Posts mit dem Label Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 30. Dezember 2017

Espresso mit Wim






















An den Wänden in der Bar des Abaton Kinos ist kein Platz mehr frei, alles voller Fotos. Hauptsächlich von Wim Wenders. Wim solo, Wim mit Kollegen, Wim mit Schauspielern oder mit Ehefrau Donata, Wim scheint im Abaton so etwas wie der Hausgott zu sein, feiert ja auch gerne mal Premieren seiner Filme hier.

Wahrscheinlich hätte es ihm gefallen, dass wir an den Weihnachtstagen nicht unter den Massen waren, die in den 3D THX Krawallkinos 18 Euro für Laserschwertduelle ausgaben, sondern uns (für nicht einmal die Hälfte der Kohle) für den neuen Fatih Akin Film im Abaton entschieden. Aus dem Nichts, sozusagen - und weil bei Star Wars die besten Plätze ohnehin belegt waren.

Das war nicht nur aufgrund des höchstwahrscheinlich besseren Films eine gute Entscheidung, denn in der Bar bekommt man einen anständigen Gin Tonic für unter zehn Euro, was im Krawallkino gerade mal dem Gegenwert einer 0.5 Liter Flasche Wasser plus kleiner Portion Popcorn entspricht. Nebenbei ist der Espresso, den ich aus Fahrtauglichkeitsgründen dem GT leider vorziehen musste, auch nicht ganz schlecht.


Aus dem Nichts:
Er ist für einen Auslands-Oskar nominiert und wenn es jemanden gibt, für den ich mich tierisch freuen würde, dann ist das mein Lieblingsregisseur. Er wird ihn aber leider nicht bekommen, weil eine Diane Kruger im Weltklassemodus nicht reicht, denn Denis Moschitto ist halt immer noch Denis Moschitto.
Das ist nicht böse gemeint, ich mag Denis Moschitto, aber die Kruger spielt hier einfach alle komplett an die Wand. Abgesehen von Ulrich Tukur vielleicht, aber das ist halt auch nur eine Nebenrolle in der Kruger-Show, neben der Denis manchmal wirkt wie ein Schauspielschüler.
Er wird den Oskar auch nicht kriegen, weil das Thema NSU zu komplex ist für die Amis schätze ich, damit hat sich da drüben doch kaum jemand befasst. 

Der Nazi-Anwalt war mir auch etwas zu dick aufgetragen. Wie findet man dafür den richtigen Darsteller? Gibt es da irgendwelche Vorgaben beim Casting? "Ich brauche eine total unsympathische Hackfresse, einer, dem man schon vor dem ersten Satz auf's Maul hauen möchte." Ich hätte da eher einen aalglatten Jungnazi genommen, so etwas wie den kurzen Österreicher vielleicht, bei denen kommt das Grauen schleichend. Der Typ von der Griechischen Morgenröte allerdings, der war zum Fürchten krass besetzt.


Natürlich wird der Film hier neben allen anderen Filmen von Fatih Akin im Regal stehen, sobald er als BluRay erhältlich ist. Wahrscheinlich aber auch nur, weil ich bei manchen Namen ein elender Komplettist bin, denn zur vergnüglichen Abendunterhaltung taugt der Stoff nur bedingt.

Harter Tobak, unbedingt ansehen!  


Foto dazu: Samsung S5
Bier dazu: Maisel & Friends Choco Porter, 6.5%/22 IBU
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC




Mittwoch, 23. Dezember 2015

Das Erschlaffen der Macht


















Bereits vergriffen er ist, der schicke Star Wars Softdrinkbecher. Das Angebot von nur 11 Euro inklusive Popcorn war wohl zu günstig. Trotzdem herrscht noch ein gewaltiges Gedrängel vor allen drei Popcornausgabestellen im UCI Wandsbek, als der Pappenheimer und ich dort aufschlagen. Die Bar am Ende des Ganges findet glücklicherweise weniger Beachtung bei der Menge und der Preis für einen auf Eis geschüttelten Dosencocktail ist mit 5.50 Euro noch vergleichsweise günstig.

