Montag, 30. Januar 2012

Das Dorian Gray Syndrom














Es gibt Menschen, die werden scheinbar Zeit ihres Lebens nicht älter. Wenn man alte Fotos betrachtet vielleicht, aber irgendwie hinken die stets 10 bis 15 Jahre hinterher. Optisch. Horst Buchholz war so ein Typ, der konnte mit 40 noch jugendliche Lederjackenträger spielen. War als Schauspieler sicher nicht immer ein Vorteil, aber immerhin hat er es in John Sturges glorreiche Sieben geschafft, als jugendlicher Heißsporn. Da war er 27.
Meine Kollegin G. hat auch solche Gene, bei irgendeinem ihrer letzten Geburtstage hab ich mich richtiggehend erschrocken bei der Feststellung, dass die Frau so alt ist wie ich. Das war mir zwar bekannt, aber mit den Jahren vergisst man das einfach, wenn diese Leute nicht altern. Vampirismus kann ich wohl ausschließen, möglicherweise hängen da seltsam alternde Bilder an der Wand.
Bei Hawk hängt allerdings keins, das wüsste ich. Der Mann hat auch diese seltsamen Gene und wird immer 10 Jahre jünger eingeschätzt. Mindestens. Das hat man mir zwar auch schon mal bescheinigt, hatte aber ganz sicher nichts mit meiner äußeren Erscheinung zu tun.
Da die Freundinnen und Ex-Freundinnen natürlich auch alle noch mal 10 Jahre jünger sind, treibt sich auf Geburtstagspartys irgendwann allerhand Jungvolk herum, wahrscheinlich kommt man so zwangsläufig in die Lage, auch noch so etwas wie eine Mottoparty auszurufen.
Glücklicherweise war ich nicht der einzige Ignorant, der ohne Bademantel oder Handtuch kam. Wozu überhaupt Bademäntel? Ein Handtuch reicht völlig, weiß man doch. Das hätte ich wohl auch noch mitgemacht, wäre ich nicht direkt aus dem Stadion gekommen.
Das Handtuch ist, nebenbei bemerkt, nur wichtig für Anhalter. Ich benötige so etwas nicht. Trotzdem eine gelungene Feier, bei der Herr L. und ich, wie weiland Statler und Waldorf, auf dem Logenplatz das Geschehen sarkastisch kommentierten. Dabei half wie immer eine erstklassige Versorgung mit den gewünschten Getränken, sogar die Chefkoch.de-Variante des Donnergurglers war annehmbar.
War natürlich auch abzusehen, dass ich den besser vertrage als Hawk, wenigstens da sieht er immer älter aus *fg*.
Auch wenn das ein überaus irdisches Rezept war, mit diesem Namen ist nicht zu spaßen. Ich habe ganz vergessen zu fragen, ob er sich denn jetzt fühlt, als hätte man ihm gerade das Hirn mit einem in Zitronenscheiben gehüllten Goldbarren rausgedroschen, er erweckte jedenfalls stark den Eindruck.

Wird nicht jünger, aber immer besser: Ryan Adams & The Cardinals - Cold Roses

Sonntag, 29. Januar 2012

Einfrieren und auftauen














Die Gegengerade machte schon von außen einen sehr traurigen Eindruck in den letzten Wochen. Seit die Bäume abgeholzt wurden ist das sehr kahl geworden vorm Stadion, man glaubt gar nicht wie sehr so ein bisschen Grünzeug fehlen kann, auch wenn da vorher schon keine Blätter mehr dran waren.
Als ich dann die leeren Ränge vor Augen hatte, auf denen ich nur noch wenige Tage stehen darf, bevor dieses Stück Geschichte aus dem Herzen Sankt Paulis verschwindet und durch einen großen Betonklotz ersetzt wird, da wurde mir das Herz beinahe ein wenig schwer. Zu viele Geschichten im Kopf, aber die werden bleiben. Ein paar Quadratmeter, auf denen man nicht nur Siege gefeiert und Niederlagen betrauert hat. So manch einer hat auf diesen Stufen vielleicht sogar seine spätere Frau zum ersten mal geküsst. Naja, mindestens einer auf jeden Fall, aber das ist eine andere Geschichte.
Damals war es jedenfalls bedeutend wärmer als an diesem Samstag, an dem ich die völlig bescheuerte Idee hatte, mir bei gefühlten zehn Grad Minus das Testspiel gegen Grasshoppers Zürich anzusehen. Aber nachdem am Freitag die DVD der absolut großartigen Dokumentation Das ganze Stadion im Fanladen nicht zu bekommen war, weil sich das Paket noch in den Händen der Post befand, hab ich mir zum Ausgleich einfach mal eine Karte geholt. Da es die Scheibe auf jeden Fall am Spieltag geben sollte musste ich eh wieder hin, dann kann man auch gleich Fussi gucken. Da die Gegengerade dicht war versuchte ich noch vom Dartmeister zu erfahren, auf welcher Tribüne die paar Unentwegten denn nun sitzen, aber der Mann macht sein Handy nur an wenn er telefonieren will, folglich hab ich mich für die falsche entschieden und den Süden gewählt.

