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Freitag, 16. November 2018

Geliefert

















Am Stadtrand ist man nicht gerade verwöhnt, was den Lieferservice angeht. Die drei größten Pizzaketten, drei wenig ansprechende Asiaten und den alten Apu, der zwar von Currywurst Pommes bis Curry Jalfrezi alles brutzeln kann, aber nichts davon so richtig gut. Mit Burgern sah es immer schon schlecht aus, seit sich Joey's in Dominos umbenannt hat liefern die nur noch Pizza und Pasta und bei der Konkurrenz verzichtet man inzwischen auch auf Fleischbrötchen.

Vor kurzem hat sich das grundlegend geändert, gleich zwei reine Burgerbrater machen sich hier Konkurrenz, Gelegenheit für einen neuen Burgertest.

Die Burger Lounge nannte sich früher Hollywood Canteen und warb schon damals mit dem "Best Burger in Town", auf der Speisekarte finden sich immer noch Cary Grant, Charles Bronson, Elvis Presley und ähnlich prominente Namen. Wer ganz großen Hunger hat kann sich den Chuck Norris mit 285 Gramm Fleisch bestellen, wer mehr als einen Burger testen will nimmt lieber ein paar Nummern kleiner.

Meine Wahl fiel auf Paul Newman, 150 Gramm mit Cheddar, gegrillten Champignons und Zwiebeln, sowie die Los Amigos mit 125 Gramm Fleisch und Chilisauce. Preislich gehört Paule mit seinen 10.99 Euro schon ins Premiumsegment, geschmacklich leider noch nicht ganz. Die Klopse in den beiden Brötchen sind zu trocken, die restlichen Zutaten können das leider nicht mehr herausreißen, so wenig wie die Chilisauce der Amigos. Da hätte ich mir eine feurige Eigenkreation gewünscht statt Supermarktstandardsüßsauer. Das ist zwar alles besser als Mac+King, die besten Burger in Town gibt es aber woanders. 

Nicht bei der direkten Konkurrenz, obwohl ich sowohl den Champignon-Cheese als auch den Gorgonzola-Heidelbeer von Fritz Burger jederzeit den Kreationen der Burger Lounge vorziehen würde, wären sie noch halbwegs warm hier angekommen. Die Verpackung ist zwar umweltfreundlicher, dafür allerdings nur für sommerliche Außentemperaturen geeignet. Für ansonsten recht anständige Burger kann man da zur Not aber auch vorbeifahren, besser als der nächste MacDrive ist das allemal.

Fotos dazu: Paul Newman/Los Amigos -  Gorgonzola/Champigon-Cheese
Musik dazu: Bukahara - Phantasma


Mittwoch, 31. Januar 2018

Der nachgereichte Burgertest


















Auf besonderen Wunsch und der Vollständigkeit halber: Endlich habe ich es mal geschafft, mir im Stadion einen Burger zu holen. Dauert mit Wartelistenpapierschnipselchen auch höchstens zehn Minuten länger als eine Currywurst und sättigt bedeutend länger, was ohne Frühstück im Bauch der eigentliche Sinn der Sache war. Aber die Gelegenheit kann man natürlich gleich für einen Testbericht nutzen. Nun denn.

Name: Zeckenburger (ist aber Rindfleisch, keine Angst)
Erhältlich im Millerntor Stadion, Gegengerade Stehplatz.
Preis: 6 Euro, Käse und/oder Bacon mit Aufpreis, wahlweise als Veggie erhältlich.
Getestet: Standardversion, Fleisch, Salat, Tomate (Tomate? Da war 'ne Tomate drauf?) + Klecks Dressing.

Fazit: Relativ dröge Angelegenheit wenn man den Salatrand weggemuffelt hat, die Tomate habe ich tatsächlich erst auf dem Foto bemerkt, beim Verzehr ist die nicht weiter aufgefallen. Mit Käse und Bacon wäre der vermutlich etwas saftiger, womöglich aber auch nur fetter. Ein etwas interessanteres Dressing könnte die ganze Sache aufwerten, das Brötchen ist okay. Für einen Stadionburger nicht schlecht, besser als die Kettenklopse sowieso.

Andererseits gab es früher (als alles besser war, auch der Fußball) unschlagbare vegetarische Hass- und Wutburger vor der Südkurve - und dagegen kommt der nicht an. 

Foto dazu: Zeckenburger in der Gegengerade / Canon SX280
Bier dazu: Crew Republic Drunken Sailor IPA, 6.4%
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Disc 4

Montag, 19. September 2016

Ganz schön affig
















Fünf Lagen Fleisch auf einem Burger? Wer soll das denn essen? King Kong höchstpersönlich vielleicht, möglicherweise auch der amtierende Weltmeister im Burgerwettessen, wenn man ihm vorher den Kiefer ausrenkt, aber ganz sicher nicht ich.

Der Pappenheimer hatte mich schon am Freitag mit der bahnbrechenden Neuigkeit beglückt, in Plettenberg gäb's jetzt einen neuen Fresstempel. Mit anständigen Burgern und noch viel anständigeren Öffnungszeiten, bis morgens um vier! Hallelujah! Ich hätte also ohne weiteres noch ein paar Stunden länger im Stau stehen können. Wäre diese Information vor der Fahrt an meine Ohren gedrungen, der Würgerking an der Raststätte hätte schlechte Karten gehabt, so muss der dringend anstehende Burgertest bis Samstag warten.

Und so stehen wir Tags darauf in Abdul Mubariks nigelnagelneuem blitzeblanken King Kong Burgerladen und studieren die nicht allzu ausufernde Speisekarte. Hamburger, Cheeseburger, alles dazu in der doppelten Ausführung, besagter King Kong mit fünfhundert Gramm Hackfleisch aus der vertrauenswürdigen örtlichen Dorfmetzgerei, alles auch im Menü mit Pommes und Softdrink erhältlich. Macht die Auswahl nicht gerade schwer.

