Samstag, 28. November 2015

Radioaktives Model auf der Autobahn

















Ein großer Fan von Kraftwerk bin ich nie gewesen, hier steht mit dem 78er Mensch-Maschine gerade mal ein einziges Album im Regal und das wahrscheinlich auch nur, weil es ein Sonderangebot war. Viel zu minimalistisch, sowohl die Texte als auch die Musik. Wir sind die Rrobotärr pling pling düdelüt, diese tolle Computerstimme kenne ich von meinem Commodore Amiga, der konnte das auch. Allerdings konnten Ralf Hütter und seine Kollegen das schon, als noch niemand an einen Commodore 64 dachte, geschweige denn überhaupt an so etwas wie Computer im Haushalt.

Trotzdem musste ich keine zehn Sekunden überlegen, als Herr H. vor ein paar Monaten  mit den Konzertkarten wedelte. Kraftwerk live kann man sich einfach nicht entgehen lassen, in 3D ist das ja möglicherweise nicht so minimalistisch wie der Rest und immerhin ist das eine ziemlich legendäre Truppe, wer weiß ob diese Gelegenheit je wiederkommt. 

Die Einlasskontrolle im CCH ist krasser als bei jedem Fußballspiel, personalisierte Karten, Ausweis bereithalten, Taschen öffnen, abklopfen. Suchen die Pyrotechnik, Terroristen oder einfach nur Tonaufnahmegeräte?  Herr H. und der Exilwestfale suchen ein Bier, ich finde nur Holsten und verzichte dankend. Danach gibt es noch für jeden eine schick verpackte Pappbrille für die Effekte und eine Einladung zum Konzert von Andreas Bourani, wenn man so doof ist und spontan zugreift, sobald einem jemand etwas vor die Nase hält.

Unsere Plätze befinden sich direkt neben der fetten Beamerbatterie in der ersten Reihe, was Herr H. zum Anlass nimmt auf seinem Platz herumzuturnen und die Technik genauer zu begutachten. Strahlend präsentiert er uns einen verlassenen 13er Maulschlüssel, was dem Exilwestfalen den ersten Angstschweiß auf die Stirn zaubert. Glücklicherweise findet er auf Anhieb keine passenden Schrauben, dafür aber immerhin heraus, dass die sechs Klötze ihre warme Luft nach hinten blasen. Andernfalls wäre es hier nach kurzer Zeit selbst für ein T-Shirt zu warm gewesen.

Kurz vor acht sind noch nicht alle Plätze besetzt, aber nur wenige Minuten später ist es voll und dunkel, bis auf den Kasper hinter uns, der sich mit seiner gleißend hellen Handylatüchte den Weg bahnen muss. Kann man ja nicht ahnen dass solche Konzerte pünktlich anfangen, nech?

Maine Damän und Härrän schnarrt es blechern durch den Saal, die Mensch-Maschine. Eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht plärrt der Computer. Während uns die Nummern dreidimensional um die Ohren fliegen, stehen unten vier Herren in elektronischen Strampelanzügen fast reglos hinter illuminierten Stehpulten und machen Computermusik. Drücken mal hier und mal da, schieben irgendwelche Regler hin und her und manchmal singen sie sogar, zumindest einer, das wird der Hütter sein.

Natürlich ist, wie könnte es anders sein, auch die 3D Show minimalistisch bis ins Mark, keine Supadupalserhastenichgesehnpyroshow sondern 80er Jahre Klötzchengrafik, Sinuskurven aus dem Atari Heimcomputer und Schwarzweißfilmchen, das wirkt alles wie aus der Zeit gefallen hier - und es passt wie die Faust aufs Auge, zu jedem einzelnen Pling und Plong aus den Lautsprechern. Davon erkenne ich doch weit mehr als erwartet, nach und nach fallen einem wieder die Titel ein, Trans Europa Express, Tour de France, Metropolis, Radio-Aktivität, das schöne Neonlicht, natürlich gibt es auch das Model und die Autobahn, die Mensch-Maschine und die Computerwelt, eine vollständige Zeitreise durch die elektromusikalische Frühgeschichte.    

Das wäre vielleicht auch ohne dicke Beamer und 3D schon spannend genug gewesen, aber durch die fliegenden Klötzchen aus der Computerfrühzeit haben auch die Augen etwas zu tun und müssen nicht zwei Stunden lang (mit Zugaben) auf reglosen Herren ruhen.


Fotos: Canon 280SX Taschenknipse, Kraftwerk/Congress Centrum Hamburg
Bier: Brewers & Union Unfiltered Helles Lager, 5.0% 
Musik: Kraftwerk - Die Mensch-Maschine










Dienstag, 24. November 2015

Ochsentour


















Ochsentour, 1.Etappe. Die 750 Kilometer von Hamburg nach Straubing muss ich glücklicherweise nicht ans Lenkrad, nach der Spätschicht vom Vortag fällt es mir schon schwer genug auf dem Beifahrersitz wach zu bleiben. Wir treffen Mr.T wie üblich am Lohfelder Rüssel in Kassel, setzen die Fahrt zu viert fort und endlich kann ich auf der Rückbank vor mich hindämmern und von Garnelen mit Knoblauch und Cashews träumen. Wenn es mehr bayrische Vereine in der zweiten Liga gäbe, könnte ich auch mal wieder dieses Gericht in der halben Ananas bestellen, das war auch saulecker, aber seit Regensburg ab- und Ingolstadt aufgestiegen ist komme ich nur noch einmal im Jahr zu meinem Lieblingschinesen. Danach noch ein Bier und ab auf die Matratze, wenn zur Mittagszeit Fußball droht ist die Nacht schnell vorbei.

