Freitag, 13. April 2012

Ich bin dann mal weg...
















Mein letztes Buch habe ich durch, alle Filme auf der Liste gesehen, und eine neue Serie gar nicht erst angefangen, die Planung war ganz ausgerichtet auf den 12.April, denn an diesem Tag erschien endlich die vierte und vorletzte Staffel der sensationellsten Serie aller Zeiten, Chuck ist wieder da. 24 mal 45 Minuten Romantik, Spannung, Action und ausgemachter Blödsinn, die hier im TV Programm nicht stattfinden, weil man den ausgemachten Blödsinn zwar gut am Sonntag Nachmittag senden könnte, die Morde unter Auftragskillern und Agenten aber erst wenn die Kinder im Bett sind, oder die Verantwortung an die häusliche FSK abgewälzt werden kann.
Eigentlich bin ich ganz dankbar, dass ich das nicht mit dämlichen Werbeunterbrechungen sehen muss, wäre nur die Wartezeit nicht immer so lang. Im deutschsprachigen Ausland ist die Serie glücklicherweise so erfolgreich, dass hoffentlich auch die letzte Staffel noch synchronisiert wird. Da die wohl erst irgendwann im nächsten Jahr erscheinen wird, werde ich das strategisch vorbereiten, und mir vorher noch einmal alle vier Staffeln ansehen, um einen nahtlosen Übergang in die letzte zu bekommen.
Und jetzt geh ich mit einer chilligen Zigarette und einem kühlen Mineralwasser auf die Couch, für mindestens zwei Folgen.

Dafür werd ich sogar Thea Gilmore - Songs From The Gutter unterbrechen.

Mittwoch, 11. April 2012

Mehr Hunger auf Tore














Vorspiel
Vier Stunden Schlaf sind nach diesem Osterwochenende eindeutig zu wenig, das merk ich in der Firma, ich krieg nichts auf die Kette und brauch erst einen dreifachen Espresso, danach läuft der Laden. Nur mein Magen knurrt noch, weil morgens um 4 Uhr kein Bäcker geöffnet hat, muss ich fünf Stunden auf die Öffnung der Kantine warten, bis ich das Geräusch endlich unterbinden kann. Die Restzeit verläuft erträglich, leider hat mein Kollege eine Reifenpanne und so verspätet sich die Ablösung noch um eine halbe Stunde, weil er zurück muss um das Fahrrad zu wechseln.
Besonders tragisch ist das nicht, denn das übliche Montagsspielnickerchen am Nachmittag kann ich sowieso knicken, das Spiel fängt schon um 17:30 an. Siebzehnuhrdreissig! Mitten in der Woche ist das an Schwachsinn kaum zu überbieten, aber wer das meiste Geld zahlt legt die Anstoßzeit fest, und das sind nun mal die Fernsehfritzen und Werbebanausen.
Eine knappe Stunde bleibt mir, deshalb fahre ich erst einmal zum Backhus, ich brauch Berliner. Die Mannschaft spielt einfach grottig, seit mir kein Orakel mehr einfällt, bei Union ist das einfach. Mir ist zwar klar, dass die Dinger in Berlin aus unerfindlichen Gründen Pfannkuchen heißen, aber hey, das ist ein Heimspiel, da lege ich die Regeln für Orakel fest.
Im Backhus dann die große Enttäuschung, wochenlang liegen die da rum wie sauer Bier, wenn ich welche brauche gibt es keine mehr. Ich hol mir dafür Brötchen, damit ich nach dem Spiel wenigstens etwas Essbares im Haus hab. Auf dem Rückweg denk ich mir, verdammt, das kann es nicht sein, du musst das hier wirklich ernsthafter betreiben. Also fahre ich etliche Kilometer zurück und geh zum Hansebäcker. Auf den ersten Blick auch hier Ebbe, aber ein paar finden sich tatsächlich noch in einer Ecke. Drei Tore gegen Union müssten reichen, also nehm ich drei mit und fahr wieder nach Hause.
Bevor jetzt jemand was sagt, ich weiß, das ist Schwachsinn. Eigentlich. Ich gesteh mir selber ein, schwer einen an der Waffel zu haben, und esse nur zwei Berliner. Vom dritten wird mir garantiert schlecht, außerdem drängt die Zeit. Noch schnell zwei Sportzigaretten gedreht für das Spiel, nebenbei Herrn L. seine Abflugzeit durchgeben, Schal um, Mütze auf, wech nu.
Herrn L. treffe ich erst am Ausgang der U-Bahn St.Pauli, der fährt lieber mit der Regionalbahn, weil das zwei Minuten weniger Fußmarsch sind. Am Versorger vor der Gegengerade will ich gerade zwei Bier ordern, da brüllt irgendjemand  "hol vier" von der Seite. Ich erblicke den heftig winkenden Dartmeister und ändere die Bestellung. Nach einer Bierlänge beschließen wir, das nächste auf der anderen Seite des Bauzaunes zu trinken und entern das Millerntor. Das Bier geht mit auf die Plätze, heute Block 4, letzte Reihe. Herr L. sitzt einen Block weiter, dank der Millerntorkartenlotterie.
Auf der Süd ist man der gleichen Meinung wie ich, und wahrscheinlich mindestens 99% der restlichen Anwesenden, was die geniale Terminierung betrifft. DI 17:30 - geht's noch früher?
Hoffentlich hält das nicht jemand in Frankfurt für eine Aufforderung, die verstehen unseren Humor dort eh nicht.
Dann geht es endlich los, Hells Bells und Papierschlangen. Here we throw again, auch das werden sie beim DFB nicht amüsant finden, und das ist auch gut so. Ich muss darüber aber dummerweise lachen und verwackel deshalb die meisten Fotos von der Kassenrollenwurfaktion.
Fängt ja gut an, doch schon der Mann im grünen Dress vermag mich zu beruhigen, nur durch seine Anwesenheit in unserem Tor. Tschauner ist zurück, ich muss endlich nicht mehr Bene gegen seine Kritiker verteidigen, wäre mir wohl auch langsam schwerer gefallen.