Wir entscheiden uns für Cheeseburger in der vom Hulk propagierten wütenden Ausführung mit Jalapeños und beobachten fasziniert, wie Abdul derweil einen Doppelstöcker zusammenbaut. Mit Sauce und Salat und Fleisch und Käse und Tomaten und Fleisch und Käse und Gurken und Zwiebeln und wieder Salat und Sauce.. und einem langen Holzspieß der den ganzen Turm zusammenhält.

Ein Messer & Gabel Burger, an dem sich der Gast sogleich sägend zu schaffen macht. "Profis essen sowat ja aus der Hand" flüstere ich dem Pappenheimer eher halblaut zu, damit ich nicht in die Verlegenheit komme das an Ort und Stelle beweisen zu müssen. 

Wäre wohl auch eine Blamage geworden, denn der normale Cheeseburger geht gerade noch so rein in meine große Klappe. Dafür rutscht er super runter, saftig, lecker, gute hausgemachte Patties, was will man mehr.

Die Provinz holt auf, jedenfalls was Burger betrifft. Bei der nächsten Fahrt in den Regenwald verkneife ich mir einen Zwischenstopp. Und vielleicht bestell ich mir dann den King Kong, allein um zu sehen wie Abdul den zusammenbaut.

Kingkongfotos: King Kong Burger Plettenberg/Angry Cheeseburger (Samsung S5)
Kingkongbier: Mashsee Beverly Pils, kaltgehopft und unfiltriert, 4.7%
Kingkongmusik: Bob Marley & The Wailers - Kaya



 









Mittwoch, 22. Juni 2016

Handwerk hat goldene Pommes
















Am einzigen freien Tag in der ganzen gottverdammten Woche lockt die Couch und sonst gar nichts. Auch keine Erdbeertörtcheneinladung, für die man in Ottensen eine halbe Stunde 'nen Parkplatz suchen muss. Aber, kommt da der Einwand, man könnte sich auf halbem Wege treffen. Zwar ohne Erdbeertörtchen, aber in der Rindermarkthalle zum Beispiel, da wär gerade Craft Market. Jede Menge Foodtrucks und noch mehr Brauereien mit Ausschank, alles ganz handwerklich natürlich.

Die gähnende Leere im Bierfach des Kühlschranks lässt mich grübeln, fahr ich mit der Bahn kann ich was trinken, fahr ich mit dem Auto kann ich was kaufen. Die Aussicht auf einen zusätzlichen Eintrag in der Rubrik Burgertest gibt den Ausschlag, die Fahrtzeit hätte ich sonst ohnehin in der Küche verbracht, den Abwasch nicht eingerechnet.

Noch vor dem kostenpflichtigen Eingang zum Bierparadies stehen jede Menge Fresswaggons, zum Teil mit wirklich sehr exotisch klingenden Angeboten, die sich aber meistens als Baguette mit irgendwas drauf entpuppen, ob sie nun aus den amerikanischen Südstaaten, aus Cuba oder Vietnam kommen. Die Ottenser Meute finde ich vor dem gelben Schulbus, nach einschlägigen Erfahrungen wird gerade diskutiert in welcher Ecke von Kuba man Schweinebraten oder Schinken bekommen kann und was zum Geier kubanisches Brot sein soll.

Der Südstaatenwagen hat außer belegten Broten aber noch weitere Spezialitäten im Angebot, von denen mich eine förmlich elektrisiert. Gumbo! Jessesmariaundjosef!
"Mit was is'n Euer Gumbo?" frag ich den jungen Mann. Schweinefleisch und Kabanossi. Ob ich das kenne? Ja, selber schon gekocht, allerdings mit Flusskrebsen. Jaa, so Seafood Gumbo hätten sie anfänglich auch versucht, aber Flusskrebse wär'n halt teuer und der Preis dann doch zu abschreckend gewesen. Mein Tipp, es mit ner scharfen Chorizo statt Kabanossi zu versuchen läuft auch ins Leere, das hätten sie in ihrem Jambalaya schon drin. Muss ich auf der Karte glatt übersehen haben, sonst hätte ich nämlich das bestellt.

Die anderen stehen derweil so lange am Meatwagen für ihre Burger an, dass ich mir von den Burristamädels noch einen kleinen Burrito zum Nachtisch rollen lasse, bin aber wieder zu blöde aufzupassen, wie man so ein Ding am besten baut. Geht jedenfalls atemberaubend schnell, fällt bis zum Schluss nicht auseinander, kleckert nicht und schmeckt ziemlich lecker, nächstes Mal frag ich nach 'ner Zeitlupe, für den Heimversuch..

Nachdem alle ausreichend gesättigt sind zahlen wir unseren Eintritt zum Bierparadies, die Bahnfahrer noch einen Fünfer extra für's Pfandglas und auf geht's:

Noch! Mehr! Foodtrucks! Mehr Burger! Mehr belegte Brote! Alles noch eine Klasse eleganter als vor der Tür, hier sind wohl die, die ganz doll viel Ahnung von der Craft haben, wie Til Schweiger sagen würde. Von Philly Cheesesteaks aus Frau Doktor Schneiders Grilled Cheese Wonderland bis zu Peter Pannfish mit Dijonsenfsauce - und wenn schon Burger, dann aus Dry Aged Beef, klar. Vornehm geht die Welt zu Grunde..und ich bin satt, so eine Scheixxe...nicht einmal eine halbe Portion von Vincent Vegans leckeren goldenen Süßkartoffelpommes mit der hausgemachten veganen Remoulade ginge noch und die hatte ich schon lange nicht mehr..

Das Bierparadies entpuppt sich als abgetrennter Bereich des Parkdecks, mit eher rustikaler Einrichtung, aber angenehm entspannter Atmosphäre. Lauter fachsimpelnde Fachtrinker mit Glasfüllungen zwischen Bernstein und tiefschwarz, ein kaum zu bewältigendes Angebot und einige meiner Lieblingshandwerker, Kehrwieder Kreativbrauerei, Hopper Bräu und Hanscraft, fast alle mit Neuheiten im Sortiment, die ich natürlich alle in doppelter Ausführung mitnehmen muss.

