Freitag, 15. April 2011
Warnfarben
Aromatisierte weinhaltige Mischgetränke sind so ziemlich der qualitative Bodensatz unter den Alkopops, diese Plörre rangiert noch weit unter den meisten Biermischgetränken. Knallbunter Fusel, bei dem Zucker und Wasser noch die natürlichsten Zutaten sind, meist abgefüllt in grell leuchtenden Sektflaschen.
In der Natur sind kräftige Farben ja oft ein deutliches Warnsignal, wie bei Fliegenpilz oder Feuersalamander. Eine Warnung, die nur sehr unvorsichtige oder unerfahrene Personen ignorieren, ähnlich wie bei bunten Getränken. Wohl ein Grund für die hohe Anzahl Jugendlicher unter den Käufern dieses RGB-Fusels, dabei sieht das Zeug schon auf zehn Meter Entfernung nach Kopfschmerzen aus.
Die Firma Veltins, von der ich normalerweise nicht einmal das Bier anrühre, geschweige denn irgendwelche Biermixgetränke, hat jetzt ebenfalls ein weinhaltiges aromatisiertes Getränk auf den Markt gebracht, Bayao, mit Caipirinhageschmack. 0.275 Liter mit 5.4% für 1.29 Euro. Nicht ganz so viel Leuchtfarbe wie die Konkurrenz, schließlich sollen die Kunden ja Caipirinha damit assoziieren.
Ich schätze mal, da läuft gerade eine gewaltige Werbekampagne an, jedenfalls steht das Gesöff kistenweise in den Gängen der Supermärkte, beim besten Willen nicht zu übersehen. Wahrscheinlich hätte ich es trotzdem ignoriert, aber weil die liebe lego neulich so begeistert davon sprach, habe ich nach einer telefonischen Rückfrage doch zugegriffen. Obwohl man bei ihren Tipps ja durchaus auch mal reinfallen kann.
Abschließendes Urteil:
Kann man trinken, schmeckt nicht so übel, wie sich die Zutatenliste liest, das Aroma ist verhältnismäßig gut getroffen. Vergisst man die Flasche im Tiefkühler, kann man sich sogar die Arbeit mit dem Eiscrusher sparen.
Fruchtwein, Wasser, Zucker, Kohlensäure, Aroma, sowie die stabilisierende und regulierende restliche Chemie in der Brühe sind aber eher was für Leute, die Warnfarben ignorieren. Dazu gehöre ich eigentlich nicht, es sei denn, es handelt sich um Erdbeeren.
Ich halte mich lieber an Grönwohlder Pils aus der Region und an
The Imagined Village - Empire & Love
Donnerstag, 14. April 2011
You'll never walk alone Stani
Ich bin gerade furchtbar sentimental unterwegs, das liegt zum einen an einer furchtbar sentimentalen Version von You'll never walk alone, gesungen von niemand geringerem als Frank Sinatra, eine Aufnahme mit dem Axel Stordahl Orchestra vom 1.Mai 1945.
Zum anderen an der 35 Minuten dauernden Pressekonferenz, in der FC St.Pauli Trainer Holger Stanislawski seinen Abschied vom Verein nach 18 Jahren bekannt gab. Kostenlos ansehen kann man sich das auf FC St.Pauli TV, wie ein erwachsener Mann mühsam um seine Fassung ringen muss und den Tränen mehr als nur einmal ganz nahe ist.
Stani lebt und atmet St.Pauli seit 18 Jahren, als Spieler von der 1. bis zur 3. Liga, als Trainer von der 3. in die 1.Liga zurück, alle Höhen und Tiefen, und nie aufgegeben. 18 Jahre hab ich diesen Kämpfer immer bewundert, er und Truller, das ist für mich ein in Stein gemeißeltes Stück St.Pauli. Aber nach 18 Jahren hat er jetzt keine Kraft mehr für diesen Verein, den er doch so liebt. Für die Familie.
Ich wünsche ihm viel Glück bei seinem neuen Arbeitgeber, wahrscheinlich wird es ja Hoffenheim. Und den Hoffenheimern kann ich nur sagen, ihr bekommt ein Stück Herz und ein Stück Seele dieses Vereins. Geht da anständig mit um, so etwas ist nämlich mit Geld nicht zu bezahlen.
Von der Familie erhoffe ich mir einen großartigen Abschied für Stani beim letzten Heimspiel, das hat sich der Mann verdient. Und dafür, dass er abhaut, will ich ihn auf dem Rasen weinen sehen.
Forza Stani - Forza Sankt Pauli
Danke an Switch für Sinatra.
