Freitag, 12. November 2010

Return of Zettelpupe






















Die Stadt Hamburg braucht dringend Geld, das merkt man meistens, wenn sie ihre Angestellten wieder vermehrt zur Akquise auf die Straßen schickt. Die erste Rechnung konnte ich heute morgen aus dem Briefkasten fischen, die zweite wird wahrscheinlich gerade geschrieben, die Ankündigung für Nummer drei fand sich dann am üblichen Ort. Macht summa summarum inzwischen 45 Euro, dabei ist der Monat noch nicht einmal zur Hälfte rum. Vielleicht sollte ich das Ar den städtischen Bediensteten nach Mengenrabatt fragen, wenn er mich schon als Stammkunden betrachtet.
Immerhin dürfte man für das Geld schon eine Garage mieten können, mindestens jedoch einen Stellplatz.

Natürlich ist es durchaus möglich, dass die Zettelpupe sich hier auskennt und genau weiß, dass sämtliche Garagen und Stellplätze vermietet sind. Die Regelmäßigkeit, mit der er hier auftaucht um Anwohner zu nerven, lässt jedenfalls darauf schließen.

Schreibmusik: Almamegretta - Vulgus

Mittwoch, 10. November 2010

Hauptsache Haustiere
















Heute stand mal wieder der monatliche Dosenkauf Katzenfutter an, im ansonsten gähnend leeren Futterhaus drückt sich ein Kind die Nase an der Glasscheibe von Karnickels Showroom platt, als die Mutter um die Ecke kommt, beladen mit etlichen Paketen Stroh und Streu.
Kind: "Mama ich will auch so einen Hasen."
Mutter: "Das heißt nicht ich will, das heißt ich möchte."
Oha, denk ich, endlich mal konsequente Erziehung, werde aber sofort eines Besseren belehrt.
"Mama ich möchte auch so einen Hasen."
"Das sind keine Hasen, das sind Kaninchen."
"Mama ich möchte auch so ein Kaninchen."
Der Tonfall wird langsam quengelig, ich warte gespannt, ob der leicht überfordert wirkenden Mutter noch das Zauberwort einfällt. Bisher ist sie argumentativ etwas schwach unterwegs.
"Du hast doch schon zwei Meerschweinchen, damit spielst du doch auch nicht."
"Ich will aber lieber einen Hasen."
Völlig egal wie die Viecher heißen. Der Tonfall steigert sich langsam von quengelig zu hysterisch und hat inzwischen die Aufmerksamkeit des Fachpersonals erregt. Dem Alter des Mädels nach zu schließen, des Fachpersonals in Ausbildung. Noch keine Erfahrung mit Müttern, noch weniger mit Kindern.
"Kaninchen verstehen sich sehr gut mit Meerschweinchen, wir halten die auch immer zusammen."
Ich schwör, ich hab gesehen wie kleine Rauchwolken aufstiegen, aus den Ohren der Mutter. Hundert Pro, keine Einbildung. Wenn das Kind nicht inzwischen gebrüllt hätte wie am Spieß, dann wäre vielleicht auch die Entgegnung bei mir angekommen, ich brauch unbedingt ein Hörgerät.

Das lernende Fachpersonal muss aber ganz sicher zwei Tage unters Solarium, bis die Gesichtsfarbe wieder stimmt. Es reicht nicht, einfach nur helfen zu wollen, man muss sich auch die richtige Seite aussuchen.

Schreibmusik: Kasey Chambers & Shane Nicholson - Rattlin' Bones (The Max Sessions)

Montag, 8. November 2010

Kein Platz an der Sonne
















Hätte ich gewusst, dass man für Heimspielkarten zwischen vier und fünf Stunden in dieser Schweinekälte anstehen muss, ich bin nicht sicher ob ich dann um 6 Uhr aus dem Bett gekommen wäre. Der innere Schweinehund ist ja meist dann besonders laut, wenn die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur ein erträgliches Maß überschreitet. Das war heute eindeutig der Fall, was schon ein kurzer Blick aus dem Schlafzimmer auf zugefrorene Autoscheiben zeigte. Dazu war ich auch noch hundemüde nach nur zweieinhalb gefühlten Stunden Schlaf, alles keine besonders guten Voraussetzungen für solche Aktionen.

Um 7 Uhr reichte die Schlange von den Kassen, an denen die ersten Fans schon seit 4 Uhr anstanden, über den Stadionvorplatz, bis zur Budapester Straße. Da gibts dann genau zwei Optionen, anstellen - oder sofort umkehren. Stellt man sich erst einmal an führt kein gangbarer Weg zurück, jedenfalls keiner ohne Gesichtsverlust. Denn nach einer halben Stunde Klönschnack mit den Nachbarn und dem ersten gemeinsamen Kaffee vor dem Stadion (wenigstens die mobile Kaffeeklappe hatte schon geöffnet) räumt niemand mehr das Feld.

