Mittwoch, 26. Februar 2020

Die Odyssee















Allenthalben wird ja gerne über die Deutsche Bahn gemeckert, über Verspätungen, volle oder kaputte Züge, schlechten Service und so weiter und das ist ganz sicher auch häufig berechtigt, doch in der Regel kommt man an. Irgendwann. Mit Bummelzügen oder auf Umwegen, aber man wird irgendwie schon transportiert werden.

Bei der Deutschen Flug respektive German- oder Eurowings kann so etwas allerdings sehr viel unangenehmer werden. Und teurer.

Aufstehen, morgens um vier, im Urlaub. Macht man nur einmal und auch nur, weil das Taxi zum Flughafen um fünf vor der Tür steht. Eine Stunde nach Faro, zwei Stunden Abfertigungszeremonien, drei Stunden Flug nach Köln, drei Stunden Wartezeit auf den Anschlussflug nach Hamburg und endlich im Flieger sitzen. Etwas beengt in den letzten Reihen, die lange nicht so viel Beinfreiheit haben wie die Sitze im vorderen Bereich, aber für die eine Stunde bis nach Hamburg wird es auszuhalten sein.

Nicht eingerechnet dabei die halbe Stunde auf dem Rollfeld, in der alle gespannt auf den Schub warten, bis der Kapitän einen Computerfehler meldet, der sich mal eben so nicht beheben lässt, weshalb wir da wieder verschwinden müssen. Zurück in der Parkposition würde man den Rechner dann neu hochfahren und er wäre recht optimistisch, dass wir dann unsere Reise fortsetzen könnten.

Eine weitere halbe Stunde passiert nichts, dafür bekommt eine Dame in der letzten Reihe schwere Panikattacken, wie das halt so ist in Flugzeugen die nicht fliegen wollen. Kann vorkommen. Sollten Flugbegleiter drauf vorbereitet sein, deren Privatgespräche wir erst unterbrechen müssen damit sie darauf aufmerksam werden.

Ein paar Minuten später geht es ihr wieder besser, beruhigender als der Schluck Wasser ist vielleicht auch die Nachricht des Flugkapitäns, dass sie heute nicht mehr fliegen muss. Sie nicht und alle anderen auch nicht, der Computerfehler ist leider immer noch da. Aussteigen bitte.

Und tschüss... und nun?

Erst einmal das Gepäck holen ist wohl die beste Idee, wo sich die Gepäckausgabe befindet lässt sich relativ schnell herausfinden, wo die Koffer ankommen nicht so ganz, denn eigentlich sollten die hier ja gar nicht ausgeladen werden. Kommt dann zusammen mit Zürich irgendwann alles angerollt, wird auf zwei Gepäckkarren verladen, Kinder an die Hand und los, den Schalter von Eurowings suchen.

Der ist schnell zu erkennen, an mindestens fünfzig Menschen vor und zwei völlig überforderten Mitarbeitern hinter dem Schalter, von denen einer hektisch telefoniert, während der andere versucht die inzwischen recht genervten Kunden zu beruhigen. Tickets & Service werden hier versprochen, danach sieht es gerade nicht aus. Per Warteschlangengeflüster machen beunruhigende Meldungen die Runde, einen sollen sie in den Flieger nach München gesetzt haben, da gäbe es dann einen Anschlussflug nach Hamburg, aber mehr Plätze nach München wären nicht frei gewesen. Einen Ersatzflug gibt es nicht und Hotelzimmer gäbe es auch keine, weil in Düsseldorf, Köln und einer weiteren Stadt gerade Messen stattfinden würden, im Umkreis von 100 Kilometern ist alles ausgebucht.

Erklärt die leichte Panik in den Augen des Eurowingers, der uns nach einer weiteren halben Stunde Warterei "nur das sagen kann, was ich allen bisher gesagt habe. Es gibt keinen Ersatzflug und es gibt keine Hotelzimmer weit und breit. Nehmen sie sich einen Mietwagen und schicken sie die Rechnung per Email an Eurowings. Ein Stockwerk tiefer gibt es jede Menge Mietwagenfirmen."

