"Liebes Publikum. Machen sie gerne viele Fotos und Videos von unserer Show und laden sie die im Internet oder bei Youtube hoch. Nur auf Blitzgeräte bitten wir zu verzichten."
Na ja, und auf Spiegelreflexkameras oder Kameras mit Wechselobjektiv, jedenfalls alle Geräte mit denen man aus Reihe 10 bei diesem Licht vielleicht noch halbwegs brauchbare Ergebnisse hätte erzielen können.
An diesem Abend ist mir das allerdings ziemlich egal, denn neben mir sitzt die Prinzessin mit leuchtenden Augen und kriegt sich überhaupt nicht mehr ein vor Begeisterung. Die Hände stets bereit und schon leicht erhoben, damit sie sofort in den sehr häufigen Zwischenbeifall des restlichen Publikums einfallen kann. Klatschklatschklatschklatsch. Zweieinhalb Stunden geht das so, die Lütte muss bald Blasen an den Fingern haben.
Die Geschichte der "Gefährten des Lichts" ist schnell erzählt. Blondes, langhaariges und (vermutlich) hübsches Mädchen sucht ein leuchtendes Herz damit die Welt nicht untergeht und reist nach Indien zu den Indern, nach Amerika zu den Indianern, nach China zu den Chinesen und alle können ganz toll reiten. Was mir von den Indern gar nicht so bekannt war, aber die Indianer reiten schon beeindruckend, auch wenn es keine echten sind. Manchmal legt das blonde Mädchen sich schlafen und verpasst dabei die schönsten Pferdedressuren, aber so eine Weltreise ist halt anstrengend.
In Spanien wird ihr dann das Amulett geklaut (was mir in Spanien auch schon passiert ist, allerdings mit Bargeld, shit happens) und in Brasilien bekommt sie es dann wieder, oder irgendwo zwischendurch, das hab ich vergessen.
Ist auch nicht so wichtig, denn der Schluss ist eh das Beste an der ganzen Dramödie. Natürlich gibt es ein Happy End und das langhaarige blonde Mädchen findet sein goldenes Herz. Bei einem orientalischen Reiter. Einem Wüstensohn. Mit Turban! Und fortan lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage, die Welt war vor der Dunkelheit gerettet und wenn hier im Publikum tatsächlich irgendwelche Schlumpfnazis sitzen sollten, explodiert denen bestimmt gerade der Kopf und keiner weiß warum ich gerade lachen muss wie verrückt.
Am Ende dürfen alle Pferde nochmal auf das Geläuf und Streicheleinheiten kassieren, ob sie wollen oder nicht. Dass die Begeisterung für diese Vierbeiner überwiegend im weiblichen Teil der Bevölkerung vorhanden ist kann man nicht übersehen, mindestens 80% der Besucher sind Frauen. Der Rest wahrscheinlich zum großen Teil so wie ich, einfach nur Begleitpersonal, der Streichelzoo ist jedenfalls fest in weiblicher Hand.
Mir sind die Viecher ja immer noch unheimlich, viel zu groß und viel zu große Zähne, mit denen sie sogar Lederjacken anknabbern wenn man ihnen zu nahe kommt. Für Mädels hingegen geht es bei Pferden wohl hauptsächlich darum, möglichst viele zu streicheln. Dafür hätte man allerdings einen der gedeckten Tische am Rand der Arena belegen müssen an denen man Bier bestellen konnte, das mach ich beim nächsten Mal besser, hab ich der Prinzessin versprochen.
Möglicherweise ist das Märchen im nächsten Jahr ja ähnlich amüsant.
Fotos dazu: Samsung Galaxy S5
Bier dazu: McGargles - Granny Mary's Red Ale, 4.4%
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Box Set Disc 5