Ochsentour, 2.Etappe. Im Vergleich zum Vortag sind 130 Kilometer ja nix, aber ein vernünftiges Frühstück mit frischen Brezn und Weißwurst dauert eben. Mittendrin ruft der Pappenheimer an und warnt vor extremen Kontrollen an den Stadien, gestern wäre auch ein Spiel eine halbe Stunde verspätet angepfiffen worden. Nach meiner Erfahrung mit den bayrischen Sturmtruppen verzichte ich schweren Herzens auf meine Halbzeitpausenrolle und dampfe die lieber nach dem Frühstück als Verdauungshilfe weg. Leicht angeschickert genieße ich die Fahrt durch das bayrische Flachland, dass am Horizont mit Feuchtgebieten und Atomkraftwerken droht. Das Radio liefert den passenden Soundtrack, dauernd sabbelt jemand etwas von "unserer schönen bayrischen Heimat", fehlt nur noch Jodeln mit Zitherbegleitung. Wenn Hotte irgendwann die bayrische Unabhängigkeit ausrufen sollte, werden Isar I und II garantiert noch fuffzig Jahre glühen.

Schlauchbootarena Fröttmaning. Wenn man im Stadionparkhaus ganz oben parkt muss man zwar keine Treppen steigen, sitzt nach Spielende aber als letzter blöd im Auto rum, weil es sich auf mehreren Etagen staut. Herr L. wählt den Mittelweg, halbe Treppe, halber Stau. Wir müssen noch Karten kaufen, die Schlangen an den Kassen sind übersichtlich, gleich drei Kassen für Gäste sind geöffnet, das ist hier auf ganze andere Dimensionen ausgelegt alles. Sogar den Block kann ich mir aussuchen und nehme die Plätze links von den Stehern, das ging fix. Die Schlange vor dem Stadion ist allerdings erschreckend, 45 Minuten vor Anpfiff. Es geht überraschenderweise dennoch relativ zügig voran, allerdings für mich nicht zügig genug weil...

...Auswärtsfans, ey. "Kommt ihr aus Hamburg? Ist ja cool, ich komm aus Dresden." Ich hab zwar nicht gefragt, aber die blonde Zahnspange im Auswärtstrikot fängt trotzdem an mich vollzutexten. "Ich bin eigentlich Dünamofan, aber Pauli find ich auch geil." Das heißt Sankt Pauli. "Dünamo und Pauli haben ja jetzt Fanfreundschaft." Schon klar, und morgen haben wir eine mit Hansa Rostock. Er lässt sich nicht beirren, er war bei der Zeremonie dabei. Wer auch immer da mit wem auch ein Bier gezischt haben soll, es war ganz sicher eins zu viel. "Bei Dünamo und Pauli ist immer die beste Stimmung." SANKT! Himmelarschundzwirn. "Ich muss noch was verstecken." Mit Verschwörermiene zeigt er mir einen kleinen Glasbehälter. "Moonshine. Kennste?" Er fingert in seiner Unterhose herum, findet aber scheinbar nicht den richtigen Halt für das Gläschen. Seinem Kumpel wird das mit den  Kontrollen zu unheimlich, er schlägt vor das Zeug doch lieber vorher zu trinken. Angesichts des vorherigen eher fragwürdigen Aufenthaltsortes dieses Gläschens hätte ich eher ganz darauf verzichtet, aber vielleicht stehen die sich ja besonders nahe, der Inhalt wird jedenfalls brüderlich mit seinem Kumpel geteilt, dann bin die endlich los. Kontrolle...

Die Terrorkontrolle ist ein freundlich lächelnder, aber sichtlich erschöpfter älterer Herr, der durch diesen Knochenjob wahrscheinlich seine karge Rente aufbessern muss. Von der Hüfte bis zu den Knien werde ich abgetastet, in der Jacke hätte ich eine Flak mitschleppen können, von ein paar harmlosen Spaßzigaretten ganz zu schweigen. Die Terrorismusbekämpfung in der zweiten Liga ist halt auch zweitklassig. Wenn das meine kleine Schwester wüsste, die hat mich doch noch gestern gebeten auf die Tour zu verzichten, wegen der Terrorgefahr. Wenn sie was von Unfallgefahr gesagt hätte, bei über 1700 Kilometern Strecke, wäre ich eventuell ins Grübeln gekommen.

Unser Bayrisches Bier, da samma stolz drauf. Dann schenkts doch ma aus das Zeugs, aber nein...
Den Kassenmenschen hab ich extra noch gefragt ob es richtiges Bier gibt heute und gleich 40 Euro auf die Stadionkonsumkarte geladen und was is? Helles, leicht, 2%. Plörre. Wenn das für den Typen an der Kasse "richtiges Bier" ist dann wundert mich nix, ist genau so ein Beschiss wie mit dem Gesabbel über die tolle Landschaft während man an einem AKW vorbeifährt.
Eine Stadionwurst für Herrn L. und drei Dünnbiere ziehen trotzdem gleich 16 Euro ab, noch den Zehner fürs Parkhaus abrechnen dann geht noch eine Runde Dünnbier, mehr brauch ich davon auch nicht.