Bei Testspielen im Winter kann man eigentlich nur hoffen, dass die Jungs auf dem Platz irgend etwas herzerwärmendes zustande bringen, wenn man sich schon den Arsch abfriert. Was man nicht erwarten kann ist ein volles Stadion mit ordentlich Feuer unterm Dach, bunte Choreografien und erhitzte Gemüter. Daher hab ich mich schon vorher gewundert, als in der Presse von etwa 400 bis 500 anreisenden Züricher Fans die Rede war. Das sind 900 Kilometer. Für ein Testspiel? Was erwarten die hier? Volle Hütte, mal das legendäre Millerntor sehen und hinterher den Kiez unsicher machen? Haben die so viel Fußballfans oder kommt da mehr Eventpublikum an?

Gab leider auch ein wenig erwärmendes Spiel, die erste Hälfte lief zwar ganz gut, aber leider auf den Norden, dementsprechend wenig gab es zu sehen. Die Grashüpfer haben wenig zustande gebracht, mit zwei bis drei Ausnahmen, in denen Bene durch Flugeinlagen glänzen konnte. Ich finde ja sowieso, er hat sich das jetzt endlich mal verdient die Nummer 1 zu sein. Auch wenn er in der Vergangenheit für mindestens drei Herzattacken pro Spiel gut war, aber ich bin nicht so nachtragend. Ich seh das Aufstiegsgespenst ohnehin völlig entspannt. Aus der Überlegenheit wurde leider wenig Zählbares gemacht, das 1:0 von Ebbe war verdient, aber kommen sehen hab ich es nicht, der Süden ist einfach zu weit weg, Fußball muss man von der Seite gucken, stehend.
Völlig durchgefroren wollte ich mir in der Halbzeit gleich zwei Becher Glühwein gönnen, um beide Hände gleichzeitig zu wärmen, und konnte wie gestern schon mein überragendes Reaktionsvermögen unter Beweis stellen, als ich geschmeidig dem zweiten Becher entwich, der mir spontan über den Tresen entgegengeschleudert wurde. Lediglich mein braun-weißer Schal weist jetzt einige rosa Pünktchen auf, aber damit kann ich leben. "Dolles Reaktionsvermögen" entwich es ebenso spontan der Dame neben mir, die durch meinen seitlichen Ausfallschritt rein zufällig ebenfalls von der Dusche verschont wurde. Damit kann man auch noch punkten, man muss nur fix sein. Äppel klaun können und so..
In der zweiten Hälfte machte der Gästeblock auf sich aufmerksam, Pyro!!!1einself! Juhuuu! Feuer frei, Europacup. Stimmung, Ultra, Fußpilz, Hurra. Was für ne Show, wo sind wir hier? Irgendwie hab ich das geahnt, dass da die Showtruppe aus Zürich kommt. Der Nebel vernebelt unseren Jungs die Sinne und den Zürcher Fans die Sicht, da fällt der Ausgleich. Zu dumm, für beide Seiten.
Und sonst? Scheiß Sankt Pauli, ach ja. Kreativ. Ein beinahe rührender Versuch von zwei Jungs auf dem Zaun den Capo zu spielen, aber bei Testspielen sind da Vati und Mutti, die endlich mal den Nachwuchs mit ins Stadion nehmen können. Oder selber mal die Chance ergriffen haben ein Spiel zu sehen, weil man als Normalbürger halt nur für Testspiele Karten bekommt. Immerhin 6500 hat es bei der Kälte ins Stadion getrieben, das ist in Ingolstadt ne tolle Zahl bei Punktspielen, das muss man sich auch mal vor Augen führen.

Die müssen wahrscheinlich öfter so einen Grottenkick sehen wie die zweite Halbzeit. War irgendwie zu erwarten, als die bei Testspielen üblichen Wechselorgie begann. Die halbe Mannschaft austauschen und nix geht mehr. Dann fällt das Tor auch noch auf der falschen Seite, der Glühwein verliert seine Wirkung, die Kälte kriecht langsam bis unter die Haarspitzen. Also eins ist mal sicher, Testspiele guck ich nur noch im Sommer, es sei denn die spielen gegen Barcelona. Das ginge wohl auch nicht 1:1 aus.
Sollte die prophezeite Kältewelle wirklich zuschlagen, dann muss ich gegen Bochum die Wahl meiner Klamotten stark überdenken, mehrschichtig ist angesagt.

Nach dem Schlusspfiff nix wie weg, schnell am AFM Container die DVD gekauft, und dann noch Glück gehabt den Dartmeister zu finden, der mich auf dem Weg zum Skatabend am Bahnhof absetzen konnte. Den musste ich schweren Herzens absagen, wenn schon eine Geburtstagsfeier verschoben wird, nur weil an besagtem Tage die Black Keys spielen, dann hat man wirklich keine Wahl.

