Donnerstag, 22. Februar 2018

Mehr! Steven Wilson














Der Prog-Nerd war wieder da und das gleich zweimal! Wer für den Dienstag keine Karte hatte durfte sich auf das Zusatzkonzert einen Tag später freuen, wer noch mehr Steven Wilson im Mehr! Theater am Großmarkt wollte hat sich gleich für beide Tage eine besorgt - und das waren nach kurzer Handzählung locker die Hälfte der Zuschauer.

Um denen nicht noch einmal das gleiche Programm zu präsentieren hatte der nette Herr Wilson ganz zufällig eine alternative Setlist parat, was ihm für die anderen Besucher allerdings sehr leid täte, bekämen die doch jetzt nur das B-Set zu hören. Das wäre natürlich nicht ganz so gut wie das A-Set, aber schlecht wär's halt auch nicht wirklich.

Kann man so sagen, über die Planänderung waren zumindest der Exilwestfale und ich nicht unglücklich, gab es dadurch mehr Songs vom fabelhaften Hand.Cannot.Erase Album zu hören. Der Rest wie gewohnt Wilsons Überraschungsprogramm, mit ein paar Songs dieser "shitty band" in der er mal gespielt hat, drei Minuten "Pop" für die Tanzwütigen, die B-Seite einer alten Porcupine Tree Single, die eigentlich ein Solostück ist und deswegen vorher nie live gespielt wurde, eine rattenscharfe Version von Prince Roger Nelsons Sign o’ the Times, jede Menge nicht identifizierbarer geiler Lärm, weil ich halt doch nicht alle seine Alben auswendig kenne und natürlich die vielen thematisch passenden Videos zu den Songs, die ein Steven Wilson Konzert abrunden und oft zum Verständnis beitragen wenn man den Song nicht kennt.

In der vierten Reihe Bühnenmitte macht das noch viel mehr Spaß als im Heck des CCH, heutzutage muss man ja keine Hörschäden mehr befürchten, nicht einmal bei Progrock. Live gebe ich mir den jederzeit wieder. Nicht zuletzt, weil der barfüßig über die Bühne turnende Herr Wilson, trotz seiner eher düsteren Songs, immer sehr charmant und witzig durch den Abend führt.

Und drei Stunden brutto mit Zigarettenpause sind heute auch keine Selbstverständlichkeit mehr.

Fotos dazu: Samsung S5, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass Spiegelreflexkameras ohne Blitz scheinbar erlaubt waren. Dammit. 
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, Red IPA, 6.7%
Musik dazu: Steven Wilson - Hand.Cannot.Erase / Transience


 

Sonntag, 18. Februar 2018

Endstation Tarantino














Es war einmal, vor langer, langer Zeit, als es an sehr vielen Hamburger Ecken noch sogenannte Eckkneipen gab, in denen der echte halbe Liter vom Fass für zwofuffzig Deutschmark über den Tresen ging und entsprechend häufig nachgefüllt wurde. Kneipen mit Musikbox, Flipper, Sparclub, Skatclub und manchmal sogar mit Fußballverein in der Tresenliga. Quasi ein zweites Wohnzimmer, nur mit Fassbier und meistens mit sehr viel mehr Freunden, als man zu Hause hätte unterbringen können.

Ein solches Wohnzimmer war für mich und meine engsten Freunde ein paar Jahre die Endstation in Tonndorf, die ihren Namen der dort irgendwann einmal befindlichen Straßenbahnendhaltestelle verdanken soll. Diese allerdings war schon 1960 Geschichte - gut 15 Jahre, bevor ich den Laden das erste Mal betrat, der mir zweimal einen kompletten Filmriss bescheren sollte, ein paar seelische Narben und eine richtige, weil's halt nicht immer friedlich war in Eckkneipen.

Der Wirt war ein alter Schiffskoch, der Mettwurst- und Schinkenbrote zaubern konnte, die jedes Menü im Vier Jahreszeiten geschlagen hätten. Naja, zumindest im Preis, aber die waren wirklich super die Stullen. Ideale Grundlage, der Mann verstand sein Handwerk. Ob bei Skatturnieren oder nach Spielen in der Tresenliga, der Laden hat gebrummt. Leer war der auch an Wochentagen nie, egal wann man zur Tür rein kam, drei bis vier bekannte Nasen saßen mindestens schon drin.

