombres (2006 Remaster)
Labels:
Fotosafari,
Konzerte,
Musik
Standort:
Billstedt, Hamburg, Deutschland
Mittwoch, 25. Februar 2015
Folter bis die Ohren bluten
Auswärtsfahrt allez! Eintausendsechshundert Kilometer Autobahn können einem schon im Normalfall den Nerv rauben, auch wenn man sich hinter dem Lenkrad ablöst, also flugs einen USB Stick mit anständiger Autobahnmusike befüllen. Left Lane Cruiser passen schon vom Namen perfekt, etwas Seasick Steve für den Überholspurboogie und AC/DCs "Let there be rock" übertönt zuverlässig das angestrengteste Motorengeräusch. Für die alten Herren auf der Rückbank vielleicht etwas Blues, aber denn schon einen der nach vorn geht. Die beiden Medleys von Howard & The White Boys Livescheibe alleine sind lang genug für gute 100 Kilometer, wenn man nicht gerade im Stau steht, und äußerst unterhaltsam noch dazu.
Pearl Jam natürlich, für die Zeit in der ich fahren muss und auf jeden Fall Konfetti von Markus Wiebusch. Für den Rockopa was von den Stones, da kann ich Sticky Fingers immer noch gut hören und wenn es schon etwas aus den 80ern sein soll, dann lieber gleich Talking Heads, bevor seltsame Namen fallen. Massive Attack für den langen Stau und natürlich die Sankt Pauli 100 Box, falls es auf der Rückfahrt etwas zu feiern gibt. Die Mischung reicht locker für die doppelte Strecke und es ist für jeden etwas dabei, doch leider weigert sich die dusselige Fahrzeugelektronik konsequent den Stick zu erkennen. Dreckstechnik.
Eintausendsechshundert Kilometer Autobahn können einem schon im Normalfall den Nerv rauben, kommen dazu noch etliche Stunden Radioprogramm wird das Auto zur Folterzelle. Im Norden beginnt der Spaß mit Delta Radio, die sich immer noch keine neue CD gekauft haben, seit ich sie vor gut zehn Jahren das letzte Mal gehört habe. Eine kurze Zeit lässt sich mit Bordmitteln überbrücken: Singlescollection von David Bowie und Very Best of Fleetwood Mac. Dabei drückt sogar Herr L. ab und zu die Skiptaste, und dem gehört das Zeug. Kurzstreckenfahrer benötigen nicht mehr als zwei Scheiben, bei denen reicht das für ein Jahr, aber wehe sie sind dann einmal länger unterwegs.
Die restliche Zeit ist pure Folter, ob in Hamburg, Niedersachsen, Hessen oder Bayern, ob öffentlich rechtlich oder Privatsender, überall die gleiche Grütze. Horden grauenhafter "R'n'B"-Jammertanten scheinen gerade die Charts zu dominieren, drückt man die wirklich schlimmen Dinger panisch weg kann man fast sicher sein, das Grauen eine halbe Stunde später beim nächsten Sender noch einmal zu hören. Der Rest besteht aus dünnen Poprockohrwürmern, die wahrscheinlich deshalb so oft wiederholt werden, weil sie sofort wieder rausrutschen aus den Ohren. Zwischen Anastaciaknödelsoul und Sunrise Avenue. Heute hängt man Boygroups Gitarren um den Hals und nennt es dann Rockband. Stunde um Stunde eine instrumentalvokale Geräuschkulisse ohne Inhalt, ohne Spannung, ohne Überraschungen, ohne Ecken und Kanten, ohne Höhepunkte. Blablajammerjammerblabla. Rein ins Ohr, raus aus dem Ohr, gähnende Leere hinterlassend.
Schlimmer noch sind diese Clowns, die sich Radiomoderator nennen. Zwei dieser Vögel haben mich schon vor Jahren dazu veranlasst meinen Radiowecker zu deaktivieren, auf der Autobahn ist man ihnen hilflos ausgeliefert. Professionelle Gutelauneverbreiter, denen schon seit der Geburt die Sonne dauerhaft aus dem Arsch scheint, nicht ansteckend wenn man gerade das Ende eines 15 Kilometer Staus erreicht hat. Zwischen der gähnenden Leere dürfen sie Titel und Interpreten ansagen, würde ich auch nur einen davon kennen wäre ich für solche Vorwarnungen natürlich dankbar, noch dankbarer wäre ich, sie würden einfach das Maul halten, Verkehrsnachrichten sind ausreichend auf der Bahn.
Der ultimative Kracher jedoch ist Radio-Comedy. Inzwischen hat jeder Sender seine eigene "kultige" Comedy-Show, der Höhepunkt des Tages und so dermaßen schlecht, dass selbst der dämlichste Witz von Mario Barth wie ein intellektuelles Gagfeuerwerk erscheint. Konnte man vor Jahren (oder waren es Jahrzehnte?) noch Perlen wie Wischmeyers Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten im Radio finden, bewegt sich das heute auf dem Niveau von Fips Asmussen, nur ohne Pointe. Wann haben die Sender eigentlich ihren kulturellen Auftrag verloren? War das schon vor der Zwangsabgabe?
Wenn man schon GEZwungen wird den ganzen Rotz zu bezahlen, könnte man dann nicht pro Bundesland wenigstens einen Kanal einrichten, bei dem nicht nach einer halben Stunde die Ohren anfangen zu bluten oder das Hirn gelähmt wird? Nur falls mal die Technik versagt..
Verkehrsfoto: Autobahnpinkelpausenparkplatz Amarschderwelt
Verkehrsmusik: Traffic - John Barleycorn Must Die / Low Spark Of High Heeled Boys / Welcome To The Canteen / Shoot Out At The Fantasy Factory
Standort:
Knüllwald, Deutschland
Freitag, 21. März 2014
Resteverwertung
Vor fünf Jahren ist Richard Wright gestorben. Damit kann ich mir einen Auftritt von Pink Floyd endgültig abschminken, selbst wenn Gilmour und Waters sich noch einmal zusammen auf die Bühne trauen würden, die Chancen stehen schlecht. Dumm gelaufen, denn das ist so ziemlich die einzige "große" Band, die ich nie live gesehen habe. Na gut, die Beatles fehlen auch, dafür war ich ein paar Jahre zu jung. Ähnlich ist es mit ABBA, obwohl da noch niemand gestorben ist und es mich auch nicht besonders reizt ein Konzert der alten Schwedenpopper zu besuchen, auf einer Bühne wird man die wohl nicht mehr erleben. Queen allerdings, die habe ich gesehen, mit einem jungen Freddie Mercury, als sie noch eine richtige Rockband waren. Schon damals eine große Show auf der Bühne, den kommenden Bombast konnte man erahnen, das Operettengesäusel fehlte noch.