In Wandsbek den Bahnsteig betreten, 19:25. Ich guck auf den Plan, 19:24 fuhr die Bahn, die nächste in 30 Minuten. Na prima. Es wird wieder kalt, wo ich doch im alten Benz gerade wieder angetaut bin. Wo ist hier ein Baum, der Glühwein muss weg. Ach wie gut dass ich kein Mädchen bin, dass ich kein Mehehehehdchen bin. Bahnsteig runter, durch den Tunnel, in den Park, Baum. Kaum hatte ich den Ort der Erleichterung erspäht, hörte ich quietschendes Metall. Von wegen 19:24, diese dämliche Linie hat IMMER Verspätung, das hätte ich wissen müssen. Also rennen oder eine halbe Stunde frieren, ich bin gerannt und hab gewonnen. 
Leichtes antauen dann in der Bahn, Herrn L. angerufen und mich zur Sportschau eingeladen, um endgültig aufzutauen. Bei nem Cola Whiskey und ner Zigarre Köln gegen Schalke sehen, direkt neben seinem Radiator. Wärme tanken tut auch mal gut. Abgesehen davon musste ich so den anstehenden Weg zur Festivität nicht alleine bestreiten, man muss immer praktisch denken.

Nicht nur aus praktischen Gründen schon länger im Player: The Detroit Cobras - Life, Love And Leaving



Samstag, 28. Januar 2012

Der neue Minimalismus














Über Nacht hat es hier tatsächlich geschneit, es ist Winter geworden, doch noch. Nicht umwerfend viel, aber genug um in Hamburg wieder für Verkehrschaos zu sorgen. Die ersten Auswirkungen hat das immer auf die vorhandenen Parkplätze, deren Anzahl mit zunehmender Schneehöhe rapide abnimmt, weil die Markierungen nicht mehr zu erkennen sind.
Da ich mit Parkplätzen in der Nähe der Sporthalle ohnehin schlechte Erfahrungen gemacht habe, hab ich  öffentliche Verkehrsmittel bevorzugt, obwohl ich das Rauchverbot in der Halle einzuhalten gedachte und daher auch auf Sportzigaretten verzichten wollte. Ein Bier wollte ich mir eventuell genehmigen, mehr nicht. Abhängig von der Bierqualität.

Die Anreise kann man von hier aus auf zwei Arten bewerkstelligen, entweder man setzt sich in die U1, fährt den großen Kreis und steigt an der Zielhaltestelle wieder aus, oder man versucht das durch die Nordschleife abzukürzen, wodurch man allerdings gezwungen ist, gleich drei mal umzusteigen.
Natürlich war ich wie immer zu spät unterwegs und entschied mich, den genial ausgearbeiteten Plänen des HVV zu vertrauen, das Umsteigen sollte um diese Zeit eigentlich noch reibungslos funktionieren. Die Wartezeiten waren dann auch relativ kurz, aber der ganze Aufwand lohnt sich überhaupt nicht. Das hab ich festgestellt, als ich Kellinghusenstraße wieder in die U1 umgestiegen bin und dort die niedliche Blondine wiedergesehen habe, die ich 25 Minuten vorher erst verlassen hatte. Ich hätte also auch einfach sitzenbleiben können, mit nettem Anblick zudem, dumm gelaufen.
Goldlöckchen hatte auch das gleiche Ziel wie ich, erstaunlich viele Mädels waren unterwegs zu den Black Keys, vielleicht waren die aber auch scharf auf die Vorgruppe, Portugal.The Man.

Über diese Auswahl hab ich mich im Vorwege eigentlich auch gefreut, die Alben fand ich streckenweise nicht übel, war allerdings gespannt ob sie es schaffen würden, den Sound halbwegs auf der Bühne umzusetzen.
Vorm Bahnhof dann den Kosaken getroffen, der meinen Abstinenzversuch sofort zunichte machte, folglich war auf dem Fußmarsch zur Halle erst einmal ein Bier und eine konische Rolle angesagt, öffentliche Verkehrsmittel haben auch Vorteile. Damit war allerdings unser Vorhaben, auf dem Marsch zur Halle etwas Boden zu gewinnen, nicht gerade von Erfolg gekrönt. Die Jugend ist aber auch zu fix heute für nen alten Mann, der nebenbei auch noch trinken und rauchen soll. Zwischendurch der ein oder andere Schwarzmarkthändler, die heute allerdings schlechte Karten hatten, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn Konzerte nicht ausverkauft sind kann man schon mal auf den Investitionen sitzenbleiben.
Auf der HVV Webseite steht zwar was von 10 Minuten Fußweg, aber wenn man den in einer recht sportlich ausschreitenden Meute verbringt und dabei ins quatschen kommt, dann kommt einem das wesentlich kürzer vor.

