Montag, 14. Februar 2011

Jahr100 Konserve
















"Wahnsinn" konnte man von den Lippen des Seebären in der letzten Reihe ablesen. Während sein Vordermann mit dem Rest des Seemanns-Chors Hannover um die Wette strahlte, hielt einer seiner Sangesbrüder die unglaublichen Szenen vor der Bühne mit der Digitalkamera fest. 20.000 begeistert mitsingende Menschen erreicht so ein Shantychor im Normalfall wohl nicht, aber das Jahr100 Konzert zum Geburtstag des FC St.Pauli war auch eher Ausnahme- als Normalfall.

Die Jungs waren einer der ganz großen Höhepunkte auf diesem Konzert, neben Bands wie Slime, Kettcar, Bela B, Fettes Brot oder Panteón Rococó, was nicht zuletzt auf das eingeübte Liedgut zurückzuführen war.  Mit dem Zeckenlied hat wohl niemand unter den 20.000 gerechnet, es gab tatsächlich so eine Schrecksekunde, in der sich jeder gefragt hat...w..t..f...? Ja, die singen das tatsächlich. Um so frenetischer war der Jubel, tausende Stimmen sind eingefallen, absolute Gänsehautmomente.

Davon gibt es seit Ende Januar eine Zusammenfassung der schönsten Momente auf DVD, geradezu Pflichtkauf für jeden, der an dem Tag dabei war. Denn das schöne an so einer Konserve ist ja, dass man keine Band mehr verpasst,  nur weil man eine Stunde am Bierstand anstehen muss.
Beim Auftritt von Bela B waren wir dann auch kurzfristig zum Durstlöschen im Jolly Roger, so das ich erst jetzt den hammermäßigen Auftritt von Marcel "The Animal" Eger am Schlagzeug sehen konnte.

Gelungen ist auch die Bonus DVD, ganz besonders das Jahr100 Menü, gekocht von Ole Plogstedt (Rote Gourmet Fraktion) und Helmut Schulte, bei dem der Lange allerdings nichts weiter macht als Kartoffeln schälen und Wein trinken, was aber letztlich zum Gelingen des Menüs beigetragen haben wird. Labschaos werde ich ganz sicher mal nachkochen.

Bevor jetzt wieder die Betriebsfremden mit dem K-Wort kommen:
Die Einnahmen des Konzertes gingen vollständig an karitative Einrichtungen im Stadtteil, die Bands haben alle ohne Gage gespielt und der Erlös der DVD geht an Fanräume e.V.
Schon deshalb versteht es sich natürlich von selbst, dass man die kauft und nicht kopiert. Ist jeden Cent wert.


Ich schwelge derweil in Erinnerungen mit Kettcar - Du und wieviel von deinen Freunden

Samstag, 12. Februar 2011

Küchenschlacht: Bobotie
















Seit der Fußballweltmeisterschaft habe ich mich nicht mehr so richtig an Experimente in der Küche gewagt, dabei stand Bobotie mit Geelrys (gelber Reis) seit diesem Ereignis fest auf dem Speiseplan. Ein Hackfleischgericht, das von malaysischen Einwanderern in Südafrika eingeführt wurde. Probiert habe ich es damals im Zelt der Südafrikaner auf dem Hamburger Fanfest, und seit dieser Zeit fleißig Rezepte gesammelt, die sich meistens nur um Nuancen unterscheiden. In allen Rezepten fehlten die gelben Linsen, die in dem Geelrys auf dem Heilgengeistfeld eindeutig als Bestandteil zu identifizieren waren.
Damit ihr meine Küchenschlachten nachstellen könnt (und als Gedächtnisstützen für mich selber) werde ich ab heute, in sehr loser Reihenfolge, auch mal das eine oder andere Gericht zum nachköcheln empfehlen. Auf gehts, das hier ist sehr simpel.

2 Zwiebeln und 2 Knoblauchzehen fein hacken und in der Pfanne andünsten, 750 Gramm Hack (Rind oder Lamm) darin braten, mit Salz, 4 TL Curry und Cayennepfeffer würzen. Ist das Hackfleisch durchgebraten, 4 EL scharfes Mango Chutney, eine Handvoll Rosinen sowie eine Handvoll gestiftelte Mandeln dazugeben und einige Minuten schmoren. Die Masse in eine Auflaufform geben, 200 ml Milch mit 2 Eiern, Pfeffer und Salz verquirlen, über die Masse gießen, mit 2 halbierten Bananen und einigen Lorbeerblättern belegen und bei 180° etwa 30 Minuten in den Ofen schieben.

