Montag, 11. August 2014

Alte Mauern, volle Gassen
















Die vier mittelalterlichen Stadttore von Neunkirchen waren eine schöne Überraschung, aber es gibt eine Stadt in Franken, in der sogar noch die zu den Toren gehörende Mauer steht. Nicht in Teilen, sondern ziemlich komplett und vollständig begehbar. Rothenburg ob der Tauber, eine der meistfotografierten deutschen Städte, Mittelalter pur. Das zweite feste Ziel auf meiner Frankenreise sollte jede Menge der Motive bieten nach denen ich hier gesucht habe. Altes Fachwerkgedöns, dicke Mauern, spitze Türme, enge Treppen, schiefe Häuser.

Ist auch alles da und wird bestaunt von tausenden Touristen. Unfassbare Mengen an Menschen fließen wie ein zäher Strom durch die Gassen der Stadt, addiert man aufgeschnappte Gesprächsfetzen, Kaugummi kauende Münder und kreischend bunte Klamotten laufen hier schätzungsweise 90% Amerikaner herum. Bei denen soll ja alles ungeheuer beliebt sein was älter ist als ihr komischer Staat und da ist Rothenburg natürlich Pflichtprogramm.

Bis zum Marktplatz kämpfe ich mich durch, dann habe ich die Schnauze voll und flüchte durch eine der wenigen leeren Gassen, in denen es kein Brauhäusl, Café oder Restaurant gibt. Zwei Ecken weiter treffe ich eine Horde seltsam antik gekleideter Menschen. Die Hosen und Hüte waren mal modern als die Autos gebaut wurden mit denen sie davonfahren. Triumph, Morgan, Jaguar, Porsche und Benz, nicht ganz so alt wie die Stadt aber ebenso gut erhalten. Die nächste Ecke, die nächste Gesellschaft, eine Hochzeit. Mit Autokorso, denn im mittelalterlichen Stadtzentrum von Rothenburg darf anscheinend jeder Hans und Franz mit seinem Auto rumgurken. Hätte ich das geahnt, hätte ich meine Karre trotzdem vor dem Stadttor abgestellt, in solchen Städten stört das Blech nur. Irgendwo müssen hier ja auch ganz normale Menschen leben, wie halten die das aus?

Keine zehn Minuten später stehe ich vor bzw. hinter den Mauern der alten Stadt. Hier ist es vergleichsweise leer, noch weniger Menschen trifft man nur auf den alten Wehrgängen, von denen man einen ziemlich fantastischen Blick auf die Dächer und Kirchtürme hat - und auf die Mauer selber, die sich scheinbar endlos um immer noch eine weitere Ecke schlängelt. Von hier aus entdeckt man sogar fast menschenleere Straßen und Gassen, der große Touristenstrom muss in anderen Ecken versiegen....



Auch sehr alt, aber gut erhalten: Lester Young & Billie Holiday - Lady Day & Pres 1937 - 1941 / Lester Young & Teddy Wilson Quartet - Pres and Teddy

















Freitag, 8. August 2014

Vierradwandern im Frankenländla
















Am Tag nach der Bamberg-Tour bin ich wieder auf mich alleine gestellt. Der graue Himmel lockert erst nach Stunden auf, was mir immerhin ein sehr ausgedehntes Frühstück verschafft. Mein Schwesterherz sorgt sehr rührend dafür, dass immer eine Auswahl exquisiter Konfitüren auf dem Tisch steht und der Kaffee aus diesem Kapselding ist auch nicht übel.

Was macht man mit so einem angebrochenen Tag? Viel laufen auf keinen Fall, viel gelaufen bin ich in den letzten Tagen genug. Ein paar Stunden durch Städte latschen geht immer, sogar wandern geht, wenn es ein klar definiertes und reizvolles Ziel gibt. Einen Wasserfall oder Gletscher zum Beispiel. In Franken kenne ich mich nicht aus, aber Wasserfälle und Gletscher fallen als Attraktion ganz sicher flach. Mach ich es halt wie in Norwegen, ins Auto setzen und einfach durch die Gegend gondeln.

