Samstag, 14. Oktober 2017

Wo ist nur die Spielkultur?

















"Der Maslo war ja 'n Arsch" doziert der Skipper nach dem Abpfiff, "aber damals hatten wir noch Spielkultur. Das einzige Mal überhaupt, außer vielleicht noch bei Stani." In Block 2 ist ein Platz frei, ich setz mich zu den Veteranen und dieses "früher war alles besser" Gedönse muss man sich da schon mal anhören. Janßen ist nicht der richtige Trainer, Dudziak spielt auf der falschen Position und Allagui ist nur ein Schatten seiner selbst, die Meckerecke ist zwar noch relativ weit weg, aber die Übergänge sind heute fließend. Nicht weiter verwunderlich bei dem bescheidenen Gebolze da unten. Eine einzige echte Torchance in der ersten Hälfte und die auch noch kläglich vergeben, die offensiven Bemühungen enden zu häufig schon nach zwei Stationen, weil niemand einen genauen Pass spielen kann. Es ist gar grausam anzusehen.

Lautern macht die Räume eng und keiner hat eine Idee, wie man die aushebeln kann. Das kennen wir alles schon seit Jahren, liegt dann wohl an der nicht vorhandenen Spielkultur. Immerhin schaffen sie es diesmal ohne Rückstand in die Pause, nach 0:4 und 0:2 ist das ein gewaltiger Fortschritt. Liegt allerdings auch an den Pfälzern, die sich auf die Defensive beschränken, wodurch das Geschehen auf dem Rasen allerdings auch nicht spannender wird.

In der zweiten Hälfte erhöhen wir den Druck, Jerry geht zweimal schön durch bis zur Grundlinie und flankt, leider gehen beide Flanken direkt in die Arme des Keepers, aber das sieht wenigstens nach was aus inzwischen. Wir sind mittlerweile das bessere Team und der erhöhte Aufwand wird auf kuriose Weise belohnt, als Flum im Strafraum gelegt wird und Allagui den Abpraller in die Maschen haut, noch bevor der Schiedsrichter auf den Punkt zeigen kann. Woohoo, endlich können alle mal mitsingen. Und endlich wieder eine Bierdusche, das vermiss ich in Block 4 ja immer.

Es wird noch besser als kurz darauf Mats eingewechselt wird, quasi der Attaché für Spielkultur bei uns. Seine Ballbehandlung reißt sogar den Skipper aus dem Sitz, Szenenbeifall galore! Nur schade, dass Müller seinen Schuss gerade noch aus dem Winkel fischen kann, das hätte durchaus für die Wahl zum Tor des Monats getaugt.   

So sind wir am Ende höchstens die Toren des Monats, weil wir uns unverständlicherweise völlig zurückziehen und nach einer völlig unnötigen Ecke ein noch viel unnötigeres Tor einfangen. Ganz toll, nach Chancen steht es ungefähr 4:0, nach Toren 1:1 und mit Nachspielzeit hätten wir etwa 15 Minuten um das anzupassen. Wenn man das denn wollte. Sieht aber nicht einmal in den 3 Minuten Nachspielzeit danach aus. "Von den Rängen kommt heute aber auch nichts" mosert der Dartmeister, aber so ist das halt im Stadion, wenn die unten keinen Bock mehr haben zu kämpfen, hat so mancher auch keinen Bock mehr zu singen.

"Das war desillusionierend" stellt der Skipper nach dem Spiel fest. Jaaaein. Kommt ja immer drauf an, was man so für Illusionen hatte. Seine hat er auf die Dauerkarte geklebt und die sind zum jetzigen Zeitpunkt eher illusorisch, zumindest was den dritten Platz der zweiten Liga betrifft. Aber vielleicht spielen wir die Rückrunde ja wieder mit Olaf und Ewald. Zweite Hälfte ist unsere Stärke.

Was sonst noch gut war:
Koschi hat sich ein schickes T-Shirt gekauft, will ich latürnich auch sofort haben.

Was sonst noch schlecht war: 
Wie immer gibt es solche T-Shirts nicht in meiner Größe, warum frag ich eigentlich trotzdem jedes Mal?
Pyrotechnik die man zehn Minuten über einem Flammenwerfer rösten muss bis sie sprüht. 
Podwas? Podcast! Alle sind zwar irgendwie im Internet, aber keiner hat den letzten Millernton mit Ewald gehört, weshalb ich das jetzt extra verlinke. Anhören!

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - 1.FC Kaiserslautern, Endstand 1:1
Bier dazu: Überquell Hamburg, Palim Palim Pale Ale, 5.3%
Musik dazu: Kettcar - Ich vs. Wir / Marcus Wiebusch - Konfetti




















Donnerstag, 12. Oktober 2017

Sa Calobra












Der erste Aufenthalt auf Mallorca muss deutlich über vierzig Jahre her sein, Cala Figuera mit der ersten großen Liebe und endlich ein Doppelzimmer ohne irgendwelche Eltern auf der anderen Seite, schon klar wo man da seine Prioritäten setzt. Dennoch brauchte ich unbedingt einen fahrbaren Untersatz, wenigstens für einen Tag, denn nur auf ungefähr der Hälfte aller Ansichtskarten in Cala Figuera waren Fotos dieses hübschen kleinen Fischerdorfes, die gefühlt andere Hälfte zeigte eine gewaltige Schlucht durch die Berge der Serra de Tramuntana, die irgendwo an einem Strand einer malerischen Bucht endete. Sa Calobra. Da musste ich hin.