Leider hinterließ die Sauferei nicht nur bei uns Spuren, auch der Tresenmann hielt gerne mit und so kam es, wie es kommen musste. Wenn die Gattin nach der Schicht noch die Kneipe wuppen muss, dann stellt sie irgendwann die Wahlfrage. Das Ergebnis war ein "Alles umsonst, bis Alles alle ist" am letzten Tag und Filmriss Nummer 2. Angeblich war nur noch Fernet Branca übrig. 

Davon hat sich die Endstation nie wieder erholt. Die Gattin das nächsten Wirtes war nur schwer von der Flasche zu trennen, nach drei Monaten haben sie dann erkannt, dass eine Kneipe vielleicht doch nicht die richtige Umgebung für sie ist. Danach wurde der Laden an einen ominösen Kneipen- und Discobesitzer aus dem Hamburger Umland verkauft, der kiezerfahrene Mädels hinter den Tresen stellte und nur noch Flaschenbier verkaufen wollte, weil man das besser abrechnen kann mit kiezerfahrenen Mädels.

Aus dieser Zeit stammen auch einige der Narben, weil man nicht einfach ein paar Nächte mit der heißesten Tresenfrau des gesamten Hamburger Ostens verbringen kann, ohne die Leibgarde ihres "Mackers" auf den Plan zu rufen. Monate vorher wäre ich hier in Überzahl gewesen, aber wenn man die ganze Arbeit alleine machen muss, dann ist es Zeit für den Abschied. Eine Kneipe lebt und stirbt mit ihrem Wirt und seinem Publikum. Und mit dem Fassbier, spätestens dann sollte man die Reißleine ziehen.

Neulich bin ich wieder einmal daran vorbeigefahren und das erste Mal fiel mir auf, dass die alte Eckkneipe jetzt schon seit mindestens dreißig Jahren den Namen "Osteria Tarantino" trägt und dass jemand, der dort über so lange Zeit erfolgreich eine italienische Gastwirtschaft betreibt, nicht ganz schlecht sein kann. Gesetzt den Fall, dass in den dreißig Jahren nicht zehnmal der Wirt gewechselt hat, was man ja nie wissen kann.  

Man kann es aber mit ein paar Freunden ausprobieren und dabei feststellen, dass sich ein Besuch in dem alten Gemäuer wieder lohnt. Allerdings nur, wenn man auf Pizza verzichten kann, denn die recht kleine Karte bietet nur ein paar Vorspeisen, Pasta, Fleischgerichte und Scampis, sonstigen Fisch allenfalls auf der Tagestafel. So übersichtlich das auf den ersten Blick ist, so schwer fällt mir die Auswahl, klingt alles verdammt lecker hier. Tagliatelle mit Scampi und Austernpilzen? Oder doch das Lammfilet mit Steinpilzen?

Natürlich begehe ich, wie so häufig, einen taktischen Fehler, als ich auf das "nimm Du die Tagliatelle, ich das Lamm, dann können wir beides probieren" Angebot meines (ansonsten entzückenden) Gegenübers eingehe. Dabei verliere ich eigentlich immer, diesmal haushoch, denn ein Lammfilet mit Steinpilz und Backpflaume(!) schlägt Nudeln in Tomatensauce natürlich um Längen, selbst wenn die Tomatensauce pikant ist und mit Scampi aufgepeppt wurde.

Trotzdem muss ich da wohl noch das eine oder andere Mal hier einkehren, so wie es aussieht hat der Laden wieder jede Menge Stammgäste und das liegt garantiert nicht nur am Essen.


