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Donnerstag, 23. Oktober 2025

Kühlschrank to go

 













So manch einer wird das Problem kennen: Man sitzt bei sommerlichen Temperaturen im Garten und hat sich gerade ein kaltes Bier eingeschenkt, da fällt einem ein, dass man ja noch den Rasen mähen wollte. Eine Stunde später ist der Rasen gemäht – und das Bier pisswarm und ungenießbar. Oder man sitzt vor dem Rechner und hat beim Zocken alle Hände voll zu tun, sich der Monsterhorden zu erwehren, während die Eiswürfel im Gin Tonic fröhlich vor sich hinschmelzen und das Getränk verwässern.

Für Liebhaber eiskalter Erfrischungen ein untragbarer Zustand. So kam ich schon auf die Idee, den doch eher selten genutzten Flachbettscanner gegen einen Tischkühlschrank einzutauschen. Aber mal ganz abgesehen vom zusätzlichen Stromverbrauch – will man wirklich am laufenden Band einen Kühlschrank öffnen und schließen, nur um einen Schluck zu nehmen?

Hätte ich mich letztes Jahr auf Teneriffa stärker für die stylischen Trinkflaschen der Mädels interessiert, in denen die Eiswürfel auch nach zwei Stunden am Pool kaum an Masse eingebüßt hatten, wäre ich wohl schon früher auf die Lösung gekommen. Denn die Firma Stanley stellt neben diesen schicken Trinkflaschen auch allerlei andere Gefäße her, die Getränke zuverlässig kühl halten.

Unter anderem den Stanley Adventure Vacuum Stein Bierkrug mit einem idealen Fassungsvermögen von 0,7 Litern – darin bleibt das Bier auch nach einer Stunde Rasenmähen eiskalt, und die Eiswürfel überstehen sogar den zweiten Gin Tonic.

Ob das bei sommerlicher Hitze ebenso gut funktioniert, werde ich leider erst nächstes Jahr testen können. Aber da kein vernünftiger Mensch sein Trinkgefäß in die pralle Sonne stellt, bin ich da durchaus optimistisch.

 

Foto dazu: Stanley Beer Stone / Samsung A33

Musik dazu: Frightened Rabbit -  Painting Of A Panic Attack

Montag, 17. Juni 2024

Darmstadt für Fortgeschrittene Teil 3: Das Bierparadies

 









 

Dauerregen im Urlaub kann auf das Gemüt schlagen und zwingt zu überdachten Aktivitäten wie z.B. Museumsbesuchen. Im Hessischen Landesmuseum läuft noch bis Anfang Juni eine Sonderausstellung zum Thema Tod & Teufel und steht dabei in direkter Konkurrenz zur Dauerausstellung "Finde Dein Bier zwischen 1500 Sorten" im (ehemals) größten Biermarkt der Welt und die Interessenlage ist eindeutig, denn der Pappenheimer hat alkoholfreies Kehrwieder Coconut Grove auf der Webseite gefunden. 

Das muss unbedingt in unseren Kühlschrank und schließlich ist auch ein (ehemals) größter Biermarkt der Welt so etwas wie eine örtliche Sehenswürdigkeit. Alkoholfreie Bierspezialitäten finden sich reichlich in den Regalen und Gängen, bleifrei ist schwer angesagt, Flasche auf Flasche wandert in den Wagen, so dass ich bald um den Platz für meine wenigen Pullen kämpfen muss.

Das ist einer dieser verfluchten Läden, bei denen ein genauerer Blick auf das Sortiment an nur einem Tag die Urlaubskasse sprengen kann, weshalb ich die wirklich gefährlichen Gassen lieber gar nicht erst betrete. Statt einfach einen Sixpack Grohe Pils einzupacken wende ich mich, von der Vielfalt etwas überfordert, exotischem Gebräu aus England und Belgien zu. Dabei kann ich mich nicht entscheiden und such das irgendwann nach Farbe aus.

Wird spätestens dann bestraft, wenn man das Zeug auch alleine trinken muss.


