Freitag, 4. Oktober 2013
Curry mit Aussicht
Ist er nicht goldig, der Oktober? Morgen soll es mit der Herrlichkeit vorbei sein, also carpe diem, Frischluft einfahren. Geht natürlich nicht so schnell, wenn man erst morgens um vier ins Bett geht - und dann noch die vielen Vitamine..
Immerhin sind wir um 14 Uhr unterwegs, das hat schon mal wesentlich länger gedauert. Der Pappenheimer möchte ins Treppenviertel, aber bitte ohne Treppen. Er ist etwas verschnupft und, naja, die vielen Vitamine...
Eine knappe Stunde später rollen wir in die Tiefgarage des Süllbergs. Hausers Edelrestaurant bietet auf der Terrasse einen guten Blick auf das Treppenviertel, ohne allzu viel Treppen steigen zu müssen. Zu halbwegs zivilen Preisen kann man da mal ein Bier oder einen Kaffee trinken.
Wenn die Versorgung klappt, aber da wird wohl nicht nur preislich ein Unterschied zum angrenzenden Sterneschuppen sein, was für ein Segen, dass hier oben eine steife Brise herrscht. Wäre der Laden voll würde alles zusammenbrechen, für zwei Bier und einen vom Pappenheimer gewünschten Espresso Corretto muss ich eine Viertelstunde anstehen. Meine Bestellung wird ohne Nachfrage angenommen, das finde ich überraschend, man kennt sich scheinbar aus mit derlei Wünschen, auch wenn sie nicht auf der Karte stehen.
Ich ahne dass dem nicht so ist, als der junge Mann anfängt mit einer Flasche Myers Rum zu hantieren. Rechtzeitig über den Irrtum aufgeklärt bemüht man sich dann, das Gewünschte zu beschaffen. Ein Anruf in der Küche, die Flasche Grappa wär unterwegs. Ich nutze die Zwischenzeit um die zwei Bier beim Pappenheimer abzustellen und mir eine Riesencurry mit Spezialsoße zu gönnen für nen Fünfer. So oft bin ich nicht in Blankenese, da nutze ich die Gelegenheit natürlich für den Currywursttest.
Der sehr junge Mensch in der Snackbude wirkt nicht besonders glücklich und schwer überfordert, denn keiner holt den BBQ Burger ab und wer hatte nochmal die beiden Bratwurst/Pommes? Niemand? Ich empfehle ihm etwas lauter zu rufen, so dass man seine Stimme auch jenseits der ersten Tischreihe hört, aber das verstößt wohl gegen irgendwelche Regeln. Erst als das geklärt ist beruhigt er sich ein wenig und kann die nächste Bestellung aufnehmen. Definitiv kein Doppelkernprozessor, im Imbissgewerbe wird der nicht glücklich. Ein Crashkurs in der Kleinen Pause wäre möglicherweise hilfreich.
Vor den Wurstgenuss hat der Herrgott noch den Corretto gesetzt, ich kümmere mich darum und der ist inzwischen auch fertig. Schon so lange fertig, dass er die nötige Mindesttemperatur klar unterschreitet, wenigstens das Bier ist wohltemperiert und wird bei diesem Wetter garantiert auch nicht wärmer. Die geheimnisvoll aus einem Wärmeschrank hervorgezauberte Spezialsoße entpuppt sich als Hamburger Standard, den man auch in jedem Supermarkt bekommt, die Wurst ist nicht übel, aber auch nicht der Überflieger.
Bleibt immer noch die Aussicht und die ist Bombe, deswegen versacken wir da trotz der Kälte ein wenig, der Pappenheimer knipst beidhändig in der Gegend herum, mal analog, mal digital, aber immer schön in Graustufen. Nebenbei verziert er Hausers Terrassenzaun mit einem seiner 500 frisch gekauften "St.Pauli Fans gegen Rechts" Aufkleber, im Regenwald haben sie neue Bushaltestellen bekommen, da muss man vorher mal probekleben. Fällt glücklicherweise nicht auf, obwohl er das Ergebnis hinterher aus allen möglichen Winkeln ablichtet.
Der eisige Wind treibt uns vom Berg an den Strand von Wittenbergen und genau so schnell wieder weg, denn ohne Sonne wird es langsam schweinekalt und wir brechen ab. Morgen im Stadion wird es noch kälter, da sollte man vorher ein paar Vitamine zu sich nehmen...