In der Halle wollte der Kosak den mobilen Bierverkäufer sofort mit üppigem Bakschisch überzeugen, möglichst alle 30 Minuten nach uns zu sehen, damit der Biervorrat nicht ausgeht. Das hielt ich für völligen Blödsinn, sowas kann man beim Fußball machen, bei Konzerten funktioniert das nicht. Als wir gerade am überlegen waren, ob wir zufällig in der Raucherecke der Sporthalle stehen, ging urplötzlich das Licht aus.
Das war ein Zeichen für die nächste konische Rolle, von denen der Kosak reichlich dabei hatte, wie er mir versicherte. Und ein Zeichen für Portugal.The Man, die aus Alaska kommen, nicht aus Portugal, und die auch mehr als ein Mann sind, nämlich derer sechs.  
Warmer Empfang, und mit Got it All gleich eines der Stücke, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Nice. Der Sound, naja, man soll dem Mann am Mischpult immer drei Stücke Zeit geben. Außerdem gilt ja wie immer die alte Regel: Vorgruppe, halbes Licht, halber Sound.
Der Soundbrei sollte sich zu meinem Ärger aber nicht bessern, dazu fing nach einigen Stücken die Kopfstimme des Herrn Gourney an mich zu nerven. Falsett kann ich nur in geringer Dosierung ertragen. So überzeugend war das alles nicht, der Beifall mehr höflich als begeistert, nach einer knappen halben Stunde war Umbaupause. Während der Kosak sich auf die Suche nach Bier begab, wollte ich das Loch im Bauch mit einer Bratwurst füllen. Unglücklicherweise stach mir auf dem Weg dorthin der Duft von Crepes in die Nase, auf eine derart gemeine Art und Weise, dass ich nicht widerstehen konnte. Adieu Bratwurst, willkommen Pfannkuchen. Daran sind nur die komischen Zigaretten schuld.

Der Vorteil von okkupierten Sitzplätzen ist, man findet sich recht einfach wieder. Mit einem frischen Bier in der Hand, und der Gewissheit, sich wirklich in der Raucherecke zu befinden, fingerte der Kosak schon wieder in seiner Jackentasche rum, als das Licht zum zweiten mal ausging. 
Ich hab ja eher was minimalistisches erwartet, Black Keys halt, Gitarre, Schlagzeug und ein wenig Licht. Und einen knackigen Anfang, daher hab ich einfach mal vorausschauend gefilmt, das klappt mit der kleinen Ixus sowieso meist besser als die Knipserei.
Der Anfang war auch so knackig wie erhofft, Howlin' For You, genau das hätt ich mir auch ausgesucht, und schon gingen die Leute ab. Sitzen war mir auch zu langweilig inzwischen, dafür hab ich keine 40 Euro bezahlt. Nicht ganz so minimalistisch wie erwartet, zwei Mann Verstärkung dabei, mit Bass ist besser, und Keyboards sind auch mal ganz nett zwischendurch. Und Licht. Viel Licht. Sehr viel Licht. Das also waren die vielen komischen runden Dinger, die sie da an die Bühnenwand gehängt hatten. Flakscheinwerfer. Damit war meine Kamera natürlich heillos überfordert, zumal noch eine monströse Spiegelkugel von der Decke hing, die Jungs meinen es definitiv ernst, die wollen Stadien erobern.
Für die Sporthalle hat es noch nicht ganz gereicht. Für Stadien ist Auerbach zu wenig Entertainer, wenn er von 5000 Leuten mehr als 500 ins Hüpfen bringen will, dann muss mehr kommen als aaaaaw, thank you. Es kann auch hilfreich sein, ab und zu drei Dinger durchzurocken, statt sich nach jedem zweiten Song noch mal mit den Kollegen auszutauschen. Dafür gibt Patrick Carney am Schlagzeug das Bühnentier, mit seiner Nerdbrille und dem Haarschnitt wirkt er wie ein Jurastudent im ersten Semester, aber wenn er an seiner Schießbude sitzt verwandelt er sich zeitweilig in das Tier aus der Muppet Show.
Mit Zugabe waren es etwa 90 Minuten, das ist nicht umwerfend viel, aber hat Spaß gemacht. Für 40 Euro würde ich mir die glatt wieder antun, für mehr aber auch nicht.
Kopfstimme gabs dann zum Abschluss noch mal von den Black Keys, live kann Auerbach das nicht, deswegen klang The Only One leider etwas kläglich. Aber immer noch besser als der ganze Rest vom Portugalmann aus Alaska.

Vielleicht bin ich zu kritisch, aber das letzte mal in der Sporthalle, das war Pearl Jam, vor 12 Jahren. Und dieses Konzert wird nicht mal von Pearl Jam selber zu toppen sein.

Über den Rest des Abends breite ich den Mantel des Schweigens, die Rückfahrt wurde durch eine junge Dame geadelt, der es offensichtlich nicht besonders gut ging, was mich wesentlich mehr beunruhigte als ihren Begleiter, denn ich saß ihr gegenüber. Wenn es ihr ganz besonders schlecht ging hielt sie sich den Mantelkragen vor den Mund, was ich als eindeutige Warnung vor spontan austretenden Körperflüssigkeiten aus dafür nicht vorgesehenen Öffnungen betrachtete. Nach einer trügerischen Phase der scheinbaren Lagenentspannung geschah das, was man von spontan austretenden Körperflüssigkeiten erwartet.
Und ich kann schon mit gewissem Stolz vermelden, dass ich trotz meines inzwischen ziemlich angeschlagenen Zustands immer noch verteufelt gut reagieren kann, wenn ich auf etwas vorbereitet bin. Daher hat sie mich nur am rechten Schuh erwischen können, besser als das linke Bein. Aber die Outdoorbotten können das ab, so ein bisschen gammelige Nudelsuppe, die war im nächsten Haufen Schnee wieder weg. 

