Montag, 23. Mai 2016
Kein Festival mehr ohne Wiese
Geht man von der Menge der Eintrittskarten an meiner Pinnwand aus, wäre das Immecke Open Air eindeutig mein Lieblingsfestival. Das liegt weniger am Festival und weit mehr am Rahmenprogramm und seinen Protagonisten, mit denen man auf dem Immecke normalerweise gemütlich auf der großen Wiese lümmelt, die Sonne genießt, etwas trinkt, etwas quatscht und ab und zu, wenn von der Bühne taugliche Klänge an die Ohren dringen, nach unten latscht, sich die Band etwas genauer ansieht, ein paar Fotos macht, ein neues Bier holt und wieder auf die Wiese geht. Chilliger geht's nimmer, selbst wenn die da unten drei Stunden Skapunk am Stück spielen..
Aber was macht man, wenn der Regenwald seinem Namen alle Ehre macht, die Wiese weder zum Sonnen noch zum Sitzen geeignet ist und sogar schottische Elfen ihre Gitarre in der Regenjacke zupfen müssen? In den trockenen Phasen kann man zwischen Bierstand und Bühne hin- und herwandern, bei offenem Himmel erweist es sich als Glück, dass bei dem Wetter nicht einmal halb so viele Besucher da sind, man findet unter den paar Dächern immer noch einen Platz. Der Hühnerbaron ist begeistert. "Immecke bei Regen is viel besser" sagt er "das hab ich gehofft, woll. Bei Regen isses immer schön kuschelig." Wenn ich überleg, was so die letzten Jahre bei Sonnenschein hier los war, dann hat er diese Meinung ziemlich exklusiv.
Wir sind spät gekommen, auf der Bühne stehen Eradicator aus Olpe (woll), dreschen Metall und bangen dabei ihre Heads, dass sich das für ein paar Fotos geradezu anbietet. Reihe eins vor der Bühne ist noch frei, die Reihen zwei bis acht sind besetzt von ein paar wild springenden Möchtegernpunks, die sich zwar nach jeder Rammaktion höflich entschuldigen, aber das Fotografieren zu einem schmerzhaften Abenteuer machen. Thrash Metal ist ja eigentlich nicht so meins, aber was will man machen, ohne Wiese.
Eine Currywurst mit Pommes holen um die Wartezeit zur nächsten Band zu überbrücken und später als Nachtisch eine Waffel um die Wartezeit zur nächsten Band..... bis zu den Immecke Allstars muss ich durchhalten, die will der Pappenheimer unbedingt sehen und sogar analoge Fotos davon schießen, weil die jedes Jahr das Highlight sind, danach könnten wir dann auch gehen. Das ist noch lange hin. Ich mache ein paar Fotos der Apewards aus Marburg, die liegen mit ihrem bluesigen Riffrock eigentlich mehr auf meiner Wellenlänge als die Metaller, aber auch nach einer halben Stunde ist noch kein hitverdächtiges Blackmorematerial zu hören. Es zieht sich.
Glücklicherweise findet man hier genug Menschen die für etwas Ablenkung sorgen, den einen am Bierstand, den anderen vor der Bühne und den nächsten in irgend einer heimlichen Ecke, das hilft ein wenig die Zeit zu überbrücken und sogar eine Band komplett zu verpassen, bis es endlich so weit ist: die Immecke Allstars entern die Bühne. Endlich kocht das Publikum, dass inzwischen auf gut die doppelte Menge angewachsen ist, der Laden ist voll.
Höchstwahrscheinlich sind die ganzen alten Leute inzwischen vom Sofa gekrochen und wollen wenigstens IHRE Band nicht verpassen. Nach dem ganzen Ska-, Punk- und Metalkrach für die jungen Leute gibt es endlich mal was für das alte Regenwälder Hippieherz. Die größten Hits, von David Bowie über Deep Purple bis hin zu Simon & Garfunkel(!) und das alles mit ganz vielen elektrischen Gitarren, dargeboten in einer einzigartigen Rock& Roll Show von den Sauerländer Coverhelden, die inzwischen sogar eine Tournee in Schottland absolviert haben, wie auf einem T-Shirt zu lesen ist. Kilmarnock, Glasgow und Edinburgh, immerhin.
Nach fünf Minuten packe ich die Kamera wieder ein und gebe meinen Platz an der Bühne unvorsichtigerweise auf, weil ich die Jungs in den letzten Jahren schon in jeder erdenklichen Rock 'n' Roll Pose abgelichtet habe, das fängt an sich zu wiederholen. Natürlich ist das ein Fehler, weil zwischendurch drei lederbejackte langhaarige Jungspunde zu den alten Herren auf die Bühne springen und eine krachende Version von Led Zeppelins Rock and Roll abliefern, gefolgt vom Bad Boy Boogie. Mit vier(!) elektrischen Gitarren gleich, juchei, das macht Spaß.
