Samstag, 19. März 2011

Lumpensammler
















Ins Haithabu? Das ist scheinbar die Standardfrage aller Taxifahrer im östlichen Hamburg, gibt man Meiendorf als Ziel an. Ganz besonders, wenn man schon schwer angesäuselt morgens früh um 3 Uhr in den Wagen steigt. Auch Ortsfremde fallen hier gerne zu später Stunde aus der U-Bahn und fragen nach dem Weg zu dieser ominösen Kneipe, an der ich schon tausend mal vorbeigelaufen bin, ohne jemals einen Blick hinein riskiert zu haben.
Aus gutem Grund, denn wenn Menschen wie der Herr xs4all und ich zur Zielgruppe gehören, dann muss ich erst einmal reiflich überlegen, ob ich solchen Leuten nach durchzechter Nacht in so einer abgelegenen Kneipe begegnen will.
Hätten wir allerdings heute morgen das Angebot noch angenommen, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in der Lage gewesen meinen Job zu machen und ich bin nicht der Typ, der seinen Kollegen ausgerechnet an einem Samstag zu einer Doppelschicht zwingt.

Momentan stinkt mir das trotzdem ganz gewaltig, denn statt jetzt beim Exilwestfalen auf der Couch zu lümmeln und Frankfurt gegen St.Pauli live zu sehen, kämpfe ich hier wieder einmal mit defekten Geräten und muss mich zwischendurch mit AFM-Radio bescheiden. Wenigstens kann ich so meinen Webstick mal nutzen.

Und kaum schreib ich diesen Satz steht es 2:1 durch Gekas. Ich geh jetzt erstmal raus und suche etwas, wo ich kräftig gegentreten kann.

Montag, 14. März 2011

Bye Bye Business Seats
















Die ersten erkennbaren Buchstaben auf der Halbzeitrolle in der Südkurve sorgten prompt für Unkenrufe in meiner Nachbarschaft, Bye Bye Bundesliga wäre ja auch ein denkbarer Text gewesen, obwohl wir bis dahin noch gut dabei waren, trotz des dämlichen Ausgleichstreffers. Das Banner richtete sich aber nur gegen die Business Seats, die wahrscheinlich ohnehin in der nächsten Saison eingedampft werden, wenn wir weiter so vom Pech verfolgt werden.
Es ist ein Trauerspiel, was die Mannschaft in dieser Saison schon in den letzten Spielminuten verschenkt hat. Wären Fußballspiele nur 85 Minuten lang, würden wir sicherlich besser dastehen. Wenn es bei uns mal eine Wembleysituation gibt, dann ist der Ball natürlich vor der Linie. Über Schiedsrichterleistungen mag man schon nicht mehr reden. Dazu noch eine Freistoßvariante, die wohl im ganzen Stadion niemand auf der Pfanne hatte. Alles wartet auf eine Flanke in den Strafraum und dann geht die Pille 20 Meter zurück und Kuzmanovic hämmert das Ding aus unmöglicher Entfernung in die Ecke. Was für ein Scheißtor, da führt man schon mal und dann sowas...
Immerhin war die Mannschaft gallig, es wurde gekämpft und gerannt, manchmal sogar Fußball gespielt, auch der Support von den Rängen war dank Vollbier diesmal lauter und besser als gegen Hannover, doch genutzt hat es wieder nichts. Als sich alle schon mit einem mageren Punkt abfinden wollten, obwohl auch das gegen Stuttgart heute zu wenig gewesen wäre, hat Laberdiva mehr Glück bei seinen Einwechslungen als Stani, Schipplock macht zwei Minuten vor Schluss den Sack zu.  

Jetzt sind wir das erste mal auf einem Abstiegsplatz, wenn ich mir ansehe was noch an Gegnern auf uns wartet, wie Schalke, Leverkusen und Bayern, dann frag ich mich ernsthaft wo noch Punkte zu holen sind.

