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Samstag, 7. August 2021

Expressen, essen und vergessen








 

 

Seit fast drei Jahren gab es hier keinen Currywursttest mehr zu lesen und wahrscheinlich wäre es auch dabei geblieben, hätte ich nicht nach einem anständigen Grillhähnchen für meinen Geflügelsalat gesucht. Das dröge Teil vom Hühnerwaggon, das ich neulich im Sālād Olivieh verwendet habe, kommt dafür keinesfalls in Betracht, wenn ich schon sündhaft viele Kalorien zu mir nehme muss das taugen. 

Laut Internetrecherche gibt es die besten Grillhühner beim De Fries Express in Volksdorf. Das ist mit Schleichwegen gerade mal umme Ecke, so nah, dass man sogar Fastfood warm nach Hause bekommen könnte. 4.7 von 5 Sternen bei den Google Reviews und die Currywurst liegt sogar noch zwei Punkte vor dem Geflügel, das nutze ich aus. Die besten Pommes in ganz Hamburg, monstergroße Portionen, oberleckere Currywurst, eine Institution in Volksdorf, seit 35 Jahren nirgends anders so gut gegessen und überhaupt: Die besten Currywurst Würste und Pommes auf der Welt!

Wie konnte das so lange an mir vorübergehen? Immerhin wohne ich auch schon seit etwa 35 Jahren hier, allerdings ohne allzu häufig auf Schleichwegen nach Volksdorf zu fahren, das war wohl der Fehler.

Der nächste war, den Rezensionen zu vertrauen, denn man weiß ja nie, wo die Menschen in den letzten 35 Jahren gegessen haben, bevor sie sich eine Curry Pommes bei De Fries reingezogen haben. Kann ja für die durchaus ein Highlight gewesen sein, für mich war es eher ernüchternd, nach den Vorschusslorbeeren. Monsterportionen Pommes scheinen sehr begehrt zu sein, weil konnte-keiner-aufessen leider immer noch ein Qualitätsmerkmal ist, aber was an einer schlaffen Fritteusenwurst mit Curryketchup kann derartige Begeisterung auslösen?

Erklären kann man das höchstens mit einer Art Nostalgie, denn vor 35 Jahren war das noch ganz normaler Imbissstandard in Hamburg, irgendeine Wurst, Hela Ketchup drauf, fertig. Mit etwas Glück frisch vom Grill, wie hier aber auch oft ein Opfer der Fritteuse. Kann man mal essen, kann einem aber auch schlecht von werden wenn man's macht.  

Musik dazu: Maserati - Passages

  

 

Dienstag, 9. Oktober 2018

Currywurst für Obelix
















"Fahr einfach irgendwo hin" sagt der Pappenheimer, "am besten ans Wasser." Auch in Hamburg gar nicht so einfach, wenn man nur noch knapp zwei Stunden Sonnenlicht hat. Alster und Elbe fallen flach, dafür braucht man inklusive Parkplatzsuche schon eine gute Stunde, falls man Glück mit Parkplätzen hat.
In der anderen Richtung liegen Großen- und Lütjensee, aber auch das würde zu lange dauern, der Exilwestfale hat heute wenig Zeit, weil Schwatzgelb um 21 Uhr in der Glotze läuft. Eurobabokaaal! Also irgend etwas in der Nähe mit Wasser. Und Kneipe, selbstverständlich. Zum am Wasser sitzen.

Heißt, erst mal planlos in irgendeine Richtung fahren bis mir etwas einfällt, was Gott sei Dank noch passiert bevor wir die Stadtgrenze erreichen. Der Quellenhof im Rodenbeker Quellental! Auf jeden Fall gibt es da Bier und - wenn man die Quellen im Wald suchen will - auch Wasser. Man könnte sogar draußen sitzen und auf die Quellenteiche gucken, wäre es nicht inzwischen doch etwas zu frisch.

Also mehr am Fenster als am Wasser, aber niemand meckert. Gleich mal in die Karte gucken. Pannfisch, Forelle, Wildschwein, Currywurst. Oginool Hamburger Speisekarte, fehlt eigentlich nur noch Labskaus. Oder Birnen, Bohnen und Speck, aber das traut sich selbst in Hamburg kaum jemand.