Hier begehe ich meinen ersten großen Fehler, das sollte man sich nämlich in jedem Fall schriftlich geben lassen.

Ein Mietwagen also. Einer für fünf Personen, mit Kindersitz und Platz für fünf Koffer und reichlich Handgepäck, das wird nicht einfach. Europcar hat noch einen Opel Corsa, davon bräuchte ich drei. Sixt hätte ein SUV von Jaguar, was zwar schick aber unpraktisch ist, weil man da nur das halbe Gepäck unterbringen könnte und bei Avis gäbe es zwar einen Transporter für das Gepäck, aber nur mit Vorderbank für drei Personen.

Die beiden Herren von Buchbinder beobachten unsere Versuche indessen scheinbar belustigt, sie grinsen jedenfalls beide breit als wir uns ihrem Stand nähern, wohl wissend, dass sie die einzigen sind die uns helfen können. Wir kriegen auch schnell raus, warum sie sich so freuen. "Ich hätte da noch einen Ford Galaxy S-Max" und ja, das hört sich gut an "aber der kostet 900 Euro" schüttet er sofort etwas Wasser in den Wein. Das muss der "Kunde-ist-verzweifelt-und-hat-keine-andere-Wahl Tarif" sein, den ich später auf sämtlichen Seiten vergeblich suchen werde. Der Renault Captur für zehn Tage an der Algarve hat nur die Hälfte gekostet, aber den habe ich halt in Lagos wieder abgegeben und nicht in Lissabon.

Nach inzwischen 16 Stunden auf den Beinen entlockt mir das nur ein "Scheißegal, muss eh Eurowings bezahlen" was mich zu den 900 Öcken für die Karre nochmal 250 Kaution kostet, da fragt man sich aber schon, was Leute machen sollen, die mit ihrer Familie in der Walachei stehen (sorry Köln) und das nicht mal eben latzen können. Bei Eurowings nachfragen hätte wohl keinen Erfolg schätze ich.

Wenigstens erweist sich die Karre als tauglich, wir kriegen Gepäck und Kinder gerade so eben verstaut, eiern trotz Navi bei Dunkelheit und Regen durch Köln bis zu irgend einer Autobahn, die uns zum nächsten und übernächsten Autobahnkreuz führt, bis wir irgendwann auf der richtigen Strecke sind. Glücklich bin ich gerade einzig darüber, bei dem Scheißwetter nicht fahren zu müssen, das übernimmt Junior, der sich schon in Portugal als ganz famoser Chauffeur erwiesen hat. In der Zeit kann ich im Kopf schon ein paar spitze Formulierungen für mein Schreiben an Eurowings entwerfen.

Eine Kindernotfütterung beim Kamener Burger King und drei Staus später erreichen wir Hamburg, nach einer 21stündigen Odyssee, die mit der Bahn vielleicht auch nicht länger gedauert hätte, aber bei dem dauernden Genörgel über die DB kann das ja keiner ahnen. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, warum ich Direktflüge immer bevorzuge. Wäre die Kiste in Faro verreckt, hätten wir immerhin noch ein paar Tage an der Algarve verbringen können.   

Was man bekommt für den ganzen Stress:
Mehr graue Haare.
Laut FluggastrechteVO eine Entschädigung von 250 € pro Person, die man in solch glasklaren Fällen auf jeden Fall selber einfordern sollte, statt sie für 30% Provision an eine der zahlreichen Inkasso-Dienste zu verschleudern. In diesem Fall hat Eurowings jedenfalls ohne zu mucken gezahlt.

Was man nicht bekommt für den ganzen Stress:
Die Kohle für den Mietwagen, weil "zu Ihrem Fall keine Angabe in unserem System vorliegt, dass eine Sonderregelung getroffen wurde. Daher ist es uns nicht möglich, die von Ihnen erwähnte mündliche Vereinbarung nachzuvollziehen."

Danke Eurowings, legt euch gehackt.