Wer dieses Glück nicht hatte muss sich heutzutage mit Coverbands zufrieden geben. Meistens lokale Helden auf kleineren Bühnen, die versuchen ihren musikalischen Vorbildern möglichst nahe zu kommen. Das klappt manchmal richtig gut, und wer auf eine Vielzahl musikalischer Gassenhauer zurückgreifen kann, der hat bei Straßen- oder Stadtfesten das Publikum schnell im Griff.
Im Falle von Floyd, ABBA und Queen kann man sich sogar alle Jahre wieder die volle Dröhnung geben, mit Lightshow, fliegenden Känguruhs, bunten Kostümen und Feuerwerk. Wobei wenigstens die Australian Pink Floyd Show eine ernsthafte Alternative darstellen könnte, immerhin haben die schon auf David Gilmours Geburtstag spielen dürfen, aber Schwedenpopper auf 70er Plateaustiefeln oder einen Sänger, der sich in Freddies Glitzeranzug zwängt und den Mercury mimt? Selbst wenn der noch so schön Baaai-sickle baaai-sickle schmettern kann, das ist einfach nur noch Resteverwertung.
Den Vogel schießt jetzt ein Mensch namens Toby Gough ab, seines Zeichens Resteverwerter des Buena Vista Social Club Hypes und Initiator diverser "landestypischer" Musikshows. Der steckt ein paar optische Fastdoppelgänger (immerhin "richtige Vollblutmusiker") in Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain Kostüme und bringt den ominösen Klub 27 auf die Musicalbühne. Was für ein Heidenspaß, wir feiern die Drogenleichen der Rockgeschichte. Ein in flatternde Hippiegewänder gekleidetes blondes Stimmchen identifiziert man als Janis Joplin, weil sie Piece of my heart singen muss, und Jimi Hendrix (an Hautfarbe, Frisur und Stirnband sofort zu erkennen) spielt dazu Gitarre, während man nur hofft dass er sich nicht irgendwann an Voodoo Chile versucht. Wer guckt sich so etwas an? Augenscheinlich Menschen, für die man hinter den Namen Brian Jones in Klammern (Rolling Stones) setzen muss, damit sie wissen wer das ist. Hätten sie bei Jim Morrison vielleicht auch machen sollen fürchte ich.
Rock'n'Roll ist vielleicht nicht tot, aber in manchen Ecken stinkt er ganz erbärmlich. Jede Wette, wenn der Drogist und der Breitmaulfrosch einmal tot sind, wird irgend jemand mit der großen Rolling Stones Show viel Geld verdienen. Dazu passt dann vielleicht ein cooles Ballett der Bad Boys of Dance, am besten zu Street Fighting Man.
Auch schon tot, wird aber nie resteverwertet: Kevin Coyne - Case History...Plus / Marjory Razorblade / Matching Head & Feet
Mittwoch, 27. November 2013
Meine Mudda steht auf Pogues
Geburtstage sind ideal um selber etwas zu basteln, da meine Fähigkeiten als Bastler aber ziemlich überschaubar sind beschränke ich mich meist auf das Brennen von CDs, damit habe ich häufig gute Erfahrungen gemacht. Manchmal sogar sehr gute, bei drei CDs hatte ich neulich immerhin einen echten Volltreffer bei Muddern.
"Udo Jürgens kann ich ja nicht ausstehen, aber er schreibt tolle Lieder, das muss man ihm lassen. Und der Al Martino kann toll singen, aber manchmal ist es doch etwas sehr schmalzig."
Dabei habe ich die schlimmsten Sachen schon entfernt, bevor meine Ohren anfingen zu bluten. Eine CD-Single mit seiner Version von Griechischer Wein hätte also gereicht, ich hätte mich nicht durch Al Martinos größte Hits quälen müssen.
"Ja und diese Schotten, also nee, das ist doch nichts für mich. Sind das überhaupt Schotten?"
Ähm, nein, die Real McKenzies sind Kanadier. Neulich im Auto fand sie die noch gut, aber da war wohl mehr der Dudelsack dran Schuld. Ist doch zu viel Punk, das war mir eigentlich klar.
"Aber diese Iren oder was das sind, diese Poogs oder wie die heißen. Was heißt das überhaupt?"
Das heißt eigentlich nix. Früher hießen die Pogue Mahone, das ist so'n irischer Ausdruck für "kiss my ass" aber das wollte die Plattenfirma nicht.
Schallendes Gelächter.
"Egal, die find ich ja suuuuper. Tolle Musik. Die Platte läuft hier den ganzen Tag, rauf und runter.
Und laut! Die Nachbarn gucken schon immer wenn sie hier vorbeigehen."
Mit über 80 noch zum Schrecken der Nachbarn zu werden, das geht eben nur mit Shane MacGowan.
Nachbarschaftsbeschallung: The Pogues - If I Should Fall From Grace With God
Samstag, 5. Januar 2013
Strategien zur Alltagsbewältigung
Liegen. Ich kann nicht mehr liegen, seit Wochen befinde ich mich in der Horizontalen und das nervt. Ich bin ja nicht bettlägerig, folglich lieg ich meistens auf der Couch vor der Glotze, denn am Computer ist nach einer Stunde Feierabend, viel länger kann ich nicht sitzen. Bücher sind auf Dauer zu schwer, ich hätte mir so einen E-Book Reader kaufen sollen, umblättern ist da auch einfacher. Meine ganze Schulterpartie ist durch die Couchgammelei völlig verspannt, ich bräuchte dringend eine Massage.
Über die Feiertage war ich kaum alleine, was viel erleichtert hat, aber inzwischen sind alle wieder ackern, jetzt wird es richtig langweilig.
Also Glotze. Einen Film nach dem anderen kann ich mir nicht reinziehen, und das Tagesprogramm ist auch bei den öffentlich-rechtlichen grausam, bei den Gurkensendern unerträglich. Was bleibt?