Pünktlich um 20:15 sitzen wir auf unseren breiten VIP Logenplätzen für 16 Euro pro 3D-bebrillter Nase. Pünktlich ist eigentlich schon in normalen Kinos ein Fehler, in Blockbusterpopcornschachtelkinos geradezu unerträglich. Volle dreißig Minuten werden wir mit Werbung zugeschüttet, immerhin meist
themenbezogen, von Lego bis Rewe zahlen inzwischen jede Menge Firmen Lizenzgebühren an Walt Disney, als Einstimmung auf den Film taugt das nicht wirklich.

Der Pappenheimer verzieht sich schimpfend und fluchend nach draußen und besorgt sich einen neuen Cocktail. Jetzt wird langsam klar, wieso die Softdrinks hier bei 0.75 Litern anfangen, 0.33 haben die Leute schon weg bevor der Film anfängt. Als er wieder auf seinem Platz sitzt laufen die Trailer. Ein Western von Tarantino, im Sommer kommen Kirk und Spock mit dem dritten Star Trek, die X-Men gehen entweder in eine Neuauflage oder die x-te Fortsetzung und mit Warcraft hat endlich einmal jemand ein Computerspiel verfilmt, bei dem sich Menschen und Orks zwei Stunden lang um irgend etwas prügeln können. Wird bestimmt arg spannend..

Es zieht sich endlos in die Länge, der Pappenheimer ist merklich ungehalten und auch bei mir beginnt die Macht der Geduld langsam zu erschlaffen, doch endlich wird die Leinwand schwarz.
Täterätäää ein Todesstern. Zwei Todessterne. Die neuen Star Wars Lampen von Ikea. Hätte ich mir wenigstens das kleine Menü für schmale 9 Euro geholt könnte ich jetzt mit irgend etwas werfen, mir wäre gerade danach.

Fünfundvierzig Minuten Werbung, Filmtrailer und nochmal Werbung sind bei diesen Preisen eine Unverschämtheit, die mir die folgenden knapp vierzig(!) Minuten Film versauen, von denen der Pappenheimer auch noch die zehn Minuten verpasst, in denen endlich Han Solo und Chewbacca auftauchen, weil er nach zwei Cocktails seine Blasenbeherrschung verliert und nebenbei noch ein Bier holen muss. Sonderlich interessiert an der wirren Handlung scheint er eh nicht zu sein, kaum sitzt er wieder auf seinem VIP-Sessel geht das Licht an. Pause. Fünfzehn Minuten.

[Spoilerwarnung]
Das Zwischenfazit ist vernichtend. Hauptsächlich wegen der unverschämten Werbeorgie, aber auch der Film haut mich bisher nicht aus den Latschen. Darth Vader Junior ist nicht halb so unheimlich wie das Original und es wird auch ziemlich schnell klar, wer unter der Maske steckt. Das Schrottsammlermädel ist ganz niedlich und soll neben dem Sturmtruppendeserteur wohl die neue Hauptrolle auf der guten Seite der Macht spielen, Han Solo ist immer noch toll, aber ziemlich alt und der Imperator durch Gollum ersetzt worden. Nichts, was man nicht schon vorher hätte wissen können.

Die restlichen knapp eineinhalb Stunden aber sind allerfeinste Sternenkriegersaga, eine schöne Mischung aus dem Märchen von Skywalker un sien Vader und dem Actionbombast der Klonkriegerfilme, mit zumindest einer deftigen Überraschung. Der Rest ist allerdings ziemlich vorhersehbar, wenn man weiß in welcher Familie die Macht immer ganz stark vertreten ist. Aber vielleicht fällt dem nächsten Drehbuchschreiber ja mehr ein, als ein noch größerer Todesstern.

[Spoilerwarnung Ende]


Der neue Star Trek kommt erst im Sommer in die Kinos und von dem verspreche ich mir inzwischen weit mehr, auch wenn der letzte mit dem grandiosen Benedict Cumberbatch schwer zu toppen sein wird. Eins weiß ich aber ganz genau, im UCI sehe ich den nicht und ganz egal welches Kino es dann wird, ich komme mindestens eine halbe Stunde später.


Foto: UCI Smart City Hamburg Wandsbek
Bier: Kirschenholz Helles Landbier, 4.8%
Musik: Kat Onoma - Billy the Kid

Dienstag, 9. Juli 2013

Optimisten in Klapperkisten















Ein Wohnmobil, das wäre schon was. Eines, in dem man wohnen kann wenn man mal Pause macht und von der Autobahn abfährt. Auf dem langen Weg nach, sagen wir mal, Spanien. Oder Norwegen. Sogar Österreich kann ziemlich weit weg sein, kommt halt auf das Wohnmobil an.