Foto dazu: EW Schalter Köln
Musik dazu: Loop Guru - Loop Bites Dog

Samstag, 15. Februar 2020

Entweder oder auch nicht



















So ein Fußballtor ist gar nicht mal so groß wie man immer denkt. Den Eindruck bekommt man auf jeden Fall während der letzten laufenden Sekunden des Spiels, als sowohl Buchti als auch Ryo nur Alu treffen und das war's dann auch. Man fasst sich an den Kopp, ob der allein in der ersten Hälfte vergebenen Chancen, als wir uns fast im Minutentakt vorne durchgespielt haben.

Eigentlich über die volle Distanz überlegen, in der ersten Hälfte geradezu dominant, kluge Pässe, schön herausgespielte Chancen, nur keine Tore. Klar, der Dresdner Torwart hat hier und da überragend reagiert, aber den gegnerischen Torwart überwinden gehört nun mal dazu wenn man ein Spiel gewinnen will.

Dresden im Kauczinskistyle, hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott. Der hat allerdings hinten schon so viel zu tun, da reicht es für vorne nicht mehr. Wenn einer der Dünamos überhaupt auffällt, dann durch lange Ruhephasen, vorzugsweise auf dem Rücken liegend und irgendwo ist doll Aua am Bein. Liegt bestimmt am neuen Rasen, der sieht wirklich flauschig und bequem aus und bis der Schiedsrichter abpfeift und rankommt kann man mal liegenbleiben. Zeitspiel in der ersten Hälfte schon? Ernsthaft?

Der Skipper hat was mit den Bronchien, deswegen sitze ich bei den Veteranen in Block 2 und muss mich dem durch jahrelang gespielten Kneipenfußball erworbenen Sachverstand von Z. aussetzen. Entweder wir machen noch drei Tore oder auch nicht und wenn wir die nicht machen, dann machen die anderen wahrscheinlich noch eins oder auch nicht, auf jeden Fall sieht das gar nicht gut aus, gar nicht gut, obwohl das 45 Minuten eigentlich echt gut aussah, bis auf die fehlenden Tore halt. Und das rächt sich immer, wenn man die nicht macht.

Diese äußerst präzise Vorhersage des weiteren Spielverlaufs hätte fünf Minuten vor Schluss beinahe ihren Höhepunkt gefunden, aber Dresden bekommt einen Elfmeter oder auch nicht und dafür eine gelbe Karte für den Beinaheelfmeterschinder, was wir in diesem Fall dem VAR zu verdanken haben, den ich dafür das erste mal mag, weil Dresden, da hätt ich dann echt gekotzt. 

Was sonst noch gut war:
Der neue Rasenteppich und dass die Jungs darauf anscheinend Fußball spielen können.
Bezugsgruppenbierchen nach dem Spiel.
Das Spiel. Eigentlich schon, bis auf die fehlenden Tore.

Was ich anders gemacht hätte aber ich hab ja keine Ahnung:
Dimi spätestens in der 60. eingewechselt wg. +2 Attrib. auf Torgefahr (ich spiel zu viele RPGs)

Was sonst noch schlecht war:
Die Dresdner Kackbratzen, die im und vor dem Stadion einmal mehr gezeigt haben was für ein erbärmlicher Haufen sie sind.

Dresden kann weg, Liga 3 wäre nice. Aber erst einmal muss das Ziel sein, dieses Schicksal selber zu verhindern.

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - SG Dynamo Dresden 0:0
Musik dazu. Transglobal Underground - Yes Boss Food Corner
Links dazu: Nicht nur für den Millernton fühlte sich das wie eine Niederlage an















Sonntag, 2. Februar 2020

Neues Jahr und altes Leiden















Wochenlang liest man tolle Neuigkeiten aus dem Trainingslager, wie super sich die Jungs verstehen und was sie für Fortschritte machen und Testspiele sind nur Testspiele aber immerhin sah das streckenweise gut aus und Tore haben sie auch gemacht etcetera pepe und dann freuste dich schon auf die Rückrunde und als erstes gibt es eine Klatsche in Fürth.

