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Mittwoch, 17. Mai 2023

Das Nachkochbuch, Akt I bis IV

 










Es ist mal wieder Zeit für abwechslungsreiche Küche und vor allem ist es an der Zeit, mal selber ein Buch zu schreiben. Ein Nachkochbuch, mit dem Titel: Was es werden soll und was es wirklich wurde. Mit ehrlichen ungeschönten Handyfotos statt Hochglanzfoodfotografie und vor allem mit einem ganz wichtigen Fazit: Nachkochen? Oder lass ich's lieber sein?

Der erste Kandidat stammt aus der Spiegelrubrik "Kochen ohne Kohle", bei der es wenigstens nicht voll auf den Geldbeutel geht wenn's mal nicht schmeckt. Pink Pasta mit Rote Bete, Feta und Walnüssen. Das sieht zwar auf den Fotos schon recht gewöhnungsbedürftig aus, aber warum sollte man aus Rote Bete nicht mal etwas anderes machen als Labskaus und Borschtsch?

Ganz einfach, weil die Rote Bete in Labskaus einfach besser aufgehoben ist. Mit Pasta mag das essen wer will, meins ist es nicht. Vielleicht hab ich auch einfach Pech gehabt und keine besonders gute vorgekochte Bete erwischt, jedenfalls ist das Ergebnis trotz Knoblauch und Schafskäse ziemlich ernüchternd und die Bio-Zitrone hat's auch nicht rausgerissen.

Also mehr Geld ausgeben und in der nächsten Rubrik stöbern, Frau Lugert empfiehlt als Nervennahrung Cincinnati Chili, ein amtlicher Berg Spaghetti mit einem Berg Fleischsauce, getoppt mit Bohnen, gehackten roten Zwiebeln, gehobeltem Cheddar und Kekskrümeln (alles optional), das verspricht massenhaft Kalorien und ungesunde Fette, aber satt wird man davon garantiert.

Die Fleischsauce ist eine Art Bolognese mit Schokolade statt Rotwein und einer Vielzahl an Gewürzen statt Würzgemüse, unter anderem Zimt, Cumin, Cayennepfeffer, Nelken, Paprika und Piment. Nicht zu vergessen der Esslöffel Weinessig und der Esslöffel Worcestersauce, bei knapp 1.4 Kilo Fleischsauce machen die geschmacklich garantiert den Unterschied. Auf die Bohnen habe ich verzichtet und das nur unter Zwiebeln und Cheddar begraben, der sogar noch ein wenig zu schmelzen beginnt wenn man ein paar Minuten wartet.

In Cincinnati ist das Fastfood und so schmeckt es auch, völlig überladen, total ungesund aber irgendwie geil. Kann man machen, macht man aber wahrscheinlich auch nur ein einziges Mal weil eine vernünftige Bolo halt doch geiler ist und ein richtiges Chili weniger aufwendig. Vor allem habe ich jetzt eine höchst überflüssige Flasche Worcestersauce hier stehen, die ich garantiert nie wieder brauchen werde.

Kaum ist die Küche geputzt und der Fleischberg verdaut geht es weiter mit Frau Lugert und ihrer Nervennahrung, diesmal vegetarisch. Gemüse ist ohnehin viel gesünder und das schnellste Artischockenpesto der Welt verspricht wenig Aufwand, sowohl an Zeit als auch an Material. Artischocken, Knoblauch, Thymian, Mandeln, Parmesan, Olivenöl.  Hört sich eigentlich gut an, zwar sind mir Artischocken bisher nur als relativ geschmackloser Platzhalter für leckerere Dinge auf Pizza begegnet, aber wer weiß..

Aus genau diesem Grunde schmeckt dieses Pesto auch mehr nach Knoblauch und Thymian als nach Artischocken, zu Pasta fand ich das trotz zusätzlicher Dosis Parmesan recht enttäuschend, allerdings waren Rigatoni wohl eher eine unglückliche Wahl. Die im Glas eingekerkerten Reste schmecken jedenfalls nach einem Tag im Kühlschrank vorzüglich, da fehlt nur noch das passende Brot und woher ich das bekomme weiß ich schon. Sieger nach Punkten.

Kaum verlässt man auf der Suche nach kreativen neuen Einflüssen die (meist) seriöse Presse wird es schräg, ganz besonders wenn der Algorithmus bei Youtube zuschlägt. Rezepte aus der Hölle. Kondensmilch mit Nutella verquirlen! Du wirst begeistert sein! Spätestens hier hätte ich Youtube verlassen sollen, doch dann hab ich diesen Frankfurter PROFIKOCH gefunden und weil Profiköche ja wissen was sie tun und jeden Handgriff auch noch so schön im Video zeigen, kann ja nichts in die Hose gehen. 

Schon gar nicht bei solchen Gerichten wie Chinesische Bolognese, der Titel allein weckt ja sofort niederste Instinkte, also sofort einkaufen. Bio Rinderhack, Frühlingszwiebeln, aromatische Tomaten, Knoblauch, Ingwer, das kann nur gut werden. Wenn das schmeckt kauf ich mir vielleicht sogar seine angepriesene Wokpfanne, Influencer wollen ja auch leben und ich brauch eh eine neue. Denkt man sich so.

Schön anbraten, die Nudeln dazu und dann alles ertränken in einer Suppe aus Ketchup (ganz großes Ding in Asien), heller Sojasauce (Salz), dunkler Sojasauce (Salz), Austernsauce (Salz), Hühnerbrühe (Salz) und einem Teelöffel.....  Salz. Ein Esslöffel Zucker rundet das Geschmackserlebnis ab, ein Esslöffel Stärke bindet die salzige Suppe und die ganz ganz ganz leichte asiatische Schärfe dieser "chinesischen Bolo" besorgen eine Prise weißer Pfeffer und eine Prise Five Spice (aber nicht zu viel sonst Katastrophe).

Bewundernswert allerdings, wie er sich das Zeug anschließend reinschaufelt ohne eine Miene zu verziehen, ich muss den Chefkoch mal fragen ob er das auch kann wenn ihm etwas misslingt, aber ich schätze dem passiert das gar nicht erst.

Und ich baller mir jetzt 2 Liter Eistee durch den Körper um das Salz wieder auszuschwemmen.

 

Fotos dazu: Samsung A33 - Pink Pasta / Cincinnati Chili / Artischockenpesto / ChinaBolo

Musik dazu: Thees Uhlmann - 100.000 Songs Live in Hamburg / Kettcar - und das geht so (Live)

 

 








  

















Donnerstag, 19. Januar 2023

Geschichten aus der Küche

 









Früher war zwar nicht alles besser, einiges dafür sehr viel einfacher. Zum Beispiel diese Ernährungssache. Man hatte entweder Brot und Aufschnitt in der Firma liegen, holte sich vor der Schicht Brötchen oder nutzte die Kantine. Wenn ich am Wochenende mal am Herd stand, weil dem Appetit auf anständige Frikadellen anders nicht beizukommen war, blieb das eher die Ausnahme. Unterwegs ein Restaurant, nach Heimspielen der Lieferservice, alles ungesund, aber macht satt und spart Zeit, von der man eh zu wenig hatte. 