Ähnlich pessimistisch war mein Nachbar in der U3, der erst fluchte und schimpfte wie ein Kesselflicker, auf Mannschaft, Trainer und überhaupt, sich dann aber irgendwann resigniert grummelnd in sein Schicksal ergab. Dann eben wieder gegen Ahlen und 1860, zweite Liga wär ja auch nicht so schlecht.
Kurz darauf kam ihm allerdings der schreckliche Gedanke, es könnte schlagartig noch weiter runter gehen, haben wir ja alles schon mitgemacht, und schon war er wieder auf 180. Er wäre zu alt für diesen Scheiß, das würden seine Nerven einfach nicht mehr mitmachen, seit 30 Jahren dieses auf und ab. Aber die Jahrhundertsaison, also letztes Jahr, das war schon der Knaller, oder? Wie'n Hollywoodfilm beinahe, nur besser. Und das Derby erst, dass er so etwas noch mal erleben durfte.

Warum der Mann bei St.Pauli ist hab ich nicht gefragt, wahrscheinlich kannte er nicht einmal die Aktion, aber er hätte sicherlich sehr viele Gründe anführen können. Ein paar Antworten auf die Frage lieferte vor dem Spiel die Südtribüne, und eines der Plakate hätte mein U3 Mitfahrer sicherlich sofort unterschrieben.

 Was wäre Liebe ohne Leiden.

Schreibmusik: Neil Young & Crazy Horse - Weld

Sonntag, 13. März 2011

Angrillen
















Für den Preis dieses Grillmonsters kaufen sich andere Leute einen Kleinwagen, wenn auch gebraucht. Der Polo Fox, der hier aktuell in der Nachbarschaft zum Verkauf steht, soll jedenfalls die gleiche Summe erzielen, die Herr G. für seine Brutzelstation ausgegeben hat. Was ich für etwas übertrieben halte, obwohl das Ergebnis durchaus zu überzeugen wusste, ich hab selten soviel Fleisch an einem Grillabend verzehrt.
Da sich die Anschaffung kaum lohnt, nur um einmal im Jahr Geburtstag zu feiern, hoffe ich in diesem Jahr auf weitere nette Grillabende.
Vielleicht treffe ich dann auch wieder auf den netten Taxifahrer, einen ehemaligen Spieler der Afghanischen Fußballnationalmannschaft, der vor ein paar Jahren in Hamburg einen eigenen Verein mit fußballbegeisterten Landsleuten gegründet hat. Zweimal waren sie nahe dran, am Aufstieg aus der Kreisklasse, wie er stolz erzählte. Ich Trottel hab leider vergessen nach dem Namen des Clubs zu fragen, aber wenn ich nicht auf einen orientalischen Märchenerzähler hereingefallen bin, dann wird sich das herausfinden lassen.

Fußball wäre wahrscheinlich die letzte Sportart gewesen, die ich mit Afghanistan assoziiert hätte. Es gab in diesem Land aber auch mal Zeiten, in denen man sich mit solchen Nebensächlichkeiten beschäftigen konnte. Ich würde mir wünschen, dass man sich irgendwann in allen Ländern wieder mit solchen Nebensächlichkeiten beschäftigen kann.
Und das irgendwann mal die Fußballnationalmannschaft Afghanistans am Millerntor antreten kann, ohne dafür von Talibanausen verfolgt zu werden.

