Sonntag, 19. Mai 2019

Frau Marga wird abgeschleppt

















Und zum Abendbrot gibt es Fisch, den hatte Frau Marga in ihrem Bauch.
Vor Agger (Versterhavet, Dänemark) gefangen.

Foto dazu: Nikon D7200
Musik dazu: Zachary Richards - Mardi Gras Mambo / Le Fou




Sonntag, 5. Mai 2019

Müde Ziegen und anderes Getier

















Wildparks sind ein beliebtes Ausflugsziel mit Kindern, da wird einfach unglaublich viel geboten für die Kleinen. Rutschen, Sandkästen, Schaukeln und Klettergerüste gibt es zwar auch auf jedem mittelprächtigen Spielplatz, aber wo findet man schon Trecker, die pro eingeworfenem Euro eine ganze Minute Fahrspaß bieten? Oder Wasserkanonen, mit denen man Bälle durch ein Drahtlabyrinh schießen kann, solange das Kleingeld reicht? Nur im Wildpark Lüneburger Heide! 

Der Fairness halber muss ich eingestehen, dass Trecker und Wasserkanonen die einzigen kostenpflichtigen Zusatzangebote sind, abgesehen von den obligatorischen Futterpäckchen. Deren Inhalt kann man zur Not immer noch durch eine Futterrutsche in das Gehege von Büffeln und Hirschen kippen, wenn die eigenhändige Fütterung der harmloseren Streichelzoobewohner nicht klappt. 

Die bekommen das krümelige Zeug den ganzen Tag unter die Nase gehalten und reagieren entsprechend begeistert, was eine ziemliche Pleite gewesen wäre, hätte nicht ein älterer Herr seine Tüte mit Erdnüssen unter den Kindern verteilt. Was höchstwahrscheinlich verboten ist, auf müde Ziegen aber eine Wirkung hat wie Adrenalin und die Fütterung doch noch zu einem Erlebnis werden lässt.


Dafür geh ich schließlich in einen Wildpark, um Fotos von den Kindern zu machen, wie sie Ziegen füttern oder Trecker fahren. Für Fotos von Tieren ist so ein Park eher nicht geeignet, die befinden sich entweder hinter Gittern und Zäunen oder ziehen es in den großen Gehegen vor, sich hinter Bäumen zu verpissen, wofür ich mit der Zeit ein gewisses Verständnis entwickel. Mamaaa ich kann den Tiger nicht sehen. Da hinten rechts Leonie, siehst du den Schwanz? Naaahain. Da guck, eben hat er sich bewegt. Wow. Fast wie in Afrika und fast ebenso weit weg.

Der Bär immerhin ist sehr fotogen, wie er an der Kante auf und ab läuft und auf und ab und auf und ab und irgendwie wirkt das auf mich doch etwas manisch, aber wer will's ihm verdenken? Dafür genießt das Chamäleon wahrscheinlich eine stressmindernde Einfarbbeleuchtung, wirkt dadurch allerdings ähnlich müde wie die Ziegen.

Sechs Stunden dauert der Marsch, bergauf, bergab, bergauf und jetzt weiß ich auch, dass es Berge gibt in der Lüneburger Heide. Naja, zumindest Hügel, aber immerhin mit Panoramablick über die nächste Futterbude. Die Latscherei hier ist jedenfalls nicht weniger anstrengend als im näher gelegenen Wildpark Schwarze Berge. 

Der hat allerdings einen ganz entscheidenden Nachteil: keine Trecker! Und weil Trecker für den Stöpsel gerade das allergeilste sind, werden wir hier bestimmt nochmal aufkreuzen. Mit mehr Kleingeld.


Fotos dazu: Wildpark Lüneburger Heide / Nikon D7200
Musik dazu:  Nils Petter Molvær - Khmer / Hamada
 





Dienstag, 30. April 2019

Dann tanzt mal schön..















Linkszweidreisambarumbafoxtrott, konnte ich auch mal, etwa so grazil und elegant wie ein Pelikan.
Macht man das eigentlich heute noch, in den Mai tanzen?
Und zählt Pogo? 