Fotos dazu: Samsung A33

Musik dazu: Pearl Jam - Yield / Binaural

 


 

Freitag, 24. Mai 2024

Heute hier, morgen fort: Die große Lebensmittelverschwindung

 









Der neue Edeka Supermarkt an der Ecke ist voll super, deswegen heißt er ja auch Supermarkt. Neben den Grundnahrungsmitteln überrascht er immer wieder mit außergewöhnlichen Angeboten, von exotischen Früchten in der Obstabteilung bis hin zu kreischend bunten amerikanischen Süßigkeiten im XXL Family Pack. Da außer mir anscheinend keiner bereit ist 5 Euro für eine Amalfi Zitrone hinzulegen oder drei verschiedene Sorten Drachenfrucht zu probieren, hat sich das meist nach kurzer Zeit wieder erledigt mit dem Angebot, was man bei frischer Ware schon verstehen kann, bei vielen anderen Produkten aber ein ausgesprochenes Ärgernis ist.

Steht da doch seit Monaten ein schickes kleines klappriges Holzregal mit italienischen Nudeln und die scharfen roten Tagliatelle Peperoncino sind exakt das, was zu meinen Gambas in Portweinsahne passt. Natürlich sind diese Tagliatelle auch als erstes weg, was nicht an mir alleine liegen kann, bei den lächerlichen zwei Paketen die ich noch erwischt habe. 

Man ahnt es schon, hier wird niemals nachgefüllt, erst wenn die letzten drei Packungen Fettuccine Seppia und Tagliolini al limone genug Staub angesetzt haben fliegt der Rest inklusive Regal in den Müll und man kann sehen woher man in Zukunft seine roten Tagliatelle bekommt.

Ähnlich bescheiden sieht es in der Getränkeabteilung aus, in der ein Hannoveraner Startup seine "Limomente" vorgestellt hat, von denen die Sorte Kirsche-Waldmeister wohl nicht nur bei mir auf viel Zuspruch stieß, in drei Tagen komplett weg - und ich war es nicht. Nach Wochen des vergeblichen Wartens auf Nachschub entdeckte ich das Zeug bei einem anderen Edeka, der noch drei Pullen im Kühlregal hatte, wo sie wohl niemand entdeckt hat.

Im Regal selber verstauben die Reste an Apfel-Minze und Kirsche-Rose, was mich nicht weiter wundert, das eine ist zu gewöhnlich, das andere nix für Aleman. Aleman wolle keine Rose kaufe.

Der Ersatzsupermarkt erwies sich dann als weiterer Quell der Inspiration, die haben nicht nur die sauteure englische Gartenerdbeermarmelade im Regal, für die ich Idiot im Internet 5 Euro mehr bezahlt habe, die haben auch Mrs. Darlington's Legendary Orange Curd, von dessen Existenz ich bisher nichts ahnte. Ein legendäres Lemon Curd von Mrs.Darlington war leider nicht zu finden, also nahm ich das letzte Glas Orange mit. 

Leider ist das Zeug der Hammer, weshalb ich latürnich sofort das zitronige Gegenstück haben will, doch auch auf Nachfrage konnte mir niemand sagen, wann und von wem das nachgefüllt wird, weil die zwei Reihen der Mrs. Darlington im Regal nicht von Edeka bestückt werden.

Nach sechs Wochen haben sie es endlich geschafft und wahrscheinlich war es ein Fehler, nur ein Glas mitzunehmen. Sollte das Zeug ähnlich gut sein wie das Orange Curd, sind die Regale inzwischen garantiert wieder leer.

Nicht länger suchen muss ich jedenfalls nach Lychee im Fruchtsaftgetränkeregal. Nachdem es die Firma Zentis schon vor vielen Jahren geschafft hat, ihre einzige richtig gute Sorte aus dem Programm zu nehmen und mich damit zum Zentistotalverweigerer zu machen, hat die Firma Rauch jetzt nachgelegt und den einzig trinkbaren "Saft" aus ihrer Happy Day Serie aus dem Programm genommen. Man kann sich weiter mit Blaubeer, Himbeer, Erdbeer und Honigmelone überzuckern, aber eiskalter Lychee ist vorbei. 

Hatte nicht mehr so viele Fans sagt die Firma. Die müssen alle bei mir um die Ecke wohnen, denn wenn mal wieder eine Reihe Lychee im Regal stand war sie schnell auch wieder weg.  

Wahrscheinlich eher unfreiwillig aus den Kühltruhen verschwunden ist Häagen-Dazs - und zwar ziemlich zeitgleich aus sämtlichen Kühltruhen die man so kennt, Rewe, Edeka, Famila, Kaufland, sogar die lokalen Pizzalieferanten haben nur noch B&J im Programm. Bei Rewe soll das durch Mälzer & Fu ersetzt werden, ausgerechnet der kleine Timmi, dessen Produkte oft eine Halbwertszeit von einem Jahr nur mühsam erreichen, soll jetzt meine Lieblingssorten ersetzen.

