Dienstag, 20. August 2019

Mehr Kaffee kann nie verkehrt sein
























Vor einigen Jahren noch erschien mir ein Kaffeevollautomat eine der unsinnigsten Anschaffungen überhaupt zu sein, zumal die sündhaft teure Kiste in der Firma keine wirklich überzeugenden Ergebnisse zu liefern vermochte. Das mag allerdings auch ein wenig an den verwendeten Bohnen liegen, die nicht viel teurer sein können als die im Erasco Bohneneintopf. Dafür ist die Jura aus Edelstahl, sagt "Hallo" wenn man sie einschaltet. "Bitte" wenn der Kaffee fertig ist und kann vollautomatisch Latte fabrizieren wenn die Milch nicht sauer geworden ist. Außerdem hat sie eine nicht entnehmbare Brühgruppe, in die natürlich seit Jahren niemand hineingesehen hat, was ziemlich fatal sein könnte unter gesundheitlichen Aspekten.

Andererseits kann man auch nicht großkotzig mit einem Barista Barista Antifascista Shirt rumlaufen und zu Hause den Kaffee aus einer Padmaschine ziehen, das passt nicht zusammen.

Wenn der Arbeitgeber dann plötzlich Spendierhosen trägt (aus Gründen) und Gutscheine verteilt an ein paar Nächteumdieohrenschläger, man sonst eigentlich alles hat was man braucht, außer vielleicht einem fetten NAS, bestellt man sich halt doch mal so ein Ding. Aus der Billigklasse natürlich, weil der Gutschein für ein richtig fettes NAS dann doch nicht gereicht hätte.

Durch das Teil bin ich zwar immer noch weit mehr Antifascista als auch nur annähernd Barista, aber geschmacklich ist das auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung, man kann endlich einen leckeren Espresso ziehen und die Schaumlanze ballert auch ganz gut, am ersten Cappu hab ich mir jedenfalls die Zunge verbrannt.

Jetzt könnte ich natürlich diese ganzen tollen Sorten ausprobieren, von Wildkatzen ausgekackten und im Elefantenarsch gerösteten Kaffeebohnen mit Noten von Schokolade, Brummbeere und Durian, aber bislang tut es die Espressomischung ganz gut, die ich auch für meinen Cold Brew nehme. Bei meinem dramatisch gesteigerten Kaffeekonsum wird es allerdings nicht allzu lange dauern, bis ich irgendwann über so einen Blödsinn stolpere.

Natürlich werde ich das dann auch kaufen, solange es fair gehandelt ist.


Foto dazu: DeLonghi Magnifica Esam / Nikon D7200
Musik dazu: Thin Lizzy - Live and Dangerous

Freitag, 16. August 2019

Vorsicht Zwetschgenbeschiss















Der jährliche Pflaumenpfannkuchenerinnerungspost kommt diesmal eine ganze Woche zu spät, weil ich in den letzten Tagen damit beschäftigt war 2.5 Kilogramm der kleinen blauen Früchte zu entkernen und einzufrieren, sowie weitere 2.5 Kilogramm in mein Leibgericht zu investieren. Laut Kalorienzählerapp schlägt ein so'n Teil mit 1312 Kalorien zu Buche und über den Zuckergehalt darf man dabei auch nicht nachdenken, aber wenn man beim Frühstück etwas spart und eine Tagesmahlzeit ganz wegfallen lässt und überhaupt - es ist nur ja einmal im Jahr Zeit für Bühler Zwetschgen. Scheiß was drauf.

Eigentlich war das Thema damit durch, denn auch ein Leibgericht hängt nach sieben Tagen zum Hals raus, was schließlich der Plan war. Dennoch begehe ich den Fehler und schaue ein paar Tage später in Ahrensburg beim Obst & Gemüsehändler rein, nur weil zufällig daneben ein Parkplatz frei ist. Mit wenn und dann und einer geht noch im Kopf betrachte ich die Auslage. "Was ist denn das für eine Sorte?" frage ich die Dame hinterm Tresen. "Bühler!" entgegnet sie mir strahlend. Für Bühler sind die eigentlich etwas zu groß finde ich, aber nachdem sie mir mit entwaffnendem Lächeln erklärt, sie würden immer nur die großen nehmen und sie hätten auch letzte Woche schon welche gehabt und nächste bestimmt auch noch, werde ich weich.