Blöderweise hat niemand daran gedacht, hier oben einen Durchgang zum Rest des Parkdecks zu schaffen, weshalb ich bereits nach einer Stunde schwer zu schleppen habe und mir hämische Kommentare vom inzwischen leicht angetrunkenen Rest der Gesellschaft anhören darf.

Dafür werden die inzwischen wieder Flensburger trinken, während ich gemütlich die erstandenen Schätze verkosten kann.

Burgertest: The Big Balmy Premium Cheeseburger, Fleisch medium und okay, sonst schmal belegt, Käse, Salat, eher unauffällige Sauce und das Brötchen etwas zu trocken. Die hatten mal einen Chiliburger im Programm, der war deutlich besser.

Pommesfotos: Rindermarkthalle St.Pauli, Nikon D90
Pommesbier: Kehrwieder Kreativbrauerei, Phoenix Pale Ale, 5.7%
Pommesmusik: Willie Nile - Beautiful Wreck Of The World /  Streets Of New York









































Mittwoch, 13. Januar 2016

Grillzilla vs. Joey Cheese















Die Liebhaber amerikanischer Bulettenbrötchen können aufatmen, endlich muss man bei Heißhunger auf Burger nicht mehr in die Klamotten springen und zum nächsten Burgerbrater fahren. Zumindest in weiten Teilen Hamburgs reicht inzwischen ein Telefonanruf bei Joey's oder Hallo Pizza, die ihr Fastfoodsortiment um Burger und korrespondierende Beilagen erweitert haben. Zeit für einen Vergleichstest.

Das Topmodell Grillzilla von Hallo Pizza kommt für stolze 8.50 Euro in einem stabilen Pappkarton, durch einen Holzspieß gut gesichert. Für den einen Euro Aufpreis zum Cheeseburger (mit Heumilchkäse, Rindfleisch, Salat, Tomaten und roten Zwiebeln) bekommt man zusätzlich Jalapenos und Röstzwiebeln sowie Barbecue- statt Burgersauce. Ungefähr drei Jalapenoschnipsel und drei bis vier Röstzwiebeln, wenn mich meine Geschmacksnerven nicht getäuscht haben. Das Fleisch ist leider etwas zu trocken, aber die Sauce okay und das restliche Gemüse reichhaltig genug das Gesamtergebnis etwas saftiger zu gestalten. Das Brötchen ist eine Klasse besser als die Macpappe und hält den Inhalt problemlos bis zum Schluss zusammen. Nicht ganz so gewaltig wie der Name vermuten lässt und ungefähr einen Euro zu teuer, macht aber satt. Eine Alternative für Jalapenohasser wäre der Parmerano mit Serranoschinken und Parmesan, wenn man nicht gerade Rucolahasser ist. Für einen eventuellen zweiten Testlauf sollte der Cheeseburger reichen.

Joey's Cheeseburger macht dagegen auf den ersten Blick einen relativ kläglichen Eindruck, was nicht zuletzt an den halben Cherrytomaten liegt, die sich in die Ecken der Pappschachtel verdrückt haben, weil halbe Cherrytomaten nun mal kein vernünftiger Ersatz sind wenn einem die Scheibentomaten ausgehen. Abgesehen davon erwecken spektakuläre Produktfotos auf der Webseite auch eine gewisse Erwartungshaltung, die in der Regel aber nur von Restaurants mit mindestens zwei Sternen eingehalten werden kann.
Dafür kostet die Scheibe Cheddar aber auch nur 50 Cent Aufpreis zum Hamburger. Für 6.49 Euro bekommt man außer Rindfleisch und Käse noch rote Zwiebeln, Römersalat, eingelegte Gurken, Mayo, Ketchup und Steakpfeffer. Alles nicht sonderlich sensationell, wären da nicht die sehr lecker eingelegten, dick geschnittenen knackigen Gurken - und wäre das Fleisch nicht sehr viel saftiger als es der erste Blick vermuten ließ. Mit Scheibentomate wäre er wahrscheinlich auch noch sehr viel einfacher zu essen, trotzdem ist das Teil unerwartet schmackhaft und nicht nur preislich eine Alternative zur abendlichen Fahrt ins nächste Drive-In. Klarer Testsieger jedenfalls im ersten Durchlauf.

Burgertestbier: Frischer Traum, Wet Hop Pale Ale, Kreativbrauerei Kehrwieder/Riedenburger Brauhaus, 5.7%
Burgertestmusik: David Bowie - Diamond Dogs (weil es meine erste Platte von Bowie war) und Station To Station (weil ich ihn da live gesehen habe) 

Montag, 14. September 2015

Vietnamesische Überraschung
















Einer der Gründe, warum ich Samstags so gern in der Rindermarkthalle St.Pauli einkaufe, ist der Markt auf dem Vorplatz. Für den Einkauf taugt der zwar nichts, aber es stehen immer ein paar neue Imbisswagen herum an denen man frühstücken kann. Keine ordinären Currywurstkisten natürlich, sondern diese neudeutsch "Food Trucks" genannten rollenden Spezialitätenrestaurants. Meistens so viele, dass man Mühe hat sich zu entscheiden.

Das Wetter entschied letztens zugunsten der Bao Brothers, denn ein vietnamesischer Eiskaffee schien bei der Hitze die richtige Begleitung zum Bao-Burger. Der mutet auf den ersten Blick ähnlich seltsam an wie das helle Brötchen aus dem Dampfgartopf, ist aber sehr erfrischend und fast so lecker wie der Burger. 

Der ist, trotz des seltsamen Brötchens, eine Offenbarung. Saftiges Fleisch, dazu Salat, Tomaten und irgendwelches karamelisierte Gedöns mit Möhrchen, das ganze lecker süßlich-scharf in genau meiner Geschmacksrichtung, passt alles wie die Faust aufs Auge. Damit setzt der sich vorerst ganz locker an die Spitze im Burgertest.

Blöde an diesen Imbisskisten ist nur, dass man sich meistens bei F*c*book erkundigen muss wo die sich gerade rumtreiben und dann stundenlang durch die Gegend fährt, nur weil man mal seinen Lieblingsburger essen will.