Angesichts hunderter zäher Kämpfer im Alter zwischen (geschätzt) 2 Monaten und weit über 60 Jahren wäre das auch ein Offenbarungseid gewesen. Nach zwei Stunden fing ich allerdings langsam an den Säugling zu beneiden, der in seinem weißen Fellstrampler (Modell Knut) friedlich bei Muttern im Tragetuch döste. Nach drei Stunden klagte meine entzückende Kölner (!) Nachbarin über erste Ausfallerscheinungen, dünne Chucks sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wirklich nicht die richtigen Schuhe. Immerhin traf sie bei der Oberbekleidung eine deutlich bessere Wahl als ich, so vereiste sie ganz langsam von unten her, ich von oben. Wenigstens war der Himmel traumhaft blau, fast wolkenlos, nur die Sonne war nicht zu sehen, denn die Schlange stand über die gesamte Länge im Schatten des dämlichen Telekombunkers, auch aus dieser Richtung war also nichts erwärmendes zu erwarten.
Nach vier Stunden und fünfzehn Minuten hatten wir endlich das ersehnte Ziel vor Augen, wir standen an den Kassen, nur noch wenige Minuten bis zur Erlösung, nur noch auf eine freie Kasse warten, nicht einmal die höchst überflüssige Diskussion des Herrn an Kasse 2, dem die Regeln des Ticketverkaufs wohl nicht geläufig waren, sorgte noch für Verstimmung. Auch die Mutter, die unbedingt ganz schnell in den Kindergarten musste, durfte noch dazwischenrutschen. Und dann, endlich - stürzt das Computersystem ab. Komplett.

Ganz ehrlich, solche miesen Gags traue ich nicht einmal Mario Barth zu. Das Leben schreibt manchmal wirklich enorm schlechte Bücher.

Die 15 Minuten Verlängerung haben wir aber auch noch durchgestanden. Der netten jungen Dame aus Köln schulde ich jetzt noch einen Kaffee, vielleicht kann ich mich bei einem der nächsten Heimspiele ja mit einem Bier revanchieren, falls man sich über den Weg läuft.  

Schreibmusik: Ska-P - Incontrolable

Sonntag, 7. November 2010

Zu spät für Schamanengesang
















Ich sollte mir Eintrittskarten genauer ansehen und nicht nur einen flüchtigen Blick drauf werfen, dann wäre mir aufgegangen, dass es sich bei der fett gedruckten 21 um den Preis handelt, nicht um die Anfangszeit, die ohnehin untypisch gewesen wäre für die Fabrik.
So mussten Herr H. und ich nicht nur die vorher geplante Nahrungsaufnahme verschieben, wir kamen auch erst 15 Minuten nach Konzertbeginn dort an, um fortan mit knurrendem Magen der kleinen Samin mit der großen Stimme zu lauschen. Wenigstens kann man sich noch darauf verlassen, dass Künstler niemals pünktlich anfangen, wir hätten andernfalls das halbe Konzert verpasst. Dummheit ist schon härter bestraft worden, so kamen wir gerade noch rechtzeitig zu einer ungewohnt stampfenden und rockigen Version von Goaskinviellja.

Wie schon beim letzten Konzert von Mari Boine, war die Fabrik auch diesmal nur zu knapp einem Drittel gefüllt, die überbordende Begeisterung des spärlichen Publikums machte das aber mehr als wett. Sie hat eine kleine, aber sehr enthusiastische Fangemeinde in Hamburg, die Schamanin aus Lappland mit ihren seltsamen Gesängen. Dazu eine großartige Band, die einen geradezu erstaunlich dichten Sound aus ihren vier Instrumenten hervorzaubert.
Ein paar Brocken Deutsch hat sie inzwischen auch gelernt, Küstenschwalbäää hörte sich schon ganz gut an, noch deutlicher der stolze Hinweis Ich bin jetzt eine Oma.

Da man sich die Kraft für seine Enkelkinder sparen muss, war trotz des tosenden Publikums nach 90 Minuten - plus Zugabe - Feierabend. Am Ende gab es ein unfassbar schönes Lied, for you to come down and, more important, for me to come down, aus dem Soundtrack eines mir (noch) unbekannten Filmes, den ich gleich noch suchen muss. Der Name Pathfinder weckt zwar dumpfe Erinnerungen an miserable Kritiken, ich vermute aber mal sie meinte einen anderen.

Schreibmusik: Mari Boine - Cuovgga Áirras (Sterna Paradisea) - signierte Ausbeute des heutigen Abends.

Samstag, 6. November 2010

Die Schlange der Entsorger
















Hochbetrieb auf dem Recyclinghof in Volksdorf, knappe 30 Minuten vor Torschluss. Nach 15 Minuten Wartezeit habe ich schon befürchtet, eine weitere Woche meinen alten Computerschrott durch die Gegend kacheln zu müssen, in öffentlichen Einrichtungen ist man ja meist sehr penibel, was die Öffnungszeiten angeht. Stutzig wurde ich zwar, als mehrere Autos links an der Schlange vorbeizogen, aber den Grund dafür konnte ich nicht erkennen, auch aussteigen und gucken half da nichts. 
Jedenfalls bis die Schlange so kurz war, dass man endlich das  Schild erkennen konnte, welches die Entsorger in Richtung Recyclinghof  und Grünabfall trennte.
Grünabfall! Hätte man auch selber drauf kommen können im Herbst.