Hat man aber auf einmal viel Zeit und keine Kantine mehr, sieht die Sache schon anders aus. Der Lieferdienst ist nicht nur aus finanziellen Gründen keine Option, will man sich nicht dauerhaft von Pizza, Burgern und Sushi ernähren. Nach Jahrzehnten der spannenden Wahl zwischen Kantine oder Stulle wird jetzt also gekocht. Nicht immer, aber doch relativ häufig.

Obwohl schon recht viele Menschen meine Fähigkeiten in der Küche mit Lob bedacht haben, stehe ich der ganzen Sache eher skeptisch gegenüber, möglicherweise waren die auch alle nur zu faul selber zu kochen. Für gänzlich untalentiert habe ich mich zwar nie gehalten, aber seit ich einen wahren Meister dieses Fachs kennenlernen durfte, hat das dem Selbstvertrauen einen ziemlichen Dämpfer verpasst. Jetzt weiß ich wenigstens, woher die teils absurden Zubereitungszeiten in Rezepten kommen. Die machen alles gleichzeitig und alles dreimal so schnell wie Otto Normalkoch, trotzdem alles aufwändiger, weil sie gleich drei Pfannen benutzen statt einer und natürlich schmeckt das dann auch alles dreimal so gut wie gewohnt.

Ist man mal ein paar Tage von so einem Sterneküchenbrutzler verwöhnt worden, kann man sich gut neu einschätzen, weil man jetzt immerhin weiß wie es schmecken könnte, würde man einen ähnlichen Aufwand betreiben, das nötige Können vorausgesetzt. Trotzdem bin ich nicht ganz ungeschickt in der Küche und einfache Rezepte sollten mir eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten, schließlich will man sich nicht auf Bratkartoffeln oder Spaghetti Bolognese beschränken und auch mal Experimente wagen.

Keine große Hilfe dabei sind seltsame Youtubekanäle, die mir laufend most delicious dishes empfehlen, die allesamt easy to cook sind und in der Hauptsache aus Resten, Dosenthunfisch und/oder Hackfleisch bestehen, die man zusammen in der Pfanne erhitzt, oder irgend etwas damit füllt um es in den Ofen zu schieben. Das kann wirklich jeder Trottel (ich hab's versucht) und das Ergebnis schmeckt so wie es aussieht. Ungesund, macht aber satt.

Auf Twitter bekommt man am laufenden Band zu sehen, was sich die Leute so an Leckereien gönnen, aber selten die Rezepte dazu und auf chefkoch.de sind mehr Witzbolde als Chefköche unterwegs, da muss man nach Perlen lange suchen. 

Bei Spiegel Online hat es mir ganz besonders die Rubrik "Nervennahrung" von der Frau Lugert angetan, in der sie jedes Wochenende ein neues Rezept veröffentlicht und ihre Gerichte derart märchenhaft blumig beschreibt, dass man den zart schmelzenden Käse und die Kräuter fast schon riechen kann. Interessant ist die Rubrik vor allem, weil von Älplermagronen bis Bibimbap lauter exotisches Zeug dabei ist, das des Köchleins Horizont erweitern könnte. Ganz besonders gefreut hat mich neulich ein relativ einfaches Rezept fürt Mole Poblano, was ich beim nächsten Versuch noch etwas verfeinern werde, für's erste Mal aber schon recht zufriedenstellend war. 

Der Chicorée-Mandarinen Salat mit Ziegenfrischkäsedressing und karamellisierten Walnüssen war ganz großartig, hab den an einem Abend weggeknuspert. Simpel und gut, sieht man von der nervtötenden Arbeit des Mandarinenfiletierens ab, aber dafür musste man wenigstens den Herd nicht anmachen. Soll man den allerdings benutzen kann es schon mal kritisch werden, denn von der Vorstellung, man müsse sich nur sklavisch genau an Mengen, Zutaten und Garzeiten halten, dann hätte man am Ende ein professionelles Sternekochgericht auf dem Teller, hab ich mich inzwischen verabschiedet.

Dabei bin ich nicht mal sicher, dass das immer an mir liegt, aktuell bringt sie mich wieder zur Verzweiflung mit einem Kimchi Grilled Cheese Sandwich. Eine Kalorienbombe, aber bestimmt großartig! Das köstlichste Käsesandwich aller Zeiten!

Das hörte sich nicht nur fantastisch an, das kam auch gerade zur rechten Zeit, da mir eine Freundin neulich den Rest ihres selbst angesetzten Kimchis vermacht hatte und noch ausreichend Raclettekäse übrig war. Wenn schon zufällig alle Zutaten im Haus sind, muss man das natürlich sofort ausprobieren.

Aber entweder bin ich zu doof oder die Frau Lugert hat eine Pfanne mit Oberhitze, denn mein Käse schmilzt nicht in 5 Minuten bei heruntergeschalteter Hitze, auch nicht wenn ich einen Deckel auf die Pfanne lege und schon gar nicht der Käse, der auf dem Kimchi liegt. In zehn Minuten sah das zwar schon besser aus, aber nicht auf der Unterseite, die war schwarz, wie es Brot halt wird, wenn es zu lange in der Pfanne liegt.

Meiner bescheidenen amateurhaften Meinung nach (ich bin ja kein Koch wie die Frau Lugert) ist da schon die Reihenfolge falsch. Wenn ich das eine Brot mit Senf bestreiche, erst den Kimchi und dann den Käse drauflege und auf das andere draufzuklappende Brot nur Käse, ist erstens der Zeitpunkt des Schmelzens unterschiedlich und zweitens hab ich die Reihenfolge Brot -> Senf -> Kimchi -> Käse -> Käse -> Brot. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, weshalb ich die Reihenfolge Brot -> Senf -> Käse -> Kimchi -> Käse -> Brot bevorzugen würde, wenn ich noch Kimchi hätte, aber der ist nu alle.

Ich bin auch nicht sicher ob man den ganzen Kram in der Pfanne machen sollte wenn man einen Kontaktgrill besitzt, mit Butter beschmieren kann ich die auch so und brauch dafür keinen ganzen Esslöffel. Aber vielleicht hat Frau Lugert ja keinen Kontaktgrill und muss das deshalb in der Pfanne machen.

Heute hab ich einen Kopf Weißkohl gekauft. Nicht etwa, weil ich vorhätte Kimchi zu machen, das würde viel zu lange dauern und ich hätte Chinakohl kaufen müssen, aber Frau Lugert hat da wieder etwas in petto, was ziemlich einfach klingt und auch ein klein wenig exotisch, Krautfleckerl hatte ich jedenfalls bisher nicht auf dem Zettel. In diesem speziellen Fall werde ich mich allerdings nicht sklavisch an das Rezept halten, denn Kümmel ist so ziemlich das ekelhafteste Gewürz überhaupt. Das muss auch ohne gehen.

