Freitag, 30. August 2013

Der alljährliche Pflaumenpfannkuchenerinnerungseintrag















Um es für die Nachwelt (und vor allem für mich als Gedächtnisstütze) festzuhalten, möchte ich nur darauf hinweisen, dass ich mich an diesem Wochenende ähnlich einseitig ernähren werde wie am letzten. Da gab es auch drei Tage hintereinander Pflaumenpfannkuchen, weil die Dame vom Obsthof so nett war, aus dem großen Korb mit gemischten Pflaumen genau ein Kilo Bühler auszusortieren.

Der praktische Nebeneffekt: Ich weiß jetzt auch ganz genau wie viel Pflaumen ich für drei Pfannkuchen brauche. Dank der jährlichen Gedächtnisstützen habe ich es auch endlich drauf, ab Mitte August nach Bühler Zwetschgen zu suchen. Kann also nichts mehr schief gehen, solange Verbrecherorganisationen wie Monsanto ihre Griffel nicht im Pflaumenanbau haben.

Dank eines guten Freundes begleitet mich musikalisch die Mickey Hart Band - Superorganism

Dienstag, 27. August 2013

Montagsvisionen















Vorspiel
Mein neues Motto für Montagsspiele: Wer keinen Stress hat, der macht sich welchen. Mehrmals dödelt das Handy und informiert mich über die Ankunftszeit von Mudder und Schwesterherz, die scheinbar damit rechnen vom Flughafen abgeholt zu werden. Der Flieger aus Edinburgh landet pünktlich um 16:15, mal kurz die Zeit berechnet und losgefahren, sollte locker reichen, nach Fuhlsbüttel brauch ich nur eine halbe Stunde.
Heute natürlich nicht, es ist unglaublich, ich komme keinen Meter vorwärts. Egal welche Schleichwege ich versuche, überall ist Stau. Durch die Verzögerung bei der Gepäckausgabe komme ich zwar pünktlich, aber der Rückweg ist ähnlich grausam, die Stadt leidet unter akuter Verstopfung. Als ich die beiden abgeliefert habe hetze ich schon wieder mit unzulässiger Geschwindigkeit zurück, an der Tanke ein kurzer Aufenthalt, eine Tüte Fisherman´s Friend besorgen. Beim Spiel gegen Bielefeld war ich völlig ausgetrocknet, das war mir eine Lehre. Wenn es schon kein richtiges Bier gibt, dann müssen Halspastillen helfen, und gegen Dünamo gibt es ganz sicher kein richtiges Bier.

Endlich zu Hause schaffe ich es gerade noch eine Sportzigarette für unterwegs zu basteln, die Klamotten in braun-weiß zu wechseln und den Bus zu verpassen. Irgendein Honk hat die Baustellenampel so eingestellt, dass der inzwischen wieder pünktlich fährt, man muss wirklich mit allem rechnen.

In Bus und Bahn treffe ich vielleicht noch ein knappes Dutzend Fans, untrügliches Indiz für akutes Scheißeichbinzuspätdransymptom, was für Schweißausbrüche, laufendes auf die Uhr gucken und zwanghaftes Kopfrechnen sorgt. Eine Viertelstunde vor Anpfiff ist am Eingang tote Hose, ich kann mir den Abklopfer aussuchen, doch dahinter staut es sich, weil die alten Kartenabreißer einfach effektiver gearbeitet haben als dieses dämliche elektronische Einlasssystem. Ich hetzte die Treppen hoch und renne beinahe einen Mann mit Bierfass um. Einen von drei Bierfassmännern. Hier? Heute? Bierfassmänner? Gegen Dünamo?

"Ist da etwa Vollbier drin?" frag ich ihn. "Ja sicher" erwidert er. Habe ich so ein schlechtes Gedächtnis? Gab es gegen die Spacken schon mal Vollbier? "So sicher fand ich das jetzt nicht" sag ich, "dass es gegen Dresden Alkohol gibt." Er grinst mich an. "Die Dresdner kriegen auch keinen."