Chuck.
Das sind 64 Stunden, damit kann ich großartig die Zeit totschlagen. Noch einmal komplett von Anfang an auf dem neuen Heimkino, mit anständigem Sound. Dabei fallen mir immer öfter Songs aus dem Soundtrack auf, die ich unbedingt haben müsste, neben den vielen Stücken die ich ohnehin schon habe. Wahre Perlen lassen sich da finden, zwischen den üblichen Verdächtigen wie Iggy Pop, Billy Idol, Dandy Warhols und Franz Ferdinand, den ollen Kamellen von Otis Redding, Creedence Clearwater Revival, Rush und The Clash, tummelt sich ein ganzer Haufen mir vollkommen unbekannter Bands. Dazu gnadenlos gute melancholische Liedchen, ganz besonders natürlich bei den Szenen, bei denen sie sich mal wieder (nicht) kriegen. Das geht mir als altem Romantiker sofort zu Herzen. Die Szenen und die Songs. MUSS ich haben.
Google ist mein Freund, es gibt eine komplette Liste im Netz, auf der stehen Bands wie The Pains Of Being Pure At Heart. Den Namen alleine find ich ja schon ziemlich großartig. Oder Frightened Rabbit, In-Flight Safety, Your Vegas, Slow Club, Republic Tigers, Cassettes Won't Listen, Love Grenades. Weiß der Teufel wo die alle herkommen, aber einige davon bräuchten definitiv mehr Airplay. Ein großartiger Song wie "In My Sleep" darf einfach nicht in der Versenkung verschwinden, nur weil sich niemand den Namen Austin Hartley-Leonard merken kann.
Das Problem bei solchen Bands ist nur, dass man häufig in die Kloschüssel greift, wenn man sich von einem Lied überwältigen lässt und eine ganze CD bestellt. Denn leider ist der für den Soundtrack einer erfolgreichen Serie ausgewählte Song meist der einzige Lichtblick, die Erfahrung hab ich zu oft gemacht.
Aber ganze CDs kaufen muss man ja heutzutage nicht mehr. Obwohl ich eigentlich seit Vinylzeiten ein Verfechter der man-hört-die-ganze-Platte-am-Stück Fraktion bin, wenn man sich einen Soundtrack zusammenstellen will haben die modernen Zeiten schon ihre Vorteile. Ganz besonders in meiner Situation, denn das Netbook kann ich auf der Couch bedienen. Knapp vierhundert Songs aus den fünf Staffeln sind verzeichnet, den Schrott wie Survivor, Lady Gaga und Bon Jovi abgezogen bleiben dreihundert, die eigene Sammlung hat zwischen Tricky, Bon Iver, Etta James, Radiohead, Wolfmother und den Wiener Philharmonikern genug zu bieten um die gröbsten Lücken zu stopfen, die ollen Kamellen hab ich sowieso im Schrank, bleiben gut hundertfünfzig Titel übrig, das sollte mich eine Weile beschäftigen.
Hab ich gedacht. Doch heutzutage sind selbst solche Vorhaben keine abendfüllende Beschäftigung, selbst wenn man das Netbook nur nebenbei bedient. Zwanzig Stunden Musik in nicht einmal zwei Tagen, ich hab alles durch. Das kommt auf den Stick fürs Auto, damit komm ich mindestens zweimal in den Regenwald und zurück. Und ich weiß schon jetzt, bei welchen Songs ich das Radio lauter drehen werde. Zum Beispiel beim "40 Day Dream" von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros. Vielleicht sollte ich mir von denen wirklich mal die ganze Platte besorgen, aber jetzt ist erst mal gut mit Kaufrausch und Sammelwut.
Ich leg mich lieber wieder vor die Glotze.
Montag, 14. Mai 2012
Rollatorfestival mit kleinen Perlen
Barmbeks schönstes Straßenfest soll es sein, die "Bunte Maile" rund um die Köster-Stiftung, mit Musik, Kinderprogramm, Flohmarkt, Infoständen sozialer Einrichtungen und der üblichen Versorgung mit B&B. Da die Prinzessin noch zwei Stunden auf ihren kleinen Freund warten musste war das nur als Überbrückung gedacht, bevor wir zum Hafengeburtstag aufbrechen konnten. Außerdem eine willkommene Gelegenheit für mich, das aus Zeitgründen ausgefallene Frühstück nachzuholen.
Dieses sollte eigentlich aus einem anständigen Fischbrötchen bestehen, lecker Matjes oder Bismarckhering mit Zwiebeln. Kein Problem am Hafen, in Barmbek schon. Bekommen habe ich die wahrscheinlich schlechteste Currywurst meines Lebens, deren dünnflüssiger Billigketchup mir als erstes das frische Sweatshirt versaute. Das hätte ich als Warnung verstehen sollen, denn der hinterher "genossene" Crêpe (der wahrscheinlich schlechteste meines Lebens) war nicht geeignet, diese Scharte wieder auszuwetzen. Aber wer kann schon ahnen, dass man sogar etwas simples wie einen Crêpe versauen kann. Sogar die Prinzessin hat, trotz Schokoladenfüllung, den größten Teil verschmäht, ein geradezu vernichtendes Urteil.
Das Oldtimejazzgedudel der im Hintergrund aufspielenden "Combo" war ebenfalls nicht dazu angetan mein körperliches Wohlbefinden zu verbessern, aber die angemessene Musik für das überwiegend ältere Publikum, von dem gefühlte dreißig Prozent mit Gehhilfe unterwegs war. Das Fest rund um die Köster-Stiftung, hätte man auch drauf kommen können.
Grandios schrottig auch der Flohmarkt, auf dem Dinge feil geboten wurden, die ich nur in dunklen Winternächten zur Mülldeponie fahren würde, hätte ich jemals so etwas besessen. Dazu zähle ich jetzt ausdrücklich nicht die Very Best of ABBA, obwohl ich bestimmt nicht deren größter Fan war. Überhaupt besteht der Sinn vieler Flohmärkte wohl eher darin, seine Freizeit relaxt hinter einem Tapeziertisch zu sitzen, dabei seinen Kaffee zu trinken und mit den Besitzern der Nachbartische ausgiebig Konversation zu betreiben. Ernsthafte Verkaufsgespräche wären dabei eher hinderlich, deshalb bietet man Waren an, die möglichst niemand haben will. Videorekorder, die schon bei Neukauf von zweifelhafter Qualität gewesen sein müssen, jede Menge Rasierapparate, die den Eindruck erweckten, schon jede Menge Vorbesitzer von Haaren in Körperregionen befreit zu haben, die ich mir nicht einmal in Alpträumen vorstellen will. Von Fotoapparaten, die als Gratisbeilage eines Comics vor 30 Jahren vielleicht für Aufsehen gesorgt hätten, bis hin zum hsv Trikot aus der letzten Saison gab es unglaublich viel unnützen Kram, für den sich dann auch kein Mensch interessiert hat.