Unter den Wohnmobilisten habe ich immer die gnadenlosen Optimisten bewundert, die mit schmalem Geldbeutel, die sich mit einem ausgemusterten Bundeswehrunimog in Marokko herumtreiben, wie meine Schwägerin und ihr damaliger Freund. Den Dingern habe ich schon bei der Bundeswehr nicht getraut, und da waren die ja noch nicht einmal ausgemustert. Oder Herr H. mit seinem alten Bulli, der fährt zwar damit nicht mehr nach Marokko, aber immerhin häufig an die Ostsee, was ich angesichts der maroden Technik erstaunlich genug finde.

Noch bekloppter geht aber immer, das beweisen zwei Fans des FC St. Pauli, die sich bei ebay einen 18 Jahre alten Bulli kaufen um damit vom Kiez zum Kap zu fahren, von Hamburg zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Während der großartigen Aufstiegssaison des FC, was das ganze Unterfangen noch etwas abenteuerlicher macht, wenn man sich vornimmt die Spiele trotzdem zu sehen. In Addis Abeba, Nairobi oder Dar es Salaam garantiert schwieriger als in Eimsbüttel. Oder Österreich.

Weil die Idee schon so unglaublich bekloppt klingt findet sich natürlich auch gleich jemand, der das auf Film festhalten muss. Gott sei Dank, denn dadurch kann man sich Vom Kiez zum Kap jetzt im Kino ansehen. Das idealste Kino dafür ist natürlich das Open Air im Millerntorstadion, der idealste (und einzige) Zeitpunkt der Freitag Abend.

Dass ich beide Regenwäldler dazu überreden kann ist eigentlich schon Glück, was ich danach leider herausfordere, als ich nicht genug zur Eile mahne und die Strecke zum Stadion in rekordverdächtigen Zeiten fahren muss. Mit einem Parkplatz an der Glacischaussee hab ich noch einmal Glück, aber dann verlässt es mich, denn die junge Dame auf der Südkurventreppe hält ein Schild in den Händen. AUSVERKAUFT.

Was nicht ganz stimmt, denn auf die Tribüne passen natürlich weit mehr Leute, leider sind nur noch Hörplätze zu vergeben, auf denen man wahrscheinlich nicht einmal etwas hören kann. Diese Warnung beherzigen wir dann auch, ersatzweise gibt es ein paar Bierchen auf dem Spielbudenplatz und eine scharfe kiezianische Currywurst in der Heißen Ecke, die mich geschmacklich nicht überzeugt.

Den Film werde ich mir trotzdem demnächst ansehen, empfehlen kann ich den jetzt schon. Das ist so bekloppt, das kann eigentlich nur gut sein.

