Sonntag, 15. September 2013
Schlafmützen
Vorspiel
Spät ins Bett und schlecht schlafen sind üble Voraussetzungen für ein Samstagsspiel, als ich zwei Stunden vorher aus dem Haus wanke bin ich müde wie Hulle. Die Rettung naht in Gestalt meiner Nachbarin, die ebenfalls auf den Bus wartet und für Unterhaltung sorgt. Beinahe hätte ich sie nicht erkannt, statt St.Pauli Cap trägt sie Hut und ist auch sonst sehr elegant unterwegs. Sie will auch nicht ins Stadion sondern zur SPD Wahlkampfveranstaltung in Wandsbek. Da spricht Aydan Özoğuz, und das ist eine richtig nette Politikern. Das mag sein, doch leider ist sie in einer Partei ich seit Jahrzehnten nicht mehr wähle, da kann die Aydan so nett sein wie sie will. Mit Angie könnte man bestimmt auch prima Fussi gucken, würde man nicht immer den Drang verspüren sie die Tribüne runter zu schubsen.
Bis Gartenstadt unterhält mich die Politik, bis Barmbek ein anderer Fan, mit dem ich über das kommende Spiel quatsche. Danach überfällt mich die große Dösigkeit und ich sinniere so vor mich hin, bis es auf einmal auffallend ruhig wird im Abteil. Ach Mist, St.Pauli. Leider ist die Tür der U-Bahn schneller als ich, also fahr ich bis Feldstraße weiter. Der nächste Zug zurück in 4 Minuten lohnt nicht, und weiter weg ist die Gegengerade von hier aus auch nicht. Jedenfalls wenn man gleich richtig herum läuft und nicht vor dem Gästeblock blöde umkehren muss. Ungewollter Frühsport ist der Preis für so viel Schlafmützigkeit.
Vor dem Block monströse Schlangen, doch wider Erwarten lösen die sich in Nullkommanix auf, ich kann noch in aller Ruhe im Stehplatzbereich ein paar Fotos der Wandgemälde machen bevor ich nach oben gehe. Ein Bier später treffe ich den Dartmeister, der nach dem Fußball noch nach Kiel muss zu einem Auswärtsspiel der Dartabteilung. Die Pfeilewerfer nehmen das richtig ernst. Auf dem Sitz von Herrn L. sitzt Gustl, Herr L. muss arbeiten. An einem Samstag mit Heimspiel, den Stundenlohn könnten die mir gar nicht bezahlen.
Die Südkurve glänzt heute durch eine richtig schicke Choreo, die sogar meine Nachbarn sichtlich begeistert. Und so ganz ohne Politik und Bullenschweine diesmal. Über die Höhe des Ergebnisses wird spekuliert, ich wäre mit einer Wiederholung des letzten zufrieden, mein Nebenmann tippt 4:3 für die Guten. Ich glaub ich spinne, ein Herzinfarktspiel? Muss ich nicht haben, die Gegengerade ist eh nicht fit um diese Zeit, war schon mal lauter hier.
Spiel (1)
Anpfiff und los, das Aux Armes ist gerade verklungen, da spielt Buchti einen Traumpass auf Kevin Schindler, der für Nehrig zum Einsatz kommt heute. Gute Maßnahme, denn Kevin haut das Ding in die Mitte zu Verhoek und es steht 1:0. Woohoo, nach 3 Minuten, das sollte die notwendige Sicherheit geben. Tut es jedoch leider nicht, es stachelt nur die Frankfurter an, die nur zwei Minuten später ausgleichen könnten, doch Tschauner hat seinen Fuß dazwischen. Kurz darauf ist es wieder Tschauner der rettet, Frankfurt kommt laufend über außen durch, die sind immer einen Tick schneller.
Wenn bei uns was geht, dann der eine oder andere Versuch aus der Distanz, denn wir kommen nicht ran an den Strafraum, weil der letzte Pass nicht ankommt. Der geht entweder zum Gegner oder planlos in den ganz freien Raum, da, wo nicht mal ein Gegner steht. Furchtbar anzusehen, weil man immer mit einem Gegentreffer rechnen muss, so wie die da unten agieren. Die betteln geradezu darum bei den ganzen Konzentrations- und Stellungsfehlern. Schindler ist reichlich überfordert in der Defensive und auch auf der anderen Seite kommt zu viel durch. Die Innenverteidigung hat jedenfalls gut zu tun und ohne den gut aufgelegten Tschauner hätten die Frankfurter auch schon drei- oder viermal treffen müssen. Entweder sind die vorne zu blind oder wir haben einfach auch mal Glück, das ist von hier aus schlecht zu erkennen.