Spontanes Vierradwandern ist was für Faulpelze, man entdeckt dabei möglicherweise nicht die ganz spektakulären Ecken, aus den langweiligen kommt man dafür schneller wieder weg. Die Wahrscheinlichkeit ein paar nette Orte zu entdecken ist dabei relativ hoch. Am besten die Hauptstraßen meiden und wenn man doch auf einer landet immer die Richtung nehmen, die von der nächsten größeren Stadt weiter wegführt.

In Franken geht es mir wie in Norwegen, ich finde kaum langweilige Ecken, dafür muss ich alle Nase lang wieder meine Karre in irgend einen Feldweg steuern um die Fränkische Kornkammer zu fotografieren. Unglaublich was hier alles wächst, Roggen, Weizen und alles andere an Körnerzeugs, Hopfen (natürlich) und jede Menge anderer Kram, den ich natürlich nicht identifizieren kann, weil ich das damals in der Schule für unnützes Wissen hielt. Dazwischen ohne Ende Kirschplantagen, die ich an den zahllosen Leitern gut erkennen kann - und an den Verkaufsständen die garantiert in der Nähe stehen, an denen aber nie jemand hält und Kirschen kauft. Den Stundenlohn der Pflücker rechne ich mir lieber nicht aus.

Bei Richtungsänderungen lasse ich mich spontan von den Namen der jeweilig erreichbaren Orte inspirieren. Anders als in Norwegen enden selbst Straßen in das entlegenste Kaff selten als Sackgasse, man kann immer in irgend eine Richtung weiterfahren. Etwas mit Mühle, Bach, Burg, Wald oder Berg im Namen ist meistens nicht verkehrt. Oder Stein. Hiltpoltstein vielleicht. Hätte mich vorher jemand gefragt wo Hiltpoltstein liegt, ich hätte es irgendwo im Nirgendwo verortet, und richtig, hier ist es auch. Mitten im Nirgendwo, aber immerhin mit Burg und altem Stadttor.

Das ist der große Vorteil beim Vierradwandern, zu Fuß wäre ich gar nicht erst nach Hiltpoltstein gekommen. Oder nach St.Helena, obwohl ich nächstes mal eine anderen Weg wählen würde. Wenn man auf unbefestigten Waldwegen auf richtige Wanderer trifft kommt man sich nämlich schon ein bisschen albern vor. Aber Hamburger Kennzeichen und kein Navi an der Scheibe, die haben sicher gedacht ich hätte mich verfahren. Vierradwandern ist noch nicht so bekannt.


Bekannter: Bruce Cockburn - The Trouble With Normal / Stealing Fire / Big Circumstance















Mittwoch, 6. August 2014

Drachenzeit
















Die Zeit ist reif, die letzte Folge der vierten Staffel Game of Thrones ist raus. Bei nächster Gelegenheit werde ich einen fast zehnstündigen Fernsehmarathon einlegen und das in einem Schwung durchsehen, es ist wieder Zeit für Drachen.

Ich liebe Drachen. Furchterregende fliegende feuerspuckende fantastische Fabelwesen. Manche sogar hochintelligent, fies wie Smaug oder edel wie Draco. Schon als Kind fand ich fantastische Abenteuer ganz besonders spannend wenn Drachen darin vorkamen, was wäre Jim Knopf ohne Frau Mahlzahn und wie toll war das, als das einzahnige alte Monster sich am Ende in den goldenen Drachen der Weisheit verwandelte. Siggis Kampf gegen den Drachen war das einzig interessante an der Nibelungensage, ohne den hätte ich die olle Schwarte nie angefasst. Auch Ivanhoe oder Prinz Eisenherz hätten durch Drachen ganz entscheidend gewonnen, nur wäre das Fernsehen damals an einer adäquaten Umsetzung gescheitert, das konnte ja nicht einmal Hollywood, das erst 1981 in Der Drachentöter den ersten Drachen schuf den man sich ansehen konnte.