Foto dazu: Osteria Tarantino, Samsung S5
Bier dazu: Maisels Choco Porter, 6.5% / 22 IBU
Musik dazu: Massive Attack - Blue Lines / Mezzanine / Live @ Melt Music Festival 2010









Dienstag, 13. Februar 2018

28/40

















Man sollte vor solchen Spielen keine Zeitung lesen, vor allem nicht den Sportteil schlechter Zeitungen. Die texten einen da mit den unmöglichsten Statistiken voll, schlechtestes Heimteam gegen stärkstes Auswärtsteam, bester Sturm der Liga blabla, schießt gerne in den ersten 20 Minuten die Tore, während unsere Jungs häufig gerade die Anfangsviertelstunde verpennen, alles total übel, Chancen haben wir nur zwischen Minute 54 und 76, mit etwas Glück auch in der Nachspielzeit. Eigentlich könnte man gleich zu Hause bleiben, zumal es draußen kalt ist und dicke Schneeflocken vom Himmel fallen.

Meine innere Statistik gibt allerdings zu bedenken, dass wir gegen offensiv starke Mannschaften meistens besser aussahen, öfter Räume bekamen - und in manchem Spiel diese auch nutzten. Im Normalfall haben wir ja zudem eine Defensive, die in Normalform nicht so einfach auszuhebeln ist, auch nicht von Nürnberger Wunderstürmern. Wenigstens einen Punkt gegen den Tabellenzweiten würde ich schon gerne mitnehmen, mit etwas Glück gelingt uns ja wieder ein später Siegtreffer wie gegen Ingolstadt. Im Fußball ist schließlich fast alles möglich, wenn man nicht gegen Bayern spielen muss.

Das Glück jedoch ist heute etwas ungleich verteilt, sonst hätten wir glaube ich 3:2 gewonnen, oder 4:3, oder wenigstens 1:0. Doch trotz aller erkennbaren Bemühungen und der überraschenden Erkenntnis, dass Aziz Freistöße schießen kann (und gar nicht mal so schlechte) - der Ball will ums Verrecken nicht über die Linie, nicht aus der Distanz (was sie heute endlich öfter versuchen) und nicht aus dem unübersichtlichen Getümmel des Strafraumes. Zum Haare raufen, hätte ich noch genug davon.

Am Ende bleibt es dann halt bei einem mageren 0:0, immerhin war es nicht langweilig, trotz ohne Tore und verpasster Gelegenheiten. Vor dem Spiel hätte ich das Ergebnis unterschrieben, dann kann ich jetzt nicht meckern, manchmal pisst der Fußballgott halt gerade woanders in den Schnee.


"Hätten wir das gewonnen wären wir wieder oben dran gewesen" meint Kollege M. nach dem Spiel, "aber Fahrradkette. Hauptsache, wir haben mit unten nichts zu tun." Das finde ich überraschend optimistisch. Mit "oben dran" befasse ich mich schon lange nicht mehr, nicht solange "unten drin" nicht viel weiter weg ist.

Wir haben jetzt 28 von 40 nötigen Punkten. Sollten wir die 40 noch vor dem 30. Spieltag erreichen, dann langt mir das für diese Saison voll und ganz.

Was sonst noch schlecht war:
Die Eisfläche vor dem Stadion, genannt Heiligengeistfeld. Walk like a Penguin.

Was sonst noch gut war:
Babelsberg Support im Stadion
Dass die Nazis am Jungfernstieg kräftig Gegenwind bekommen haben vor dem Spiel, hat bestimmt wieder ein paar besorgte nasse Hosen gegeben. 



Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - 1.FC Nürnberg, 0:0
Getränk dazu: Bulmers Pear Cider
Musik dazu: LTJ Bukem -  Journey Inwards / Producer 01

































Samstag, 10. Februar 2018

Küchenkatastrophen
















Roggenbrot mit Sauerkraut schmeckt auch dann wie Roggenbrot mit Sauerkraut, wenn man pfundweise Pastrami in der Mitte schichtet, das Zeug dick mit Appenzeller überbackt und mit selbst gerührtem 1000 Island Dressing verfeinert. Wieso ich auf die blöde Idee gekommen bin ein Reuben Sandwich selber zu machen? Das blöde Internet ist natürlich schuld daran. Reuben Sandwich. Voll berühmt ey, das Reuben, muss man mal gegessen haben. Am besten natürlich in den berühmten New Yorker Delis, vielleicht sogar in dem Laden in dem Harry und Sally eins gegessen haben. Komm ich im Leben nicht mehr hin, also selber machen. Abwechslung auf den Speiseplan, jippiyeah.

