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Dienstag, 17. Juni 2025

An der Nordseeküste

 








 

Am plattdeutschen Strand sind die Fische im Wasser – und das Wasser meistens gerade weg, wenn man mal baden will. Ein Kindheitstrauma, dem ich im Juni ganz locker aus dem Weg gehen kann, weil sowohl Luft- als auch Wassertemperatur jegliche Gedanken an so etwas wie Badebekleidung sowieso verhindern. Aber dafür sind wir ja auch nicht hier.

Wir sind hier, weil man uns vor fünf Jahren nach nur zwei Nächten rausgeworfen hat, damit wir niemanden anstecken oder angesteckt werden konnten – was angesichts der vier anderen Urlauber in Dagebüll kaum möglich gewesen wäre. Aber sei’s drum, we’re back. Diesmal für eine ganze Woche, um auch die restlichen paar Quadratmeter Dagebülls zu erkunden, inklusive der damals geschlossenen oder noch gar nicht existierenden Bars, Restaurants und Cafés.

Wir sind auch hier, weil man nur in Nordfriesland den weltbesten Fleischsalat von Schlachter Hansen bekommt und dazu die passenden Unterlegscheiben vom Niebüller Backhus, dessen Backwaren einfach ALLE besser sind als das Zeug der Hamburger Bäckereiketten. Weshalb ich eine Expansion in den Großraum Hamburg sehr befürworten würde. Richtig guten Butterkuchen konnten sie schon immer am plattdeutschen Strand, und statt Bienenstich mit Sahne oder schnöder Puddingpampe zu füllen, greifen sie hier inzwischen zu fein geschnetzelten Erdbeeren.

Und wir sind hier, weil ich keine Lust mehr hatte, im März in einem dänischen Ferienhaus zu sitzen und auf den einen Tag der Woche zu warten, an dem das Wetter etwas mehr zulässt, als Regentropfen am Fenster zu betrachten, den Kamin anzuheizen, ein Buch zu lesen und sich jedes Mal die dicke Winterjacke überziehen zu müssen, wenn man auf der Terrasse einen durchziehen will.

Wie auch immer ich auf den Gedanken gekommen bin, dass es im Juni an der Nordseeküste irgendwie anders sein könnte: Feuchte Luft gehört hier zum Standardrepertoire. Vom feinen Niesel bis zum dicken Guss gibt es in den ersten Tagen reichlich Wasser von oben. Den wahren Nordseeprofi erkennt man dann auch sofort: drahtig, braungebrannt, festes Schuhwerk, Rucksack und das Ölzeug immer griffbereit am Mann – beziehungsweise an der Frau.

Dagegen können wir nicht anstinken, aber das wollen wir ja auch gar nicht. Wir wollen Krabbenbrötchen und eine Passage nach Föhr. Oder Amrum. Oder auf eine der Halligen.

Wenn der eine Tag der Woche kommt, an dem das Wetter mehr zulässt …

Fotos dazu: Nordseestraße Dagebüll, Dagebüll Mole Bahnhof - Nikon D7200

Musik dazu: Pat Metheny - Day Trip 






















































 

 

Montag, 19. August 2024

Fette Beute

 










Man muss nicht zwangsläufig jemanden als Gauner bezeichnen, nur weil er keine Lust hat jede Woche seine Waren neu auszuzeichnen. Schließlich ist ein Apfel auch nur ein Apfel, ganz egal ob Granny Smith, Golden Delicious oder etwas tatsächlich essbares. Nach den miserablen Erfahrungen mit Hamburger Obsthändlern im letzten Jahr bin ich allerdings sehr empfindlich bei Zwetschgensorten und sehr früh im Monat schon investigativ unterwegs.

Glückes Geschick beschert mir tatsächlich die ersten zwei Kilo echter Bühler im Ahrensburger Früchtestübchen, vier Tage später hat sich laut Auszeichnung weder Preis noch Sorte geändert. Was da in der Auslage liegt weist aber nicht mal im Entferntesten eine Ähnlichkeit mit Bühlern auf, ich vermute eher Čačaks Schöne und daraus sollte man meiner Meinung nach allerhöchstens schönen Slivovic brennen

Statt erbost den Laden zu verlassen beginne ich ein ernsthaftes Gespräch mit dem Inhaber und das trägt tatsächlich Früchte, im wahrsten Sinne des Wortes. Nachfragen beim Großhandel ergeben zwar vorerst ein trauriges Bild, aber es sollen wieder welche reinkommen in der nächsten Woche und er würde mir dann welche besorgen.

Nun, heute ist nächste Woche und die nächsten zwei Kilo warten auf die Verarbeitung, mit der ich sogleich beginnen werde. Möglicherweise habe ich wieder einen Obsthändler des Vertrauens, wir werden sehen.

Foto dazu: Bühler Zwetschgen - Samsung A33

Musik dazu: Shirley Holmes - Die Krone der Erschöpfung

Freitag, 24. Mai 2024

Heute hier, morgen fort: Die große Lebensmittelverschwindung

 









Der neue Edeka Supermarkt an der Ecke ist voll super, deswegen heißt er ja auch Supermarkt. Neben den Grundnahrungsmitteln überrascht er immer wieder mit außergewöhnlichen Angeboten, von exotischen Früchten in der Obstabteilung bis hin zu kreischend bunten amerikanischen Süßigkeiten im XXL Family Pack. Da außer mir anscheinend keiner bereit ist 5 Euro für eine Amalfi Zitrone hinzulegen oder drei verschiedene Sorten Drachenfrucht zu probieren, hat sich das meist nach kurzer Zeit wieder erledigt mit dem Angebot, was man bei frischer Ware schon verstehen kann, bei vielen anderen Produkten aber ein ausgesprochenes Ärgernis ist.