Auch ziemlich gut: Frank Zappa - A Token Of His Extreme
 

Sonntag, 8. Juli 2012

Das Partypack















Soll viel unterwegs gewesen sein am Wochenende, das Partypack, ganz besonders am Samstag auf dem Schlagermove. Nach den Erfahrungen im letzten Jahr halte ich mich also lieber fern vom Kiez, die Ausläufer allein sind schon schlimm genug.
Dafür hab ich mir ein Partypack nach Hause liefern lassen, zusammen mit meinem neuen Heimkino, einem Blu-ray Player und 10 meiner Lieblingsfilme, für den Anfang. Da ist es auch egal wenns draußen schüttet, zum surfen im Internet muss ich die Couch nicht mal mehr verlassen, das geht auch mit dem Teil. Eine alte externe Platte hängt auch schon dran, muss alles getestet werden ob es auch funktioniert. Bislang reibungslos, sogar aufnehmen kann ich darauf, leider wieder etwas zu spät für die Hippiedoku die gerade wiederholt wird. Wahrscheinlich werde ich die Funktion ohnehin nie benutzen, denn ich werde auch damit nicht zum Fernsehgucker.
Aber als Ersatz fürs Kino taugt das, sogar in 3D. Was ich allerdings erst hinterher festgestellt habe, ist der eklatante Mangel an guten Filmen für die dritte Dimension. Die Technik wird bisher überwiegend für Animationsfilme  und schlechte Actionkracher benutzt, Avatar gibt es erst Ende des Jahres, John Carter vom Mars in 14 Tagen, der Rest ist sehr dünn. Trotzdem hätte ich ungerne drauf verzichtet, denn die Effekte sind schon sehr erstaunlich mit dem richtigen Material, und mit dem Clip auf der Brille auch angenehm zu gucken, sogar im Liegen.
Trotzdem kommen die meisten Filme gut ohne 3D aus, das ist mehr was für Action, Sci-Fi und Comicverfilmungen. Chaplin, Scorsese, Coppola und Co.brauche ich auch nicht in HD, die reichen mir auf DVD völlig. Ganz besonders bei Chaplin wär es albern. Das große Tamtam ist eher was für Spielberg und George Lucas. Hexenkessel, Thelma & Louise, Easy Rider auf Blu-ray? Vielleicht wenn ich sie mal als Remaster auf dem Grabbeltisch finde. Da ist es die Geschichte die mich fesselt, die Filme fand ich schon auf VHS gut.
Erst einmal muss die neue Technik ausgereizt werden, und das passiert eher bei Batman Begins und The Dark Knight. Womit bewiesen wäre, dass man dafür auf eine gute Story nicht unbedingt verzichten muss.  

Und jetzt bastel ich mir noch was feines und geh wieder auf die Couch. Das Fünfte Element in HD kommt bestimmt gut. Die große Herr der Ringe Box (Extended Version) kann ich mir momentan weder finanziell noch zeitlich leisten. Leider.

Ausmachen werd ich dafür müssen: Levellers - Static On The Airwaves

Sonntag, 8. Januar 2012

Ziemlich großer Andrang














Es ist selten, dass ich mal ins Kino komme, entweder es hapert an den Arbeitszeiten oder am Programm, denn alleine ins Kino gehen ist öde, und ist man nicht alleine, dann muss man sich auf den Film einigen können. Glücklicherweise hab ich jemanden, der sich nicht nur für Batman oder Star Wars interessiert und meinem Urteil vertraut. Was nicht zuletzt daran liegt, dass ich bisher immer richtig lag, ein verdammtes Glück. Nochmal verdammtes Glück, dass man an grauen Sonntagnachmittagen nicht auch noch kilometerweit fahren muss, denn die Koralle in Volksdorf liegt fast um die Ecke und Parkplätze en masse  gibt es auf dem angrenzenden Marktgelände. Was für ein Segen, dass es hier immer noch eines dieser kleinen Vorstadtkinos gibt, das zudem noch genau mein Programm spielt, wenn ich es brauche. Ohne THX Bombast Breitbild Superstereo 3D Hastenichgesehn, aber das braucht man auch nur bei Batman und Star Wars.

Das hat sich wohl auch halb Sasel und Volksdorf gedacht, denn zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung reichte die Schlange bis auf den Marktplatz, zwischen den letzten Wagen der Markthändler hindurch. Bestimmt 150 Leute, Kind und Kegel dabei. Hey, das ist kein Blockbuster. Kein Emmerich, kein Schorsch Lukas, kein Spielberg, nur eine französische Komödie. Alvin und die Chipmunks lief etwa 15 Minuten später leider auch, wie wir von einem Familienvater erfuhren, der gleich für vier Karten anstehen musste.  Leider schlugen alle Versuche fehl, sich diesen Umstand zunutze zu machen und ein paar Reihen zu gewinnen, denn das Publikum war durchmischt, die andere Hälfte wollte sich ebenfalls Ziemlich beste Freunde ansehen. Ungefähr die Hälfte von denen wiederum hat es auch noch geschafft, wir nicht.

Extrem ärgerlich, denn seit ich den Film bei Frau Flinkwert im Blog entdeckt hatte war der auf meiner Liste ganz weit oben. Zwanzig Minuten standen wir da rum und haben mit Leuten gequatscht, die den auch uuuunbedingt sehen wollten, weil jeder einen kannte, der davon völlig begeistert war. Das fand ich schon sehr verwunderlich, denn der läuft erst seit Donnerstag, doch in mir reifte der Entschluss, den Kinobesuch nach einem ausgiebigen Mittagsmahl erneut auf die Liste zu setzen. Allerdings mit vorheriger Kartenreservierung.