Der Torrent de Pareis, der durch diese Schlucht fließen soll, hat sich damals schon als etwas größere Pfütze vor dem Strand herausgestellt und "fließt" wohl auch hauptsächlich im Winter, wenn es öfter regnet, aber allein die steilen Serpentinen mit Steigungen bis zu 11.5% zu fahren macht Spaß ohne Ende, vom großartigen Ausblick ganz abgesehen. Muss ich auch diesmal wieder hin, gar keine Frage.   

Die Abzweigung nach Sa Calobra ignorieren wir allerdings vorerst und bleiben auf der Panorama-Route MA-10, denn in nur wenigen Kilometern Entfernung befindet sich der nächste offizielle mit (wenig) Parkplätzen ausgestattete Panoramapunkt, der Cova des Mirador de s'Entreforc, mit Blick auf das Gebirge und die "Rückseite" der Schlucht. Zurück auf dem Weg nach Sa Calobra haben wir Glück, dass uns auf der Strecke nur noch ein einziger Reisebus begegnet, vor den Stoßzeiten des Reisebusverkehrs wird hier sogar auf Straßenschildern gewarnt.

Dafür muss man laufend auf bunt gekleidete Reklameträger Radsportler aufpassen, die in Schräglage gerne mal ihre Birne samt Actioncam in die Gegenfahrbahn halten, möglichst paarweise in möglichst unübersichtlichen Kurven pausieren um Selfies zu machen, oder die Namen und Heldentaten ihrer Radsportgruppe mit bunter Kreide auf die Fahrbahn malen. Soviel geballter Dummheit auf zwei Rädern wie an einem Tag Mallorca begegnet man selbst in einer Großstadt wie Hamburg im ganzen Jahr nicht.

Am höchsten Punkt, dem 723 Meter hohen Coll dels Reis, bekommen wir außer Panoramablick in alle Richtungen auch noch kalte Getränke, lecker belegtes Brot und ganz fantastische Oliven, bei denen ich mich immer frage, warum man so fantastische Oliven nicht auch in Deutschland bekommen kann. Möglicherweise liegt das aber auch nur an der geschmacksintensivierenden Urlaubsstimmung und die Oliven können gar nichts dafür.

Nach etwa fünfzehn Minuten Schlangenstraßenfahrt sind wir von 723 wieder fast auf Meereshöhe, von der Schlucht trennt uns nur noch achthundert Meter Fußmarsch, plus die zweihundert vom Parkplatz. Es ist Spätnachmittag, es ist heiß und in den feuchten und engen Tunneln, die man in den letzten 25 Jahren für die Touristen in die Felsen gesprengt hat um den Weg etwas abzukürzen, ist es stellenweise aalglatt.

Dafür hat der Pappenheimer weder das richtige Schuhwerk noch die nötige Kondition und außerdem viel zu viel Durst, kurz vor dem Ziel wirft er das Handtuch und marschiert zurück, in die nächste offene Bar am Hafen. Muss ich halt alleine weiter, zweimal bin ich bisher bis zum Strand gekommen, im dritten Anlauf will ich es jetzt endlich schaffen und ein paar Meter in diese Schlucht reinlaufen. Nur mal reingucken und wenn es ganz toll ist vielleicht etwas weiter gucken, was die Kondition noch hergibt.

Über die muss ich mir allerdings keine weiteren Gedanken machen, denn nur hundert Meter weiter endet die Treppe direkt im Torrent de Pareis, der durch das Gewitter vor ein paar Tagen tatsächlich Wasser führt. Zefix. Während ich noch über eine Möglichkeit grüble das Hindernis zu umgehen, entledigt sich ein Tropenhutträger neben mir kurzerhand seines grobstolligen Wanderschuhwerks, watet durch den steinigen Bach auf die andere Seite, trocknet sich mit einem Handtuch aus seinem großen Rucksack ab, zieht sein Schuhwerk wieder an und geht weiter. Bewundernswert, diese Naturburschen. 

Aber doof, denn nur wenige Augenblicke später steht er vor dem nächsten nassen Abschnitt und seiner Körpersprache nach zu urteilen ist dieser bedeutend größer, er macht jedenfalls keine Anstalten erneut zum Barfüßler werden zu wollen. Noch ein Ausflug geplatzt.

Wenn Naturburschen das schon nicht gebacken kriegen, dann kann ich auch zurücklatschen und mit dem Pappenheimer was trinken. Mit Kirchen und Schluchten hab ich einfach kein Glück, morgen versuch ich's mal mit 'nem Kloster.