Einzig das Pflichtbewusstsein ließ mich auf den wenigen Ständen mit gebrauchten Tonträgern nach einer Bibi Blocksberg CD suchen, nach der von anderer Seite verlangt wurde. Bibi Blocksberg war leider Fehlanzeige, aber dadurch habe ich die wohl einzigen beiden Perlen gefunden, die sich in dem ganzen Gerümpel versteckt hatten, Sinéad O'Connors Throw Down Your Arms in der Special Edition, bei der zu meiner Überraschung die zusätzliche Dub CD gleich in doppelter Ausführung enthalten war, und eine mir bis dahin unbekannte Scheibe von R.L.Burnside aus dem Jahr 2000, zu einem Stückpreis von 2 Euro.
Kann man nicht meckern, unter der Rollatorkundschaft war glücklicherweise niemand, der sich dafür interessiert hat.
Daher veredelt er jetzt mir den Abend: R.L.Burnside - Wish I Was in Heaven Sitting Down
Labels:
Kaufrausch,
Kinderkram,
Musik,
Schweinkram,
Typen
Mittwoch, 21. März 2012
Lektionen in Hip-Hop
Vor etwa 15 Jahren noch konnte man mich mit Hip-Hop jagen, grauenhaftes Zeug in meinen Ohren. Allenfalls ein paar Stücke von den Fantas, Tag am Meer, Krieger, die waren nicht schlecht, das konnte man hören. Doch dann entschied sich Junior nach seiner Grunzmetallphase auf einmal für deutsches Gerappe, und da ich mich immer für Dinge interessiere, für die sich mein Kind interessiert, lernte ich in ein paar Monaten alles mögliche über Battles, Freestyle, Beats und Flows, Emmcees, DeeJays und Diss und dat. Hörte Mitschnitte irgendwelcher Undergroundtapes, Freestylebattles und Dopebeats von irgendwelchen abgefahrenen Typen mit beknackten Namen, wie Samsemilia oder Eizi Eiz. Mit grüner Brille habe ich dann auch Dynamite Deluxe, Fünf Sterne und die Beginner endlich verstanden.
Von Samsemilia und Eizi Eiz hab ich mir später sogar Platten gekauft, als sie sich in Samy Deluxe und Jan Delay umbenannten, bin mit dem Kind in den Stadtpark gegangen, um einen grandiosen Auftritt von Samy Deluxe und Tropf zu sehen, im Vorprogramm von Jan Delay und der Sam Ragga Band, für die ich eigentlich den Weg auf mich genommen hatte.
Bei grauhaarigen Altrockern erntet man damit sehr viel Unverständnis hab ich erfahren müssen, aber die Tellerränder anderer Menschen waren mir schon immer ziemlich egal.
Dann zog das Kind irgendwann aus und mir fehlte der Nachschub, ihm allerdings auch, der Berliner Gangstarap und seine Folgen, Bushisido und Co, das war uns beiden zu dämlich. So fing er an Gitarre zu lernen und hörte wieder Rock, was ich ein wenig als Zeichen des Erwachsenwerdens sah, wenn ich ehrlich bin.
Doch jetzt gibt es eine neue Generation hörbarer Hip-Hopper, und jedes mal wenn er bei mir im Auto sitzt, stöpselt er binnen Sekunden sein Smartphone ins Autoradio um mich mit den neusten Klängen zu versorgen.
Gutes Zeug, muss ich gestehen, die Typen sind ähnlich beknackt wie damals, haben ähnlich beknackte Namen wie Jim Pansen oder DCVDNS (was immer das heißen soll) aber, gut.
Was mich allerdings in letzter Zeit etwas beunruhigt sind seine Klamotten, an Trainingsanzüge und dicke Kappen muss ich mich noch gewöhnen. Was für ein Glück, dass er einen halbwegs seriösen Beruf ausübt, dann rennt er wenigstens nicht immer so rum.
Wirklich gut, Jim Pansen und die verbotene Frucht, du du, duhuhuu, du musst zur mpu, huhu, das ist zwar erschreckende Realität für manchen Pechvogel, hat aber nen geilen Flow, wenn ihr versteht was ich meine :)
Samstag, 25. Februar 2012
Wenn die wilden Trommler rufen
Vier Schlagzeuger stehen auf einer Bühne und machen Musik. Haha, kein Witz. Es gibt unendlich viel blöde Witze über Schlagzeuger, warum auch immer. Wahrscheinlich von Leuten die nur Ringo Starr und Charlie Watts kennen, von Chick Webb, Gene Krupa oder Buddy Rich aber noch nie etwas gehört haben. Oder von ElbtonalPercussion.
Die kommen aus Hamburg und hatten heute ein Heimspiel in der Fabrik. Zu meiner Überraschung in einer gut zur Hälfte bestuhlten Fabrik, es hätte sich tatsächlich gelohnt früher zu kommen. Vor der Kasse wurde ich von jemandem abgefangen, der eine Karte zu viel besaß und diese unbedingt loswerden wollte. Im Prinzip eine gute Idee, denn die Schlange an der Abendkasse war ziemlich lang, der Laden schon gut gefüllt. Dummerweise konnte er auf meinen Schein nicht herausgeben und musste so mit mir zusammen warten, was die Wartezeit durch fortwährendes gemeinsames Lästern über die unglaublich langsame Abwicklung wenigstens erträglich machte.
Spätes Erscheinen sichert zwar nicht unbedingt gute Plätze, erspart aber lange Wartezeiten vor dem Konzert. Folglich bin ich schnell auf die Galerie, um das Schlagwerkensemble einmal (in Teilen) von oben ablichten zu können und habe mich anschließend unten an einen freien Pfeiler gelehnt, fast so gut wie sitzen. Leider waren die zwei Pfeiler vor der Bühne schon von anderen Fotografen okkupiert, um näher heranzukommen hätte ich das sitzende Volk verärgern müssen und das will man ja auch nicht.