Danke. Nordet gleich wieder ein bisschen ein, die Vorfreude auf das erste Heimspiel wird leicht geschmälert und erleidet durch einen beginnenden grippalen Infekt weitere Rückschläge. Dazu fällt noch das Frühstück aus, weil ich zwar lecker Krabbensalat habe aber kein Tostbrot und keine Brötchen. Suboptimaler Tagesbeginn, kann nur besser werden. Seit ich wieder Schal trage gab es zwei Heimsiege, den vergesse ich dann auch nicht, Sportzigaretten und Kamera aber schon.

Suboptimal ist auch der Spielbeginn, was da an haarsträubenden Fehlern passiert wird in der ersten Bundesliga gnadenlos bestraft, also da, wo der VfB hin will. Dass sie da noch nicht hingehören sieht man allerdings auch, sie sind ähnlich harmlos wie wir, bekommen wenig gute Chancen, aus denen sie ebenso wenig machen wie wir. Den Gomez habe ich das letzte mal glaub ich vor 10 Jahren gesehen, als er das erste Tor für Bayern gemacht hat, in dem Spiel an das man sich so gerne erinnert wie die Gallier an Alesia.

Damals war der noch richtig gefährlich, heute nur noch wenn er im Strafraum fällt. Könnte natürlich auch an dem Kartoffelacker liegen auf dem er spielen muss, man hätte die kahlen Stellen zumindest mal grün tünchen können. Technisch versierte Gegner kann man durch ordentlich viel Maulwurfshügel natürlich etwas bremsen, ich fürchte nur diese Rechnung geht niemals auf wenn beide Mannschaften Fußball spielen wollen.

Mit 0:0 in die Pause und den besseren Möglichkeiten auf unserer Seite kann ich leben, streckenweise sieht das nicht schlecht aus. Mein Nachbar zeigt mir 63% Ballbesitz der Stuttgarter auf seinem Display, daraus machen die aber recht wenig eigentlich.

Zur zweiten Hälfte macht Stuggi dann nicht sonderlich beeindruckende Pyro, schafft es aber immerhin den Anpfiff dadurch zu verzögern, was bei zwei Fackeln echt albern ist. Für uns geht es jetzt auf die Südkurve und es fehlt eigentlich nur noch ein Tor zum glücklich sein. Kaum habe ich das ausgesprochen macht der Veerminator das 1:0, super vorbereitet von Ryo und jetzt kommt tatsächlich so etwas wie Stimmung in die Bude.

Streckenweise ist das wirklich gut anzusehen was wir machen, ganz besonders auffällig Rico Benatelli, den ich nach so langer Zeit überhaupt nicht mehr auf der Rechnung hatte. Antizipiert gut, hat Ruhe und Übersicht, hartnäckig im Zweikampf, der hat sich echt aufgedrängt heute. Spielt der so weiter wird es schwer für Knoll und was wäre das für eine Verschwendung.

Ein Tor in der 56. Minute hat den Nachteil, dass noch gut 35 Minuten auf der Uhr sind und die wollen irgendwie nicht verstreichen. Henk und Ryo hätten das Ding entscheiden können, so kommt es wie immer in solchen Spielen, macht man das Ding nicht macht's halt der Gegner. Ausgerechnet Mario Gomez. Ich hasse Mario Gomez, seit Alesia schon.  

Zwei Punkte verloren gegen einen Aufstiegsaspiranten. Wie sagte jemand nach dem Spiel: Wir müssen unsere Punkte gegen die direkten Konkurrenten holen, in den 6 Punkte Spielen. Ja, das fürchte ich auch, darin sind wir nur bisher nicht besonders erfolgreich gewesen.

Was sonst noch gut war:
Veerman, Miyaichi, Benatelli, Flum
Der schöne Sticker mit Schnecke den ich auch gerne hätte 

Was nicht wirklich gut war:
Millerntorroarrrrchhchchschnarch. Zwei Minuten Wechselgesang Süd - GG und ansonsten ein Stadion wie jedes andere wenn das so weitergeht. Aber Samstag 13 Uhr ist auch zum kotzen ehrlich.
Ein äußerst dämliches sexistisches Banner der Stuttgarter, was ich aus Gründen nicht fotografiert habe.