Und weils so schön war läuft immer noch The Black Keys - Brothers
wird Zeit in die Kiste zu springen, morgen ist Fußball und ne Geburtstagsfeier und eigentlich wäre sogar Skatabend gewesen, wenn nicht der Geburtstag wär. Abstinent bin ich dann nächstes Wochenende mal.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Unser Mann im All














Im letzten Jahr konnte ein Unsterblicher seinen fünfzigsten Geburtstag feiern, und ich hab glatt vergessen zu gratulieren, dabei kannte ich den ganz gut, jedenfalls als er noch jünger war.  Nun sind 50 Jahre nicht gerade viel für einen Unsterblichen könnte man meinen, doch wenn man bedenkt, dass es sich dabei nur um den Helden sogenannter Groschenhefte handelt, auch gerne als Schundliteratur bezeichnet, dann ist das schon eine reife Leistung.
Kennengelernt habe ich Perry Rhodan eher zufällig. Damals stand an der Bushaltestelle neben der Schule eine Bude, deren Besitzer außer Zigaretten und Zeitungen auch immer einen Pappkarton mit alten Schundromanen bereithielt, Jerry Cotton und ähnliches Zeug, für 10 Pfennig pro Heft, immer ein ganzer Schwung Perry Rhodan dabei. Für Lesesüchtige mit schmalem Taschengeld die einzige Möglichkeit, die Zeit bis zum nächsten Karl May zu überbrücken, denn dicke Bücher gab es nur zu Weihnachten oder an Geburtstagen. Mir stand der Sinn bei Groschenheften eher nach Kommissar X, noch besser fand ich nur die Schwarze Fledermaus, eine Art Batmanvorläufer, doch leider waren die selten zu bekommen. Jerry Cotton mochte ich nicht und Science Fiction hielt ich für ausgemachten Blödsinn.

Aus purem Frust, und weil zwei meiner ebenfalls lesesüchtigen Freunde inzwischen das Zeug verschlangen, habe ich dann irgendwann doch zugegriffen. Den Titel weiß ich heute noch, Band 311, Tödliche Fracht nach Danger I.  Hammer, war das Ding spannend. Da musste ich unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Das erwies sich als schwere Aufgabe, denn die gebrauchten Hefte aus dem Pappkarton tauchten natürlich nur sporadisch in der richtigen Reihenfolge auf, damals gab es schon die zweite Auflage der Serie, das war alles bunt gemischt. Dazu hatte ich noch zwei Jungs als Konkurrenz, die Kreuzerzwillinge, was irgendwann in Wettläufen nach Schulschluss endete, die ich meistens verlor. Auf 100 Meter war ich zwar im Sport immer Klassenbester, aber die Bude war gut 800 Meter weg und Langstrecken waren nicht mein Ding. Wir haben die Hefte dann getauscht wenn wir damit durch waren, trotzdem blieb es schwierig der Handlung zu folgen, wenn zwischendurch Lücken von mehreren Heften zu verkraften waren.
Irgendwann erschien die dritte Ausgabe am Kiosk, die Chance bei Heft 1 anzufangen konnte ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn das die wöchentliche Mehrausgabe von 80 Pfennigen bedeutete. Mein alter Herr war davon ebenfalls nicht sehr angetan, auch wenn er selber dämliche Westernromane von G.F.Unger las, bei denen der gute Revolverheld am Ende immer das rothaarige grünäugige Mädchen bekam. Jeder hat so seine Vorlieben, auch Groschenromanautoren.

Science Fiction wurde also von den Erwachsenen im Hause Beeblebrox weiterhin als großer Blödsinn abgetan, während die Jugend durch Cliff Allister McLane und Tamara Jagellovsk im Fernsehen noch weiter angefixt wurde. Raumpatrouille Orion konnte ich mehrfach noch als Hörspiel genießen, denn einer der Kreuzerzwillinge besaß glücklicherweise schon ein Tonband und durfte die Serie mit dem Mikrofon aufnehmen, an Perry Rhodan hab ich erst nach Band 400 langsam das Interesse verloren, da wurde es wirklich zu albern, oder ich zu alt.

Science Fiction finde ich aber immer noch gut, Raumpatrouille Orion besitze ich selbstverständlich als Special Edition, und Star Wars war damals schon im Kino eine Delikatesse für mich, was man vom Perry Rhodan Film nicht gerade sagen konnte, aber dieses Epos könnte nicht einmal Peter Jackson verfilmen. 

Das ist auch ganz gut so, hab ich vor ein paar Jahren festgestellt. Da hat hier jemand die (damals) komplette Perry Rhodan Serie angeschleppt, Band 1 bis 1600, alle auf einer CD. Inklusive Titelbild und den beliebten "Risszeichnungen" der Raumschiffe des Perryversums.
Gigantische Raumschiffe, Ultraschlachtschiffe der Galaxisklasse, Flaggschiffe der Flotte mit 2500 Metern Durchmesser. Aus Terkonitstahl! Mit Hochenenergieüberladungsschutzschirmen! Modernste Technik, riesige Komputer(!) die laufend Lochstreifen ausspuckten, die so kryptisch waren, dass nur Spezialisten sie entziffern konnten. Meistens jemand aus der Funkzentrale oder aus der Kommandozentrale. Vielleicht auch aus der Feuerleitzentrale, die man für die x-hundert Transformkanonen, Impulskanonen und Desintegratoren brauchte, muss ja jemand bedienen können das ganze Zeugs. Selbstredend waren die Zentralen alle durch modernste Technik verbunden, armdicke Kabel laufen da durch die Schächte, die Bildübertragung ist schon weit fortgeschritten und auch das Rohrpostsystem hat man nicht vergessen. Für die Lochstreifen, denn wenn die verschlüsselt waren musste mindestens der Käptn ran, wenn nicht gar der Großadministrator selber.