Vitaminzufuhrmusik: Javi Garcia & The Cold Cold Ground - A Southern Horror
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Donnerstag, 3. Oktober 2013
Ballkünstler und bunte Torten
Ein spontan eingelegter Urlaubstag, was macht man da am besten? Ganz klar, anderen bei der Arbeit zusehen. Einmal jährlich lädt die AFM ihre
Boller sollte heute auch noch seine Biografie signieren, ein Programmpunkt der natürlich angesichts seines kaputten Innenbands ins Wasser fallen musste, obwohl man ja mit dem Innenband nicht schreiben muss. Wenn ich irgendwann mein Trikot von ihm bemalen lassen will muss ich mich wohl sputen, wer weiß wie lange er sich das noch antut. Man hätte den letzten Vertrag gleich über 1910 Jahre schließen müssen, schlimmes Versäumnis.
Die inzwischen recht weit fortgeschrittene Baustelle durfte ebenfalls besichtigt werden, ein echtes Schmuckstück wenn das mal fertig ist. Hätte mir jemand vor 20 Jahren erzählt, dass dieser Verein mal derart professionell geführt wird, ich hätte ihn einen Phantasten gescholten. Auf jeden Fall gut zu sehen wohin die Kohle fließt, die man laufend da reinsteckt.
Überhaupt bin ich momentan sehr zufrieden was die Entwicklung angeht, das Personal gefällt mir ausnehmend gut, vom Sportdirektor bis zum Torwart, der zu meiner Überraschung in einen Smart passt, ich hab die Karre wohl unterschätzt bisher.
Wenn die Mannschaft demnächst in den Spielen ähnlich passsicher ist wie im Training, könnte das meine Zufriedenheit auf einen neuen Level heben, bei den Trockenübungen sieht es jedenfalls gut aus was die mit dem Ball so machen.
Am Freitag werde ich mir das Erlernte mal wieder mit einem seltenen Gast ansehen. Könnte ein legendäres Spiel werden, wenn der Pappenheimer dabei ist weiß man nie was draus wird. Legendär übel wie das 1:8 gegen Bayern oder legendär wie das letzte Spiel gegen Paderborn, mit Tschaunis Ausgleich in der letzten Minute. Eigentlich hätte der Mann mal einen Heimsieg verdient, für die weite Anreise.
Und ich mir eine Mütze Schlaf nach so viel Sport heute, wie gut, dass man ihn mit "furchtbarer" Countrymusik zuverlässig ins Bett treiben kann: Zachary Richard - Le Fou
(auf Bilder klicken macht Bilder groß)
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Montag, 30. September 2013
Hakuna Matata
Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Liebeserklärung auf Swahili, von Maleika und/oder Kumi, könnte natürlich auch Werbung für Walt Disneys Musical König der Löwen sein. Möglicherweise auch für Urlaub in Kenia oder Sansibar, wobei ich momentan Letzterem den Vorzug geben würde, denn übersetzt heißt das so viel wie "Es gibt keine Probleme" und das lässt sich von Kenia gerade nicht behaupten.
Vielleicht ist es auch nur der Text des Liedes, aber wer sollte amerikanische Musicals auf Swahili übersetzen und warum?
Leider lässt sich dieses Rätsel nicht mit herkömmlichen Mitteln lösen, so nett der Service von xLingua auch ist, entweder ist die Datenbank nicht ausreichend mit Swahili gefüttert oder der Kreidekünstler leidet unter einer veritablen Rechtschreibschwäche, denn auch Google vervollständigt das alles ein wenig anders.
Kann man nur hoffen, dass wenigstens die Aussage stimmt. Da bin ich allerdings recht zuversichtlich, denn vorerst hat es ein Ende mit der Scheißsechstagewochenackerei und ich kann langsam wieder anfangen zu leben. Gleich Mittwoch fang ich damit an und der Pappenheimer wird mir dabei helfen.
Wird sicher anstrengend, daher hilft momentan noch Marce Lacouture - La Joie Cadienne
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Freitag, 27. September 2013
Feuchter Schotte
Kulinarischen Spezialitäten von der Insel stehen die meisten Festlandeuropäer sehr skeptisch gegenüber, Pudding mit Rindernierenfett ist halt schon etwas ungewöhnlich. Englisches Essen gilt gemeinhin als ungenießbar, sogar in Comics macht man sich über lauwarmes Bier, gekochtes Wildschwein und das traditionelle heiße Wasser (mit einem Tropfen Milch) um 16 Uhr lustig.
