Sonntag, 12. Juni 2011

Au Backe
















Alter Falter, was für ein Abend. Es geht einfach nichts über ein gepflegtes Fest beim Dorfscheff, da freu ich mich jedes Jahr drauf wie Bolle. Der alte Häuptling hatte auch wieder schwer aufgefahren, die Paellapfanne mit Patatas Picantes und exquisiten hausgemachten Saucen sowie leckere Apfelringe ließen mich beinahe zum Vegetarier mutieren.
Blöderweise konnte ich von den Fässern Vormann Alt nur das erste richtig genießen, da mich urplötzlich brutale Zahnschmerzen aus dem Geschehen rissen. Während der Rest der Bande fröhlich mit Hopfenkaltschale weiterfeierte, durfte ich alles andere an Drogen austesten was greifbar war. Zwei mal Ibuprofen 600 - ohne Wirkung. Danach Paracetamol - ohne Wirkung. Da man auf dem Dorf selbstverständlich für alles eine Lösung hat, durfte ich mit der Hausherrin noch zur örtlichen Krankenschwester fahren, um mal etwas schwerere Medikamente zu besorgen. Leider ohne Wirkung, ebenso wie die von meinem exzessiven Gastgeber empfohlene Dosis seines hauseigenen Schmerzmittels.
Immerhin konnte ich meinen geistigen Zustand dadurch etwas an die Biertrinkerfraktion anpassen, nur auf den Beinen war ich noch etwas sicherer.
Da die Nachtruhe halbwegs erträglich war und sich der Schmerz inzwischen verflüchtigt hat, hoffe ich wenigstens das Immecke schmerzfrei zu überstehen. Wenn alle Stränge reißen hat aber noch jemand einen Nachbarn mit Zahnarztpraxis.
So ist das auf dem Dorf, man hat für alles eine Lösung.




Samstag, 11. Juni 2011

Heißkaltes Frühstücksvergnügen
















Man muss nur genug jammern, dann bekommt man von liebevollen Gastgebern wie dem Weckterroristen zum Frühstück tatsächlich einen Eiskaffee kredenzt. Damit lässt sich sogar Ixis Knutschfleck ertragen, kurzfristig.
Als Grundlage für den restlichen Tag wird das nicht ausreichen, aber zu den zwei Holzfässern Vormann Alt (nebst diversen anderen Spezialitäten aus der Flasche) sollen später auch Delikatessen aus dem Ofen gereicht werden. 
Wird auch bitter nötig sein, so wie ich die lustigen Partys des Dorfscheffs kenne.

Freitag, 10. Juni 2011

Pfingstochsen unterwegs
















Man sollte Gegenden vermeiden, in denen überwiegend Fahrzeuge mit den Kennzeichen PI, IZ oder gar HEI unterwegs sind. Kostet Nerven so etwas, ließ sich aber leider nicht vermeiden, da ich beim Exilwestfalen ins Auto steigen sollte. Der weigerte sich leider, mich vor der Haustür abzuholen, folglich musste ich mich 90 Minuten durch Hamburg quälen, landete auf der proppenvollen A7, verließ die sofort wieder, um dann hinter Pferdetransportern, Treckern und Fahrern mit oben genannten Kennzeichen über die Dörfer zu schleichen.
Das alles ohne anständiges Frühstück und, was viel schlimmer wiegt, ohne Kaffee. Den wollte ich, in Form eines großen Caramel Café Frappé, unterwegs beim Hansebäcker abgreifen. Bin eh grad schwer süchtig nach dem Zeug, dazu wäre es bei der momentanen Wetterlage eine angenehme Erfrischung gewesen. Klappt natürlich nicht, wenn auf der ganzen Strecke nach Elmshorn keine Filiale vom Hansebäcker zu finden ist, was meine Laune noch weiter verschlechterte. Scheiß Verkehr und Durst, dazu nicht das geplante Lieblingsgetränk, sowie die Aussicht auf weitere Staus. Schließlich ist Pfingsten, da planen vernünftige Menschen keine Reise durch halb Deutschland.