Steht da doch seit Monaten ein schickes kleines klappriges Holzregal mit italienischen Nudeln und die scharfen roten Tagliatelle Peperoncino sind exakt das, was zu meinen Gambas in Portweinsahne passt. Natürlich sind diese Tagliatelle auch als erstes weg, was nicht an mir alleine liegen kann, bei den lächerlichen zwei Paketen die ich noch erwischt habe. 

Man ahnt es schon, hier wird niemals nachgefüllt, erst wenn die letzten drei Packungen Fettuccine Seppia und Tagliolini al limone genug Staub angesetzt haben fliegt der Rest inklusive Regal in den Müll und man kann sehen woher man in Zukunft seine roten Tagliatelle bekommt.

Ähnlich bescheiden sieht es in der Getränkeabteilung aus, in der ein Hannoveraner Startup seine "Limomente" vorgestellt hat, von denen die Sorte Kirsche-Waldmeister wohl nicht nur bei mir auf viel Zuspruch stieß, in drei Tagen komplett weg - und ich war es nicht. Nach Wochen des vergeblichen Wartens auf Nachschub entdeckte ich das Zeug bei einem anderen Edeka, der noch drei Pullen im Kühlregal hatte, wo sie wohl niemand entdeckt hat.

Im Regal selber verstauben die Reste an Apfel-Minze und Kirsche-Rose, was mich nicht weiter wundert, das eine ist zu gewöhnlich, das andere nix für Aleman. Aleman wolle keine Rose kaufe.

Der Ersatzsupermarkt erwies sich dann als weiterer Quell der Inspiration, die haben nicht nur die sauteure englische Gartenerdbeermarmelade im Regal, für die ich Idiot im Internet 5 Euro mehr bezahlt habe, die haben auch Mrs. Darlington's Legendary Orange Curd, von dessen Existenz ich bisher nichts ahnte. Ein legendäres Lemon Curd von Mrs.Darlington war leider nicht zu finden, also nahm ich das letzte Glas Orange mit. 

Leider ist das Zeug der Hammer, weshalb ich latürnich sofort das zitronige Gegenstück haben will, doch auch auf Nachfrage konnte mir niemand sagen, wann und von wem das nachgefüllt wird, weil die zwei Reihen der Mrs. Darlington im Regal nicht von Edeka bestückt werden.

Nach sechs Wochen haben sie es endlich geschafft und wahrscheinlich war es ein Fehler, nur ein Glas mitzunehmen. Sollte das Zeug ähnlich gut sein wie das Orange Curd, sind die Regale inzwischen garantiert wieder leer.

Nicht länger suchen muss ich jedenfalls nach Lychee im Fruchtsaftgetränkeregal. Nachdem es die Firma Zentis schon vor vielen Jahren geschafft hat, ihre einzige richtig gute Sorte aus dem Programm zu nehmen und mich damit zum Zentistotalverweigerer zu machen, hat die Firma Rauch jetzt nachgelegt und den einzig trinkbaren "Saft" aus ihrer Happy Day Serie aus dem Programm genommen. Man kann sich weiter mit Blaubeer, Himbeer, Erdbeer und Honigmelone überzuckern, aber eiskalter Lychee ist vorbei. 

Hatte nicht mehr so viele Fans sagt die Firma. Die müssen alle bei mir um die Ecke wohnen, denn wenn mal wieder eine Reihe Lychee im Regal stand war sie schnell auch wieder weg.  

Wahrscheinlich eher unfreiwillig aus den Kühltruhen verschwunden ist Häagen-Dazs - und zwar ziemlich zeitgleich aus sämtlichen Kühltruhen die man so kennt, Rewe, Edeka, Famila, Kaufland, sogar die lokalen Pizzalieferanten haben nur noch B&J im Programm. Bei Rewe soll das durch Mälzer & Fu ersetzt werden, ausgerechnet der kleine Timmi, dessen Produkte oft eine Halbwertszeit von einem Jahr nur mühsam erreichen, soll jetzt meine Lieblingssorten ersetzen.

Eis wird dann wohl in Zukunft auch nur noch vom Fachhandel bezogen. 

Foto dazu: Samsung A33

Musik dazu: Sea Level - Sea Level / Cats On The Coast


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Sonntag, 24. März 2024

Der Fresstempel

 









Fährt man in eine fremde Stadt empfiehlt es sich, vorher schon wichtige Informationen einzuholen. Herr L. fand rechtzeitig einen Film über Aarhus in der ARD Mediathek mit vielen nützlichen Tipps, von denen ganz besonders zwei in seinem Gedächtnis geblieben sind:

Ein Schaumgebäckhersteller, der ungeheuer exquisite Schokoküsse mit Marzipanböden herstellt statt der üblichen Presspappe und der Aarhus Street Food Fresstempel mit den vielen leckeren Biersorten. Im Gegensatz zum Schokokussfabrikanten ist der gut zu finden, zwischen Bahnhof und ZOB, mit genügend Hinweischildern versehen, kaum zu verfehlen.

Das Angebot an Speisen ist wahrhaft überwältigend, Indisch, Griechisch, Mexikanisch, Vietnamesisch, Koreanisch, Türkisch, Italienisch, Nepalesisch, die unvermeidlichen Sushi, Burger, Fritten und selbstverständlich auch klassische dänische Küche mit Biksemad, Mørbradgryde und Smørrebrød. Man sollte vielleicht mal überlegen, ob ein Appartement in Aarhus nicht passender wäre, als eine hyggeligge Hytte am Fjord. Küche mit Kühlschrank reicht, Herd muss nicht.