Spiel (1)
Die Jungs kommen etwas schwer in Fahrt scheint mir, die werden doch nicht Frankfurt wiederholen wollen? Das erste gefährliche Ding kommt jedenfalls von Union, aber der grüne Mann hat ihn sicher. Yessss. I feel good. Die ersten zehn Minuten gefallen aber nicht, noch weniger gefällt mir ein gellendes Pfeifkonzert, was zum Teufel? Wo sind wir hier? Mein Nebenmann ist außer mir der einzige der sich aufregt über das neue Anspruchsdenken am Millerntor, später erfahr ich von irgendeiner blöden Aktion im Gästeblock, die dafür verantwortlich war.  So weit ist es schon gekommen, dass man ein Pfeifkonzert auf die eigene Mannschaft bezieht. Die wird langsam wacher und erspielt sich ein paar Möglichkeiten, nur leider ohne Abschluss, aber der Wille ist klar erkennbar. Das wäre die richtige Zeit für mehr Support, aber von hier oben kommt nichts. Auf dem Platz ist man weiterhin bemüht, aber ohne die zwingende Chance, Union kämpft, nicht nur auf dem Rasen. Der Gästeblock ist gut gefüllt und laut, das nötigt mir Respekt ab, gerade an so bescheidenen Dienstagen. Dann eine Riesenchance für die Berliner, geht grad noch drüber, aber kaum hab ich mich beruhigt ist das Ding drin, nach der folgenden Ecke. Maaaaaaaan geht das schon wieder los, so eine blöde Bogenlampe, nicht zu halten, so darf der nie zum Kopfball kommen. Glückstreffer, bräuchten wir auch mal.   

Die Jungs versuchen es weiter, mehr oder weniger geschickt, manchmal verunsichert. Bartels setzt einem Ball nicht energisch nach, ich brülle etwas von "mehr Einsatz" und meine damit ebenso meine Umgebung, die auf come on you boys in brown keinen Bock hat. Mein Nebenmann schafft noch die erste Zeile und gibt dann auf, ich bei der dritten. Tschauner glänzt durch eine Stolpereinlage von geradezu pliquettesker Anmut, aber der Ball geht links vorbei. Meine Güte, wenn jetzt schon der grüne Mann solche Aussetzer hat..
Halbzeitpfiff. 0:1 Pausenstand.