Roggenbrot mit Sauerkraut, völlig bescheuerte Idee. Das Dressing immerhin war tauglich, das hat die ganze Chose noch halbwegs gerettet, hätte ich mehr von machen sollen. Könnte man auch gut zum Salat... okay, vergessen wir's.

Wenn das mit der festen Nahrung schon nicht klappt, dann wenigstens mit dem flüssigen Nachtisch, flüssig kann ich. Also, eigentlich. So lange es sich nicht um Tee handelt jedenfalls. Mit Tee habe ich keinerlei Erfahrungen jenseits des Teebeutels und das auch nur bei schweren Männergrippen, denen ich in den letzten Jahren erfolgreich aus dem Weg gehen konnte.

Matcha zubereiten soll allerdings ganz einfach sein, etwas heißes Wasser, die richtige Menge dieses sündhaft teuren Pulvers dazu und ab in den Milchaufschäumer bis es schäumt.

Jedoch, es will nicht so recht. Mein Matcha schäumt weniger als der Kaffee aus der Padmaschine, das kann nicht richtig sein. Der heftig geschwungene Schneebesen hilft ebenfalls nicht weiter, kein Schaum weit und breit, aber ob sich bei meinem Talent der Kauf eines Matcha-Besens aus Bambus gelohnt hätte? Auf den Matcha Gin Tonics die KleinerTod neulich bei Twitter in den Raum gestellt hat, war ein richtig dicker Schaumrand zu sehen. So etwas will ich auch, das Auge trinkt schließlich mit.

Mein MatchaGT ist leider nur grün, aber immerhin schmeckt er. Wie Gin Tonic mit Matcha halt, aber das war schon vorher deutlich erfolgversprechender als Roggenbrot mit Sauerkraut.

Getränk dazu: Matcha, Bombay Sapphire, Fever Tree Mediterranean Tonic
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Box Set Disc 6

 

Sonntag, 4. Februar 2018

Kunterbuntes Hottehü














"Liebes Publikum. Machen sie gerne viele Fotos und Videos von unserer Show und laden sie die im Internet oder bei Youtube hoch. Nur auf Blitzgeräte bitten wir zu verzichten."
Na ja, und auf Spiegelreflexkameras oder Kameras mit Wechselobjektiv, jedenfalls alle Geräte mit denen man aus Reihe 10 bei diesem Licht vielleicht noch halbwegs brauchbare Ergebnisse hätte erzielen können. 

An diesem Abend ist mir das allerdings ziemlich egal, denn neben mir sitzt die Prinzessin mit leuchtenden Augen und kriegt sich überhaupt nicht mehr ein vor Begeisterung. Die Hände stets bereit und schon leicht erhoben, damit sie sofort in den sehr häufigen Zwischenbeifall des restlichen Publikums einfallen kann. Klatschklatschklatschklatsch. Zweieinhalb Stunden geht das so, die Lütte muss bald Blasen an den Fingern haben.

Die Geschichte der "Gefährten des Lichts" ist schnell erzählt. Blondes, langhaariges und (vermutlich) hübsches Mädchen sucht ein leuchtendes Herz damit die Welt nicht untergeht und reist nach Indien zu den Indern, nach Amerika zu den Indianern, nach China zu den Chinesen und alle können ganz toll reiten. Was mir von den Indern gar nicht so bekannt war, aber die Indianer reiten schon beeindruckend, auch wenn es keine echten sind. Manchmal legt das blonde Mädchen sich schlafen und verpasst dabei die schönsten Pferdedressuren, aber so eine Weltreise ist halt anstrengend.
In Spanien wird ihr dann das Amulett geklaut (was mir in Spanien auch schon passiert ist, allerdings mit Bargeld, shit happens) und in Brasilien bekommt sie es dann wieder, oder irgendwo zwischendurch, das hab ich vergessen.