Sollte das dann zu einer Enttäuschung führen muss ich wohl wieder eine meiner simplen Eigenkreationen bemühen. Die Garnelen mit Schalotte und Knoblauch in Portweinsahne mit den roten Chilinudeln von Aldi waren ziemlich genial und die Zutaten sind alle vorhanden.

Foto dazu: Chicoréesalat mit Mandarinen / Samsung A33

Musik dazu: Mark Knopfler - Down The Road Wherever

Freitag, 19. August 2022

Nur einmal im Jahr, aber dann richtig


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich August! Der macht die Tätigkeit in der Küche für gute 14 Tage zu einer sehr entspannten Angelegenheit, weil ich mir keine großen Gedanken mehr um den Speiseplan machen muss. Seit im Kalender ein festes Datum eingetragen ist, reicht ein Anruf bei meiner bevorzugten Obst- und Gemüsehändlerin, um die erste Lieferung der jährlichen Bühler Frühzwetschenernte auch garantiert nicht zu verpassen. Mal gucken, wie weit ich mit den 2.5 Kilo komme.

Für Mehl, Eier, Zucker und Milch in entsprechenden Mengen ist gesorgt, folglich werde ich mich für einige Zeit sehr einseitig ernähren. Bis es zu den Ohren wieder raus kommt, aber immerhin vegetarisch 😄

Sonntag, 22. August 2021

Meine vegetarische Woche

 









Montag: Pflaumenpfannkuchen

Dienstag: Pflaumenpfannkuchen

Mittwoch: Pflaumenpfannkuchen

Donnerstag: Bratkartoffeln, Spiegelei und Sweet Chili Gurken, wegen der Abwechslung. Oder weil ich keine Bühler mehr hatte, was wahrscheinlicher ist.

Freitag: Pflaumenpfannkuchen

Samstag: Pflaumenpfannkuchen

Sonntag: Pflaumenpfannkuchen

 

Was will man machen, wenn man maximal ein bis zwei Wochen im Jahr hat, an denen man sein seit-der-Kindheit-Leibgericht zubereiten kann. Falls man den Zeitpunkt für Bühler Frühzwetschgen nicht verpasst, wie ich im letzten Jahr. Zwei Jahre der Entbehrung, da kann man schon mal überkompensieren, oder?

Hab ich jetzt die Schnauze voll? Kommt das nach einer Woche zu den Ohren raus? Jaaaain, also jetzt gerade schon, darum gibt es ab morgen wohl Spaghetti mit Garnelen und Erdnuss-Pesto und irgendwas leckeres mit Rosenkohl und Birnen, aber nach  zwei Tagen kann das natürlich schon wieder ganz anders aussehen. Eventuell fahre dann noch einmal bei der weltbesten Obst- und Gemüsehändlerin Susanne Jegotka vorbei.

Nur mal gucken. Vielleicht sind ja noch welche da.


Sonntag, 22. September 2019

Lifestylequatsch für Kaffeejunkies

















Aus keinem Tankstellenkühlregal sind sie wegzudenken, die kalten "Kaffeespezialitäten" aus dem Pappbecher von so sympathischen Firmen wie Nestlé oder Mövenpick, die mehr aus Milch, Zucker und Aroma bestehen als aus Kaffee. Da ich von so sympathischen Firmen nichts kaufe muss ich das also selber machen, am besten natürlich gleich mit kalt angesetzem Kaffee.   

Seit ich mir einen Vollautomaten angeschafft habe ist das Zeug hier zur unangefochtenen Droge Nummer 1 geworden. Kaffee und Espresso geht also klar, blieb nur noch zu klären, wie ich am bequemsten an größere Mengen Cold Brew komme, weil das Zeug hier leider auch rasend schnell verdunstet und die bisherige Methode mit Haushaltsdose und Kaffeefilter auf Dauer zu umständlich scheint.

Da kalter Kaffee schon seit einiger Zeit ein großer Hype ist, haben schlaue Leute natürlich direkt diverse Hilfsmittel erfunden, von denen ich mich für ein 1.5 Liter Brew Jar entschieden habe. Kaltes Wasser rein, den Edelstahlfilter mit grobem Kaffeepulver füllen, 18 bis 24 Stunden im Kühlschrank stehen lassen, zack, fertig ist der Kaffee. So haben die sich das gedacht und ich mir eigentlich auch.

Doch leider passen in den Filter gerade mal 150 Gramm Kaffee, auf eineinhalb Liter sind mir das mindestens 100 zu wenig. Für Leute die ihren Cold Brew pur trinken möglicherweise ausreichend, aber für meine eiskalten Eiskaffees oder die Tonicmische deutlich zu wenig Wumms und vor allem zu wenig Aroma, trotz erstklassiger Bohnen.

Immerhin habe ich durch die vielen Experimente inzwischen eine Sorte gefunden, die dermaßen schokoladig ist, dass man sich die Kugel Eis im Drink fast sparen kann.

Foto dazu: Brewjar Cold Brew Jar
Musik dazu: Thees Uhlmann - Junkies und Scientologen


Sonntag, 8. September 2019

Abgerechnet wird zum Schluss



















Eine Stunde steht man in der Küche um sich lecker Biryani zu köcheln, mit Shrimps, Huhn, Cashews, Rosinen und allem was so dazu gehört, nur um hinterher bei der Kalorienzählerei von der App die fette Rechnung zu bekommen. Der Pfanneninhalt hat locker 1700 Kalorien, dabei habe ich das zum Braten notwendige Ghee noch nicht einmal eingerechnet und das Zeug haut garantiert doller rein als Butter. Immer der gleiche Ärger mit dem Lieblingsfutter, genau wie die 1300 Kalorien beim Pflaumenpfannkuchen, sollte man nicht allzu oft machen.

Glücklicherweise ist die veranschlagte Menge ausreichend für zwei Tage und 872 Kalorien hören sich nicht mehr ganz so übel an, vor allem wenn das Frühstück dafür etwas schmaler ausgefallen ist.

Vor ein paar Monaten hätte ich noch nicht im Traum daran gedacht meine Kalorienzufuhr zu überwachen, doch die moderne Technik macht das inzwischen relativ einfach. Als Junior mit Lifesum um die Ecke kam, war ich durch die simple Bedienung schnell überzeugt. Lebensmittel einscannen und *zack* hat man (meist) exakte Ergebnisse, jedenfalls solange das Lebensmittel einen Barcode besitzt. Bei frischen Zutaten guckt man einfach mal in die große Internetdatenbank, der Arbeitsaufwand hält sich jedenfalls in Grenzen und ein bisschen mehr auf die Ernährung achten kann nicht schaden.