Diese Lochstreifen waren nicht aus schnödem Papier, Plastik war das Material der Stunde. Fast alles war aus Plastik, wenn es ganz besonders stabil sein sollte aus Stahlplastik. Schließlich spielt das, äh, in der Zukunft. In der Zukunft, wie man sie man sich so ab 1961 etwa vorgestellt hat, und das reizt natürlich fünfzig Jahre später sehr zum Lachen. Die von Clark Darlton aka Walter Ernsting geschriebenen Hefte fand ich schon als Kind zu albern, dass Kurt Brand ein noch sehr viel schlechterer Autor war ist mir damals nicht aufgefallen, absolut grausames Zeug. Kein Wunder, dass seine eigene SF-Serie nach dem Ausstieg bei Perry Rhodan nicht von Erfolg gekrönt war. Die Hefte der anderen Autoren lassen sich aber heute auch noch lesen, wenn man sich vor Augen hält, wann das geschrieben wurde. Politisch ist das recht zweifelhaft, mit 11 Jahren nimmt man das nicht so wahr, heute möchte man bei manchen Sätzen mit dem Kopf auf der Tischplatte aufschlagen. Zu dieser Zeit wurden, man erinnere sich an Heinrich Lübke, Menschen afrikanischer Herkunft immer noch als Neger bezeichnet. Aber immerhin waren sie bei den Guten unter Vertrag, wie der Teleportermutant Ras Tschubai.

Der entdeckte irgendwann in höchster Not, als er in Afrika von einem Leoparden verfolgt wurde, diese seltsame Gabe und wurde daraufhin festes Mitglied des Mutantenkorps. Lauter Strahlenopfer, die durch radioaktive Einwirkungen tolle Fähigkeiten entwickelten. Teleporter, Telekinesen, Telepathen, sogar einen der durch die Zeit reisen konnte, den hats dann aber irgendwann gerafft bei seiner Reiserei. Sehr viele Japaner darunter, natürlich, die hatten ja die größte Dosis überhaupt bekommen. Trotzdem trugen alle Atomuhren am Handgelenk, und auch Atomlampen waren Standardausrüstung, wenn mal das Licht ausfiel bei Aliens im Haushalt.
Mutanten, superintelligente Wirtschaftsmagnaten, kräftige umweltangepasste Soldaten und ein unsterblicher Führer, die Basis des Solaren Imperiums, womit wir wieder bei der politischen Fragwürdigkeit wären. Die haben schon wieder kräftig Kolonien gegründet mit ihren Ultraschlachtschiffen. Die Kriege waren an Gigantomanie nicht zu übertreffen, aber die anderen Außerirdischen neideten halt den Erfolg der tüchtigen Terraner, und irgendwann gabs auf die Nase.

Letztes Jahr wurde ich mal wieder an Perry Rhodan erinnert, wieder war es so eine Art Pappkarton, in dem ich ihn gefunden habe. Das Perry Rhodan Adventure, für 5 Euro auf dem Softwaregrabbeltisch. Aus alter Verbundenheit natürlich  mitgenommen und sogar durchgespielt. Ganz ohne Ultraschlachtschiffe diesmal, war gar nicht so übel. Des Öfteren etwas unlogische Rätsel, aber Science Fiction und Logik passen ohnehin nicht zusammen. Adventures sind nicht mehr so ein Problem, wo man heutzutage die Lösungen im Netz nachschlagen kann. Per Rohrpost hätts länger gedauert.

Musik auch grad ne Ecke älter:  The New York Rock Ensemble - Roll Over

Samstag, 21. Januar 2012

Paradies für Krabbenjunkies














Eigentlich wollte ich nur kurz bei meinem Fischmann vorbeigehen um etwas Krabbensalat zu kaufen, aber da der Geldautomat direkt am Markt ist, hab ich beschlossen noch etwas zwischen den Marktständen zu schlendern. Die meisten Händler waren da schon mit dem Abbau beschäftigt, daher wollte ich schon wieder gehen, als ich DEN Stand entdeckte.
Nicht etwa einen Fischhändler der ein paar Nordseekrabben im Angebot hat, einen reinen Krabbenhändler. Jenseits von Büsum, Nordseekrabben satt, gepult, ungepult, als Salat und als Krabbenfrikadelle, eine Spezialität die im Normalfall allenfalls in den Pfannen von Krabbenfischern zu finden ist. Alles tagesfrisch und hausgemacht, nicht etwa in Marokko gepult wie die Dinger von Feinkost Albrecht, was mir der Händler versicherte.
Genau das wollte ich eigentlich gerade bei meinem Fischmann kaufen, teilte ich dem Besitzer mit, der von seiner Qualität sehr überzeugt schien. Den wirssu wohl in Zukunft nich mehr brauchen, erwiderte er mit breitem norddeutschen Tonfall, hiä is alles frisch, alles hausgemacht, auch die Mayoneese, dat is der beste Krabbensalat den Du kriegen kanns. N bessern giff dat nich. Extra fürn Krabbensalat gemacht die Mayoneese, is genau abgestimmt. Un vor allem: mehr Krabben als Mayo, so wie sich dat gehöat. Seine beiden Kompagnons im Wagen nickten zu seinen Worten im Takt, wie ein paar Marionetten, und grinsten dabei über das ganze Gesicht, da hab ich den Versuch gewagt. Eigentlich war das kein Wagnis, so wie die Dinger aussahen, und das hat sich denn auch fast alles bestätigt. Die Krabbenfrikadellen schmeckten so gut wie meine selbst gebratenen, nur das sie nicht heiß aus der Pfanne kommen. Die Krabben sind frisch, das merkt man schon beim pulen, und auch der fertige Salat war ziemlich gut.