Bis zum Pausenpfiff bleibt es jedenfalls beim 1:0, bei einem deutlichen Chancenplus für den FSV, das muss sich in der zweiten Hälfte ändern wenn wir gegen die was holen wollen.
Zwischenspiel
Gustl geht dankenswerterweise Bier holen, zusammen mit der halben Nachbarschaft. Seit ich einen empfindlichen Nachbarn habe rauche ich meine Sportzigarette in der Halbzeit, auf Sitzplätzen muss man Kompromisse eingehen, ist mir am Millerntor auch noch nie passiert so etwas. Dadurch verpasse ich diesmal nichts in der Pause, von der schönen bunten Abschiedstapete für Bene hätte ich als Bierholer nichts gesehen.
Spiel (2)
Es ändert sich nichts, die sind weiter im Schlafmützenmodus, das kann nicht lange gut gehen. Kaum hab ich das gedacht trifft Lenny Thy zum 2:0, woohooo, alles liegt sich in der Armen, aber als ich auch mit meinem Hintermann abklatschen will hat der die Hände wieder in den Taschen. Abseits. So ein sch..
Die Frankfurter schockt das nicht weiter, bei unserem desaströsen Abwehrverhalten geht immer was, nur treffen sie noch nicht dahin wo es weh tut.
Das machen tatsächlich wir nach zehn Minuten, womit ich überhaupt nicht mehr gerechnet habe, aber Ratsche zieht aus der Distanz ab und es steht 2:0. Woohoo, was für eine Erleichterung, ein klein wenig beruhigender der Spielstand. "Verdient ham wir das nich" sagt Gustl nach dem Jubel und ich müsste ihm eigentlich beipflichten. "Scheißegal" sag ich, "schön is trotzdem. Aber Vicky Leandros fällt heute aus so wie die spielen."
Fünf Minuten währt die Freude, dann klingelt es auch bei uns endlich. Der Anschlusstreffer ist ein kurioses Scheißeigentor, das kann Tschauner diesmal nicht verhindern, weil ein Frankfurter auf ihm liegt. Weil Tschauni das erbost beschwert er sich beim Schiri, was außer dem Tor noch eine gelbe Karte zur Folge hat.
Möhlmann wechselt danach gleich drei Leute aus, das soll wohl bedingungslose Offensive heißen in der letzten halben Stunde. Geht nicht auf der Plan, denn der Druck lässt eher etwas nach, wir kommen besser ins Spiel. Bei uns gehen Schindler und Thy, Schnecke und Maier kommen. Leider gibt es keinen Freistoß, den er mal eben reinmachen könnte, dafür setzt sich Schnecke gut durch nach vorne, aber Fin verdaddelt das Ding. Wie so oft kommt der letzte Pass nicht an, es ist zum auswachsen. Was haben die in den letzten zwei Wochen trainiert? Völlig fassungslos bin ich, als Boller während eines Frankfurter Angriffs geistesabwesend im Strafraum spazieren geht, als wäre er gerade auf einem anderen Planeten. Was für eine Schlafmütze, ich würde die drei Punkte gerne behalte bitte, danke.
Kurz vor Schluss fliegt dann noch ein Frankfurter mit gelb-rot vom Platz, wir überstehen die drei Minuten Nachspielzeit und gewinnen das Ding sehr glücklich mit 2:1. Muss man einfach mal glücklich sein und so hinnehmen, wir waren auch schon die bessere Mannschaft und haben verloren, so gleicht sich alles wieder aus.