Für ca. 250 Gramm Reis das Wasser mit 2 Gramm Safran, 1 EL Rohrzucker und 1 TL Salz aufkochen. 10 bis 12 Minuten bevor der Reis gar ist etwa 80 Gramm gelbe Linsen hinzufügen und mitkochen, kurz vor Ende der Garzeit noch eine Handvoll Rosinen und Mandeln hinzufügen.
Restliches Wasser abgießen, 2 EL Butter hinzufügen, umrühren und kurz ruhen lassen.

Kochmusik: Social Distortion - Hard Times And Nursery Rhymes

Freitag, 11. Februar 2011

Auf der Suche nach Bullshit
















Bei Bildblog haben sie mal wieder ein augenscheinlich nützliches Tool verlinkt, den BlaBlaMeter, mit dem man testen kann wie viel Bullshit in seinem Text steckt. Oder in den Texten anderer Leute.
Da musste ich natürlich spontan meine eigenen Texte mit überprüfen, ohne auch nur einen Gedanken an ein eventuell niederschmetterndes Ergebnis zu verschwenden. Hätte natürlich gewaltig ins Auge gehen können, aber mit einem Bullshit Index von 0.09 (Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf 'Bullshit'-Deutsch) kann ich gut leben, damit liege ich immerhin noch unter dem Eingangstext der BlaBlaMeter Webseite. Ich werd das Blog also nicht einstellen, auch wenn mal ein paar Ausreißer bis 0.2 dabei sind.

Als nächstes musste ich meine Lieblingswortakrobaten mal auf Bullshit abklopfen. Matt Wagner liegt bei 0.15, es sei denn er will das revolutionäre Schnurtelefon™ an den Mann bringen, die Tücken der Werbung schlagen dann gleich mit 0.58 zu Buche. Die Qualität der Texte scheint also schon mal kein Kriterium zu sein.
Frl. Krise hätte ich eine deutlich höhere Wertung zugetraut, allein schon das Vokabular, vallah! 
Aber auch da sieht es mit 0.12 bis 0.2 ziemlich gut aus. Frau Nuehm erreicht fabelhafte 0.08,  die liebe Frau Nessy sogar 0.03. 
Ich lese also überwiegend hochwertige Blogs mit sehr geringem Bullshitanteil, was  mir wohl bewusst war, daher würde ich den ersten Test des BlaBlaMeters als gelungen bezeichnen.

Fehlt die Gegenprobe. Als erstes Negativbeispiel fällt mir Franz Josef Wagner ein, der sollte die 1.0 doch locker knacken können. Sein Brief an das liebe Ehepaar Guttenberg erzielt magere 0.14, nur geringe Hinweise auf Bullshit Deutsch. Sein Brief an die liebe Gorch Fock sogar nur unfassbare 0.04.

Womit eine These sich immerhin erhärtet hat, die Qualität der Texte ist kein Kriterium.

Von Norbert KotzKörzdörfer finden sich nicht genug zusammenhängende Sätze, und für Kai Diekmann hab ich irgendwie nicht mehr die Nerven. 
Die Rettung naht in Gestalt unseres Außenministers. Guido Westerwelles Rede vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats riecht schon deutlich nach heißer Luft, 0.44 auf dem Bullshit Index.  
Da hier gerade der Wahlkampf tobt nehme ich mir die beiden SPD Abgeordneten vor, deren Wahlhelfer kackfrech das "Keine Werbung" Schild auf meinem Briefkasten  ignorierten.
Ekkehard Wysocki ist ähnlich untestbar wie Körzdörfer, zu wenig Inhalte. Seine erstmals kandidierende Kollegin Ulrike Hanneken-Deckert weiß schon etwas mehr über sich zu erzählen, schneidet dabei mit 0.44 aber exakt so schlecht ab wie Guido.

Ich hab keine Ahnung in welche Untiefen man hinabsteigen muss, um mal ein richtig deutliches Ergebnis zu bekommen. Vielleicht sollte ich einfach mal ein paar Passagen aus meinem SAP Handbuch abschreiben.

Schreibmusik: R.E.M. - New Adventures In Hi-Fi

Mittwoch, 9. Februar 2011

Etikettenschwindel
















Die Nummer zwei der Hitliste deutscher Biere in den Vereinigten Staaten wirbt mit einer blonden Dirndlträgerin und dem Namen St.Pauli Girl, was dort drüben womöglich den falschen Eindruck erweckt, das berühmte Hamburger Vergnügungsviertel wäre ein einziges großes Hofbräuhaus.