Meine Fresse, das verschlägt mir glatt die Sprache. Ich hab mich ja schon immer gefragt, wieso wir kein Bier kriegen, wenn die Gäste sich nicht benehmen können. Hat da tatsächlich mal jemand drüber nachgedacht bei der Behörde für Stadionbierverbote? Ein frisches Pils in der Hand bin ich fünf Minuten vor Anpfiff auf dem Platz, muss den Becher aber sofort Herrn L. in die Hand drücken, um den Stinkefinger auf der Südtribüne zu fotografieren, ins Fernsehen kommen die damit nicht.
Die Gegengerade singt sich derweil warm, ganz schön laut heute Abend. "Was'n hier los?" frag ich Herrn L. "Es gibt Bier" ist die lakonische Antwort. Stimmt, hätte ich selber drauf kommen können. Mein Bier hat jedenfalls deutlich abgenommen, als ich es wieder in Empfang nehmen kann, wieso hat der sich nicht selber eins geholt? Kamera wegpacken, Stimme ölen, es geht los.

Spiel (1)
Wer zu spät kommt muss erst mal sortieren. Wer steht eigentlich auf dem Platz? Boller wieder dabei, schön. Buchti, Fin, Ratsche und Verhoek wieder in der Startelf, die Abwehrkette wie gehabt, alles gut. Wir gleich im Vorwärtsgang, der Ball segelt im Dresdner Strafraum herum, auf einmal brüllen alle Hand! Elfmeter! nur ich sehe nix, weil Bartels direkt davor steht. Könnte aber Hand gewesen sein, nen Elfer gibt es trotzdem nicht.

"Das 1:0 fällt in der sechsten Minute" sagt mein Nachbar. Naja, hoffentlich auf der richtigen Seite. Erster Eckball für Dresden, nicht so gut. Kurz darauf wird Ratsche gelegt, Freistoß für uns, die Stadionuhr zeigt fünfdreißig. "Das könnte was werden mit dem 1:0 in der sechsten Minute" sag ich, und der Nachbar strahlt. Leider taugen seine Visionen nichts, die sechste Minute vergeht ohne Treffer. Die zehnte Minute auch und alle anderen Minuten, in denen Gonther, Verhoek, Thy und andere versuchen, die Pille irgendwo im Kasten zu versenken. Wir sind deutlich am Drücker, Dresden kommt selten vor unser Tor, aber es fehlt das Glück, die nötigen letzten Zentimeter, es fehlt das Tor, das dem Spiel unserer Jungs die nötige Würze verleihen würde. Zwei bis drei etwas brenzlige Situationen für uns, weit mehr für die Dünamos, das sollte irgendwann für etwas Zählbares reichen. Dann geht Lenny Thy in den Strafraum und wird von nem Dresdner gelegt, den Handelfer hab ich nicht gesehen, den hier schon, doch wieder bleibt der Pfiff aus. Der Schiedsrichter leitet das Spiel bis dahin eher unauffällig, aber das geht mir auf den Sack jetzt. "Welcher Blödmann ist das?" frag ich Herrn L., aber der war nur drei Minuten vor mir im Stadion und weiß ähnlich viel. Wir sind bis zum Pfiff weiter am Drücker, aber wenn etwas durchkommt in der richtigen Richtung, dann hat der Dresdner Keeper immer noch nen Finger dran, es ist zum aus der Haut fahren.

Zwischenspiel
Herr L. macht keinerlei Anstalten Bier zu holen, auf meinen auffordernden Blick gesteht er verschämt, kein Geld dabei zu haben. Am Wochenende hat er dafür in einem Wolfsburger 5 Sterne Hotel logiert und sein neues Auto abgeholt, kein Wunder wenn man da etwas klamm ist. Also mache ich mich auf für Getränke zu sorgen, was hier oben ziemlich schnell erledigt ist, sehr viele Halbzeittapeten dürfte ich nicht verpasst haben. Die Zeit vergeht im Fluge, sie spielen wieder Depeche Mode. Hoffentlich hat diese Mode bald ein Ende, ich will Cock Sparrer wiederhaben.

Spiel (2)
Kein Grund zu wechseln, die Mannschaft kommt unverändert aufs Feld und nur zwei Minuten später setzt Halstenberg einen Hammer an den Pfosten, so eine Scheiße, hätte der nicht mal sitzen können? Endlich mal ein Ball, an den der Torwart nicht rankommt, und dann fehlen wieder ein paar Zentimeter. Wir sind weiter drückend überlegen, aber Dresden gefährlich bei Kontern. Torre wieder sehr kompromisslos und energisch, ich liebe seine Spielweise, heute sogar ohne Karte. Zehn Minuten später der erste Wechsel, Boller geht für Kringe. Kann man machen, so doll läuft das heute nicht beim Käptn. Schachten ist auch ein halbes Jahr ausgefallen nachdem er Vater wurde, hoffentlich gehts bei Boll schneller vorbei mit dem Babygeschrei.