Dave Matthews Band - Under The Table And Dreaming

Freitag, 11. März 2011

Die Rückkehr der Mulis
















Vor fast 30 Jahren schon wurde auf meinem Fernseher der Planet Irata ausgebeutet, ein ums andere mal saßen wir an den den Joysticks um Claims abzustecken, Energie und Nahrung zu gewinnen und um nach Erzen und Diamanten zu schürfen, die wir anschließend auf Auktionen möglichst gewinnbringend zu versteigern hofften.
M.U.L.E. (Multiple Use Labor Element) war die Bezeichnung des mechanischen Monstrums, das uns dabei zur Verfügung stand und auch gleichzeitig der Name des Computerspiels, eines der wenigen Spiele, das die vier Joystickports des Atari 800 ausnutzte.
M.U.L.E. hat in vielerlei Hinsicht Computergeschichte geschrieben, es war eine der ersten Multiplayer Wirtschafts- und Aufbausimulationen in "Echtzeit". Von dem Spiel wurden zwar nur 30.000 Exemplare verkauft, aber jeder hatte es, laut Wikipedia ist es bis heute eines der drei meistkopierten Spiele der Geschichte. Wenn ich die alte Kiste in den letzten Jahren tatsächlich wieder mal an den Fernseher angeschlossen habe, dann nur um mal wieder eine Runde M.U.L.E. zu zocken, denn das ist eines der wenigen alten Spiele die immer noch Heidenspaß machen, trotz der für heutige Verhältnisse bescheidenen Grafik. Stammt eben noch aus einer Zeit, in der man nicht durch Effekte ablenken konnte. Man musste mit Ideen und langfristigem Spielspaß überzeugen.
Eine Umsetzung für den Amiga war geplant, scheiterte aber an frühzeitiger Insolvenz der Programmierer, die sich mit einem eigenen Label übernommen hatten. Dafür gab es einige schlecht geklaute Umsetzungen von Billigfirmen, die alle nicht überzeugen konnten. Häufigstes Manko war der Multiplayermodus, denn die Gegner bei den Auktionen in der letzten Sekunde aufs Kreuz zu legen, die ganzen fiesen Tricks, das war nur mit den vier Joysticks des Atari möglich.

Vor ein paar Wochen habe ich dann mal wieder recherchiert, in der Hoffnung einen gewitzten Shareware Programmierer zu finden, der sich des alten Klassikers angenommen haben könnte. Das Ergebnis der Nachforschungen war dann noch weit besser als erhofft, man kann das inzwischen im Netz spielen, auf Planet M.U.L.E. Das Original, keine schlaffe Nachahmung. Die Grafik ist nur wenig verfeinert worden, was natürlich potenziellen Nachwuchs an neuen Spielern eher gering halten wird.
Dafür spielen die Freaks dort höchstwahrscheinlich schon seit Jahren nichts anderes mehr, ich seh keine Schnitte. Die sind  mir stets drei Monate voraus und ich kann spätestens nach sechs Monaten keine Mulis mehr bezahlen, weil meine ganze Kohle für Nahrung draufgeht. Die spielen Taktiken, die ich nicht für möglich gehalten habe, jedenfalls hat damals von uns keiner versucht so zu spielen.

Ich muss dringend Werbung machen und Nachwuchs an einen Klassiker heranführen, ich brauch ein paar Anfänger für ein erstes Erfolgserlebnis. D.A.N., J.I.M. und B.I.L.L. schlag ich immer noch, das trainiert aber nicht so richtig.

Ich werd jetzt noch eine Stunde mein Glück versuchen, so lange läuft BoDeans - Joe Dirt Car zur Untermalung. In einer Stunde werde ich meistens auch schon vernichtend geschlagen, passt ja.

Montag, 7. März 2011

Der Neue
















Auf dem einsamen Wahlplakat sieht er schon ein wenig ramponiert aus, der neue Bürgermeister Hamburgs. Um auch im Senat frühzeitig Schrammen zu vermeiden, hat er sich heute schon einmal den Amtseid abnehmen lassen, noch bevor er unter seinen Parteifreunden die Posten verteilt. In der Hamburger SPD kann man sonst vor unangenehmen Überraschungen nicht sicher sein, auch nicht als strahlender Wahlsieger.

Heinz Strunk wäre mir lieber gewesen, hätte auch gerade gut in die Karnevalszeit gepasst, doch leider ist die PARTEI mit 0.7 % etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dafür rocken die Piraten mit 10.8 %, wenn auch vorerst nur St.Pauli.

