Donnerstag, 30. Dezember 2010

Berlinale
















Geht es auf Silvester zu, kennen die Bäcker keine Gnade mehr. Mit viel Glück bekommt man am Mittag noch ein paar Restbrötchen, sofern man keine Ansprüche stellt, aber mit Berlinern wird man seit Montag an jeder Ecke zugeschmisssen. Hatte man früher meist nur die Wahl zwischen Zucker mit Apfelmus oder Zuckerguss mit Marmeladenfüllung werden die Konstruktionen immer abenteuerlicher, Caramel, Champagner oder Schokolade mit den absonderlichsten Füllungen, die meistens mehr versprechen als sie zu halten imstande sind, wobei der Anblick alleine schon ausreicht um Magenschmerzen zu verursachen.

Da später ohnehin noch ein wenig Urlaubsplanung anstand, hab ich auf Experimente verzichtet und mir den Hunger lieber für ein Moussaka Spezial in der Ahrensburger Taverna Santorini aufgehoben, in der uns vom Wirt augenzwinkernd ein Aschenbecher offeriert wurde, während seine Frau schon vor Vorfreude trällernd das inzwischen fast leere Lokal für die morgige Silvesterfeier schmückte. Sollte ich mal Silvester nicht wissen wohin, das Santorini kann kein schlechter Ort sein für den letzten Tag des Jahres. Selbst an ganz normalen Tagen versprühen die beiden immer einen kleinen Hauch von Big Fat Greek Wedding, sollte da mal eine griechische Hochzeit stattfinden wäre ich gerne dabei.
Und zu Silvester gibt es dort sicherlich auch schmackhaftere Snacks als quietschbunte Berliner.

Schreibmusik: DBWG Radio mit xs4all und Dorfscheff

Sonntag, 26. Dezember 2010

Weihnachtsvöllerei
















Zwei Tage konnte ich den weihnachtlichen Ausschweifungen entgehen, dafür kam es dann heute auch knüppeldick. Zuerst gelang es mir nicht, den Herrn xs4all von einem typisch portugiesischen Frühstück mit Tosta Mista, Nata und Galão zu überzeugen. Das wär ja nur Toast und überhaupt sei er es gewöhnt an Weihnachten zum (fast schon traditionellen) 16 Uhr Frühstück Fisch zu essen und Backwaren wären auch nicht so seins. Wat de Bur nich kennt...
So bestand mein Frühstück dann aus zwei Tosta Mista, während er sich mit einem Espresso und einem Galão begnügte, zu dem er sich dann wenigstens noch überreden ließ, der sah wohl ansprechend genug aus. Der anschließende Spaziergang durch Winterhude vertrieb mein Völlegefühl nur unzureichend, während der Regenwäldler ständig Ausschau nach einem Fischrestaurant hielt und schon mäkelte, dass es in Hamburg wohl nicht genug davon gäbe. Ich weiß nicht, ob man sowas noch als Déjà-vu bezeichnen kann, wenn einem das immer wieder passiert.

Mein Mitleid mit diesem Verächter der Natas hielt sich zwar in Grenzen, aber man kann seine Gäste ja nicht verhungern lassen, also hielt ich auf der Rückfahrt vor der nächsten fischigen Gelegenheit, dem El Pulpo in Wandsbek. Portugiese natürlich, was sonst. Super Fischgerichte, Seeteufel, Dorade, Schwertfisch, Seewolf - und was macht der Mann? Bestellt sich einen Tapasteller mit Calamares, Sardellen und gekochten Krabben, ohne vorher den Karola Petersen Krabbenpulerkurs gemacht zu haben, denn natürlich sind die in der Schale. Morgen sind wir da wieder verabredet, ich bin mal gespannt ob er schlauer geworden ist.

Da ich ungerne in einem Restaurant daneben sitze, mit nichts als einem Bier vor mir, fühlte ich mich eine Stunde nach dem Frühstück bemüßigt ebenfalls eine Kleinigkeit zu mir zu nehmen, also kamen zu den zwei Tosta Mistas noch eine gegrillte Chouriço, ein paar panierte Krabbenscheren und scharf gewürzte Kartoffelspalten dazu. Und schon platzen. Hinterher hätte ich noch drei Runden um den Block laufen können, besser wäre es nicht geworden.
Die zwei Natas, die ich natürlich aus dem Cafe Galão mitnahm, mussten dann noch ein paar Stunden warten.

Der Elch auf dem Foto hat mit der ganzen Sache nichts zu tun, der hängt über dem Elchhimmel in der Himmelstraße und weist darauf hin, dass man dort Elche aus Papiermaché kaufen kann, denen man das Material nicht ansieht, wir haben das für Metall gehalten.