Innenraumfolklore. Drinnen bietet sich das in München übliche Bild. Die obersten Ränge abgehängt, damit die Leere nicht ganz so peinlich ist. Die Heimkurve war auch schon voller, auf den Stehrängen für die Auswärtsgäste sind komischerweise deutliche Lücken zu sehen, da ist noch massig Platz, dabei sind die Karten alle weg. Die Fahnenschwenker schwenken ihre Schwenkfahnen, die Plüschlöwen hüpfen über den Rasen und unsere Aufstellung haben wir wohl verpasst, es gibt nur noch die vom TSV. Die heißen alle "Arschloch" mit Nachnamen, der Meinung ist jedenfalls die Dresdner Zahnspange, die ein paar Plätze entfernt von uns sitzt. Nah genug um sein Krakeelen zu hören und zu weit weg um ihm ein paar Dinge zu erklären. Ist vielleicht auch gut so, Lehrer für Doofe brauchen bessere Nerven, ich verlier die zu schnell. In der Schweigeminute für die Opfer von Paris hält er immerhin die Klappe, danach gibt es wichtigeres.

Das Spiel läuft nämlich ganz gut für uns, so ungefähr wie erhofft. Breite Brust und so. Ball laufen lassen und überfallartige Ausflüge in Richtung Strafraum, einer davon mit Pfostentreffer von Waldi. Yeah. Spiel gut, Support nichso. Wat isn mit Aux Armes? Von den Stehern kommt ungewohnt wenig heute, keiner auf dem Zaun. Spiel lenkt aber auch ab, Lenny hat die nächste Chance, leider noch ein Fuß dazwischen. "Wir legen uns die jetzt schön zurecht" erklär ich Herrn L. "und dann Zack! schlagen wir zu. Den Gegner bespielen nennt man das. Geduldig auf die Chance warten und Zack! 1:0."  Beinahe isses dann auch so weit, schöne Flanke auf Lenny, Kopfball, daneben. Mist. Doch kein Thytan. Ist ja nicht so, dass die Münchner nicht auch was versuchen, aber hey, bei unserer Abwehr, was soll da passieren?
Auf den Stehplätzen gibt es Beifall für Neuankömmlinge, der Block füllt sich. Banner werden aufgehängt, Trommeln geschlagen, USP ist da, endlich Lala. Aux Armes auch ganz gut, jetzt die Führung und ab geht die Luzie..
Nach einer halben Stunde wandelt sich jedoch langsam das Bild, weil die Münchner als momentaner Abstiegskandidat das einzig richtige machen, sie fangen an zu laufen und zu kämpfen, mit dem Messer zwischen den Zähnen, setzen hinterher, geben die Bälle nicht mehr verloren und nutzen die Räume für den einen oder anderen schnellen Konter. Dabei sehen wir nicht immer gut aus, aber noch bin ich ganz gelassen. Nach dem letzten Spiel hier muss ein Auswärtssieg einfach drin sein. Kurz vor der Halbzeit fängt Robin einen Freistoß ab und schlägt einen schönen langen Ball nach vorne, Ratsche geht steil...Highspeed.. "Ratsche laaaauf" brüll ich, aber der Keeper ist schneller dran. Mist. "Geil wie der Kleine abgeht" grinst Herr L. "das ist echt mal Einsatz." Muss nur noch belohnt werden.

Pausentee, Dünnbier Runde zwei, dazu Unterhaltungswerbeprogramm. Pärchenspiele, wer am schnellsten mit dem Ball zwischen den Beinen über den Parcours hüpft gewinnt irgendwas. Die Lautsprecheranlage war bestimmt teuer, das Werbegebrüll ist gefühlt doppelt so laut wie am Millerntor und glasklar. Dafür ist der Werbeblock auch gleich dreimal so lang. Anstrengend, das ganze Drumherum hier. Ich will...

Fußball. Kriegen wir auch, nur anders als erhofft. Keine zehn Minuten läuft die zweite Hälfte, da lassen die Liendl ungehindert laufen und wenn man schon mal ungehindert laufen kann, dann kann man auch mal ungehindert schießen. Was für ein Kracher, echt mal, 25 Meter und Bäng, keine Chance für Robin. Voll der Sonntagsschuss. Kann natürlich passieren, aber muss nicht, wenn man da vorher engagiert zu Werke geht und seine Gräten etwas schneller bewegt. Scheisndreck das.
Und kaum isses passiert, weiß man auch wieder was die größte Scheiße an Auswärtsspielen ist: die Stadionsprechertorabfeierorgie. In Hi-Fi, mit den teuren Lautsprechern und alle Regler nach oben. Tooooooor Tortortortortortor Toooooooor füüüüüüüür achtehn: SECHZICH! Müüüünchen:EINS! Pauli: NULL! Und noch dreimal den Torschützen und Dankebittetralala, äääätzend.    
Kaum erholt von dem Schreck muss man sehen, wie Okotie ebenfalls alleine gelassen wird und wenn man dem so viel Platz gibt nutzt der das, Bäng, 2:0. Verdammte Hacke. Können die jetzt machen was sie wollen? Was ist denn mit unserer Abwehr? Granit, Madrid und so..nochmal die ganze Scheiße, bitte schießen sie auf den Stadionsprecher. Jetzt.
Und was ist mit unserer Offensive? Da klappt ja gar nix mehr. Waldi wird im Strafraum gelegt, der Schiri pfeift. Elfmeter? Nee, gelbe Karte wegen Schauspiel. Ich weiß ja nich, der Waldi ist eigentlich kein Schauspieler, soll auch Situationen geben wo man einfach mal wegrutscht oder stolpert. Ähnlich unglücklich verlaufen fortan alle Offensivaktionen, wenn überhaupt welche stattfinden, der Ball ist zu oft zu schnell weg. Ich hätte gerne Jean-Phillipe Kallá jetzt auf dem Platz um ein wenig schneggische Kampfkunst zu demonstrieren. Ewald reagiert und holt Choi und Maier vom Platz, Alushi und Dudziak kommen. Besser wird nix, die Abwehr ist völlig überfordert von den schnellen Münchner Angriffen. Wo ist die breite Brust geblieben? Es könnten schon locker 3 oder 4 Dinger drin sein mit etwas Pech. Dann geht auch noch Ratsche vom Feld und Ewald bringt Verhoek. Na gut, der rennt wenigstens, Ratsche hatte auch nur in der ersten Hälfte ein paar Szenen, aber das hatten eigentlich alle. Und alle dann abgebaut.
"Das wird heute nix mehr" sagt Herr L."da ist nichts zu merken von aufbäumen oder so" und das stimmt leider. So wie die Jungs da unten rumlaufen haben die das Ding abgeschenkt. Wenige und fruchtlose Bemühungen nach vorne, am Ende kriegen wir noch das 3:0, aber Abseits. Zwei Stadionsprecherorgasmen reichen auch für heute.