Burgerfotos: Rindermarkthalle St.Pauli
Burgerbier: Buddelship Dr. Schnabel, Imperial Stout, 8.0%
Burgermusik: Van Morrison - 1982 - Beautiful Vision/Inarticulate Speech Of The Heart/Avalon Sunset 



Samstag, 5. September 2015

Essen auf Rädern

















Früher™ waren Imbisswagen weiße Klappschachteln, ausgestattet mit Fritteuse, Grill und Spüle, mit viel Glück war noch ein Kühlschrank für kalte Getränke an Bord. Es gab Bratwurst und Bratwurst mit Ketchup, die sich dann Currywurst nannte. Schaschlik, Frikadelle, Pommes und Kartoffelsalat rundeten das Angebot ab, fertig war die Laube. Essen konnte man das Zeug eigentlich nur, wenn man kurz vor dem Hungertod stand und nichts anderes mehr verfügbar war. Last Exit Wochenmarkt.

Am schlimmsten waren meist die Frikadellen, seltsamerweise ganz besonders häufig, wenn ein Schild auf der Klappschachtel stolz "Hausgemacht!"verkündete. Überhaupt habe ich in meinem ganzen Leben nur zweimal anständige Frikadellen an einem Imbisswagen bekommen, der eine stand immer Sonntag Abend vor der Kaserne wenn man wieder antanzen musste und ist über 40 Jahre später sicher längst den Imbisswagentod gestorben, der andere steht bei Heimspielen am Millerntor vor der Südkurve und hat es bei den vielen Vegetariern im Stadion wahrscheinlich auch nicht leicht.

In den letzten Monaten erlebt der Imbisswagen jedoch eine Renaissance ungeahnten Ausmaßes, weil jemand auf die glänzende Idee gekommen ist die Dinger bunt anzumalen und "Food Truck" zu nennen. Ganz fantasievolle Menschen bauen Schulbusse oder silbern glänzende Wohnwagen zum Imbiss um, je auffälliger, desto besser. Fehlt nur noch ein möglichst hipper Name für die mobile Futterkrippe und eine Idee, was man den Leuten anbieten könnte. Denn wenn jetzt alle bunt und lustig sind muss am Ende das Angebot überzeugen, was wiederum eine Imbisswagenqualitätsoffensive ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen könnte. Bratwurst und Pommes reichen da nicht mehr, es müssen schon vietnamesische Sandwiches, Bio-Burger oder irgend etwas mit Pulled Pork sein. 

Um das zu überprüfen begebe ich mich zur Altonaer Fischauktionshalle, in und an der ein Street Food Festival veranstaltet wird, bei dem eine große Auswahl an hippen bunten Food Trucks für fotografische Motive und vollen Magen herhalten sollen. Und weil ein Mensch alleine nicht so viel essen kann, habe ich die Othmarscher Gourmetfraktion als Verstärkung angefordert. Zu dritt kann man einfach mehr probieren, jedenfalls ist das die Hoffnung.

Um potentielle Kunden abzuschrecken wird am Eingang ein Obolus von 3 Euro erhoben, die leider nicht auf Essen oder Getränke angerechnet werden können. Möglicherweise sorgt das für ein relativ entspanntes Flanieren sowohl in der Halle, als auch zwischen den Wagen auf dem Außengelände. Sehr voll ist es nicht, außer vor dem Wagen des Hackbarons, über den wohl nicht nur ich schon positive Berichte lesen konnte, wenn ich mir die wartende Menge ansehe. Die Spezialität des Hauses sind eigentlich Meatballs mit Topping oder Dip, aber den Burgertest fortzuführen ist einfach zu verlockend, also bestelle ich einen New York Style Cheeseburger und verkürze mir die Wartezeit mit einem Erdbeershake vom Nachbarstand, während N. verzweifelt versucht mit seinem neuen Teleobjektiv fliegende Möwen einzufangen.

So etwas funktioniert am besten wenn man jemanden hat, der ein wenig Futter in die Luft wirft, aber zum Leidwesen des Möwenfotografen bin ich nicht bereit für solch schnöde Zwecke einen Teil meines Burgers zu opfern. Das Freilandrinderhack ist zwar etwas zu lange auf dem Grill gewesen, aber der Rest mit Zwiebelmarmelade, Cheddar, Gurken, grobem Senf und was noch alles dazugehört passt. Leckeres Teil, wenn es auch knapp die Spitzengruppe verpasst.

Für ein erstes Frühstück war das völlig ausreichend, also rumlaufen und Fotos machen, vor allem in der Halle, so leer wie heute wird die nie wieder. Während N. und ich uns mit Hallenknipserei beschäftigen schleppt Meike exotische Horsd’œuvre an unseren Tisch, Dim Sum mit Garnelen und Chili. Garnelen! Lecker! Und viel zu exotisch für ihren Mann, weshalb ich die Hälfte davon verspachteln darf. Ähnlich läuft es bei ihrem nächsten Gang, Jerk Chicken aus Pelicans Jamaican Food Ecke ist einfach nichts für Leute, die Currywurst für eine indische Spezialität halten. Die andere Hälfte des Tellers darf ich wieder leeren, jetzt bin ich satt. Tolles Festival, dabei wollte ich heute wenigstens zwei Burger testen.

Raus aus der Halle, Verdauungszigarette rauchen, bunte Imbisswagen fotografieren und dabei feststellen, was man eigentlich alles noch essen müsste. Pankowalskis Pirogi zum Beispiel, endlich hätte ich mal Gelegenheit Pirogi zu futtern, aber gleich eine ganze Box? Und welche? Classic oder doch wat mit Fleisch? Oder Tacos beim Mexikaner, für 11 Euro kann man gleich alle vier Varianten bestellen, für die man allerdings auch vier hungrige Leute bräuchte. Wir können uns nicht einigen, dem Möwenfotografen ist das alles viel zu exotisch, der will eine Currywurst und ausgerechnet die gibt es auf dem ganzen Festival nicht.