Was ich gerne wissen würde:
Was genau soll Boris Tashchy eigentlich bewirken wenn er eingewechselt wird, wieso wird der immer eingewechselt und warum wird der auch eingewechselt wenn Diamantakos auf der Bank sitzt?

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor: FC St.Pauli - VfB Stuttgart 1:1 / Samsung S5 weil Kamera vergessen
Musik dazu: Nick Cave & The Bad Seeds - Ghosteen
Links dazu: Gröni sieht Wenig Fehler gegen Stuttgart
Gras - immerhin auf der Tribüne gibts beim Millernton










Donnerstag, 30. Januar 2020

Die Säulen der Ewigkeit















Ein klassisches Rollenspiel in der Tradition von Baldurs Gate oder Icewind Dale müsste mir eigentlich gefallen, sagt Junior jedenfalls und der spielt das schon länger. Die Kritiken sehen das ebenfalls überwiegend positiv und ein Erfolg war es wohl auch, immerhin ist gerade ein Nachfolger erschienen. Eigentlich bin ich in Rollenspielen mehr der Einzelgänger, aber man kann es ja mal versuchen.  Hätten sie Pillars of Eternity einen deutschen Titel verpasst, eventuell hätte ich schon eher zugegriffen. Dummerweise verwechsle ich gerne Pillars und Pillows und Kopfkissen der Ewigkeit klang dann zuerst doch etwas schnarchig.

Ein deutscher Titel wäre allerdings auch nicht gerechtfertigt, denn eine Synchronisation des gesprochenen Wortes hat man sich gespart und die deutsche Übersetzung der Texte ist, an manchen Stellen der sehr ausufernden Geschichte über Götter, Inquisition und Seelenraub, mehr als holprig. Es gibt auf jeden Fall sehr viel zu lesen und sehr viel zu hören, neben der Hauptgeschichte und diversen Nebenquests hat jeder Charakter seine eigene Geschichte zu erzählen und sein Schicksal zu erfüllen, so man denn geneigt ist alle acht möglichen Gefährten zu begleiten, denn mitnehmen kann man immer nur fünf.

Leider ist die Hauptquest streckenweise sehr ermüdend, wenn man zur Informationsbeschaffung stundenlang nichts weiter macht als von A nach B und zurück zu reisen, weil in dieser Fantasywelt noch niemand den Telegrafen erfunden hat. So geht unnötigerweise sehr viel Spielzeit durch endlose Ladebildschirme verloren. Abgesehen davon ist die zentrale Geschichte vielleicht nicht ganz so dämlich wie bei Diablo, aber ähnlich wirr und auf Dauer nicht wirklich fesselnd. Immerhin soll das ein RPG sein und kein hirnloses Actiongemetzel, vielleicht bin ich seit dem Witcher aber einfach nur verwöhnt.


Wie bei RPGs üblich gibt es am Anfang erst mal kräftig auf's Maul, bis man einigermaßen begriffen hat worauf es bei den Kämpfen ankommt, wie man seine Leute besser positioniert, was man alles einsetzen kann, wie man seine Waffen und Rüstungen verbessert, der übliche Krampf vor dem Kampf. Dummerweise lassen sich die anfänglich gewählten Hauptattribute eines Charakters auch bei einem Stufenaufstieg nicht verbessern, dafür darf man ein paar Spezialfähigkeiten erlernen, für die es dann einen Bonus bei Nah- oder Fernkampf gibt, spezielle Zauber und Gesänge für Zauberer, Druiden, Sänger oder Priester, mehr Zielgenauigkeit für Waldläufer und ähnliche Begabungen.

Das muss dann in Kombination mit verzauberten Halsketten, Ringen, Rüstungen und Waffen auch irgendwann für die wirklich fiesen Monster reichen und wenn man keine großen taktischen Fehler macht reicht es auch meistens. Die Kämpfe lassen sich ganz klassisch pausieren, so dass man seinen bis zu fünf Mitstreitern die nächsten Befehle geben kann, bevor die Schlacht weitergeht.