Schreibmusik: Frank Zappa - One Size Fits All 

Freitag, 24. Dezember 2010

Oh mein Gott sie haben Jesus geklaut
















Die Hamburger Altmetallmafia schreckt auch vor nichts zurück. Nachdem vor einigen Wochen schon die hinter dem Ortsamt Rahlstedt stehende Eva brutal oberhalb ihrer Füße abgesägt wurde, hat man jetzt der Eimsbütteler Apostelkirche ihren Bronzeheiland gestohlen. Jesus klauen, und das am Tag vor seinem (wahrscheinlich) 2010ten Geburtstag, das wird doch mindestens mit drei Monaten Fegefeuer bestraft, und da ist  Eva, sollte es sich um die gleichen Diebe handeln, nicht einmal mit eingerechnet.
Vielleicht sollte man einfach keine Götzenbilder mehr aufstellen, denn eins steht wohl fest: Mohammed wäre das nicht passiert.

Das Foto zeigt nicht etwa die betroffene Apostelkirche sondern das Schloss Ahrensburg, mit dem ich ein wenig weihnachtliche Stimmung hier verbreiten möchte. Damit wünsche ich allen Lesern dieses Blogs, auch den Ungläubigen und den Kommentarverweigerern, ein paar schöne Feiertage und nicht zu viel Stress, denn dieses Wochenende ist leider auch nicht länger als üblich.

Schreibmusik: Thea Gilmore - Strange Communion

Montag, 20. Dezember 2010

Pikantes Päckchen

















Zugegeben, für manchen mag der Inhalt des Paketes etwas gewöhnungsbedürftig anmuten, aber ich darf versichern, dass es sich hierbei um die wahrscheinlich weltbeste Chouriço handelt, die man käuflich erwerben kann. Auf jeden Fall die beste, die ich jemals auf dem Teller hatte, und da kommt einiges zusammen in den letzten -zig Jahren. Frisch vom Grill und in Scheiben geschnitten, würzig, scharf, unglaublich lecker.  Da Silvester ohnehin der Grill angeschmissen wird, könnte das der perfekte Abschluss meines portugiesischen Jahres werden, vorausgesetzt die hält sich bis zum 31. Dezember, ich bin da nicht so sicher.

Eigentlich sollte ich die ja am Wochenende persönlich in Empfang nehmen, was ja bedauerlicherweise nicht so klappen wollte, aber es ist doch schön zu wissen, dass man nicht vergessen wird.

 Schreibmusik: Captain Beefheart - Live in London 1974.  

Sonntag, 19. Dezember 2010

Subber Schdimmung isch des hier
















Das Pfälzer Ehepaar neben mir wollte sich vor lauter Begeisterung nicht mehr einkriegen, so ei subber Schdimmung, des hen mir ja noch nie erlebd.  Auf meine Frage, ob sie nicht zwei Wochen zu spät dran sind, nur ein verächtliches Abwinken, FCK, ah nöö. Er käm aus Rottweil, wär schon immer St.Pauli Fan gewesen und jetzt wär man mal zufällig zu einem Heimspiel in Hamburg, da muss man doch die Gelegenheit nutzen.Seine Frau hingegen ist sowohl als auch, also St.Pauli und FCK.
Wie kommt man als Auswärtiger an Karten für das Spiel, war natürlich meine nächste Frage. Hajoo, sie hätten halt mal in ner Kneipe gefragt und gegen einen kleinen Aufpreis zwei Karten erstehen können. 25 Euro ist der aktuelle Kneipenpreis für einen Stehplatz auf der Gegengerade, so etwas finden natürlich Touristen aus der Pfalz mal eben, und warum?

Weil sie einfach überall mal reinplatzen. Vorher waren sie irgendwo gegenüber der Davidwache, in einem Stripschuppen. Der Mann an der Tür hätt was gesagt von 6 Euro für ein Bier und dafür könnt man sich scho ein paar nackerte Frauen anguggen, des isch ja auch so kalt gewesen und man wollt sich auch mal aufwärmen.
Die Endrechnung belief sich dann auf 178 Euro, womit unser Held aus Rottweil nicht so ganz einverstanden war, was ja auch durchaus verständlich ist.
178 Euro für zwei Astra sind auch auf dem Kiez ein durchaus ungewöhnlicher Preis, da muss also mehr gelaufen sein. Hajoo, da hätt sich eine Dame dazugesetzt, die wollt einen ausgegeben haben. Und da der Pfälzer an sich wohl recht spendierfreudig ist, hat er ihr tatsächlich einen Drink bezahlen wollen, aber er dachte eher an was kleineres. Nach längeren Diskussionen und der Drohung sich an die Polizei zu wenden, hätt man sich dann auf 60 Euro geeinigt. Klar, sag ich, der will ja wenigstens seine Unkosten wieder reinkriegen.