Zwischenspiel
Ich brauche dringend ein Bier für meine Stimmbänder, drängel mich durch die Reihen und gebe auf dem Weg Herrn L. zu verstehen, dass ich mich anders orientieren werde. Sitzen ist für'n Arsch, hab ich immer gesagt. In der letzten Reihe sitzt zwar niemand, aber die Blöcke 4 und 5 sind klinisch tot, das mache ich nicht länger mit. Ich hol mir vor Block 2 ein Bier, weil das schneller geht als an den anderen Ständen, lauf den Weg wieder zurück und begebe mich zu Herrn B. und Koschi auf die billigen Plätze der Tresenkurve. Lieber beschissen gucken als beschissen supporten. Da geht noch was.

Spiel (2)
Und ob da was geht, wir sind am Drücker, aber sowas von. Da muss irgendwann einfach ein Tor fallen, wenn die so weiterspielen. Hier unten brüllt es sich auch gleich viel besser, man hört nicht nur den Gästeblock, der immer noch ausdauernd dabei ist. Nach etlichen vergeben Chancen und kollektivem Gestöhne wage ich mich aus der Deckung und prophezeie zwei Tore. Um die allgemeine Erheiterung darüber noch zu verstärken, weise ich auf die drei Berliner hin, von denen ich immerhin zwei verspeist habe. So etwas sollte man allenfalls in Fußballstadien verlauten lassen, woanders wird man dafür eingewiesen. Aber kaum hat sich das Gelächter gelegt, macht Max den Ausgleich. Woohoo, jetzt gehts ab hier, endlich. Noch eine halbe Stunde für den Siegtreffer, ich hätte alle drei essen sollen. Mehr Torhunger kann nie schaden. Orakelzeit Baby.
Aber die wird zäh. Nicht das Spiel an sich, das macht weiter Spaß, auch wenn die Tresenkurve natürlich wieder am falschen Ende ist. Daher schreien wir die Freude über ein Tor hinaus, das keines ist, singen schon das Woohoo mit, denn damit ist es wohl offiziell, aber verdammt nochmal, was wird da diskutiert? Der war doch drin, verdammte Hacke.
Immerhin hat das Konsequenzen, es wird endlich wieder richtig laut auf den Rängen, so mag ich das, hätte nur gerne früher kommen können. Kurz darauf wieder kollektives Stöhnen, es gibt nen Platzverweis. Nicht mal einen von unseren Jungs trifft es, doch sofort sagen drei Leute gleichzeitig, gegen 10 Mann können wir nicht, konnten wir noch nie, das wird nichts mehr. Ich verweise hartnäckig auf den zweiten Berliner, Ebbe muss noch sein Tor machen.
Ich bekomme Unterstützung durch das Bier von Herrn B., die Mannschaft durch meine Stimme, aber das Tor will einfach nicht fallen. Daube klatscht ein schönes Ding an die Latte, Tschauner fliegt auch noch mal richtig, denn Union hält eisern dagegen. Nachspielzeit irgendwas von drei Minuten und ich will schon resignieren, da kommt Bartels im Strafraum angerauscht und haut das Ding in die Maschen. Waaaaahnsinn, ausgerechnet Fin, der hat das Erfolgserlebnis ähnlich nötig wie Max, hoffentlich gibt das den nötigen Schub jetzt. Woohoo in der letzten Minute, fast so schön wie Duisburg, aber ihr könntet ruhig mal an mein Herz denken. Alternativ müsste ich sonst mehr Berliner essen, was für die Pumpe leider ebenfalls kontraproduktiv ist.
Sekunden später ist Feierabend und endlich einmal ist das verwöhnte Millerntorpublikum zufrieden und feiert seine Helden, sogar vom Gästeblock gibt es Beifall, trotz der paar Spinner die sich da herumtreiben ein überwiegend sehr angenehmes Publikum, das über die 90 Minuten Gas gibt, große Klasse.