"Willst Du noch die Mannschaft feiern?" fragt Herr L. Ist das jetzt Sarkasmus? Natürlich bleiben wir bis zum Schluss, klatschen ähnlich lustlos wie die Mannschaft heute gespielt hat und haben alle einen ähnlichen Gesichtsausdruck wie Ewald. Dafür so eine Ochsentour? Etwas mehr Mühe könnte man sich da schon geben. Andererseits weiß man auch vorher worauf man sich einlässt und dass es Garantien nicht gibt, schon gar nicht wenn wir auf Platz zwei der Tabelle stehen und die anderen auf sechzehn.    

Ochsenfilet. "Ach" fragt die nette Kellnerin im Wirtshaus in der Au, "ihr seid scho ma hiagwesen? Kommts ihr öfter nach München?" Als sie erfährt, dass wir verloren haben wundert sie sich kurz über unsere gute Laune, aber was soll man sich die auch verderben lassen, wir sind schließlich als die lustigen Paulis überall berühmt. "Außerdem" sag ich "wissen wir halt genau, wenns Spiel Scheiße ist, ist das Essen hinterher wenigstens lecker." Zwar würde ich weder für das ausgezeichnete mit Meersalz und Kräutern marinierte Ochsenfilet an Limettenbutter und Schalotten-Balsamico-Sauce oder den batzigen Schokobatz mit beschwipster Vanillebirne extra nach München fahren, aber wenn man schon mal da ist... 

Ochsentour, Schlussetappe. 130 Kilometer zurück zu Bier und Bett, vorbei am nur noch zehnmal blau leuchtenden Fröttmaninger Schlauchboot und am Sonntag 750 Kilometer zurück nach Hamburg, den Magen füllen mit minderwertigem Süßkram aus Macs Café und fränkischer Currywurst an Hamburger Curryketchup, man kann ja nicht immer nur schlemmen. Die Schlussetappe ab Kassel darf ich mal wieder Golf fahren und nach der ersten halben Stunde fällt mir auch sofort auf, warum ich mir ein neues Auto kaufen wollte. Mit meiner alten Karre hätte ich auf solche Ochsentouren einfach keinen Bock mehr.

Zum nächsten Spiel Gott sei Dank wieder mit dem HVV, da weiß man was man hat. 

Fotos: Bayrisches Hinfahrwetter, Bayrische Energiegewinnung, Schlauchbootarena Fröttmaning, Bayrisches Brauchtum, Mannschaften, Schweigeminute, Plüwe (Plüschlöwe), Münchner Countdown, Mannschaft (not amused), Ewald (not amused), Wirtshaus in der Au, Ochsenfilet, Schokobatz, Schlauchbootarena Fröttmaning (blau), Rückfahrwetter.
Bier: Bayreuther Aktien Zwick'l Kellerbier, 5.3%
Mucke: Bruce Cockburn - Big Circumstance / Nothing But A Burning Light







































































Donnerstag, 19. November 2015

Wenns um die Wurst geht
















München ist wahrscheinlich das einzige Auswärtsspiel, zu dem man auch mal ganz locker fahren kann ohne Karten zu besitzen. Die Gästeblockstehplätze sind zwar schon seit Wochen ausverkauft, aber an der Tageskasse dürfte es noch reichlich Sitzplatzkarten geben. 

Überhaupt ist die ganze Situation sehr viel entspannter als in der letzten Saison, als es für uns noch um die Wurst ging. Damals tat es doppelt weh, dass ich die traditionelle Auswärtssiegfrühstücksweißwurst im Kofferraum vergaß, was bekanntlich mit etwa 14:2 Torchancen und 1:2 Toren endete. Zumindest ersteres wird diesmal nicht passieren.

Wenns um die Wurst geht wirken nur Hamburger Reimporte. Falls das wider Erwarten auch diesmal nicht klappen sollte kann ich wenigstens mein Münchner Lieblingsmädel wieder knuddeln und einen batzigen Schokobatz im Wirtshaus in der Au vertilgen.

Irgendwas geht immer. Und wenn es 'ne Wurst ist.

Foto: Super Auswärtsweißwurst
Bier: Super Kuehn Kunz Rosen Mystique Weizen IPA, 7.0% 
Mucke: Super Skinny Bitch - Chubby Girl/Holidays In The Gutter

Sonntag, 15. November 2015

Zwanzig Jahre Tresenkurve

















Eimsbüttel ist Braun-Weiß und das jetzt schon seit 20 Jahren! Damit ist die Tresenkurve vielleicht nicht der älteste existierende Fanclub des magischen FC, darf sich aber mindestens zu den Urgesteinen der Szene zählen - und das muss gebührend gefeiert werden. Da die Stammkneipe zu klein ist für die erwartete Anzahl an Gästen (und erst recht für die drei Bands, die den Abend musikalisch befeuern sollen) findet der ganze Spaß in den Fanräumen des Millerntorstadions statt. Wo auch sonst sollte man ein Fanclubjubiläum stilvoll feiern können, wenn nicht im Stadion?