Dabei stammt dieses Bier nicht einmal aus Sankt Pauli, noch wird es irgendwo in Hamburg gebraut, sondern auf dem Gelände des ehemaligen St.Paul Klosters in - Bremen! Was wie ein geschickter Marketingschachzug wirkt hat aber tatsächlich eine längere Tradition, das irritierende i trägt die Brauerei schon seit ihrer 1857 erfolgten Gründung im Namen, zu einer Zeit also, in der das Wort Marketing  wahrscheinlich noch nicht einmal im amerikanischen Sprachgebrauch Verwendung fand. Die frühe Datierung wirkt leider auch der These entgegen, beim Bremer Unternehmer Lüder Rutenberg könnte es sich um einen heimlichen Fan des FC St.Pauli gehandelt haben, vielleicht muss man aber auch nur das FC streichen.

Eigentlich habe ich die Flasche nur erstanden, um hier offen meiner Empörung über diesen Etikettenschwindel Ausdruck zu verleihen (und weil ich jemanden kenne der Kronkorken sammelt). Die Recherche hat mir dann etwas den Wind aus den Segeln genommen, denn für ein helles, in Bremen gebrautes Lager, das bisher ausschließlich  für den Export bestimmt war, schmeckt das gar nicht mal so übel. Trotz des unglaublich bescheuerten Namens, es schmeckt zumindest besser als die dünne US Brühe, was auch ein wenig zum Erfolg beigetragen haben mag.

Wäre ich Manager einiger käuflicher St.Pauli Girls, ich würde die Mädels direkt mal mit Dirndl einkleiden. Bei US Touristen zieht das ganz bestimmt.

Vielleicht bei der nächsten Tour von Gov't Mule - The Deepest End

Samstag, 5. Februar 2011

Flagge zeigen ist nicht so einfach
















In den Tagen vor dem Derby wehen wieder reichlich Flaggen an Häusern und in Vorgärten, man zeigt die Sympathie zu seinem Lieblingsverein, zum Hamburger SV oder zum FC Sankt Pauli. Nicht jedem fällt eine eindeutige Aussage dazu leicht, die Osteria Tarantino in Tonndorf heißt gerne Fans aus beiden Lagern willkommen, neben Anhängern der italienischen Nationalmannschaft, wahrscheinlich um möglichst maximalen Umsatz zu erzielen. Bei der Hamburg Rahlstedter Baugenossenschaft ist die Belegschaft anscheinend auch in zwei Lager gespalten, einmal Raute und einmal Braun-Weiß flattern einträchtig im Wind vor dem Gebäude. 
Einzig das Reifenhaus Buch fällt aus dem Rahmen, dort weht nur die Raute auf dem Dach, dafür gleich besonders groß.

Beim Fußball bin ich auch eher ein Fan der klaren Bekenntnisse, "wir-hängen-alle-Flaggen-auf-Läden" mag ich irgendwie nicht, dieser Opportunismus ist mir zuwider. Ich ziehe eher meinen Hut vor dem Inhaber des Reifenhauses, der Mann steht fest zu seinem Verein und nimmt dafür sogar finanzielle Einbußen in Kauf.  Wobei er auf kleine Fische wie mich wohl ohnehin verzichten kann, bei zweimal jährlich Reifenwechsel bleibt nicht viel hängen.

Außerdem war ich da noch nie Kunde, deswegen hat mich der Anblick auch ziemlich kalt gelassen. Weniger schön ist es aber, wenn man von seinem Balkon direkten Blick auf eine Rautenfahne hat, das hat mir vor ein paar Tagen doch glatt das Frühstück verhagelt. Daher kam mir im Fanshop spontan die glorreiche Idee meinen Balkon ebenfalls zu schmücken. Da ich die Größe der Rautenflagge schlecht abschätzen konnte, musste die größte St.Pauli Flagge her die der Laden zu bieten hatte. 250*150 Zentimeter sollten jetzt eigentlich von meinem Balkon hängen, nur leider tun sie es nicht. Jedenfalls nicht länger als 5 Minuten, dann hat der nächste Windstoß das mit Regenwasser vollgesogene Teil wieder vollständig auf dem Balkon abgelegt.

Momentan ist das Wetter hier extrem ungünstig für Fußball und alles was damit zusammenhängt, folgerichtig ist das Spiel inzwischen auch abgesagt worden. Wenigstens habe ich dadurch noch ein paar Tage länger die Gelegenheit Flagge zu zeigen, bis dahin sollte es mir gelingen die technischen Probleme zu lösen.