Während ich noch unschlüssig vor den Bánh Mì Bandits herumlunger besorgen sich die Jungs dicke Entenburger und ich entscheide mich letztlich für eine große Portion Bibimbap mit Bøf, weil ich koreanischen Genüssen einfach nicht widerstehen kann, dazu ein frisch gezapftes Bier des Tages. Ein kühles Brewdog Punk IPA vom Fass für nur 40 Kronen, ganz erstaunliche Preise für Dänemark und ein weiteres Argument für Appartements.

Ich berzweifle allerdings, dass ich mich damit bei den Freunden des hyggeligen Kaminfeuers durchsetzen kann.


Fotos dazu: Aarhus Street Food DK - Nikon D7200/Samsung A33

Musik dazu: Ryan Bingham - Watch Out For The Wolf

 




 


 

 

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Samstag, 14. Oktober 2023

Das beste Eis der Welt und wo es zu finden ist

 









 

Der Herbst steht vor der Tür und das ungastliche Wetter wird so manchen italienischen Eiscafébesitzer dazu bewegen den Laden zu schließen und für ein paar Monate in die Heimat zurückzukehren. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit meines Tests, bei dem ich eigentlich die fünf besten Sorten vorstellen wollte, mich jetzt aber auf drei beschränken werde, damit ich mir auch im nächsten Jahr noch mit ungewöhnlichen Kreationen den Magen verrenken kann.

Schuld an der ganzen Eisvöllerei in diesem Jahr ist das Eiscafe Venezia in Darmstadt, das wir bei unserem Aufenthalt im Mai beinahe täglich für eine Portion Zitrone-Basilikum besucht haben. Obwohl ich kein großer Fan von Basilikum bin erwies sich diese Kombination als absolut perfekt, der hohe Suchtfaktor trieb mich dann die letzten Monate dazu, einen passenden Ersatz in Hamburger Eisdielen zu finden.

Leider vergeblich, obwohl es hier an Eisdielen mit kreativen Namen und kreativen Sorten nicht mangelt, aber Aprikose-Curry und Blueberry-Sourcream werden sicher nur ein einmaliges Erlebnis bleiben. Hätte es nicht ein paar wirklich leckere Sorten bei einigen kleinen Manufakturen gegeben, würde ich beinahe dafür plädieren, die Eisherstellung in italienischer Hand zu lassen.  

Im nächsten Jahr muss ich deutlich weitere Kreise ziehen, es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn es in einer Stadt wie Hamburg nicht ein Eis gibt, dass es wenigstens bis in die Top 5 schafft.

Das beste Eis der Welt und wo es zu finden ist:

1. Campari-Orange / Eiscafè Bassanese, Bamberg

2. Schoko-Orange-Chili / Gelateria Pinocchio, Lagos Portugal

3. Zitrone-Basilikum / Eis Venezia, Darmstadt

Da man auch für das beste Eis keine Weltreisen unternimmt, hier noch ein paar Empfehlungen: Limette und Schoko-Kirsche (Eiswerk Poppenbüttel) Erdbeere und Rumkugel (Nice Cream Dulsberg) Rhabarber (Eisbär Ohlstedt) Pink Grapefruit (Eis Insel Finkenwerder) und falls mal wer an der Algarve Urlaub macht und das Schoko-Orange-Chili probieren möchte: unbedingt zusätzlich eine Kugel Crema di Limoncello nehmen, das eigentlich auf Platz 4 gehört.

Fotos dazu: Samsung A33

Musik dazu: Steven Wilson - The Harmony Codex






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Dienstag, 12. September 2023

Ein Alptraum in Blau

 









 

Wenn ich in den letzten Wochen etwas gelernt habe, dann dies: Der Beschiss lauert vielleicht an jeder Straßenecke, noch viel mehr lauert er aber im sogenannten Fachhandel, denn heutzutage ist es scheinbar ausreichend, wenn man den Unterschied zwischen Kartoffel und Ananas kennt, um einen Fachhandel für Obst und Gemüse zu eröffnen. So etwas wie Waren- oder gar Sortenkunde ist dafür augenscheinlich nicht nötig.

Rechtzeitig vor Beginn der Zwetschgensaison geht meine einzigartige und wunderbare Fachhändlerin in Rente und übergibt ihr seit 40 Jahren existierendes und florierendes Geschäft an ihre Nachfolger. Ein Drama in mehreren Akten, denn die Nachfolger haben momentan überhaupt keine Zwetschgen im Angebot, wissen auch nicht wann oder ob sie überhaupt welche bekommen und schon gar nichts von irgendwelchen Sorten. Wenn die Existenzgründung so anfängt seh ich schwarz.

Folglich geht die Suche nach einem zuverlässigen Fachhändler wieder los, der außer bei Kartoffeln und Ananas auch auf dem Gebiet des deutschen Kernobstes die nötige Expertise besitzt und das ist, zumindest im Norden dieser Republik, ein Ding der Unmöglichkeit.

Fachhändler*in Nummer 1 erklärt mir, die Zeit für Bühler wäre längst vorbei. Auf meinen Einwand, ich würde schon seit 40 Jahren im August Bühler Zwetschgen kaufen, weil die Dinger halt im August reif sind, kommt nur ein schnippisches "wir bekommen jedenfalls keine mehr" und das ist immerhin eine Aussage, mit der ich etwas anfangen kann. Hier muss ich in Zukunft nicht mehr nachfragen und das erspart Zeit.