Egal, ich war hauptsächlich wegen der Musik hier, aber gut zu wissen, dass man in der Fabrik wohl keine Probleme hat mit Spiegelreflexkameras, zumindest nicht bei Konzerten von ElbtonalPercussion. Genutzt hat es ohnehin nicht viel, statt Scheinwerferbatterien und Lightshow war eher gedämpfte Wohnzimmerbeleuchtung angesagt bei den Jungs, was kurze Belichtungszeiten nahezu unmöglich machte. Bei Schlagzeugern ganz besonders schlecht.
Erwartet habe ich eigentlich einen größeren Anteil der neuen CD, ElbtonalPercussion plays Stewart Copeland, schließlich dienen Konzerte ja meistens der Promotion. Davon gab es leider nur ein Stück, der Rest waren Klassiker ihres Programms, dem Anlass angemessen: 15jähriges Jubiläum. Stand nicht auf dem Plakat, und war eine nette Überraschung, genau wie der gesamte Rest des Abends.
Denn ich hatte keinerlei Vorstellung wie die ihre Platten auf der Bühne umsetzen, so ganz ohne Elektronik, aber es funktioniert geradezu fantastisch. Mit Vibra-, Marimba- und Balafon, Drums, Gongs und Glockenspiel, Cajón, Kuhglocken, Klangschalen und weiß der Teufel was da noch alles auf der Bühne stand, bis hin zu Regentonnen, Plastikeimern und Kochlöffeln. Die natürlich nur für den Showteil herhalten mussten, meistens wurde doch recht ernsthaft musiziert. Von Debussy bis zu avantgardistischen Jazzausflügen, von minimalistischem Drum 'n' Bass bis Weltmusik. Kein wildes Gebolze sondern allerfeinster Klang in einer sehr großen stilistischen Bandbreite und Präzision, der in ruhigen Passagen sehr vorsichtige Bewegungen auf der Bühne erforderte, damit nicht ungewollt irgend etwas scheppert während der Kollege gerade leise mit der Muschelkette raschelt.
Gescheppert hat es regelmäßig nach den Stücken, ein derart enthusiastisches Publikum habe ich dort selten erlebt, schon gar nicht auf den Sitzen. Wer keine musikalischen Berührungsängste hat sollte sich die Jungs bei Gelegenheit ansehen, lohnt sich.
Daher auch immer noch, jetzt aus der Konserve: ElbtonalPercussion - Drumtronic
Labels:
Fotosafari,
Konzerte,
Kultur,
Musik
Sonntag, 18. Dezember 2011
Weihnachtsbasteln
Coverdesigner wäre mein Wunschberuf gewesen, mit 13 oder 14. Mein bester Freund, und direkter Banknachbar in der Schule, war davon ebenso begeistert wie ich, was zur Folge hatte, dass in vielen Schulstunden kleine Schallplattencover gebastelt wurden, statt dem Unterricht zu folgen. Viele Bands sind damals entstanden, deren LPs alle echte Kracher gewesen wären, hätte es die Musiker wirklich gegeben. Nicht zuletzt dank unsres exzellenten Designs natürlich. Inklusive Namensgebung der Bands, Musiker, Titel, wir hatten eine ganze Sammlung fantastischer Fantasiebands. Mindestens so gut wie Cream oder die Jimi Hendrix Experience, deren richtige LPs wir uns nicht leisten konnten.
Leider war die Coverbastelei meinen schulischen Leistungen weitaus abträglicher als seinen, ich flog irgendwann von der Schule, er hat später studiert. Und dann einen Plattenladen aufgemacht und Rezensionen in der Presse geschrieben, Musik hat uns beide nie mehr losgelassen, auf die eine oder andere Art und Weise.
In den letzten Jahren hab ich wieder angefangen Cover zu basteln. Nicht mehr für Fantasiebands, heute werden die mit Tonträgern gefüllt, auch wenn die angeblich aus der Mode kommen. Für mp3 jedoch bräuchte man kein Cover, weshalb ich diese Entwicklung sehr bedauerlich finde.
Das große Grafiktalent war ich zwar nie, dafür hatte ich immer Ideen ohne Ende, die dann meistens schwierig umzusetzen waren. Heute ist das relativ einfach, im Internet gibt es Bildmaterial genug. Und so bin ich irgendwann auf unglaublich großartige Grafiken gestoßen, auf diversen Pearl Jam Fanseiten, die ich unbedingt für das ultimativ beste "Best Of Pearl Jam" Doppelalbum aller Zeiten verwenden musste. Screaming - das ging dann an eine Mailbekanntschaft in Wien, als Revanche für eine CD von Zucchero.
Das nächste Projekt war das ultimativ beste "Best of Bruce Cockburn" Doppelalbum aller Zeiten, Dust and Diesel ging an meine kleine Schwester, um mal zu zeigen was jenseits von Bruce Springsteen noch passiert. Kam glaub ich ganz gut an damals.
Eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor, den Weihnachtstress durch Bastelkram auch noch zu erhöhen, aber ich konnte nicht anders, als ich dies unglaublich fantastischen Wölfe im Netz gefunden habe, die geradezu nach dem ultimativ besten "Best of Los Lobos" Doppelalbum verlangten. Da meine bastelfreudige Nachbarin mir mit Klebstoff aushelfen konnte, ist daraus ein sehr schickes Digipack geworden, 2 CDs mit 37 in langen Nächten ausgesuchten Stücken einer meiner Lieblingsbands. Oder wie es in einer AMG Review heißt:
The simple fact, not stated nearly often enough, is that Los Lobos are one of America's truly great rock & roll bands, and they've been making consistently strong albums since 1984's How Will the Wolf Survive.
Und die hab ich alle, da fiel die Auswahl schwer. Mal sehen, wer das bekommt.
Im Ohr der Nachtxzess auf DBWG Radio, sehr chillig grad, und ich muss jetzt ins Bett wegen Scheiß Sport 1.