Das hört sich auf jeden Fall weniger stressig an als ein Echtzeitlivegemetzel, sorgt aber bei den richtigen Gegnern für nicht viel weniger Adrenalin, weil man in der Fülle bunter Explosionen der Zauberwirker schnell mal die Übersicht verlieren kann. Wie immer also ist es ratsam, vor entscheidenden Auseinandersetzungen zu speichern, ganz besonders wenn man den Gegner noch nicht kennt.

Und ganz ganz besonders natürlich, wenn es gegen Drachen geht. Denn ganz egal wie viel Uralte Todeswächter oder Ogerhäuptlinge ich erledigt habe, bei den Viechern hab ich immer verkackt.

Fazit: Grafik ganz niedlich gemacht, Story so naja, Kämpfe am Ende etwas eintönig (außer gegen Drachen) aber Sagani die Zwergin war niedlich und ich hab mal gemerkt wie wichtig Zauberer in so einer Gruppe sind. Pillars of Eternity II: Deadfire gibt es gerade bei Steam zum halben Preis, aber nee, reicht vorerst.

Screenshots: Pillars of Eternity/The White March - Obsidian Entertainment
Musik: Tamikrest - Chatma






Samstag, 4. Januar 2020

Naschmarkt


















Ja, der befindet sich eigentlich in Wien, ich weiß das wohl. Gott sei Dank kann man in der Fabrik bei der samstäglichen Marktzeit auch wunderbar naschen, äußerst schmackhafte Empanadas mit Hühnchen und Erdnusssauce von Eppendorfs Empanadero zum Beispiel, oder Käsemakkaroni mit diversen vegetarischen Toppings (Grünkohl oder Jalapenos, geht evtl. auch beides) vom Nachbarstand. Als Nachtisch sollte man wenigstens eins der leckeren Tortenstücke bei den reizenden Damen von FoodLove probieren, die so eine ganze Torte für lächerliche 25 Euro verkaufen, falls man sie tatsächlich irgendwo bei Instagram findet aber ich hab die Telefonnummer also alles gut.

Eine ganze Menge der offerierten Spezialitäten ist heute vegan oder zumindest vegetarisch und weil Vegetarier durch ihren Fleischverzicht scheinbar zu viel Geld in der Tasche haben, wird das gleich mit drei Euro Eintritt bestraft. Dafür geht der Spaß heute bis 18 Uhr, denn es ist ein Superfood Special. Dieses angeblich supergesunde Zeugs mit Chia- und sonstigen Samen, die vor ein paar Jahren noch kein Schwein kannte, ist dabei natürlich ebenso vertreten wie der Klassiker aus Hanf, der leider nicht so wirkt wie Hanf wirken sollte und von daher für mich ungefähr so interessant ist wie Kaktusfeigenkernöl, was das teuerste Öl der Welt ist, jedenfalls solange noch Autos fahren können oder irgend jemand Kerne in Safranblüten entdeckt.

Hier und da darf man auch etwas probieren, was mich bei dem Menschen mit den Ingwerdrinks vielleicht gereizt hätte, wäre unter den drei angebotenen Geschmacksrichtungen auch eine mit Ingwer gewesen, statt nur Orangesanddornhimbeer oder was das noch alles war. Super Konfitüre wäre ebenfalls etwas gewesen, doch die beste vegane Spezialität überhaupt zählt wohl nicht zu den Superfoods, durch den hohen Zuckergehalt vielleicht. Nur erlaubt bei Torten.  

Leider hat der ganze Superfoodschmonzes einen gewaltigen Nachteil, ich bekomme keinen Wildblütenkäse weil die Biokäsefrau fehlt und heute auch keinen Serrano von Serrano-Toni, dabei sind das die einzig wahren Superfoods, für die ich extra nach Altona fahre.

Die Empanada und die Schokoladenkirschtorte trösten da nur halb.


