Sonntag, 8. Februar 2026

Hurra, wir leben noch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit so wenig Erwartungen wie heute bin ich gefühlt noch nie zu einem Spiel gefahren. Was soll schon passieren? Die stehen halt oben in der Tabelle, gewinnen ein Spiel nach dem anderen und selbst wenn wir, wie so häufig, mal wieder gut mithalten können wird am Ende wieder irgendein Jamal oder Deniz seine individuelle Qualität auspacken und wir können einpacken. Ein Punkt gegen Stuttgart wäre schon ein Erfolg, aber wie wir alle wissen sind so kleine Erfolge zu wenig für die erste Liga.

Den großen Parkplatz vor dem Stadion könnte man in Heiligeneisfeld umbenennen, eine wilde Mische aus Schneeresten, Eis, sehr viel Matsch und trüben Rinnsalen, die das Überqueren zu einer halsbrecherischen Angelegenheit machen. Dafür will ich mich eigentlich mit Stadionpommes belohnen, bin aber wieder zu ungeduldig als ich den Andrang dort sehe. 

Die Erwartungshaltung bei der Bezugsgruppe ist ähnlich und auf merkwürdige Weise fast tiefenentspannt, denn sehr viel schlimmer kann es eigentlich nicht werden, aber besser geht immer. Also gucken wir uns erst mal an was die Jungs da fabrizieren heute, vielleicht überraschen sie uns ja und wenn nicht, dann halt das nächste Mal vielleicht. 

Fatalistisch, jetzt hab ich das Wort gefunden. Fatalistisch ist, wenn du in der Liga 12 mal auf die Mütze bekommst, aber höchstens die Hälfte davon verdient war. Da wird das irgendwann zur Normalität und man beginnt sich damit abzufinden. Der Fußballgott ist halt auch nur ein normaler Arsch wie alle anderen Götter auch.

Das beste Mittel gegen trübe Gedanken ist ein Fußballspiel. Die ersten zehn Minuten bin ich noch mit Gesang und Geschrei beschäftigt, dann setzt sich, noch etwas ungläubig  und überrascht, die Erkenntnis durch, dass wir das bessere Team sind. Erstaunlich viele Unsicherheiten bei den Stuttgartern, was ich so nicht erwartet habe. Wir haben die nicht nur weitestgehend im Griff, wir setzen auch offensiv Akzente und in der 35. Minute erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch: Ein Tor von Manolis Saliakas Fußballgott.

Lieblingsspielertore sind immer besonders geil, da freu ich mich immer noch ein bisschen mehr, wenn das überhaupt möglich ist. Eine Führung im eigenen Stadion noch dazu, endlich mal wieder die Hoffnung, das könnte diesmal vielleicht sogar für mehr als einen Punkt reichen, wenn wir so weiterspielen - und bis zum Halbzeitpfiff kriegen wir das auch hin.  

Zur zweiten Hälfte bringt Stuttgart Jamie Leweling, einer aus der Abteilung individuelle Qualität. Die größte Gefahr geht jedoch vorerst von Adam aus, der einen Ball an den eigenen Pfosten setzt. Kurz darauf schreit das halbe Stadion "Hand" im oder am anderen Strafraum - und nach kurzer Schiridiskussion mit dem VAR fällt die Entscheidung, es war im: Handelfmeter. Da kann man mal jubeln find ich.

Noch lauter gejubelt wird dann, als Danel Sinani Fußballgott den sicher verwandelt. 2:0. Zwei Tore! Was sich da für Möglichkeiten ergeben, man darf gar nicht daran denken. Jetzt nur keinen kassieren und die Stuttgarter zum Endspurt einladen. Eine wirkliche Zitterpartie wird das aber nicht, weil Undav seine eine Chance nicht nutzt und wir ansonsten so ziemlich alles wegverteidigen können, vor allem an Tomoya Andō ist kein Vorbeikommen.

Bis zur 90. Minute können wir ein Gegentor verhindern, dann ist es Leweling der verkürzt und uns damit sechs zusätzliche quälende Minuten verschafft. In denen sind wir um ein Abseitstor besser und gewinnen deshalb verdient.

Hurra, wir leben noch. Gefühlt die halbe Mannschaft verletzt, der Kapitän spielt 90 Minuten mit Schmerzen, der neue Japaner in der Abwehr spricht angeblich nur drei Worte Englisch aber macht ein Spiel, als wäre er seit drei Jahren der Abwehrleader bei St.Pauli.

Hurra, wir leben noch. Am besten nächstes Wochenende bestätigen, nicht dass es nachher heißt, das wäre das letzte Zucken gewesen..

 

Was sonst noch gut war:

Man könnte eine Wand im Stadion nach Tomoya Andō benennen.

Manos. Natürlich. 

Ich hab mich auch auf dem Rückweg nicht auf die Fresse gelegt. 

Was sonst noch schlecht war:

Bei 3 Punkten? Was soll da schlecht sein am Tag? 

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - VfB Stuttgart, Endstand 2:1

Tore dazu: Saliakas (35.) Sinani (55.) Leweling (90.)

Links dazu: Auf St.Pauli brennt noch Licht (Stefan Groenveld) Expect the unexpected (Millernton)

Musik dazu: 1001 Songs You Must Hear Before You Die, 131: Otis Redding - I've Been Loving You Too Long 

 












 

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