Würzen sollen die angeblich auch nicht können, dabei waren es die Engländer, die uns mit exotischen Gewürzmischungen wie Curry versorgt und Pfeffer in rauen Mengen importiert haben. Alles nur geklaut und verhökert, aber nie selber benutzt?
Vom berühmten schottischen Nationalgericht Haggis habe ich inzwischen aus mehreren verlässlichen Quellen gehört, dass man das tatsächlich essen kann. Es soll recht scharf gewürzt sein und gut schmecken, solange man ausblenden kann was da alles drin ist. Da ich im Ausblenden ziemlich gut sein kann werde ich das Zeug auf jeden Fall probieren, sollte ich einmal die Gelegenheit haben.
Statt einer Dose Haggis, falls es so etwas überhaupt gibt, bekam ich jedoch eine Dose schottischen Kuchen als Mitbringsel meiner dudelsacksüchtigen Familie. Ashers Whisky Cake, genauer: A moist fruit cake laced with Highland Single Malt Whisky. Sultaninen, Johannisbeeren, Kirschen und Whisky, den Rest versteckt das Preisschild. Aber bei der Angabe werde ich nicht weiter nach verdächtigen Inhalten forschen, wird schon kein Rindernierenfett drin sein.
Schmeckt jedenfalls nicht danach, sondern nach den 7% Highland Malt Whisky, die der äußerst klebrigen Kalorienbombe genau den richtigen Kick geben. Was wieder einmal beweist, alles was die da oben mit Whisky machen schmeckt großartig. Spricht möglicherweise mehr für den Whisky, als für die Küche, aber egal.
Blöde ist nur, dass der Stoff hier nicht aufzutreiben ist. Denn ich würde auch gerne die Sorten mit Speyside und Island Single Malt probieren. Falls also jemand da oben seinen Urlaub plant, denkt an ein Carepaket.
Whiskykuchenmusik: Cassandra Wilson - Blue Light 'Til Dawn / New Moon Daughter
Mittwoch, 25. September 2013
Scheißmontag mit Bier und Bontsche
Vorspiel
Sechs Tage Resturlaub ergeben eine satte Woche plus Spieltag, das kann ich gleich mal ausnutzen nach den letzten Wochen, ich bleib im Bett. Ausschlafen satt, hoffentlich sind die Jungs heute Abend ähnlich ausgeschlafen. Ich mache leider die gleiche Erfahrung wie beim letzten Montagsurlaub, ich komm nicht aus dem Quark. Kaffee und Kippe, Frühstück um die Mittagszeit, ein bisschen daddeln am Rechner, die Zeit totschlagen bis zum Spiel, nur nicht groß anstrengen, wer weiß wozu man die Energie noch braucht.
Trotz der Busverspätung bin ich pünktlich am Stadion, das gibt mir die Zeit ein paar weitere Wandgemälde der Gegengerade zu fotografieren und ein wenig die Atmosphäre zu genießen. So beschissen ich Montagsspiele finde, es sind Spiele unter Flutlicht und die rocken einfach mehr als der Krampf um die Mittagszeit. Das weiß auch Scheißsport1, weshalb wir in ein paar Wochen gegen Cottbus noch eins bekommen, da fasst man sich echt an den Kopf.
Ein verschärfter Wutburger als zweites Frühstück käme gerade zur rechten Zeit, doch die Schlange vor dem Veggiemann wirkt arg abschreckend. Vor dem Stand stehen ein paar augenscheinlich desorganisierte Typen herum, darunter Kleiner Tod, der erstens überhaupt nicht klein ist und zweitens auch nicht wirklich desorganisiert sein kann, denn er hat es geschafft einen der begehrten Burger zu organisieren. Sein Gesichtsausdruck beim ersten Biss ist entsprechend zufrieden, der Burger landet spontan auf der Liste der zu fotografierenden Gegenstände, demnächst wahrscheinlich in seinem Blog zu bewundern.
Ich verzichte auf feste Nahrung, hole mir ein Bier und geselle mich zum Dartmeister, der auswärtigen Besuch dabei hat. Ein Mensch von der Insel des großen Britanniens, der (natürlich) ganz irre gut Dart spielen kann, weshalb der Dartmeister ihn gerne einbürgern würde um die Mannschaft zu verstärken. Diese Pfeilewerfer nehmen das wirklich ernst...