Fachhändler Nummer 2 berichtet strahlend, sie hätten NUR Bühler im Angebot und wühlt dabei demonstrativ mit beiden Händen in der Zwetschgenauslegeware herum, die auf den ersten Blick weder von der Farbe noch von der Größe auch nur die kleinste Ähnlichkeit mit Bühlern hat. Dabei fällt mir ein, dass der vor drei Jahren schon mit beiden Händen in seinen Fakezwetschgen gewühlt hat und ich damals schon keinen Bock auf eine falsche Sorte Corona-Obst hatte.  

Fachhändler Nummer 3 ist im Netz eine große Nummer bei den Bewertungen, hat zwei Filialen in teuren Einkaufszentren mit entsprechendem Publikumsverkehr aber NOCH keine Bühler wobei das nächste Woche schon anders aussehen könnte, schließlich hätte die Saison gerade erst begonnen. Leider klingt das in der nächsten und auch in der übernächsten Woche ähnlich, Cheffes im Hintergrund genölter Kommentar "wir haben sehr aromatische Sorten im Angebot" klingt für mich wie "such woanders." Ja, mach ich.

Fachhändler Nummer 4 entpuppt sich als Hauptfiliale der Nachfolger, muss seinen Großhändler fragen ob Bühler eine Sorte wäre und ob er diese besorgen könnte. Die Antwort ist zwar äußerst unbefriedigend für mich, aber immerhin hat der Fachhändler etwas dazugelernt. Better luck next year?

Fachhändler Nummer 5 muss ich kurz in einem Kund*innengespräch unterbrechen. Er fragt, freundlich lächelnd, ob das denn keine Bühler wären in seiner Auslage, worauf ihm die Kundin detailliert den Unterschied in Aussehen, Geschmack etc erörtert und ich wünschte, diese Kundin würde irgendwo ein Fachgeschäft eröffnen. Endlich jemand mit Ahnung, aber leider ohne Obstladen.

Fachhändler Nummer 6, 7 und 8 befinden sich auf dem Wochenmarkt, mit eigenen Erzeugnissen aus dem Alten Land. Damit kann ich leider nichts anfangen und ja, die muss ich nicht probieren, ich weiß dass die schmecken, aber für meine Zwecke halt nicht geeignet sind. Ich wünschte es wäre anders, das würde viel erleichtern.

Fachhändler Nummer 9 ist der letzte auf dem Markt und hat tatsächlich Bühler, jedenfalls steht das auf dem Schild, auch wenn die nicht so aussehen und nach Wochen verzweifelter Suche bin ich so blöde und fall darauf rein. Ich hätte nicht gleich auf 4 Kilo hereinfallen müssen, aber so lernt halt jeder ein wenig dazu, zum Beispiel wem man trauen kann. Vielleicht ja dem Internet?

Seit Jahren weigere ich mich standhaft, Bücher im Internet zu bestellen und soll jetzt Obst online kaufen? Das wäre sogar möglich, nur müsste ich zehn Kilo abnehmen um den Mindestbestellwert zu erreichen, oder ein paar sündhaft teure exotische Früchte dazulegen, was dem ohnehin nicht unerheblichen CO2-Fußabdruck noch einen gigantischen Boost hinzufügen würde.

Eine weitere Recherche zeigt das ganze Drama: Bühler sterben langsam aus, die Sorte ist nicht so gefragt. Der Trend geht mehr zu großen, in Bodennähe wachsenden Früchten, die einfacher und billiger geerntet werden können, meist in Ländern mit billigeren Arbeitskräften und der scheiß Trend kann mich mal am Arsch lecken weil ich kein ungarisches Trockenobst kaufen werde.

Eher baller mir ein paar Kühlboxen in den Kofferraum und fahr nächstes Jahr persönlich nach Baden-Württemberg.   

Foto dazu: Keine Bühler

Musik dazu: Nightmares on Wax - Smoker's Delight / Carboot Soul




Donnerstag, 8. Juni 2023

Darmstadt für Anfänger Teil 2: Residenzen und Niederlassungen

 









Der Darmstadt nachgesagte mangelnde Charme (siehe Teil 1) liegt zum großen Teil sicherlich an der mangelnden historischen Bausubstanz, denn wie auch Hamburg litt Darmstadt sehr unter dem Hagel alliierter Bomben, kann den Verlust aber bedauerlicherweise nicht durch einen Fluss oder See kompensieren. Dafür steht an jeder Ecke ein Ludwig, Lui IV sitzt auf einem Pferd am Schloss, Lui I thront in 30 Metern Höhe auf einer Säule, deren Aussichtsplattform man über die 172 Stufen einer Wendeltreppe erreichen kann, wenn man unbedingt Wahrzeichen erklimmen will. Lui II und III hab ich nicht gesehen, aber irgendwo werden sie stehen.

Vom historischen Ortskern sind nur sehr wenige Gebäude noch erhalten wie das Alte Rathaus, das Regierungspräsidium, ein zwischen hässlichen Kaufhäusern herumstehender Weißer Turm und natürlich das Residenzschloss. Das wurde zwar auch zerbombt, aber Residenzschlösser baut man natürlich wieder auf, selbst wenn dort kein Lui mehr residiert. 