Nachspiel
Ich mach noch ein paar Fotos, am Bierwagen treff ich die Jungs wieder und wir lassen uns Spiel und Bier durch den Kopf gehen. Ich beklage mich über die lausige, eher nicht vorhandene, Unterstützung der Gegengeradensitzplätze. Koschi beklagt sich, dass die alten Lieder nicht mehr gesungen werden. Das scheint nicht nur ein organisatorisches, sondern gleichzeitig auch noch ein Generationsproblem zu sein. Aber eins ist mal sicher, wenn ich irgendwann wieder in den Genuss einer Dauerkarte kommen sollte, dann sitz ich entweder in Block 2 bei den Kollegen, oder ich bleib einfach Steher.
Sitzplätze braucht kein Mensch, mit 80 gibts nen Rollator.

Der braucht noch keinen: Michael Franti & Spearhead - All Rebel Rockers

Eine Frage hätt ich noch. Was isst man eigentlich so in Rostock? 

Mehr Spielberichte und Bilder bei KleinerTod und dem Übersteiger mit weiterführenden Links.

















Montag, 9. April 2012

Flammendes Inferno














Einer der jährlichen kulturellen Höhepunkte im südwestfälischen Regenwald, neben dem Immecke Open Air, ist das Osterfeuer. Man sollte besser die Osterfeuer sagen, denn in den größeren Dörfern gibt es auch mal mehrere davon. In Attendorn soll es sogar Osterfeuervereine geben, vier an der Zahl, die auch als einzige in Attendorn behördlich genehmigt zündeln dürfen, damit der Spaß nicht Überhand nimmt. Die brennen dann auf den vier Hügeln von Attendorn und sind von jedem Hügel aus sichtbar, weshalb ich da eigentlich mal hin müsste.
Da die Anreise dorthin wahrscheinlich ebenso kompliziert ist wie der Weg nach Lüdenscheid, haben wir schon traditionell das größte im heimischen Dorf besucht. Von dort hat man einen prima Blick auf das Dorf bei Nacht, und die katholische Kirche als Veranstalter sorgt mit brennenden Kreuzen für ein wenig gruselige Ku-Klux-Klan Atmosphäre. Außerdem besteht, das höre ich jedenfalls seit Jahren, die Chance auf eine Massenschlägerei zu fortgeschrittener Stunde, inklusive anschließender Gefangenenbefreiung. Die haben hier eine ganz eigene Art, die Auferstehung des Heilands zu feiern. Mit viel Krombacher und merkwürdigen Osterfeuerlikören, das kann niemals gut enden.
Vorsorglich sind deshalb immer genügend Einsatzkräfte vor Ort, Sicherheitsdienst, Ordnungsamt und Polizei, die angeblich gerne mit Infrarotkameras auf der großen Wiese spioniert, weshalb wir uns nach gemeinsamem Genussmittelverzehr immer kurz in der Menge verstreuten. Auch wenn ich das für ein Infrarotmärchen halte, bei den Regenwaldchaoten ist alles möglich, und ich halte mich gerne an die Sitten und Gebräuche des Landes, damit lebt man sicherer.

Ob es dieses Jahr zu einer Massenschlägerei gekommen ist habe ich, wie üblich, nicht herausfinden können. Da unser Bier schneller leer war, als das mitgebrachte Sortiment der üblichen Protagonisten dieser Zwischenfälle, sind wir mal wieder vor der großen Show gegangen.
Nach einem angenehmen Abend in großer Runde, auf dem unglaublich gemütlich ausgebauten Dachboden von Rock'n Rolf , wollte der Pappenheimer tatsächlich 10 Euronen dem Taxigott opfern, da die Möglichkeit bestünde, unterwegs irgendwelchen marodierenden Horden in die Hände zu fallen. Da wir vor mehr oder weniger vielen Jahren selber für marodierende Horden gehalten wurden, konnte ich die zwanzig Minuten frische Luft glücklicherweise durchsetzen, und natürlich war um diese Zeit kein Mensch mehr auf der Straße.

