Freitag, 11. Oktober 2013

Nachts auf dem Kirchturm















Ein abendlicher Besuch auf dem Kirchturm des Michel war schon länger in der Planung, wurde aber bisher verhindert von Schlechtwetter, Scheißsechstagewochenackerei oder schlichter Faulheit. Dank der ungebremsten Unternehmungslust des Pappenheimers habe ich es nun doch endlich geschafft, mit überschaubaren Ergebnissen.

Wenn ich ehrlich bin hat mich die Aussicht von dort oben nie wirklich begeistert, das ist alles so klein aus über 100 Metern Höhe, alles so weit weg, und alles furchtbar dunkel, außer Elbe und Hafen. Wenigstens war es nicht so voll wie befürchtet, so dass wir in aller Ruhe mit unseren Stativen rumklappern konnten. Eine ziemlich lange Klapperei, denn der dämliche Zaun war höher als in meiner Erinnerung und schränkte die Bewegungsfreiheit der Objektive zusätzlich ein. Was den Pappenheimer nicht weiter anfocht, der sich gleich einen Stock höher verzog.

Folglich habe ich den Hafen fotografiert, von links und von rechts und von vorne, mit Dock, mit Cap San Diego, mit den Bauten für die Musicals gegenüber und mit allem zusammen, was im Endeffekt für recht wenig Abwechslung gesorgt hat. Wo ist der Dom wenn man ihn mal braucht...

Der Park mit dem ollen Bismarck war mir zu dunkel, die Häuserschluchten zu uninteressant, und auf die Idee mal eine längere Brennweite zu benutzen bin ich nicht gekommen. Vorsorglich habe ich das große Rohr gleich zu Hause gelassen, wenn Dummheit und Bequemlichkeit aufeinander treffen...
Sieht so aus, als müsste ich noch mal auf den Nachtmichel, beim zweiten Anlauf kann man auch ein paar kleinere oder größere Fehler vermeiden.

Zum Beispiel den (im Preis inbegriffenen) alkoholfreien Punsch, den der Pappenheimer mir (trotz Alkoholfreiheit) wärmstens empfahl. Das hätte mich schlagartig misstrauisch machen sollen, denn Geschmackssicherheit beweist der Mann eigentlich nur ab 4.9%.

(Btw: momentane Geschmackssicherheit bei der Musikauswahl: Tony Joe White - Hoodoo)

Bild 1: Blick auf das Portugiesenviertel und die Cap San Diego, gegenüber König der Löwen und ein Neubau für das nächste Musical. Rechts im Hintergrund die Köhlbrandbrücke, linker Teil.

Bild 2: Portugiesenviertel, Landungsbrücken (winzig) und Docks. Beide Fotos HdR aus drei Aufnahmen, bearbeitet mit Photomatix.

Möglicherweise gibt es beim Pappenheimer irgendwann mehr Fotos davon, der hat sogar den schicken neuen Expressfahrstuhl geknipst, der einen in einem Affenzahn auf 106 Meter befördert.


Montag, 7. Oktober 2013

Kein Service im Weichpop-Cafe















Die Gästebespaßung entpuppt sich diesmal als nicht ganz einfach, der Pappenheimer ist etwas außer Form und auch mir ist nicht unbedingt nach Action, das Spiel gegen Paderborn steckt noch in den Knochen, als hätte man selber auf dem Platz gestanden. Das musikalische Angebot der Clubs ist überschaubar, aber immerhin abwechslungsreich. Etwas Folk hier, etwas Hardrock da, ein paar Bands aus Genres in denen ich mich Null auskenne. Im Knust spielen gleich drei Bands Rockabilly, von denen kenne ich immerhin eine, aber auf Elvis und Artverwandtes hat mein Gast keine rechte Lust. In letzter Minute finde ich Ski's Country Trash im Logo, auf Youtube rockt der ganz anständig im Fahrwasser von BossHoss, aber auf das Logo hat der Herr auch keinen Bock, der Laden ist ihm zu klein, zu eng und zu verschwitzt. Überhaupt, zu viel Stress sollte man nach dem gestrigen Abend vielleicht vermeiden.