So gabs denn die Abendvorstellung, und wenn mich nicht alles täuscht, dann hab ich im Januar schon den Film des Jahres gesehen. Zumindest was den Bereich Komödie angeht, wird der nur ganz schwer zu knacken sein.
Ich hab Tränen gelacht, und das kommt extrem selten vor, weil ich Filme meistens meide, die darauf abzielen. Die Kassenknüller, bei denen ein Gag den anderen jagt. So etwas kann man sich einmal angucken, für ein zweites mal fehlt da schon die Substanz, die paar wirklich witzigen Situationen kennt man, über die flauen und vorhersehbaren Gags ärgert man sich beim zweiten mal noch mehr, und die restliche Geschichte ist zu dünn.

Ich mag mehr die leisen Komödien, bei denen man das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommt, und jede Minute des Films förmlich in sich hinein frisst, nicht genug bekommen kann von der Geschichte, von den Charakteren, den Dialogen. Filme, die nicht nachlassen, bei denen man auch zu keiner Zeit das Gefühl hat, sie würden irgendwie nachlassen oder verflachen, von denen man high wird, auch wenn nur die Typen auf der Leinwand Marihuana rauchen. Filme, die einem für den Rest des Tages ein unglaublich gutes Gefühl geben und die man sich am liebsten am nächsten Tag noch einmal ansehen würde, damit das nicht aufhört.  
Das haben mir in den letzten Jahren fast nur englische und französische Komödien geboten, und Ziemlich beste Freunde ist eine der besten davon. Hoffentlich gibts den bald auf DVD, beim dritten mal werd ich sicher keine Tränen mehr lachen, aber den kann man sich trotzdem öfter ansehen.

Großartiger Film. Hingehen.

Großartige Gitarre: Danny Gatton - 88 Elmira St.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Ab in den Süden
















Das ist nicht etwa eine Empfehlung für Urlauber, obwohl bei der momentanen Großwetterlage in Norddeutschland durchaus empfehlenswert, sondern der Weg, den Herr Holzapfel und ich heute im Millerntorstadion beschritten haben. Auf der Südtribüne, mit direktem Blick auf die Gegengerade, laufen die letzten Tage der Filmnächte am Millerntor.
Meiner Meinung nach der einzige korrekte Ort, um sich den Film Gegengerade von Tarek Ehlail anzusehen, auf den ich bisher verzichtet habe. Aus Gründen.

Ich bin kein Fan von Fußballfilmen, weil sie selten die Wirklichkeit abbilden, selten auch nur halb so spannend sind wie ein richtiges Spiel und zu oft mit zu vielen Klischees arbeiten. Aber in diesem Film geht es eigentlich nicht um Fußball, nur, worum geht es?
Um ein Abbild der Fanszene auf Sankt Pauli? Am Rande. Um die Geschichte dreier Freunde, die zusammen ins Stadion gehen, sich mit Nazis und Bullen Polizisten prügeln und Autos abfackeln? Am Rande. Um Gentrifizierung, Kommerzialisierung, den Stadtteil und seine Bewohner? Am Rande.
Man hat einen Haufen Stars (Adorf, Bleibtreu, Horwitz) und ein paar bekannte Namen (Moschitto, Avelon, Möhring) verpflichtet, dazu etwas C-Klasse Prominenz (Katy Karrenbauer und Sexy Cora), hat eine relativ dünne Hintergrundgeschichte in Fragmente zerstückelt und zeigt dazwischen Fans auf den Rängen, vorgeblich beim Aufstiegsspiel des FC St.Pauli in die 1.Bundesliga.