Nachspiel
Vicky Leandros bleibt tatsächlich im Plattenschrank, danke für so viel Fingerspitzengefühl. Gustl lässt sich noch zu einem Bier überreden, vor dem Fanladen treffen wir die Tresenkurve und sabbeln uns fest. Dieses mal bin ich derjenige der zum Aufbruch drängelt, nach der kurzen Nacht und dem äußerst frühen Frühschoppen bin ich angemessen breit und würde mich gerne ne Stunde aufs Ohr packen. Auf dem Bahnsteig fällt Gustl ein dass er ein Ticket braucht und rennt wieder nach oben, den Vorteil von Tagestickets hat er noch nicht erkannt. Dadurch verpasse ich eine Bahn, jemanden einfach stehen lassen ist nicht meine Art. Die nächste kommt aber ratzfatz, ich wundere mich nur wieso Gustl nicht mit einsteigt, denn der ist auf einmal verschwunden. Das Dunkel lichtet sich, als ich merke dass der Zug in die falsche Richtung fährt, das heißt einmal mehr umsteigen. Lauter Schlafmützen heute, und ich bin die größte davon.
Dafür hole ich mir in Barmbek Kohle von der Spasskasse und was zu beißen, endlich Frühstück, mitten im hsv-Gebiet. Beim Bäcker quatscht mich prompt eine ältere Barmbeker Dame an und möchte das Ergebnis wissen, was sie richtiggehend fröhlich stimmt. "Juhuu" trillert sie "dann gewinnen wir heute Abend auch in Dortmund." "Ganz bestimmt" erwidere ich lahm, und versuche ein freundliches Lächeln. Dieser zwingend logischen Schlussfolgerung kann man sich einfach nicht entziehen.
Mit ihren Freundinnen führt sie am Nebentisch lebhafte Fachgespräche, ich verstehe nur Wortfetzen, Stellingen, Cottbus, Werder, St. Pauli und Hansa Rostock, und bin nicht sicher ob die Damen wissen in welcher Liga sie gerade sind.
Die nächsten Spiele sind wieder unter Flutlicht, hoffentlich sind dann alle etwas wacher.
Dudelsackwachmacher: The Real McKenzies - Off The Leash/ Westwinds
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Freizeitstress,
Fußball,
Politik,
Typen
Standort:
St. Pauli, Hamburg, Deutschland
Freitag, 13. September 2013
Neulich bei der Einschulung...
Überlässt man die Besorgung der Schultüte für den Nachwuchs irgendwelchen entfernten Tanten, dann kann das schon mal gewaltig in die Hose gehen, wenn die Tante nur noch "irgendwas mit Fußball" im Kopf hat. Für den weiteren Start ins Leben könnte das von existenzieller Wichtigkeit sein, wenigstens ist sie für alle Eventualitäten gerüstet.
Denkbar wären natürlich auch Zwillinge, von denen einer mit seltsamen Anwandlungen kämpft, aber das soll bei Zwillingen angeblich selten vorkommen. Oder Freunde, die zusammen eingeschult werden, das kann passieren. Selbst ich kenne den einen oder anderen netten Menschen, der schon sein Leben lang diese blaue Bürde trägt.
Wahrscheinlich die falsche Schultüte bekommen damals.
Scheißsechstagewochenextrementspannungsmusik Teil 3: John Digweed - Stark Raving Mad / Live Beirut, Lebanon 2004
Dienstag, 10. September 2013
Intrigen, Sex, Verrat und blutige Morde
Irgendwann im letzten Frühjahr bekomme ich einen Anruf vom Gnorx aus Köln. Ein Wortschwall ergießt sich über mich. Eine sehr aufgeregte Stimme erzählt mir etwas von Lieblingsbüchern, die gerade verfilmt werden. Oder verfilmt wurden, zum Teil jedenfalls schon, denn es ist eine ganze Serie. Zehn Bände hätte er schon gelesen, aber es ginge weiter, der Autor schreibt noch. Das beste was er je im Bereich Fantasy gelesen hat, ein gewaltiges Epos und eigentlich nicht verfilmbar, macht man nicht eine ebenso gewaltige Serie daraus, aber scheinbar hat das gerade jemand vor. Und der Autor schreibt an den Drehbüchern mit, deswegen kann das eigentlich nur gut werden. Jedenfalls ist das alles der schiere Wahnsinn und ich würde mich doch mit dunklen Kanälen im Netz auskennen, ob ich mal gucken könnte, das müsste er uuuunbedingt sehen.
Aha. Nun ist der Mann ein Bücherwurm vor dem Herrn, die ziemlich umfangreiche Bibliothek des Hauses ist ihm mit Sicherheit um ein vielfaches wichtiger als seine Glotze, deswegen überrascht mich das ein wenig, aber wenn Lieblingsbücher verfilmt werden kann man schon ein wenig aus dem Häuschen geraten.
Das Lied von Eis und Feuer finde ich jedoch nicht auf den einschlägigen Seiten, ist vielleicht ja noch in der Planung, aber ich frag mal rum bei Gelegenheit. Bei verfilmten Lieblingsbüchern wäre ich ohnehin sehr skeptisch, das kann eigentlich nur in die Hose gehen. Meine Lieblingsbücher waren im Kino immer Vollschrott, gekürzt und verstümmelt, und bei den beschränkten Möglichkeiten des Fernsehens kann, gerade bei aufwändigem Stoff, bestenfalls eine mittelprächtige Serie entstehen. Die Artussage als kleines Fernsehspiel muss ich nicht haben.
Kurz darauf fällt mir der Versandhandel als Quelle ein und siehe da, die erste Staffel gibt es sogar schon auf Silberlingen. Man hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht den deutschen Buchtitel für die Serie zu verwenden, aber sucht man nach Game of Thrones ist die Beschaffung kein Problem mehr.
Nach inzwischen drei Staffeln kann ich nur sagen, das Fernsehen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Dank des cleveren Geschäftsmodells amerikanischer Anbieter wie HBO sind heute qualitativ hochwertige Serien für Erwachsene tatsächlich kein Traum mehr. Angesichts der Tatsache, dass mit der dritten Staffel gerade mal zweieinhalb von inzwischen elf Büchern verfilmt wurden hoffe ich nur, dass sich das nicht in ein paar Jahren zum Alptraum entwickelt. Vor ein paar Wochen erst beklagte sich ein Freund auf meinem Anrufbeantworter, wieso ich ihm diese Serie empfehlen konnte. Das mache ja süchtig, etwas spannenderes habe er selten gesehen. Und natürlich die obligatorische Frage, wo gibt es die dritte Staffel, es ist egal was es kostet. Soviel zum Geschäftsmodell.
Dabei sind durchaus nicht alle zufrieden, wobei mir die wenigen negativen Rezensionen bei Amazon eher ein Grinsen abringen. Da fragen sich einige der Rezensenten, wieso man denn nur den Hauptdarsteller der Geschichte schon am Ende der ersten Staffel hat sterben lassen, ein Ding der Unmöglichkeit so etwas. Anderen fließt immer noch nicht genug Blut, die hätten gerne mehr Schlachtgetümmel, klirrende Schwerter, rollende Köpfe und nicht so viel Text. Zu wenig Äkktschn und viel zu viel Text, die sabbeln ja nur.
Ich frage mich dabei immer, warum ich zehn Minuten lang einem Haufen Leute dabei zusehen soll, wie sie sich die Schwerter in den Leib stechen und die Gliedmaßen abschlagen. Das sind zehn Minuten weniger Zeit für die Geschichte und am Ende ist ohnehin nur wichtig, wer lebend vom Schlachtfeld zurückkehrt. Denn in den nächsten Staffeln, davon bin ich überzeugt, werden noch sehr viel mehr Hauptdarsteller sterben, die wenigsten auf dem Schlachtfeld und keiner wenn man es erwartet. Manchen wünscht man einen möglichst qualvollen Tod, bei anderen hofft man, sie würden diese grausame Geschichte irgendwie überleben und nicht immer endet es so, wie man es sich wünscht. Das Leben ist hart auf dem Kontinent Westeros und der Tod macht keine Unterschiede. Der nimmt auch keine Rücksicht auf Kinder (und Hauptdarsteller), was diesem Plot, trotz all der fantastischen Gestalten und Figuren, einen rücksichtslosen Realismus verleiht. Neben den blutigen Schwertern so ziemlich das Härteste was ich je gesehen habe, auf so einige Szenen ist man nicht wirklich vorbereitet, wenn man die Bücher nicht gelesen hat. Wie oft mir während dieser inzwischen dreißig Folgen die Gesichtszüge entglitten sind vermag ich nicht zu sagen.
Man merkt dieser Serie in jeder Minute an, dass hier nicht ein paar professionelle Drehbuchautoren den Auftrag bekommen haben, eine Fantasyserie mit mittelalterlichen Rittern, Untoten, Drachen und ein wenig Sex und Blut zu konzipieren. Das ist eine Buchverfilmung ziemlich epischen Ausmaßes, eine fein gewebte Geschichte mit unglaublich spannenden Handlungssträngen, die alle unweigerlich auf ein furioses Finale zulaufen, das ich mir momentan nicht einmal im Ansatz vorstellen kann - und mit einem derart hohen Suchtfaktor, dass ich geneigt bin dem Rat meines Freundes Gnorx zu folgen und die Bücher zu lesen, die Spannung ist ansonsten kaum auszuhalten. Immerhin hat er mir neulich gesteckt, dass im zehnten Band tatsächlich noch einer der wenigen anständigen Charaktere lebt.