Inzwischen läuft Fin Bartels mit Kopfverband herum, keiner hat was gesehen, aber der Turban wird wohl einen Grund haben. Herr L. findet das super "Jetzt kann ich ihn viel besser erkennen."
Der Turban hindert Fin nicht weiter an seinem Spiel, er wuselt weiter mit Ratsche im Mittelfeld herum wie vorher, wir kommen weiter zu Chancen. Eine nach der anderen, Verhoek verpasst, kommt zu spät, setzt den Ball neben das Tor, ich krieg echt Pickel hier oben.
Dresden wechselt Ouali ein und der Name erzeugt sowohl bei mir als auch bei Herrn L. ein sehr unangenehmes Gefühl. Ou Ali. Wenn das man gut geht. Geht es nicht.

Der wird gleich gefährlich der Ouali, und der anschließende Eckball ist von hier aus wunderbar zu sehen. Fast wie in Zeitlupe sehe ich einen Dresdner im Strafraum hochsteigen. Einen mit Vollbart, mein Adlerblick erkennt jede Falte seines angestrengten Gesichtes, der bleibt in der Luft stehen, der will überhaupt nicht mehr runter, er ist der einzige Spieler im Strafraum der schweben kann und er trifft die Kugel voll. 0:1 Dresden.

Ich könnte kotzen. Was für ein Segen, dass man von hier aus den Dresdner Fanblock nicht sehen kann, wie sie feiern, als ihre Spieler auf den Block zustürmen. Kotzenkotzenkotzen. Schluck Bier nehmen. Brüllen. Forza verdammte Hacke, das darf alles nicht wahr sein. Die Luft brennt für knappe zwei Minuten, dann explodiert das Stadion, weil Kringe einen Freistoß von Buchti in den Winkel zirkelt. Woohoo 1:1 DAS war mal die richtige Antwort.

Jetzt brennt die Hütte richtig, noch knappe zwanzig Minuten zu spielen, Zeit für die zweite Luft. Auf dem Rasen ist weiter Hochspannung, Dresden wechselt erneut, Poté kommt. Noch so ein Name, der bei Herrn L. und mir Unbehagen auslöst. Doch es ist wieder Ouali der Probleme bereitet, Nehrig senst ihn um an der Strafraumgrenze, leider auf der falschen Seite der Linie. Scheiße ungerecht trotzdem wenn man zweimal keinen bekommt. Eigentlich könnte Tschauner auch mal einen Elfer für uns halten. Das denke ich zwar, trau mich aber nicht es auszusprechen. Vielleicht hätte er ihn dann nicht gehalten, so springt er in die richtige Ecke und lenkt das Ding um den Pfosten. Philipp Tschauner Fußballgott! Sogar die eher ruhige Nachbarschaft hier oben gerät langsam in Ekstase, endlich kann man mal stehen bleiben. Aufrecht kann man besser brüllen und wir brüllen die Jungs nach vorne in den letzten Minuten. Ratsche geht für Nöthe, vielleicht trifft der ja.

Noch drei Minuten auf der Uhr, da wird Buchtmann gelegt. Wieder eine gute Entfernung eigentlich, aber leider bleibt er ziemlich lange liegen. Der Turbanträger geht inzwischen vom Platz, Bartels raus, für ihn kommt Sebastian Maier. Herr L. stößt mich an und schreit: "Der macht ihn jetzt rein, das wird wieder so 'ne typische Sankt Pauli Geschichte." Irgendwie haben die Leute alle zu viel Visionen heute, muss am Montag liegen. Vielleicht ist ja auch Vollmond.
Tja, und der Rest ist halt wieder so eine typische Sankt Pauli Geschichte. Ein kurzer Blick, zwei drei Schritte zurück, Anlauf und rein das Ding. Sebastian Maier, 19 Jahre alt, macht das 2:1, macht den Siegtreffer und versetzt 28000 Menschen in einen Freudentaumel. Wieder mal ein Spiel, an das man sich noch Jahre erinnern wird, wieder mal ein Spiel, bei dem man weiß warum man zum Fußball geht. Und warum man genau in dieses Stadion geht. Wegen der Visionen.