Der Film will zu viel und scheitert dabei an allen Ecken. Magnus, Arne und Kowalski wirken auf mich wie Fremdkörper im Stadion, wenn auch nicht so extrem wie Claude-Oliver Rudolph, der ausnahmsweise mal keinen Luden oder Schläger mit Sonnenbrille mimt, sondern einen Arzt im Stadtteil, der auch schon mal Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen  ausstellt, damit jemand ins Stadion gehen kann. Einen fiesen Immobilienhai gibt es auch, dazu einen korrupten Staatsanwalt, prügelnde und brandschatzende Bullen Polizisten, Schlägereien mit Nazis, ein paar Prostituierte auf dem Kiez (für das Lokalkolorit) und jede Menge Astra.
Hätte man die unwichtigen Nebenstränge der Handlung weggelassen und die Freundschaft der drei Jungs etwas mehr in den Mittelpunkt gestellt, dann hätts was werden können. Aber die drei blieben irgendwie so blass, dass ich den (vorhersehbaren) Ausgang der Geschichte nicht wirklich mit Spannung erwartet habe. Auf Bleibtreu als schmierigen Immobilienhai hätte ich ebenso verzichten können wie auf Claude-Oliver Rudolph, dabei hat der mich diesmal nicht so schwer genervt wie sonst.
Das lag weniger an Claude-Oliver, den Part des obersten Nervtöters übernahm in diesem Film nur eindeutig André Eisermann als "Stadionsprecher". 

Mir tat nach fast zwei Stunden jedenfalls gewaltig der Hintern weh, trotz der am Eingang verteilten Kuscheldecken, die ausnahmsweise nicht als Wärmespender gebraucht wurden. Der Herr Holzapfel ist da weitaus trainierter, aber der sitzt ja auch immer beim Fußball.

Ein positives Fazit gibt es dennoch, ich hab jetzt einen Deniz Naki Pfandbecher. Auf der Gegengerade gibt es die nämlich leider nicht.

Ach ja, der Soundtrack ist natürlich einsame Klasse, die Fangesänge und der ganze Rest. Trotzdem ist mir nach dem Abend mehr nach Pop, deswegen läuft hier Hatful of Rain: The Best of Del Amitri

Montag, 3. Mai 2010

Vincent will meer
















So langsam entwickelt sich das Zeise zu meinem Lieblingskino, jedenfalls ist es das einzige Kino, in dem ich noch nie einen schlechten Film gesehen habe. Der gerade angelaufene Sin Nombre hätte mich zwar ebenfalls sehr gereizt, aber ich hatte Madame Z. im Vorwege schon so viel über Vincent will meer erzählt, dass ein kurzfristiges Umschwenken sicher für Irritationen gesorgt hätte. Abgesehen davon wäre ein Tausch von Komödie gegen Sozialdrama nicht vermittelbar gewesen, auch wenn es in diesem Fall eine Tragikomödie war. Zum Film:

Der 27jährige Vincent (Florian David Fitz) leidet am Tourette-Syndrom. Seine Mutter ist gerade gestorben, sein Vater (Heino Ferch), ein blasierter Lokalpolitiker, kann mit seinem Sohn nichts anfangen und steckt ihn in eine Reha-Klinik, in der er lernen soll seine Ticks zu unterdrücken. Dort lernt er die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth) und den Zwangsneurotiker Alexander (Johannes Allmayer) kennen. Da Vincent die Asche seiner Mutter, die er in einer Bonbondose mit sich rumträgt, unbedingt ans Meer bringen will, klaut er zusammen mit Marie den alten Saab der Heimleiterin Dr. Rose (Katharina Müller-Elmau). Weil Alexander droht, den Diebstahl frühzeitig zu verraten, wird er kurzerhand mit eingesackt. Zusammen begeben sie sich auf eine Tour nach Italien, ans Meer, nach San Vicente, immer verfolgt von Dr.Rose und Vincents Vater. Natürlich kann das bei dieser Konstellation auch nicht wirklich gut gehen.

Nach Fatih Akins Soul Kitchen der zweite deutsche Komödienvolltreffer in diesem Jahr. Eine Komödie über Behinderte hätte durchaus auch in übelsten Klamauk ausarten können, aber Ralf Huettner hat hier alles richtig gemacht. Das Drehbuch stammt von Florian David Fitz, der auch den Vincent spielt. Die Rolle hat er sich wohl auf den Leib geschrieben, auch wenn ich dafür 5 Euro ins Phrasensparschwein werfen muss. Ich fand ihn umwerfend gut, Tourette kann auch schnell mal lächerlich wirken, Vincent merkt man den inneren Kampf an, gegen den Clown, der ihm zwischen die Synapsen scheißt, immer wenn er es überhaupt nicht gebrauchen kann. Karoline Herfurth als Magersüchtige ist ebenso überzeugend wie Johannes Allmayer als Neurotiker. Auch wenn es viele komische Momente gibt, merkt man doch häufig, dass es auf ein tragisches Ende zulaufen muss. Ein sehr ungutes Gefühl, weil man den drei Obersympathen so gerne ein Happy End wünschen würde. Völlig unnötig fand ich allerdings, dass Marie neben ihrer Magersucht auch noch die dicksten Tüten gebastelt hat. Entweder kiffen oder hungern, beides zusammen halte ich für völlig unrealistisch.