Fotos dazu: Fabrik Altona - Nikon D7200
Musik dazu: Paul Simon - Graceland




 

Montag, 30. Dezember 2019

Spieglein, Spieglein


















Die besinnliche Weihnachtszeit, die hier seit Jahren vom Pappenheimer in ihrer Besinnlichkeit unterbrochen wird, ist nun also vorüber und diesmal war es gar nicht so schlimm. Sieht man von den nötigen Einkaufstouren ab, hat er mich dieses Jahr nur einmal wirklich genötigt das Haus zu verlassen, den weihnachtlichen Besuch beim Exilwestfalen mal außen vor gelassen.

Den neuen Elbbrückenbahnhof wollte er fotografieren und möglicherweise hätte das auch geklappt, doch urplötzlich ist es dunkel, die Stative natürlich nicht mit dabei und regnen könnte es mit etwas Pech auch noch, also muss ich mit in die Elbphilharmonie, da ist es beleuchtet und trocken, außerdem gibt es Fassbier, Cappuccino, Käsekuchen, eine Tiefgarage und von der Plaza aus einen beeindruckenden Blick, wahlweise auf Hafenbecken oder Hafencityklötzchen. Sagt jedenfalls der Pappenheimer und der war schon mal hier, dieser alte Tourist.  

Bisher habe ich mich geweigert Oles Glaspalast zu betreten, aber irgendwann muss man ja auch mal gucken wo die fast 800 Millionen Euro geblieben sind. Wahrscheinlich bin ich der letzte Hamburger der sich das Ding angesehen hat und ich bin nicht beeindruckt. Also ehrlich, selbst bei meinem Edeka sind die Wände der Tiefgarage gestrichen und die kostet keine fünf Euro die Stunde. Das Glühbirnendesign der Deckenfunzeln haut mich ebenfalls nicht vom Hocker, Cappu und Käsekuchen sind bestenfalls Durchschnitt, hier müssten schon die Einstürzenden Neubauten spielen, um mich zu einem weiteren Besuch zu bewegen.

Ach so, nee, war ja schon. Aber vielleicht würde man heute eher an Karten für solche Künstler kommen, nachdem der ganz große Hype vorbei ist. Dann könnte man auch mal den Saal bewundern, der wohl die größte Summe verschlungen hat. Irgendwo muss die Kohle ja geblieben sein. Bis dahin kann man sich das Ding auch gut von außen ansehen, drinnen gibt es sonst nur Spieglein an der Wand. Immerhin damit konnte ich was anfangen.

Fotos dazu: Elbphilharmonie Hamburg / Nikon D7200
Musik dazu: Jan Fedder - Aus Bock (R.I.P. Jan) 
 
Allen Lesern einen guten Rutsch, frohes neues Jahr, viele Heimsiege außer gegen uns etc pp.











  

Sonntag, 22. Dezember 2019

Bielefeld gehenkt




















Das letzte Heimspiel des Jahres gegen den Spitzenreiter, die stärkste Auswärtsmannschaft der Liga, die nicht eins davon verloren hat, wenn das kein Grund ist für eine zumindest leicht pessimistische Grundstimmung, dann weiß ich auch nicht.

Man kann als Fan ja nicht so wirklich Einfluss nehmen, ausser mit albernen Glücksbringerdingern vielleicht. Also wenn wir tatsächlich gegen Wiesbaden gewonnen haben sollten, nur weil ich seit Monaten mal wieder einen Schal um den Hals trug, muss ich genau den heute natürlich ebenfalls tragen. Schals habe ich zwar jede Menge im Schrank hängen, Glücksbringer sind mir darunter aber nie aufgefallen, mit jedem davon haben wir auch schon mal verkackt, schließlich sind wir hier nicht beim FC Bayern, bei denen langt ja eine Neuanschaffung pro Saison.

Vor dem Spiel schon galgenhumorige Sprüche bei den Veteranen abgeholt, immerhin einer hofft auf ein mühsames 0:0 um wenigstens auf dem Relegationsplatz zu überwintern. Das glorreiche 3:1 gegen Wehen Wiesbaden hing ja nicht lange nach im Kopp. Und dann ausgerechnet die Ostwestfalen.