Durch den Abstecher auf die Autobahn wusste ich immerhin, dass die A7 zwischen Quickborn und Elbtunnel komplett dicht ist. Also beim Exilwestfalen in die Karre gesprungen, durch die Stadt gefahren und erst Othmarschen auf die Autobahn, eine Auffahrt vorm Elbtunnel, da ist aus dem Stau meist schon zähfließender Verkehr geworden.

Naja, der Rest lief dann reibungslos, wie eigentlich immer, nur etwas langsamer. Mit dem obligatorischen Besuch beim Burger King in Kamen, der blöderweise keinen Eiskaffee im Angebot hat, nur labbrige Burger. Auf eiskalten Frappé werde ich die nächsten Tage weiterhin verzichten müssen, hier auf den Dörfern gibt es nur Bier.

Das aber wenigstens reichlich.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Güten Appetit















Man muss nur mal in einem anderen Stadtteil einkaufen, schon findet man überraschende neue Sachen im Gühl Kühlregal. Beknackte Namen sind dabei nicht unbedingt ein Nachteil, wie man am Beispiel Häagen-Dazs erleben konnte. Gü kommt nicht etwa aus der Türkei, wie ich vorschnell vermutete, sondern von Noble Desserts Holdings Ltd. in London. Seit Jamie Oliver das Fernsehkochshowzeitalter eingeläutet hat traut man ja sogar den Engländern genießbare Speisen zu. Die ästhetisch gestaltete Hochglanzverpackung und der nicht gerade günstige Preis zielen eindeutig auf den besser betuchten Fastfoodgourmet ab, der zu faul ist selber Hand anzulegen, aber auf ein nobles Dessert nicht verzichten möchte, oder Singles, die beim letzten Blind Date Dinner mit Dany + Sahne abgeblitzt sind.

Oder Leute wie mich, die einfach neugierig sind, ob der hohe Preis wenigstens annähernd gerechtfertigt ist. Zitrone und dunkle Schokolade sind dabei natürlich herausragende Argumente. Dank schickem Design und schwerer Gläser macht die Packung schon in der Hand den Eindruck, man würde gerade etwas ganz besonders hochwertiges erwerben.
Am Ende sind es aber nur 2 mal 90 Gramm Cheesecake auf einer Kekskrümelschicht, von Lemon Curd oder Schokolade bedeckt. Ziemlich süße Angelegenheit, macht deutlich mehr her als Dany + Sahne, doch von Begeisterungsstürmen über die angeblich besten Desserts der Welt war ich weit entfernt.

Das Hauptproblem dabei wird aber sein, dass es in Hamburg das weltbeste Lemon Curd sowie den weltbesten Cheesecake schon gibt, da kann so ein Fertigprodukt natürlich nicht dran klingeln. Trotzdem wäre ich durchaus geneigt, das eine oder andere Gü Gläschen noch zu testen. Hot Cocolate Melting Middles zum Beispiel.
Falls ich da noch einmal drüber stolpern sollte. Suchen werd ich nicht danach.

Nicht lange gesucht hab ich bei der Musikauswahl heute, Thea Gilmore - Songs From The Gutter

Sonntag, 5. Juni 2011

Schon wieder keinen Elch geschossen
















Bei meinem ersten Besuch in Norwegen hab ich ein wunderschönes Bergpanorama, an einem wunderschön bewaldeten Platz, mit einem wunderschönen Straßenschild - nicht fotografiert. Den Ehrgeiz unbedingt einen lebenden Elch vor die Linse zu bekommen hatte ich eigentlich nie, mir würde das Schild mit dem Elch durchaus reichen, aber natürlich nicht irgend eins. Das Motiv muss mindestens so gut sein wie das, was ich damals verpennt habe. Dummerweise treiben wir uns nur in Gegenden rum, in denen Elche eher Mangelware zu sein scheinen, dementsprechend selten wird dort vor Elchen gewarnt.