Dienstag, 12. April 2011
Der Preis ist heiß
Die erste Tankstelle, die hier in der Gegend den angeblichen Motorkiller E10 anbietet, hat den Preis lieber gleich auf rekordverdächtige 7 Euro und 77 Cent pro Liter hochgeschraubt, wahrscheinlich um so etwaigen Regressforderungen geschickt aus dem Wege gehen zu können. Oder die Versicherungsprämien für Tankstellenpächter sind nach den vielen negativen Presseberichten exorbitant gestiegen und man weiß sich anders nicht zu helfen.
Bisher entpuppt sich der angeblich billigere Ökokraftstoff jedenfalls als Mär.
Märchenhaft orientalisch klingen hier in diesem Moment Transjoik & Sher Miandad Khan - Bewafà
Samstag, 9. April 2011
Stadtansichten: Bergstedt
Irgendjemand hat einmal behauptet, Hamburg wäre keine Stadt, sondern ein Konglomerat aus vielen kleinen Dörfern. Und damit lag der gar nicht mal so falsch. Das im Norden gelegene Bergstedt, gegründet 1150, ist im Kern immer noch unschwer als Dorf zu erkennen, mit der Pfarrkirche, dem Siemers'schen Hof und der Friedenseiche auf dem Bergstedter Markt.
Wo bekommt man denn heute noch Kolonialwaren, wenn nicht auf dem Dorf?
Die knapp 9000 Einwohner Bergstedts müssen zwar auf einen Bahnhof verzichten, nicht jeder Stadtteil Hamburgs hat eine Anbindung an U- oder S-Bahn, dafür können sie sich in ihrer Freizeit gleich zwischen zwei Naturschutzgebieten entscheiden, dem Rodenbeker Quellental, das im Osten am Alsterlauf endet, und dem NSG Hainesch, dazu noch das Naturdenkmal Timmermoor.
Surrounded by Nature, wo gibts das noch, wenn nicht auf dem Dorf?
Die urwüchsige Moränenlandschaft des Rodenbeker Quellentals ist schon seit Jahren eines meiner bevorzugten Gebiete für Fotoexkursionen, inzwischen verlaufe ich mich da auch nicht mehr, wie beim ersten mal. Liegt vielleicht auch daran, dass man im Winter und im Frühling leichter die Übersicht behalten kann, solange noch nicht alles zugewachsen ist. Seinen Reiz entfaltet diese Ecke in jeder Jahreszeit.
Vor allem, wenn man nach zwei Stunden Fußmarsch im Quellenhof ein kaltes Alsterwasser wegzischen kann.
Und dafür muss man hier nicht mal aufs Dorf, man kann in der Stadt bleiben.
Zur Entspannung gibts jetzt für die Ohren Hazmat Modine - Cicada
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| Siemers'scher Hof (Ökologiezentrum) |
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| Rodenbeker Teich |
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| Rodenbeker Quellental |
Freitag, 8. April 2011
Tausche zwei Bartels gegen einen Lehmann
Von fremden Männern nimmt man keine Geschenke an, davor haben unsere Eltern damals ausdrücklich gewarnt. Einmal im Jahr haben wir alle diese Warnungen in den Wind geschlagen, denn einmal im Jahr stand ein Auto vor der Schule, dessen Fahrer nach Schulschluss jeden mit einem kostbaren Bundesligasammelalbum beschenkte. Anschließend konnte man noch eine Runde für den Karneval üben (zu der Zeit wohnte ich in Wiesbaden, da war das durchaus praktisch), denn wenn jeder sein Album hatte, flogen noch haufenweise Tütchen in die Luft, gefüllt mit Sammelbildern, mit denen man das Album noch kostbarer machen konnte.
Besonders begehrt waren die Wappen der Vereine, meistens mit silbernem Glitzerrand und vor allem - selbstklebend! Für Spielerfotos und den ganzen Rest benötigte man damals noch Klebstoff. Dafür kostete so eine Tüte mit Sammelbildern wahrscheinlich auch nur 10 Pfennige, so genau hab ich das leider nicht mehr im Kopf. Was ich definitiv noch weiß, ich habe damals jede Menge meines spärlichen Taschengeldes geopfert und nie ein Album komplettiert.
In den letzten Jahren erst habe ich die Panini Alben wieder wahrgenommen, aber der Ärger darüber, dass ich als Kind auf diesen blöden Trick reingefallen bin, hat es verhindert mich auch nur im geringsten damit zu befassen. Niemals wieder würde ich mir ein Sammelalbum zulegen.
So habe ich dem St.Pauli Sammelalbum auch lange widerstehen können, bis meine äußerst liebenswürdige Zeitungsverkäuferin mir letzte Woche einfach mal eins auf die Zeitung legte, mit einem freundlichen Lächeln und den Worten "Sie sind doch Sankt Pauli Fan, haben Sie das schon? Das kostet auch nix."
