Donnerstag, 3. März 2011

Zwangsverbindung
















Vor ein paar Monaten lagen haufenweise O2 Surfsticks auf dem Grabbeltisch bei Saturn, inklusive eines Gutscheins über 5 Tage gratis surfen, für nur 15 Euro. Da das Gerät auch noch ohne SIM-Lock angeboten wurde, habe ich den quasi geschenkten Stick mitgenommen, ohne das Angebot bisher zu nutzen. Bei meinem Congstar Stick muss ich im Notfall nicht erst Freischaltcodes freirubbeln, haufenweise Nummern eingeben und auf eine SMS zur Bestätigung warten, dazu benutze ich mobiles Internet ohnehin sehr viel seltener als ich ursprünglich mal angenommen hatte.
Das hat man inzwischen auch bei O2 bemerkt und mir die wichtigen Informationen zugeschickt, die ich wohl in dem Wust der Geschäftsbedingungen übersehen haben muss. Man sollte in solchen Läden nicht kurz vor Geschäftsschluss schnell einen Vertrag unterschreiben, wieder was gelernt. Damit ich weiterhin mobil surfen kann, soll ich mein Guthabenkonto spätestens bis zum 23.3. aufladen, sonst sieht man sich im Einklang mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen gezwungen, das Vertragsverhältnis zu beenden.
Kurios dabei die Begründung: Die Vorhaltung unserer Internetdienstleistungen ist für uns mit hohen Kosten verbunden, wir können diesen Service daher nur Kunden anbieten, die innerhalb von 6 Monaten ihr Guthaben aufgeladen haben. Mit anderen Worten: Es ist uns egal ob Sie surfen der nicht, aber zahlen müssen Sie trotzdem. Alle 6 Monate. Schließlich halten wir Frequenzen bereit und die Dame, die im Rechenzentrum ihren Computer an das Internetz anstöpselt, muss ja auch bezahlt werden..  

In diesem Moment fiel mir auch wieder ein, warum ich damals die Prepaidkarte für mein Handy nicht bei O2 geholt habe, aber eigentlich ging es mir ja auch nur um den Surfstick. Jetzt grübel ich eigentlich nur noch, ob ich die 5 Tage gratis surfen bis zum 23. noch ausnutze, oder die Rubbelkarte gleich durch den Schredder jage. Da die geplante Wochenendtour nach Köln ohnehin ausfällt, werde ich in diesem Monat sicher kein mobiles Internet benötigen.
Vorher muss ich aber doch noch einmal das Kleingedruckte raussuchen, nicht, dass ich mich bei dem SIM-Lock auch noch verguckt habe.

Derweil höre ich schon wieder etwas von meinem momentanen Favoriten:
Alejandro Escovedo - Bourbonitis Blues

Sonntag, 27. Februar 2011

Schwarzer Prinz vs. Scharfe Helene
















Büttenwarder Apfelkorn ist nicht etwa ein hochprozentiges Getränk, wie der Name vielleicht vermuten ließe, sondern ein beschwipster Apfelkuchen mit Marzipan und Zimt. Natürlich gibt es so etwas, auch in Hamburg, nicht beim Kettenbäcker an der Straßenecke. Für außergewöhnliche Spezialitäten muss man in einer größeren Stadt schon mal weit fahren, oder weit fahren lassen.
Wenn man das Glück hat und tatsächlich mal die halbe Familie am Sonntag zum Kaffee am Tisch sitzt, dann kann man ja mal ausprobieren, ob sich das lohnt. Auf die Gelegenheit hab ich lange warten müssen.

Denn ich war schon immer gespannt, ob die Firma Kuchenklatsch für die verlangte Pauschale von 4 Euro auch in wirklich entlegene Stadtteile liefert, immerhin backen die irgendwo am Grindel. Für die Strecke benötige ich selber, bei einigermaßen rücksichtslosem Fahrstil, gute 30 Minuten. Dazu kenne ich die Straßen, auf denen das zu schaffen ist. Also nicht die Strecke um die Alster, die zumindest von meinem dämlichen Becker Navi immer vorgeschlagen wird.