Nichts gegen einzuwenden. Vielleicht eine Fotosafari? Mir fehlen für meine Sammlung noch Nachtaufnahmen auf dem Kiez, alleine mit der Kamera auf der Reeperbahn herumlaufen und knipsen war mir immer zu blöde, zu zweit sieht das nicht so nach Touristen aus. Der Pappenheimer ist nicht vollständig überzeugt von der Idee, aber wir fahren erst mal in die richtige Richtung und suchen einen Parkplatz am Hafen. Für Nachtaufnahmen ist es ohnehin noch zu hell und so kommt er auf die Idee, beim Block ein Bier zu trinken. Das Block-Bräu wäre ohnehin ganz hervorragend, der Service äußerst zuvorkommend und der Blick von der Dachterrasse auf jeden Fall einen Besuch wert. Damit kann ich mich schnell anfreunden, die Aussicht auf einen anständigen Burger zum Bier lockt, denn bei den unorthodoxen Essgewohnheiten des Herrn muss man sehen, dass man nicht unterwegs verhungert.

Leider sind die dort zu sehr auf Touristen geeicht, die Dachterrasse ist geschlossen. Für Einheimische, das sei dem Herrn Block gesagt, ist alles oberhalb zweistelliger Plusgrade noch locker freiluftgeeignet. Drinnen sitzen kommt überhaupt nicht in Frage, also wenden wir uns dem zweiten Laden an den Landungsbrücken zu, der eine Terrasse besitzt. Das Hard Rock Cafe, vor zwei Jahren unter großem Brimborium eröffnet, mit Ringo Starr und Pipapo.

Die Terrasse ist geöffnet, das ist ein Plus. Ein weiterer Pluspunkt: die furchtbare Musik bleibt einem hier oben erspart, das ist kein Hardrock, das ist Hausfrauenpop. Höchstwahrscheinlich entgehen wir dort oben Preziosen wie Eye of the Tiger oder Final Countdown, hier ist es angenehm ruhig. Nicht einmal Verkehrslärm dringt ans Ohr, sieht man von den Hafenfähren ab. Hinter mir das Hotel Hafen Hamburg, vor mir die Elbe, nicht übel. Ich setze mich auf eine erhöhte Holzbank, während der Pappenheimer am Tresen das Bier besorgt, hier oben ist Selbstbedienung angesagt.

Entweder weiß das nicht jeder, oder etliche der Anwesenden sind hier nur um die Aussicht zu genießen. Den Blick auf den Hafen, nicht den auf die Tische, denn der ist eher zum abgewöhnen. Hier ist seit Stunden keiner mehr gewesen, es werden keine Gläser abgeräumt und schon gar keine Aschenbecher geleert oder ausgetauscht. Die Ascher sind voll bis obenhin, drei Stockwerke hohe Kunstwerke aus Kippen, die man vorher am besten irgendwo ausdrückt, damit man den Haufen nicht in Brand steckt. Oder noch besser auf den Boden schnippt, was ich bevorzuge, bevor ich hier irgend etwas anfassen muss.

Das Bier dauert ewig, ich frage mich langsam was der Pappenheimer da schon wieder seit Stunden diskutiert. Vor mir ist ein junges Pärchen emsig mit Smartphones beschäftigt, sie tippt scheinbar laufend Kurznachrichten und er holt einen Highscore nach dem anderen bei seinem Spiel. Wenn das ein Blind Date war ist es wohl derbe in die Hose gegangen, oder ich versteh nichts mehr davon.

Menschen kommen, Menschen gehen, endlich kommt der Pappenheimer angestiefelt, mit grimmigem Gesichtsausdruck und zwei Gläsern Warsteiner. "Ach du Scheiße," entfährt es mir "hatten die nur Legionellenbrause?" Das setzt dem Fass scheinbar die Krone auf, denn er flucht ohne Unterlass, über die äußerst lahmarschige Bedienung, die es bevorzugt mit dem Geldscheine zählenden Kollegen zu quatschen statt den Zapfhahn zu bedienen, über die grauenhafte Musik und überhaupt wäre das zum Block ein Unterschied wie Tag und Nacht, nicht nur weil das Bier um Klassen besser ist.

Wir beschließen nach kurzer Diskussion einstimmig das Hard Rock Cafe Hamburg zum Scheißladen des Jahres zu ernennen und uns hier nicht wieder blicken zu lassen. Das hindert uns natürlich nicht daran, eine halbe Stunde lang die üblichen Fotos zu machen, von den üblichen Schiffen - und Pärchen mit Smartphones.