Bevor wir hier abhauen muss ich noch einen zweiten Burger testen, aber was? Meike entscheidet sich für Obelix Leibspeise bei Wild & Eber, die ich nicht genauer ins Auge fassen kann, weil das schon auf den Mädels ruht die bei den Peruvian Bros. an der Theke stehen. Die Bros. sind nicht zu sehen, aber die Sis. machen einen sehr kompetenten Eindruck und außerdem.. peruanische Burger! Peru! Weiter weg geht kaum noch, da komme ich nie hin, muss ich probieren, auch wenn ich null Ahnung habe was an dem Ding peruanisch sein soll. Vielleicht ja die Sauce?

Wenn die nicht jemand vergessen hat. Möglicherweise ist es ja der säuerliche Salat, der sich zwischen den steinharten Brötchenhälften und dem nicht weniger festen Trockenfleisch befindet, das sich sämtlichen Kauversuchen erfolgreich widersetzt. Nicht kleinzukriegen das Schwein. Haben die mir aus Versehen das Ausstellungsstück gegeben, das schon seit Stunden auf dem Tresen liegt, oder muss das so? Für so etwas bin ich jetzt echt zu satt. Weil die Peruvian Sisters so nett waren suche ich verzweifelt nach einem Mülleimer außerhalb ihrer Sichtweite, was viel zu lange dauert und mich um den kläglichen Rest des angeblich ganz fantastischen Wildschweinburgers mit Portweinzwiebeln bringt. Wenn keine Portweinzwiebeln mehr drauf sind, hat es wenig Sinn den noch zu probieren.

Essen auf Rädern ist jedenfalls deutlich interessanter geworden. Sucht man sich die richtigen Räder aus, kann es möglicherweise sogar ein kulinarisches Vergnügen sein. Wenn ich dafür aber jedes Mal zu einem Straßenfutterfest fahren und Eintritt zahlen muss nehm ich doch lieber ein Restaurant, auf Speisekarten liege ich meistens richtig.

Räderfotos: Street Food Festival, Fischauktionshalle Hamburg Altona
Räderbier: Maisel & Friends Pale Ale, 5.2%
Rädermusik: Boozoo Bayou - Dust My Broom










Freitag, 19. Juni 2015

Burger mit Besteck


















Ist das eigentlich noch Fast Food, wenn es auf einem Porzellanteller serviert und der Gebrauch von Messer und Gabel explizit empfohlen wird? Bei einem Hamburger? Ich esse den Double Cheese in der Kleinen Pause unfallfrei aus der Hand (ok, unfallfrei bisher nur einmal, aber wer den kennt..)
"Du kannst es ja versuchen" grinst mich der nette Tresenmann an, "aber dann nimm besser ein paar Servietten mehr mit an den Tisch." Das überzeugt zumindest soweit, dass ich das Besteck mitnehme nach draußen.

Frühstück im Burger Lab, Max Brauer Allee, damit der morgendliche Kaffee endlich feste Gesellschaft bekommt. Auf der Mittagskarte steht ein Fishburger mit Garnelen und Limonenaioli, das klingt verlockend, aber da ich mit der Burgertesterei erst am Anfang stehe wird es doch der Classic Burger. Mit 100% Schleswig Holstein Rind medium gegrillt, Burger Lab Sauce, Cheddar, Eisbergsalat, Tomate, Spreewaldgurke und süß-sauer eingelegten Zwiebeln, verpackt in einem recht stabilen Brötchen, nach eigenem Rezept vom Bäcker des Vertrauens gebacken. Fast Food mag das noch sein, Junkfood definitiv nicht mehr. Damit der ganze Turm nicht auseinanderfällt wird das Konstrukt von einem langen Holzspieß in Form gehalten.

Schon klar, der geht aus der Hand nur mit segeltuchgroßem Lätzchen. Trotzdem ist Burger mit Besteck irgendwie nervend, spätestens wenn man die untere Brötchenhälfte erreicht hat fällt entweder das medium gegrillte Fleisch auseinander, oder das Stück Tomate oder Gurke flutscht von der Gabel. Am Ende bleibt ein Stück Brötchen auf den Zinken und man stopft den Rest an Fleischtomatengurkenmischmasch irgendwie hinterher. Burger gehören anständig verpackt und aus der Hand gegessen, alles andere ist albern.

In dieser Hinsicht könnte das Burger Lab von den Goldburgermädels lernen, das ist allerdings auch alles, denn geschmacklich ist das Teil perfekt, genau so muss ein Classic Burger schmecken. Auf den Punkt gegrilltes äußerst schmackhaftes Fleisch, die Sauce nicht zu dominant, das Brötchen stabil und lecker, Gurken und Zwiebeln perfekt und sogar die Tomate hat Geschmack. Der Eisbergsalat wie bei fast jedem Burger der Rede nicht wert, aber wer spricht schon über den Salat bei einem Fleischgericht.

Beim nächsten Besuch könnte ich ja mal wieder eine Kuh retten, die haben immerhin auch zwei vegetarische Burger im Angebot. Das gepulte Schwein tät mich allerdings mehr reizen...

Burgertestbier: Firestone Walker Double Jack, 9.5% Double IPA
Burgertestmusik: Little Axe - The Wolf That House Built / Bought For A Dollar. Sold For A Dime / Slow Fuse


Montag, 4. Mai 2015

Mit Wut im Bauch geht manches besser


















Vorspiel
Diese latente Dauermüdigkeit ist ätzend. Vier Tage Nachtschicht, drei Tage frei, bei dem Rhythmus hat man sich kaum ans Sonnenlicht gewöhnt, schon muss man wieder unter Tage. Als der Wecker klingelt bin ich kurz verwirrt, was für ein Tag ist eigentlich heute? Fußball war noch nicht, muss also Sonntag sein. Deswegen klingelt ja der Wecker, Montags brauch ich den nicht. Noch einmal umdrehen und weiterschlafen, frühstücken kann man schließlich auch im Stadion. Bringt eine Stunde eher mittelmäßiges Halbwachgedöse, dieses verkackte Adrenalin ist schon wieder zu reichlich im Blut. Eher Alptraumalin. Eine Niederlage gegen das Gummibrausewerbekonstrukt wird uns heute endgültig den Klassenerhalt kosten, wenn wir die nicht schlagen ist Ende Gelände. Auswärts nix mehr zu holen, zu Hause nur noch Bochum, verdammt, wie soll man da in den Schlaf kommen?