Den Sitzplatz werde ich möglicherweise in der nächsten Saison trotzdem gegen Hardcorestehen eintauschen, denn auf der vom Verein übermittelten Warteliste für Dauerkarten stehe ich, juhuu, auf Platz 1 bis 200. Drückt mir die Daumen nächstes Jahr.

Nachspiel
Es macht Spaß die Jungs auf dem Platz feiern zu sehen, das ist eine feine Truppe, die werden uns noch viel Spaß machen. Die werden sicher auch noch das eine oder andere Gurkenspiel abliefern, aber für die Zukunft bin ich ganz optimistisch, das wächst sich zurecht. Herr L. mahnt zum Aufbruch und ist dann ganz verblüfft, dass ich trotz Vicky Leandros nicht aus dem Stadion flüchte. Das ist wohl die Altersmilde, nach solchen Spielen stört mich sogar Vicky L. nicht sonderlich. Trotzdem irgendwie enttäuschend, dass Boller da als Mannschaftskapitän nicht interveniert. Andererseits, besser Vicky als Eye of the Tiger oder Final Countdown, es geht immer schlimmer, wer weiß was sonst noch in der Mannschaft schlummert.
  
Noch ein Bier vor dem Stadion und ab nach Hause, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Auch Scheißmontage können manchmal Spaß machen.

Macht auch Spaß: Social Distortion -  Somewhere Between Heaven And Hell/Hard Times And Nursery Rhymes













Sonntag, 25. August 2013

Der Lack ist ab















Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Hamburg ist das Schiffegucken, man greift sich eine Pulle Bier, setzt sich irgendwo an den Elbstrand und träumt den Schiffen hinterher. Dafür reichen eigentlich Containerfrachter oder Kümos, aber mittlerweile laufen hier beinahe täglich Kreuzfahrer ein und aus. Wobei den Grinsemäulern der Aida-Flotte längst nicht so viel Aufmerksamkeit zuteil wird wie der Queen, obwohl es nur Mary 2 ist.
Ob das an dem ewige Hype der Hamburger Boulevardpresse liegt, die detailliert über jede Dockvisite schreibt, als käme eine leibhaftige Königin zum Schönheitschirurgen, oder nur am morbiden Charme, den schwarze Kreuzfahrer seit dem Untergang der Titanic irgendwie verströmen, das wissen die Götter. 

Bei einer der ersten Besuche bin ich diesem Hype noch erlegen, habe mich für ein paar Fotos aufgerafft und den Versuch dann abgebrochen, weil gefühlte fünfzig Prozent der Bevölkerung die gleiche Idee hatte. So überzeugend finde ich die Rußschleudern nun auch nicht.

Aber wie es der Zufall will lese ich am Samstag in der Zeitung, der Kahn ist wieder da und läuft heute aus. Da ich den ganzen Freitag schon in Nienstedten herumgelaufen bin für meine Stadtteilserie, und mir für den nächsten Tag die Reste inklusive Hirschpark vorgenommen habe, könnte man das für ein Motiv ausnutzen. Mir schwebt auch ganz genau die Stelle vor, erhöhter Blickpunkt über dem Blankeneser Jollenhafen, mit Bank, falls es länger dauert. Der schöne Ausblick von dort wird etwas getrübt, durch die Hallen von Airbus auf der anderen Elbseite, ein wirklich großes Schiff könnte dieses Manko zumindest auf dem Foto beheben.

Mit dem Stadtteil werde ich heute fertig, für den Hirschpark reichen ein paar schöne Bäume und grüne Tümpel, dann setze ich mich auf die Bank zu einem älteren Ehepaar. Das Licht ist prima, in einer halben Stunde sollte die Kiste hier vorbeikommen, das passt.

In der halben Stunde gibt es ein paar Frachter und einen Containerriesen, ideal für ein paar Testaufnahmen. Inzwischen sitzt links neben mir ein weiteres Paar, das extra für den schwarzen Riesen gekommen ist. Es tut sich was, es tutet. Die Scharhörn tuckert vorbei, gefolgt von einem der größeren Hafenrundfahrer, dann tutet es lauter. Es ist aber nur eine der Aidas, trotzdem gut für weitere Testaufnahmen, das Licht hat sich ohnehin leicht verändert.