Eis wird dann wohl in Zukunft auch nur noch vom Fachhandel bezogen. 

Foto dazu: Samsung A33

Musik dazu: Sea Level - Sea Level / Cats On The Coast


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M
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Die Sound-Funktion ist auf 200 Zeichen begrenzt

Sonntag, 24. März 2024

Der Fresstempel

 









Fährt man in eine fremde Stadt empfiehlt es sich, vorher schon wichtige Informationen einzuholen. Herr L. fand rechtzeitig einen Film über Aarhus in der ARD Mediathek mit vielen nützlichen Tipps, von denen ganz besonders zwei in seinem Gedächtnis geblieben sind:

Ein Schaumgebäckhersteller, der ungeheuer exquisite Schokoküsse mit Marzipanböden herstellt statt der üblichen Presspappe und der Aarhus Street Food Fresstempel mit den vielen leckeren Biersorten. Im Gegensatz zum Schokokussfabrikanten ist der gut zu finden, zwischen Bahnhof und ZOB, mit genügend Hinweischildern versehen, kaum zu verfehlen.

Das Angebot an Speisen ist wahrhaft überwältigend, Indisch, Griechisch, Mexikanisch, Vietnamesisch, Koreanisch, Türkisch, Italienisch, Nepalesisch, die unvermeidlichen Sushi, Burger, Fritten und selbstverständlich auch klassische dänische Küche mit Biksemad, Mørbradgryde und Smørrebrød. Man sollte vielleicht mal überlegen, ob ein Appartement in Aarhus nicht passender wäre, als eine hyggeligge Hytte am Fjord. Küche mit Kühlschrank reicht, Herd muss nicht.

Während ich noch unschlüssig vor den Bánh Mì Bandits herumlunger besorgen sich die Jungs dicke Entenburger und ich entscheide mich letztlich für eine große Portion Bibimbap mit Bøf, weil ich koreanischen Genüssen einfach nicht widerstehen kann, dazu ein frisch gezapftes Bier des Tages. Ein kühles Brewdog Punk IPA vom Fass für nur 40 Kronen, ganz erstaunliche Preise für Dänemark und ein weiteres Argument für Appartements.

Ich berzweifle allerdings, dass ich mich damit bei den Freunden des hyggeligen Kaminfeuers durchsetzen kann.


Fotos dazu: Aarhus Street Food DK - Nikon D7200/Samsung A33

Musik dazu: Ryan Bingham - Watch Out For The Wolf

 




 


 

 

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Donnerstag, 8. Juni 2023

Darmstadt für Anfänger Teil 2: Residenzen und Niederlassungen

 









Der Darmstadt nachgesagte mangelnde Charme (siehe Teil 1) liegt zum großen Teil sicherlich an der mangelnden historischen Bausubstanz, denn wie auch Hamburg litt Darmstadt sehr unter dem Hagel alliierter Bomben, kann den Verlust aber bedauerlicherweise nicht durch einen Fluss oder See kompensieren. Dafür steht an jeder Ecke ein Ludwig, Lui IV sitzt auf einem Pferd am Schloss, Lui I thront in 30 Metern Höhe auf einer Säule, deren Aussichtsplattform man über die 172 Stufen einer Wendeltreppe erreichen kann, wenn man unbedingt Wahrzeichen erklimmen will. Lui II und III hab ich nicht gesehen, aber irgendwo werden sie stehen.

Vom historischen Ortskern sind nur sehr wenige Gebäude noch erhalten wie das Alte Rathaus, das Regierungspräsidium, ein zwischen hässlichen Kaufhäusern herumstehender Weißer Turm und natürlich das Residenzschloss. Das wurde zwar auch zerbombt, aber Residenzschlösser baut man natürlich wieder auf, selbst wenn dort kein Lui mehr residiert. 

Der Vordereingang wird von eifrigen Securitymitarbeitern bewacht, der hintere Teil überrascht dafür mit einem kleinen Biergarten unter schattigen Bäumen und mit zugewachsenen Dornröschentüren. Geradezu märchenhaft, wenn man hier außer Kuchen auch etwas handfestes für den Magen bekommen könnte, womit wir bei den Niederlassungen wären, also den Orten, an denen man sich gerne niederlässt.

Besonders beliebt scheint der Ratskeller zu sein, was dem netten Personal und der günstigen Lage geschuldet sein mag, an der Küche liegt es eher weniger. Dafür kann man mit Glück auch nach Küchenschluss noch eine Haxe oder einen Teller Brauergulasch bekommen und besser als Hunger leiden ist das allemal.  