Der Vordereingang wird von eifrigen Securitymitarbeitern bewacht, der hintere Teil überrascht dafür mit einem kleinen Biergarten unter schattigen Bäumen und mit zugewachsenen Dornröschentüren. Geradezu märchenhaft, wenn man hier außer Kuchen auch etwas handfestes für den Magen bekommen könnte, womit wir bei den Niederlassungen wären, also den Orten, an denen man sich gerne niederlässt.

Besonders beliebt scheint der Ratskeller zu sein, was dem netten Personal und der günstigen Lage geschuldet sein mag, an der Küche liegt es eher weniger. Dafür kann man mit Glück auch nach Küchenschluss noch eine Haxe oder einen Teller Brauergulasch bekommen und besser als Hunger leiden ist das allemal.  

Biergärten sind im Süden der Republik eigentlich immer eine gute Wahl. Das Brauhaus Grohe hat zwar eindeutig zu wenig Bäume für einen Biergarten, dafür aber ausgezeichnetes Bier und eine Speisekarte mit ortstypischen Gerichten wie Kochkäseschnitzel, Odenwälder Bratwurst und Darmstädter Grindkopp. Letzteres ist eigentlich nur eine große Frikadelle mit Spiegelei, verkauft sich als urtypische Darmstädter Spezialität aber sicher besser.

Zwei Bushaltestellen entfernt im Biergarten Darmstadt sitzt man unter alten Kastanien, auf Holzbänken und Stühlen, holt sich Futter von der Grillstation oder aus der Kochkässchnitzelküche und weil der Pappenheimer mir seit Jahren erzählt, dass man nur hier den wirklich weltallerbesten einzigartigen fantastischen und auch für norddeutsche Menschen garantiert genießbaren original Odenwälder Stoff bekommt, der mit furchtbarer Frankfurter Plörre üüüberhaupt keine Ähnlichkeit hat, bestelle ich mir tatsächlich ein Glas dieses legendären Himmelheber Ebbelwois.

Wieso in aller Welt man dieses Getränk derart in den Himmel heben muss erschließt sich mir danach zwar immer noch nicht, aber mit Zitronenlimo gemischt ist das tatsächlich trinkbar und durchaus gängige Praxis. Es soll sogar Menschen geben die das mit Cola mischen, aber das halte ich sogar als Nordlicht für ein Sakrileg, egal wie sauer das Zeug auch sein mag.

Drei weitere Niederlassungen, die man sich bei einem Aufenthalt in Darmstadt nicht entgehen lassen sollte: Eis Venezia Ernst-Ludwig-Straße, weil Zitrone-Basilikum einfach umwerfend gut ist, das Cafe Chaos in der Mühlstraße, in dem ich jeden Tag gefrühstückt hätte, wäre der Laden mir früher bekannt gewesen und zu guter Letzt das Gasthaus Zur Goldenen Krone.  

Eines der ältesten Gasthäuser Darmstadts, ein denkmalgeschütztes Kulturdenkmal und gleichzeitig einer der abgerocktesten Läden, die ich je gesehen habe. Mit viel ohrenbetäubendem Krach und das gleich auf mehreren Etagen, Kneipe, Konzertsaal und Disco, mit Bars und Billardtischen, Kickern, einem ruhigen Innenhof unter freiem Himmel und einem dunklen Labyrinth aus Gängen, Treppen und Räumen. Fantastisch! Möge der Laden noch ein paar Jahrzehnte überdauern, als Kulturdenkmal und möglichst auch als Gasthaus.

 

Fotos dazu: Residenzschloss Darmstadt, Regierungspräsidium, Weißer Turm, Reiterdenkmal Ludwig IV, Residenzschloss, alles Nikon D7200, Biergartenfotos Samsung A33

Musik dazu: Kerala Dust - Violet Drive

 













 



Mittwoch, 17. Mai 2023

Das Nachkochbuch, Akt I bis IV

 










Es ist mal wieder Zeit für abwechslungsreiche Küche und vor allem ist es an der Zeit, mal selber ein Buch zu schreiben. Ein Nachkochbuch, mit dem Titel: Was es werden soll und was es wirklich wurde. Mit ehrlichen ungeschönten Handyfotos statt Hochglanzfoodfotografie und vor allem mit einem ganz wichtigen Fazit: Nachkochen? Oder lass ich's lieber sein?

Der erste Kandidat stammt aus der Spiegelrubrik "Kochen ohne Kohle", bei der es wenigstens nicht voll auf den Geldbeutel geht wenn's mal nicht schmeckt. Pink Pasta mit Rote Bete, Feta und Walnüssen. Das sieht zwar auf den Fotos schon recht gewöhnungsbedürftig aus, aber warum sollte man aus Rote Bete nicht mal etwas anderes machen als Labskaus und Borschtsch?

Ganz einfach, weil die Rote Bete in Labskaus einfach besser aufgehoben ist. Mit Pasta mag das essen wer will, meins ist es nicht. Vielleicht hab ich auch einfach Pech gehabt und keine besonders gute vorgekochte Bete erwischt, jedenfalls ist das Ergebnis trotz Knoblauch und Schafskäse ziemlich ernüchternd und die Bio-Zitrone hat's auch nicht rausgerissen.

Also mehr Geld ausgeben und in der nächsten Rubrik stöbern, Frau Lugert empfiehlt als Nervennahrung Cincinnati Chili, ein amtlicher Berg Spaghetti mit einem Berg Fleischsauce, getoppt mit Bohnen, gehackten roten Zwiebeln, gehobeltem Cheddar und Kekskrümeln (alles optional), das verspricht massenhaft Kalorien und ungesunde Fette, aber satt wird man davon garantiert.