Also doch Frühstück. Das kleine, mit Kaffee und Kippe. Umziehen und weg. Heute keine Busverspätung, keine U-Bahn Baustelle, kein Wohnwagenlabyrinth auf dem Heiligengeistfeld, keine Schlangen vor den Eingängen - aber dafür dahinter. Fünfzig Minuten bis Millerntor und dann jäh gestoppt von der Technik, die elektronische Einlasskontrolle versagt ihren Dienst. Keine grüne Lampe, auch nicht auf den extra herangeschafften mobilen Geräten. Am Nebeneingang funktionieren die Dinger noch und zu diesem Zeitpunkt ist der Andrang erträglich, Richtung ändern, rein und endlich was für den Magen.

Ein Bier und tja, was nehmen wir denn heute als feste Nahrung? Lange keinen Wutburger mehr gegessen und wenn da noch keine Schlange vor der Butze ist muss man das ausnutzen. Oder sollte ich gleich einen Hassburger nehmen? Könnte sich eventuell negativ auf den Support auswirken, wenn mir zwei Stunden lang die Schnauze brennt, Wut im Bauch muss reichen heute. Dosen wegbrüllen.

Auf dem Stammplatz die üblichen freundlichen Gesichter und nach einer halben Stunde Klönschnack und dem zweiten Bier die Erkenntnis, dass kaum jemand noch ernsthaft an den Klassenerhalt glaubt. Also, jedenfalls nicht, wenn wir heute verlieren, so viel steht mal fest. Und um gegen Mateschitzens Dosenmillionäre gewinnen zu können bräuchten wir ein zweites Wunder, so eins wie gegen Nürnberg. Der weibliche Fußballsachverstand fragt mich nach einem Tipp. "Wieso fragst Du ausgerechnet mich das?" antworte ich, "DU bist doch hier die Expertin. Das 4:0 gegen Düsseldorf und 1:0 gegen Nürnberg waren doch Deine Wunschergebnisse. Wünsch Dir mal was, wenn es weiter so hilft.."

"2:0" strahlt sie mich an, jooo, damit könnte ich leben. Allein, es fehlt der Glaube. Auf den Rängen wird wieder fleißig Konfetti verteilt und überall hängen Tüten mit Luftballons, die ganz besonders den Erwachsenen viel Freude zu bereiten scheinen, denn die gesamte Nachbarschaft ist am Pusten wie verrückt. Der provisorische Gästeblock ist ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar eine Rasenball gegen Rassismus Fahne hängt da am Zaun. Rasenball. Ra-sen-ball. Allein schon diese dämliche Wortschöpfung. Rasenballsport Leipzig, der Anti-Verein. Ein Marketingprojekt wie  Stratosphärenhüpfen. Furchtbarer als VW Golfsburg oder Pille Leverkusen, an die hat man sich schon zähneknirschend gewöhnt im Laufe der Jahre, aber DAS hier? Was hätten sie gemacht wenn die Plörre grün gewesen wäre? Grandplatzball?

"Wenn man sieht wie viele Fans die inzwischen haben, dann war der Bedarf einfach da" sagt mein Nebenmann. Ja, der Bedarf. Mit dem hab ich so meine Probleme. Wir haben schon zwei solche Bedarfsmannschaften in Hamburg, die wir auch nur haben weil man unbedingt eine Bedarfshalle bauen musste, die sich mit den zweieinhalb Weltstars die jährlich nach Hamburg kommen nicht finanzieren ließe. Mein Bedarf an Kunstmannschaften ist gedeckt, vierzig Jahre nach Jägermeister Braunschweig sind die letzten Grenzen überschritten. Die Fahne gegen Rassismus ist natürlich trotzdem gut, auch wenn es mich gerade derbe ärgert, dass ich etwas von denen gut finden muss.

Rainer macht seine Platzrunde mit Mikro. "An dieser Stelle spielen wir normalerweise die Hymne unserer Gäste..." der Rest geht in Johlen und Gelächter unter. Scheinbar haben die keine offizielle Hymne, aber wenn ich mir die Gästehymnen so durch den Kopf gehen lasse ist das kein Verlust. Hinter mir findet das tatsächlich jemand schade. "Gott sei Dank!" sag ich "Von denen habe ich Dinge im Netz gefunden, die schlagen andere Vereine im Gruselfaktor um Längen. Rädbüll midd Goola und sowat, das willst Du hier ganz sicher nicht hören!"

Ewald macht Dampf auf den Rängen und es gibt die Aufstellungen. Schachten in der Startelf statt, nee, mit Schnecke. Äh. Buballa und Halstenberg auf der anderen Seite. IV wie immer, davor Alushi, Daube, Buchtmann. Und Lenny im Sturm. Was isn das für ne Aufstellung bitte? Beton anrühren, das 0:0 verteidigen? Wer spielt denn da jetzt wo und wieso ist Koch nur auf der Bank? Verspricht interessant zu werden was sich der Ewald da ausgedacht hat gegen die früh attackierenden, schnellen und technisch starken Leipziger. Ich krieg schon wieder Bammel. Wegsingen hilft, wie gut dass wir eine Hymne haben. Das Herz von St.Pauli ist schön laut heute, da singen noch mehr ihren Bammel weg.

Hells Bells, Schnipselwerfung und äh, südländische Atmosphäre im Süden (wo sonst?) mit viel bunter Luft und Extremglitzerschnipselwerfung, was vor dem Hintergrund der bunten Luft recht schick aussieht und auch seinen Preis haben wird. Leider geil, aber müssen wir ausgerechnet den  Redbullonnaisen so eine Show bieten?    