Auf dem Weg zum Platz ruft man meinen Namen, eindeutig die Stimme von Herrn L., den ich nach drei halbgestolperten Pirouetten vor dem Bierstand entdecke. Wir quatschen uns fest, was mir eine Bratwurst und ein weiteres Bier einbringt, der Mann hat Durst heute. Unter den Nachbarn ein paar neue Gesichter, Profiteure der Montagsopfer, voll ist es trotzdem bis auf den Platz neben mir. Der Rabauken-Erzeuger-Erzeuger hat Familie, eine Krankheit der so manches Spiel zum Opfer fällt. Gott sei Dank bin ich inzwischen immun, nach vielen Jahren der Abhärtung.
Bei meinem Nachbarn kann ich lesen, dass es heute keine großen Choreos gibt, nicht einmal Konfetti, nur viele Tapeten gegen den Scheißmontag, was die Kameraperspektiven von Scheißsport1 erheblich einschränken wird.
Spiel (1)
Sollte ich vielleicht nichts zu schreiben um mich nicht zu blamieren, denn was ich inzwischen an Kommentaren gelesen habe muss ich woanders gewesen sein. Heute Mittag habe ich noch Herrn L. gefragt ob wir zu besoffen waren, zu euphorisch oder was immer, aber ich habe eine Mannschaft gesehen die, von ein paar schwachen Momenten abgesehen, dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Die eine enorme Laufbereitschaft an den Tag gelegt hat, die gekämpft hat und die auch ab und zu ein paar richtig gute Spielzüge zu bieten hatte. Leider, das muss man zugeben, nicht immer in den richtigen Momenten und nicht immer in den Teilen des Spielfeldes, die beim Gegner für Gefahr hätten sorgen können.
Weil Düsseldorf tief und eng steht, damit sind wir in den letzten Jahren nie klargekommen. Da fehlen die Ideen und wenn mal jemand eine gute Idee hat, dann landet der Ball leider nicht da wo er eigentlich hin soll. Oder die Idee ist doch nicht ganz so brillant, weil Hackentricks einfach nur brotlose Kunst sind wenn der Ball zum Gegner kommt. Ein Grund, warum wir meistens in der zweiten Liga spielen.
Dazu kommt noch sportliche Fairness (oder Naivität), weil Bartels nie in Düsseldorf trainiert hat weiß er nicht, dass man sich bei einer Gegnerberührung im Strafraum fallen lassen kann, da kann man nicht einmal von Elfer schinden sprechen. Dabei bekommen sie heute allerfeinsten Anschauungsunterricht, denn die Düsseldorfer haben auch unter Büskens nicht verlernt was in der Meierschen Bibel des theatralischen Abflugs steht. Den schönsten Abflug verpasst Herr L. beim Nachschub holen, Nehrig sieht gelben Karton, der Gegner die sechskommanull für die eingelegte vertikale Doppelschraube. Beides gerechtfertigt.
Ende der ersten Halbzeit haben wir gefühlte 90 Prozent Ballbesitz, aber irgendwie nur anderthalb Chancen, das muss sich ändern. Es kann doch nicht immer ein Fuß dazwischen sein, wenn mal jemand abzieht.
Zwischenspiel
Frisches Bier, Pausensportzigarette und jede Menge Tapeten in der Süd, die eine zusätzliche Hand für die Kamera erfordern. Man könnte sich einen Bierhalter häkeln, könnte man häkeln...
Was die A-Jugend des hsv mit den Kölner Einlaufkids zu tun hat weiß möglicherweise jemand von der St.Pauli Mafia, ich gehe allerdings davon aus, dass die A-Jugend nicht bei uns in der Südkurve steht, also ist das wieder einer dieser Scherze die verpuffen, wenn man die Hintergründe nicht kennt.
Bei den Frankfurter Fischern und Duisburger Jägern fällt der Groschen auch etwas langsam, aber da komm ich noch mit, weil ich Duisburger Jäger ebenfalls zum kotzen finde. Einer der Gründe, warum man Sozialdemokraten nicht trauen kann.