Unterwegs mal eben das kleine Hüngerchen mit einem "Premiumburger" von Macces bekämpfen überlegt man sich nämlich zweimal, wenn man feststellt, dass der auch nicht besser schmeckt als der Rest, nur für eine knappe Stunde sättigt, aber dafür mit fast 900 Kalorien zu Buche schlägt. Ein paar leckere Merguez vom Grill und dazu Pommes aus dem Ofen? Auch 900. Mayo auf die Pommes verdoppelt das Ergebnis. Ben & Jerrys kaufe ich, wenn überhaupt, nur noch in kleinen Bechern, weil ich bei 500ml gerne mal die Beherrschung verliere und sich 1225 Kalorien nur noch kompensieren lassen, wenn man sich den Rest des Tages von Feldsalat ernährt.

Sehr praktisch ist es, dass man seine eigenen Rezepte eingeben kann, gerade bei öfter gekochten Lieblingsrezepten fällt nur einmal kurz etwas Arbeit an, die man locker erledigt während der Reis kocht oder der Makkaroniauflauf mit Schinken im Ofen ist, den ich jetzt auch etwas seltener machen werde. 

Dabei stößt Lifesum leider an seine Grenze, will man mehr als zwei Rezepte speichern muss man zur Bezahlversion greifen, die in der günstigsten Variante jährlich 40 Euro kosten soll. Die Alternative kommt - ausgerechnet - von Under Armour, womit ich jetzt das erste Mal ein Produkt dieser Firma nutze. Für MyFitnessPal kann man zwar auch Geld ausgeben, die wichtigen Grundfunktionen sind aber in der kostenlosen Version nicht limitiert und die Werbung nervt nur so mittel, da kann man mit leben.    

Die Nahrungsmitteldatenbank soll über 300.000.000 Einträge haben, was mich nicht wundert, denn durch den regen Datenaustausch kennt die inzwischen auch den Slawischen Brotschmaus meines lokalen Edekahökers.

Der ist übrigens ziemlich lecker auf frischem Dinkel-Kürbis Brot vom Backhus. Ist alles in der Datenbank, kann man alles mal essen. Abgerechnet wird dann zum Schluss. 

Foto dazu: Biryaniphone - Canon SX 
Musik dazu:  Ahmedou Ahmed Lowla - Terrouzi

Dienstag, 12. Februar 2019

All die leckeren Sachen..
















..kann man ganz einfach selber machen. Das suggeriert jedenfalls der wöchentliche Einkaufszettel meines Lieblingsdiscounters, der nicht nur tolle Rezepte für das Wochenende beinhaltet, sondern auch gleich die passenden Zutaten offeriert. Ganz billig preiswert natürlich. Hähnchenschenkel für'n Appel und für'n Ei, das passende Gemüse, Gewürze, Senf, Olivenöl etc pp, man muss überhaupt nicht mehr woanders einkaufen.

Das klingt eigentlich gar nicht so blöde. Blöde ist nur jemand, der sich von solchen Titeln wie Chili-Senf-Ofengemüse triggern lässt, spontan den ganzen Kram (ohne die Hähnchenschenkel) kauft, ohne das Rezept aufmerksam zu studieren und sich erst in der Küche über die Mengen- und Zeitangaben wundert. Also ich.

Inzwischen habe ich gelernt, dass mit der Vorbereitungszeit (hier 10 Minuten) wahrscheinlich das Auspacken der Einkaufstaschen gemeint ist und keineswegs die ganze Gemüseschnibbelei, denn fast 2 Kilo Gemüse zerkleinert nicht einmal der weltbeste Chefkoch in zehn Minuten schätze ich. Das zählt dann wohl zur Zubereitungs- und Garzeit, die mit etwas über einer Stunde etwas realistischer ausfällt.

Den Rosenkohl zu putzen und Möhren sowie Süßkartoffeln in dünne Scheiben zu schneiden verschlingt dann auch locker eine halbe Stunde, obwohl ich natürlich die Mengen auf eine Person umgerechnet habe. Als Küchenlegastheniker mit scharfen Messern zu hantieren erfordert höchste Genauigkeit und Aufmerksamkeit, hätte ich dem Rezept beim ersten Blick ebendiese Aufmerksamkeit geschenkt, wäre mir wohl vorher schon die eine oder andere Merkwürdigkeit aufgefallen.

Spätestens jedoch bei der Herstellung der Gemüsemarinade merkt man, dass niemand dieses Rezept wirklich getestet haben kann. Zwei Esslöffel Olivenöl, zwei Teelöffel scharfer Senf und Chiligewürz nach Geschmack. Für insgesamt 1.75 Kilo Gemüse. Das müsste man schon mit der Pipette verteilen, damit jedes Gemüseteil auch wirklich einen Tropfen abbekommt. Reicht trotzdem nicht, auch nicht für lächerliche 400 Gramm, also verdreifacht man die Menge, damit auch wirklich das ganze Gemüsemischmasch ordentlich mit Chili-Senf-Öl benetzt ist und endlich kann das in den Ofen. Zwanzig bis dreißig Minuten, nach meinen Erfahrungen mit den vorigen Angaben also lieber dreißig, Rohkost ist nicht so meins.

Wird es dann leider doch, denn der Rosenkohl hat nach dreißig Minuten zwar schon das eine oder andere schwarze Blättchen vorzuweisen, ist aber dennoch steinhart und nicht wirklich genießbar. Immerhin taugen die dünn geschnittenen Möhren und Süßkartoffeln so halbwegs als Beilage für meinen Lammlachs vom Grill und vielleicht war das ja der Fehler. Eventuell muss da wirklich ein dicker Hähnchenschenkel im Ofen brutzeln, damit der Rosenkohl garen kann.

Ausprobieren werde ich das allerdings nicht mehr, so sehr hat das Chili-Senf-Gedöns nun doch nicht gerockt.

Foto dazu: Smartphone
Musik dazu: The Tallest Man On Earth - Dark Bird Is Home 


  

Sonntag, 5. August 2018

Das Ende der Askese














Vierundzwanzig Monate auf das Leibgericht verzichten müssen, nur weil hier nirgendwo Bühler Zwetschgen zu bekommen sind, ist schon hart genug. Täglich auf den Anrufbeantworter schielen, nur weil die nette Obsthändlerin mal versprochen hat sich im Erfolgsfall zu melden, ziemlich frustrierend. Sämtliche Märkte der Umgebung abklappern, in der vagen Hoffnung irgendwo die dringend benötigte Zutat zu finden, alles ergebnislos.

Und dann latscht mal nur kurz für Kaffee beim Lebensmittelhöker rein und findet, neben Bergen von "Čačaks Schönen", irgendwelchen namenlosen ungarischen Erzeugnissen und in Schalen verpackten "Hanitas" noch genau drei Packungen mit echten Bühlern. Was ein aufmerksamer Blick beim Einkauf doch wert sein kann, Halleluja!