Ist auch nicht so wichtig, denn der Schluss ist eh das Beste an der ganzen Dramödie. Natürlich gibt es ein Happy End und das langhaarige blonde Mädchen findet sein goldenes Herz. Bei einem orientalischen Reiter. Einem Wüstensohn. Mit Turban! Und fortan lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage, die Welt war vor der Dunkelheit gerettet und wenn hier im Publikum tatsächlich irgendwelche Schlumpfnazis sitzen sollten, explodiert denen bestimmt gerade der Kopf und keiner weiß warum ich gerade lachen muss wie verrückt. 

Am Ende dürfen alle Pferde nochmal auf das Geläuf und Streicheleinheiten kassieren, ob sie wollen oder nicht. Dass die Begeisterung für diese Vierbeiner überwiegend im weiblichen Teil der Bevölkerung vorhanden ist kann man nicht übersehen, mindestens 80% der Besucher sind Frauen. Der Rest wahrscheinlich zum großen Teil so wie ich, einfach nur Begleitpersonal, der Streichelzoo ist jedenfalls fest in weiblicher Hand.


Mir sind die Viecher ja immer noch unheimlich, viel zu groß und viel zu große Zähne, mit denen sie sogar Lederjacken anknabbern wenn man ihnen zu nahe kommt. Für Mädels hingegen geht es bei Pferden wohl hauptsächlich darum, möglichst viele zu streicheln. Dafür hätte man allerdings einen der gedeckten Tische am Rand der Arena belegen müssen an denen man Bier bestellen konnte, das mach ich beim nächsten Mal besser, hab ich der Prinzessin versprochen.

Möglicherweise ist das Märchen im nächsten Jahr ja ähnlich amüsant.


Fotos dazu: Samsung Galaxy S5
Bier dazu: McGargles - Granny Mary's Red Ale, 4.4%
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Box Set Disc 5








  



Mittwoch, 31. Januar 2018

Der nachgereichte Burgertest


















Auf besonderen Wunsch und der Vollständigkeit halber: Endlich habe ich es mal geschafft, mir im Stadion einen Burger zu holen. Dauert mit Wartelistenpapierschnipselchen auch höchstens zehn Minuten länger als eine Currywurst und sättigt bedeutend länger, was ohne Frühstück im Bauch der eigentliche Sinn der Sache war. Aber die Gelegenheit kann man natürlich gleich für einen Testbericht nutzen. Nun denn.

Name: Zeckenburger (ist aber Rindfleisch, keine Angst)
Erhältlich im Millerntor Stadion, Gegengerade Stehplatz.
Preis: 6 Euro, Käse und/oder Bacon mit Aufpreis, wahlweise als Veggie erhältlich.
Getestet: Standardversion, Fleisch, Salat, Tomate (Tomate? Da war 'ne Tomate drauf?) + Klecks Dressing.

Fazit: Relativ dröge Angelegenheit wenn man den Salatrand weggemuffelt hat, die Tomate habe ich tatsächlich erst auf dem Foto bemerkt, beim Verzehr ist die nicht weiter aufgefallen. Mit Käse und Bacon wäre der vermutlich etwas saftiger, womöglich aber auch nur fetter. Ein etwas interessanteres Dressing könnte die ganze Sache aufwerten, das Brötchen ist okay. Für einen Stadionburger nicht schlecht, besser als die Kettenklopse sowieso.

Andererseits gab es früher (als alles besser war, auch der Fußball) unschlagbare vegetarische Hass- und Wutburger vor der Südkurve - und dagegen kommt der nicht an. 