"Ich weiß sehr wohl, warum das nichts kostet," entgegnete ich ihr, "deshalb wollte ich auch nie eins haben."
Damit kann man bei der lieben Frau Shabani aber nichts werden, diese äußerst geschäftstüchtige Familie besitzt nicht umsonst inzwischen fast jeden Zeitschriftenladen in dieser Gegend. Die sind sowas von integriert, da kommen die meisten Deutschen nicht mit.
Ein Geheimnis des Erfolges ist sicher, dass die ganze Familie einfach unglaublich freundlich, nett und liebenswert ist, was sogar auf die deutschen Angestellten zutrifft, die dort alle schon seit ewigen Zeiten arbeiten. Und weil die nette Frau Shabani mir nicht nur vom Shishatabak über Fotopappe bis zum letzten T.C.Boyle Roman alles immer problemlos und schnell organisiert, konnte ich ihr Angebot einfach nicht ausschlagen. Kostet ja auch nix.
Abgesehen von den 10 läppischen Anfängertüten für 6 Euro die ich gleich mitgenommen habe, aber immerhin geht ein Teil des Geldes an Fanräume. Mittlerweile sind es 30 Tüten geworden, morgen brauch ich Nachschub, das sieht alles noch sehr mager aus. Wie üblich bin ich mit solchen blödsinnigen Aktionen viel zu spät, ernsthafte Sammler haben vor zwei Monaten angefangen und sicherlich alles komplett.
Zwei Tauschbörsen sind auch schon gelaufen, vielleicht gibt es ja irgendwann noch eine für Nachzügler. Bis dahin brauche ich zwar viel mehr Bilder zum tauschen, aber diese Anzahl wird sich mit jedem Kauf drastisch erhöhen, dessen bin ich mir sicher. Ob jemals etwas tauschwürdiges dabei ist, das ist eine andere Frage.
Letzte Internetrecherchen meinerseits haben übrigens ergeben, dass der fremde Mann vor der Schule damals nicht von Panini gewesen sein kann, die gab es in Deutschland erst Jahre später. Was an der Tatsache nichts ändert, dass ich mich auf den gleichen Blödsinn eingelassen habe wie vor 40 Jahren. Nur, dass ich heute über deutlich mehr Taschengeld verfüge. Dieser Vorteil wird allerdings durch den eklatanten Mangel an Tauschpartnern locker wieder zunichte gemacht. Auf dem Schulhof war das einfacher, schließlich hatte dort jeder so ein Ding.
Aber dieses mal bringe ich das zu Ende. Und wenn ich mir einen ganzen Karton mit Bildern kaufen muss.
Schreibmusik: Robbie Robertson - How To Become Clairvoyant
Montag, 4. April 2011
Mal wieder die Beherrschung verloren
Seit ich letztens beim Exilwestfalen gesehen habe, dass man auch mit einem 30 Euro Kontaktgrill von Aldi richtig gut Tosta Mista machen kann, musste so ein Gerät natürlich ins Haus. Also Samstag vor der Arbeit schnell in den nächsten Elektromarkt, denn wenn ich so etwas haben will, dann gibt es das garantiert die nächsten Wochen nicht bei Aldi. Im Media Markt schon, wenn auch für den doppelten Preis, der nach eingehender Internetrecherche (hinterher!) gut 20 Euro zu hoch lag. Ich wusste schon immer, warum ich da nicht gerne kaufe.
So viel wollte ich eigentlich nicht ausgeben für ein Gerät, bei dem abzusehen war, dass es nach wenigen Wochen zu den anderen wenig gebrauchten Geräten wandert, wie Crêpière, Waffeleisen, diversen Fonduegeräten und ähnlichem. Von dem überflüssigen Sandwichgrill kann ich mich jetzt ja trennen, der taugte sowieso nichts.
Doch wenn ich mich einmal entschlossen habe, dann kann ich mich nicht bremsen. Beim Einkauf am Abend konnte ich das auch nicht, denn da mir Tosta Mista außerhalb Portugals mit ziemlicher Sicherheit nach wenigen Tagen zum Hals raus hängt, wenn ich den laufend selber machen kann, musste alles mögliche an abwechslungsreichen Zutaten ran, nicht nur Schinken und Käse. Hähnchenbrustfilet, luftgetrocknete Salami, Serrano, Bacon, diverse Käsesorten von Schaf und Kuh, Tomaten, Salat, gegrillte Paprika, Jalapeños, Birnen (mit Roquefort!)...