Einer?
Ich hoffe der verarscht mich nur (und wehe einer spoilert hier).
Immer noch Scheißsechstagewochenextrementspannungsmusik am laufen tun haben: Global Underground 6 - John Digweed in Sydney/Global Underground 12 - Dave Seaman in Buenos Aires
Samstag, 7. September 2013
Von Würsten und Backfischen
"Immer, wenn ich in Hamburg bin" - wie oft habe ich diese Einleitung gehört, von Kölnern, Münchnern oder Frankfurtern, wenn ich in der Veddeler Fischbratküche mal wieder mein Verlangen nach erstklassigem Backfisch gestillt habe. "Immer, wenn ich in Hamburg bin" - der regelmäßige Besucher dieser Stadt pflegt anscheinend, zumindest was die Nahrungsaufnahme angeht, seine festen Riten.
Der Herr Ärmel ist wohl auch so jemand, denn von dem weiß ich, dass er seinen Backfisch mit schöner Regelmäßigkeit beim legendären (und meiner Meinung nach völlig überschätzten) Daniel Wischer einzunehmen pflegt. Ein Ritus, der unbedingt überdacht werden sollte. Dummerweise hat Wischer den für Touristen besseren Standort, und selbst mit dem Auto kann es durchaus eine Weile dauern bis man auf der Veddel ist (oder wieder weg), denn Inseln sind immer schwer zu erreichen.
Ein weiterer fester Anlaufpunkt für Herrn Ärmel ist, soweit ich das richtig mitbekommen habe, der Curry Club in der Esplanade. Da fahr ich schon mal zufällig dran vorbei, und wenn dann zufällig auch noch ein Parkplatz frei ist, dann muss ich der Empfehlung einfach folgen, der Curry Club fehlte eh noch in der Testreihe.
Auf den ersten Blick positiv, das Brötchen kommt auf den Kontaktgrill. Keine schlechte Idee wenn man nicht in bessere Brötchen investieren will, so wird aus dem Standardimbissteigling immerhin ein gegrillter Standardimbissteigling. Die Wurst kommt optisch sehr ansprechend daher, in sehr gleichmäßige Stücke geschnitten und mit Curry bestreut, wie es sich gehört. Die Konsistenz der Sauce ist in Ordnung, haftet an der Wurst, besteht aber nicht ganz den Kleckertest. Dank des Tellerrands war ich gewarnt.
Geschmacklich das, was man sich unter einer Currywurstsauce vorstellt, wenig Tomate, nicht zu sauer und trotzdem keine Zuckerpampe. Die deutliche Schärfe ist nicht übertrieben, es brizzelt angenehm im Mund ohne die Geschmacksknospen zu beschädigen. Der Knackpunkt ist die Wurst, da knackt nichts. Das Kaugefühl erinnerte mich zeitweilig an festes Schaumgummi. Damit die "Gnubbel- und Zipfelfrei" Garantie eingehalten wird nimmt man dort wohl sehr sehr feine Bratwürste, das wabbelt mir zu sehr im Mund.
Überhaupt scheint man der Wurst alleine nicht viel zuzutrauen, denn auf der Karte gibt es ein eindeutiges Überangebot anderer Speisen, vom Schnitzel bis zum Burger. Dank der Sauce reicht es für einen Platz im gehobenen Mittelfeld. Kann man mal essen wenn man da gerade vorbeikommt, muss man aber nicht.
Denn für eine Currywurst muss man, im Gegensatz zum Backfisch, weit weniger Aufwand betreiben. Das Edelcurry ist nur ein paar Meter weiter.