Foto dazu: Zeckenburger in der Gegengerade / Canon SX280
Bier dazu: Crew Republic Drunken Sailor IPA, 6.4%
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Disc 4

Montag, 29. Januar 2018

Wenn doch nur der Fußball nicht wäre


















Das, liebe Fans des magischen FC (und der Darmstädter Lilien nicht zu vergessen), war überragend. Die Choreo zum Holocaustgedenktag erzeugte, ganz sicher nicht nur bei mir, ein Gefühlsspektrum von der Gänsehaut über den Kloß im Hals bis hin zu Tränen in den Augen. Nach der Ansprache von Esther Bejarano eine Schweigeminute, als hätten 30.000 Menschen kollektiv den Atem angehalten und damit selbst den Wind zum Schweigen gebracht, das kann einem angesichts dieses Themas schon mal die Brust einschnüren. Dazu die zahlreichen Doppelhalter mit den Namen der im Holocaust ermordeten Menschen aus dem Viertel, oder die große Blockfahne auf der Gegengerade, die ich zwar oben festhalten durfte, von der ich aber erst später erfuhr was darauf stand. Ich war mir nur ganz sicher, es wird das richtige sein: Kein Vergeben, kein Vergessen. Ich möchte noch hinzufügen: nicht an diesem und an keinem anderen Tag!


Ziemlich große Klasse war auch die abendliche Veranstaltung in der Dingenscard Arena, neben dem blauen Vorstadtschuppen. Gruselige Gegend, aber für die Prinzessin tu ich halt alles, sogar Pferdedressurmärchen in Arenen gucken. Apassionata. War auch ziemlich beeindruckend, die eleganten und kraftvollen Bewegungen, die präzisen Laufwege, die schnellen Drehungen, die tollen Tricks - und alles ohne Reiter und Peitsche. Da erinnert man sich sofort an das zurückliegende Spiel und denkt sich, was man 20 Pferden beibringen kann, das muss doch auch mit 11 Fußballern funktionieren, verdammt.


Aber nee, natürlich nicht bei uns. Ich bin aber auch ein Idiot, nach dem letzten Heimsieg und dem Auswärtserfolg in Dresden hatte sich doch tatsächlich so eine gespannte Erwartungshaltung aufgebaut, diese insgeheime voll gemeine Heimsiegvorfreude. Tja, das hier ist immer noch Sankt Pauli Digga. Schon der Darmstädter Tabellenplatz hätte einen vorwarnen können, Stichwort Aufbauhelfer (obwohl ich nicht weiß ob das statistisch irgendwie belegbar ist, oder nur so ein Spruch aus der "wir sind immer traurig, denn wir gewinnen nie" Kategorie).

Fest steht jedenfalls, dass die "Aaaahs" und "Oooohs" nach unserer ersten Chance kaum verebbt sind, da zieht ein Darmstädter aus der Entfernung einfach mal ab und niemand ist im Weg. Oooh! Nicht einmal Robin. Aaaaah! 0:1. Man traut sich ja heute kaum böse Flüche abzusondern, aber Gelegenheiten genug gäbe es. Zeitweilig glaubt man auf einen Flippertisch zu gucken, so "präzise" ist das Passspiel. Kaum zu glauben eigentlich, dass wir uns noch ein paar Chancen zusammenwürgen, aber wenn Lasse krank ist und Waldi mal keinen Sahnetag erwischt wie in Dresden sind da halt nur unsere Chancentöter, landläufig "Sturm" genannt.

Den seit tausendvierhundertschießmichtot Minuten nicht mehr Tore schießenden Sturmpartner des Ex-Bundesligisten hätte ich zur Pause auch gerne gegen Diamantakos oder Schneider ausgewechselt, aber zu meiner Überraschung darf der bis zum Spielende lamentieren. Ich könnte auch noch  zugeben, dass mir bei den ersten Aktionen des Herrn Schoppenhauer der Gedanke kam, zu wissen warum der bisher noch nie gespielt hat. Doch Schoppi hat sich irgendwann gefangen, da waren andere weit schlechter - und so richtig gut leider keiner. Außer Robin vielleicht, aber das weiß man ja nicht, weil der eigentlich nicht viel zu tun hatte. Wenn der Gegner nur einmal auf das Tor schießt und trifft, verkackt man halt trotzdem.

Hätte ein toller Tag werden können, wenn der Fußball nicht wäre. 

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor / Zeckenburgerfrühstück / FC St.Pauli - SV Darmstadt 98 0:1
Bier dazu: Crew Republic Hop Junkie, Session IPA, 3.4% 
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC