Sonntag, 23. April 2023

Schiffe gucken in der Luxusvariante

 









Eines der liebsten Hamburger Hobbys, den Schiffen im Hafen beim Aus- oder Einlaufen zuzusehen, ist normalerweise gleichzeitig eine der günstigeren Vergnügungen. Man sucht sich einen chilligen Sitzplatz irgendwo an der Elbe, macht sich ein Bier auf und guckt, wenn es was zu gucken gibt. An Sonn- und Feiertagen ist das leider meist nicht sehr viel und weil man seinem Besuch ja etwas bieten will, plane ich einen Ausflug, zum Willkomm-Höft, der Schiffsbegrüßungsanlage in Wedel. 

Dadurch kommt man mal raus aus der Stadt, zwar nur für wenige Kilometer (und für den Preis von dreißig vorherigen Kilometern durch-die-Stadtverkehr) aber: Ausflug! Raus in die Natur, zumindest in die unmittelbare Nähe und am besten mit Bedienung. Das Schulauer Fährhaus bietet nahezu alle Vorteile und dazu noch die WELTBEKANNTE Attraktion Willkomm-Höft, durch die das kleine Örtchen Wedel auf sämtlichen Seekarten auftaucht, was z.B. Mienenbüttel niemals schaffen könnte, wenn es ihnen nicht irgendwann gelingt Flugzeuge zu grüßen. Standortvorteile nutzen nennt man das.

Seit 1952 werden hier alle ein- und auslaufenden Schiffe mit einer Vermessung von über 1000 Grosstons mit ihrer Nationalhymne und in ihrer jeweiligen Landessprache begrüßt. Die Begrüßungskapitäne beziehen ihre Informationen angeblich aus über 17.000 Karteikarten, was bei einem Stromausfall ohne USV sehr hilfreich sein könnte, solange der Lautsprecher auch im Kurbelbetrieb funktioniert. Die Nationalhymnen liegen hoffentlich inzwischen im digitalen Format bereit, damit man die Tapes von Malta und Liberia nicht alle naselang austauschen muss.

Im Biergarten des Fährhauses vermitteln die diensthabenden Begrüßungskapitäne exklusiv per Lautsprecher noch allerhand wissenswerte Informationen über die Schiffe, ein für Amateurfremdenführer nicht zu unterschätzender Vorteil, dass man nichts erklären muss, von dem man selber keine Ahnung hat.

Hätte ich gewusst, dass man in dem vermeintlichen Lokal für den gepflegten Massenausflug keine Currywurst mit Pommes bekommt, wie in jedem gepflegten Dorfschuppen zwischen hier und Bremervörde, wäre die Planung vielleicht anders verlaufen. Die Wahl zwischen dem Deichburger für 20 Euro und der Seezunge Müllerin für 45 fällt nicht weiter schwer, ich nehm den Käsekuchen aus eigener Konditorei plus Cappucino für jeweils 4,90, das ist noch im Rahmen der Vernunft, von den Kalorien abgesehen.

Für die drei Pötte, die in den paar Stunden dort vorbei sind, hätte sich der ganze Aufwand mit der Kameraschlepperei nicht unbedingt gelohnt. Die zerdepperte Scheibe am Fähranleger allerdings, die hat wenigstens zwei Leuten an diesem Tag viel Spaß gemacht.


Fotos dazu: CMA CGM Sorbonne, Marseille - Willkomm-Höft - Schulauer Fährhaus - Scheibe - Elbe - Otto - Schiff / Nikon D7200

Musik dazu: Taxi Kebab - Visions al 2ard  

 








 



1 Kommentar:

  1. Direkt daneben ist eine Fischbude, ich weiß zwar nicht ob die Currywurst haben, aber Pommes hättest du da bekommen ;)

    Gruß, N.

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