Manchmal glaub ich ja, die hauen immer ein bisschen auf die Kacke wenn ich da zu Besuch bin, weil sie glauben als Hamburger erlebt man jede Woche eine Schießerei auf der Reeperbahn. Andererseits ist den Regenwaldchaoten so ziemlich alles zuzutrauen, woll. Keineswegs normale Leute.

Aber ein unglaublich liebenswertes Völkchen, ich freu mich schon auf Immecke, woll.

Osterfeuerschreibmusik: Aziz Sahmaoui & University of Gnawa







Sonntag, 8. April 2012

Regenwaldtouristik mit Hindernissen














Im merkwürdigen Kreis (siehe Nummernschild) kann selbst eine Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr abenteuerliche Wendungen nehmen. Fällt in Hamburg mal ein Bus aus kann man sich sicher sein, in 10 Minuten kommt ohnehin der nächste. Im südwestfälischen Regenwald fahren die Dinger leider nur alle 60 Minuten, etwa diese Zeit brauchen sie auch - theoretisch - um die Hauptstadt zu erreichen, jenes ominöse Dorf mit dem Namen Lüdenscheid, das von Schalker Fans gerne spottend als Heimat des Dortmunder Fußballs benannt wird, und in dem wir eine schnieke kleine Brauerei mit leckerem Bier anlaufen wollten.

Erst einmal standen wir jedoch 20 Minuten dusselig an der Bushaltestelle herum, was schon etwas merkwürdig anmutet, wenn der Bus vorher nur eine einzige Haltestelle anfahren muss. Ich bin ja vom HVV einiges gewohnt, aber 20 Minuten Verspätung auf 2 Kilometer haben selbst die noch nicht geschafft.
Als Quell des Übels entpuppte sich dann die Fahrertür, die zwar richtig schloss, diesen Vorgang aber nicht korrekt an den Bordcomputer zurückmeldete, wodurch dieser die Weiterfahrt allerhöchstens im ersten Gang gestatten wollte.
Der erste Reparaturversuch des Busfahrers war zwar erfolgreich, leider nur für die Hälfte der Strecke. Ausgerechnet an einer Haltestelle namens Bierbaum, an der es, dem Namen zum Trotz, keine flüssige Nahrung gab, verreckte die Kiste endgültig und wir durften auf einen Ersatzbus warten. Dadurch verlängert sich hier eine Fahrt von angegebenen 45 Minuten gut um mehr als das Doppelte, aber was tut man nicht alles, will man mal etwas anderes trinken als Krombacher.
Die Wartezeit hätte man natürlich nutzbringend verwenden können, zum Beispiel durch den Verkauf von Heizdecken, damit könnte man gut den Nahverkehr subventionieren, ganz besonders bei der momentan kühlen Witterung. 

Von der Hauptstadt des merkwürdigen Kreises habe ich so leider nicht viel sehen können, außer der Brauerei, die ein wirklich leckeres naturtrübes Bier im Ausschank hat, bei der festen Nahrung aber deutliche Schwächen zeigt. Der Pappenheimer zeigte sich mit seiner Blootworscht zwar recht zufrieden, das zähe Schnitzel Wiener Art war allerdings höchstens Imbissqualität, und Kartoffelspalten als Brauhausfritten zu verkaufen zeugt höchstens von der Fantasie des Speisekartenerstellers.

Rechnet man noch die 40 Euro für das Taxi nach Hause dazu, hätte es gerne Kalbsoberschale sein können. Für das Bier wäre ich allerdings gerne bereit die Brauerei noch einmal anzusteuern, aber möglichst ohne den ÖPNV in Anspruch zu nehmen.

Mein Gastgeber sorgt derweil endlich mal für anständige Frühstücksmusik mit Papa Grows Funk- Needle In The Groove  




