Seit Wochen schon verteilen die Jungs und Mädels ihre Flyer, wobei Herr B. nicht vergisst mich jedes Mal nachdrücklich auf die Anwesenheit seiner Lieblingsband hinzuweisen, da ich sämtliche Termine mit Skinny Bitch in der Vergangenheit aus diversen Gründen verpasst habe. Außerdem soll ich Fotos machen und das lasse ich mir ja nicht zweimal sagen. Sogar ein Blitzgerät darf ich mitnehmen und obwohl ich es hasse bei Konzerten zu blitzen steck ich das Ding ein, wer weiß wie dunkel das in der Höhle ist, Scheinwerferbatterien sind da eher nicht zu erwarten.

"Die erste Band spielt nicht vor 20:30", den Satz von Koschi hab ich noch im Ohr und gönne mir auf dem Dom eine schreckliche Grundlage, die schlechteste Krakauer aller Zeiten wird nur noch getoppt von einer minderwertigen Friteusencurrywurst und schon kenne ich wieder zwei Läden, die ich in Zukunft meiden kann. Dafür bekomme ich am Fanräumetresen gleich eine eiskalte Knolle Astra zum runterspülen, sooo leer kenne ich den Laden jetzt nicht, vielleicht vierzig Leute und davon die Hälfte draußen am qualmen. Herr B. scheint auch etwas geknickt, immerhin hatte man schon mit hundert bis hundertfuffzig gerechnet, von anderer Seite war sogar etwas von zweihundert zu hören. Gibt aber ja noch die Klientel, die zu solchen Festivitäten grundsätzlich erst ein bis zwei Stunden nach offiziellem Beginn erscheint, weil pünktlich irgendwie uncool ist. Außerdem spielt die erste Band ja eh nicht vor 20:30..

Die bolzen dafür auch gleich derbe los. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Punk inzwischen auch schon vierzig Jahre alt ist. Wenn also ein paar augenscheinlich gesetztere Herren mit lichterem Haar und Saxophon die Bühne betreten, dann heißt das erst mal gar nichts. Bis zur Zündung. Alter Falter, die gehen ab, wenn man jetzt noch die Texte verstehen könnte wärs nicht schlecht. Deutsch ist es immerhin, so viel kann ich heraushören. Ich wusste gar nicht, dass Herr B. so ein Punker ist. In einer Rauchpause werde ich über meinen Irrtum aufgeklärt. Ach, das sind gar nicht Skinny Bitch? Kein Wort der Reue heißen die und sind tatsächlich noch fünf Jahre älter als die Tresenkurve, wie geil. Wenn man 25 Jahre Punkrock spielt kann man das auch irgendwann, vor allem der Schlagzeuger begeistert mich, was bei Schlagzeugern eher selten der Fall ist. Das Tier aus der Sesamstraße hat ernsthafte Konkurrenz bekommen, jedenfalls was den Showteil betrifft.

In der Pause bleibt Zeit für den einen oder anderen lärmbedingt verhinderten Klönschnack und eine sportliche Zigarette vor der Tür, inzwischen ist es deutlich voller geworden, wenn ich mir ansehe was nur hier draußen los ist, kommt das mit hundertfuffzig wohl langsam hin. "Hat schon ein bisschen was von Heimspielatmosphäre" sagt Herr B. Drinnen auf jeden Fall, was die Innenraumfotografie langsam problematisch macht, vor einer Stunde hätte ich die ganze Kachelwand noch mit nem Stativ fotografieren können, inzwischen reicht es nur noch für die wahrscheinlich schönste Zapfsäule der Welt, aus der leider heute kein Bier fließt. Das wäre natürlich noch das Tüpfelchen auf dem i gewesen, kalte Knolle geht aber auch gut weg.

Herr B. freut sich derweil auf seine Lieblingsband und ich bin gespannt wie'n Flitzbogen. Ist das Bandlogo eigentlich ähnlich sexistisch wie der Bandname? Darf so etwas hier hängen? Was auf jeden Fall hängen darf ist die Siempre Antifa Flagge daneben, das gleicht es vielleicht aus *fg*. Gibbet jetzt wieder Punk? Nix da, die Bitch hardrockt mit leicht bluesigen Anteilen. Klassische Besetzung, Gitarre, Bass, Drums, fettes Riff und ab dafür. Steht und fällt bei mir meist mit dem Sänger, der Skinny Bitch Frontmann ist ziemlich genau meine Kragenweite, ein amtliches Organ und der englischen Aussprache mächtig, das kommt nicht so häufig vor. Kommen die echt aus Hamburg? Wieso kenne ich die nicht? Achja, ich war immer verhindert. 


Dummerweise ist der teure Blitzapparat nach wenigen Aufnahmen am Ende, weil ich ihn mit billigen Batterien gefüttert habe. Wenn man vergisst die Akkus zu laden sind Batterien von Aldi auch für nur einen Abend kein adäquater Ersatz, ich hätte es ahnen können. Etwas ärgerlich, weil die Jungs am Ende eine ziemlich mitreißende Show abliefern, die mit den drei Funzeln an der Decke kaum einzufangen ist. "Wie isn das eigentlich mit der Zeit?" fragt der Sänger "dürfen wir noch eins spielen?" Es werden drei Stücke, als letzte Zugabe noch eins auf Deutsch, zum mitsingen. Ein Liebeslied an den magischen FC, dazu noch ein echt gutes, da schmilzt mir doch glatt das Herz. Muss ich haben.