Meinen Stadtteil kannten sie dann auch nicht, aber die Bestellung wurde klaglos und sehr freundlich entgegengenommen. Da die Torten immer frisch gefertigt werden ist das Angebot leider etwas eingeschränkt, auf die norddeutsche Variante der Schwarzwälder Kirschtorte namens "Hamburger Jungs" musste ich verzichten, aber für die "Scharfe Helene" habe ich die Lieferzeit gerne um eine Stunde verschoben, Chili-Schokolade auf Birnenmus, das muss. 

Aus den veranschlagten 30 Minuten Fahrzeit wurde eine gute Stunde, wofür sich der Fahrer vielmals entschuldigt hat. Es war ihm sichtlich unangenehm, dass er den Liefertermin nicht einhalten konnte, die 4 Euro Pauschale hätte die Chefin deshalb storniert. Sehr nette Geste, immerhin ist das keine kalte Pizza die da angeliefert wird. Ich habe zwar geahnt, dass er das nicht schafft, aber es soll ja Kunden geben die trotzdem nörgeln. Dabei wäre die Eile nicht einmal nötig gewesen, das gierige Volk musste vorher noch unbedingt den Pizzaservice bemühen. Woher kommt eigentlich der alte Spruch von den Kindern, die einem die Haare vom Kopf fressen?

Meine Befürchtung, auf den ganzen leckeren Kalorienbomben alleine sitzen zu bleiben, erwies sich glücklicherweise als grundlos. Vom köstlichen Zitronenfalter durfte ich ein wenig naschen, aber nach meinem Stück Büttenwarder Apfelkorn konnte ich nur noch zwischen dem schwarzen Prinzen und der scharfen Helene wählen. Wie mir nachher versichert wurde, wird der schwarze Prinz allenfalls von Tim Mälzers Schokoladenkuchen geschlagen, Josephine Baker soll auch sehr schmackhaft gewesen sein, ich habe mich selbstverständlich für Helene entschieden. Birnenmus, das muss.

Und davon ist tatsächlich noch ein halbes Stück übrig, den Rest werde ich mir jetzt genehmigen zum Rest von
Pat Todd & The Rankoutsiders - Holdin' Onto Trouble's Hand

Sollte sich die Gelegenheit irgendwann wieder ergeben, dann muss ich mir einen Zitronenfalter reservieren, es sei denn es gibt Hamburger Jungs. Große Klasse, Kuchenklatsch.

Samstag, 26. Februar 2011

Kein Bier ist auch keine Lösung
















Das Spiel gegen Hannover galt als Sicherheitsrisiko, was wohl alle wieder mitbekommen haben außer mir. Dementsprechend erschrocken habe ich gleich den nächsten Fehler gemacht und eine Cola genommen, statt des kastrierten Gerstensaftes. Schmeckt zwar marginal besser als alkoholfreies Bier, macht aber einen entsetzlichen Durst und klebt irgendwie die Stimmbänder zusammen, wenigstens mein Support hat nicht darunter gelitten, was ich von meiner näheren Umgebung nicht behaupten kann, das war alles schon mal lauter. Als mich mein Nebenmann mit einer Wolke einnebelte die mich fast kollabieren ließ fiel mir der Spruch wieder ein, die Gegengerade würde inzwischen nur noch aus alten Kiffern bestehen, die ihre Ruhe haben wollen. Meinen schiefen Blick quittierte er nur mit einem Grinsen und der Bemerkung, ich hätte ja angefangen. Dagegen konnte ich schlecht argumentieren, mit irgendwas muss man sich schließlich vergnügen, denn weder das Bier noch das Spiel waren dazu angetan.