Keine technischen Probleme hat Harry Manx - Bread & Buddha

Freitag, 4. Februar 2011

Heiße Ohren statt kalter Füße
















Mein Verein hatte ein Einsehen, man muss für Heimspielkarten in Zukunft nicht mehr mehrere Stunden vor dem Stadion campen, es gibt jetzt eine Tickethotline, alternativ kann man sogar über das Internet reservieren. Zwar klappt die Pizzabestellung im Netz reibungslos, aber bei wirklich essenziellen Anschaffungen habe ich doch lieber eine mündliche Zusage. Nach nicht einmal 45 Minuten exzessiver Wahlwiederholung hatte ich dann auch eine sehr nette Dame an der Strippe, die sich ob meiner extrem guten Laune an diesem Morgen schwer wunderte, hätten sie doch einige technische Anlaufschwierigkeiten gehabt und da wäre schon der eine oder andere böse Kommentar gefallen.
Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, zumal dadurch auch die schon etwas gebrechlicheren oder arbeitenden Fans eine Chance auf Karten haben. Bei der sich bietenden Alternative muss ich nur mal aus dem Fenster schauen, und das sieht nicht nur schlecht aus weil ich die lange nicht geputzt habe. Bevor ich mir bei dem Mistwetter mehrere Stunden die Beine in den Bauch stehen muss, drücke ich doch zwischen den Wahlwiederholungen lieber auf die Taste des Kaffeeautomaten und steck mir noch eine Kippe an.

Die harte Zeit ohne Heimspielkarten ist jedenfalls vorerst beendet, die Tickets kurz darauf am Stadion abgeholt, denn nur was man bereits in der Hand hält zählt wirklich.
So wie die neue CD von Pearl Jam - Live On Ten Legs

Donnerstag, 3. Februar 2011

Rock'n Roll Altersheim
















Der demografische Wandel in Deutschland wird ganz besonders auffällig, guckt man sich einmal größere Bauvorhaben in der Umgebung an. Altersheime Seniorenpflegeheime, wie hier in der Ahrensburger City, schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie werden auch gerne mal in direkter Nachbarschaft zur Konkurrenz gebaut, die man in diesem Gewerbe nicht zu fürchten scheint. Ich frag mich allerdings bei der hohen Anzahl schon, wo die benötigte Menge an qualifiziertem Pflegepersonal herkommen soll, denn Arbeitskräfte in diesem Bereich sind heute schon Mangelware. Es wird auch wenig helfen den (Be)Ruf des Altenpflegers in bunten Anzeigen aufzupolieren, wenn entsprechende monetäre Anreize fehlen wird man weiterhin auf Menschen mit Helfersyndrom setzen müssen, nur werden die wahrscheinlich weniger schnell nachwachsen als pflegebedürftige Rentner.
Wenigstens den Namen hat man schon mal einen Feinschliff verpasst, erschien das Wort Altersheim Oma und Opa damals wie eine Bedrohung, versucht man ihnen das Abstellgleis heute durch Namen wie Domicil oder Residenz schmackhaft zu machen. Gerade in Hamburg gibt es da sehr schöne Beispiele wie die Elbschlossresidenz oder das Augustinum, die allerdings wohl nur den besser betuchten Pflegebedürftigen offen stehen dürften.

Sollte ich später mal in so ein Wohnheim umziehen müssen habe ich jedenfalls schon klare Vorstellungen von der nötigen Ausstattung. Billardzimmer, Bowlingbahn, Pool und natürlich eine Bar in jedem dieser Räume. Ein Barmixer der einen anständigen White Russian an den Tisch bringt, leistungsstarke Stereoanlagen die den allmählichen Verlust der Hörkraft ausgleichen können und ein Kino wäre auch ganz nett. Für die neuesten Blockbuster wie Residenz Evil XXV 3D. Ich sollte schon mal einen Finanzierungsplan erstellen, so ein Altersruhesitz wäre garantiert ein durchschlagender Erfolg, jedenfalls bei Menschen die Ruhesitz nicht unbedingt wörtlich nehmen.

Mir würden auch auf Anhieb einige Leute einfallen die dort reinpassen. Blöderweise bringt das die Finanzierung nicht voran, aber diese Rock'n Roll Residenz könnte dafür garantiert mit der größten Tonträgerbibliothek diesseits des Atlantik brillieren, wenn das nicht zieht....

Ich würde u.a. folgendes gerne mit einbringen: Velvet Underground - Live MCMXCIII