Gleich mal den Sänger anquatschen, ob die zufällig mal so eine silberne Scheibe produziert haben. Es gibt sogar zwei Stück, allerdings ohne das schöne Liebeslied, weil sie das erst vor ein paar Tagen geschrieben haben, extra für diesen Abend. Kann man demnächst downloaden, in der Proberaumversion. Das rührt mich fast noch mehr als der Preis von fünf Euro pro CD, "weil die schon älter sind und wir die Kosten inzwischen wieder drin haben, kauft ja eh keiner mehr CDs, dann kann man die auch für nen Fünfer weggeben." Das ist ganz fantastisch, dann kann man gleich mal beide kaufen und sich trotzdem noch ein paar Bierchen leisten.


"Na" fragt mich Herr B. gespannt "wie fandst?" Ich zeig ihm wortlos meine Ausbeute. Das war tatsächlich ein richtig guter Tipp, sehr geiler Auftritt. Bei den Scheiben bin ich zwar skeptisch, weil ich zu viele gute Livebands gesehen habe die ihre Energie im Studio nicht umsetzen konnten, aber bei zwei für zehn kann man das riskieren. Diese Amateurproduktionen für schmales Geld kennt man ja, live guck ich mir die ganz sicher wieder an bei Gelegenheit.

Überhaupt ist das eine wirklich ganz fantastische Feier hier und gleich gibt es auch noch Skapunk mit Bläsern, den ich auch noch unbedingt fotografieren soll, nur leider bin ich auf den Busverkehr angewiesen und muss mich langsam vom Acker machen. Für Skapunk mit Bläsern reichen inzwischen auch weder Licht- noch Platzverhältnisse aus, denn der Laden platzt bald aus allen Nähten, wer hätte das anfänglich gedacht. Ich kann mich nicht einmal von jedem verabschieden, weil man in dem Gewusel nur noch die hinter dem Tresen findet, aber man sieht sich ja spätestens beim nächsten Heimspiel.

Bis dahin kommen mir die beiden Scheiben von Skinny Bitch wahrscheinlich zu den Ohren wieder raus, hoffentlich kommt bald die dritte auf den Markt. Geiler Scheiß.

Tresenkurvenfotos: KWDR/Bollerzapfstelle/Fanräume Millerntorstadion/Kachelwand/Skinny Bitch
Tresenkurvenbier: Astra
Tresenkurvenmusik: Skinny Bitch - Chubby Girl/Holidays In The Gutter




















 


Mittwoch, 11. November 2015

Ganz entspannt mal Fussi gucken
















Tolle Jahreszeit für Winterschläfer, um 18 Uhr stockdunkel und dazu noch mindestens 98% eklige Hamburger Luftfeuchtigkeit, da macht schon der Weg zur U-Bahn keinen Spaß.  Das macht einen Heimsieg zur Notwendigkeit, denn nichts ist deprimierender als nach einer Niederlage auch noch durch so ein Dreckswetter zurücklaufen zu müssen. Richtig fies wird es vor dem Stadion, der Wind treibt fantastrilliarden mikroskopisch kleiner Regentropfen durch die Luft, was im Schein des Flutlichtes sehr beeindruckend aussieht und professionelle Fotografen zu wunderschönen Schietwetterfotos animiert, während ich meine Knipse schön in der Tasche lasse. Bei dieser Tropfendichte wäre ein Unterwassergehäuse ganz praktisch....

Außen feucht und innen feucht. Das Wetter macht seltsamerweise tierisch durstig, liegt möglicherweise aber auch am dürftigen Inhalt meines Kühlschrankes und der versalzenen Frikadelle, die ich mir kurz vor der Abfahrt reingezogen habe. Ich brauche unbedingt ein kaltes Bier. Vor dem Spiel spendieren die Ultras angeblich 1000 Liter Freibier, weil sie in der Südkurve heute keinen Alkohol bekommen, als Strafe für den bunten Rauch beim letzten Spiel. Eine bahnbrechende neue Maßnahme der Hamburger Polizei, irgendwo zwischen "Ätschibätsch" und "jetzt gibbet aber drei Tage kein Internet", die ganz sicher Wirkung zeigen wird. Noch in zwanzig Jahren werden Betroffene von diesem schicksalhaften Tag berichten. "Wisst Ihr noch, damals gegen Fortuna, als wir in der Süd kein Bier trinken durften? Das war ne irre Party!"

Olympia nix gut. Zeckensalon und der Supportblock Gegengerade machen mobil, heute sollen jede Menge Tapeten gegen die Hamburger Olympia(be)werbung zu sehen sein. Ich freu mich auf ein Kontrastprogramm zum täglichen Prolympiawerbegetöse in der Presse, denn mir ist fast nix scheißegaler als Olympia in Hamburg. Nationenwertung und Medaillenspiegel finde ich ähnlich prickelnd wie Dressurreiten und Bodenturnen, oder die Frage, welche Nation die geschicktesten Ärzte und Chemiker beschäftigt. Die einzigen Gewinner, die bei diesem Zirkus von vornherein feststehen, sind Funktionäre und Konzerne. Kann ich drauf verzichten, für die Kohle kann man besser Wohnungen bauen. 

Bier und Klönschnack mit den Veteranen vor dem Spiel, der Dartmeister tippt ein vorsichtiges 2:1, sonst will sich niemand festlegen. So schlecht können die Düsseldorfer nämlich gar nicht sein, wenn man sich den Kader ansieht. Und schließlich verschenken wir gerne Punkte an Mannschaften am unteren Tabellenende, ein Gerücht, dass sich komischerweise immer noch hartnäckig hält. Wahrscheinlich ist es das komische Gefühl das auch mich immer beschleicht, wenn ich uns da oben in der Tabelle sehe und denke, nee, eigentlich gehören wir da oben nicht hin, irgendwann wird es auch wieder abwärts gehen. Was niemanden wirklich beunruhigt, jeder hier ist mit einer ganz entspannten Saison oberglücklich, darauf trinken wir noch ein entspanntes Gegengeradenvollbier, was kann uns schon groß passieren...