Fotos dazu: Wildpark Lüneburger Heide / Nikon D7200
Musik dazu: Annie Lennox - Nostalgia



Sonntag, 28. April 2019

Zum Ananaspokal in den Spielpalast



















Meine Fresse, hab ich Bock heute. Seit dem Derby hat's mir die Laune doch ziemlich verhagelt und die letzten Auftritte haben auch ihr Scherflein dazu beigetragen, dass sich da nicht viel dran geändert hat. Komplett ohne Erwartungen zu einem Spiel bei dem es um nichts mehr geht als Fernsehgeld, mit vermutlich äußerst dürftigem Spaßfaktor. Dazu muss ich noch am Abend ins Mojo zu Lou Bega oder Flo Mega oder wie immer der heißt, statt mich hinterher auf die Couch legen zu können. Das ist alles viel zu anstrengend in meinem Alter, man sollte mehr drauf achten was man verspricht.

Andererseits scheint gerade die Sonne und wie oft kann man schon im T-Shirt ins Stadion? Also los, und wenn's für einzwei Bier und etwas Klönschnack ist, mit ein wenig Glück bolzen wir uns ja ein Unentschieden zusammen und man muss nicht gleich wieder in Depressionen verfallen. Obwohl Jahn Regensburg geradezu prädestiniert ist als Spaßverderber.

Vorm Stadion stehen Domreste herum und ich weiß nicht recht, ob der Spielpalast wirklich ins Bild passt, denn in dem Laden dahinter habe ich schon lange nichts mehr von uns gesehen, was das Prädikat "Spiel" verdient hätte. Dafür ist der Einlass heute in fünf Minuten erledigt und ich kann in Block 2 bei den Veteranen sitzen weil der Skipper scheinbar auch die Schnauze voll hat. Zietel erhofft sich wenigstens ein grausames 0:0 bei dem auch die Regensburger keinen Ball treffen, das wäre schon ein Erfolg. Man ist inzwischen mit sehr wenig zufrieden, Euphorie vor dem Spiel sieht jedenfalls anders aus.

Dennoch ist es mal wieder ausverkauft, was angesichts der letzten Auftritte auf ausgesprochenes Unverständnis trifft und ausgerechnet Menschen zu dummen Bemerkungen veranlasst, die sich das schon seit bald fünfzig Jahren regelmäßig antun. Und warum?

Weil der Fußball halt auch nur 'ne Schachtel Pralinen ist und man nie weiß was man bekommt. Erst recht nicht bei diesem Verein und überraschenderweise auch nicht bei dieser Mannschaft. Dass wir dusselige Tore fangen, weil der Adamyan auf der linken Seite machen kann was er will? Das wäre das erste womit ich gerechnet hätte, aber wer bitte hat denn noch geglaubt dass die Jungs ein Spiel drehen können? Zweimal ausgleichen und zweimal nachlegen? Wann hat es so etwas zuletzt gegeben?

Eine ganze Halbzeit lang auch noch Fußball, mit gelungenen Kombinationen, geilen Pässen und etlichen Chancen auf ein noch höheres Ergebnis. Das macht seit langer Zeit mal wieder richtig Spaß, weil man (bei allen doofen Fehlern die immer noch passieren) sieht, dass die Mannschaft unbedingt gewinnen will, aber da fragt man sich natürlich auch, warum das alles vorher nicht ging, warum man diese Aggressivität und diesen Willen nicht auf den Platz gebracht hat, als es um mehr ging als die goldene Ananas.


Einfach mal glücklich sein? Weissnich. Halbwegs versöhnlicher persönlicher Saisonabschluss, weil ich das bonfortionöse 5:0 gegen Bochum verpasse mit dem wir Stellingen in der Tabelle überholen. Ich buddel derweil lieber mit meinen Enkeln am Nordseestrand und hoffe, dass wir in der nächsten Saison nur noch ein Gesicht von der Mannschaft sehen werden, das Ichwillhierumsverreckengewinnengesicht. Ganz besonders im Derby natürlich.

Was sonst noch gut war:
Dimi, Ryo, Knolli, Mats und überhaupt: 4:3 ist immer geiler als 1:0.
Das monströse Kalbsschnitzel im Wandsbeker Hofbräuhaus.
Flo Mega im Mojo Club, tatsächlich. Hab sogar eine CD gekauft.

Was sonst noch schlecht war:
Nix. Nicht einmal meine Kondition, weil man sich im Mojo auch mal in die Ecke hauen kann mit seinem Gin Tonic.