Ziemlich. Deshalb liegt mein Fischmann weiterhin auf dem zweiten Platz der Krabbensalatmanufakturen, denn bei der Mayonnaise schmecke ich leider eine leichte Dillnote heraus, darüber müssten wir also nochmal reden.
Falsch abgestimmt, das ist Pech. Ich hasse Dill, aber das konnte der gute Mann ja nicht wissen.


Gut (ab)gestimmt: Charlie Pickett - Bar Band Americanus

Freitag, 20. Januar 2012

Man muss sich auch mal trennen können














Gedanken die mit "man könnte mal" anfangen sollte man sofort wieder verwerfen, das wird sowieso nichts. Was man aus Zeitmangel auf die lange Bank schiebt, macht man meistens auch später nicht, weil sich das unheilvoll summiert. Wenn man schon anfängt Dinge unter "mach ich wenn ich Rentner bin" abzulegen wird es kritisch.
Die Erfahrung hat mir gezeigt, was ich in den Keller schleppe, das kann ich auch gleich auf den Müll bringen. Dinge, die man seit Jahren nicht mehr angefasst hat, die hat man auch nicht gebraucht. Und ich neige leider auch fatal dazu, alle möglichen Dinge aufzubewahren, denn "man könnte ja mal..."

Ich brauchte die alten Amiga Magazine doch nicht mehr, die ich wegen des tollen Deluxe Paint Kurses unbedingt aufbewahren musste, ich mach nichts mehr mit Deluxe Paint, der Amiga verstaubt im Schrank, weiß nicht mal ob der überhaupt noch funktioniert. Daher hab ich die Magazine vor zehn Jahren endgültig entsorgt, dafür stapelte sich irgendwann der Rolling Stone, natürlich ordentlich aufbewahrt in Boxen. Acht Jahrgänge, die ganzen Promotion CDs standen daneben im Regal. Warum? Keine Ahnung, ehrlich.
Wenn auf den CDs mal etwas anständiges drauf war habe ich mir das entsprechende Album meist besorgt, ich spiel die nicht mehr ab.
Die Hefte brauche ich auch nicht mehr, habe ich eigentlich nie gebraucht. Ich sammle ja auch nicht die Tageszeitung, wozu also den Stone? Ich weiß heute nicht mal, welcher "man könnte" Gedanke dahinter stand.

Den 19" Monitor hab ich auch gleich auf den Recyclinghof gebracht, auch wenn er noch funktioniert und der beste Monitor seiner Klasse war. Sauteures Stück damals, aber heute nimmt den keiner mehr geschenkt. Dadurch wurde allerdings das Elend im Regal dahinter vollends sichtbar. Lauter Zeugs, das ich seit Jahren nicht mehr angefasst habe, das muss alles weg. Computerliteratur aus der Steinzeit, Software die ich nicht mehr installieren werde bzw. nie installiert hab, darunter sogar Originalspiele, aber ob Wing Commander IV unter Windows 7 überhaupt noch läuft werde ich sicherlich nicht einmal testen. Ich hab ja auch gar keinen Joystick mehr.
Unter den Büchern seh ich auch auf Anhieb einiges für den Müll, die würde ich nicht mal verschenken wollen. Die letzten alten Festplatten sind mit dem Monitor zusammen im Elektroschrottcontainer gelandet, ursprünglich wollte ich aus den glänzenden Innereien ein schickes Terabytemobile basteln, eine dieser "man könnte mal" Ideen, deren Priorität nicht hoch genug war bisher. Also mehr was für die Rente, jetzt dämmert mir langsam, warum Rentner oft so wenig Zeit haben, die sind in die gleiche Falle getappt.

Damit mir das in zehn Jahren nicht auch so geht, werde ich in den nächsten Wochenenden exzessiv weiter entsorgen. Da wird sich in jedem Zimmer etwas finden lassen.