Kein Weichpop: Gov't Mule - Shout! 

Aufnahmen Freihand ohne Stativ oder Auflage bei ISO 3200, Blende 5, 1/30 Sek.



Samstag, 5. Oktober 2013

Graustufenfußball















Vorspiel
Bloß kein Stress heute, alles sutje angehen, hab ich mir fest vorgenommen. Klappt auch wunderbar, weil wir es mit der Vitaminversorgung gestern nicht übertrieben haben und zu unglaublich früher Zeit schon frühstücken können. Rekordverdächtig früh, wie der Pappenheimer gerade anmerkt. Ich kann mich sogar noch ein Stündchen aufs Ohr legen während er an meinem Rechner sitzt. Zwei Stunden vor Anpfiff will ich im Stadion sein, dann kann er in Ruhe seine Graustufenfotos machen von den bunten Wänden und ich kriege vielleicht noch einen Wutburger vor dem Spiel.

Klappt natürlich nicht ganz, denn wir fahren Regionalbahn. Wahrscheinlich immer noch besser als Schienenersatzverkehr auf der U1, trotz der vermaledeiten Verspätungen und Wartezeiten auf dieser Strecke. Der Pappenheimer als alter Bahnfan ist begeistert, er kann sein Bier entsorgen und sich gleich ein neues aufmachen. Irgendwann wird das in die Hose gehen, aber an Spieltagen haben die Controlettis garantiert andere Probleme. Wir liegen so gut in der Zeit, dass er mich am Hauptbahnhof noch zu einem Bier bei Nagel überreden kann.

Trotzdem sind wir so früh im Stadion, dass wir uns in so ziemlich jeder Ecke der Gegengerade herumtreiben können und eine halbe Stunde vor Anpfiff ganz entspannt bei einem Bier an der Balustrade lehnen und den Dauerregen betrachten. Derweil dürfte Herr L., dem der Pappenheimer seine Karte verdankt, auf der Nordkurve nass werden. Ich vermute, der wird so schnell nicht wieder seine Karte tauschen.

Unsere Reihe ist noch fast leer, schnell eine Sportzigarette durchziehen und die Kamera startklar machen. Der Pappenheimer hat zwar seine Pentax dabei und könnte qualitativ hochwertigere Bilder machen, aber wie ich den kenne knipst der alles mögliche, nur keine Choreos und Tapeten. Die Süd bietet auch prompt was fürs Auge, sehr viel schickes Fahnengewedel, da ist am letzten Wochenende beim Nähkurs ne Menge bei rumgekommen. Kassenrollen hauen sie auch noch raus ohne Ende, aber das verpasse ich, denn über uns haben sie ebenfalls Papierschnipsel mitgebracht, ich muss mein Bier schützen.

Spiel (1)

Boll verletzt und Buchtmann gesperrt, dafür darf Schnecke als Sechser ran und die Kapitänsbinde trägt er ebenfalls. Dass so etwas passieren musste war eigentlich schon vor der Saison klar. An Kalla alleine liegt es nicht, das Spiel nach vorne ist wieder einmal grottig. Keine Ideen, dichte Abwehrreihen, zu viele Beine im Weg, zu viel Valium im Blut. Dafür ab und zu ein gefährlicher Konter, damit es nicht ganz so langweilig ist. Die Hälfte des Gegners ist vernagelt, da kommt nichts durch.
Pässe kommen nicht an? Dann spielen wir halt hoch. Leider gewinnt Paderborn nahezu jedes Kopfballduell, also Ball lang nach vorne. Klappt auch nicht, der Linienrichter hält permanent seine Fahne in die Luft. Na, dann spielen wir halt die Pille solange hin und her, bis irgend jemand einschläft. Meistens macht einer unserer Jungs dabei ein Nickerchen, nur Tschauner ist hellwach. So erwischt er eine unglaublich tranige Rückgabe von Torre im letzten Moment, es ist unfassbar was die heute für einen Stiefel zusammenspielen. Vielleicht sollten die im Training mal Pässe über mehr als drei Meter üben, fünf sind heute schon zu viel. Ratsche verheddert sich und von Bartels kommt auch nix. Offensiv null, ein Kopfball in der ersten Hälfte von Verhoek, ich bin froh als der Schiri abpfeift. Wären die Paderborner nicht ähnlich blind, über einen Rückstand hätte man sich nicht beschweren können. Grausames Spiel, erinnert mich an die dritte Liga, absoluter Graustufenfußball, die haben da unten auch den Farbfilm vergessen.