Aber was Drachen angeht hat ja jeder andere Vorstellungen. Während Ritter Schorsch (heilig) es in Hamburg St.Georg mit einem durchaus stattlichen Exemplar aufnehmen muss, sieht der seines Namensvettern in der Wehrkirche Effeltrich mehr aus wie Dackel mit Rüstung.

War wohl auch realistischer, aber wer will schon Realismus in fantastischen Geschichten.

Fantastische Lieblingsband: Donna The Buffalo - Rockin' In The Weary Land
 


Sonntag, 3. August 2014

Kalte Duschen mit Ansage


















Vorspiel
Eine ganze Woche lang nervt es mich, dass ich Samstag so früh aufstehen muss. Erst zwei Tage vor dem Spiel fällt mir ein, die 1.Liga läuft ja noch gar nicht - und tatsächlich, wir spielen erst um 15:30. Super, das heißt Ausschlafen UND Frühstücken UND eine ganz sutsche Spielvorbereitung. Theoretisch, wenn man sich nicht noch einmal umdreht im Bett und der nächste Blick auf die Uhr was von 13:00 sagt. Heilige Scheiße, ich bin aber auch zu blöd, dann eben ohne Frühstück. Für Kippe, Kaffee und Sportzigaretten vorbauen reicht es noch, dann bin ich unterwegs. Mit T-Shirt und kurzer Hose! Keine Ahnung wann ich das letzte mal mit T-Shirt und kurzer Hose zum Fußball bin, in den letzten Jahren hatte das eher was von Wintersport.

In Barmbek habe ich Zeit für ein belegtes Baguette vom Bäcker, den ich noch rechtzeitig sehe, bevor ich mir bei Dittsch eine üble Fettpizza bestellen kann. Feldstrasse raus aus der U-Bahn und über den Dom, rein ins Stadion, Bier holen, ab in Block C. Genau 14:30, geschafft. Für einen anständigen Stehplatz muss man eine Stunde vor Anpfiff im Stadion sein, das weiß ich noch von früher.


Aber trotzdem zu spät, eine Stunde vorher reicht nicht mehr, früher ist vorbei. Jeder Wellenbrecher ist belegt, nix zum anlehnen mehr frei außer der Mauer zu den Stehplätzen, also wieder ganz oben. Die Wartezeit ist erträglich, der Supportblock fordert zum Einsingen auf, es wird reichlich Konfetti verteilt, überall Vorfreude auf die neue Saison. Man erträgt die furchtbare Schanzerhymne und feiert wie üblich bei der Ingolstädter Mannschaftsaufstellung elf mal Felgenralle Gunesch, der es sich vor der Gegengerade bequem gemacht hat. Sieht aus als wär er nicht mal im Kader bei Audi, dann könnte er ja zur Abwechslung mal wieder hier...

Bei uns ist Bentley Baxter Bahn in der Startformation, Vrabec setzt auf den Nachwuchs, im ersten Heimspiel gleich die volle Dröhnung. Buballa und Görlitz dabei, Sobiech und Gonther IV, vorne Verhoek und Nöthe, alles wie erwartet nach dem Test gegen Celtic.

So nervig stundenlanges stehen auch ist, singen macht hier unten weit mehr Spaß als auf den Sitzplätzen, alles viel lauter hier. Fußball muss laut. Das Herz von St.Pauli geht richtig ab, da hätte Muddern ihren Spaß bei. Hells Bells, Konfetti und eine schicke Wendechoreo in der Südkurve, alles fein für den Saisonstart, oder?

Spiel (1)
Die erste Viertelstunde sieht tatsächlich so aus, als hätten die Jungs sich was vorgenommen. Nicht dass wir dadurch zu großartigen Chancen kommen, so weit geht das nicht, aber sie sind engagiert. Man könnte auch sagen sie sind bemüht, holen mal einen Eckball raus, setzten hinterher, erkämpfen sich die Bälle. Nach vorne ist es erwartet schwer gegen Audi, die sollen schon ziemlich lange keine Treffer kassiert haben, man sieht warum. Man kann auch sehen wie die üblicherweise ihre Spiele gewinnen: durch schnelles umschalten, früher mal Konterfußball genannt. Eigentlich habe ich unsere Defensive ziemlich stark eingeschätzt, aber momentan betteln die wieder um einen Treffer, Ingolstadt wird immer dominanter hier.