Die Fleischsauce ist eine Art Bolognese mit Schokolade statt Rotwein und einer Vielzahl an Gewürzen statt Würzgemüse, unter anderem Zimt, Cumin, Cayennepfeffer, Nelken, Paprika und Piment. Nicht zu vergessen der Esslöffel Weinessig und der Esslöffel Worcestersauce, bei knapp 1.4 Kilo Fleischsauce machen die geschmacklich garantiert den Unterschied. Auf die Bohnen habe ich verzichtet und das nur unter Zwiebeln und Cheddar begraben, der sogar noch ein wenig zu schmelzen beginnt wenn man ein paar Minuten wartet.

In Cincinnati ist das Fastfood und so schmeckt es auch, völlig überladen, total ungesund aber irgendwie geil. Kann man machen, macht man aber wahrscheinlich auch nur ein einziges Mal weil eine vernünftige Bolo halt doch geiler ist und ein richtiges Chili weniger aufwendig. Vor allem habe ich jetzt eine höchst überflüssige Flasche Worcestersauce hier stehen, die ich garantiert nie wieder brauchen werde.

Kaum ist die Küche geputzt und der Fleischberg verdaut geht es weiter mit Frau Lugert und ihrer Nervennahrung, diesmal vegetarisch. Gemüse ist ohnehin viel gesünder und das schnellste Artischockenpesto der Welt verspricht wenig Aufwand, sowohl an Zeit als auch an Material. Artischocken, Knoblauch, Thymian, Mandeln, Parmesan, Olivenöl.  Hört sich eigentlich gut an, zwar sind mir Artischocken bisher nur als relativ geschmackloser Platzhalter für leckerere Dinge auf Pizza begegnet, aber wer weiß..

Aus genau diesem Grunde schmeckt dieses Pesto auch mehr nach Knoblauch und Thymian als nach Artischocken, zu Pasta fand ich das trotz zusätzlicher Dosis Parmesan recht enttäuschend, allerdings waren Rigatoni wohl eher eine unglückliche Wahl. Die im Glas eingekerkerten Reste schmecken jedenfalls nach einem Tag im Kühlschrank vorzüglich, da fehlt nur noch das passende Brot und woher ich das bekomme weiß ich schon. Sieger nach Punkten.

Kaum verlässt man auf der Suche nach kreativen neuen Einflüssen die (meist) seriöse Presse wird es schräg, ganz besonders wenn der Algorithmus bei Youtube zuschlägt. Rezepte aus der Hölle. Kondensmilch mit Nutella verquirlen! Du wirst begeistert sein! Spätestens hier hätte ich Youtube verlassen sollen, doch dann hab ich diesen Frankfurter PROFIKOCH gefunden und weil Profiköche ja wissen was sie tun und jeden Handgriff auch noch so schön im Video zeigen, kann ja nichts in die Hose gehen. 

Schon gar nicht bei solchen Gerichten wie Chinesische Bolognese, der Titel allein weckt ja sofort niederste Instinkte, also sofort einkaufen. Bio Rinderhack, Frühlingszwiebeln, aromatische Tomaten, Knoblauch, Ingwer, das kann nur gut werden. Wenn das schmeckt kauf ich mir vielleicht sogar seine angepriesene Wokpfanne, Influencer wollen ja auch leben und ich brauch eh eine neue. Denkt man sich so.

Schön anbraten, die Nudeln dazu und dann alles ertränken in einer Suppe aus Ketchup (ganz großes Ding in Asien), heller Sojasauce (Salz), dunkler Sojasauce (Salz), Austernsauce (Salz), Hühnerbrühe (Salz) und einem Teelöffel.....  Salz. Ein Esslöffel Zucker rundet das Geschmackserlebnis ab, ein Esslöffel Stärke bindet die salzige Suppe und die ganz ganz ganz leichte asiatische Schärfe dieser "chinesischen Bolo" besorgen eine Prise weißer Pfeffer und eine Prise Five Spice (aber nicht zu viel sonst Katastrophe).

Bewundernswert allerdings, wie er sich das Zeug anschließend reinschaufelt ohne eine Miene zu verziehen, ich muss den Chefkoch mal fragen ob er das auch kann wenn ihm etwas misslingt, aber ich schätze dem passiert das gar nicht erst.

Und ich baller mir jetzt 2 Liter Eistee durch den Körper um das Salz wieder auszuschwemmen.

 

Fotos dazu: Samsung A33 - Pink Pasta / Cincinnati Chili / Artischockenpesto / ChinaBolo

Musik dazu: Thees Uhlmann - 100.000 Songs Live in Hamburg / Kettcar - und das geht so (Live)

 

 








  

















Samstag, 11. Februar 2023

Grapparadiesische Zustände

 










Auf der Suche nach aromatischen Amalfizitronen war ich schon kurz davor die Dinger im Internet zu bestellen, inklusive sündhaft teurem Amalfizitronenfruchtaufstrich. Man gönnt sich ja sonst nichts. Da mir das aber zu lange dauern würde und ich die Zitronen JETZT haben will, strenge ich tatsächlich mal meinen Grips an und versuche logische Schlüsse zu ziehen. Amalfizitronen kommen aus Italien, folglich sollte wenigstens der italienische Fachhandel so etwas vorrätig haben und prompt fällt mir auch das Grapparadies ein, das ich viel zu lange nicht aufgesucht habe. Wenn es in Hamburg irgendwo Amalfizitronen gibt, dann garantiert im Grande Mercato von Vincenzo Andronaco.