Sonntag, 4. Dezember 2011
Langhaarige Cowboyhippies
Seit Wochen hab ich mich auf das Konzert von Gurf Morlix im Norderstedter Musicstar gefreut, und heute türmten sich auf einmal kaum zu bewältigende Probleme auf, denn ich hatte auch noch einen Abholtermin am Flughafen. Geplante Landung 18:30, also Gepäck nicht vor 19 Uhr, Heimfahrt ca. 45 Minuten, Rückfahrt nach Norderstedt ebenfalls in der Größenordnung, macht in der Summe mindestens 30 Minuten Verspätung, die ich mit rüder Fahrweise vielleicht um 15 Minuten verkürzen könnte, aber nicht mit Muddern im Auto.
Und die Konzerte im Musicstar fangen sehr pünktlich an, dann machen sie die Türen zu und man kann im Café warten bis sie zur Pause wieder aufgehen.
In vielen anderen Fällen hätte ich die Segel gestrichen, wäre nach Hause gefahren, oder hätte die Einladung zum Skinny Bitch Konzert im Haus 73 angenommen, auch ohne Herrn H, das sollte ohnehin erst um 22 Uhr anfangen.
Aber, Gurf Morlix! Selbst wenn es mir nur gelingen sollte die zweite Hälfte des Konzertes zu erleben, den Mann musste ich sehen. Sänger, Songwriter, Multiinstrumentalist, Ausnahmegitarrist und Produzent etlicher meiner Lieblingskünstler, unter anderem Lucinda Williams und Ray Wylie Hubbard, dazu ein enger Freund des tragisch ums Leben gekommenen Blaze Foley, der wiederum ein enger Freund des legendären Townes Van Zandt war, womit wir auf einen Schlag gleich die Hälfte meiner ewigen Top 10 Songwriterhitliste zusammen hätten.
Um eben jenen Blaze Foley geht es auf dem letzten Album von Morlix, Blaze Foley's 113th Wet Dream, auf dem er 15 Songs seines alten Freundes eingespielt hat. Der 1989 bei einem Nachbarschaftsstreit erschossen wurde, als er versuchte einen Freund zu beschützen, und über den es so viele tragische, lustige und interessante Dinge zu erzählen gibt, dass sogar Gurf Morlix scheitern würde, beim Versuch diese zwischen den Songs zu erzählen.
Das war letztlich mein Glück, denn vor dem Konzert gab es einen Film zu sehen, Duct Tape Messiah, die Dokumentation über das kurze Leben von Blaze Foley, in Anwesenheit des Regisseurs Kevin Triplett. Den Film konnte ich leider nur zur Hälfte genießen, was aber nicht weiter tragisch war, den hab ich jetzt auf DVD. Dazu noch die CD von Gurf Morlix, die ich zwar schon in der Downloadversion besaß, aber auf Downloads kann man keine Widmungen schreiben. Und - Cold, Cold Heart von Blaze Foley, der leider keine Widmungen mehr schreiben kann. Eine der seltenen Originalaufnahmen von Foley, und natürlich gibt es auch zu dieser Platte eine derart unglaubliche Geschichte, wie zu fast jedem Song, dass man es kaum glauben mag, solche Dinge passieren anderen Menschen nicht in 100 Jahren.
Weil die meisten Menschen keine langhaarigen, langbärtigen, zotteligen Cowboyhippies sind, mit Gitarrenkoffer in der Hand, die das Handbuch für Songwriter gelesen haben, wie Mr. Morlix erklärte.
Friend dies? Write a Song about it. Bei Blaze Foley hat er dafür 17 Jahre gebraucht, bis er zufrieden war.
Zu hören ist er auf Gurf Morlix - Last Exit To Happyland.
Blaze Foley - Duct Tape Messiah. Großartig und herzzerreißend. Solche Geschichten schreibt das Leben, da kommt Hollywood nicht mit.
Freitag, 28. Oktober 2011
Auf nach Afghanistan
15 Jahre, 160.000 Kilometer. Reparaturen: Ein Bremskraftverteiler für 170 Euro, dazu zwei Blechschäden durch Autoradiodiebstahl und einen besoffenen Parkplatzrandalierer. Die Zuverlässigkeit, die man dem Toyota Corolla nachgesagt hat, erfüllte meine Erwartungen - weit mehr als damals erhofft, selbst im Zustand des doppelten Totalschadens leistete er weiter fleißig seine Dienste. Die Karre muss man schon mit roher Gewalt zerstören, von alleine geht der scheinbar nicht kaputt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass er weiterhin unter roher Gewalt zu leiden hat, ist recht hoch, denn er soll seinen Lebensabend in Afghanistan fristen, wie man mir heute mitgeteilt hat. Da interessieren keine Beulen in der Tür und auch kein klappernder Auspuff, der afghanische TÜV, so es überhaupt einen solchen gibt, ist da wohl deutlich schmerzfreier als der hiesige.
Bei Autos bin ich eigentlich nicht sentimental, das sind für mich immer Gebrauchsgegenstände geblieben, keine Kultobjekte, denen man womöglich auch noch Namen gibt. Aber der hier hätte wirklich einen Namen verdient gehabt. Wenn sie ihn in Kabul nicht in die Luft sprengen, wird er da sicher noch einige Jahre vor sich haben.
Meine "neue" fahrende Chaiselongue wartete mit einigen Überraschungen auf, positiven wie negativen. Äußerst angenehm stelle ich mir die Klimaanlage vor, sollten wir im nächsten Jahr so etwas ähnliches wie Sommer bekommen. Dafür entpuppte sich die vom Pappenheimer eingeforderte "adäquate" Stereoanlage als einzige Katastrophe. Das Bedienteil muss ein völlig Irrer entworfen haben, und der wird auch als Einziger begriffen haben, was man mit den etwa 40 winzigen bunten Knöpfen auf dem Ding anfangen soll. Hinter hässlichem silberfarbigem Plastik verbarg sich nicht etwa der Schlitz für CDs, dafür völlig unerwartet ein Schacht für Musikkassetten. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass es vor 10 Jahren noch Autoradios mit Kassette gegeben hat.
Ein untragbarer Zustand, dem sofort Abhilfe geschaffen werden musste. Folglich bin ich sofort nach den Formalitäten bei meinem Hi-Fi Spezi vorbei, der nur zwei Straßen weiter residiert. Eine halbe Stunde später sah die Welt schon ganz anders aus, das Alpine lässt sich ähnlich bedienen wie meine alte Anlage, keine Eingewöhnung erforderlich. Noch viel schöner sogar, ich muss jetzt keine mp3 CDs mehr brennen, nur noch den vorhin erstandenen 16 GB USB Stick vollmachen. Heissa! Hossa!