Schnelles Umschaltspiel müsste man beherrschen, das wäre jetzt ein Mittel, aber wenn bei uns mal was nach vorne geht dann nur bis zum nächsten Fehlpass. Der übliche Krampf, gute Ansätze dabei, aber man muss dieses runde Ding halt auch mal präzise weiterleiten und daran hapert es einfach zu oft. Görlitz ist noch lange kein Ersatz für Bartels und Bahn wirkt etwas überfordert in seinem ersten Zweitligaspiel, die Bälle werden wieder nicht angelaufen, das passt alles nicht richtig.

Bei Ingolstadt passt es besser, sie zwingen Tschauner zu Glanzparaden und mich zu Schweißausbrüchen wenn ich sehe wie der bei Ecken wieder auf der Linie klebt. Und just in dem Moment, in dem das Stadion sich zu einer lautstarken Gesangseinlage eingroovt, schlägt ein Ingolstädter Kopfball aus völlig unmöglich dämlichem Winkel bei uns ein, 0:1. Kalte Dusche mit Ansage. Und kaum hat man das halbwegs verdaut ist die nächste Gelegenheit da, aus 20 Metern satt an den Pfosten, da wäre Tschauner nie rangekommen. Glück brauchen wir also auch noch.

Zwischenspiel
Ich brauche ein Bier bevor meine Stimme völlig versagt, hier oben herrscht eine grauenhafte Hitze. Leider muss ich das auch noch selber holen, weil die Sitzplätze hinter mir nicht besetzt sind, anscheinend sind die Jungs noch im Urlaub. Mit einem vollen Becher bewaffnet kämpfe ich mich zur Tresenkurve zu Koschi und Herrn B. durch, in der Ecke ist etwas mehr Platz und vor allem frischer Wind, da kann man eine eingeschränkte Sicht mal hinnehmen, vielleicht sieht man das Elend dann nicht so. Eine kalte Dusche mit Ansage gibt es noch dazu von der Hamburger Feuerwehr, die Stehränge werden mit einem Wassernebel besprüht, der auf meiner Kamera allerdings mehr nach dicken Gewitterregentropfen aussieht und den Mittelfinger meines erbosten Nachbarn über Gebühr beansprucht. Manche Leute stellen sich wirklich an wegen ein paar Tropfen Wasser im Bier.

Spiel (2)
Maier für Bahn im Spiel, da hoffe ich mal auf ein paar Chancen durch Standards. Wird aber nicht besser, die Ecken sind harmlos, die Freistöße harmloser, auch die von Maier. Kein Passspiel, keine Laufwege, kein Kampf, kein Garnix. "Wie in der letzten Saison, nur schlechter." sagt Koschi und ich bin ziemlich sicher, dass wir bald den zweiten kassieren so wie der Hühnerhaufen da rumrennt. Einzig Tschauner erreicht Normalform, also gut auf der Linie und weniger gut bei Ecken. Dass es auch anders geht zeigt der Ingolstädter Schlussmann, aber das kann natürlich auch an unseren Ecken liegen. Was machen die bloß die ganze Zeit im Training?

Zwanzig Minuten vor Ende geht Görlitz raus, Lenny Thy kommt. Auch nicht so der Hoffnungsträger, aber kann nur besser werden, Görlitz hat sich 70 Minuten lang festgerannt, das war gar nichts heute. Was sich in der Abwehr abspielt ist manchmal kaum zu fassen, ein Glück das wir nicht aufgestiegen sind, sonst hieße der Gegner heute nicht Ingolstadt, die nutzen ihre Chancen nicht aus.