Das hat mit Fußball nix zu tun skandierten Teile des Stadions zur Halbzeitpause, noch weniger damit zu tun hatten die anschließenden Pyro- und Rauchbombenaktionen im Gästeblock, die zur Spielunterbrechung führten, bis gepanzerter Schnittlauch den Block stürmte und dem Spuk ein Ende bereitete. In diesem Fall hatten auch die "Wir sind Sankt Pauli - Scheiß HSV" Rufe ihre Berechtigung, allerdings könnten wir uns mit weitaus mehr Berechtigung empören, hätten wir nicht selber solche Spinner in den Reihen. Ich wurde sofort an die Aktion in Hannover erinnert, als es bei uns brannte.

Mit Vollbier hätte man sich die erste Halbzeit aber auch nicht schön reden können, weder für Hannover noch für den FC sprangen da nennenswerte Aktionen heraus, sieht man von einem Pfostenschuss ab, der meinen Blutdruck kurzzeitig ansteigen ließ, ich hab nicht mal gesehen wo der herkam. Sonst langweiliges und zähes Ackergekicke, die erste Halbzeit war glaube ich eine der gefühlt längsten die ich je gesehen habe. Ich hab mich allenfalls für Schnecke Kalla gefreut, für seinen ersten Bundesligaeinsatz war das ordentlich. Die zweite Hälfte war nicht wesentlich ansehnlicher, aber es kam mehr Feuer ins Spiel, nach dem Feuer auf den Rängen. Doch wenn mal einer abzog landete der im zweiten Stock, oder das letzte Zuspiel war mal wieder eins zu viel. Einen Sieger hätte das Spiel eigentlich auch nicht verdient gehabt, mit einem Punkt hätte ich mich zufrieden gegeben. Dreckiges 0:0, was solls.

Warum aus einer Ecke für uns dann auf einmal ein Abstoß wurde hat keiner im Stadion begriffen, musste ich erst online nachlesen, dass der Schiri Asamoah gefragt hat wer den letzten Ballkontakt hatte. So wohlgesonnen war uns der Gagelmann an dem Tag auch nicht, dass Asa ihm da die Wahrheit sagen muss. Einfach mal die Schnauze halten, nicht gesehen Schiri, sorry.
Aus der Ecke hätte ja vielleicht mal tatsächlich ein Treffer fallen können, der fällt dafür quasi im Gegenzug nach einem Eckball auf der anderen Seite, kurz vor Schluss. Grandios. Und der Hannoveraner Mob tobt in seinem Block, ich hätte kotzen können.

Vor dem Stadion drückte mir ein alter Bekannter sein noch fast volles Astra in die Hand, der erste Lichtblick, richtiges Bier und ich musste nicht mal anstehen. Der Sinn eines Alkoholverbots im Stadion erschließt sich mir nicht, wenn man sich davor problemlos besaufen könnte. Während des Spiels holt doch eh keiner was und in der Halbzeit kann sich kaum einer volllaufen lassen. Wir sind dann doch relativ zügig Richtung U-Bahn, war keiner so wirklich in Feierstimmung.

Highlight des Tages dafür die Fahrt mit der U3, auf der ein Punk im Kilt mit seinem Hund das ganze Abteil ganz vorzüglich unterhielt. Sehr sympathischer Mensch, auch wenn ich mir persönlich, bei aller Liebe zum Verein, nicht Sankt Pauli auf die Stirn tätowieren lassen würde. Dass sein Hund auf "HSV" mit lautem Gebell reagiert war mir dann auch meinen Einkaufswageneuro wert, als er seinen leeren Bierbecher rumgehen ließ. Werde ich wahrscheinlich beim nächsten Einkauf dran erinnert.

Gespannt bin ich ja, ob der Herr T. in nächster Zeit mit einem Kilt auflaufen wird, da er nun weiß wo man die kaufen kann. Stehen würde ihm so ein Ding zweifellos, aber nur ohne Funktionsunterwäsche *g*