Fünfzehn Minuten vor Anpfiff auf dem Platz, so spät war ich schon lange nicht mehr dran. Verpass ich doch glatt die Gästehymne, was'n Pech aber auch. Die Düsseldorfer haben tatsächlich keinen schlechten Kader, allein schon Ya Konan, was der bei Hannover damals abgezogen hat auf dem Platz war nicht übel, der kann nicht alles verlernt haben. Rensing, Koch, Sararer, Demirbay, wieso sind die auf nem Relegationsplatz?

Unser Trainer Ewald Lienen vertraut der bewährten Defensive, Basti Maier ist wieder fit und Choi in der Startelf. Der hat Fortuna letzte Saison hier abgeschossen, da hat Ewald wohl gedacht, das kann er gerne noch einmal versuchen. Das Herz von Sankt Pauli ist schön laut, stottert am Ende aber gewaltig, bis sich alle einig werden den Refrain doch noch einmal zu singen. Gab es irgendwo zu viel Freibier oder was? Meine Nachbarn sind aus dem Urlaub zurück, Flutlicht, Dom und jede Menge Kinderpyrotechnik, könnte Spaß machen heute, wäre ein netter Abschluss am letzten Urlaubstag des Jahres.

Erste Halbzeit geht los wie die Feuerwehr, leider bleibt Waldi bei seinen solistischen Bemühungen hängen, aber nach fünf Minuten holt er damit einen Freistoß raus, ein Fall für Maier, der könnte mal wieder ein schickes Freistoßtor machen. Wie viele Meter sind das? Dreißig? Auf jeden Fall muss man schon ein breites Kreuz haben, wenn man den direkt aufs Tor bringen will. Sieht aber nicht so aus, Basti wedelt wild mit den Händenn und gibt irgendwelche Zeichen, maaan ey, das wird sicher wieder so ein blöder Trick der in die Hose geht. Anlauf. BÄM, doch direkt. Was für ein Pfund, leider abgefälscht und knapp vorbei am Tor, aber geil gemacht.
Geil gemacht ist auch der lange Pass an unseren Strafraum, wo ein Düsseldorfer ungestört den Ball annehmen und abziehen kann. Das nenn ich mal Direktspiel. Gott sei Dank auch daneben, solche Einladungen sollten wir vermeiden sonst ist der nächste drin, verdammt.
Aber jetzt, schöner Angriff über die linke Seite mit Maier und Buballa, schöne Flanke in die Mitte auf Lenny, aber ach, der wird von zwei Mann angelaufen und muss den Ball erst mal unter Kontrooooooooooor! Tooooor! Wasdennwasdennwasdenn, wie geil ist das denn. Lenny! THY! 1:0 Woohoo, Song 2. Ich habs ja immer gesagt, wenn der Junge mal verwertbare Bälle bekommt macht er die auch rein und eigentlich war der nicht mal verwertbar, den hätten dreitausend andere Stürmer versiebt. Geilgeilgeil.
Das Spiel macht langsam richtig Spaß, wir kommen oft gut nach vorne, verteilen keine Geschenke mehr, haben die Düsseldorfer gut im Griff, alles sehr entspannt gerade. Die ganze Gegengerade ist sehr entspannt, außer ein paar von der Nord initiierten Wechselgesängen kommt nicht viel und das bei Flutlicht und Führung, entweder das muss spannender da unten oder es muss mal wieder ein Tor fallen. Erst einmal fällt Thy und es gibt ne Karte für Bellinghausen, Lenny ist heute echt nicht zu stoppen. Freistoß again, wieder wird gewedelt wie blöd. Noch n Trick?
Jau, noch n Trick. Und was für einer, die üben so etwas wohl wirklich. Anticken, weitergeben, Flanke auf den langen Pfosten, Kopfball, Lenny, Tor, 2:0. Das war alles zu schnell für die Düsseldorfer, das hab ich ja von hier aus kaum gesehen, so schnell ging das. Woohoo, i werd narrisch. Lenny! THY! Doppelpack Digger!
Und dann kann er den dritten machen, nee, eigentlich muss er den sogar machen, kriegt die Pille von Choi wunderschön in den Lauf gespielt und ist durch, nur noch Rensing, aber der rettet für Düsseldorf. Mensch Kerl, das wäre so geil gewesen, ein lupenreiner Hattrick und Deine Kritiker halten drei Monate die Klappe.
Für Düsseldorf gibt es noch ne Karte weil Ya Konan rumzickt, sonst fällt nur Rensing auf, die letzte Bastion gegen das Debakel, denn es gibt weitere Chancen durch weitere feine Spielzüge, ein richtig feines Fußballspiel von unseren Jungs. Choi, Maier, Ratsche, alle scheitern an Rensing, die können sich bei ihrem Keeper bedanken, dass es mit 2:0 in die Pause geht.