Und dann kommt wieder so ein Augenblick, in dem man froh ist das man sich hier unten hingestellt hat. Hier unten kann man den Spielern noch ins Gesicht sehen und Sören Gonther macht genau dieses "jetztlecktmichdochallemal" Gesicht das Boller immer gemacht hat, wenn er zu dem Schluss kam, das man manche Dinge einfach selber erledigen muss. Und Sören rennt, macht nen Doppelpass und rennt weiter, macht am 16er noch nen Doppelpass mit Lenny und rennt weiter und schlenzt das Ding direkt in den Winkel, 1:1 Woohoo, was für ein hammergeiles Tor. Auch mit Ansage.

Eine kalte Dusche für Ingolstadt allerdings nicht, die hätten weiterhin gerne alle drei Punkte. Chancen dafür sind da, aber letztlich überstehen wir die letzten zehn Minuten ohne größeren Schaden. Wenigstens nicht verloren. Scheint heute jeder gedacht zu haben, die zweite Liga spielt geschlossen unentschieden.

Nachspiel
Platz 8 bis 12 ist drin sagt mein Umfeld, aber ob wir auch diese Saison auswärts so gut punkten ist die eigentliche Frage. Jedenfalls solange es am Millerntor nicht besser wird. Ein Bier vor den Fanräumen schaffe ich noch, dann mach ich mich vom Acker. An Stehplatz muss ich mich erst wieder gewöhnen. Hoffentlich gewöhnen sich unsere Spieler auch schnell wieder an Fußball, das könnte mir die Sache erleichtern.


Duschmusik: Asian Dub Foundation - Facts and Fictions / Conscious Party

















Freitag, 1. August 2014

So ähnlich ist fast immer schlechter

















Der alljährliche Pflaumenpfannkuchenerinnerungseintrag kommt verdammt früh, weil ich dieses Jahr mal wirklich aufgepasst und sehr zeitig nachgefragt habe, seit die ersten der blauen Früchte in den Regalen aufgetaucht sind. Leider macht der vertrauenswürdige Fachhändler gerade Urlaub und der Erdbeerhof um die Ecke hat zwar etwas in der Richtung im Angebot, aber keine Bühler. "Die sind geschmacklich sehr ähnlich, probieren Sie mal" sagt die Dame, aber ich kenne das schon. Geschmacklich ähnlich sind die sich alle, schließlich sind das alles Zwetschgen, aber für meine Zwecke reicht das halt nicht. 

Muddern soll sich dann mal für mich auf dem Markt umhören und lässt sich bei der Gelegenheit vom Obsthöker prompt drei Pfund Pflaumen aufschwatzen. Zwar keine Bühler, aber natürlich sehr ähnlich. Kann man gut zum Backen verwenden aber auch so essen. Bühler gibt es eventuell ab nächster Woche, aber sicher ist das nicht.

Als ich den Korb am Abend abhole fällt mir ein, dass ich wahrscheinlich weder Mehl noch Eier zu Hause habe, ich muss noch bei Rewe vorbei. Da man als erstes durch die Obst- und Gemüseabteilung läuft kann man gleich mal gucken was die so haben. Zwetty. Zwetschgen aus Deutschland. Sorte: Aaaaaah! Bühler! Im Supermarkt, ich fasse es nicht, gleich einpacken das Zeug. Nochmal drei Pfund.

Was eine weise Entscheidung ist, denn selbstverständlich taugen die vom Markt nichts. Geschmacklich ähnlich, aber furztrocken, was ich schon beim aufschneiden bemerke. Wäre ich mit ein wenig mehr Weisheit gesegnet hätte ich den Versuch da schon abgebrochen, so ist der erste Pflaumenpfannkuchen des Jahres leider nur halbmittelprächtig weil die Dinger in der Pfanne überhaupt nicht aussaften. So ähnlich ist fast immer schlechter, ganz besonders bei Viktualien.