Schreibmusik: Kaiser Chiefs - Yours Truly, Angry Mob














Mittwoch, 23. Februar 2011

Prima Klima
















Mit schöner Regelmäßigkeit ist unsere alte Klimaanlage verreckt, sowohl im Sommer als auch im Winter, vorzugsweise natürlich bei extremen Außentemperaturen, während Hunderte von Lüftern in den Schaltschränken und Racks unablässig ihre Wärme in den Raum abgegeben haben. Vor ein paar Monaten haben sie endlich mal eine ordentliche Summe in die Hand genommen und ein nagelneues Klimagerät eingebaut und obwohl ich nichts negatives über meinen Arbeitgeber sagen kann, bin ich nicht sicher ob die Investition aus Menschenfreundlichkeit getätigt wurde, oder doch eher weil Festplatten und Prozessoren nicht ganz so anpassungsfähig sind wie der Mensch.
Seit Montag zickt das Teil allerdings genauso rum wie der alte Kasten, man glaubt ja gar nicht wie unangenehm 22 Grad Raumtemperatur sein können wenn die Luftfeuchtigkeit gerade mal die 8% übersteigt, es fühlt sich eher an wie eine 30° Trockenluftsauna. Nach ein paar kurzen Gesprächen schon fühlt sich der Rachenraum an, als hätte man gerade die Wüste Gobi geknutscht. Erst nachdem ich der Haustechnik gedroht habe, den exorbitant erhöhten Getränkekonsum in Rechnung zu stellen, haben die Herrschaften sich mal bewegt und einen Klimatechniker kommen lassen.
Schuld an der ganzen Malesche war, wer hätte es gedacht, die extreme Außentemperatur. Dafür wären diese Anlagen nicht ausgelegt, das kennt man ja schon von der Bahn. Da fragt man sich natürlich, wozu man sich überhaupt eine Klimaanlage anschafft, wenn nicht um extremen Bedingungen etwas entgegensetzen zu können, hätten wir hier laufend lauschige Frühlingstemperaturen würde es durchaus reichen die Fenster zu öffnen. Was, nebenbei bemerkt, auf Dauer vielleicht für noch besseres Klima sorgen könnte, würde man auf diese Stromfresser verzichten.

Läuft das Ding aber erst einmal wieder, verschwendet man daran keinen einzigen Gedanken mehr. Eins von vielen kleinen Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Untergang der Menschheit. Bevor es soweit ist höre ich noch schnell
Alejandro Escovedo - Real Animal

Montag, 21. Februar 2011

Die gelbe Wand
















Vorspiel.
Das Sauerland liegt ja in unmittelbarer Nähe zum Ruhrgebiet, da gibt es naturgemäß eine ganze Menge Fans des Dortmunder Klubs, sollte man jedenfalls meinen. Insofern war ich gespannt was die Zugfahrt quer durch quasi "feindliches" Land an diesem Tag so für Überraschungen für uns bereithalten sollte.
Die erste waren ein paar reichlich angeheiterte Karnevalisten, die mit uns auf den Zug warteten und von Herzen viel Glück wünschten. Eindeutig eher Fans von Schalke 04, die es, ebenso wie wir (mit Ausnahme des Herrn aus Dortmund natürlich) bedauerten, dass Asamoah nicht spielen konnte.
Die zweite waren ein paar Sauerländer St.Pauli Fans im Zug, die sich extra für dieses Wochenende zwei Kisten Astra von ihrem Getränkehändler besorgen ließen und bereitwillig die spärlichen Reste mit uns teilten. Das Schicksal wollte es wohl so, dass einer der Jungs ausgerechnet das Trikot von Sukuta-Pasu tragen musste, aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Eigentlich wollten wir uns mit acht Mann ein Großraumtaxi teilen, aber die Jugend kam nicht so richtig in Trab, so daß wir uns dann alleine kutschieren ließen. Wenn ich nicht eine Stunde vorher im Stadion bin werd ich leicht mal quengelig. Das hat dann auch prima geklappt alles, angenehme Reisebegleitung und pünktliches Erscheinen ist ja nicht immer gesichert.