Biergärten sind im Süden der Republik eigentlich immer eine gute Wahl. Das Brauhaus Grohe hat zwar eindeutig zu wenig Bäume für einen Biergarten, dafür aber ausgezeichnetes Bier und eine Speisekarte mit ortstypischen Gerichten wie Kochkäseschnitzel, Odenwälder Bratwurst und Darmstädter Grindkopp. Letzteres ist eigentlich nur eine große Frikadelle mit Spiegelei, verkauft sich als urtypische Darmstädter Spezialität aber sicher besser.

Zwei Bushaltestellen entfernt im Biergarten Darmstadt sitzt man unter alten Kastanien, auf Holzbänken und Stühlen, holt sich Futter von der Grillstation oder aus der Kochkässchnitzelküche und weil der Pappenheimer mir seit Jahren erzählt, dass man nur hier den wirklich weltallerbesten einzigartigen fantastischen und auch für norddeutsche Menschen garantiert genießbaren original Odenwälder Stoff bekommt, der mit furchtbarer Frankfurter Plörre üüüberhaupt keine Ähnlichkeit hat, bestelle ich mir tatsächlich ein Glas dieses legendären Himmelheber Ebbelwois.

Wieso in aller Welt man dieses Getränk derart in den Himmel heben muss erschließt sich mir danach zwar immer noch nicht, aber mit Zitronenlimo gemischt ist das tatsächlich trinkbar und durchaus gängige Praxis. Es soll sogar Menschen geben die das mit Cola mischen, aber das halte ich sogar als Nordlicht für ein Sakrileg, egal wie sauer das Zeug auch sein mag.

Drei weitere Niederlassungen, die man sich bei einem Aufenthalt in Darmstadt nicht entgehen lassen sollte: Eis Venezia Ernst-Ludwig-Straße, weil Zitrone-Basilikum einfach umwerfend gut ist, das Cafe Chaos in der Mühlstraße, in dem ich jeden Tag gefrühstückt hätte, wäre der Laden mir früher bekannt gewesen und zu guter Letzt das Gasthaus Zur Goldenen Krone.  

Eines der ältesten Gasthäuser Darmstadts, ein denkmalgeschütztes Kulturdenkmal und gleichzeitig einer der abgerocktesten Läden, die ich je gesehen habe. Mit viel ohrenbetäubendem Krach und das gleich auf mehreren Etagen, Kneipe, Konzertsaal und Disco, mit Bars und Billardtischen, Kickern, einem ruhigen Innenhof unter freiem Himmel und einem dunklen Labyrinth aus Gängen, Treppen und Räumen. Fantastisch! Möge der Laden noch ein paar Jahrzehnte überdauern, als Kulturdenkmal und möglichst auch als Gasthaus.

 

Fotos dazu: Residenzschloss Darmstadt, Regierungspräsidium, Weißer Turm, Reiterdenkmal Ludwig IV, Residenzschloss, alles Nikon D7200, Biergartenfotos Samsung A33

Musik dazu: Kerala Dust - Violet Drive

 













 



Donnerstag, 29. Juli 2021

Stadtflucht


 

 

 

 

 

 

 

 

Kaum überschreiten die Temperaturen in Hamburg das erträgliche Maß, flüchtet der gemeine Stadtbewohner gerne an Nord- oder Ostsee, je nachdem was schneller zu erreichen ist. Sehr angenehm ist es natürlich, wenn man dazu noch mit vielen doppelt geimpften netten Menschen vor einem Grill rumlümmeln und sich die Kante geben kann, weil Übernachtungsplatz und Eiswürfelspender nur wenige Schritte entfernt sind. 

Keine Frage also, dass der Pappenheimer und ich unbedingt den Exilwestfalen besuchen mussten, der inzwischen die Chaoshütte des geliebten Vorbesitzers in eine wahre Oase verwandelt hat. Keine Oase der Ruhe natürlich, denn so etwas gibt es auf Campingplätzen eher selten, weil die Nachbarn selbstverständlich alle wissen wo das kalte Bier steht. Was in den vielen Campingplatzdokus so häufig belächelt wird, ist nach Monaten fürchterlicher Kontaktbeschränkungen eine angenehme Nebenerscheinung, vor allem, weil Camper fast alle nur Bier trinken und meine Versorgung mit Gin Tonic sogar für mehrere Abende gesichert wäre.