Jedenfalls könnte ich jetzt eine Woche am Stück irgendwelche kreativen Sandwiches basteln. Da ich meinen Verstand beim Einkauf glücklicherweise nicht restlos abgeschaltet habe, auch wenn sich das gerade anders liest, ist das meiste davon länger haltbar. Den Rest werde ich wohl während der Woche in der Firma zu mir nehmen, ganz ohne Grill.
Der wandert erst einmal zu den anderen wenig gebrauchten Geräten. Nach diesem Wochenende wird es Zeit für eine Ernährungsumstellung. Obwohl, der Toast mit mittelaltem Gouda, Hähnchenbrustfilet, Hot Mango Chutney und den karamelisierten Zwiebeln.. aber das kann man immer noch mal machen. Irgendwann.
Nicht irgendwann, sondern jetzt, läuft immer noch Todd Wolfe - Delaware Crossing
Freitag, 1. April 2011
Leiden können wir einfach besser
was wir immer dann beweisen, wenn uns die Jauche bis zum Hals steht. Dann sind wir lauter. Wenn uns ein Tor nicht gegeben wird, im Gegenzug das 0:2 fällt, zwei unserer Jungs innerhalb von zehn Minuten vom Platz gestellt werden, dann sind wir lauter. Dann singen, gefühlt, doppelt so viele, in der doppelten Lautstärke. Dann klingt das Forza Sankt Pauli wütender, We love St. Pauli trotziger, und wenn man bei You'll never walk alone nicht wenigstens feuchte Augen bekommt, dann ist das ohnehin nur das halbe Vergnügen. Leiden konnten wir schon immer gut.
Dieses mal sind wir aber auch arg geschlachtet worden, weniger von den Schalkern, mehr vom Gespann der angeblich Unabhängigen, die durch unglaubliche Entscheidungen schon richtig Dampf auf den Kessel brachten, um dann in nur 13 Minuten die Flamme bis zum Anschlag aufzudrehen. Blöderweise kam auf der Haupttribüne jemand auf die unsagbar dämliche Idee, den Brand mit einem geworfenen Bierbecher zu löschen. Der traf dann auch folgerichtig den Linienrichter, der sich über die Erfrischung nicht so recht freuen wollte und so den Herrn Aytekin spontan zum grandiosen Highlight des Spieles animierte.
Dem Abbruch. Zwei Minuten vor Schluss. Was für Vollpfosten. Alle, der Werfer, wie auch das grottige Gespann von Pfeifenmännern. Nicht bundesligatauglich.
Nicht bundesligatauglich ist wahrscheinlich auch der magische FC, sehen wir den Tatsachen ins Auge. Das Abenteuer 1.Liga hätte gut ausgehen können, wären alle an Bord geblieben und hätte jeder in jedem Spiel alles abgerufen. Aber die Masse an Ausfällen können wir einfach nicht verkraften. Jetzt fehlen durch die roten Karten auch noch Bartels und Kalla, wenn die Berufung von Truller in den Kader kein Aprilscherz war, dann stehen seine Chancen nicht schlecht in den nächsten Spielen.
Schalke hätte wahrscheinlich auch ohne diesen Schiedsrichter gewonnen. Wir haben keinen Raúl, der Chancen eiskalt verwertet, keinen Farfan, der in vollem Lauf die Bälle mitnimmt, diese Ballsicherheit, die macht dann irgendwann den Unterschied.
Aber die Jungs haben alles gegeben, und wenn sie weiter alles geben, dann werden die letzten beiden Heimspiele nochmal richtig laut werden. Wenn wir leiden, dann sind wir richtig gut.
Der Exilwestfale hätte sich heute jedenfalls zeitweilig wohlgefühlt am Millerntor, trotz des Schalker Sieges, denn die "Deutscher Meister wird nur der BVB" Chöre sind im Westf... Dingens-Park nicht lauter. Der einzige Stachel, den wir am Ende noch ins Fleisch der Schalker Fans setzen konnten.
Die übrigens durch Pyro unangenehm aufgefallen sind, während Herr T. beim Einlass auf der Gegengerade gleich mit mehreren Ordnern Diskussionen führen musste, ob seine Familienpackung Wunderkerzen denn noch legal ist. In der Zwischenzeit hätte ich einen Raketenwerfer einschleusen können, ohne weiter aufzufallen. Wahrscheinlich ist das der ganze Trick.
Trickreich ist auch die Hamburger Polizei, die ihre Einsatztrupps mittels U-Bahn befördert, während eines Heimspiels am Millerntor mit gleichzeitig stattfindendem Dom ganz sicher die schnellste Lösung. Vielleicht hat da jemand einen Kurs in Logistik belegt.
Schreibmusik: The Neville Brothers - Yellow Moon
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