Statt eine zu probieren, ich Idiot. Beim Entkernen der ersten Zwetschge wird mir schlagartig klar, dass das keine Bühler sein können. Viel zu festes, helles und furztrockenes Fruchtfleisch, null Saft. Wahrscheinlich irgendein billiges Zeugs aus Ungarn, Sorte Orbán oder so, auf keinen Fall taugt das für Pfannkuchen, die Dinger kann man nicht einmal pur essen.

Bei einem Gegenwert von dreifuffzig mache ich normalerweise keinen Aufstand, aber wenn man mich um mein Lieblingsfutter behumpst werde ich stinkig. Das ist wie früher von der Schule nach Hause kommen und sich auf Frikadellen freuen und dann gibt es doch nur Fischstäbchen, kann den ganzen Tag versauen, so etwas nehme ich persönlich.  

Das ist entweder Absicht oder Ahnungslosigkeit. Ersteres wäre mindestens eine Unverschämtheit, letzteres für den Fachhandel ein Armutszeugnis, erst recht wenn man behauptet das schon seit 30 Jahren zu machen. "Die Kunden waren immer zufrieden" ist auch kein Argument, bei der Menge an mittelmäßigem Pflaumenkuchen in den Bäckereien traue ich anderen Kunden noch weniger als dem Fachhändler.

Außer der Frau Unger im weltbesten Sengana Hofladen, die mich am nächsten Tag zu trösten wusste. Nachher also noch einmal 1312 Kalorien, dann ist aber auch gut.


Foto dazu: nur echte Bühler für die Pfanne
Musik dazu: Johnny "Guitar" Watson - Bow Wow


Montag, 12. August 2019

Der Himmel überm Wutzrock

















Abwechslungsreich ist es ja immer, das Wutzrock. Musikalisch und meteorologisch geht auch alles an einem Tag, Liedermacher und Sonnenschein, Rock und Regen, Punk und Nebel, alles was das Herz begehrt. Außer Regen vielleicht, denn der nervt meistens gerade dann, wenn man sich nach einer halben Stunde Sonnenbad entschließt, dem ein oder anderen Künstler zu lauschen. Kaum ist man auf dem Gelände, zack, Wasser von oben.

Ohne diese höchst überflüssigen Erfrischungen hätte ich Strom & Wasser vielleicht etwas länger gelauscht, deren Musik + Texte ich schon vor Jahren auf der Altonale recht ansprechend fand. Dadurch kommt der Bewegungsapparat aber gut in Schwung heute, kaum sitzt man eine halbe Stunde im Luxuswohnmobil scheint die Sonne und man muss wieder los, nächste Band gucken.

Vor der Seebühne fällt mir überraschend meine völlig begeisterte Nachbarin nebst Tochter in den Arm, es ist ihr erstes Festival und sie ist völlig begeistert. Alles toll hier, ganz besonders die vielen Spezialitäten in den Fressbuden, man weiß gar nicht was man zuerst, aber die Falafel im Brot wären ganz toll und überhaupt wär das ein ganz großartiger Tipp von mir gewesen. 41 Jahre Wutzrock und man muss die Leute immer noch mit der Nase drauf stossen, also: selbst wenn Euch die Musik nicht unbedingt zusagt, das Essen ist ganz toll und es gibt jetzt Dithmarscher vom Fass statt Astra!

Bei der zweiten sonnigen Platzrunde spielt Ilgen-Nur auf der Elbbühne und leider ist das kein von mir erhoffter türkischer Anti-Erdolf-Polit-Hiphop, sondern Indiedreampop mit Slackerattitüde oder so. Mit elektrischer Gitarre zwar und eigentlich klingt das auch gar nicht schlecht alles, aber auf Dauer etwas zu eintönig für meinen Geschmack.

Meine (wie immer entzückende) Begleitung findet das "Geleier" ebenfalls nicht sonderlich spannend und eigentlich sind wir sowieso auf dem Weg zur Seebühne um mit Shirley Holmes eine Dosis Berliner Punk zu tanken. Die beiden Mädels (+Schlagzeuger) waren vor zwei Jahren ein Höhepunkt auf dem Immecke, hätten eigentlich gut als Anheizer von Slime spielen können und haben doch lieber die kleine Bühne vorgezogen.

Möglicherweise war das auch die bessere Entscheidung heute, denn den Sound kriegen sie nicht gebacken. Da Gitarren bekanntlich niemals zu laut sein können sind es wohl die Stimmen, die etwas mehr Dampf vertragen könnten. Den bekomme ich dafür reichlich am Bühnenrand, der Knopf für die Nebelmaschine muss auf irgend jemanden (wahrscheinlich auf den, der für die Mikros verantwortlich ist) eine ungeheure Faszination ausüben. Für Asthmatiker wär das hier nix und dann ist auch noch laufend alles blau, die Farbe geht gar nicht.