Jetzt muss das Dry Aged Rumpsteak halt noch eine Woche vor sich hin agen, die kleinen blauen Dinger können das nicht so gut ab, die müssen weg. Nach fast zwei Jahren der Askese schlag ich jetzt voll über die Stränge, aber drei Tage am Stück sündigen muss auch mal drin sein.

Auf den Anrufbeantworter schielen werde ich trotzdem noch.


Produktfoto dazu: Samsung S5  
Musik dazu: Rilo Kiley - Under The Blacklight

Samstag, 10. Februar 2018

Küchenkatastrophen
















Roggenbrot mit Sauerkraut schmeckt auch dann wie Roggenbrot mit Sauerkraut, wenn man pfundweise Pastrami in der Mitte schichtet, das Zeug dick mit Appenzeller überbackt und mit selbst gerührtem 1000 Island Dressing verfeinert. Wieso ich auf die blöde Idee gekommen bin ein Reuben Sandwich selber zu machen? Das blöde Internet ist natürlich schuld daran. Reuben Sandwich. Voll berühmt ey, das Reuben, muss man mal gegessen haben. Am besten natürlich in den berühmten New Yorker Delis, vielleicht sogar in dem Laden in dem Harry und Sally eins gegessen haben. Komm ich im Leben nicht mehr hin, also selber machen. Abwechslung auf den Speiseplan, jippiyeah.

Roggenbrot mit Sauerkraut, völlig bescheuerte Idee. Das Dressing immerhin war tauglich, das hat die ganze Chose noch halbwegs gerettet, hätte ich mehr von machen sollen. Könnte man auch gut zum Salat... okay, vergessen wir's.

Wenn das mit der festen Nahrung schon nicht klappt, dann wenigstens mit dem flüssigen Nachtisch, flüssig kann ich. Also, eigentlich. So lange es sich nicht um Tee handelt jedenfalls. Mit Tee habe ich keinerlei Erfahrungen jenseits des Teebeutels und das auch nur bei schweren Männergrippen, denen ich in den letzten Jahren erfolgreich aus dem Weg gehen konnte.

Matcha zubereiten soll allerdings ganz einfach sein, etwas heißes Wasser, die richtige Menge dieses sündhaft teuren Pulvers dazu und ab in den Milchaufschäumer bis es schäumt.

Jedoch, es will nicht so recht. Mein Matcha schäumt weniger als der Kaffee aus der Padmaschine, das kann nicht richtig sein. Der heftig geschwungene Schneebesen hilft ebenfalls nicht weiter, kein Schaum weit und breit, aber ob sich bei meinem Talent der Kauf eines Matcha-Besens aus Bambus gelohnt hätte? Auf den Matcha Gin Tonics die KleinerTod neulich bei Twitter in den Raum gestellt hat, war ein richtig dicker Schaumrand zu sehen. So etwas will ich auch, das Auge trinkt schließlich mit.

Mein MatchaGT ist leider nur grün, aber immerhin schmeckt er. Wie Gin Tonic mit Matcha halt, aber das war schon vorher deutlich erfolgversprechender als Roggenbrot mit Sauerkraut.

Getränk dazu: Matcha, Bombay Sapphire, Fever Tree Mediterranean Tonic
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Box Set Disc 6

 

Montag, 4. Dezember 2017

Chefberater für Küchenluschen














Es gibt tatsächlich noch Menschen, die von meinen (lange nicht mehr ausgeübten) Fähigkeiten in der Küche schwärmen. Doch, wirklich. Gerade erst wieder gehört. Das sind die Leute, für die ich früher im Urlaub so grandiose Sachen wie Chili con Carne oder Spaghetti Bolognese gezaubert habe, manchmal sogar ein Gumbo aus Flusskrebsen oder, gegen einigen Widerstand, immerhin einmal Labskaus.

Alles Dinge, die jeder senile Trottel in der Küche hinbekommen sollte, weil man die Zutaten nur in der richtigen Reihenfolge in den Topf schmeißen und ordentlich umrühren muss. Solange man beim Kauf dieser Zutaten auf Qualität achtet, kann eigentlich nichts schiefgehen. Vorausgesetzt natürlich, man hat für das entsprechende Gericht auch die wirklich passenden Ingredienzen gefunden und vertraut nicht auf irgendein Dingsbums-Fix aus der Tüte.

Um dabei ganz sicher auf der richtigen Seite zu sein fragt man am besten Mutti. Die eigene, nicht Merkel. Ist Mutti nicht greifbar und die richtigen Kochbücher nicht im Schrank, hilft der Chefberater aller Küchenluschen im Netz: Chefkoch.de. Tolle Rezeptsammlung für jeden Schwierigkeitsgrad, sogar für Leute die zu doof sind hartgekochte Eier zu pellen.

Entsprechend viel abstruser Blödsinn selbsternannter Küchenkünstler wird dort natürlich auch veröffentlicht, aber wenn man alle Rezepte ignoriert in deren Zutatenliste Ketchup, Miracel Whip, Maggi, Fondor und ähnliches Zeug aufgeführt werden, kommt man einem vernünftigen Ergebnis schon recht schnell näher. So findet man bestimmt an die dreißig Rezepte für Coleslaw auf den Seiten, aber nur eins das mich wirklich überzeugt hat.

Auf der Suche nach neuen Küchenexperimenten hab ich mich dessen erinnert und mich gefragt, ob der Herr oder die Dame mit dem Nick "quargl" noch etwas taugliches beisteuern konnte und siehe da, das Nudelgericht *Wüstensonnenuntergang* klingt zwar irgendwie seltsam, aber schon die Liste der Zutaten ist recht vielversprechend. Zumal ich gereiften goldenen Tequila im Haus habe, den muss ich nicht extra kaufen.

Viel Knoblauch und ein wenig Chilischärfe mit ganz viel Koriander, Tequila, Limettensaft und ein paar Hühnerbrüste würfeln? Kann man mal machen. Lohnt sich am Ende auch, obwohl ich für den frischen Koriander nach Winterhude zu Stani musste, weil hier im Umkreis von zehn Kilometern keiner das Zeug hatte, aber ja, war lecker. Würde ich, trotz des relativ hohen Aufwandes, sogar irgendwann noch einmal machen.

Ein paar merkwürdige Ungereimtheiten sind mir trotzdem wieder einmal aufgefallen, aber die werden sich wohl nur klären lassen, falls "quargl" das hier zufällig eines Tages lesen sollte:

Arbeitszeit: ca. 25 Min.

Ernsthaft? Das brauche ich alleine für Knoblauch und den Koriander.

Die Nudeln bissfest kochen.

Ja, irgendwann. Wenn abzusehen ist, dass sich der Wüstensonnenuntergang seiner Fertigstellung  nähert. Nudeln brauchen zehn Minuten. Der Rest wesentlich länger, weil:

Vom Koriandergrün gut die Hälfte nehmen und mit dem Knoblauch und den Jalapenos in 2 EL Butter 5 Minuten anbraten. Den Hühnerfond, Tequila und Limettensaft angießen; aufkochen lassen und so lange weiterkochen, bis alles beinahe zu einer Paste wird, beiseite stellen.