Zwischenspiel
Zum Trost gibt es eine Lage Bier von meiner netten Nachbarin, die den lahmen Kick schon vor der Halbzeit für einen Ausflug an die Tränke nutzt. Sie ist ganz aufgekratzt, der Grund sind diverse Lose die man heute zu Gunsten der Fanräume kaufen konnte, in der Halbzeit wird der Hauptpreis gezogen. Verdammte Hacke! Mir war doch die ganze Zeit schon so, als hätte ich etwas vergessen. Unter anderem deshalb wollte ich früh am Stadion sein, mit Fanräumelosen hab ich gute Erfahrungen gemacht.
Der Pappenheimer hat sich inzwischen in seiner Ecke häuslich eingerichtet, Tasche, Bier und Spiegelreflex auf seinem Stahlträger abgelegt und will das Stillleben natürlich mit meiner Kompaktknipse fotografieren, wodurch ich beinahe die Tapete für Kopfballgott Tschauner verpasse. Hoffentlich muss der nicht wieder in der letzten Minute eingreifen, so viel Glück hat man nur einmal im Leben.  
Weitere Grüße gehen an das Nazipack in Braunschweig und an den verletzten Käptn, der uns wohl ein paar Monate fehlen wird. Wie bitter das ist sieht man heute deutlich.

Spiel (2)
Es gibt Spieler die nur verhalten (oder gar nicht) jubeln, wenn sie gegen ihren Ex-Verein treffen. Mahir Saglik gehört nicht dazu, aber genauer betrachtet war der ja auch nur eine Paderborner Leihgabe. Saglik freut sich jedenfalls richtig, als er uns kurz nach dem Anpfiff einen einschenkt, begünstigt von unserem Unvermögen ist das Unglück schon im Ansatz zu erkennen, als Schnecke den Ball verdaddelt und hilflos herumirrt. Fast im Gegenzug bekommen wir einen Freistoß zugesprochen, der meine Blicke sofort an den Spielfeldrand lenkt. Maier steht nicht zur Auswechslung bereit, wird also nichts. Der kommt dann fünf Minuten später rein, zusammen mit Nöthe, Bartels und Schindler gehen. Brechstange rausholen jetzt, egal wie. Am Support kann es nicht liegen, sogar unsere sonst eher schweigsame Ecke brüllt.
Das wird zehn Minuten später von Erfolg gekrönt, ein Sahnepass von Ratsche auf Nöthe und der macht sein erstes Tor für uns. 1:1 Woohooo der Pappenheimer und ich liegen uns in den Armen, trotzdem will mich sein „alles wird gut“ nicht recht beruhigen, obwohl die Jungs deutlich besser ins Spiel kommen. Zehn Minuten sind wir gut dabei, machen aber das zweite Tor leider nicht, und irgendwer ist immer für einen schlimmen Bock gut. Diesmal verdaddelt Ratsche den Ball, Konter, 1:2. Ganz fantastischer Sch...dreck.
Gegen Ende des Spiels fordert der Pappenheimer lautstark den Einsatz von Philipp Tschauner, doch um den Kopfballgott einsetzen zu können müssten wir eine Ecke bekommen und nicht einmal das gelingt noch. Die Heimbilanz des Pappenheimers verschlechtert sich dadurch auf 4:7 Punkte, das ist zwar noch nicht ausreichend für den Titel eines Seuchenvogels, aber bei ganz wichtigen Spielen lass ich ihn in Zukunft lieber zu Hause.