Freitag, 5. November 2010

Gefährliche Ecken
















Dass es durchaus mal negative Folgen für die Gesundheit haben kann, wenn man sich zu häufig auf dem Kiez herumtreibt, das ist ja nicht erst seit Jürgen Rolands St.Pauli Report bekannt.
Die Reeperbahn und ihre zahlreichen Seitenstraßen und Hinterhöfe, die Bars und Stripschuppen, selbst die Bahnhöfe werden fast wöchentlich erwähnt, wenn es mal wieder Tote oder Verletzte gegeben hat.

Dabei kommt es eher selten vor, dass jemand vom Barhocker geschossen wird, der sich nicht vorher in irgend einer Weise unbeliebt gemacht hat. Die Gefahren lauern heute in ganz anderen Läden, in denen man den süßesten Verlockungen ausgesetzt wird, und das schon am helllichten Tag. Die Damen in diesen Etablissements reizen auch nicht mit verführerischem Lächeln, hohen Stiefeln und knappen Miniröcken, eher mit gigantischen Kalorienbomben aus eigener Herstellung. Alle versehen mit einem extrem hohen Suchtpotenzial, da ist das Messer im Bauch doch ein kleineres Problem, hier drohen auf lange Sicht schwerwiegendere Folgen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Empfänglich bin ich dabei nur für die Spitzenklasse der Backkunst, aber der kann man hier kaum noch ausweichen, ob es die Natas aus dem Transmontana sind, oder der beste American Cheesecake diesseits des Atlantik bei Stepha in der Paul-Roosen-Straße.

Durch meine täglichen Besuche auf der Rückseite der Reeperbahn (siehe Blogroll) bin ich jetzt auf einen dritten Gefahrenpunkt hingewiesen worden, das Cafe Latte in der Wohlwillstraße, in dem es unglaublich gute Brownies geben sollte, was ich nach meinem heutigen Besuch bestätigen kann. Un-glaub-lich. Wem es nach einer treffenden Beschreibung dieses Backwerks gelüstet, der möge im Blog vom Herrn Wagner nachlesen, ich könnte da sonst nur schamlos abschreiben. 

Unglaublich nett war auch die Dame, die mir gleich den größten der Brownies einpackte, mit dem entzückenden  Satz  "Sie sehen aus, als könnten Sie das vertragen." Sie lachte dabei aber so charmant, dass ich ihr nicht wirklich böse sein konnte.

Hab ich ein Glück, dass ich da nicht wohne. Es ist einfach zu gefährlich auf dem Kiez.

Schreibmusik: The Mick Fleetwood Blues Band - Blue Again

Montag, 1. November 2010

VIP - völlig idiotische Preise
















Der FC St.Pauli scheint Probleme mit dem Kartenverkauf im Kuchenblock zu haben, aktuell wird jedenfalls ein begrenztes Kontingent an VIP Karten für das Spiel gegen die Pillendreher für nur 99 Euro pro Stück an Mitglieder "verschleudert". Vielleicht ist es auch nur eine Werbeaktion, deren Sinn sich mir nur verschließt, weil ich nicht weiß welchen Personenkreis man damit erreichen will.
Hätte ich das heute bereits vor der Arbeit gelesen, wäre ich wahrscheinlich spontan zum Kartencenter gefahren und hätte mir eine Karte geholt, mittlerweile bin ich doch etwas ins grübeln gekommen.

Einerseits gibt es viele gute Gründe dafür, ich habe durch unglückliche Umstände leider keine Karte für das Spiel, und AFM Radio ist auf Dauer doch trockenes Brot. Man könnte sich mal ansehen was da so für Nasen sitzen auf den Business Seats, feststellen ob denen Schnittchen und Getränke tatsächlich wichtiger sind als das Spiel, oder einfach ein paar alberne Aktionen starten, allerdings fehlen mir dazu meistens die Ideen und, so ganz alleine, noch mehr die Traute. Der Preis selber dürfte eigentlich kein Diskussionsgrund sein, schließlich ist man ja auch mal bereit für ein Auswärtsspiel größere Summen zu zahlen, wenn man es sich gerade leisten kann.
Andererseits bin ich bei Heimspielen gewisse Freiheiten gewohnt, sowohl im Bewegungsdrang, als auch im Konsumverhalten. Es wäre sicher eine neue Erfahrung, könnte man dem Innensenator einen Zug aus der Sportzigarette anbieten, aber erstens ist der (hoffentlich) kein St. Pauli Fan und zweitens und drittens und viertens und überhaupt, Kuchenblock?

Hat jemand ne Stehplatzkarte und Bock zu tauschen? Dann hol ich so'n Ding.

Schreibmusik: Portishead - Dummy