Freitag, 28. Januar 2011

Ikonen der Sprachpanscher
















Wollte man vor 30 Jahren etwas mehr in die Geheimnisse der Computertechnik einsteigen, dann ging man in die nächste Buchhandlung und bestellte sich Fachliteratur aus den USA. Deutsch waren nicht einmal die Programme, abgesehen von einigen meist amateurhaften Ergebnissen im Public Domain Bereich, heute Freeware genannt.
Sehr viel hat sich bis heute so gehalten, nicht nur die Freeware, es würde kaum jemand auf den Gedanken kommen sich ein Mutterbrett oder eine Zentrale Prozessoreinheit zu kaufen.
Auf englischsprachige Programme kann man derweil aber meist verzichten, dank des großen Marktes wird hier so ziemlich jede Softwarelösung in einer deutschen Sprachversion angeboten. Kommt die Software allerdings aus Deutschland kann man da nicht immer sicher sein, da wird für den internationalen Markt scheinbar fleißig zurückübersetzt, aber von Anfang an:

Die erste Vorstellung von SAP in der Firma war eine Einladung zum Kick-Off Termin. Hätten sie dort tatsächlich eine Leinwand aufgebaut und Fußball gezeigt wäre ich vielleicht sogar hingegangen, aber am fraglichen Termin gab es leider keine Spiele, ich übersetzte das dann folgerichtig mit Auftaktveranstaltung und blieb der Sache lieber fern. Da ich ohnehin relativ wenig mit SAP zu tun haben werde, ließ ich mich auch in den folgenden Wochen nicht von der großen Aufregung anstecken. Man kennt das ja inzwischen aus vielen Erzählungen, sobald irgendwo in einer Firma SAP installiert wird schreien alle Zeter und Mordio, alles viel zu unflexibel, alles viel zu umständlich, alles viel zu teuer und vor allem alles viel zu NEU. Außerdem kennt man ja das Beispiel der Firma X, die ist dadurch sogar in die Insolvenz getrieben worden.

Diese Woche hatte ich dann als einer der letzten das Vergnügen einen SAP Grundkurs besuchen zu dürfen müssen, zusammen mit einem kleinen Rest der Belegschaft. Darunter natürlich auch Kollegen, die immer erst fünf Minuten ihren Mauszeiger auf dem Bildschirm suchen, während der Dozent schon das dritte Menü aufklappt und erklärt. Immerhin wurde es dadurch nicht langweilig, da ich öfter mal gleich drei PCs bedienen durfte.

Leider blieben so auch einige Fragen offen, die ich gerne noch geklärt hätte. Dass man bei SAP kein neues Fenster öffnet, sondern einen neuen Modus, das kann ich ja noch nachvollziehen, schließlich sind wir nicht in Windows.
Wieso man beim Internetzugang die Adresse in eine Namenszeile und den Namen in die Adresszeile eingeben soll  ist mir trotz Nachfrage nicht klar geworden und, nebenbei bemerkt, es funktioniert natürlich auch nicht. Da ich auch im Schulungsraum ins Internet komme habe ich das selbstverständlich sofort versucht. Mag an der anfänglichen Nervosität des Dozenten gelegen haben, der die restliche Veranstaltung aber durchaus souverän und locker meisterte, das sind alles Nichtigkeiten.
Aber dass diese kleinen bunten Grafiken, auf die man mit der Maus klicken kann damit etwas passiert, und die jeder seit dem ersten Mac, spätestens aber seit Windows 3.0 als Icons kennt, also dass diese Dinger bei SAP Ikonen heißen, ist das nicht ein wenig albern?
Hätte man das wenigstens so fortgeführt und den ganzen Blödsinn komplett deutsch gehalten, wäre das manchmal sicherlich unfreiwillig komisch, aber immerhin konsequent gewesen. Klappen dann aber zwischendurch Performance Assistants und ähnliche Späße auf, dann wird es irgendwann ärgerlich. Das wirkte häufig wie eine nicht vollständig übersetzte Betaversion, nur dass nicht klar war, in welche Richtung die ursprünglich mal übersetzt werden sollte.

Vielleicht versteh ich aber auch nur die Workprozesse bei SAP noch nicht richtig, oder meine Anpassungsfähigkeit ist durch mangelndes Customizing nicht ausgeprägt genug.

Vielleicht helfen Mumford & Sons -  Sigh No More

Keine Kommentare:

Kommentar posten