Extrementspannungsflyhighmusik nach der zweiten Scheißsechstagewoche: Global Underground 16 - Dave Seaman in Capetown / Global Underground 20 - Darren Emerson in Singapore
Mittwoch, 4. September 2013
Stadtansichten: Nienstedten
Zwei Tage gutes Wetter sollten ausreichen, um mit Nienstedten meine Stadtteilserie weiterführen zu können. Damit wären, nach Ottensen, Othmarschen und Blankenese auch alle Elbvororte vertreten, jedenfalls die relevanten, die wirklich an der Elbe liegen. Nienstedten ist klein und besteht, abgesehen von den Protzvillen an der Elbchaussee, aus kleinen Nebenstraßen mit Einzelhäusern (und Protzvillen). Sozialer Wohnungsbau hat bei diesen Grundstückspreisen keinen Platz, hier werden sogar Wohnanlagen per Video überwacht, denen man in anderen Stadtteilen keinen zweiten Blick schenken würde. Wo früher die "Warnung vor dem Hunde" stand, befindet sich heute entweder ein Hinweis auf Überwachungskameras, oder die Telefonnummer der zuständigen Sicherheitsfirma.
Denn wer hier wohnt hat Geld und will es natürlich behalten. Nienstedten ist, gemessen am Durchschnittseinkommen, der reichste Stadtteil Hamburgs. Das Hotel und Restaurant Jacob befindet sich also am richtigen Platz, die einzige Küche der Stadt mit zwei Sternen und einem traumhaften Blick auf die Elbe, den man allerdings auch im Garten mit einem Nusseisbecher genießen kann ohne im Armenhaus zu enden. Günstigere Verpflegung bekommt man, geht man neben dem Jacob die Treppen zur Elbe herunter, am Elbuferweg finden sich diverse Möglichkeiten sein Geld in Wurst, Bier oder Eis umzusetzen.
Einen besseren Blick auf den Fluss bieten höchstens die Balkons der Villen an der Elbchaussee (Butterseite), wenn die Bäume im Vorgarten nicht immer so stören würden. Aber es gibt Menschen, die finden für alles eine Lösung, wenn man erwischt wird ist die zwar recht teuer, aber wo leben wir denn...
Wer hier gelebt hat kann man auf dem Friedhof sehen, manchmal auch den ausgeübten Beruf, was bei den Namen des alteingesessenen Hamburger Familienadels selbstredend nicht nötig ist.
Ein paar bauliche Veränderungen in den letzten Jahren haben den Stadtteil etwas modernisiert. Aus der Elbschloss-Brauerei wurde die Elbschloss-Residenz, auf dem Gelände entstanden ein Seniorenwohnsitz und eine ganze Reihe Eigentumswohnungen, einzig die unter Denkmalschutz stehende Mälzerei hat das (renoviert) überlebt. Neben der alten Villa Schröder entstand der abgeriegelte Komplex des Internationalen Seegerichtshofes. Ein überwiegend leerstehendes Gebäude, Paradebeispiel für Steuerverschwendung, denn die zwei Prozesse im Jahr hätte man auch in jedem anderen Gerichtssaal verhandeln können.
Eingeschlossen wird diese Idylle im Osten vom Wesselhoeftpark, dessen Teich scheinbar einen nicht geringen Fischbestand aufweist, der Anzahl jugendlicher Angler nach zu urteilen, und dem Turnierplatz Klein-Flottbek, auf dem jährlich das weltbekannte Springderby stattfindet. Die zweite große Grünanlage ist der Hirschpark im Westen, ehemals ein zum Landhaus Godeffroy gehörender englischer Garten, heute öffentlich zugänglich.
Neben alten Baumbeständen, Teichen, Hirsch, Reh, Fasan und Pfau, bietet der auch einen der schönsten Blicke auf die Elbe die ich kenne. Auf die geheimen Hallen von Airbus leider auch, was den Blick natürlich etwas trübt. Aber um diese Trübung zu beheben muss man nur lange genug sitzen bleiben.
Schreibmusik: da DHL mal wieder zu dämlich ist Pakete zuzustellen, noch ohne Cover, Booklet und DVD: Thees Uhlmann - #2 und Thees Uhlmann - Live Große Freiheit 36, denn latürnich habe ich mir die Deluxeversion gekauft.
Anmerkung zu Bild 25: Es ist durchaus möglich, dass die auf dem Foto befindlichen Grundstücke schon immer einen spärlichen Baumbestand hatten und die Mieter resp. Besitzer nicht in den Baumfällskandal verwickelt sind oder waren. Das ist nur ein Beispielfoto.
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Fotosafari,
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Nienstedten, Hamburg, Deutschland
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