Freitag, 10. Februar 2012

Rappelvoll














Alle paar Meter ist heute jemand mit Schlittschuhen an mir vorbeigelaufen. Mit behördlichem Segen und jeder Menge Glühwein- und Bratwurstständen bekommt man hier sehr viele Menschen aufs Eis, genau deshalb wollte ich dort heute nicht hin.
Aber mal gucken musste ich am Ende doch, wenn auch nur auf dem Rückweg.


Donnerstag, 9. Februar 2012

Probleme? Was für Probleme?














Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, blöder Spruch, aber durchaus zutreffend. Das hab ich vor -zig Jahren während meiner Bundeswehrzeit schon einmal bemerkt, als mein Name nicht auf der Liste der armen Schweine auftauchte, die an einem der darauf folgenden Wochenenden Wache schieben mussten, weil der Rest der Kaserne zu einer dreiwöchigen Übung aufbrach. Leider stellte sich im Anschluss daran heraus, dass ich zu den noch ärmeren Schweinen gehörte, die an der Übung teilnehmen sollten.
Ähnlich blöde läuft gerade die geplante Umstellung auf SAP in der Firma, mit der ich rein gar nichts zu tun habe, denn für meinen Job ist der Kram nicht zu verwenden. Hurra, die Insel der Glückseligen. So habe ich mehr oder weniger amüsiert verfolgen können, wie sich die Auserkorenen als Teilprojektleiter oder Key-User im letzten Jahr mit Schulungen, Tests und Sitzungen plagen mussten. Bis der erste sich mit Burnout verabschiedete, der nächste kurz darauf das Handtuch warf, und der ausgewürfelte Ersatz sich der ganzen Geschichte ebenfalls als nicht gewachsen zeigte.
Dann nimmt man doch am besten jemanden, der ohnehin den ganzen Tag am Rechner sitzt, diese Nerds kriegen das schon irgendwie gebacken. Dummerweise gab es davon nur noch zwei, von denen ich natürlich die erste Wahl sein musste, na herzlichen Dank. Wenn ich nur ansatzweise gewusst hätte was mich erwartet, ich hätte mich mit Händen und Füßen gewehrt. Denn ein Jahr aufzuholen, indem man einmal täglich während der Schicht ein paar Stunden an Projektleitersitzungen teilnimmt, überfordert mich ehrlich gesagt langsam auch. Zumal die restlichen zwanzig Nasen mehr mit sich selber und ihren Aufgaben beschäftigt sind, davon ist bisher keiner eine Hilfe, schon aus Zeitmangel. 
Die SAP Handbücher kann man auch gleich in die Tonne kloppen, die Software ist mittlerweile schon so angepasst, der Großteil davon wird überhaupt nicht erwähnt, etliche andere Punkte sind längst gestrichen. Dazu ist die ganze Struktur derart unübersichtlich aufgebaut, dass man sich nach Menüpunkten einen Wolf sucht, wenn man das entsprechende Tastenkürzel nicht kennt. Die hämische Übersetzung des Kürzels als "Software aus Polen" kommt nicht von ungefähr, wobei man den polnischen Landsleuten möglicherweise arges Unrecht zufügt, selbst zu Zeiten der 8 Bit Computer kam schon durchaus anständige Software aus dem Osten.

Wahrscheinlich ist das alles sehr sinnvoll und funktionell, wenn es erst einmal läuft und die Anwender nur auf ihren spezifischen Bereich Zugriff haben, aber in der Entwicklung ist der Hopp'sche Fummelkram ein einziges Ärgernis. Ich muss endlich einmal lernen "nein" zu sagen, wenn es angebracht ist. Diesmal wäre es angebracht gewesen.

Wesentlich angenehmer wird das kommende Wochenende, eingeläutet durch Willy DeVille - Backstreets Of Desire

Montag, 6. Februar 2012

Willkommen in Sibirien














Es sind nur etwa 500 Meter vom Büro bis zum Parkplatz, auf denen ich beinahe angefangen hätte zu beten, dass die Karre anspringt. Für einen Atheisten ein merkwürdiges Verhalten, das sicher noch aus der Urzeit stammt und daher bei urzeitlichen Verhältnissen wieder zum Tragen kommt.
Da meine Nase, als einziger nicht verpackter Körperteil, sich langsam in ein gefühlloses Irgendwas im Gesicht verwandelte, war ich schon dankbar für freie Scheiben. Wenigstens ist es trockene Kälte, man muss nicht auch noch die Scheiben freikratzen.
Trotzdem war ich etwas geschockt über die Anzeige im Auto, die während der Fahrt noch auf -17 fallen sollte. Wenigstens scheint die Batterie noch was zu taugen, im Gegensatz zu meiner Bekleidung. Jetzt überlege ich tatsächlich, ob ich mir kurzfristig eine Winterjacke kaufe, für den Fall der Fälle. Irgend etwas, das dabei hilft 120 Minuten im Stadion zu überstehen, bei diesen Temperaturen.