Spiel (1)
Wir spielen auf den Süden und ab gehts, Fighting Schachten im Sturmlauf auf den feindlichen 16er, Schuss und Toooooor leider auf der falschen Seite ins Netz. Alta! Wär der drin gewesen, alles ist in heller Aufregung und noch keine Minute vorbei. Aux Armes jetzt! Nach fünf Minuten ist schon zu erkennen, dass die Jungs mit dem Messer zwischen den Zähnen spielen. Wir praktizieren das, was Leipzig eigentlich so gefährlich macht, gehen konsequent auf den ballführenden Spieler, geben keinen Ball verloren, setzen nach, das kenne ich doch? Das hab ich doch schon mal gesehen! Gegen Düsseldorf, da sind sie ähnlich zur Sache gegangen. Aber diese Aufstellung, also wirklich. Schnecke als defensiver Mittelfeldspieler? Offensiv bleibt es jedenfalls bei Versuchen, da bleibt er grad hängen.

Trotzdem sieht das sehr gut aus da unten, wir lassen Leipzig nicht spielen, erkämpfen uns immer wieder den Ball und beinahe wäre es wieder Schachten, der den Führungstreffer erzielt. Schöner Kopfball nach einer Ecke, knapp drüber. Da geht was heute, wenn die so weiterspielen geht da was. Auf den Rängen gehts ab, trotz Sonnenschein und blauem Himmel, die Lautstärke ist nicht nur für ein Sonntagmittagsspiel im oberen Extasebereich. Nach zwanzig Minuten werden die Dosen etwas stärker, bereiten Himmelmann aber keine Probleme. Sooo unglaublich gut wie befürchtet sind die bisher nicht, fehlt nur noch jemand der ein Tor macht, nur wer? Lenny ist der einzige Stürmer auf dem Platz und selbst der hat schon in der Viererkette gespielt.

Buballa kommt mehrfach schnell nach vorne, von der anderen Seite versuchen Schachten und Schnecke es mit Flanken, aber das ist entweder Abseits oder zu ungenau und dann steht da wieder keiner..  und dann kommt Lasse mit dem Kopf uuuuund. wieder nichts. Mein Nachbar lüftet zum ersten Mal seine Mütze und das Geheimnis, warum er keine Haare mehr hat. Wenn sie nicht wenigstens kämpfen würden heute, könnte man wirklich verzweifeln. Wenn es jemand verdient hat ein Tor zu machen, dann ja wohl wir. Defensiv lassen wir nichts anbrennen, Lasse ist wie immer Herr der Lüfte und naja, echt mal, wenn man mit so vielen Abwehrspielern auftritt sollte das auch so sein, jetzt fangt euch nur nicht ein blödes Kontertor kurz vor der Halbzeit.

Noch eine Minute bis zur Pause und die daddeln da schon wieder vor unserem Strafraum rum, macht kein Scheiß da. Jaa, langer Ball raus aus der Gefahrenzone, Kontersituation allez, der Ball direkt auf... ausgerechnet Lenny Thy. Aaaah Mist, schon die Ballmitnahme ist nicht so ganz gelungen, aber er hat ihn noch. Jetzt stolpert er gleich, ich sehe es kommen. Nicht. Er hat ihn noch. Aaaah Mist, zu weit vorgelegt aber der Torwart bleibt stehen, er hat ihn immer noch. ER HAT IHN IMMER NOCH! TOOOOOOOOR! 1:0 durch Lennart THY! In der 45. Minute, wie geil ist das denn! Ein Stürmertor. Kurz vor der Verlängerung. Eine Minute und Ecke für Leipzig. Biddebiddebidde pfeif ab. Ecke bringt nix, Halbzeit und alle so: yeah!

Zwischenspiel
Die Begeisterung über das Spiel will gar nicht abebben, das ist zwar nicht gerade filigrane Fußballkunst was die heute abliefern, aber nur so geht das. Kampf und Einsatz bis zur Schmerzgrenze und darüber hinweg, das hätte eigentlich nach dem Spiel gegen Düsseldorf schon in den Köpfen sein müssen. Eigentlich wollte ich noch ein paar Einladungskarten verteilen, aber der Dartmeister ist heute aus unerfindlichen Gründen nicht anwesend. Auch gut, schnapp ich mir die Karte vom Langen und wechsle für die zweite Hälfte auf Sitzplatz, zu den Fußballfachleuten. Kann ich mir gleich mal die seltsame Aufstellung erklären lassen. "Kalla ist schlecht. Würd ich auswechseln." sagt der Lange und ich bin kurz versucht auf seinem Rücken nach so einer Aufziehkordel zu suchen, an der man für diesen Satz nur einmal kurz ziehen muss. "Schnecke ackert wie ein Pferd" sag ich, "mit Schachten zusammen ist die Seite jedenfalls mal dicht." Komm ich nicht mit an. Bei manchen Leuten kriegt Kalla kein Bein auf den Boden, bevor der uns nicht mindestens zum Pokalsieg schießt.

Die restliche Aufstellung findet Gnade unter den Augen der Fachleute, nicht weiter verwunderlich so wie das Spiel bisher läuft. Fehlt eigentlich nur ein frühes zweites Tor um die Nerven zu beruhigen.

Spiel (2)
Die Leipziger kommen stärker aus der Pause und versuchen uns sofort unter Druck zu setzen, doch bis auf ein paar kleine Wackler haben die Jungs das Spiel im Griff, weiter mit sehr viel Einsatzwillen dabei. "Wir stehen zu tief" meckert der Fachmann "wir müssen viel höher verteidigen." Begleitet werden seine Kommentare mit einem hörbaren Stöhnen sobald Schnecke am Ball ist. Dabei hat der sich den gerade schön erobert in der eigenen Hälfte und ist auf dem Weg in Richtung Leipziger Strafraum. Richtig stark, verliert den Ball zwischendurch, erkämpft ihn sich wieder, kommt bis in den Strafraum... und Schluss. Verdaddelt. "Er ist technisch einfach limitiert" stöhnt der Lange, aber scheiß was drauf, er fightet wie ein Irrer heute und momentan brauchen wir Kämpfer, das heißt nicht umsonst AbstiegsKAMPF. Nur Minuten später wird Schnecke übel gegen den Pfosten gecheckt und bleibt ziemlich lange liegen, was dem dafür verantwortlichen Leipziger in Folge ein Pfeifkonzert bei jedem Ballkontakt einbringt, neben der fälligen gelben Karte.