Als es langsam in Richtung Zugabe geht, halte ich es für eine gute Idee zum Aufbruch zu drängen. So schnell, wie das hier voll geworden ist, wird es auch wieder leer - und dann gibt es garantiert kein Taxi. Der Pappenheimer ist empört, keinesfalls würde er vor der letzten Zugabe gehen. Er will laut Lalala singen, denn traditionell gibt es als letzte Zugabe den Passenger von Iggy Pop. Und alle:
Lalala la lalalala. Na gut. Einmal im Jahr kann man das machen. Wenn man danach seine müden Knochen vom Gelände schleppen dürfte, doch das erweist sich wieder einmal als Trugschluss, der Pappenheimer braucht noch ein Bier. Außerdem hat er wie in jedem Jahr noch zu viele Wertmarken, die er noch gegen Bargeld tauschen müsste.
Während er stundenlang am Tresen ansteht bekomme ich ein Bier spendiert von Leuten, die beim Bier holen scheinbar weit mehr Durchsetzungsvermögen haben. Eigentlich war ich gerade froh über den leeren Becher, aber wenn man auf jemanden warten muss ist ein voller doch von Vorteil. Die Umbauphase ist lange beendet, seit einer halben Stunde spielen Destination Anywhere, die das Unglück haben der Headliner des Festivals zu sein und damit nach den Allstars spielen zu müssen, dann ist endlich Aufbruch angesagt.
Das wenigstens gestaltet sich sehr viel einfacher als gedacht, nicht weniger als vier Mietdroschken warten am Wendehammer, wir haben die freie Auswahl. Wenn man sich bei einem Festival nicht mal auf eine Wiese setzen kann, dann kommt einfach keiner.
Wiesenfotos: Immecke Open Air 2016, Plettenberg, Sauerland, Nikon D90
Wiesenbier: Kehrwieder Southside Session, 3.0%
Wiesenmusik: Prince - 1999 / Diamonds and Pearls
Labels:
Arschkalt,
Fotosafari,
Freunde,
Konzerte,
Regenwald
Standort:
Plettenberg, Deutschland
Freitag, 20. Mai 2016
Blumenkinder
If you're going to Plettenberg, be sure to wear some flowers in your hair and auf jeden Fall irgend etwas gegen das Schietwetter, denn you're gonna meet some gentle people there, but have of course einiges an Regengüssen zu überstehen. Arschkalt, be sure.
Blumenkinderfotos: Immecke Open Air, Plettenberg, Sauerland
Blumenkinderdrink: Bulldog Dry Gin & Fever-Tree Premium Tonic
Blumekindermusik: Fanfare Ciocarlia - Onwards to Mars!
Labels:
Arschkalt,
Fotosafari,
Regenwald,
Typen
Standort:
Plettenberg, Deutschland
Donnerstag, 19. Mai 2016
Haarige Aussichten
Sehen? Wieso sollte ich was sehen wollen? Ich spiel mein Instrument blind Digga!
Eradicator, Thrash Metal aus Olpe, woll und Apewards aus Marburg, live auf dem Immecke Open Air 2016.
Haariges Getränk: Bulldog Dry Gin & Tonic
Haarige Musik: Faithless - Sunday 8PM / Saturday 3AM
Labels:
Auf Tour,
Fotosafari,
Konzerte,
Lötzinn,
Regenwald
Standort:
Plettenberg, Deutschland
Montag, 16. Mai 2016
Pfingstleuchten im Sauerland
"Es gibt Leute, die fahren über 800 Kilometer für das Festival" versucht der Pappenheimer den Dorfscheff zum Immecke Open Air zu überreden, "und Du kannst da eben zu Fuß hinlatschen!" Das kann ich so nicht stehen lassen. Dass ich seit Jahren über Pfingsten ins Sauerland fahre (und dafür dieses Jahr sogar schweren Herzens auf das letzte Heimspiel verzichtet habe), liegt keineswegs an der "Mutter aller Independent-Open-Airs", sondern an der traditionell am Vortage stattfindenden Vorglühparty beim Dorfscheff, an Grillkartoffeln mit Knoblauchsauce, an leckerem Vormann Alt vom Fass und ganz besonders natürlich an den netten Einheimischen, die das jedes Jahr wieder zu einem großen Spaß werden lassen, woll.
Dieses Jahr durfte ich mich im traditionellen Sauerländer "Nageln" versuchen, bei dem man einen möglichst großen Nagel mit möglichst wenig Schlägen in ein Stück Baum klopfen soll. Gott sei Dank nicht mit der Hand, auch Sauerländer nehmen dafür Werkzeug. Als doppellinkshändiger Handwerksversager kann ich da nur verkacken, die kriegen hier doch bestimmt schon als Säugling einen Hammer in die Wiege gelegt.