Fotos dazu: Cova des Mirador de s'Entreforc (1,3,4,5) Coll dels Reis (6-10) Sa Calobra, Torrent de Pareis / Nikon D7200
Getränk dazu: Martin Miller's London Dry Gin, Ingwer, Limette, Schweppes Dry Tonic
Musik dazu: BoDeans - Homebrewed, Live from the Pabst






















Sonntag, 8. Oktober 2017

Durch die Serra de Tramuntana











Nach zwei Tagen Straßenbahn wird es Zeit die Mietkutsche zu bewegen, wir wollen ein wenig durch die Serra de Tramuntana fahren und starten in Fornalutx, einem nordöstlich von Sóller gelegenen Dörfchen, dass mir vor 25 Jahren schon durch seine gepflegten Häuser und Gärten aufgefallen ist und inzwischen mehrere Schönheitspreise gewonnen hat.

Hier werden allerdings außer den Häusern und Gärten auch noch barbarische alte Rituale gepflegt, bei denen Stiere durch die Gassen getrieben und hinterher getötet und verspeist werden. Dafür sind wir glücklicherweise ein oder zwei Tage zu spät dran, einzig die vielen Wimpel und Girlanden zeugen noch von diesem Brauch, Blutflecken sind jedoch keine zu erkennen.

In der Hitze des Mittags verzichten wir auf ausgedehnte Erkundungstouren durch die engen Gassen, zumal hier eindeutig zu viele Treppenstufen lauern. Stattdessen bestellen wir uns im Cafè Sa Plaça die Spezialität der Gegend: Orange Sóller, Orangeneis mit frisch gepresstem Orangensaft und Schlagsahne. Mit einem Schuss Campari könnte man die ganze Sache sicher noch etwas verfeinern, aber auch so ist das eine leckere Erfrischung.

Auf dem Weg zurück zur MA-10, der "Panorama-Route" durch die Serra, finden wir sogar noch eine kleine Parkbucht mit Blick auf Dorf und Tal, was leider eine absolute Seltenheit ist auf dieser Strecke, Wanderer sind da klar im Vorteil. Der wird freilich durch eine Klimaanlage und die motorisierte Überwindung mehrerer hundert Höhenmeter schnell wieder wettgemacht, es geht stetig bergauf, bis zum nächsten (hochoffiziellen und daher mit genug Parkplätzen ausgestatteten) Aussichtspunkt, dem Mirador de ses Barques.       

Nur ein paar Treppenstufen noch und man wird mit einer atemberaubenden Aussicht aus knapp 400 Metern Höhe auf die Küste, Port de Sóller, Täler und Gebirgszüge belohnt. Dafür ist der Chip zu klein, das erfordert Panoramaformat, hilft ja nix. Wie gut, dass man heutzutage nicht unbedingt ein Stativ dafür braucht, sonst hätten wir noch eines dieser Dinger in den Kofferraum legen müssen.

Zum nächsten Panoramapflichtprogramm mit Parkmöglichkeit sind es knapp acht Kilometer und es geht weiter steil bergauf. Der Mirador MA-10 liegt auf 870 Metern Höhe, es ist schattig, windig, arschkalt und völlig verseucht mit Rautenaufklebern, weshalb wir uns erst einmal daran machen die übelsten Schäden zu beheben, bevor wir die Aussicht genießen. In die eine Richtung auf Fornalutx und Sóller mit der hinter den Bergen liegenden Küste, in die andere auf den Gebirgszug des Puig Major, mit 1445 Metern der höchste Berg Mallorcas. Alles zu viel für den kleinen Chip, man muss schon wieder Panoramas machen.

Der anschließende Tunnel führt uns auf die andere Seite des Gebirges und langsam wieder zurück in wärmere Gefilde, vorbei an einem militärischen Komplex, bei dem wir die Kameras lieber nicht benutzen und durch eine Verkehrskontrolle der Guardia Civil, die uns freundlicherweise nicht behelligt, zu den Stauseen Cúber und Gorg Blau, bei deren Fotospots man allerdings sehr viel Glück haben muss, dass nicht irgendeine Torfnase seine Karre in die gerade gefundene ideale Sichtachse stellt. 

Das erbost ganz besonders den Pappenheimer, der gerade einen seltsamen Hinkelstein vor der Linse hat, welcher sich später als Säule eines prähistorischen Bergheiligtums herausstellt, dessen Reste man heute nur noch als Taucher bewundern könnte, wären nicht jegliche Wassersportarten hier strengstens verboten. 

Was einigermaßen nachvollziehbar ist. Wer will schon Trinkwasser, in dem vorher jemand gebadet hat.


Fotos dazu: Panorama am Mirador ses Barques - Panorama Fornalutx - Fornalutx - Mirador ses Barques - Puig Major - Mirador MA-10 - Cúber - Esel - Gorg Blau / Nikon D7200
Bier dazu: Welde Pepper Pils, 4.8%
Musik dazu: Tom Petty & The Heartbreakers - Southern Accents / Live Anthology / Echo