Heute wäre der Tag gewesen, mal ein lebendes Exemplar abzulichten. Der Nachwuchs wollte in den Wildpark Schwarze Berge, einen besseren Urlaubsabschluss hätte ich mir gar nicht vorstellen können, als mit der Prinzessin zum Tiere füttern. Auch wenn ich jetzt wieder 300 Fotos mehr zu sortieren habe (nicht von Tieren). Elche haben die da auch, sogar zwei Jungtiere. Schien laut Lageplan auch nicht mal so unendlich weit weg zu sein, also hab ich Elche fest eingeplant.

Zuerst allerdings musste dem Wettergott Tribut gezollt werden, das Alsterwasser war schön kalt, der Nachwuchs erfreute sich an Würstchen und Apfelschorle, dann gab es Tierfutter für die Lütten und los...
Natürlich sind wir nicht zu den Elchen gekommen, ich hätt es mir eigentlich denken können. Kleinen Mädchen macht es eben mehr Spaß Hängebauchschweine, Meerschweinchen und Ziegen zu füttern. Zwischendurch die obligatorischen Ruhepausen mit kaltem Alsterwasser (sehr gute Versorgung vor Ort), da schafft man grad mal den halben Park. Die Luchse zeigten dem Pöbel eh nur faul die Hinterseite, die Dachse hielten Mittagsschlaf und das Rudel Wölfe hatte nicht die geringste Lust mal etwas aus dem Schatten zu treten, was ich durchaus verständlich fand. Auch nicht weiter schlimm, an meinem Topmodel kam ohnehin niemand vorbei.

Wenigstens weiß ich jetzt wo ich Elche finden kann, sollte ich wirklich mal welche fotografieren wollen. Aber außer in Norwegen oder Schweden taugt das irgendwie nix.

Die Musik taugt dagegen sehr gerade, es singt Frau Patti Smith - Wave



Freitag, 3. Juni 2011

Welchen Virus hätten S' denn gern?
















Ist Porree eigentlich noch als Gemüsebeilage geeignet, oder sind auf diesem Lauchgewächs auch schon EHEC Erreger gefunden worden? Potenziert sich die Gefahr, wenn der Lauch zusammen mit Tomatensauce (EHEC) und Fleischklößen (BSE/Antibiotika/Geflügelpest/Schweinegrippe/Sonstiges) serviert wird, oder sollte ich die Nudeln besser nur mit Olivenöl und Parmesan servieren? Gab es nicht vor kurzer Zeit auch Probleme mit Käse aus Italien? Und was war damals in Spanien im Olivenöl?
Ach. egal. Ich brate alles so lange durch, bis sämtliche Keime hinüber sind. Das sind die Vitamine dann leider auch, aber die kann man ja in Pillenform einwerfen.
Es lebe die moderne Ernährung.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Gletscherpornografie und der ganze Rest















Einen geradezu obszönen Anblick bietet der Nigardsbreen an dieser Stelle, was ich vor Ort nicht einmal wahrgenommen habe, so abgelenkt war ich vom Rest der Umgebung. Inzwischen sind die 1500 Bilder eingedampft auf 550, immer noch zu viel für einen Urlaub, da muss noch mindestens die Hälfte raus, sonst wird das zu anstrengend. Doppelte Wasserfälle und so...
Deswegen gibt's hier auch keine Wasserfälle mehr zu sehen, nur lauter Kram. Und eine Liste der Dinge resp. Menschen aus der Reihe "Was ich nie vergessen werde, was ich beim nächsten mal nicht vergessen darf."

In die erste Kategorie fällt Astrid, die unglaublich nette Besitzerin von Jostedals Camping. Bevor wir überhaupt etwas fragen konnten hat sie gleich alles erklärt. Einkaufsmöglichkeiten, Öffnungszeiten, was man sich alles ansehen sollte, wie man da hin kommt, wie lange man laufen muss und was die Gletscherwanderung kostet und zu welcher Tageszeit Führungen angeboten werden. Alles andere gab es auf die Hand, inklusive Passwort fürs Internet und den Rat: "Kaufen Sie auf keinen Fall Wasser. Wir haben das beste Wasser hier, drehen Sie nur den Hahn auf. Fresh from the Glacier." Da schwang eine Menge Stolz in den Worten mit.