Bei der angegebenen Flüssigkeitsmenge kann das eine halbe Stunde vor sich hinköcheln, ohne dass das jemals zu einer Paste wird, am Ende bleibt halt das Grünzeugs übrig. Warum man Fond, Limettensaft und Tequila vollständig verkochen sollte wird mir auch nicht ganz klar, weshalb ich das irgendwann abgebrochen habe, die Hühnerteile waren eh soweit.

Geschmeckt hat es trotzdem.

Fotos dazu: Samsung S5 Galaxy
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, Red IPA, 6.7%
Musik dazu: Shpongle -  Are You Shpongled?/ Tales Of The Inexpressible




Mittwoch, 29. März 2017

Meine erste Torte
















Okay, das Design ist noch ziemlich rudimentär, aber die Farben stimmen wenigstens so halbwegs. Bei Version 2.0, so es sie irgendwann geben wird, gebe ich mir mehr Mühe damit. Vorerst ging es ja nur um den Geschmack, denn seit das Café Andersen geschlossen ist finde ich diese reizvolle Kombination aus Schokolade und Birne einfach nicht mehr, also heißt es selber Hand anlegen.

Bei einem zweiten Versuch werde ich wohl auch den Tortenboden selber backen müssen, weil das gekaufte Massenprodukt aus der Plastikverpackung eindeutig der schwächste Teil an diesem Konstrukt gewesen ist. Als ausgesprochen gute Idee allerdings erwies es sich, den Tortenboden mit fruchtiger Williams Christ Marmelade zu bestreichen, bevor er mit (etwas zu) hauchdünnen Birnenscheiben belegt wurde.

Die mit Hilfe des oettigen Doktors hergestellte Schokoladen-Sahne ließe sich möglicherweise auch noch durch eine dunklere Eigenherstellung verbessern, aber man will es beim ersten Versuch ja nicht gleich übertreiben mit diesem DIY. 

Die Kollegen waren jedenfalls überwiegend angetan von meiner ersten Torte, wenn sie nicht schamlos gelogen haben. Dagegen spricht allerdings das letzte kleine Stück, dass sie mir für heute Abend gelassen haben.

Ist auch gut so, denn die Konstruktion so einer Halbfertigtorte ist zwar gar nicht mal so schwierig wie gedacht, aber alleine essen kann man so ein Ding einfach nicht.


Bier dazu: Kehrwieder SHIPA Amarillo, 7.5%
Musik dazu: BoDeans -  I Can't Wait

Sonntag, 19. Februar 2017

Woran man beknackte Rezepte erkennt














Auf Dauer kann das nicht gesund sein, dieser Griff zu Fertiggerichten oder Telefonen. Irgendwann hat man auch die Schnauze voll von Pizza- und Chinaman, vor allem wenn man im Internet laufend  über lecker klingende Rezepte fällt. Natürlich alles ganz simpel und daher auch für Küchenlegastheniker geeignet, wie die gefüllten Süßkartoffeln, die mich vor ein paar Wochen auf der blöden Startseite des Firmenbrowsers anlachten. Klang alles total super, dabei hätten schon die Mengenangaben misstrauisch machen sollen..

Denn um die Süßkartoffeln zu füllen, soll man erst das Fleisch der vorher im Ofen gebackenen Kartoffel entfernen. Dieses wiederum gibt man zusammen mit Sahne und ein paar Gewürzen in einen Mixer und füllt das zurück in die Kartoffelschale. Soweit die Theorie.

Nun war ich in Mathe zwar nie die große Leuchte, aber die letzten Fragmente der Mengenlehre in meinem Gedächtnis sagen mir, dass da etwas nicht aufgehen kann. Ganz abgesehen davon, dass man leere Süßkartoffelschalen nicht mit dünnem Brei füllen und daher weder Käse noch Schinken darauf streuen kann.
Es sei denn man füllt das ganze Zeug in einen Teller und isst Süßkartoffelsuppe. Was nicht der ursprüngliche Plan war.

Eine Woche später twittert jemand in meiner Timeline etwas von Rosenkohlauflauf. Au ja! Rosenkohl! Gesund und außerdem lange nicht gegessen. Auflauf ist auch toll, dann hat man das Schlachtfeld schon aufgeräumt bevor das Essen fertig ist und locker zwei Tage was zu futtern. Das Rezept dafür suche ich bei Menschen, die sich vermeintlich mit der Kochkunst auskennen und damit im Internet angeben. Also auf chefkoch.de. Zu dumm, dass der Chefkoch sich damals nicht rechtzeitig diese URL gesichert hat, dann hätte man vermutlich etwas Gescheites finden können.

Das ausgewählte Rezept strotzt auch hier vor Ungereimtheiten, die mich als Küchenlegastheniker verwirren, abgesehen vom Griff zur Maggiwürze. Wenn ich in Scheiben geschnittene Pellkartoffeln, gar gekochten Rosenkohl und eine in der Pfanne zubereitete Hackfleischkäsesauce übereinander schichten soll, warum muss das dann noch 30 bis 40 Minuten bei 200° in den Ofen? Miteinander verschmelzen wird die Masse auch in drei Stunden nicht und für den Käse reichen 15 Minuten. Oder sogar nur 10, was weiß ich. 

Auch die Empfehlung, die Hackfleischsauce etwas kräftiger zu würzen, weil die Pellkartoffeln ja nicht gesalzen sind, erscheint mir höchst überflüssig. Ein paar Flocken Meersalzbutter auf die Scheiben und das Problem ist gelöst. Mit Meersalzbutter und ohne Maggi war das dann auch gar nicht so schlecht. So unglaublich umwerfend allerdings auch nicht, dass ich das wiederholen müsste.

Als Retter meiner bisherigen Bemühungen in der Küche erwiesen sich dann die veganen Zeitrafferköche von @bosh.tv mit ihrem Rezept von Spicy Tofu Zoodles. Mit einem Saucenmix aus Erdnussbutter, Reiswein, Sojasauce, Sesamöl, Sambal Oelek, frischem Knoblauch und Ingwer. Schon diese Kombination ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hammer! Allerdings braucht man für die Zoodles einen Spiralschneider, den ich nicht habe, damit man Zucchini in dünne kleine Gemüsenudeln schnibbeln kann, was ich nicht konnte. Weshalb ich die kurzerhand durch ordinäre Spaghetti ersetzt habe.

Beim Einkauf leider völlig vergessen habe ich den Tofu, daher mussten Garnelenschwänze und Hühnerfilet als Ersatz dienen, aber sonst ist alles wie im Rezept. Sogar das Topping aus gehackten Schalotten und Sesamsamen. 