Noch etwas über 20 Minuten zittern, Ewald holt Koch rein, Buchtmann geht vom Feld. Sehr geiler Einsatz, dem haben die Spielzeiten in der U23 scheinbar echt geholfen, jetzt kann Juli das Ding nach Hause schaukeln. Kalla revanchiert sich für den Pfostenschubser mit einer Monstergrätsche, die Gott sei Dank den Ball trifft bevor sie den Leipziger abräumt und daher erstaunlicherweise kartenlos bleibt. "Das war doch mal ne nette Geste von Schnecke" grins ich den Langen an, aber der ist zu keinem positiven Kommentar zu bewegen. Muss er wohl doch mal ins Tor treffen.
Leipzig versucht es mit frischen Stürmern, der nächste Wechsel bei uns ist Schachten gegen Sobota. Auuu, ich weiß nicht ob mir das gefällt. Schnecke und Waldi zusammen, das geht nicht gut, zumal Jan-Philipp so langsam auf dem Zahnfleisch daherkommt und die Dosen sich auf die Schlussoffensive vorbereiten. Wir schwimmen hinten ganz schön manchmal, doch Leipzig ist nicht abgezockt genug das auszunutzen, dadurch ergeben sich zwar Konterchancen, aber auch wir werden dabei nicht wirklich gefährlich. Plätschern auf hohem Niveau, bis zum Wadenkrampf. Schnecke ist durch und muss raus, so wie der heute geackert hat kein Wunder, die letzten zehn Minuten muss Ziereis das übernehmen.

Vielleicht müssen wir nicht mehr zittern, denn es gibt Freistoß für uns. Zentrale Position, 25 Meter Torentfernung, das könnte Halstenberg machen, der steht auch schon beim Ball. Läuft an und - drüber. Knapp drüber ist auch nich drin, dabei wäre so ein 2:0 Vorsprung echt nervenschonend gerade. Die Dosen wollen den Ausgleich, die Uhr tickt runter. Wieder Konterchancen, aber Buballa legt sich die Pille zu weit vor und Koch versemmelt seine Möglichkeit, direkt aus der Luft genommen und ab in die Wolken. Egal, wir im Angriff heißt Ruhe im Strafraum, noch drei Minuten Ruhe im Strafraum bitte. Drei Minuten. Nachspielzeit. Das Stadion tobt und wir kriegen den Ball nicht weg. Freistoß für Leipzig, Ball kommt rein und ein Leipziger jagt das Ding direkt auf den Knick. Glanzparade! Himmel! Mann! Himmelmann! Welttorwart Digger. Noch eine Ecke für Leipzig, und Schluss. Aus. Vorbei. Drei grandios erkämpfte und hochverdiente Punkte mit denen nicht nur ich nicht gerechnet habe. Der dritte Heimsieg hintereinander, wir leben noch. Jetzt einen Punkt in Kaiserslautern mitnehmen, gegen Bochum wieder so auftreten, dann sollten wir das rettende Ufer erreichen.

Nachspiel
Noch ein Bier und Leute suchen, das muss gefeiert werden. Der erste der mir über den Weg läuft ist der Quotenrocker, der mich schon zum Frühstückskaffee mit prächtiger Spieleinstimmungsmusik von Social Distortion versorgt hat. Schmal isser geworden der Gute, aber solche Spiele wie heute geben hoffentlich ein paar nötige Vitamine extra. Vor den Fanräumen steht die Tresenkurve wieder in andächtiger Diskussionsrunde, eigentlich könnte man einfach mal glücklich sein, doch dann ist es Herr B. der an einem Spieler etwas auszusetzen hat und ganz langsam hab ich die Nase voll davon. Mann echt, dieses ewige Kallabashing geht mir auf den Zeiger. Der hat heute bis zur totalen Erschöpfung gerackert und wenn alle unsere Spieler immer so einen Einsatz zeigen würden, dann wären wir heute auf einem gesicherten Mittelfeldplatz, fußballerisch limitiert oder nicht. Das kommt an diesmal, zumal mir aus der Gesprächsrunde nebenan jemand spontan zustimmt, der ebenfalls nicht nur Fehlpässe gesehen haben muss.
Koschi hingegen vermisst Leipziger Fans vor der Gegengerade, wo man doch mit denen aus Aue immer so nett ein Bier zischen konnte und die Leipziger ebenfalls einen sehr sympathischen Eindruck machen, haben sogar unsere Jungs mit Beifall verabschiedet. Hm. Hab ich auch bemerkt, war also bemerkenswert. Und der Support war auch ziemlich anständig, das ganze Tribünenprovisorium war am hüpfen. Hat glaube ich auch keiner das übliche Scheiß Sankt Pauli gerufen, aber sind die jetzt nett oder einfach noch nicht lange genug in der Liga? Und kann man mit netten Leipziger Fans ein Bier trinken, auch wenn man den "Verein" total abstoßend findet? Muss ich doch nochmal drüber nachdenken irgendwann.
Für heute ist Feierabend, ich mach mich auf den Rückweg. Geht wieder unter Tage für eine Woche, das macht langsam urlaubsreif, ähnlich wie die ganze Saison.


Fotos: Vegetarischer Wutburger, Millerntor Gegengerade, Ewald macht Dampf, Hooligans machen Rauch, Pauli ohne St., 3-Punkte-Feier, Sambatrommeltrommler auf dem Heiligengeistfeld
Fotos anklicken + F11 macht Fotos groß.   
Bier: BuddelShip The Steelyard Pale, 5.6%
Musik: Social Distortion - Live At The Roxy