Und einen Bierwärmer. In Sibirien gibt es doch bestimmt so etwas, ich muss mal die Bierhalterhäkelei fragen, ob es die Dinger auch mit eingewebten Heizdrähten gibt.

Derweil wärmt mich Musik aus heißeren Gefilden: Rachid Taha - Made in Medina

Sonntag, 5. Februar 2012

Eiskalt erwischt














Kaum bilden sich auf Hamburger Gewässern die ersten größeren Eisflächen, stellt die Hamburger Morgenpost zuverlässig wie immer die schwachsinnige Frage, wann denn das nächste Alstereisvergnügen zu erwarten ist. Nur, um die gleich im nächsten Satz zu beantworten: Wenn es noch zwei Wochen so kalt bleibt, vielleicht. Das Bezirksamt misst täglich, die Redaktion bleibt dran.
Ebenso zuverlässig treiben sich trotzdem schon die ersten Merkbefreiten auf der dünnen Eisschicht herum, ständig begleitet von Heerscharen Hamburger Polizisten und Feuerwehrmännern, an Land und in der Luft. Obwohl ebenfalls täglich davor gewarnt wird die Gewässer zu betreten, denn durch die dünne Schneeschicht kann man nicht einmal erkennen wo es brüchige Stellen gibt. Ich frag mich ja ernsthaft, was in solchen Leuten vorgeht. Kann ja von mir aus jeder seinen eigenen Arsch riskieren, aber wer seine Kinder mit auf die Eisfläche schleppt, der hat definitiv nicht alle Latten am Zaun, und davon waren einige anwesend.

In den knapp fünfzehn Minuten Wartezeit vor dem Crêpestand wurden wir dreimal vom Lautsprecherwagen unserer Freunde und Helfer beschallt, der die circa fünfzig Wahnsinnigen aufforderte, sofort die Eisfläche zu verlassen. Mit relativ geringem Erfolg, denn da wartete ja schon die Fußtruppe, der man wohl nicht in die Hände fallen wollte. Folglich blieben die meisten da wo sie waren, oder versuchten einen anderen Uferabschnitt anzusteuern. Einer einsamer Irrer entschied sich gleich zur Überquerung der Alster, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass er dort schon sehnsüchtig erwartet wurde, denn der war wohl Hauptgrund für den Hubschraubereinsatz.
Da der nun sowieso schon im Anflug war, haben sie das restliche Volk dann auch gleich an Land gescheucht. Dummerweise hab ich die Tiefflugaction direkt vor unserer Nase verpasst, da ich die Kamera zwei Minuten vorher gegen einen heißen Crêpe eintauschen musste. 

An dem hab ich mir dann wie immer erst die Finger und dann die Zunge verbrannt, zum Hände wärmen taugt das Zeug leider nicht.

Taugt: Robert Randolph & The Family Band - Walk This Road










Freitag, 3. Februar 2012

Es könnte ein Sockenorakel geben














Scheiße ist das kalt geworden, minus zwölf Grad zeigt das Außenthermometer an. Gefühlt hat man das Mittags garantiert schon, auch wenn die Sonne verlockend schien, das Bett war verlockender. Trotzdem war mir jederzeit bewusst, dass ich den Einkauf nicht ewig verschieben kann, denn da die Holde immer auf Achse ist, befindet sich ihr Kühlschrank in einem dauernden Zustand der Leere.
Während ich bei Feinkost Albrecht für das Notwendigste sorge, stöbert Madame in irgendwelchen Grabbelkisten herum, mit dem Zeug was wahrscheinlich schon bei der letzten Aktion niemand haben wollte, und fördert triumphierend ein paar dicke Socken ans Tageslicht. "Guck mal, Socken aus Norwegen" hält sie mir die Dinger entgegen. "Wahrscheinlich aus der Türkei", versuche ich meine geringen Kenntnisse im Sockenimportgeschäft anzubringen, doch die genaue Herkunft lässt sich nicht feststellen, nur der wahrscheinliche Importeur, der sitzt in Bochum. "Sag ich doch Norwegen" schüttelt sie verständnislos den Kopf, "steht doch drauf."
Wie erklär ich das jetzt? Ich hab ja selber keine Ahnung, warum die Dinger so heißen. Wahrscheinlich, weil sie aus der selben Wolle gestrickt sind wie Norwegerpullis, oder ähnlich gemustert, aber ich weiß weder warum Norwegerpullis so heißen, noch kenne ich die passende Übersetzung in ihre Muttersprache, falls es überhaupt eine gibt. Wahrscheinlich heißen die aus irgendwelchen Marketinggründen nur in Deutschland so.
Ich geb also auf und interessiere mich für ihren Fund, der mir auf den zweiten Blick gar nicht mehr so uninteressant scheint, denn die scheinen mir tauglich als Pantoffelersatz. Da ich Pantoffeln nicht mag bin ich in der Wohnung nur auf Socken unterwegs, ohne Fußbodenheizung ist das im Winter schon mal etwas kühler, da kommen Norwegersocken gerade zum richtigen Zeitpunkt, egal wer sie gestrickt hat. Also hab ich die letzten drei Paare eingepackt, aus Sicherheitsgründen, da meine Waschmaschine öfter einzelne Socken frisst.