Was mir da oben fehlt und mir regelmäßig das Herz schwer werden lässt, ist das Fehlen der Regenbogenfahne des magischen FC und vor allem des Menschen, der damals nur dafür einen Fahnenmast errichtet hat, obwohl er ja eigentlich Werder-Fan war. Die Jahre machen es nicht besser, wie sehr man einen Menschen vermissen kann.

Über die Flagge muss ich mit dem Exilwestfalen noch mal reden glaube ich, so lange da kein schwatzgelbes Dingens hängt könnte man doch, oder? ODER?

DA HÄNGEN LAPPEN VON ROTZSTOCK UND STELLINGEN RUM AUF DEM PLATZ! Das ist Augenschädigend so etwas.

Trotzdem geiles Wochenende, abgesehen von den 20 Kilometern Stau auf der Rückfahrt vielleicht.

Fotos dazu: Schashagen/Ostsee - Nikon D7200

Musik dazu: Cemento Atlantico - Rotte Interrotte

 




 

Sonntag, 22. September 2019

Lifestylequatsch für Kaffeejunkies

















Aus keinem Tankstellenkühlregal sind sie wegzudenken, die kalten "Kaffeespezialitäten" aus dem Pappbecher von so sympathischen Firmen wie Nestlé oder Mövenpick, die mehr aus Milch, Zucker und Aroma bestehen als aus Kaffee. Da ich von so sympathischen Firmen nichts kaufe muss ich das also selber machen, am besten natürlich gleich mit kalt angesetzem Kaffee.   

Seit ich mir einen Vollautomaten angeschafft habe ist das Zeug hier zur unangefochtenen Droge Nummer 1 geworden. Kaffee und Espresso geht also klar, blieb nur noch zu klären, wie ich am bequemsten an größere Mengen Cold Brew komme, weil das Zeug hier leider auch rasend schnell verdunstet und die bisherige Methode mit Haushaltsdose und Kaffeefilter auf Dauer zu umständlich scheint.

Da kalter Kaffee schon seit einiger Zeit ein großer Hype ist, haben schlaue Leute natürlich direkt diverse Hilfsmittel erfunden, von denen ich mich für ein 1.5 Liter Brew Jar entschieden habe. Kaltes Wasser rein, den Edelstahlfilter mit grobem Kaffeepulver füllen, 18 bis 24 Stunden im Kühlschrank stehen lassen, zack, fertig ist der Kaffee. So haben die sich das gedacht und ich mir eigentlich auch.

Doch leider passen in den Filter gerade mal 150 Gramm Kaffee, auf eineinhalb Liter sind mir das mindestens 100 zu wenig. Für Leute die ihren Cold Brew pur trinken möglicherweise ausreichend, aber für meine eiskalten Eiskaffees oder die Tonicmische deutlich zu wenig Wumms und vor allem zu wenig Aroma, trotz erstklassiger Bohnen.

Immerhin habe ich durch die vielen Experimente inzwischen eine Sorte gefunden, die dermaßen schokoladig ist, dass man sich die Kugel Eis im Drink fast sparen kann.

Foto dazu: Brewjar Cold Brew Jar
Musik dazu: Thees Uhlmann - Junkies und Scientologen


Dienstag, 20. August 2019

Mehr Kaffee kann nie verkehrt sein
























Vor einigen Jahren noch erschien mir ein Kaffeevollautomat eine der unsinnigsten Anschaffungen überhaupt zu sein, zumal die sündhaft teure Kiste in der Firma keine wirklich überzeugenden Ergebnisse zu liefern vermochte. Das mag allerdings auch ein wenig an den verwendeten Bohnen liegen, die nicht viel teurer sein können als die im Erasco Bohneneintopf. Dafür ist die Jura aus Edelstahl, sagt "Hallo" wenn man sie einschaltet. "Bitte" wenn der Kaffee fertig ist und kann vollautomatisch Latte fabrizieren wenn die Milch nicht sauer geworden ist. Außerdem hat sie eine nicht entnehmbare Brühgruppe, in die natürlich seit Jahren niemand hineingesehen hat, was ziemlich fatal sein könnte unter gesundheitlichen Aspekten.

Andererseits kann man auch nicht großkotzig mit einem Barista Barista Antifascista Shirt rumlaufen und zu Hause den Kaffee aus einer Padmaschine ziehen, das passt nicht zusammen.