Halbzeit. Was für ein entspannter Abend, herrlich. Zwei Tore Vorsprung, souveränes Auftreten, ein frisches Bier vom Nachbarn spendiert bekommen und den Gang zur Tränke sparen, eine entspannende Rolle rauchen und Halbzeitpausentapeten knipsen. Auf der Gegengerade wandert auch sehr viel herum, nicht zu entziffern von hier aus, aber höchstwahrscheinlich alles Nolympia. Beim nächsten Spiel könnten ja mal die Befürworter mit Tapeten erscheinen, damit man ungefähr abschätzen kann wie die Verhältnisse so liegen hier im Stadion.
Bier und Pyro statt Brot und Spiele ist mein persönlicher Favorit, auch wenn ich den Unterschied nicht so recht erkennen kann, man weiß ja wie es gemeint ist. Überhaupt sorgt dieses alberne Alkoholverbot im Süden wohl mehr für Belustigung, bei einem entsprechenden Verbot auf der Gegengerade wäre ich allerdings nicht so sicher, alte Männer und kein Bier, das geht schnell an die Substanz. Da alte Männer aber eher selten rauchtöpfern müssen wir das wohl nicht befürchten.
Auf dem smarten Phone finde ich eine SMS von Herrn B. Heute ist der Tag! 20 Jahre Tresenkurve. Ich sollte auf die Durchsagen achten und falls auf der Anzeigetafel was erscheint eventuell ein Foto machen. Zu blöd wenn man das etwa eine Stunde später erst liest.  

Zweiter Durchgang und Düsseldorf wehrt sich. Hat mehr Ballbesitz, mehr offensive Aktionen. Vor ein paar Monaten hätte mich das noch furchtbar aufgeregt, aber inzwischen haben wir ja eine Abwehr aus Granit, da kann man völlig unaufgeregt zugucken. Die Düsseldorfer kriegen auch nichts gebacken, werden immer wieder abgefangen. Ya Konan findet überhaupt nicht statt, sieht keine Schnitte gegen Ziereis, dem die Vertragsverlängerung scheinbar noch mehr Elan gegeben hat. Choi bringt heute auch ne Menge Elan mit, aber wenig Glück. Er ackert und rennt und macht und tut, doch immer ist ein Düsseldorfer Fuß dazwischen und wenn er fällt gibts trotzdem keinen Elfer. "Der kriegt nix mehr auf die Kette" entfährt es mir irgendwann, als der dritte Ball weg ist, "da muss frischer Wind rein. Fafa für Choi."   
Ewald hat jedoch ganz andere Pläne und nimmt Basti Maier runter. Och nööö. Basti hätte bestimmt noch einen gemacht. Und wer ist der Blonde da unten auf dem Platz? Den kenn ich überhaupt nicht. Unsere Nummer Acht: Jeremyyyyyyyyyyy DUDZIAK. Auweia.
DAS sieht ja mal.. naja, Frisuren halt, wer drauf steht. Ist nicht ganz so wichtig gerade, es gibt mal wieder Freistoß, weil Sobota zu schnell war für die Düsseldorfer Defensive. Freistoß, Flanke, Kopfball, drin. Woohoo, toller Trcik Nummer 3 und 3:0, alle wieder wach! Wer war das? Wer kann es gewesen sein? Unsere Nummer 18: Lennart! THY! Das ist geradezu thytanisch heute. Und endlich singen hier oben auch mal mehr als zwei Leute mit, die letzten zwanzig Minuten könnte man das durchziehen.
Oder weiterhin ganz entspannt Fussi gucken, inzwischen wissen alle, warum die Fortuna auf Platz 16 steht. Da kommt nix, da ist keine Mannschaft auf dem Platz und die wenigen Einzelaktionen verpuffen. Ganz anders unsere Jungs, da ist ne Menge Spaß am Fußballspiel, Zuckerpässe, Zaubertore, das ist unser Sankt Pauli, echt mal. Demnächst verteile ich hier Texthefte. Das Wechselkontingent ist beidseitig erschöpft inzwischen, Choi ist draußen, Schnecke drin und in den letzten Minuten kommt Nehrig für Buchti, zum Ergebnissichern. Oder man macht es wie Ratsche und spielt die Abwehr schwindelig. Aber dieser Pass auf Lenny, wie soll der den bitte ins Tooooooooor kriegen aus dem Winkel. Ins Tooooooor! Toooooor! 4:0. Unfuckingbelievable Lennart! THY! Trotz Winkel und Torwart und allem, drin is der Fisch. Von wegen wir haben keinen Stürmer! Wir haben einen THYtanen! Wartet es nur alle ab!

Und aus die Maus. Abpfiff, Jubel, Heiterkeit und Lenny mit Spielgerät, der von Ewald fast zur Tribüne geschubst werden muss. Manchmal hat man sich stehende Ovationen verdient, kann man mal so hinnehmen. Im Kreis noch eine Dusche, die obligatorische Platzrunde mit HEY HÈY Hände hoch, eine entspannte Sportzigarette mit den Nachbarn, sehen wie sich das Stadion langsam leert, die Konfettireste und Pilskragen von Windstößen über die Tribüne gewirbelt werden, hach ist das entspannend in dieser Saison. Als Amapola von den Spotnicks erklingt fällt mir auf, dass ich den alten Rausschmeißer ewig nicht gehört habe, lange nicht so lange geblieben wie heute.  
Trotz Montagabend muss ich die Tresenkurve vor den Fanräumen aufsuchen, wenn schon Jubiläum ist kann man noch ein Bierchen mitnehmen, dann ist Schicht im Schacht.

Äußerst angenehmer Saisonverlauf bisher, mal sehen wohin uns das am Ende führt. Mich führt es erst einmal nach München. Auswärtssieg allez.


Entspannte Fotos: Gegengerade Millerntor/Südtapeten/Gästeblock mit Senf/Ewald und der Thytan/Thytanenbecher/Nordkurvenherzen/Temporäre Stadionaußenbeleuchtung (Dom)
Entspanntes Bier: Firestone Walker Union Jack IPA, 7.5%
Entspannte Musik: Donna the Buffalo - Rockin' In The Weary Land/Silverlined