Wie naiv kann man eigentlich sein? Und ich meine durchaus mich, denn ich habe doch tatsächlich geglaubt, so etwas gibt es nicht mehr. Da fällt niemand mehr drauf rein, das hat jeder schon einmal in einem Jürgen Roland Krimi gesehen, das ist der älteste Trick auf dem Kiez.

Aber natürlich gibt es das noch, wovon sollten die wenigen verbliebenen Schmuddelschuppen auf der Reeperbahn leben, wenn nicht von Pfälzer Touristen.

Bei denen hat dann der vierte Mainzer Treffer doch soweit zur Stimmungsabkühlung geführt, dass sie das Stadion frühzeitig verlassen wollten. Es gibt leider immer mehr Touristen im Stadion, weil man den Kneipenverkauf nicht im Griff hat.

Tja. Zum Spiel. Kann man nur anerkennen, dass die Mainzer einfach besser waren. Immer einen Schritt schneller, agiler, und vor allem weniger Fehlpässe. Der Schiri war eine unglaubliche Pfeife, aber das wäre als Entschuldigung zu billig. Müller war bei einigen Szenen zu gut im Kasten, mit mehr Glück hätte es auch ein Unentschieden werden können, unverdient.

Und schweinekalt war es, mit dem Abstieg unter die Tribüne der Gegengerade sank die Temperatur noch einmal schlagartig um gefühlte fünf Grad, was uns dann ebenfalls in die Flucht trieb, -8° sind für ein Bier nicht mehr gemütlich genug. Unterwegs wieder die üblichen Fragen. Wie isses ausgegangen? Wer hat die Tore geschossen? Wer hat die Mainzer Tore geschossen?
WTF?
Was interessieren mich Mainzer Torschützen, waren eh zu viele.

Beim Skatabend hab ich dann auch nichts gerissen, war nicht ganz mein Tag. Kann nur besser werden. Walk On!

Schreibmusik: Yonderboi - Shallow & Profound

Freitag, 17. Dezember 2010

Wenn der Nussknacker dreimal knackt
















Heute hab ich es endlich geschafft das Weihnachtspaket nicht zu vergessen, das uns jedes Jahr zum Fest vom Chef spendiert wird. Außer der üblichen Flasche Nero D'Avola und den Niedereggerschen Kalorienbomben war diesmal ein Nussknacker nebst einem Beutelchen diverser hartschaliger Spezialitäten dabei, damit man das schicke Gerät aus lackiertem Metall mit den hübschen Holzgriffen auch gleich ausprobieren kann.
Cool, denk ich, endlich hat der schäbige alte Nussknacker ausgedient, den ich ohnehin nie benutzt habe, weil der meistens die Schale samt Inhalt pulverisiert hat, wenn man seine Kräfte nicht genauestens dosieren konnte. So einen glänzenden neuen Knacker wollte ich immer schon mal haben, sah der doch so aus, als hätte sich wirklich mal jemand Gedanken gemacht. Immerhin gibt es seit etwa zehn Jahren schon vernünftige Weihnachtsbaumständer, die Entwicklung wird ja dann bei Nussknackern nicht stehen geblieben sein.
Ernüchtert musste ich aber sehr schnell feststellen, dass die Nussknackertechnik in den letzten dreißig Jahren keine Fortschritte gemacht hat, die Dinger taugen immer noch nichts. Eine Walnuss und eine Haselnuss hat er überstanden, bei der Mandel dann kläglich versagt. Die Natur ist uns immer noch über. 

War ein kurzes Vergnügen, aber Nüsse haben sowieso zu viele Kalorien.

Schreibmusik: Toufic Farroukh - Drab Zeen

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Schneemobil
















Meinen Parkplatz werde ich morgen sicherlich wiederfinden. Wenigstens in der Firma haben sie aus dem letzten Winter gelernt, aber sollte es die nächsten Tage schlimmer werden, muss ich meine Karre wohl irgendwann ausgraben.
Angesichts der Wetterlage bin ich jetzt nicht so ganz unglücklich, dass ich mir die 450 Kilometer morgen sparen kann. 

Schreibmusik: Papa Wemba - Le Voyageur