Nachspiel
Normalerweise bleibe ich schon recht lange im Stadion nach dem Abpfiff, diesmal werden wir sogar irgendwann nett aufgefordert zu gehen, denn der liebe Kollege kann sich nicht losreißen, er knipst was das Zeug hält, natürlich alles in Graustufen, dem Spiel angepasst. Ein Wunder, dass er nicht noch seine alte Analogknipse eingepackt hat. Von meiner netten Nachbarin bekomme ich noch zwei Aufkleber für die bescheidene Sammlung, ich werde mich dafür beim nächsten Heimspiel revanchieren, einen richtig schicken von der Tresenkurve habe ich noch übrig. Einen Wutburger gibt es heute auch nicht, das viele Bier sorgt beim Pappenheimer leider für ein ausreichendes Sättigungsgefühl, er verlangt nach Vitaminen. Anrufe bei den üblichen Verdächtigen bleiben erfolglos, alles schon unterwegs nach Hause, also gehen wir auch. Auf dem Weg zur U-Bahn läuft uns der Kleine Tod über den Weg, der sich heute noch furchtbar besaufen will um dieses Grottenspiel zu vergessen. Hoffentlich vergisst er dabei nicht die Vitaminzufuhr.

Vitaminhaltige Morgenmusik: Rachid Taha - Made in Medina



















Freitag, 4. Oktober 2013

Curry mit Aussicht















Ist er nicht goldig, der Oktober? Morgen soll es mit der Herrlichkeit vorbei sein, also carpe diem, Frischluft einfahren. Geht natürlich nicht so schnell, wenn man erst morgens um vier ins Bett geht - und dann noch die vielen Vitamine..

Immerhin sind wir um 14 Uhr unterwegs, das hat schon mal wesentlich länger gedauert. Der Pappenheimer möchte ins Treppenviertel, aber bitte ohne Treppen. Er ist etwas verschnupft und, naja, die vielen Vitamine...

Eine knappe Stunde später rollen wir in die Tiefgarage des Süllbergs. Hausers Edelrestaurant bietet auf der Terrasse einen guten Blick auf das Treppenviertel, ohne allzu viel Treppen steigen zu müssen. Zu halbwegs zivilen Preisen kann man da mal ein Bier oder einen Kaffee trinken.

Wenn die Versorgung klappt, aber da wird wohl nicht nur preislich ein Unterschied zum angrenzenden Sterneschuppen sein, was für ein Segen, dass hier oben eine steife Brise herrscht. Wäre der Laden voll würde alles zusammenbrechen, für zwei Bier und einen vom Pappenheimer gewünschten Espresso Corretto muss ich eine Viertelstunde anstehen. Meine Bestellung wird ohne Nachfrage angenommen, das finde ich überraschend, man kennt sich scheinbar aus mit derlei Wünschen, auch wenn sie nicht auf der Karte stehen.

Ich ahne dass dem nicht so ist, als der junge Mann anfängt mit einer Flasche Myers Rum zu hantieren. Rechtzeitig über den Irrtum aufgeklärt bemüht man sich dann, das Gewünschte zu beschaffen. Ein Anruf in der Küche, die Flasche Grappa wär unterwegs. Ich nutze die Zwischenzeit um die zwei Bier beim Pappenheimer abzustellen und mir eine Riesencurry mit Spezialsoße zu gönnen für nen Fünfer. So oft bin ich nicht in Blankenese, da nutze ich die Gelegenheit natürlich für den Currywursttest.

Der sehr junge Mensch in der Snackbude wirkt nicht besonders glücklich und schwer überfordert, denn keiner holt den BBQ Burger ab und wer hatte nochmal die beiden Bratwurst/Pommes? Niemand? Ich empfehle ihm etwas lauter zu rufen, so dass man seine Stimme auch jenseits der ersten Tischreihe hört, aber das verstößt wohl gegen irgendwelche Regeln. Erst als das geklärt ist beruhigt er sich ein wenig und kann die nächste Bestellung aufnehmen. Definitiv kein Doppelkernprozessor, im Imbissgewerbe wird der nicht glücklich. Ein Crashkurs in der Kleinen Pause wäre möglicherweise hilfreich.

Vor den Wurstgenuss hat der Herrgott noch den Corretto gesetzt, ich kümmere mich darum und der ist inzwischen auch fertig. Schon so lange fertig, dass er die nötige Mindesttemperatur klar unterschreitet, wenigstens das Bier ist wohltemperiert und wird bei diesem Wetter garantiert auch nicht wärmer. Die geheimnisvoll aus einem Wärmeschrank hervorgezauberte Spezialsoße entpuppt sich als Hamburger Standard, den man auch in jedem Supermarkt bekommt, die Wurst ist nicht übel, aber auch nicht der Überflieger.

