Mittwoch, 22. Juni 2016

Handwerk hat goldene Pommes
















Am einzigen freien Tag in der ganzen gottverdammten Woche lockt die Couch und sonst gar nichts. Auch keine Erdbeertörtcheneinladung, für die man in Ottensen eine halbe Stunde 'nen Parkplatz suchen muss. Aber, kommt da der Einwand, man könnte sich auf halbem Wege treffen. Zwar ohne Erdbeertörtchen, aber in der Rindermarkthalle zum Beispiel, da wär gerade Craft Market. Jede Menge Foodtrucks und noch mehr Brauereien mit Ausschank, alles ganz handwerklich natürlich.

Die gähnende Leere im Bierfach des Kühlschranks lässt mich grübeln, fahr ich mit der Bahn kann ich was trinken, fahr ich mit dem Auto kann ich was kaufen. Die Aussicht auf einen zusätzlichen Eintrag in der Rubrik Burgertest gibt den Ausschlag, die Fahrtzeit hätte ich sonst ohnehin in der Küche verbracht, den Abwasch nicht eingerechnet.

Noch vor dem kostenpflichtigen Eingang zum Bierparadies stehen jede Menge Fresswaggons, zum Teil mit wirklich sehr exotisch klingenden Angeboten, die sich aber meistens als Baguette mit irgendwas drauf entpuppen, ob sie nun aus den amerikanischen Südstaaten, aus Cuba oder Vietnam kommen. Die Ottenser Meute finde ich vor dem gelben Schulbus, nach einschlägigen Erfahrungen wird gerade diskutiert in welcher Ecke von Kuba man Schweinebraten oder Schinken bekommen kann und was zum Geier kubanisches Brot sein soll.

Der Südstaatenwagen hat außer belegten Broten aber noch weitere Spezialitäten im Angebot, von denen mich eine förmlich elektrisiert. Gumbo! Jessesmariaundjosef!
"Mit was is'n Euer Gumbo?" frag ich den jungen Mann. Schweinefleisch und Kabanossi. Ob ich das kenne? Ja, selber schon gekocht, allerdings mit Flusskrebsen. Jaa, so Seafood Gumbo hätten sie anfänglich auch versucht, aber Flusskrebse wär'n halt teuer und der Preis dann doch zu abschreckend gewesen. Mein Tipp, es mit ner scharfen Chorizo statt Kabanossi zu versuchen läuft auch ins Leere, das hätten sie in ihrem Jambalaya schon drin. Muss ich auf der Karte glatt übersehen haben, sonst hätte ich nämlich das bestellt.

Die anderen stehen derweil so lange am Meatwagen für ihre Burger an, dass ich mir von den Burristamädels noch einen kleinen Burrito zum Nachtisch rollen lasse, bin aber wieder zu blöde aufzupassen, wie man so ein Ding am besten baut. Geht jedenfalls atemberaubend schnell, fällt bis zum Schluss nicht auseinander, kleckert nicht und schmeckt ziemlich lecker, nächstes Mal frag ich nach 'ner Zeitlupe, für den Heimversuch..

Nachdem alle ausreichend gesättigt sind zahlen wir unseren Eintritt zum Bierparadies, die Bahnfahrer noch einen Fünfer extra für's Pfandglas und auf geht's:

Noch! Mehr! Foodtrucks! Mehr Burger! Mehr belegte Brote! Alles noch eine Klasse eleganter als vor der Tür, hier sind wohl die, die ganz doll viel Ahnung von der Craft haben, wie Til Schweiger sagen würde. Von Philly Cheesesteaks aus Frau Doktor Schneiders Grilled Cheese Wonderland bis zu Peter Pannfish mit Dijonsenfsauce - und wenn schon Burger, dann aus Dry Aged Beef, klar. Vornehm geht die Welt zu Grunde..und ich bin satt, so eine Scheixxe...nicht einmal eine halbe Portion von Vincent Vegans leckeren goldenen Süßkartoffelpommes mit der hausgemachten veganen Remoulade ginge noch und die hatte ich schon lange nicht mehr..

Das Bierparadies entpuppt sich als abgetrennter Bereich des Parkdecks, mit eher rustikaler Einrichtung, aber angenehm entspannter Atmosphäre. Lauter fachsimpelnde Fachtrinker mit Glasfüllungen zwischen Bernstein und tiefschwarz, ein kaum zu bewältigendes Angebot und einige meiner Lieblingshandwerker, Kehrwieder Kreativbrauerei, Hopper Bräu und Hanscraft, fast alle mit Neuheiten im Sortiment, die ich natürlich alle in doppelter Ausführung mitnehmen muss.

Blöderweise hat niemand daran gedacht, hier oben einen Durchgang zum Rest des Parkdecks zu schaffen, weshalb ich bereits nach einer Stunde schwer zu schleppen habe und mir hämische Kommentare vom inzwischen leicht angetrunkenen Rest der Gesellschaft anhören darf.

Dafür werden die inzwischen wieder Flensburger trinken, während ich gemütlich die erstandenen Schätze verkosten kann.

Burgertest: The Big Balmy Premium Cheeseburger, Fleisch medium und okay, sonst schmal belegt, Käse, Salat, eher unauffällige Sauce und das Brötchen etwas zu trocken. Die hatten mal einen Chiliburger im Programm, der war deutlich besser.

Pommesfotos: Rindermarkthalle St.Pauli, Nikon D90
Pommesbier: Kehrwieder Kreativbrauerei, Phoenix Pale Ale, 5.7%
Pommesmusik: Willie Nile - Beautiful Wreck Of The World /  Streets Of New York









































Kommentare:

  1. du solltest nächstes mal besser auf mich hören, statt mekrwürdiges zeugs mit reis zu bestellen *fg*
    die besten burger gibts vom meatwagen, wir stehen da nicht umsonst jedesmal an. und natürlich haben wir auch noch ein paar flaschen bier mitgenommen :p

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  2. Was für eine nette Sammlung. Bier habe ich ja im Haus, ganz gewöhnliches freilich, trotzdem. Nur. Wo krieg ich jetzt so lecker Essen her?

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  3. Schöne Serie. Meine letzten Aufnahmen sind etwas schief in der Perspektive, aber das kann man mit Lightroom richten, das Bier war einfach zu lecker, vor allem das von Welde :D.

    Gruß, N.

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