Trotzdem freu ich mich auf Olaf, auch wenn ich ihn nicht gewählt habe, denn zehn Jahre Dunkelheit sind vorbei. Die CDU, die sich 2001 mit nur 26.2 % und der Hilfe eines koksenden Rechtspopulisten an die Macht geschlichen hat, verschwindet mit 21.9 % fast in der Versenkung, da fallen nicht einmal die 6.7 % ins Gewicht, die ihre Stimme an die FDP verschwendet haben. Wenn man bedenkt, dass Olaf Scholz nicht gerade der Charismatiker vor dem Herrn ist, dann wird noch deutlicher wie beliebt sein Vorgänger Ahlhaus hier war. Ole hats gegeben, Ole hats genommen.
Die Klatsche für die Grünen hätte von mir aus noch heftiger ausfallen können, dass diese Wahlbetrüger nicht mehr in der Regierung sitzen erfüllt mich schon ein wenig mit Genugtuung.
Ob der Scholzomat es schafft dieser Stadt wieder den liberalen Geist einzuhauchen, der sie einmal ausgemacht hat, bleibt abzuwarten. Immerhin hat er sich schon für den Erhalt des Kulturzentrums Rote Flora ausgesprochen, die Kultur soll generell weniger stiefmütterlich behandelt werden, hört sich alles ganz gut an, doch derlei Baustellen gibt es hier viele.

Dass die SPD die richtige Partei ist, um z.B. der weiteren Gentrifizierung gerade angesagter Stadtteile entgegenzuwirken, wage ich zu bezweifeln. Eine andere Partei die dazu willens und in der Lage wäre fällt mir allerdings auch gerade nicht ein.

Schreibmusik: Marshall & The Fro

Sonntag, 6. März 2011

Ronald McDonald kann einpacken
















und der andere auch, der sich König nennt. 125 Gramm reines Rindfleisch, fettfrei gegrillt, eine doppelte Lage echter irischer Cheddar, knackfrischer Eisbergsalat und fruchtige Tomaten, dazu eine Burgersauce (die noch nicht käuflich zu erwerben ist), wahlweise eine Barbecuesauce (die noch nicht käuflich zu erwerben ist) und ein paar Jalapeños.
Dummerweise wird man die Saucen bald käuflich erwerben können, dann kann das jeder. Aber eine Karriere als hauptberuflicher Burgerbräter schwebte mir sowieso nie vor.

Passend dazu geschmackvolle amerikanische Musik: Lucinda Williams - Blessed

Samstag, 5. März 2011

Stadtansichten: Chilehaus
















Zwar ist der Kulturlandschaft Elbetal in Dresden der Status als UNESCO Weltkulturerbe aberkannt worden, weil eine Brücke über die Elbe sehr viel billiger zu haben war als ein Tunnel, aber Sachsen hat ja noch den Fürst-Pückler-Park. Der ist allerdings öfter mal durch Hochwasser gefährdet, daher sollten die da unten aufpassen, schnell steht man sonst ganz ohne Welterbe da. Wie Hamburg, denn die Freie und Hansestadt ist aktuell das einzige Bundesland, dem diese Ehre noch nicht zuteil wurde.

 Das soll sich ändern, 2013 will sich Hamburg um einen solchen Titel bemühen, erringen soll ihn das von 1922-24 erbaute Chilehaus, dessen Spitze wie der Bug eines gewaltigen Schiffes in das Kontorhausviertel hineinragt, sowie die angrenzende Speicherstadt. Wobei man mit diesem Adjektiv recht optimistisch umgeht, denn die sechsspurige Willy Brandt Straße ist eine sehr deutliche Trennlinie zwischen dem Chilehaus und dem nur etwa 40 Jahre älteren Lagerhauskomplex im ehemaligen Freihafen.

Bauherr war der Unternehmer Henry Sloman, der ein größeres Vermögen durch den Handel mit Salpeter aus Chile gemacht hat. Ein eher kleineres Vermögen macht Christian Rach, aber wohl eher mit seinen Kochsendungen, denn das im Erdgeschoss befindliche Restaurant Slowman, dessen Name an den Bauherrn angelehnt ist, war für einen Samstag Abend recht dürftig frequentiert. Eine Erfahrung, die ich schon mit dem angrenzenden Körri gemacht habe.
Nichts los im Kontorhausviertel, dabei hätte wenigstens das Chilehaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Vielleicht klappts ja mit nem Titel.

Und zwei bis drei vernünftigen Kneipen mit gutem Bier und guter Musik, wie R.E.M. - Collapse Into Now