Da eine soundtechnische Besserung nicht in Sicht scheint nehme ich etwas mehr Abstand und eine der von meiner Nachbarin empfohlenen veganen Antifa-lafeln im Teigfladen vom Stand gegenüber. Mit ordentlich scharf. Sehr sehr geil. Vegan, antifaschistisch und so lecker, dass man glatt zwei davon essen könnte. Die zweite auf dem Weg zur Elbbühne.

Dort macht gerade die Vorgruppe von Slime ihren Soundcheck und Danube's Banks aus Hamburg stehen fest auf meiner Liste, weil Gypsy Swing, Klezmer und Balkanbeats. Muss. Kann nur gut sein, mit Platz in der ersten Reihe ganz bestimmt.

Eine halbe Stunde später wäre der nicht mehr drin gewesen, wie ein Blick über die Schulter zeigt. Es ist pickepacke voll, während Danube's Banks ihren Gypsy swingen, doch so wirklich abgehen will dabei scheinbar keiner. Die Band ist trotzdem begeistert, weil sie sonst halt vor 80 Leuten im Cotton Club spielen und der Beifall von mehreren tausend Menschen wahrscheinlich besser rüberkommt, auch wenn er verhalten ist.

Einerseits natürlich toll, andererseits eine ziemlich heikle Aufgabe ausgerechnet vor Slime auftreten zu müssen, was sich Shirley Holmes vielleicht ebenfalls gedacht haben. Dafür ist das leider auch alles etwas zu brav was die Banks hier vortragen, kein Kaliber wie die 17 Hippies oder Fanfare Ciocarlia, nichts was die Meute zum Hüpfen animiert. Nach einer knappen Stunde reicht mir das, auch für den Tag. Slime habe ich schon zu oft gesehen als dass die Pflichtprogramm wären und überhaupt...

..ist das ein seltsam schwermütiges Gefühl in diesem Jahr, weil zwei wichtige Menschen dabei fehlen und einer davon für immer. Auch daran wird mich dieses Festival ewig erinnern.

Nächstes Jahr wieder, hilft ja nix.

Fotos dazu: Himmel über Wutzrock - Punk '82 - Eichbaumsee - Doofe Elbe - Strom & Wasser - Heiter bis sonnig - Ilgen-Nur - Zweierlei Basilikum - Shirley Holmes - Seechiller - Fressbuden - Danube's Banks / Nikon D7200
Musik dazu: Archive - Live at the Zenith / Controlling Crowds
























Samstag, 3. August 2019

Äußerst unterhaltsames Debakel



















Es ist doch zu blöde, da freut man sich etliche Wochen auf das erste Heimspiel, ist froh dass es endlich wieder losgeht und das alles nur, weil man inzwischen wieder vergessen hat, wie viele graue Haare alleine die letzte Saison gekostet hat.

Was haben sie uns nicht alles versprochen in der Sommerpause. Die Schatulle etwas weiter aufmachen als bisher, mal in die Mannschaft investieren, ernsthaft oben angreifen in den nächsten zwei Jahren. Schließlich hat man einen Trainer geholt der so etwas nachweislich kann, also aufsteigen. Ob er das auch mit einer Mannschaft kann, die gefühlt zur Hälfte aus Rekonvaleszenten der letzten Saison besteht, die demnächst irgendwann möglicherweise wieder zur Verfügung stehen, das haben sie ihn scheinbar nicht gefragt.
Aber attraktiven und schnellen Angriffsfussball wollen sie spielen. Mit wem?

Geholt haben wir einen ablösefreien Mittelfeldspieler aus Dresden (aktuell mit Oberschenkelproblemen), einen ablösefreien Stürmer aus Duisburg (aktuell mit Muskelbündelriss) und zwei Nachwuchsleute aus dem Nachwuchsteam von Brighton & Hove Albion, von denen sich immerhin nur einer verletzt hat bisher. So langsam hat man das Gefühl, da war sehr viel weniger in der Schatulle drin als angenommen. Aber hey, dafür bekommt immerhin unser Nachwuchs endlich mal eine Chance sich zu zeigen.