Eine weitere halbe Stunde und etliche Frachter später ist die Bank voll, obwohl das ältere Ehepaar uns verlassen hat. Zwei weitere Hobbyfotografen müssen stehen, rücksichtsvoll verziehen sie sich aus meiner Schusslinie und bauen am Rand Stative auf. Der Grund ist mir nicht ganz klar, denn zu lange Belichtungszeiten verbieten sich eigentlich bei bewegten Motiven, aber was weiß ich schon. Vielleicht werden es Nachtaufnahmen, der Kahn lässt sich nicht blicken, das gute Licht ist mittlerweile eh weg, mein Hintern schmerzt von der blöden Holzbank und ich verliere langsam die Geduld an dem ganzen Blödsinn, da tutet es wieder. 

Deutlich lauter als vorhin, was den alten Herrn neben mir in helle Aufregung versetzt. Letztes Jahr war er noch selber an Bord, wie ich aus den Gesprächen mit seiner Tochter entnehmen kann. Das Licht ist nahezu vollständig verschwunden, aber die zehn Minuten machen den Kohl auch nicht fett, also bleib ich sitzen. Die Bank ist voll, am Rand stehen weitere Schaulustige, es wird eng hier oben. Die jungen Leute verziehen sich mit ihren Kaltgetränken hinter die Brüstung, setzen sich ins Gras und recken hektisch ihre Smartphones gen Himmel. Was ich erst für einen gigantischen Schwarm schwarzer Vögel halte entpuppt sich als ziemlich große Menge an Luftballons, die man auf der Terrasse des Hotels Jacob fliegen ließ. So eine Königin kommt halt nicht mit der obligatorischen Luft- und Lärmbelästigung aus, da muss noch Plastikmüll mit bei.  

Für die Lärmbelästigung ist, neben der königlichen Tuterei, eines der Begleitschiffe zuständig. Für die Leute an Bord und alle Anwohner von Sankt Pauli bis nach Blankenese gibt es Zwangsberieselung mit Discoschlagerdancegrauen, dem ich liebend gerne ein Ende bereiten würde. If I had a rocket launcher...

 Zehn Minuten später ist der ganze Zirkus vorbei und ich denk mir, so langsam ist der Lack ab. Abgesehen von der schieren Größe sieht der Kahn schon ganz schön schäbig aus, ein neuer Anstrich wäre dringend nötig. Oder ein Eisberg.

Noch voll im Lack: Massive Attack - Live @ Melt Festival 2010

Freitag, 23. August 2013

Baumbart..




















..ist ein verdammter Exhibitionist. Und manche Menschen in manchen Stadtteilen haben Gärten....

Für die Regenwälder Fotofetischisten: Nikon 18-105mm Plasteobjektiv, 62mm Brennweite, Blende 10, roh therapiert und ausnahmsweise gerahmt.

Mittwoch, 21. August 2013

Sockenfressersocken















Wie man sehen kann, sind nicht immer Waschmaschinen die Übeltäter. Nur, dass Sockenfressersocken die Socken gleich paarweise fressen. Deshalb fällt es meist erst auf, wenn man mal wieder richtig kalte Füße hat.

Montag, 19. August 2013

Hirnlos in der Tiefgarage















Frauen können nicht Autofahren. Das habe ich vor dreißig Jahren, bei entsprechenden Diskussionen mit der äußerst emanzipierten weiblichen Verwandtschaft, gerne mal in die Runde geworfen. Weil ich die sofort einsetzende große Aufregung zu schätzen wusste, Diskussionen ohne reaktionären Gegenpart sind einfach enorm langweilig. Hatten sich die ersten Emotionen wieder gelegt, konnte ich das wunderbar begründen. Sechs Blechschäden, allesamt verursacht von Frauen, standen auf der Habenseite. Zwei davon waren nahe am Totalschaden und einer so dämlich, dass man eigentlich eine versteckte Kamera hätte suchen müssen. An abschüssigen Straßen halte ich seither mindestens doppelten Abstand.