Auf den dritten Blick wurden die sogar noch wertvoller, denn damit passe ich bequem in die Winterstiefel. Angesichts der scheinbar stabilen Wetterlage werden die ihren Härtetest also beim Heimspiel gegen Bochum erleben. Bochum! Wenn das kein Zeichen ist!
Möglicherweise muss ich die mehrschichtig tragen, wegen der Torausbeute. Wenn die Temperaturen so bleiben wird das nur vom Platz begrenzt, mal sehen was sich machen lässt.

Sehr wärmend: Mark Lanegan Band - Blues Funeral

Mittwoch, 1. Februar 2012

Die Auferstehung naht schon wieder














Die Schokoladenleichen der verschmähten Weihnachtsmänner sind noch nicht kalt, da steht der Nachfolger schon in den Startlöchern auf den Grabbeltischen. Sind ja auch nur noch zwei Monate, es lebe der Konsum.
Den werde ich Ostern 2012 komplett verweigern, ich mach den Scheiß nicht mehr mit.

Montag, 30. Januar 2012

Das Dorian Gray Syndrom














Es gibt Menschen, die werden scheinbar Zeit ihres Lebens nicht älter. Wenn man alte Fotos betrachtet vielleicht, aber irgendwie hinken die stets 10 bis 15 Jahre hinterher. Optisch. Horst Buchholz war so ein Typ, der konnte mit 40 noch jugendliche Lederjackenträger spielen. War als Schauspieler sicher nicht immer ein Vorteil, aber immerhin hat er es in John Sturges glorreiche Sieben geschafft, als jugendlicher Heißsporn. Da war er 27.
Meine Kollegin G. hat auch solche Gene, bei irgendeinem ihrer letzten Geburtstage hab ich mich richtiggehend erschrocken bei der Feststellung, dass die Frau so alt ist wie ich. Das war mir zwar bekannt, aber mit den Jahren vergisst man das einfach, wenn diese Leute nicht altern. Vampirismus kann ich wohl ausschließen, möglicherweise hängen da seltsam alternde Bilder an der Wand.
Bei Hawk hängt allerdings keins, das wüsste ich. Der Mann hat auch diese seltsamen Gene und wird immer 10 Jahre jünger eingeschätzt. Mindestens. Das hat man mir zwar auch schon mal bescheinigt, hatte aber ganz sicher nichts mit meiner äußeren Erscheinung zu tun.
Da die Freundinnen und Ex-Freundinnen natürlich auch alle noch mal 10 Jahre jünger sind, treibt sich auf Geburtstagspartys irgendwann allerhand Jungvolk herum, wahrscheinlich kommt man so zwangsläufig in die Lage, auch noch so etwas wie eine Mottoparty auszurufen.
Glücklicherweise war ich nicht der einzige Ignorant, der ohne Bademantel oder Handtuch kam. Wozu überhaupt Bademäntel? Ein Handtuch reicht völlig, weiß man doch. Das hätte ich wohl auch noch mitgemacht, wäre ich nicht direkt aus dem Stadion gekommen.
Das Handtuch ist, nebenbei bemerkt, nur wichtig für Anhalter. Ich benötige so etwas nicht. Trotzdem eine gelungene Feier, bei der Herr L. und ich, wie weiland Statler und Waldorf, auf dem Logenplatz das Geschehen sarkastisch kommentierten. Dabei half wie immer eine erstklassige Versorgung mit den gewünschten Getränken, sogar die Chefkoch.de-Variante des Donnergurglers war annehmbar.
War natürlich auch abzusehen, dass ich den besser vertrage als Hawk, wenigstens da sieht er immer älter aus *fg*.
Auch wenn das ein überaus irdisches Rezept war, mit diesem Namen ist nicht zu spaßen. Ich habe ganz vergessen zu fragen, ob er sich denn jetzt fühlt, als hätte man ihm gerade das Hirn mit einem in Zitronenscheiben gehüllten Goldbarren rausgedroschen, er erweckte jedenfalls stark den Eindruck.

Wird nicht jünger, aber immer besser: Ryan Adams & The Cardinals - Cold Roses