Mehr zum Spiel:
Die gewonnene goldene Ananas bei Gröni
Szenario Chaos beim Millernton

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - SSV Jahn Regensburg 4:3
Musik dazu: Flo Mega - Bäms!




























Montag, 22. April 2019

Die Kirche der Seefahrer

















Das Wahrzeichen von Rømø steht direkt an der Hauptstraße nach Havneby und ist somit kaum zu verfehlen. Normalerweise sind Kirchen verschlossen sobald ich eine Kamera in der Hand und ein Stativ im Kofferraum habe und wären bei meinem zweiten Besuch nicht gerade ein paar Besucher ins Freie getreten, wäre ich wohl auch diesmal an der Tür gescheitert. Dass man sich mit seinem ganzen Körpergewicht dagegen stemmen muss um die zu öffnen kann Mensch ja nicht ahnen, in Zukunft gehe ich bei verschlossenen Kirchen resoluter vor, um mir Eingang zu verschaffen. 

Von der St. Clemens Kirke, benannt nach dem heiligen Schutzpatron der Seeleute, bietet nämlich ganz besonders der Innenraum viele interessante Motive. Segelschiffe, schicke Kronleuchter (deren Lichtschalter ich leider nicht gefunden habe) und Haken für die herrschaftlichen Hüte hängen von der hölzernen Decke, die bunt bemalte Kanzel ist ebenfalls aus Holz geschnitzt und könnte man Orgelpfeifen aus Holz herstellen, hätte mich auch das nicht gewundert. Die Reederdynastie Maersk und andere wohlhabende Familien besitzen eigene Kirchenbänke, die allerdings auch nicht bequemer aussehen als der Rest, man soll ja auch ein wenig büßen beim Besuch.

Der ist jedenfalls äußerst empfehlenswert wenn man auf Rømø weilt, nicht nur aus Mangel an Alternativen. Kräftig gegen die Tür drücken.

Fotos dazu: St.Clemens Kirke Rømø - Nikon D7200
Musik dazu: Dynamite Deluxe - Deluxe Soundsystem / TNT








Samstag, 20. April 2019

Willkommen auf Sylt

















Angeblich ist das hier ja die Insel der Reichen und Schönen. Da ich noch nie wirklich reich war, hat sich ein Besuch bisher nie angeboten und obwohl durchaus viele Menschen von dieser Insel schwärmen, war das nie ein angestrebtes Urlaubsziel. Bei der viel zu komplizierten Anreise macht ein Tagestrip auch überhaupt keinen Sinn, es sei denn man befindet sich gerade auf der dänischen Nachbarinsel, denn von Rømø aus sind es nur 40 Minuten mit der Fähre und das muss ich natürlich ausnutzen.

Für jeweils 20 Minuten ist die Fähre im Fahrwasser des jeweils anderen Landes, wer genau weiß was er will kann in der knappen Zeit zollfreie Waren kaufen, Kippen, Schnaps, Uhren, Parfum und ähnlich überflüssiges Gedöns. Man kann sich die 40 Minuten aber auch mit Kaffee und Kuchen, Burgern, Hot Dogs, Pommes und Bier vertreiben, oder sich an Deck den Wind um die Nase wehen lassen, was mich um ein Haar meine St.Pauli Kappe gekostet hätte.

Auf den ersten Blick ist das alles sehr flach. Überall hat's hier Strand, so weit das Auge reicht, was den Erfolg dieser Insel schon ein wenig erklären würde. Die Auswirkungen dieser Beliebtheit findet man dann im Lister Hafen, wo einem der Kommerz mit dem nackten Arsch voran ins Gesicht springt.
Viele bunte Holzbuden, in denen wirklich alles zu bekommen ist, was einen Sylttouristen so interessieren könnte, vom Kugelschreiber bis zum Friesennerz, von der Robbe aus Plüsch für die Kleinen bis zur sündhaft teuren schwedischen Designermütze für Leute, denen ständig die St.Pauli Kappe wegzuwehen droht.

Der Knaller allerdings sind die Fruchtgummis von Nordsee Bär, die man exklusiv nur an der Nordseeküste bekommen kann, obwohl sie in Baden-Württemberg hergestellt werden. Ganz besonders gelungen ist die Sorte Habanero-Orange-Chili, die bei Arbeitskollegen wahre Tränen der Begeisterung auslösen kann, wenn man sie unter die üblichen Haribos mischt.