Das freut mich auch sehr für Becker, Conteh, Coordes und Co., die Frage ist halt wie lange die Jungs sich am beinharten Abstiegskampf in Liga 2 erfreuen können, bis auch sie auf dem Zahnfleisch laufen.

Denn darauf läuft es hinaus, wenn man im ersten Heimspiel von der angeblich zweitschlechtesten Mannschaft der Liga mit 1:3 aus dem Stadion geballert wird und dabei auch noch einen der wenigen Spieler verliert, an dem sich die Kids auf dem Platz orientieren könnten. Mir fällt auf Anhieb jedenfalls nichts ein, was uns noch beschissener getroffen hätte als ein Beinbruch von Jackson.

Da ist es auch scheißegal wenn man nahezu das ganze Spiel überlegen war, tatsächlich über weite Strecken recht attraktive Angriffe zu sehen bekommt, mehr Ballbesitz, mehr Ecken und mehr Torschüsse verzeichnen kann, aber durch dumme Fehler alle Bemühungen zunichte macht und drei Tore kassiert. Auch ein (bis dahin) äußerst unterhaltsames Debakel bleibt ein Debakel. Nicht einmal über das Tor von Dimi konnte man sich richtig freuen, wenn der sich hinterher an den Oberschenkel fasst und auf den Rasen sinkt bleibt einem das woohoo glatt im Hals stecken.

Zu diesem Zeitpunkt gab es immerhin noch ein wenig Hoffnung, aber Greens Sonntagsschuss zum 1:3 hat dann endgültig den Stecker gezogen, zumindest auf der bis dahin recht lautstarken Gegengerade konnte man danach wieder ungestört Ausflugstipps und Familiengeschichten austauschen.

Dabei ging das heute um 3 Punkte, die wir gegen Stuttgart, Kiel, Dresden und die Vorstadt höchstwahrscheinlich nicht holen werden, wenn die sportliche Leitung nicht noch zwei echte Cracks aus dem Hut zieht kurz vor Transferschluss. Glaubt da noch jemand dran?

Wenn es ganz dumm läuft sind wir zur Halbzeit abgeschlagen Tabellenletzter, müssen Ewald als Co-Trainer für die Defensive einstellen und hoffen, dass damit noch einmal so eine herausragende Rückrunde möglich ist wie vor zwei Jahren und das alles kostet mich garantiert wieder drei Jahre meines Lebens.

Scheiß Fußball.


Was sonst noch gut war:
Die Regenbogenfarben an der Gegengerade, die gerne auch über den CSD hinaus bleiben können. Etwas mehr Farbe kann nur gut sein, wenn die Spiele schon überwiegend grau-sames versprechen.

Was sonst noch schlecht war:
Wenn der Gegner das 0:3 schießt und du denkst, nu is der Drops endgültig gelutscht und der Stadionsprecher hinterher vertellt es stünde immer noch oder schon wieder 0:2, weil das zweite Tor aberkannt wurde, dann ist Videoschiedsrichter. Ich hasse ihn jetzt schon.
Ja, schick Domfeuerwerk, kann man gucken. Dabei auf den Treppen stehen zu bleiben ist allerdings selten dämlich.
Man muss wieder lesen, dass irgendwelche hirnamputierten Spacken fremden Frauen an den Hintern fassen. Wozu gibt es eigentlich Leitlinien und eine Stadionordnung bzw. warum fangen die von den Umstehenden nicht auf der Stelle ein paar Schellen?


Was ein wenig Hoffnung gibt, aber nicht dem Verein:
Dass man seine Tagesobergrenze an Kalorien auch mit 2 Bratwurst und 3 Bier nicht unbedingt reißt, wenn man, statt 25 Minuten auf den letzten Bus zu warten, einfach stramm zu Fuß unterwegs ist.

Mehr Fotos bei Gröni

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - SpVgg Greuther Fürth, Endstand 1:3
Musik dazu: Sting - Dream Of The Blue Turtles/ Bring On The Night




















Sonntag, 28. Juli 2019

Stadt Land Schloss

















Bei der momentanen Affenhitze wird die Arbeit geradezu zum Vergnügen, sofern man das Glück hat in einem Raum mit sehr vielen wichtigen Computern zu sitzen. Aus Sorge um die kostbaren Daten funktioniert diese Klimaanlage garantiert immer, koste es was es wolle. Leider lassen sie uns das bislang am Sonntag noch nicht genießen, also muss eine Alternative her.