Kann man mal machen. Auch zweimal.

Rezeptfotos: Rosenkohlauflauf & Fake-Zoodles / Samsung S5
Rezeptbier: Craftwerk Hop Head IPA 7, American Indian Pale, 8.0%
Rezeptmucke: Neil Young - Mirror Ball



Freitag, 27. Januar 2017

Das ist doch kalter Kaffee!
















Das wird jedenfalls so mancher denken und liegt damit gar nicht so falsch, denn für diesen Drink benötigt man genau das als Zutat: Cold Brew. Der neueste Trend auf dem Kaffeemarkt, kalt "gebrühter" Kaffee. Um diesen selber herzustellen benötigt man 200 Gramm grob gemahlene Kaffeebohnen, gießt diese mit einem Liter möglichst gefiltertem Wasser auf und lässt das Gebräu dann zwischen 1 und 24 Stunden bei Zimmertemperatur ziehen.

Die Angaben im Internet gehen da nämlich sehr weit auseinander, die meisten bevorzugen jedoch irgend etwas zwischen 8 und 12 Stunden, als Anfänger habe ich einfach mal mit 10 angefangen. Nach der etwas mühseligen und langwierigen Filterung (ein richtiger Kaffeefilter aus Porzellan dürfte den Prozess beschleunigen) ist man im Besitz eines hochwertigen Kaffeekonzentrats, das sich im Kühlschrank zwei Wochen halten soll.

Mit kochendem Wasser kann man daraus einen aromatischen, säurearmen Kaffee zaubern, mit Vanilleeis wahrscheinlich einen sauguten Eiskaffee (noch nicht getestet) oder den Kick-in-the-ass-Drink schlechthin. Für diesen kippt man 1/4 Gin, 1/4 Cold Brew und 2/4 Tonic über einen Haufen Eiswürfel und eine Scheibe Zitrone, rührt kurz um, misst vor dem ersten Schluck noch sicherheitshalber seinen Blutdruck, et voila: Cold Brew Gin & Tonic.

Sehr krasses Zeug, kann man sich dran gewöhnen. Nur die passende Tageszeit dafür will mir noch nicht recht einfallen, entweder ist man morgens schon besoffen oder am Abend hellwach, wer die Nacht durchmachen will kann damit aber sicher etwas anfangen.

Kalte Fotos: Nikon D90/ Samsung S5
Kaltes Getränk: 5 Continents Hamburg Dry Gin, Cold Brew (African Blue, Tchibo), Schweppes Dry Tonic
Heiße Musik: Jim Suhler & Monkey Beat - Bad Juju / Tijuana Bible



Sonntag, 15. Januar 2017

GT Vampir Style
















Für die Liebhaber kalter klarer Getränke habe ich etwas mit Farbe experimentiert, damit die Fotos sich nicht immer so ähnlich sind. Genau genommen habe ich ein Rezept aus dem beiliegenden Rezeptbüchlein des letzten Bombaysonderangebotes ausprobiert und für gut befunden.

Dazu bastelt man sich mit Hilfe von Hibiskusblüten und Mineralwasser ein paar schicke rote Eiswürfel, gibt diese zusammen mit Zitronenzesten in ein Glas, füllt das mit Bombay Sapphire und (in diesem Fall) Fentimans 19:05 Herbal Tonic Water. Dann rührt man das ganze mit einer Spalte Granny Smith etwas um, lässt diese ins Glas plumpsen, et voilà: Hibisceae.

Schmeckt.


Vampirfoto: Nikon D90, Blende 5, ISO 1600
Vampirmusik: Feist - The Reminder / Metals

Samstag, 24. Dezember 2016

Das voll ökologische Weihnachtsbäumchen






















Aus Gründen der Bequemlichkeit gibt es hier eigentlich schon länger kein blinkendes Nadelgewächs mehr, aber um dem festlichen Anlass wenigstens etwas Genüge zu tun machen wir dieses Jahr eine Ausnahme. Mit einem geradezu winzigen Bäumchen - ohne Kerzen allerdings, weil die unter Wasser Gin Tonic eh schlecht brennen würden. Wertvollen Strom spart das ebenfalls, das Beispiel sollte also unbedingt Schule machen. Zumal es auch noch schmeckt.

Allen Lesern und Bilderguckern ein frohes, friedliches, möglichst ökologisches und auch noch wohlschmeckendes Weihnachtsfest.


Baumfoto: Pentax / gesponsert vom Pappenheimer
Baumgetränk: Gin Sul, Zitrone, Rosmarin & Fentimans Tonic 
Baummusik: The Rolling Stones - Havana Moon

Freitag, 25. November 2016

Das kleine Buch der vergessenen Schätze














Immer wenn die Nachbarin kocht riecht es im ganzen Treppenhaus derart lecker nach guter alter Hausmannskost, dass ich am liebsten klingeln und mich zum Essen einladen würde. Wie früher bei Muddern, nur dass Muddern schon lange keine Lust mehr hat zu kochen, das angeblich gar nicht mehr kann und so gut wie alles vergessen hat.

Während mein Schwesterherz ganz geschickt einmal im Jahr so etwas wie Curryhuhn oder wenigstens ein paar Kohlrouladen für den Tiefkühler abgreift, bekomme ich auf die Frage nach speziellen Rezepten immer die gleichen Antworten: So etwas habe ich mal gekocht? Das weiß ich doch nicht mehr. Daran kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Ach was, das hat Oma immer gemacht, ich weiß nicht wie das geht.

Und dann erfährt man nach Jahren vergeblicher Nachfragen irgendwann ganz nebenbei, dass ein Kochbuch existiert in dem sie all ihre Rezepte fein säuberlich aufgeschrieben hat. Alle! Rezepte! Auch das mit dem heißen Kirschauflauf und der Vanillesauce, auch die grünen Nudeln mit Schinken, das Curryhuhn und das Quarkbrot von Oma Frieda, von dem man immer nur eine Scheibe essen konnte, weil das Zeug wie Blei im Magen lag.

Demnächst werde ich wohl etwas mehr Zeit in der Küche verbringen.

Kochbuchbier: Mashsee/Buddelship Moonshine Midnight Brew, Imperial Pils, 7.0% 
Kochbuchmusik: Widespread Panic - Street Dogs






Mittwoch, 17. August 2016

Vegetarier für mindestens eine Woche














Pflaumen = Obst = Vitamine = gesund. Da kann man auf keinen Fall von Mangelernährung sprechen, nur weil man sich seit Tagen fast ausschließlich von Pflaumenpfannkuchen ernährt. Fast zwei Kilo habe ich in den letzten Tagen (im wahrsten Sinne des Wortes) verbraten. Erscheint ewas einseitig vielleicht, das mag sein, aber ich hab die Zeit für Bühler im letzten Jahr verpasst.
Und DAS war Mangelernährung!