Das-was-nicht-mehr-Westfalenstadion-heißt ist schon von außen ziemlich beeindruckend, vor allem wenn man beachtet, dass die Bratwurstbude davor einmal der Eingang zum Stadion Rote Erde war, mit damals bis zu 42.000 Zuschauern auch nicht gerade Landesligaformat. Ich muss ja gestehen, dass ich in frühester Jugend Borussia Dortmund Fan gewesen bin, als ich noch nicht einmal ahnte, dass es einen FC St.Pauli überhaupt gibt. Lothar Emmerich und Hans Tilkowski waren meine Helden, nur Helmut Haller fand ich noch annähernd so gut, aber der war Italiener. Außerdem war Schwatt-Gelb irgendwie auffälliger und cooler als der Rest der Liga mit den ewigen Rot-Weiß-Blau Farbkombinationen. Und Grün geht ja nunmal gar nicht. Das BVB Wappen musste immer als erstes in mein Sammelalbum, viel schicker als diese öde Raute des Bundesligisten aus meiner Heimatstadt. Da konnten weder Uwe Seeler noch Charly Dörfel was dran ändern. Und jetzt das erste mal Westfalen..äääh naja Dingsda-Arena. Schön bunt, alles Schwatt-Gelb, inklusive mancher Haartracht und alles ganz locker dabei, sehr viele St.Paulianer vor dem Merchandisingwagen und auf dem Weg ins Stadion, in dem wir mit dem Rest der Truppe verabredet waren, der direkt aus Hamburg anreisen musste.

Im Stadion erst einmal ein Bier zapfen lassen, sehr positiv dabei anzumerken, dass es in Dortmund noch kein Bezahlkartensystem gibt wie in sehr vielen anderen Stadien. 3.70 für ein Bier ist zwar jetzt auch kein Sonderpreis, aber auszuhalten - wenn man problemlos eins bekommen kann. In der Halbzeit stellte sich das aber nicht mehr als so einfach heraus, denn die örtlichen Sitten verlangen scheinbar von den Bierzapfern, alle 30 Minuten ihren mobilen Bierstand um 200 Meter zu verlegen. So sahen der Herr xs4all und ich auch ziemlich fassungslos dem Zapfwagen hinterher, nachdem wir in der Schlange bis auf wenige Meter an den begehrten Stoff herangekommen waren. Nach einem kurzen Moment der Überraschung stürmten wir dann an der Spitze einer völlig zu Recht empörten Meute dem flüchtigen Mundschenk hinterher um ihn zur Rede zu stellen. Da der Mann eher aus Pakistan als aus Dortmund zu stammen schien, konnte die Sache nicht vollends geklärt werden, immerhin hat er relativ schnell erraten was wir von ihm wollten.

Die Schüssel ist natürlich auch von innen ziemlich beeindruckend, was ich von der Musikauswahl nicht behaupten kann. Zuviel Bergbaufolklore oder was immer das sein sollte, und zu laut sowieso. Unsere Ecke muss nicht durch Schlager animiert werden, wir singen von ganz alleine und das hat man auch im Sonstwie-Park deutlich gehört. Aux Armes im Wechsel mit den unter uns befindlichen Stehplätzen war schön laut, gute Akustik in dem Laden *g*.  Aber wie jekylla in ihrem Blog schon schreibt, so richtig Lärm macht nur die gelbe Wand, den Rest der Stadions kann man locker übertönen. Wenn die Wand allerdings komplett ins Hüpfen kommt, das ist schon ganz großes Kino, Respekt.