Die einzige Klimaanlage weit und breit befindet sich in meinem Auto, folglich werde ich diese benutzen. Weil ich aber keinen Bock habe stundenlang durch die Gegend zu kacheln und bei diesen Temperaturen erst recht keine Lust auf Hamburg City, muss das nächstgelegene halbwegs fotogene Örtchen herhalten.

Da fahre ich zwar fast täglich durch oder besuche dort wohnende Freunde, aber fotografisch so richtig erschlossen habe ich Ahrensburg bis heute nicht. Einzig das Ahrensburger Schloss diente mal als Modell für eine schnelle Weihnachtsaufnahme und zumindest das dürfte auch heute für einige Postkartenmotive gut sein.

Dazu noch Schlossmühle und Schlosskirche, nebst den Gottesbuden, in denen Bedürftige auch heute noch für einen symbolischen halben Taler (fast) mietfrei wohnen oder zumindest ein Mittagessen für 1 Euro bekommen können, was ich bisher auch nicht wusste. Die Aufnahmekriterien würden mich allerdings schon interessieren, das scheint mir eine durchaus unterstützenswerte Sache zu sein, trotz meiner angeborenen Skepsis gegenüber Gott, Kirche und all dem artverwandten Zeugs.

Um etwa 1200 bis 1594 herum stand hier auch noch die Burg Arnesvelde, die dem Ort seinen Namen gab. Wer den Hügel erklimmen möchte, der einmal Teil der Wallanlagen gewesen sein soll, kann eine kurze Wanderung durch das Ahrensburger Tunneltal unternehmen. Auf dem frisch renovierten Pfad durch das Moor geht das inzwischen sogar ohne nasse Füße.

Beeindruckender als der Hügel ist jedenfalls die restliche Geschichte der Burg, die der Besitzer 1594 abbrechen ließ und aus deren Steinen das heutige Schloss errichtet wurde. Nicht gerade eben um die Ecke, aber wahrscheinlich damals schon verkehrsgünstiger gelegen. Muss eine scheiß Arbeit gewesen sein, was für ein Glück für den Herrn Grafen, dass man damals noch Leibeigene hatte. 

Böse Zungen behaupten ohnehin, das beste an Ahrensburg wäre die Regionalbahn, die einen in nicht einmal einer halben Stunde zum Hamburger Hauptbahnhof bringt, also theoretisch, denn das behaupten nur die Leute, die noch nie auf diese Bahn angewiesen waren.

Man muss die Stadt allerdings nicht verlassen, vorausgesetzt man kann auf so etwas wie Nachtleben verzichten. Für den Tag oder den Abend gibt es genug nette Restaurants und mindestens eine empfehlenswerte Kneipe, seit die anderen beiden ihre Pforten geschlossen haben. Mein abgefackelter Lieblingsgrieche hat sein Glück im abgelegenen Vereinshaus des Tennisclubs gefunden, führt jetzt auch Currywurst mit Pommes auf der Karte und hat keine Laufkundschaft mehr, aber Gott sei Dank noch die göttliche Lammpfanne im Angebot.

Die verkehrsberuhigte Ahrensburger "City" mit dem (von Teilen der Bevölkerung ungeliebten) Muschelläufer im Zentrum ist am Abend und am Wochenende ebenso tot wie die in Hamburg, weil zu diesen Zeiten halt weder Brillen noch Hosen oder Tierfutterdosen verkauft werden, doch zweimal im Jahr, man glaubt es kaum, tobt hier der Bär.

Auf dem Ahrensburger Stadtfest, dass durch einen beinahe schon legendär zu nennenden Auftritt der Stimulators vor etlichen Jahren Initialzündung für die jährliche Ahrensburger Musiknacht war. An diesem Abend treten jede Menge Bands und Künstler in allen möglichen im Stadtgebiet verteilten Lokalitäten auf, von der Holzhandlung oder Pizzeria bis zum Waschsalon oder Sparkassenvorraum. Traditionell endet das alles mit dem Auftritt der Stimulators und einer anschließenden Jamsession im Park Hotel, wenn man das denn zum drölfzigsten Mal sehen will.

Dieses Jahr war immerhin Stoppok dabei lese ich gerade, ich hätte besser aufpassen sollen.

Fotos dazu: Ahrensburger Schloss - Marstall - Schlossmühle - Schlosskirche - Gottesbuden - Freundlicher Balkon - Ahrensburger Wildnis - Ahrensburger Stadtleben / Nikon D7200
Musik dazu: Fever Ray - Fever Ray (2009)