Aber denkste, die erste Runde geht an mich! Als erster den Nagel versenkt, yeah! Während ich mich noch am Siegerbier labe schleppt jemand neue Nägel an, von der Sorte, mit der man in der Wildnis wahrscheinlich Blockhäuser bauen kann, aus ganzen Stämmen. Zehn Minuten diskutieren die Fachleute, ob man dafür weiter den Zimmermannshammer benutzen, oder doch lieber gleich zum Vorschlaghammer greifen sollte. "Wenn Vorschlaghammer," sagt der Dorfscheff, "dann aber mit der Finne." Finne nennt man also die spitze Seite, schon wieder etwas gelernt, ich werd noch mal Heimwerkerkönig. Meine Trefferquote dürfte damit auf weit unter 10% sinken.
Glücklicherweise sind die Nägel Respekt einflößend genug, man einigt sich auf Vorschlaghammer und breite Seite. Mit der habe ich den Nagel auch irgendwann als Letzter drin, ohne mich dabei ernsthaft zu verletzen, was ja auch schon ein Erfolg ist.
Als die bewaldeten Sauerländer Bergrücken in der Abendsonne zu strahlen beginnen wie die Küste von Fukushima, versammelt sich die halbe Gesellschaft in den höheren Regionen des Grundstücks, um das Naturschauspiel zu genießen. Nur der Pappenheimer zögert noch, weil er wahrscheinlich wieder nur einen schwarz-weiß Film in der Kamera hat.
"Sowat siehste nur im Sauerland, woll" sagt jemand neben mir im Brustton der Überzeugung und ein wenig verstehen kann ich ihn schon, daher versuche ich gar nicht erst ihm zu erklären, wie Orangenplantagen in Portugal bei diesem Licht aussehen.
Ist ja auch schon schön hier unten, immer wieder, vor allem mit den richtigen Leuten.
Besonderer Dank gebührt natürlich wieder meinem exzessiven Gastgeber, der sich inzwischen sehr viel Mühe gibt seine Gäste nicht verhungern zu lassen. Selten so opulent gefrühstückt, damit kann man eine komplette Rückfahrt bestreiten...
Sauerlandleuchtefotos: Canon Powershot SX280 HS
Sauerlandleuchtebier: Liberty Ale, 5.9%, Anchor Brewing San Francisco
Sauerlandleuchtemusik: Fairport Convention - Liege & Lief / Unhalfbricking / What We Did On Our Holidays
Labels:
Auf Tour,
Feiern,
Freunde,
Lecker Drinks,
Lecker Futter,
Regenwald
Standort:
Plettenberg, Deutschland
Mittwoch, 11. Mai 2016
Einparkhilfe?
Braucht kein Mensch. Millimetergenau geht auch von Hand, wenn das Blech nicht so empfindlich ist.
Parkfoto: Avsallar, Alanya/Türkei
Parkbier: Wilderen Goud, Bierre Blonde, 6.2%
Parkmusik: Frank Zappa - One Size Fits All
Standort:
Avsallar/Alanya/Antalya, Türkei
Sonntag, 8. Mai 2016
Balkonwetterlagen
Wer dem Regen entfliehen will macht am besten Urlaub in der Türkei, da ist immer schönes Wetter. Bestimmt sogar schon im April, die haben schließlich dreihundert Tage Sonne im Jahr! Dreihundert!
Von den restlichen Tagen kann man im April schon mal einen oder zwei erwischen, aber so kommt wenigstens etwas Leben in die Balkonfotosammlung, immer nur blauer Himmel wäre ja auch stinklangweilig gewesen.
Balkonfotos: Avsallar, Alanya/Türkei
Balkongetränk: Tanqueray & Tonic
Balkonmusik: Frank Zappa, Captain Beefheart & The Mothers Of Invention - Bongo Fury
Donnerstag, 5. Mai 2016
Hamburg ist überall
In einer kleinen türkischen Stadt wie Avsallar dürften die Mieten deutlich günstiger sein als z.B. auf dem Hamburger Kiez. Wobei sich dieser Vergleich eigentlich verbietet, denn Avsallar hat zwar einiges zu bieten, aber ganz sicher kein Rotlichtviertel.
Dafür eine
Es sei denn man hält es für eine glänzende Idee, den ganzen Tag in der Sonne zu sitzen, Tee zu trinken, Saz zu spielen und mit den Nachbarn zu klönen. Auf jeden Fall machte der Chef dort einen ungeheuer entspannten Eindruck, trotz oder wegen der nicht vorhandenen Kundschaft. Möglicherweise habe ich einfach nur den falschen Job, ich hätte vielleicht tätowieren lernen und in die Türkei auswandern sollen.
Von den Türken kann man ohnehin eine Menge lernen, unter anderem wie man garantiert unkaputtbare St.Pauli Tags an Strommasten anbringt. Sollte man versuchsweise mal in Stellingen einführen.
Hamburgtattoofotos: Avsallar, Türkei
Hamburgtattoogetränk: Bombay Sapphire, Schweppes Tonic, Eiswürfel
Hamburgtattoomusik: Underworld - Barbara Barbara, We Face A Shining Future
Standort:
Avsallar/Alanya/Antalya, Türkei
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