Spiel.
Die von Stani versprochene Überraschung war Richard Sukuta-Pasu und die ist dieses mal komplett in die Hose gegangen, jetzt sollte es erst einmal genug sein mit Überraschungen, man soll keine Sache überstrapazieren. Zu allem Überfluss musste sich Oczipka auch noch nach ein paar Minuten den Knöchel brechen, aber er alleine hätte das folgende Elend auch nicht besser machen können. Die Mannschaft war schlecht, so richtig schlecht. Da ging überhaupt nichts zusammen, ein grausames Fehlpassfestival, keine Spielzüge oder Angriffe die auch nur im Ansatz erfolgversprechend schienen, die sind über den Platz gestolpert wie eine aufgescheuchte Herde Schafe, mit der die Hütehunde ein wenig Katz und Maus spielen wollen. Ich hatte zeitweise das Gefühl, nur Lehmann und Kessler stemmen sich gegen die unweigerliche Niederlage. Sukuta-Pasu war dabei der größte Fehlgriff, dem Jungen gelang nichts, nicht eine Aktion, nur Fehlpässe, nur Ballverluste, absolut grausam und folglich auch in der zweiten Halbzeit nicht mehr dabei. In dieser Verfassung ist er nicht mal für die zweite Mannschaft ein Thema, für Bayer Leverkusen sicher noch weniger.
Das Eigentor von Gunesch war die Krönung der Katastrophe, grätscht er da nicht rein geht das Ding vorbei. Aber so ist Fußball, als Dortmunder würde ich mir trotzdem Gedanken machen, denn die Torausbeute in den letzten Spielen war ja eher mager, eine Glanzleistung war das nicht, gegen diesen Hühnerhaufen auch noch solche Geschenke zu benötigen.
Mit einem 2:0 kann ich leben, dass da wirklich was geht habe ich eher nicht erwartet, aber die Art und Weise wie sich die Mannschaft präsentiert hat, die macht mir Sorgen. Da muss sich gegen Hannover schwer was ändern.
Positiv: Keine Pyros, trotz sehr laxer Kontrollen.
Noch positiv: Das sich die "We love Sankt Pauli" Chöre meistens recht schnell gegen das dämliche "Ihr seid Scheisse wie der HaeSVau" durchsetzen konnten. Dieses bescheuerte Frustgeschrei wenn man mal ein Spiel verliert ist mir zuwider, das ist unwürdig und das haben wir nach dem Derby nicht nötig, schon überhaupt nicht wenn der HaeSVau nicht einmal anwesend ist.

Nachspiel.
Die Anreise mit der Bahn hatte einen triftigen Grund, die ausführliche Besichtigung der (Ex) Stammkneipe des Herrn aus Dortmund, der uns nicht zu viel versprochen hat, auch wenn der Herr xs4all ja immer schwere Bedenken hatte in unserem Aufzug eine BVB Fankneipe zu betreten, aber das erwies sich als vollkommen unnötig, wir waren schwer begeistert. Klasse Laden, Fußball live auf zwei Bildschirmen, gute Musik, Raucherabteil, reichliche Auswahl an Biersorten, leckeres Essen und äußerst nettes Publikum. Das subrosa ist eine Kneipe, die ich jedem St.Pauli Fan mit Übernachtungsmöglichkeit wärmstens empfehlen kann, sogar Schalker Fans sollen da schon gesichtet worden sein, auch wenn die Sympathie dort erkennbar mehr auf unserer Seite ist. Es gibt sogar Astra, ein Überbleibsel aus der "Saufen für Sankt Pauli" Zeit, ich hab mich lieber an Fassbier gehalten, zumal nur Rotlicht erhältlich war, das Zeug kann man nicht trinken. Für die nächste Saison steht die Planung also schon so gut wie fest, sollte wenigstens der Rest meines nicht ganz ernst gemeinten Bundesligarückblickes zutreffen.
Dann allerdings mit Übernachtung in unmittelbarer Nähe dieses entzückenden Etablissements, das ich ebenfalls sofort zu meiner Stammkneipe ernennen würde, sollte es mich in meinem Leben tatsächlich mal nach Dortmund verschlagen, was selbstverständlich völlig ausgeschlossen ist.