Pflaumenpfannkuchenfoto: Samsung Galaxy S5
Pflaumenpfannkuchenbier: Mashsee Hafensänger, Baltic Porter, 6.1%
Pflaumenpfannkuchenmusik: Beausoleil - Bayou Cadillac / Cajun Conja

Dienstag, 23. Februar 2016

Fraktalgemüse
















Mathematische Vitamine? Hat es doch früher nicht gegeben so etwas. Wenn Muddi was gekocht hat, dann Blumenkohl, Kohlrabi, Erbsen und Möhren, Rot- Weiß- oder Rosenkohl, mit viel Pech Spinat, aber kann sich irgend jemand an so etwas wie Romanesco erinnern? Dieses seltsam grüne Spiralzeugs? Sieht schon völlig unnatürlich aus der Kram, das KANN überhaupt nicht gesund sein.

Wenn ich Mathematik essen will, dann allenfalls ein Mandelbrot.

Fraktalfotos: Tokina AT-X 2.8/100mm Makro
Fraktalbier: Von Freude Ale Primeur, 5.8%
Fraktalmusik: Fraktus - Welcome to the Internet





Freitag, 5. Februar 2016

Das Blumenkohlmassaker und andere Gemüsepleiten
















Man sollte sich gesünder ernähren, was heißt man, ICH sollte mich gesünder ernähren. Während der Woche ist das so gut wie ausgeschlossen, aber am Wochenende ist Gemüse angesagt. Gemüse ist lecker und gesund gleichzeitig, außerdem habe ich ewig keinen Blumenkohl gegessen. Mit viel Semmelbröselbutter drauf hmmmm, dafür könnte ich sogar auf das Schnitzel verzichten. Natürlich nehme ich den Bio-Blumenkohl, der einzige, der in Plastikfolie eingewickelt ist. Macht Sinn, dadurch wird er nicht von den (wahrscheinlich mit Pestiziden belasteten) Nachbarblumenköhlen kontaminiert. Und das bisschen Plastik mehr oder weniger...

Ausgepackt sieht er leider nicht mehr ganz so gut aus, die drei schwarzen Flecken am Rande entpuppen sich nach der vollständigen Entblätterung als ganz viele schwarze Flecken mit kleinen Löchern in der Mitte - und nach den ersten radikalen Schnitten stelle ich fest, das schwarze Gedöns setzt sich im inneren des Kohls weiträumig fort. Zwar sind mit bloßem Auge keine lebenden (krabbelnden) Organismen zu erkennen, doch irgend etwas hat hier mal fleißig gegraben. Schwarze Pest statt Pestizide ist irgendwie auch keine Lösung, zumal dadurch am Ende so wenig Blumenkohl übrig ist, dass sich dafür kein Aufwand mehr lohnt. Für einen halben Strunk mit zwei Röschen mach ich kein Wasser heiß.

Also doch nur Schnitzel mit Bratkartoffeln, wäre da nicht die Gemüsenotration aus dem Tiefkühler. SÜSSKARTOFFELN mit gelben Karotten in Rosmarinbutter, da konnte ich nicht widerstehen. Das Zeug von Frosta ist meist nicht übel und Vitamine sind da sicher auch noch ein paar drin. Bestimmt mehr als Süßkartoffeln schätze ich, denn die machen nur 26% des Inhalts aus und verlieren sich fast in der Übermacht von 62% gelben Karotten. Der Name ist, gelinde gesagt, irritierend. Jedenfalls fühle ich mich ausreichend verarscht, als die fünf oder sechs frittierten Süßkartoffelscheiben zwischen dem ganzen Rest in die Pfanne purzeln.

Geschmeckt hat es trotzdem, aber gesunde Ernährung ist gar nicht so einfach wie man manchmal denkt.

Massakerbier: Hopfen Royal,6.9%, Brau-Manufactur Allgäu
Massakermusik: Steven Wilson - Transience / 4 1/2



Sonntag, 6. Dezember 2015

Der beste Burger der Welt...
















...ist mir wahrscheinlich noch nicht ganz gelungen, aber seit ich anständige Brötchen entdeckt habe bin ich auf dem richtigen Weg. Ein paar kleinere Schwachstellen müssen noch eliminiert werden, so ist zum Beispiel der Franco Zappata (Bild oben) mit der doppelten Lage besten Bio-Rindfleisches nur für Leute geeignet, die ihre Kiefer beim Essen ausrenken können und denen hohe Werte auf der Scoville-Skala relativ egal sind. Denn die restlichen Zutaten, wie Guacamole South of the Border, Habanero-Aioli, alter Cheddar, schwarze Tomate und Eisbergsalat sind schwerlich zu verbessern, bei diesem Namen ist die Schärfe jedenfalls relevant.

Beim Nat King Cole Slaw BBQ Pork (Bild unten) mit Pulled Pork, Coleslaw und Hickory-Honey BBQ Sauce hängt die Schärfe sehr stark von der Lagerzeit des Coleslaw ab. Nach zwei Tagen im Kühlschrank haben die drei kleinen Chilis ihre Wirkung erst richtig entfaltet, nicht auszudenken wenn ich mehr genommen hätte. Glücklicherweise habe ich vor der Herstellung des Salates noch eine kleine Chilispitze gekostet, was mich dann noch eine halbe Stunde gekostet hat bis ich wieder ohne Schmerzen atmen konnte. Einziger Schwachpunkt bisher ist die Konsistenz des Krautsalates, weil man (also ich jedenfalls) einen Weißkohl auch mit dem schärfsten Katana nicht so fein häckseln kann wie es nötig wäre.

Nur für harte Jungs und Mädels gedacht, der Name sagt es schon, ist der Mike Thai-Son. 100% Chicken gegrillt vom Hähnchengriller mit Sriracha-Mayonnaise, Eisbergsalat, Tomate, roter Zwiebel und Roasted Peanut Garlic Sauce. Ein Fest für extrascharfe Nussliebhaber, aber wahrscheinlich nicht tauglich für den Massengeschmack. In Holland würde ich den glatt anbieten, Deutschland ist noch nicht reif dafür.

Den kritischen Selbsttest zu 100% bestanden hat bisher nur die Alpine Zabine, die kommt zwar vergleichsweise harmlos daher, mit 200 Gramm Angusrind, aromatischem Schweizer Bergkäse (doppelte Lage), Eisbergsalat, Oliventomate, Mayonnaise und Balsamicozwiebelrelish, wäre aber ganz sicher der Topseller, würde ich es jemals in Erwägung ziehen eine Burgerbude zu betreiben. Vorher müsste ich allerdings die Frau wiederfinden die das Balsamicozwiebelrelish verhökert...

..bis dahin gehe ich wieder auf die Jagd. Karnickel, Hirsche, Bären, Drachen und so.. Kalorien virtuell ablaufen *g*

Burgerbier: Kuehn Kunz Rosen Mystique Weizen IPA, 7.0%
Burgermusik: Zabine - Transalpin