Wenn der Arbeitgeber dann plötzlich Spendierhosen trägt (aus Gründen) und Gutscheine verteilt an ein paar Nächteumdieohrenschläger, man sonst eigentlich alles hat was man braucht, außer vielleicht einem fetten NAS, bestellt man sich halt doch mal so ein Ding. Aus der Billigklasse natürlich, weil der Gutschein für ein richtig fettes NAS dann doch nicht gereicht hätte.

Durch das Teil bin ich zwar immer noch weit mehr Antifascista als auch nur annähernd Barista, aber geschmacklich ist das auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung, man kann endlich einen leckeren Espresso ziehen und die Schaumlanze ballert auch ganz gut, am ersten Cappu hab ich mir jedenfalls die Zunge verbrannt.

Jetzt könnte ich natürlich diese ganzen tollen Sorten ausprobieren, von Wildkatzen ausgekackten und im Elefantenarsch gerösteten Kaffeebohnen mit Noten von Schokolade, Brummbeere und Durian, aber bislang tut es die Espressomischung ganz gut, die ich auch für meinen Cold Brew nehme. Bei meinem dramatisch gesteigerten Kaffeekonsum wird es allerdings nicht allzu lange dauern, bis ich irgendwann über so einen Blödsinn stolpere.

Natürlich werde ich das dann auch kaufen, solange es fair gehandelt ist.


Foto dazu: DeLonghi Magnifica Esam / Nikon D7200
Musik dazu: Thin Lizzy - Live and Dangerous

Samstag, 10. Februar 2018

Küchenkatastrophen
















Roggenbrot mit Sauerkraut schmeckt auch dann wie Roggenbrot mit Sauerkraut, wenn man pfundweise Pastrami in der Mitte schichtet, das Zeug dick mit Appenzeller überbackt und mit selbst gerührtem 1000 Island Dressing verfeinert. Wieso ich auf die blöde Idee gekommen bin ein Reuben Sandwich selber zu machen? Das blöde Internet ist natürlich schuld daran. Reuben Sandwich. Voll berühmt ey, das Reuben, muss man mal gegessen haben. Am besten natürlich in den berühmten New Yorker Delis, vielleicht sogar in dem Laden in dem Harry und Sally eins gegessen haben. Komm ich im Leben nicht mehr hin, also selber machen. Abwechslung auf den Speiseplan, jippiyeah.

Roggenbrot mit Sauerkraut, völlig bescheuerte Idee. Das Dressing immerhin war tauglich, das hat die ganze Chose noch halbwegs gerettet, hätte ich mehr von machen sollen. Könnte man auch gut zum Salat... okay, vergessen wir's.

Wenn das mit der festen Nahrung schon nicht klappt, dann wenigstens mit dem flüssigen Nachtisch, flüssig kann ich. Also, eigentlich. So lange es sich nicht um Tee handelt jedenfalls. Mit Tee habe ich keinerlei Erfahrungen jenseits des Teebeutels und das auch nur bei schweren Männergrippen, denen ich in den letzten Jahren erfolgreich aus dem Weg gehen konnte.

Matcha zubereiten soll allerdings ganz einfach sein, etwas heißes Wasser, die richtige Menge dieses sündhaft teuren Pulvers dazu und ab in den Milchaufschäumer bis es schäumt.

Jedoch, es will nicht so recht. Mein Matcha schäumt weniger als der Kaffee aus der Padmaschine, das kann nicht richtig sein. Der heftig geschwungene Schneebesen hilft ebenfalls nicht weiter, kein Schaum weit und breit, aber ob sich bei meinem Talent der Kauf eines Matcha-Besens aus Bambus gelohnt hätte? Auf den Matcha Gin Tonics die KleinerTod neulich bei Twitter in den Raum gestellt hat, war ein richtig dicker Schaumrand zu sehen. So etwas will ich auch, das Auge trinkt schließlich mit.

Mein MatchaGT ist leider nur grün, aber immerhin schmeckt er. Wie Gin Tonic mit Matcha halt, aber das war schon vorher deutlich erfolgversprechender als Roggenbrot mit Sauerkraut.

Getränk dazu: Matcha, Bombay Sapphire, Fever Tree Mediterranean Tonic
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Box Set Disc 6

 

Samstag, 30. Dezember 2017

Espresso mit Wim






















An den Wänden in der Bar des Abaton Kinos ist kein Platz mehr frei, alles voller Fotos. Hauptsächlich von Wim Wenders. Wim solo, Wim mit Kollegen, Wim mit Schauspielern oder mit Ehefrau Donata, Wim scheint im Abaton so etwas wie der Hausgott zu sein, feiert ja auch gerne mal Premieren seiner Filme hier.