Spiel (2)
Aristide Bancé, verdammte Hacke. Bontsche mit der Bontschefrisur. Einmal gepennt da hinten und schon macht der das 0:1. "Das wird genau die gleiche Scheiße wie gegen Bielefeld" unkt Herr L. und auf einmal habe ich kein so gutes Gefühl mehr. Das trügt nicht, denn wir verlieren kurzzeitig den Faden, oder die Nerven. Kann ich verstehen, ich verliere meine auch gerade. Trotzdem kämpfen sie sich wieder rein, Düsseldorf verlegt sich auf Konter, steht ansonsten hinten drin und hat immer noch einen Fuß dazwischen, wenn von uns mal etwas kommt. Zu ungenau alles, zum verzweifeln. Die Zeit verrinnt wie im Fluge, die Meiersche Bibel des theatralischen Abflugs kommt verstärkt zum Einsatz, meist als Mittel zur Spielverzögerung. Büskens hat keinen positiven Einfluss gehabt bisher, Düsseldorf ist immer noch eine unsympathische Kackmannschaft. Den Schwerverletzten sollten sie mit der Bahre abholen, zu Fuß braucht der eine Ewigkeit. "Das sind ja wohl mindestens 5 Minuten Nachspielzeit inzwischen" sag ich, "das können wir unmöglich verlieren heute. Das wäre einfach scheiße ungerecht." Vielleicht hab ich wirklich ein Bier zu viel inzwischen und sauf mir das schön, aber die Jungs kämpfen wenigstens.
Boller geht vom Platz und Kringe übernimmt die Binde, guter Wechsel, der hat vielleicht noch mal ne Idee nach vorne. Auf dem Feld gibt es wieder ellenlange Diskussionen am anderen Spielfeldrand, außer einer Traube von Spielern um den Schiri seh ich nix. "Elende Scheiße verdammt, wir haben nur noch zehn Minuten, hört auf zu labern, geht ackern" brüll ich rum, da sagt mein Nachbar was von "Torre ist runter". Was? Rote Karte? Für was denn? Keiner weiß warum, außer wahrscheinlich die Scheißsport1gucker. Toll, die letzten Minuten und dann das, es ist nicht zu glauben.
Dafür steht hier oben inzwischen jeder und brüllt die Mannschaft nach vorne, meine Stimme ist bald im Arsch, scheißegal, Sankt Pauli, da segelt der Ball hoch in den Düsseldorfer Strafraum und wird mehr oder weniger kontrolliert durch die Gegend geköpft bis er bei Kringe landet. "JETZT! JETZT! JETZT!" schrei ich wie am Spieß und Kringe zieht volley ab, aus 25 verfluchten Metern fett in den Winkel gesetzt. Woohoo. 1:1 und noch mindestens zehn Minuten Zeit das Ding zu drehen.
"Den hab ich aber auch echt reingebrüllt diesmal" grins ich Herrn L. an, der mir dafür aus tiefstem Herzen dankt. Klingt richtig ernst wie er das sagt, aber jetzt konzentrieren wir uns auf den Siegtreffer.
Die Jungs versuchen weiter alles, auch mit zehn Mann. "Attacke" brüll ich, da wechselt Frontzeck aus. Kalla kommt für Verhoek. "Waaaas? Ein Verteidiger für nen Stürmer? Sollndassein?" "Wir haben gerade einen Innenverteidiger verloren" macht mich Herr L. auf den von mir völlig verdrängten Missstand aufmerksam. Scheiße ja, ganz vergessen im Freudentaumel. Ich will nen Sieg gegen diese Schauspielertruppe, wir sind klar besser, wir haben uns das verdient. Aber Scheißmontage sind halt so, klappt nicht mehr, obwohl wir näher dran sind als die Schauspieler, die vom Schiedsrichter mit lächerlichen zwei Minuten Nachspielzeit belohnt werden.
Trotzdem bin ich stolz auf die Truppe, weil sie nicht aufgegeben haben bis zur letzten Minute, denn das ist es was ich in erster Linie erwarte. In meinen Träumen sind sie zwar auch mal Europacupsieger, doch spätestens an solchen Tagen fällt's mir wieder ein..
Nachspiel
Herr L. ordert noch eine Runde Bier und jetzt entdecke ich auch den Grund für seinen heutigen Durst, die junge Dame hinter dem Tresen ist ganz nach seinem Geschmack. Kann ich nur hoffen, dass sie öfter da steht, nicht nur an Scheißmontagen. Beim nächsten Heimspiel ist es allerdings egal, der Pappenheimer holt Bier auch bei Männern.