Ein großer Teil dieser Geschäfte gehört dem Entdecker und Gouverneur der Insel, Jürgen Gosch, dessen Wahrzeichen an und auf vielen Gebäuden prangt, in denen man hauptsächlich seine Fischspezialitäten kaufen kann. Oder eine Biografie, in der man nachlesen kann "wie der Jürgen das alles geschafft hat". 
 
Um unseren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten (und weil das Übersetzen der Karre 80 Euro gekostet hätte) gehen wir zu Fuß oder nehmen den öffentlichen Nahverkehr. Das Inselticket für den Tag kostet schlappe 9 Euro, dafür kann man wo immer auch ein- und aussteigen so viel man lustig ist.

Am liebsten wäre ich schon nach zehn Minuten wieder ausgestiegen um die äußerst bizarre und faszinierende Dünenlandschaft zu fotografieren, in der bestimmt früher mal Raumpatrouille Orion gedreht wurde. Leider kann ich mir das nur durch die Busfenster ansehen, ein längerer Spaziergang durch das Dünengebirge steht nicht auf dem Programm, denn Herr L. will nach Kampen um dort Kuchen zu essen, was ganz sicher weniger anstrengend wäre als durch die Dünen zu kraxeln.

Jedenfalls wenn man nicht an der erstbesten Kampener Haltestelle aussteigt, sich dann per Smartphone orientiert und feststellt, dass Ziel befindet sich am anderen Ende des Dorfes. Wenn Kampen überhaupt ein Dorf ist, zu sehen sind nur Reetdachhäuser in allen möglichen Größen bis hin zur Jackson-Ranch. Sogar die Haltestellenhäuschen haben ein Reetdach, alles andere ist hier so sicher verboten wie Silvesterraketen. Jetzt wissen wir also wo die Reichen wohnen, da aber weit und breit niemand auf der Straße ist können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob die mit den Schönen identisch sind.

Schön groß sind auf jeden Fall die Kuchenstücke in der Kupferkanne, geradezu gewaltig groß, was einerseits toll ist, weil ich selten so einen hammergeilen Apfelkuchen (unter der Bienenstichdecke, die ja bekanntermaßen der einzige Grund ist Bienenstich zu essen) gegessen habe, andererseits aber doof, weil man von den anderen fünf oder sechs wahrscheinlich ähnlich fantastischen Kuchensorten beim besten Willen nichts mehr probieren kann. Zum runterspülen hingegen ist der Eiergrog dort sehr empfehlenswert. Der ist ebenfalls nötig um den Rückweg zur nächsten Haltestelle zu versüßen, denn die Armen und Doofen, die ohne eigenes Auto auf Sylt rumwandern, haben einiges an Strecke zu bewältigen. 

Next Stop Westerland. Die Ärzte haben Westerland besungen, das muss etwas bedeuten. Ich muss mir den Text aber wohl noch mal genauer zu Gemüte führen, vielleicht ist das auch alles ironisch gemeint, bei Die Ärzte weiß man ja nie. Mir jedenfalls will sich der Zauber dieses Ortes so ganz und gar nicht erschließen, möglicherweise ist das zur Hauptsaison anders, wenn das Leben hier tobt, die Straßen gestopft voll sind mit Touristen und man nicht der einzige ist, dem der staatlich angestellte Strandräuber drei Euro für den Besuch der großen Sandkiste aus dem Kreuz leiert.

Im März hingegen ist das noch recht entspannt, man könnte in aller Ruhe nach Phosphor suchen und den für Bernstein halten, oder umgekehrt. Das machen heute scheinbar recht viele, der Kopfhaltung nach zu urteilen. Kann aber auch am Wind liegen, der stetig an meiner neuen teuren Designermütze aus Schweden zerrt. Nordsee. Nordfriesisch herb. 

Irgendwann muss ich da nochmal hin, schon wegen der Dünen. Vielleicht wieder von Rømø aus, für den Kuchen kann man ja einen Rucksack mitnehmen.

Fotos dazu: Sylt Nordspitze, List Hafen, Kampen, Kupferkanne, Westerland, Strand, Rathaus - Nikon D7200
Musik dazu: Dynamite Deluxe - Deluxe Soundsystem / TNT