Wahrscheinlich hätte es ihm gefallen, dass wir an den Weihnachtstagen nicht unter den Massen waren, die in den 3D THX Krawallkinos 18 Euro für Laserschwertduelle ausgaben, sondern uns (für nicht einmal die Hälfte der Kohle) für den neuen Fatih Akin Film im Abaton entschieden. Aus dem Nichts, sozusagen - und weil bei Star Wars die besten Plätze ohnehin belegt waren.

Das war nicht nur aufgrund des höchstwahrscheinlich besseren Films eine gute Entscheidung, denn in der Bar bekommt man einen anständigen Gin Tonic für unter zehn Euro, was im Krawallkino gerade mal dem Gegenwert einer 0.5 Liter Flasche Wasser plus kleiner Portion Popcorn entspricht. Nebenbei ist der Espresso, den ich aus Fahrtauglichkeitsgründen dem GT leider vorziehen musste, auch nicht ganz schlecht.


Aus dem Nichts:
Er ist für einen Auslands-Oskar nominiert und wenn es jemanden gibt, für den ich mich tierisch freuen würde, dann ist das mein Lieblingsregisseur. Er wird ihn aber leider nicht bekommen, weil eine Diane Kruger im Weltklassemodus nicht reicht, denn Denis Moschitto ist halt immer noch Denis Moschitto.
Das ist nicht böse gemeint, ich mag Denis Moschitto, aber die Kruger spielt hier einfach alle komplett an die Wand. Abgesehen von Ulrich Tukur vielleicht, aber das ist halt auch nur eine Nebenrolle in der Kruger-Show, neben der Denis manchmal wirkt wie ein Schauspielschüler.
Er wird den Oskar auch nicht kriegen, weil das Thema NSU zu komplex ist für die Amis schätze ich, damit hat sich da drüben doch kaum jemand befasst. 

Der Nazi-Anwalt war mir auch etwas zu dick aufgetragen. Wie findet man dafür den richtigen Darsteller? Gibt es da irgendwelche Vorgaben beim Casting? "Ich brauche eine total unsympathische Hackfresse, einer, dem man schon vor dem ersten Satz auf's Maul hauen möchte." Ich hätte da eher einen aalglatten Jungnazi genommen, so etwas wie den kurzen Österreicher vielleicht, bei denen kommt das Grauen schleichend. Der Typ von der Griechischen Morgenröte allerdings, der war zum Fürchten krass besetzt.


Natürlich wird der Film hier neben allen anderen Filmen von Fatih Akin im Regal stehen, sobald er als BluRay erhältlich ist. Wahrscheinlich aber auch nur, weil ich bei manchen Namen ein elender Komplettist bin, denn zur vergnüglichen Abendunterhaltung taugt der Stoff nur bedingt.

Harter Tobak, unbedingt ansehen!  


Foto dazu: Samsung S5
Bier dazu: Maisel & Friends Choco Porter, 6.5%/22 IBU
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC




Donnerstag, 21. Dezember 2017

Das letzte seiner Art






















Weintrinker kennen das. Irgendwann ist sie fällig, die letzte Flasche der 84er Düdelheimer Schwipsberg Riesling Spätlese. Ende, aus, fini, rien ne va plus, die letzten Flaschen hat man schon vor Jahren direkt beim Winzer erstanden und in Supermarktregalen waren die eh nie zu finden. Kein Lieblingswein mehr, bis man vielleicht irgendwann einen neuen findet.

Für Biertrinker war das ein bisher unbekannter Schrecken, weil die Industrieplörre ohnehin seit Jahrzehnten gleich schmeckt, Astra ist Astra, Jever ist Astra in bitter, Würgsteiner hat immer noch die tote Frau im Brunnen, wer Veltins trinkt wird nie Deutscher Meister und Holsten knallt am dollsten, falls man das wirklich über die Lippen kriegt.

Aber seit diese Craftbeerbrauer aufgetaucht sind ist nichts mehr wie früher, nicht mal das Bier. Die wollen ihr Zeug natürlich auch verkaufen, haben aber nebenbei noch Spaß daran alte Sorten neu zu erfinden oder einfach ein wenig zu experimentieren, auf überflüssigen Schnickschnack wie das Reinheitsgebot zu pfeifen und manchmal sogar echten, frischen Hopfen zu verwenden. Gerne auch in drölfzig verschiedenen Aromavarianten. Und was mit mit Malz alles anstellen kann, wenn man Spaß an der Braukunst hat, ist auch wirklich erstaunlich.