Samstag, 7. April 2012

Normale Leute




Normale Leute gibt es hier nicht, oder ich habe noch keine kennengelernt, wahrscheinlich ist das sogar einer der Gründe, warum ich so häufig in den südwestfälischen Regenwald fahre, normale Leute sind langweilig. Vielleicht bin ich auch selber nicht ganz normal. Hoffentlich.
 Einen Fehler habe ich jedoch gemacht diesmal, einen Anfängerfehler noch dazu, ich bin durchgefahren ohne mir unterwegs eine feste Grundlage für den ersten Abend zu schaffen. Das kann sich hier unten schnell rächen, denn die Leute halten Bier für ein völlig ausreichendes Nahrungsmittel, dazu muss nicht zwangsläufig feste Nahrung gereicht werden.
Es bestand immerhin die theoretische Aussicht auf Forelle bei unserer abendlichen Verabredung, die etwas vorbereitet haben könnte, vielleicht, die sich allerdings in Luft auflöste, weil sie gerade mit den Hunden unterwegs war, statt auf Gäste zu warten, die vielleicht kommen, oder auch nicht. Sehr wahrscheinlich war die Forelle auch nur ein Gerücht, ich halte ohnehin nichts von Fisch fernab der Küste.
Dafür gibt es ununterbrochen sündhaft teures Krombacher von der Tankstelle, das auch noch per Taxi über finsterste Waldwege und Berge von einem Dorf zum anderen und wieder zurück gekarrt wurde, weil Verabredungen hier nur sehr lose geknüpft werden. Zwischendurch steigt man dann einfach woanders mit dem Kasten aus und fällt bei anderen Leuten ein, das klappt wunderbar. 
Das Leben hier unten ist eine einzige Improvisation, da muss man gewappnet sein. Morgen werde ich mich wappnen, denn vielleicht fahren wir in eine Lüdenscheider Brauerei, sehr wahrscheinlich sogar, denn ich werde darauf drängen.
Dort kann man möglicherweise nicht nur das Spiel des FC beim FSV Frankfurt verfolgen, die haben auch eine Speisekarte. Ich werde hemmungslos zuschlagen, endlich nicht nur Bier.

Ein gutes Omen für das Spiel habe ich heute schon gefunden, ein Haus mit geschichtsträchtiger Jahreszahl. In dem übrigens Karl Lüsebrink so wenig wohnt, wie in dem Haus mit seinem Namensschild, obwohl es dort seit Jahren unverändert angebracht ist.

Dazu noch die typische Regenwaldchaotenmucke gerade: Vibravoid - Gravity Zero, grausames Zeugs, mach ich auch aus jetzt.




Donnerstag, 5. April 2012

Neues aus der Barbary Lane














Wann immer die Rede auf Lieblingsschriftsteller kam fielen mir nur die üblichen Verdächtigen ein, Douglas Adams, oder T.C.Boyle, was einfach daran lag, dass ich selten mehr als ein oder zwei Bücher von einem Autoren gelesen habe, mit den erwähnten Ausnahmen. Dabei gibt es noch einen dritten, den ich viel zu oft vergessen habe zu erwähnen, denn vor zwanzig Jahren habe ich kaum etwas mit größerem Vergnügen gelesen als die Stadtgeschichten von Armistead Maupin. Wie ich damals auf die Serie gekommen bin weiß ich inzwischen selber nicht mehr, ich nehme mal an es war eine Aktion bei 2001, wo ich mich sehr häufig mit günstigen Büchern eingedeckt habe.
Die oftmals haarsträubenden Erlebnisse von Mary Ann Singleton, Michael "Mouse" Tolliver und ihrer Mitbewohner im Haus der transsexuellen Vermieterin und Übermutter Anna Madrigal, die ihre Mieter mit den feinsten Cannabissorten aus ihrem verwunschenen Garten im Hinterhof der Barbary Lane zu verwöhnen pflegte, zwischen Schwulen und Heteros, Lesben und Transen, Stink- und Neureichen, Hippies und Obdachlosen, Sektierern und Junkies, im von der AIDS Epidemie geplagten San Francisco der 80er Jahre, sind zuerst als Serie im San Francisco Chronicle erschienen, später als Buchreihe veröffentlicht worden, und ein absoluter Süchtigmacher, den ich in der Zeit dreimal komplett durchgelesen habe. 
Bedauerlicherweise war nach sechs Bänden Schluss mit Lustig, doch neulich bin ich über eine Neuerscheinung gestolpert, die allerdings auch schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, aber wer kann schon ahnen, dass Maupin zwanzig Jahre später noch einmal nachlegt.
Die Charaktere sind inzwischen auch zwanzig Jahre älter geworden, aber sofort wieder präsent, als hätte man sie nie aus den Augen verloren. Die damals aktuellen Themen wie AIDS oder der Massenselbstmord in Jonestown wurden abgelöst durch Internet und Facebook, ansonsten erwartet einen wieder die wilde Mischung aus skurrilen Figuren und unglaublichen Geschichten, die ich schon in den alten Büchern geliebt habe.
Daher komm ich momentan auch nicht zum schreiben, ich muss erst einmal lesen, in jeder freien Minute, und davon habe ich grad nicht so viel.