Kann ich nachvollziehen, denn was ich auch nicht vergessen werde ist Gletschereis. Dieser Block aus allerfeinsten, kristallklaren Eissplittern, fein ziselierte Gespinste, unter hohem Druck zusammengepresst und in der Sonne leuchtend. Crushed Ice Premium Version. Gibt es in keiner Bar, dabei schmeckt damit sogar norwegische Villa Brause. Mr.T wollte ursprünglich ja ein paar Gläser und seine Flasche Jameson mitnehmen, in diesem Falle hätte ich sogar eine Ausnahme gemacht und tatsächlich Whisky mit Eis getrunken.

Die zuckerigen Pfannkuchen, mit süßem Slaggermoschü gefüllt, auf der Fähre nach Gudvangen. Äußerst lecker, wahrscheinlich höllisch viele Kalorien, sättigend, doch als Grundlage für Brauereibesuche u.ä. nicht ausreichend.

Tom, der Kellner aus Görlitz, der uns sehr nett beraten hat was die Biersorten im Furukroa betrifft. Der uns letztendlich auch sehr höflich mit einer Runde Linie Aquavit hinauskomplimentiert haben soll, was ich erst später erfahren habe. Ich dachte tatsächlich, wir sind inzwischen besoffen genug und gehen freiwillig, zumal wir im Toget Café gegenüber unbedingt etwas essen mussten.

Die nette Blondine aus dem Toget Café, die uns auch am nächsten Tag noch freundlich lächelnd begrüßte. Wir haben sicher furchtbar gelallt und geschwankt am Vortag, aber das restliche Benehmen hat nicht gelitten (oder das Trinkgeld ist sehr üppig ausgefallen). Gutes Hamburgertallerken gibt's da.

Wenn man auf Fähren hinter augenscheinlich besoffenen oder ähnlich unzurechnungsfähigen Fahrern stehen muss, unbedingt mehr Sicherheitsabstand einhalten, ganz egal wie wild der Leichtmatrose mit den Händen wedelt beim einweisen.

Was ich nächstes mal nicht vergessen darf.

Einen zusammenfaltbaren Flaggenmast oder eine andere adäquate Befestigungsmöglichkeit, denn selbst auf großen Schiffen ist so etwas Mangelware. Oder man kommt nicht ran.

Wenn drei Leute unbeschadet über eine Schneedecke gelaufen sind, kann der vierte trotzdem einbrechen wenn darunter ein Hohlraum ist.
Rettungsleinen für Brillen kosten 1 Euro, eine Reparatur trotz Versicherung fast 300.

Sollte ich noch einmal in meinem Leben den Pass nach Lysebotn nehmen, auf jeden Fall Aufkleber mitnehmen. Auf dieses vollgepappte Schild gehört unbedingt noch ein Aufkleber "St. Pauli Fans gegen Rechts", sollte man immer in der Tasche haben. Wer konnte das ahnen, in der Flåmsbana z.B. hätte so eine Aktion, außer dem Sticker, auch noch einen schlechten Eindruck hinterlassen, daher hab ich von vornherein drauf verzichtet.

Das erste Warnschild vor Elchverkehr mit einem anständigen Bildhintergrund wird fotografiert, egal ob da gerade ein Parkplatz ist oder nicht und egal ob ich noch zwei Wochen in Norwegen verbringe. Danach gibt es nur noch Schilder mit Rentieren, Radfahrern oder Kühen.

Auch wenn der weltbeste Hamburger aus der weltbesten Hamburgerbude in Ølen vielleicht doch nicht der weltbeste Hamburger ist, er schlägt immer noch alles um Längen was McD und BK so anzubieten haben, vallah! Außerdem sollte ich entweder lernen wie man Jordbær richtig ausspricht oder gleich Strawberry sagen.