Vielleicht kein Film für das durchschnittliche Keinohrhasenpublikum, aber das Kino war gerammelt voll, wir haben viel Glück gehabt mit den Sitzen. Es wäre dem Film zu wünschen, dass es noch ein paar Wochen so bleibt. Da man ja heute schnell als Raubkopierer verhaftet wird, wenn man im Kino das Handy zückt, gibt es nur ein Foto von der Fassade des Zeise.

Und natürlich ist das Handy im Kino sowieso ausgeschaltet.

Schreibmusik: Cory Chisel & The Wandering Sons -  Death Won't Send A Letter

Mittwoch, 17. März 2010

Wolke 9












Wolke 9 ist schon im September 2008 in den Kinos gelaufen, hat viel Kritikerlob und in Cannes den Preis der Jury bekommen. Besonders mutig fand man in der Presse, dass sich jemand dem Tabuthema „Sex im Alter“ angenommen hat, das ja in der heutigen Gesellschaft angeblich totgeschwiegen wird. Wahrscheinlich weil sich selten jemand vorstellen wollte dass Oma und Opa, respektive Mama und Papa, das Bett nicht nur für den Erholungsschlaf nutzen. Dabei muss man eigentlich nur zu später Stunde durch die Fernsehkanäle zappen um zu erfahren, dass es noch scharfe Omis gibt, die ganz hemmungslos 0900er Nummern schieben. Irgendwer wird da sicher auch anrufen.
Eine ganz andere Nummer ist natürlich der Film von Andreas Dresen über die fast 70jährige Inge, die sich nach 30 Jahren Ehe in den fast 10 Jahre älteren Karl verliebt und heimlich ein Verhältnis beginnt. Das ist zwar sehr unpeinlich gefilmt, aber nach den ersten dreißig Minuten hab ich gedacht, so langsam könnten sie mal aufhören Tabus zu brechen und anfangen eine Geschichte zu erzählen. Was sich danach entwickelt ist ein handfestes Ehedrama, ähnlich wie schon in Halbe Treppe, mit einem harten aber erwartbaren Ende. Faszinierend dabei fand ich weniger die Geschichte als die Herangehensweise des Regisseurs, der die Schauspieler wieder ohne festes Drehbuch frei improvisieren ließ. Das wirkte schon bei Halbe Treppe dermaßen authentisch, dass man das Gefühl hatte, die haben alle schon ihre ganz persönlichen Ehedramen erlebt. Natürlich ist das ganz grandios gespieltes Schauspielerkino, aber nach Ehedramen schlaf ich immer schlecht, selbst bei gespielten. Gut wenn man da noch eine lockere Komödie rumliegen hat. 