Passend zur Stadt gehört: Grateful Dead - American Beauty

Großartig find ich momentan wieder einmal Streetview, das mir erlaubt in den gleichen Gegenden herumzulaufen wie die Charaktere in den Büchern. Ausnahme ist leider die fiktive Barbary Lane, durch verwunschene Gärten passte das Googleauto nicht. Muss ich wohl doch nochmal hin da.


Sonntag, 1. April 2012

Der Springsteen aus Hemmoor














Es gibt tatsächlich einige Parallelen zwischen Bruce Springsteen und Thees Uhlmann, genau wie der Boss kommt auch Uhlmann aus einem kleinen Kaff einer Kleinstadt, genauer gesagt aus Hemmoor, gelegen im platten Land zwischen Hamburg und der Nordseeküste. Einem Ort, in dem ich einen großen Teil meiner Kindheit verbracht habe, bei Oma und Opa, Onkeln, Tanten und Cousinen. In dem man als Fremder sofort auffällt, wenn man nicht anständig platt schnacken kann und wo man als Kind noch unglaubliche Abenteuer erleben kann, als Jugendlicher aber nicht begraben werden möchte. Genau wie Springsteen ist auch Uhlmann in die nächste große Stadt geflüchtet um Rockstar zu werden, oder so etwas ähnliches. Aus Hemmoor hat das vor ihm, glaube ich, nur ein ehemaliger Schwager von mir versucht, aber der hat nur meine Cousine bekommen, seine Band ist geplatzt.

Ähnlich wie der Boss früher erzählt auch Uhlmann gerne ein paar Geschichten zwischen seinen Liedern, am Samstag in der Großen Freiheit vom schönen Gefühl nach Hause zu kommen. Erzählt mit Vaterstolz, wie er seine Tochter gerade in den Kindergarten gebracht hat, erzählt von "der Kurzen" bis ihm einfällt wo er ist. "Die Lütte, kann man hier ja sagen, hier verstehen das die Leute." Zu Hause.
Zu Hause wird er gefeiert, auf dem Kiez. Für diese Geschichten, für das Mädchen von Kasse 2, das er den gekündigten Frauen von Schlecker widmet und dafür, dass er auf der Bühne ähnlich hart arbeitet wie der Boss, nur noch nicht ganz so lange. Schließlich gibt es erst eine Platte und das ist erst die zweite Tour. Aus diesem Grund spielen sie als letzte Zugabe noch einmal, "ihr wisst doch was jetzt kommt", Zum Laichen und Sterben aber das macht nichts, da kann man wieder lauthals mitsingen, wie beim ersten Mal.
Lieder hätte er wahrlich genug, hat er doch mit Tomte schon etliche Platten gemacht, aber Tomte, das passt heute irgendwie nicht, bis auf eine Ausnahme.
"Ich hab mal n Lied geschrieben über einen Fußballverein."
Die wahrscheinlich schönste Hymne, die überhaupt jemals jemand über einen Fußballverein zu schreiben imstande ist, konnte mir nicht einmal das provozierend laute Gesabbel der hinter mir stehenden weiblichen hasivau-Fraktion versauen. Der blanke Neid, weil Loddo keine wirklichen Perlen schreiben kann.

Eigentlich hätts dafür ne Schelle geben sollen, ihr habt Glück, dass ich eure Männer kenne.

Hier läuft neben, natürlich,  Thees Uhlmann auch noch die EP des wirklich überzeugenden Vorprogramms: Patrick Richardt -Ade, Ade von dem leider noch nicht mehr erschienen ist.