Das war damals reine Provokation und eine blöde Verallgemeinerung obendrein, denn natürlich weiß ich es besser. Ich kenne mehr Frauen als Männer, bei denen ich mich mit einem guten Gefühl auf den Beifahrersitz setze. Einige davon fahren auch einen ziemlichen Stiefel, aber das stört mich nicht, weil ich weiß dass sie es können. Und nach meinen letzten beiden Totalschäden, beide innerhalb 14 Tagen von Männern verursacht, ist es mit der bequemen Begründung eh vorbei.

Außerdem mögen Frauen vielleicht hier und da Probleme mit dem Einparken haben, was aber lange nicht so gefährlich ist wie die komplette Abwesenheit von Hirnsubstanz. Die konnte ich neulich bei jemandem bewundern, der sich in der Tiefgarage des örtlichen Einkaufzentrums durch quietschende Reifen und Kurzstreckenbeschleunigungen bemerkbar machte, und da weiß man nach den ersten Geräuschen schon, das kann nur ein Mann sein. Keine Frau wäre jemals so bescheuert, in einer Tiefgarage ein 4 mal 50 Meter Beschleunigungsrennen zu fahren, nur um Lärm zu machen.

War natürlich auch ein Mann, oder zumindest so ein halber, mit Halbfrisur und einem Testosteronwert weit jenseits des Üblichen, der ihn scheinbar hoffnungslos überfordert hat. Wer nicht weiß wohin mit seiner Kraft, der sollte vielleicht lieber Fahrrad fahren. Die Bereitschaft zur Einsicht ist bei den sehr einfältigen Menschen leider selten vorhanden.

Es kann also nur am Testosteron liegen, wenn Männer sich doch als die schlechteren Autofahrer erweisen. Oder daran, dass Schakkeline nie den Führerschein macht, weil der Käwwin sie ohnehin nicht an das Lenkrad seines Dreiers lässt. 


Frauen können (unter anderem) tolle Musik machen: Alela Diane - About Farewell


Donnerstag, 15. August 2013

Teufel und Beelzebub















Fenchel ist mir in unguter Erinnerung, Junior bekam damals immer Fencheltee bei irgendwelchen Erkältungen, gruseliges Zeugs. Anis bekomme ich seit ungefähr zehn Jahren nicht mehr wirklich runter, nur weil der Grieche beim damaligen Gelage keine Lust mehr hatte seine Lokalrunden einzuschenken, und kurzerhand ein paar Flaschen Ouzo auf den Tisch stellte. Und Kümmel ist seit je her ein ekelhaftes Zeug, wenn in einer Laugenbrezel auch nur ein Kümmelkorn eingebacken ist, ich beiße garantiert genau drauf, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Davon abgesehen hielt ich Tee schon immer für ein Scheißgesöff. Aber wenn man 48 Stunden lang unterwegs aufs stille Örtchen ist, in 30 Minuten Abstand, dann muss man seine Grenzen überwinden. Das nennt man dann wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, die letzte Urlaubswoche habe ich mir deutlich anders vorgestellt.

Leider hat es nicht gereicht mich bis heute auf die Beine zu bekommen. Ausgerechnet heute, wo ich mit dem Herrn Ärmel auf fotografische Exkursion in Hamburg hätte gehen können, bei allerschönstem Wetter, blauer Himmel, Sonne, nicht zu warm, beinahe perfekt alles. Ich hätte echt kotzen können, wäre noch was drin gewesen im Magen.

Dass ich überhaupt in der Lage bin, das hier zu schreiben, liegt einzig und allein an einem anderen Hausmittel, dass ich leider viel zu spät beachtet habe. Es entkrampft spürbar, belastet weder Magen noch Darm und eigentlich, finde ich, riecht und schmeckt es auch ganz gut. Es ist nur leider völlig kontraproduktiv, wenn man sich seit drei Tagen nur von Zwieback und Ekeltee ernährt.

Was für ein Glück, dass meine übervorsorgliche Krankenschwester mich mit zwei Familienpackungen eingedeckt hat, mit einem ganzen Kilo Zwieback werd ich schon nicht verhungern.

Welche Fotos ich heute hätte machen können, kann man bestimmt demnächst hier sehen. Derweil tröste ich mich, inspiriert von Inchs großartigem Greyhoundtrip, mit linksökologischer Cowboymusik von Donna the Buffalo - Tonight, Tomorrow and Yesterday.  Eine Scheibe die sich schon lohnen würde, wäre da nur Why You Wanna Leave Me drauf.