Bleibt immer noch die Aussicht und die ist Bombe, deswegen versacken wir da trotz der Kälte ein wenig, der Pappenheimer knipst beidhändig in der Gegend herum, mal analog, mal digital, aber immer schön in Graustufen. Nebenbei verziert er Hausers Terrassenzaun mit einem seiner 500 frisch gekauften "St.Pauli Fans gegen Rechts" Aufkleber, im Regenwald haben sie neue Bushaltestellen bekommen, da muss man vorher mal probekleben. Fällt glücklicherweise nicht auf, obwohl er das Ergebnis hinterher aus allen möglichen Winkeln ablichtet.

Der eisige Wind treibt uns vom Berg an den Strand von Wittenbergen und genau so schnell wieder weg, denn ohne Sonne wird es langsam schweinekalt und wir brechen ab. Morgen im Stadion wird es noch kälter, da sollte man vorher ein paar Vitamine zu sich nehmen...

Vitaminzufuhrmusik: Javi Garcia & The Cold Cold Ground - A Southern Horror






Donnerstag, 3. Oktober 2013

Ballkünstler und bunte Torten















Ein spontan eingelegter Urlaubstag, was macht man da am besten? Ganz klar, anderen bei der Arbeit zusehen. Einmal jährlich lädt die AFM ihre alten Säcke über fünfzigjährigen Mitglieder ein, bei Bier und Bratwurst den Jungs des magischen FC bei der täglichen Plackerei zuzusehen, ein paar Fragen zu stellen, Autogramme zu ergattern und dergleichen mehr. Bratwurst gibt es aber nur wenn man sein Fressticket einlöst, was ich mal wieder versäumt habe. Wenn die Wurst noch nicht auf dem Grill liegt hält man sich ans Restprogramm, beim Kuchen hätte ich aber die zwei wichtigsten Faustregeln des Bäckerhandwerks beachten sollen, "je bunter desto Finger weg" und "bei Käsekuchen kann man nichts verkehrt machen". Nächstes Jahr bin ich wieder etwas schlauer, und das mit über Fünfzig!

Boller sollte heute auch noch seine Biografie signieren, ein Programmpunkt der natürlich angesichts seines kaputten Innenbands ins Wasser fallen musste, obwohl man ja mit dem Innenband nicht schreiben muss. Wenn ich irgendwann mein Trikot von ihm bemalen lassen will muss ich mich wohl sputen, wer weiß wie lange er sich das noch antut. Man hätte den letzten Vertrag gleich über 1910 Jahre schließen müssen, schlimmes Versäumnis.

Die inzwischen recht weit fortgeschrittene Baustelle durfte ebenfalls besichtigt werden, ein echtes Schmuckstück wenn das mal fertig ist. Hätte mir jemand vor 20 Jahren erzählt, dass dieser Verein mal derart professionell geführt wird, ich hätte ihn einen Phantasten gescholten. Auf jeden Fall gut zu sehen wohin die Kohle fließt, die man laufend da reinsteckt.

Überhaupt bin ich momentan sehr zufrieden was die Entwicklung angeht, das Personal gefällt mir ausnehmend gut, vom Sportdirektor bis zum Torwart, der zu meiner Überraschung in einen Smart passt, ich hab die Karre wohl unterschätzt bisher.
Wenn die Mannschaft demnächst in den Spielen ähnlich passsicher ist wie im Training, könnte das meine Zufriedenheit auf einen neuen Level heben, bei den Trockenübungen sieht es jedenfalls gut aus was die mit dem Ball so machen.

Am Freitag werde ich mir das Erlernte mal wieder mit einem seltenen Gast ansehen. Könnte ein legendäres Spiel werden, wenn der Pappenheimer dabei ist weiß man nie was draus wird. Legendär übel wie das 1:8 gegen Bayern oder legendär wie das letzte Spiel gegen Paderborn, mit Tschaunis Ausgleich in der letzten Minute. Eigentlich hätte der Mann mal einen Heimsieg verdient, für die weite Anreise.

Und ich mir eine Mütze Schlaf nach so viel Sport heute, wie gut, dass man ihn mit "furchtbarer" Countrymusik zuverlässig ins Bett treiben kann: Zachary Richard - Le Fou

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