Hätten wir diese Möglichkeit an diesem Wochenende schon genutzt, wäre der Tag fast ungetrübt verlaufen, sieht man einmal vom Spiel ab. Aber um Mitternacht am Hauptbahnhof trifft sich wohl in allen Städten der verblödete alkoholisierte Bodensatz der "Fans" um ihren privaten Frust abzulassen. In unserem Falle ein eher halbwüchsiger Vollhonk, der uns unter "Sanktpauli is scheissö" Rufen provozierend mit seinem Fahrrad auf dem Bahnsteig umkreiste, immer gut beobachtet von seinen Freunden. Vor 20 Jahren hätte ich den wahrscheinlich ohne nachzudenken einfach aus dem Sattel gehauen, zu seinem Glück war der da noch nicht einmal geplant. Glücklicherweise wird man ja älter und weiser und so hab ich den kurzen Gedanken daran verworfen, weil so ein Hinterkopf im freien Fall aus dieser Höhe dem Beton einfach nicht gewachsen ist. Außerdem hätte diese Aktion das Kräfteverhältnis nur von 5:3 auf 4:3 reduziert, wenn auch wahrscheinlich schlagartig.
Der Rest wäre ziemlich blutig verlaufen und das hatte dieser Tag, trotz der blutigen Nasen beim Fußball, einfach nicht verdient.

Herzlichen Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft. Lasst euch das nicht mehr nehmen.

Schreibmusik: Warren Zevon - Sentimental Hygiene


















































































































Freitag, 18. Februar 2011

Gallische Dörfer
















Mittlerweile herrscht in den Restaurants ganz Deutschlands Rauchverbot. In ganz Deutschland? Nein, in der tiefsten sauerländischen Provinz stehen immer noch Aschenbecher auf den Tischen und es wird munter gequalmt. Hier kann man sich noch ungestraft eine Verdauungszigarette anstecken, was nach monströsen Portionen von fettig überbackenem Gyros durchaus seine Vorteile haben kann, auch wenn ich als Gelegenheitsqualmer inzwischen rauchfreie Restaurants zu schätzen weiß.
Einige der seltsamen Thesen an diesem Abend sind dann auch ziemlich vernebelten Köpfen entsprungen, so stellte Herr R. die Behauptung auf, ohne Alice Schwarzer würde es in der Gegend zehnmal so viele Kinder geben und der Herr aus Dortmund prophezeite für das morgige Spiel gar einen 8:0 Erfolg seiner Mannschaft. Was ich beides für sehr unwahrscheinlich halte, denn als Hochburg der Emanzipationsbewegung ist mir das Sauerland nicht in Erinnerung - und in Dortmund wurde vor kurzem neuer Rollrasen verlegt. Auf diesem Geläuf haben wir schließlich gerade gute Erfahrungen sammeln können.

Sollte es doch anders kommen muss ich für die Trostgetränke wenigstens nicht die Ernährung umstellen, im Subrosa soll es Astra geben.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Geschichte wird gemacht
















Zwei Tage hintereinander pünktlich Feierabend haben bedeutet bei uns überhaupt nichts. Und richtig, heute hätte ich bis 22 Uhr in der Firma gesessen, ausgerechnet heute, an diesem historischen Tag.

Sich vorsorglich um eine Vertretung zu bemühen war meine bisher beste Entscheidung des noch jungen Jahres, noch besser wären freilich drei Tage Urlaub gewesen, noch viel besser vielleicht sogar eine Karte für das Stadion an der MVA, aber wer kann das ahnen?

So blieb mir immerhin die traute Runde des Fanclubs im Vereinsheim von Concordia, zusammen mit dem Herrn H., der zu diesem Ereignis extra sein einziges St.Pauli T-Shirt angezogen hatte, das vom Blindenfußballteam. In Braille.
Seltenes Stück, aber kein Unikat wie das Derbysiegermotivationsbananen T-Shirt von Benedikt Pliquett, der völlig überraschend im Tor stand und nach dem Abpfiff wie ein von der Kanone abgeschossener Gummiball über den Rasen hüpfte.
Sein Interview ging leider im allgemeinen Jubel unter, daher hab ich immer noch keine Ahnung was es jetzt mit der Motivationsbanane auf sich hatte, aber ich meine gesehen zu haben, dass er Tränen in den Augen hatte. Können natürlich auch meine eigenen gewesen sein.

Wie bekommt man das Adrenalin eigentlich wieder aus der Blutbahn? Ich werde kein Auge zukriegen heute Nacht. Niemals.

Vielleicht höre ich die St. Pauli Einhundert Box einfach durch bis der Wecker klingelt.