Aber heute Abend geht´s los. Ich warte nur noch auf den Fressflash, damit sich das auch lohnt :D

Musikalischer Hungermacher: Ejigayehu "Gigi" Shibabaw - One Ethiopia / Gigi

Mittwoch, 30. Juli 2014

Auf der Jagd nach Tante Emma















Wenn es irgendwo in Deutschland besonders muggelig ist (und wenigstens ansatzweise hügelig) vergleicht man das immer gleich mit der Schweiz. Es gibt eine Holsteinische Schweiz (sehr muggelig), eine Sächsische, eine Märkische und eine Mecklenburgische Schweiz, möglicherweise sogar noch mehr von denen ich nie gehört habe. Eine weitere habe ich gerade kennengelernt, auf dem Rückweg von Bamberg lassen wir die Autobahn links liegen und fahren durch die Fränkische Schweiz, weil´s halt sehr viel schicker ist als Betonpiste.

Sehr schick, wirklich. Schöne enge Täler, in denen die Felsen durch den dichten Wald schimmern, kleine Dörfer mit muggeligen Namen wie Muggendorf, jede Menge Gastwirtschaften die auf Wanderer spezialisiert sein müssen, weil es leider wenig Parkplätze gibt, kleine Seen die zum Baden einladen, kleine Flüsse für Angler und Kanuten und eine Eisenbahnlinie an der sehr viele Leute stehen. 

Eine Eisenbahnlinie an der sehr viele Leute stehen? Mit Fotoapparaten? Wieso zum Geier.. und da sehen wir es auch schon rauchen. Eine Emma! Lummerländer Modellbahn! Ökologisch äußerst bedenkliche gewaltige tiefschwarze Rußwolken aus einer (für dieses Spektakel eigentlich viel zu kleinen) Dampflok, die gerade mit äußerster Kraft versucht eine ganze Kette an Waggons in Bewegung zu setzen. Erfolgreich, denn das rollt schon ganz gut alles, für ein Foto sind wir zu spät, Parkplätze eh nicht vorhanden, also Gas geben und Vorsprung rausfahren. Dreißig Jahre alter Benz gegen alte Dampflok, sollte zu machen sein.

Nächsten Parkplatz ansteuern, rausspringen, Kamera hochreißen und 1, 2, 3 vorbei. Doof 1: Das Licht kommt in Tälern immer von der falschen Seite. Doof 2: Ich hätte schon im Auto eine Belichtungsautomatik vorwählen sollen. Doof 3: Wenn so ein Zug erst mal ins Rollen gekommen ist, ist er auch schnell vorbei. Das war alles nix, aber mein Schwager startet einen zweiten Überholversuch. Der führt uns merkwürdigerweise über Hügel und Dörfer und sieht mehr nach Umweg aus, weil Eisenbahnstrecken irgendwie doch mehr geradeaus führen, aber was weiß ich schon wo wir hier sind.

Irgendwann sind wir wieder im Tal, die Bahnlinie ist auf der anderen Seite des Flusses hinter Bäumen verborgen und Emma nicht zu sehen, wahrscheinlich längst vorbei. Wir fahren ein paar Kilometer weiter bis zur Endstation und siehe da, Jim Knopf ist tatsächlich langsamer gewesen. Fünf Minuten Vorsprung rausgefahren, das reicht um sich direkt an der Bahnlinie zu postieren. Diesmal kann ich die doofen Fehler vermeiden, dafür mache ich andere: Wenn man bei vorbeifahrenden Motiven auf Serienbilder schaltet ist die Wahrscheinlichkeit eine ganze Lok auf den Chip zu bekommen größer.

Am Bahnhof wird noch etwas rangiert, dann ist Pause. Wir verziehen uns in die nächstgelegene Wirtschaft, rennen auf halbem Weg zurück weil der Zug jetzt doch wieder unterwegs ist, aber auch da will mir irgendwie kein überzeugendes Emmafoto glücken. So langsam macht das keinen Spaß mehr mit der Lokomotivenknipserei, falls ich mich noch einmal darin versuchen sollte kenne ich vorher den Fahrplan und die Route.  

Durchaus wahrscheinlich, dass ich dann die gleiche Strecke wähle, denn die Täler in der Fränkischen Schweiz sind wirklich zauberhaft. Man sollte da nur besser ein paar Stunden wandern statt alten Dampfloks hinterherzufahren. Man kann da auch ganz gut Wasseroberflächenfotos machen.

Dampflokmusik: Delta Moon - Hell Bound Train / Live