Und damit auch jeder sofort weiß, was das FC auf dem Nummernschild zu bedeuten hat, gab es anschließend aus dem Fanshop das große Wappen des magischen FC als Scheibenaufkleber. Jetzt ist die Kiste fahrbereit.
Ich freu mich. Manchmal auch über Gebrauchsgegenstände.
Und die Scheibe hier kommt gleich mal auf den Stick: The Bottle Rockets - The Brooklyn Side
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Parkschildrückseitenwerbung hilft, manchmal
Mit Taiji und Qigong kann man in Eimsbüttel scheinbar kein Geld verdienen, das Interesse an der Adresse hielt sich auf jeden Fall in engen Grenzen. Dass sich niemand die Telefonnummer abreißen wollte könnte natürlich auch etwas mit den 130 Euro zu tun haben, die als Preis für einen 10tägigen Einführungskurs aufgerufen wurden, oder mit der sehr versteckten Platzierung, auf der Rückseite des Eingangsschildes zum Unna-Park.
Trotzdem kann Werbung auch an solchen eher ungewöhnlichen Orten den Umsatz ankurbeln, wenn das richtige Wort den richtigen Leser anspringt. Nein, nicht Taiji und auch kein Qigong, ich meditiere mit anderen Hilfsmitteln, aber - Hochklappdings? Was, zum Geier, ist ein Hochklappdings?
Vor 20 Jahren wär man wohl dumm gestorben, aber heute gibt es ja das Internet, das Internet weiß alles. Unter anderem auch, dass Hochklappdings ein Song von Phrasenmäher ist, erschienen auf der CD "Sehr verstörte Damen und Herren". Dass Phrasenmäher eine Hamburger Band ist, die außer Hochklappdings noch einen Haufen anderer lustiger Texte auf Lager hat und dass man, wenn man sich das Anhördings für 15 Euro bestellt, auch noch ein Ansehdings dazu erhält.
Wer auch immer das Aufklebedings da angepappt hat, er war mindestens einmal erfolgreich damit, ich habs bestellt. Vorgestern aus dem Briefkasten gefischt und festgestellt, dass die Songs zwar ganz lustig, aber die Musik nicht so meins ist. Was ich wiederum hätte wissen müssen, wenn mein Gedächtnis nicht so furchtbar mies wäre. Denn die hab ich doch tatsächlich 2010 auf dem Wutzrock Festival live gesehen, was ich eben anhand der Fotos verifizieren konnte. Die haben also damals schon keinen sehr tiefen Eindruck hinterlassen bei mir, was ich nicht unbedingt nur negativ bewerten würde, denn bleibenden Eindruck hinterlassen bei mir nur sehr gute oder sehr schlechte Bands, an die erinnere ich mich noch Jahrzehnte später.
Wer für Pop mit deutschen Texten etwas übrig hat, der wird die Jungs mögen.
Ich halte mich im Moment lieber an Los Lobos - Kiko
Sonntag, 14. August 2011
Zwischen Tango und Alarmanlagen
Seit den Open Jazz Tagen vor einigen Wochen hat Herr H. irgendwie einen Narren an Planten un Blomen gefressen. Diesem Umstand verdankten wir die grandiose Idee, seinen Geburtstag in diesem Park feiern zu wollen. Zumal zwischen 15 und 18 Uhr auch noch eine Tangodarbietung zu genießen wäre.
Picknick mit Tango, in jedem anderen Sommer wäre ich dafür zu begeistern gewesen, bei dieser Wetterlage ist das ein Gedanke, der wirklich nur dem Herrn H. kommen kann.
Um 15 Uhr goss es wie aus Kübeln, so dass ich ernsthaft darauf hoffte, er hätte sich eines Besseren besonnen. Am Telefon beunruhigte er mich hingegen mit der Nachricht, das Regenradar verspräche quasi sofortige Besserung, das Picknick würde auf jeden Fall stattfinden, er habe schon alles in seinem Bus verstaut.
Eine Stunde später schüttete es immer noch, weiß der Teufel, welches Regenradar er beobachtet hat, letzte Hoffnung auf Besserung versprach die halbe Stunde Fahrzeit. Immerhin war es in Richtung Fernsehturm schon etwas heller am Himmel. Tatsächlich schlossen sich die himmlischen Schleusen als ich den Park betrat, doch weder vom Herrn H., noch von den restlichen geladenen Gästen die kleinste Spur, der Treffpunkt verwaist. Also ab zum Musikpavillon, die letzten 20 Minuten Tango gucken. Kaum hatte ich die ersten Fotos im Kasten, zappelte Herr H. wild hinter mir rum, ich werde einfach schneller gefunden. Irgendwo rumstehen reicht meistens. Ich hätte auch niemanden finden können, denn ich war der erste Gast überhaupt.
Weitere trafen dann bis zum Ende der Tangodarbietung ein und genossen die letzten Klänge, bis es dann erst wurde. Tisch aufbauen, Bänke vom Wasser befreien, Kuchen anschneiden, unter die nächste Baumgruppe flüchten. Denn selbstverständlich fing es prompt an zu schütten, wir sind in Hamburg. Ein Blick in den Himmel versprach keine Besserung, ein Blick in die Baumwipfel die Erkenntnis, dass auch dicht gewachsene Nadelbäume auf Dauer kein zuverlässiger Regenschutz sind. Also Flucht in sein "Wohnmobil", welches selbst in vollständig geleertem Zustand kaum mehr als vielleicht fünf Personen Platz bietet. Damit war allerdings nicht zu rechnen, denn sowohl die Klappstühle, als auch Bier und Snacks, befanden sich immer noch darin.