Steinalt, aber trotzdem nicht für die Entsorgung bestimmt: David Crosby - If I Could Only Remember My Name

Montag, 16. Januar 2012

Abflug, Axtmord, Autokino














Wenn ich etwas liebe, dann sind es Gäste, die man problemlos stundenlang um die Ecken scheuchen kann. Perfekt wird es, wenn derjenige zu möglichst passender Zeit auch noch den richtigen Appetit entwickelt und mir die Wahl des Restaurants überlässt, insofern war Cisne natürlich ein echter Glücksgriff an diesem Wochenende, aber das wusste ich vorher schon. Überhaupt erweist sich so ein kulinarischer Streifzug am Wochenende auch im Nachgang als sehr entspannend, denn da wir auch das Frühstück beim Hansebäcker eingenommen hatten, ist die Küche bis auf wenige Teller und ein paar Kaffeebecher fast jungfräulich geblieben. Sogar das Gästezimmer sieht aus wie vorher, das bin ich von den Regenwaldchaoten eher nicht gewohnt. Frauen sind einfach pflegeleichter, stell ich immer wieder fest. 
Da ihr Abflug erst um 21 Uhr terminiert war blieb noch ein voller Tag, an dem ursprünglich der Besuch des Gewürzmuseums in der Speicherstadt auf dem Plan stand. War mir sehr recht, denn das hatte ich ebenfalls noch nicht gesehen, und die Speicherstadt ist ohnehin ein Punkt, der bei einem Besuch der Hansestadt nicht fehlen darf. Dummerweise zieht das Gewürzmuseum gerade um und ist bis zum 19.Januar geschlossen, aber wider Erwarten gibt es Frauen die am Miniatur Wunderland interessiert sind, wenn man da nicht gerade eine Stunde anstehen muss.
Mussten wir nicht, fünfzehn Minuten waren ausgerufen, zehn waren es vielleicht. Dann über drei Stunden gucken und staunen, fast so anstrengend wie eine Wanderung im Treppenviertel. Auch beim zweiten mal ist das noch faszinierend, was da an kleinen Details zu erspähen ist. Zumal auch viele Szenen dazukommen oder verändert werden. So hab ich die lustige Radarfalle mit Geschwindigkeitsanzeige auf dem U.S. Highway vermisst, aber später irgendwo in Deutschland wiedergefunden. In Knuffingen brennt inzwischen nicht nur ein Haus, da werden auch brennende Tiertransporter auf einer Brücke gelöscht, wie gewohnt mit vollem Einsatz, inklusive Straßensperren.
Gewaltig ist der Hamburger Flughafen geworden, Hotels, Hallen, volle Parkhäuser, sogar die Taxiflotte haben sie nicht vergessen. Da alleine steht man schon mal eine halbe Stunde und beobachtet Abflüge und Ankünfte, Busse und Tankwagen, die zwischen den zur Startbahn rollenden Flugzeugen hin und her wuseln.
Die Eisenbahn wird dabei völlig zur Nebensache, dafür gibt es einfach zu viel zu entdecken. Mitunter auch ein paar Merkwürdigkeiten, denn wer das AFFA auf ein Haus in der Hamburger Hafenstraße gepinselt hat, der hat da gewaltig etwas durcheinandergebracht. Das heißt ANTIFA Kinners, mit den Hells Angels haben die nix am Hut.


Was man auf keinen Fall versäumen sollte, ist der Blick in das eine oder andere erleuchtete Hotelzimmer, während der Nachtphasen. Toll gestaltet alles, sehr liebevoll. Zwischenmenschliches gibt es häufiger zu entdecken, in skandinavischen Dünen oder deutschen Sonnenblumenfeldern, es menschelt viel da. Manchmal meuchelt es auch, wie bei der Harzer Wasserleiche. Eine andere Mordszene habe ich erst auf den Fotos gefunden, den Axtmord wird wahrscheinlich auch nur jemand entdecken, der zufällig das Schwimmbad mit den Wasserrutschen knipst, und nicht nur das Autokino, die stark frequentierten Dixiklos beim DJ Bobo Open Air, oder bayrische Festumzüge.

Eins ist aber ganz sicher, bevor ich den Laden ein drittes Mal betrete hab ich ein anständiges Makro für meine Spiegelreflex, nochmal tu ich mir das mit der Ixus nicht an.
Und ganz sicher geh ich dann hinterher auch wieder ins Ti Breizh, meine Wahl des heutigen Tages, auf die ich auch nur gekommen bin weil zufällig gegenüber ein Parkplatz frei war. In diesem Moment fiel mir siedendheiß ein, dass ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit kein Crêpe Suzette mehr zum Dessert hatte.
Üblicherweise nehme ich da immer vorweg die Galette Estivales, was mir heute verwehrt blieb, da ich grundsätzlich nicht das gleiche Essen bestelle wie meine Begleitung. Statt sich dafür an Julian, mit Birne, Schinken, Roquefort und Walnüssen zu delektieren beschloss ich ein Wagnis und bestellte zum ersten Mal die Poulet Basquaise, denn pikanten Hähnchen kann ich durchaus etwas abgewinnen.
Ganz besonders vor einem Crêpe Suzette. Den durfte ich heute ganz alleine aufessen, was mir bei meiner Holden nie passiert, auch nicht wenn sie kurz darauf ins Flugzeug steigen muss.

Perfekte Gäste machen perfekte Wochenenden. Aber ab jetzt ist Schmalhans Küchenmeister.

Musikmeister momentan:  T-Bone Burnett - The True False Identity/Tooth Of Crime