Daggi erzählt was von einer eigentlich recht positiven Heimbilanz gegen Bielefeld, aber so oft sind die ja nu auch kein Aufstiegskandidat gewesen. Ach wär ich doch im Bett geblieben, hab eh kaum gepennt. Sportzigarette gegen das Elend gibt es auch nicht, weil ich noch Auto fahren muss, das wird kein Vergnügen heute.

Drei Minuten später ist dann alles anders und alles vergessen weil Henk das 1:0 macht, Monsterkopfball, kann ich den noch mal sehen bitte? Noch viel geiler ist, dass sie danach nicht wie so häufig das Fußballspielen einstellen, sondern einfach so weitermachen, mit richtig Feuer, wie anno dunnemals gegen Stellingen. So geil, dass man am Ende gar nicht so richtig weiß, wen von den Jungs man eigentlich zuerst ans Herz drücken möchte.

Vielleicht Henk, weil der Hammer zum 2:0 mindestens so geil war wie der Kopfballtreffer, oder @leoskirio, gegen den Zweitligatorschützentabellenanführer Fabian Klos über 90 Minuten keine Schnitte sieht? Waldi Sobota vielleicht, der hier aufdreht wie ein polnischer Nationalspieler? Viktorjäger Gyökeres für seine Vorlage zum zweiten und sein Tor zum 3:0, oder Ryo Rakete für seine Sprints und seine Vorlage zum dritten Treffer? Sebastian Ohlsson, den ich in der zweiten Halbzeit schön im Blick hatte, wie er meist immer einen Schritt schneller war als sein Gegenspieler?

Fußballgötter allesamt, heute jedenfalls mal. Die sich, juhuuu, auch endlich mal belohnen für den Aufwand. Und uns, vor allem uns. Weitermachen, genau so!


Was sonst noch gut war:
Das "Veerman" ist immer besonders laut im Stadion, oder? Stehende Ovationen, verdient. Bielefeld gehenkt (Props @TheLoon1 für Kalauer).
Es gibt Becher mit Ebbe drauf und das kann eigentlich nur Glück bringen.
Wenn man sich an die Augenschmerzen gewöhnt hat sind gelbe Trikots gar nicht mal schlecht. Was trägt Stuttgart eigentlich auswärts?

Was nicht so gut war:
Buballa, leider. Hat seine Böcke meist selber ausgemerzt, aber was waren das für Dinger, meine Güte. Dabei hab ich mich so gefreut dass er wieder dabei ist.
Ich hab mich wieder nicht getraut den Wiebusch zu fragen was nu eigentlich Sache ist mit dem Kettcar Livemitschnitt aus dem Mehr Theater. Zehn Minuten vor Anpfiff hätte ich wohl auch keinen Bock auf solche Fragen.

Was muss:
Also der Østigård nech, den liebe ich ja. So wie Norwegen generell und fast schon so wie Mats und wie der sich freut jedes Mal, da geht mir das Herz auf. Wenn der mal treffen sollte, dann ist aber was los hier. Lasse 2.0. Da muss man doch was machen können.    

Was Gröni sagt:
Wir waren garnich soooo toll und Bielefeld einfach schlecht und vielleicht hat er ein bisschen sogar recht damit aber es ist Weihnachten und JETZT LASST MIR DOCH EIN WENIG EUPHORIE VERDAMMT. Könnte ja im neuen Jahr vielleicht doch so weitergehen. Ganz vielleicht natürlich nur, wir sind immer noch Sankt Pauli.
Was der Magische FC Blog sagt:
Drei ist eine magische Nummer und Bielefeld existiert nicht. Selbstverständlich nicht.
Was Tim beim Millerntor erklärt: Warum wir taktisch besser aufgestellt waren und wieso die Rückrunde richtig geil wird. Vielleicht.

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor / FC St.Pauli - DSC Arminia Bielefeld 3:0
Musik dazu: Zen Connection - Mixed by Gotan Project & LTJ Bukem