Eine halbe Stunde und mehrere Gäste später hatte Petrus dann ein Einsehen mit dem Jubilar. Da aber niemand dem Braten trauen wollte (und sehr wahrscheinlich auch keiner Lust hatte, den ganzen Kram in den Park zu schleppen), verbrachten wir den Abend auf einem Parklatz. Mit griffbereiten Regenschirmen, ohne Tango. Für eine sehr abwechslungsreiche Geräuschkulisse sorgte dafür die daneben liegende Bahnlinie, zwischen Altona und Dammtorbahnhof. S-Bahn, Güterzüge, Intercity und als Highlight ein Autoreisezug, bei dem jemand dummerweise vergessen hatte, die Alarmanlage seines Wagens abzuschalten. Auf anhalten und wieder anfahren hat sie sehr zuverlässig reagiert.
Eins muss man dem Herrn H. lassen, an seine Geburtstagsfeiern erinnert man sich oft noch Jahre später. Wenigstens hat er sich diesmal nicht den Hals gebrochen.
Ich lass den Tag mit etwas Altherrenmusik ausklingen: J.J.Cale - Really/Okie/Naturally/Troubadour
Sonntag, 7. August 2011
Honky Tonk Frühschoppen
Die kleine Kneipe in unserer Straße, dort wo das Leben noch lebenswert ist, habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr betreten. Keinesfalls jemals vor 12 Uhr, noch keinesfallser eine Kneipe die ich nur von draußen kenne. Mit ziemlicher Sicherheit wäre ich auch die nächsten 10 Jahre an der „Asche“ in Ahrensburg vorbeigefahren, ohne dem Laden mehr als einen Seitenblick zu gönnen, aber vor meinem Urlaub stach mir irgendwo ein Plakat ins Auge, welches einen Besuch dieser Lokalität erforderlich machte. Hermann Lammers Meyer, 12 Uhr, Eintritt frei.
Hermann Lammers Meyer! Die Pedal Steel Legende Deutschlands, Gründer der fabelhaften Emsland Hillbillies, von denen ich in den 70er Jahren kaum ein Konzert in Hamburg verpasst haben dürfte. Nicht einmal an meinem Geburtstag hab ich die Emsländer sausen lassen, dafür steht die vollständig signierte erste LP immer noch in meinem Schrank. Neben den New Riders Of The Purple Sage war nur noch eine Band auf meiner alten Jacke verewigt, die E.L.Hillbillies aus Aschendorf. Ob Danny's Pan, Logo oder Fabrik, wir waren immer dabei wenn die Jungs hier spielten. Legenderbste Konzerte. Wenn Carl Carlton (der damals noch Kalle Buskohl hieß) das lange Solo bei Desperados Waiting For A Train anstimmte, das hatte schon was von den Allman Brothers.
So etwas in der Richtung war natürlich mit Hermann Solo in einer kleinen Kneipe nicht zu erwarten, aber egal. Zu Country kann ich normalerweise auch niemanden mitschleppen, auch egal. Gut, die Zeit ist extrem gewöhnungsbedürftig, normalerweise steh ich da grad mal auf. Aber Hermann hab ich mindestens 30 Jahre nicht mehr gesehen, das musste einfach sein, zumal ich seine letzte CD erst vor ein paar Wochen entdeckt habe.
Das Booklet hab ich zum signieren gleich mitgenommen, bei der Wahl meiner Kopfbedeckung entschied ich mich für etwas neutralere Farben, man weiß ja nie was einen in fremden Kneipen so erwartet. Mein Gefühl trog nicht, an den Wänden Uwe Seeler, Wimpel und Wappen aus Stellingen. Schwarz-Weiß-Blau-Furchtbar. Dazu das typische Stammkneipenpublikum, miniberockte Damen mit Fransenlederjacken aus dem Fundus von Old Shatterhand, der heiße blonde Feger mit waffenscheinpflichtigen Stilettos, der schon leicht torkelnde Stammgast, der sein Frühstück schon flüssig einnimmt, da hat sich in den letzten dreißig Jahren nichts geändert. Auch nichts an der Altersklasse, nur dass ich inzwischen dazugehöre.
Nach einer halben Stunde beschloss ich, dem Herrn H. einfach mal eine SMS mit „Frühschoppen in der Asche?“ zu schicken. Der entschied sich dann tatsächlich nach dem Duschen anzurufen. „Wieso bist Du in der Asche? Der Laden neben der Krankenkasse? Das ist ne HSV Kneipe. Hermann – wer? Gibts da was zu essen? Ich komm gleich.“ So muss das sein. Blöderweise bin ich wirklich davon ausgegangen, dass man in so einem Laden auch heute noch ne Wurst oder eine Frikadelle auf die Hand bekommt, aber in Raucherkneipen geht nichts außer Lakritzbonbons. Sorry.
Zwischenzeitlich konnte ich in der Pause mit Hermann ne Runde schnacken, ewig nicht gesehen und trotzdem wiedererkannt. Oder verdammt gut geschauspielert :D
Ich hab mich jedenfalls derbe gefreut, ganz besonders über ein paar alte Hillbillieklassiker. Auch die teilweise abstrusen Wünsche des Kneipenpublikums konnten ihn nicht verunsichern, aber wer auf Countryfestivals in Neuseeland aufgefordert wird doch mal was von Freddy Quinn zu spielen, der ist hart im Nehmen.
Herr H. (obwohl kein ausgesprochener Countryfan) fand das alles wider Erwarten höchst amüsant, was auch an den drei großen Bieren auf nüchternen Magen gelegen haben kann. Nach gut drei Stunden sollte Schluss sein, die leicht angeschickerte Übermacht der weiblichen Fans konnte das noch um eine Viertelstunde hinauszögern, aber dann war endgültig Feierabend.
Für Herrn H und mich stand anschließend Nahrungssuche auf dem Plan, an einem Sonntag um 15 Uhr ein schier aussichtsloses Unterfangen in Ahrensburg. Zeitlos geschlossen, Elenas Garten macht Mittagspause. Blieb nur noch das Milljöh, dessen monströses Bauernfrühstück mit Katenschinken mir immer noch im Magen liegt. Dabei war eigentlich Pflaumenpfannkuchen angesagt heute.
Sonntags 12 Uhr ist für Konzerte eine ähnlich blöde Zeit, wie Sonntags 13 Uhr für Fußball. Spaß machen kann es trotzdem.
Inspiriert durch die Cotton Fields am heutigen Mittag, läuft jetzt hier Creedence Clearwater Revival - Willy And The Poorboys
Abonnieren
Posts (Atom)


















