Musikspiel
Nach dem hervorragenden Konzert im August jetzt die hervorragende neue CD: Tamikrest - Chatma
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Samstag, 21. September 2013
Das Kreuz mit den Kreuzen
Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Lamm abstimmen, was es zum Abendessen geben soll. Der Satz fällt mir immer wieder ein, wenn wir mal wieder aufgerufen werden unser Kreuz zu machen. (Das ist gelogen, eigentlich lese ich den dauernd, weil ein schlauer Mensch im St.Pauli Forum den in seiner Signatur hat) aber immer seltener habe ich Lust mich aufzuraffen und die öde Prozedur im Wahllokal auf mich zu nehmen.
Für was?
Um hinterher zu erfahren, dass immer noch nicht genug Menschen in diesem Land die Schnauze voll haben von Mutti und ihren unfähigen Schergen? Wo bitte kann ich ein Kreuz machen um irgendwie zu verhindern, dass in Zukunft ein Kasper wie Pofalla per Dekret irgendwelche Krisen beenden kann?
Bei Peer? Alleine kann der sowieso nicht und wenn er am Ende mit Mutti müsste... hatten wir schon. War auch Mist.
Bei der Fast Drei Prozent Partei wäre ich glücklich, wenn die wirklich mal fast drei Prozent bekommen würden. Zweikommaacht. Der politischen Bedeutung angemessen wären eigentlich Nullkommaacht, schon für Leute wie Dirk Niebel. Ich denk der Mittelstand ist tot, wieso geht der dann noch wählen? So viele Hoteliers kann es in Deutschland nicht geben, aber die kriegen wahrscheinlich wieder Mitleidsstimmen aus dem schwarzen Lager und landen bei Achtirgendwas, ich könnte kotzen.
Die Grünen? Jede Hamburger Bordsteinschwalbe hat mehr Vertrauen verdient. Die machen alles und mit jedem, aber nicht die Hälfte von dem was sie angeblich wollen. Die würden die größten Kröten schlucken, selbst wenn die unter Naturschutz stehen. Einmal kann man mich verarschen, für ein zweites mal bin ich nicht doof genug.
Links war ich schon immer und deswegen fällt mir ehrlich gesagt auch kein Argument ein, warum ich nicht Links wählen sollte. Außer, das es wahrscheinlich rein gar nichts bewirken wird. Und jetzt komm mir keiner mit Stasi und SED, dass es da einen ganzen Haufen Gestörter gibt weiß ich auch, aber wo bitte gibt es die nicht? Parteien in denen nach 1945 jede Menge Altnazis untergekommen sind sollten bei solchen Themen ohnehin die Fresse halten. Außerdem sind die Reden von Gysi zum Teil enorm unterhaltsam, dass ist wenigstens ein Bonuspunkt.
Den hat aber auch die Partei, Sonneborn ist eigentlich sogar gut für zwei Bonuspunkte, der Mann im Bundestag und ich würde die Sitzungen aufzeichnen. Leider teilen garantiert keine fünf Prozent der Wähler meinen Humor, deswegen muss ich mir keine Gedanken um Bundestagssitzungen machen, die bleiben so öde wie immer seit Herbert Wehner tot ist.
Bleiben noch die Piraten. Aber will ich auf Twitter lesen wenn Mutti in der Nase bohrt? Ich guck ja schon keine Länderspiele mehr, weil mich der Anblick ihres Torjubels so erschreckt. Gelänge es tatsächlich ein paar wirklich fitte Piraten in den Bundestag zu bekommen könnte das durchaus unterhaltsam sein, war es bei den Grünen anfänglich auch, bis Joschka die Turnschuhe auszog. Wie bei allen Parteien sind es zwar die Vollidioten die gleich auffallen, aber solange sie sich nicht durchsetzen geht's doch.
Der Rest ist noch unwählbarer, entweder Comedy oder Drecksfaschisten, die merkwürdigerweise unbehelligt volksverhetzende Drecksplakate aufhängen dürfen, obwohl an anderen Stellen schon bei harmlosen Fahnen ein Heidenaufstand gemacht wird.
Ich kann mich nicht entscheiden. Alle doof
Vielleicht schreib ich den letzten Satz einfach auf den Wahlzettel.