Manchmal geht das sicherlich auch in die Hose, was bei den geringen Mengen in Mikrobrauereien dann nicht ganz so tragisch ist, manchmal hat man aber auch das Pech, dass die in so einer Mikrobrauerei ein süchtig machendes Lieblingsbier brauen. Mit vorhersehbarem Ausgang, auch 500 Hektoliter sind irgendwann mal weggesoffen und dann geht es einem wie dem Düdelheimer Spätlesetrinker: nichts geht mehr.

Heute musste es weg, das letzte Ratsherrn Lazy in Red IPA, für das ich ich in diesem Jahr ein kleines Vermögen gelatzt habe. Eigentlich hätte es gestern schon weg gemusst, da ist das MHD abgelaufen. Geschmeckt hat es trotzdem noch - und garantiert besser als alles, was ich sonst gerade im Kühlschrank habe. Logisch bei einem Lieblingsbier.

Macht die Sache aber nicht einfacher, wenn man noch Durst hat.

Foto dazu: Nikon D7200
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, Red IPA, 6.7% / 75 IBU
Musik dazu: Escape With Romeo - Come Here White Light





Donnerstag, 28. September 2017

Der schönste Platz ist immer am Hafen
















Wo wohnt man auf Mallorca, wenn man dem Massentourismus so weit wie möglich aus dem Weg gehen will? Am besten wahrscheinlich in Boris Beckers Finca, aber bei den unklaren Besitzverhältnissen weiß man ja gar nicht wen man fragen müsste. Also ein Ort ohne Strand, dann fehlen schon mal die Verrückten, die nur kommen um sich von der Sonne grillen zu lassen. Sóller war in der engeren Auswahl, das Örtchen gefiel mir schon immer, hat zudem eine Straßenbahnanbindung zum Hafen und ist ziemlich genau im Zentrum der geplanten Exkursionen.

Natürlich sollte der Ort auch eine kleine, aber feine, Auswahl an Bars und Restaurants haben. Möglichst ohne Bier- oder Sangriakönige und dafür mit einem guten Ginmixer, man will ja schließlich nicht durstig ins Bett. Wie meine Erfahrung lehrt, gibt es die besten Kaschemmen immer im Hafen. Der hat dafür zwar wieder so etwas wie einen Strand, aber durch seinen steinigen Grund glücklicherweise keinen der die Massen anzieht, eher etwas für Wellenreiterlehrlinge und Dämmerungsschwimmer.

Überhaupt ist alles recht sportlich hier, wer in Sóller und Umgebung Urlaub macht hat entweder ein Boot im Hafen, geht wandern in der Serra de Tramuntana, oder strampelt auf dem Rad die Serpentinen der Insel hoch und runter, es gibt beinahe mehr Rad- als Autoverleiher. Diese vielen Sportler gehen bestimmt alle um acht ins Bett, die Bars sind unser, auf nach Port de Sóller..

Das gebuchte kleine Hostal entpuppt sich als Glücksgriff, familiäre Atmosphäre statt anonymer Hotelklotz ist unbezahlbar, dafür kostet der Parkplatz gegenüber leider 6 Euro am Tag. Eine Haltestelle der Straßenbahn ist ebenfalls direkt vor der Haustür, angesichts des Preises von 7 Euro für die einfache Fahrt kann man die paar Meter bis zur Hafenpromenade aber auch laufen.  

Zumal wir auf Anhieb die Bar mit dem wahrscheinlich besten Mojito finden, die strategisch günstig ungefähr auf halber Strecke zur wahrscheinlich besten Gin-Bar des Hafens liegt und nebenbei ganz anständige Tapas und Paellas offeriert, was den Hinweg zwar immer etwas erleichtert, den Rückweg aber deutlich erschweren kann.

Dafür bekommt man hier jeden Abend einen anderen Sonnenuntergang geboten, in immer neuen Farben und Eskalationsstufen. Wenn alle Wolken brechen schnappt man sich halt eine der sechs Taxen des Ortes, kostet auch nicht mehr als die Straßenbahn.


Fotos dazu: Port de Sóller, Mallorca / Nikon D7200
Getränk dazu: Cabraboc Ginebra de Mallorca, Wacholder, Zitronenverbene, Fever Tree Indian Tonic
Musik dazu: Rachid Taha - Diwan / Made in Medina / Diwan II