Schreibmusik: Black Rebel Motorcycle Club - Beat The Devil's Tattoo

Sonntag, 14. März 2010

Aliens zum Anfassen
















Wochenlang waren die besten Plätze immer schon weg, dann hatte ich endlich Zeit und Karten, musste die aber wegen einer blöden Bronchitis stornieren. Jetzt ist es Alice, die Avatar so langsam aus den 3D Kinos verdrängt. Was blieb war die Sonntagnachmittagsvorstellung, die allerdings immer noch ziemlich gut besucht war, ein paar Wochen könnte der so noch laufen. Wer den Film immer noch nicht gesehen hat, der hat also durchaus noch Chancen. Man könnte auch warten bis zum Herbst, dann kommt eventuell der Directors Cut in die Kinos, in der FSK 16 Version für die Killerspielespieler.
Ich bin kein Fan von übermäßigem Leinwandgemetzel, aber ich würde ihn mir im Herbst tatsächlich noch einmal ansehen, auch ohne Gemetzel, denn ich war begeistert. Großes Popcorn. Natürlich ist die Story dünn, das hat schon viel von Pocahontas im Weltall. Böse Cowboymarines gegen friedliche Eingeborene, die im Einklang mit ihrer Welt leben. Dann verliebt sich der Gunman in die schöne Häuptlingstochter, schlägt sich auf die Seite der Indianer Aliens und am Ende siegen die Guten. Endlich einmal, war ja bei John Wayne nicht immer so.
Aber völlig egal wie dünn die Story auch sein mag, ich war nach 20 Minuten auf Pandora gefangen und hab jede Minute genossen. Ich hab mich gefangen nehmen lassen, von fantastischen Landschaften, seltsamen Pflanzen, gigantischen Bäumen, fabelhaften Tieren, fliegenden Bergen und blauen Aliendianern, das ist wirklich unglaublich was der Cameron da geschaffen hat. So ein Planetendesign ist gar nicht so einfach, ich kenn da Leute vom Fach.
Ich kenn auch ein paar Jungs, die sich den aus dem Netz gesaugt haben und nicht sehr begeistert waren. Tja, ihr habt es euch versaut, ihr hattet nur die dünne Geschichte. Pandora muss man aber in 3D sehen, auf einer großen Leinwand. Es gibt Filme, die gehören einfach ins Kino.

Und ohne die dicke Brille gehts schon mal überhaupt nicht.   

Schreibmusik: Televison - Marquee Moon

Sonntag, 28. Februar 2010

Inglorious Basterds


















Wahrscheinlich war ich, bis gestern jedenfalls, einer der letzten Menschen auf diesem Planeten der Inglorious Basterds noch nicht kannte, doch jetzt hab ich ja gerade viel Zeit. Verbringt man aber die halbe Nacht mit rumwälzen, schwitzen und wilder Husterei, kann es schon vorkommen das man Nachmittags auf der Couch beim Filmgucken irgendwann einpennt. Ganz so schlimm war es zwar nicht, aber zeitweilig hatte ich bei den Basterds schon mit ziemlich schweren Augenlidern zu kämpfen. Fairerweise mag ich aber jetzt nicht sagen das Tarantinos Nazikiller-Opus ein paar Längen hat, kann ja auch durchaus an meinem momentanen Zustand gelegen haben. Generell finde ich die Idee ja schon sehr gut, reihenweise Nazis ins Gras beißen zu lassen, von mir aus hätten es auch gerne ein paar Skalps mehr sein dürfen. So brutal wie er von einigen beschrieben wurde fand ich den Streifen aber nicht, da bin ich gerade von Tarantino anderes gewohnt, die Einstufung FSK 16 kommt schon hin.

Für Tarantinos Meisterwerk halte ich den Streifen auch nicht, Reservoir Dogs liegt da bei mir immer noch knapp vor Pulp Fiction, danach müsste ich schon länger grübeln. Für meinen Geschmack hat er es mit den Leone-Zitaten etwas übertrieben, anfänglich kam ich mir vor wie in Spiel mir das Lied vom Tod V2. Hätte nur noch gefehlt das jemand dem Führer beim Showdown eine Mundharmonika unters Bärtchen klemmt.
Christoph Waltz agiert gerade im ersten Kapitel wirklich oscarverdächtig und spielt so ziemlich alle an die Wand. Waltz war aber schon immer ein großartiger Schauspieler, gerade wenn er irgendwelche durchgeknallten Typen gespielt hat. Ich bin ja mal gespannt ob ihm jetzt eine Karriere in Hollywood droht, für die zweite Reihe wäre der Mann zu schade, der spielt definitiv in einer anderen Liga als z.B. ein Udo Kier.

Was mich in dem Zusammenhang schon immer interessiert hat ist die Frage, wie man es privat verkraftet laufend solche Rollenangebote zu bekommen. "Die Rolle des psychopathischen Frauenaufschlitzers wäre noch zu besetzen, und wir haben da natürlich sofort an sie gedacht."

Ich mach mir jetzt noch nen Tee und geh wieder auf die Couch, ne Runde schwitzen und DVD gucken. Vielleicht besser einen Film den ich schon kenne, falls ich dann zwischendurch einschlafen sollte muss ich nicht zurückspulen.

Schreibmusik: Johnny Cash - American Recordings VI: Ain't No Grave