Bei Musik kann ich mich entscheiden, aber da gibt es ja auch Spitzenklasseauswahl: Paul Weller - Stanley Road
Mittwoch, 18. September 2013
Der Held von Quatsch
Es war anfänglich schon sehr mühsam, wenn ich so zurückdenke, an die Flucht aus dem Knast. Mit Hosen aus Sackleinen, dünnen Sandalen, einem geklauten Schwert und einem geflickten Lederpanzer habe ich mich aufgemacht die Welt zu retten. Mich mit Ratten und Banditen herumgeschlagen, für ein paar Goldstücke in der Arena gekämpft, die Wunden geleckt und bei vielen Geschäften draufgezahlt. Mit einem geliehenen Gaul bin ich in die entlegensten Ecken geritten, durch dichten Wald und über eisige Höhen, ohne die mindeste Aussicht auf einen halbwegs sicheren Schlafplatz.
Vier Monate später begegnen mir die Leute mit Hochachtung, ich werde auf der Straße freundlich gegrüßt, als Großmeister der Arena erkannt oder als Erzmagier der Magiergilde um Rat gefragt. Oft genug sprechen mich unterwegs Frauen und Männer an und fragen "Seid ihr nicht der Held von Kvatch? Der das Tor nach Oblivion schloss und die Stadt vor dem Untergang rettete?"
Blöderweise hört sich Kvatch ausgesprochen nach Quatsch an, was es ja letztlich auch ist. Trotzdem haben diese vier Monate Quatsch eine Menge Spaß gemacht, ich reite den schnellsten Hengst des Landes, besitze sieben Häuser (von denen ich allerdings nur noch die Villa in Skingrad öfter besuche) und schlafe in den Chefzimmern der Gilden, denn ich bin nicht nur Erzmagier, auch der Kämpfergilde stehe ich vor.
Das ist mir keineswegs in den Schoß gefallen, was laut Statistik etwas über 3000 Kreaturen und Personen bezeugen könnten, die nähere Bekanntschaft mit meinem Schwert oder Bogen gemacht haben. Man kann aber auch die junge Dame in Chorrol fragen, die mir heute noch um den Hals fällt, weil ich sie aus dem Klauen dieser Vampirsekte befreit habe. Oder die verschollenen Brüder, die ich erst wieder zusammengebracht habe, um dann noch ihre alte Farm von stinkenden Bestien zu befreien. Auch dort bin ich jederzeit willkommen. Selbst der arrogante Sohn des Grafen von Cheydinhal verdankt mir seinen heilen Arsch, dabei hätte ich dem Spinner ganz gerne einen Tritt verpasst. Der Alte hat mir zur Belohnung immerhin die Dornenklinge geschenkt, auch wenn die nur als Deko ein Regal meiner Villa ziert, ein nettes Schwert.
Heute würde ich so etwas nicht mehr verwenden, denn mit dem Seelenfänger Umbra besitze ich die schärfste Klinge überhaupt. Als sentimentaler Hund, der ich nun einmal bin, habe ich natürlich alle Schwerter aufbewahrt, die mich durch die schweren Zeiten gebracht haben. Bis auf das erste, das ist irgendwann zerbrochen, liegen alle in der Vitrine der Rosendornhalle in Skingrad. Natürlich vollständig und eigenhändig repariert, was mir als Meister der Schmiedekunst inzwischen sehr leicht fällt.
Etwas schwerer fallen wird mir das Ende, denn die weltvernichtenwollenden Oberbösewichter brauen immer noch ihr dunkles Süppchen. In das werde ich aber demnächst ganz gewaltig spucken, mittlerweile trage ich keine Sackleinenhosen und auch keine Sandalen mehr, ich kann mich wehren.
Wie bei jedem guten Anziehpuppenspiel hat sich auch mein Äußeres inzwischen ein wenig verändert. Eleganter geht eigentlich nicht mehr wenn man auf schwere Rüstung setzt, ein untrügliches Zeichen für das bevorstehende Ende der Handlung.
Das ist bei guten Spielen ähnlich bedauerlich wie bei guten Filmen, da wünscht man sich schnell eine eben so gute Fortsetzung. Die gibt es zwar, aber leider würde mich das volle Vergnügen etwa 300 Euro kosten. Filme sind deutlich günstiger, dafür braucht man keine neue Grafikkarte.
Für Winamp reicht es aber noch: Mama Rosin - Bye Bye Bayou
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