Der erste Blick fällt auf die übliche saure Netzware, die es in jedem Supermarkt gibt. Nachdem ich den Schreck überwunden habe, entdecke ich die wahrhaft edlen Teile auf der gegenüberliegenden Seite, selbstverständlich mit Ästen und Blättern, weil das so schön dekorativ ist. Für etwas über 5 Euro pro Kilo geradezu ein Schnäppchen, dafür hab ich bei meinem Edeka im letzten Jahr gerade einmal zwei Stück bekommen. 

Natürlich wäre es vollkommen blödsinnig, nur für ein paar Zitronen durch die halbe Stadt zu gurken, den Ausflug muss man schon merken auf dem Girokonto. Mein Lieblingsgrappa ist allerdings mal wieder ausverkauft, die so eingesparten 210 Euro versuche ich sinnvoll an der Frischetheke umzusetzen, was mir trotz 3P (Parmaschinken, Pecorino, Provolone) nicht ganz gelingt, aber im Einkaufskorb ist ja noch Platz. Man könnte vielleicht mal handgeschmirgelte Pasta di Bronzo für sagenhafte 9 Euro kaufen, nur um zu gucken ob der Unterschied zu Barilla und Co. den Preisunterschied rechtfertigt. Für nur 5 Euro mehr gibt es die Pasta aber auch schon gefüllt im Kühlregal, die Tortelloni Garnele/Zitrone wandern in den Korb. Heimspielnachmittagsessen, in 10 Minuten fertig, keine Arbeit und auf irgendwas muss der Pecorino ja auch drauf.

Den Provolone werde ich mir dann als Dessert gönnen, mit etwas Ciliegie e Peperoncino. Das Zeug hatte ich schon fast wieder vergessen, wie günstig dass Vincenzo das in Augenhöhe neben der sizilianischen Mandarinenmarmelade platziert hat, so konnte ich das gar nicht verfehlen. Olivenöl könnte man noch mitnehmen, wenn man nur wüsste, welches von den unzähligen Olivenölen italienische Restaurantbesitzer für ihr Restaurant und welches sie privat benutzen. Ich muss bei den dreißig Sorten im Supermarkt schon grübeln, das hier überfordert etwas.

Richtig guten Limoncello würde ich gerne mal probieren, am besten natürlich einen aus Amalfizitronen, die bisher eher schrecklichen Erfahrungen mit dem Zeug und die Unkenntnis, welche der zahlreichen Sorten ein richtig guter Limoncello sein könnte lassen mich zurückschrecken, dafür finde ich noch etwas für die schnelle Küche. Eigentlich ist Pesto aus dem Glas meist die Pest ohne o, aber wenn das Zeug aus Catania kommt, dreimal so viel kostet wie der Kram von Bertolli und einen Pistazienanteil von immerhin 60% aufweist könnte das einen Versuch wert sein.

Am besten mit teuren Bronzenudeln. Wenn nur eine der Zutaten wirklich etwas taugt wird's schon schmecken.


Fotos dazu: Grappa-Zitronen-Olivenöl / Samsung A33

Musik dazu: Bab L'Bluz - Najda!

 



 

 

 



 

Donnerstag, 19. Januar 2023

Geschichten aus der Küche

 









Früher war zwar nicht alles besser, einiges dafür sehr viel einfacher. Zum Beispiel diese Ernährungssache. Man hatte entweder Brot und Aufschnitt in der Firma liegen, holte sich vor der Schicht Brötchen oder nutzte die Kantine. Wenn ich am Wochenende mal am Herd stand, weil dem Appetit auf anständige Frikadellen anders nicht beizukommen war, blieb das eher die Ausnahme. Unterwegs ein Restaurant, nach Heimspielen der Lieferservice, alles ungesund, aber macht satt und spart Zeit, von der man eh zu wenig hatte. 

Hat man aber auf einmal viel Zeit und keine Kantine mehr, sieht die Sache schon anders aus. Der Lieferdienst ist nicht nur aus finanziellen Gründen keine Option, will man sich nicht dauerhaft von Pizza, Burgern und Sushi ernähren. Nach Jahrzehnten der spannenden Wahl zwischen Kantine oder Stulle wird jetzt also gekocht. Nicht immer, aber doch relativ häufig.

Obwohl schon recht viele Menschen meine Fähigkeiten in der Küche mit Lob bedacht haben, stehe ich der ganzen Sache eher skeptisch gegenüber, möglicherweise waren die auch alle nur zu faul selber zu kochen. Für gänzlich untalentiert habe ich mich zwar nie gehalten, aber seit ich einen wahren Meister dieses Fachs kennenlernen durfte, hat das dem Selbstvertrauen einen ziemlichen Dämpfer verpasst. Jetzt weiß ich wenigstens, woher die teils absurden Zubereitungszeiten in Rezepten kommen. Die machen alles gleichzeitig und alles dreimal so schnell wie Otto Normalkoch, trotzdem alles aufwändiger, weil sie gleich drei Pfannen benutzen statt einer und natürlich schmeckt das dann auch alles dreimal so gut wie gewohnt.

Ist man mal ein paar Tage von so einem Sterneküchenbrutzler verwöhnt worden, kann man sich gut neu einschätzen, weil man jetzt immerhin weiß wie es schmecken könnte, würde man einen ähnlichen Aufwand betreiben, das nötige Können vorausgesetzt. Trotzdem bin ich nicht ganz ungeschickt in der Küche und einfache Rezepte sollten mir eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten, schließlich will man sich nicht auf Bratkartoffeln oder Spaghetti Bolognese beschränken und auch mal Experimente wagen.

Keine große Hilfe dabei sind seltsame Youtubekanäle, die mir laufend most delicious dishes empfehlen, die allesamt easy to cook sind und in der Hauptsache aus Resten, Dosenthunfisch und/oder Hackfleisch bestehen, die man zusammen in der Pfanne erhitzt, oder irgend etwas damit füllt um es in den Ofen zu schieben. Das kann wirklich jeder Trottel (ich hab's versucht) und das Ergebnis schmeckt so wie es aussieht. Ungesund, macht aber satt.

Auf Twitter bekommt man am laufenden Band zu sehen, was sich die Leute so an Leckereien gönnen, aber selten die Rezepte dazu und auf chefkoch.de sind mehr Witzbolde als Chefköche unterwegs, da muss man nach Perlen lange suchen. 

Bei Spiegel Online hat es mir ganz besonders die Rubrik "Nervennahrung" von der Frau Lugert angetan, in der sie jedes Wochenende ein neues Rezept veröffentlicht und ihre Gerichte derart märchenhaft blumig beschreibt, dass man den zart schmelzenden Käse und die Kräuter fast schon riechen kann. Interessant ist die Rubrik vor allem, weil von Älplermagronen bis Bibimbap lauter exotisches Zeug dabei ist, das des Köchleins Horizont erweitern könnte. Ganz besonders gefreut hat mich neulich ein relativ einfaches Rezept fürt Mole Poblano, was ich beim nächsten Versuch noch etwas verfeinern werde, für's erste Mal aber schon recht zufriedenstellend war. 

Der Chicorée-Mandarinen Salat mit Ziegenfrischkäsedressing und karamellisierten Walnüssen war ganz großartig, hab den an einem Abend weggeknuspert. Simpel und gut, sieht man von der nervtötenden Arbeit des Mandarinenfiletierens ab, aber dafür musste man wenigstens den Herd nicht anmachen. Soll man den allerdings benutzen kann es schon mal kritisch werden, denn von der Vorstellung, man müsse sich nur sklavisch genau an Mengen, Zutaten und Garzeiten halten, dann hätte man am Ende ein professionelles Sternekochgericht auf dem Teller, hab ich mich inzwischen verabschiedet.

Dabei bin ich nicht mal sicher, dass das immer an mir liegt, aktuell bringt sie mich wieder zur Verzweiflung mit einem Kimchi Grilled Cheese Sandwich. Eine Kalorienbombe, aber bestimmt großartig! Das köstlichste Käsesandwich aller Zeiten!

Das hörte sich nicht nur fantastisch an, das kam auch gerade zur rechten Zeit, da mir eine Freundin neulich den Rest ihres selbst angesetzten Kimchis vermacht hatte und noch ausreichend Raclettekäse übrig war. Wenn schon zufällig alle Zutaten im Haus sind, muss man das natürlich sofort ausprobieren.

Aber entweder bin ich zu doof oder die Frau Lugert hat eine Pfanne mit Oberhitze, denn mein Käse schmilzt nicht in 5 Minuten bei heruntergeschalteter Hitze, auch nicht wenn ich einen Deckel auf die Pfanne lege und schon gar nicht der Käse, der auf dem Kimchi liegt. In zehn Minuten sah das zwar schon besser aus, aber nicht auf der Unterseite, die war schwarz, wie es Brot halt wird, wenn es zu lange in der Pfanne liegt.

Meiner bescheidenen amateurhaften Meinung nach (ich bin ja kein Koch wie die Frau Lugert) ist da schon die Reihenfolge falsch. Wenn ich das eine Brot mit Senf bestreiche, erst den Kimchi und dann den Käse drauflege und auf das andere draufzuklappende Brot nur Käse, ist erstens der Zeitpunkt des Schmelzens unterschiedlich und zweitens hab ich die Reihenfolge Brot -> Senf -> Kimchi -> Käse -> Käse -> Brot. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, weshalb ich die Reihenfolge Brot -> Senf -> Käse -> Kimchi -> Käse -> Brot bevorzugen würde, wenn ich noch Kimchi hätte, aber der ist nu alle.

Ich bin auch nicht sicher ob man den ganzen Kram in der Pfanne machen sollte wenn man einen Kontaktgrill besitzt, mit Butter beschmieren kann ich die auch so und brauch dafür keinen ganzen Esslöffel. Aber vielleicht hat Frau Lugert ja keinen Kontaktgrill und muss das deshalb in der Pfanne machen.

Heute hab ich einen Kopf Weißkohl gekauft. Nicht etwa, weil ich vorhätte Kimchi zu machen, das würde viel zu lange dauern und ich hätte Chinakohl kaufen müssen, aber Frau Lugert hat da wieder etwas in petto, was ziemlich einfach klingt und auch ein klein wenig exotisch, Krautfleckerl hatte ich jedenfalls bisher nicht auf dem Zettel. In diesem speziellen Fall werde ich mich allerdings nicht sklavisch an das Rezept halten, denn Kümmel ist so ziemlich das ekelhafteste Gewürz überhaupt. Das muss auch ohne gehen.

Sollte das dann zu einer Enttäuschung führen muss ich wohl wieder eine meiner simplen Eigenkreationen bemühen. Die Garnelen mit Schalotte und Knoblauch in Portweinsahne mit den roten Chilinudeln von Aldi waren ziemlich genial und die Zutaten sind alle vorhanden.

Foto dazu: Chicoréesalat mit Mandarinen / Samsung A33

Musik dazu: Mark Knopfler - Down The Road Wherever