Besonders reizvoll erscheint mir die Wildcurrywurst aus 100% Wild mit leichter Bärlauchnote, denn so etwas fehlt noch im lange vernachlässigten Currywursttest. Leider bin ich zu blöde eine Portion von Großmutters Bratkartoffeln zu bestellen und muss mich so mit den Pommes zufrieden geben.  Dennoch ist das keine ganz schlechte Wahl, zumindest die Wurst ist Klasse. Knackig, beinahe schon ein wenig zu bissfest, denn sowohl Messer als auch Kiefermuskulatur haben gut was zu tun - und sehr wild-würzig, Obelix wäre begeistert.

Von der Sauce vielleicht etwas weniger, denn die schmeckt leider als hätte man versucht ein Industrieprodukt etwas aufzupeppen und das will auch dem Currypulver nicht ganz gelingen. Dennoch unterm Strich durchaus empfehlenswert, falls mal wer beim Quellensuchen hier vorbeikommt. Nimmt man Großmutters Bratkartoffeln statt der Pommes taugt auch die Beilage, das wurde mir jedenfalls von zwei Seiten versichert.


Foto dazu: Samsung S5
Musik dazu: Kaya Project -  The Elixir Remixes

   


   

Sonntag, 19. November 2017

Unterhaltungswert hat das streckenweise schon

















Ich würde ja wegbleiben. Wenn das irgendwie der Mannschaft einen Heimsieg garantiert, ich würde wegbleiben. Sofa am Sonntag ist auch ganz schön und so wahnsinnig viel Spaß macht das ohnehin gerade nicht am Millerntor. Aber als ich das letzte Mal weggeblieben bin gab es eine 0:4 Klatsche gegen Ingolstadt, an mir kann es also nicht liegen.

Was ist es dann? Der Rasen? Hat da jemand Chlorophyll mit Chloroform verwechselt? Dünstet der irgendwas aus, das die Mannschaft bei jedem Spiel für eine halbe Stunde lähmt? Oder ist es die atemberaubende Stimmung am Millerntor, die unsere Spieler so aus der Fassung bringt? Das kann ja heute nicht so doll gewesen sein eigentlich, das Aux Armes klang selbst auswärts schon mal besser.

Wollten wir nicht eigentlich den Gegner früh anlaufen und so zu Fehlern zwingen, weil das gegen Union so gut geklappt hat? Macht in den ersten halben Stunde nur Regensburg. Haben wir nicht das Abwehrverhalten bei Standards geübt, weil das gegen Union nicht so gut geklappt hat und wir deshalb trotzdem verloren haben? Hat nicht geholfen, wir kassieren wieder ein Tor nach Standard. Und noch eins wegen Blödheit gleich hinterher.

Grauenhaft ist wahrscheinlich eines meiner meistgenutzten Adjektive in diesem Jahr, sorry dafür, aber es ist einfach grau-en-haft. Rumstehen wie Falschgeld, keiner weiß was der andere macht, immer einen Schritt zu spät und der Ball ist der Feind. Mit Fußball hat das nix zu tun, beim Fußball spielt man mit dem Ding und tritt den nicht blind in irgendeine Richtung, in der vagen Hoffnung er möge nicht gleich wieder zurückkommen.

Die erfüllt sich halt nicht immer und dann steht es schnell mal 0:2. Gegen Jahn Regensburg. Da werden Erinnerungen wach, an das wahrscheinlich grauenhafteste (sorry) Auswärtsspiel ever, dabei hatte ich das bis auf den Biergarten fast schon verdrängt. Doch, das sieht heute ähnlich beschissen aus wie damals.

Bis Lasse dieses "ich hab langsam keinen Bock mehr auf den Scheiß" Ding in den Winkel nagelt und dann sind alle wach. Auf einmal geht das, man kann wieder was mit dem Ball anfangen, weil einer vormacht wie es geht. Sogar nachlegen geht, Ausgleich zur Pause geht, die (fast) komplette zweite Hälfte geht, nur ins Tor geht nicht mehr. Unterhaltungswert hat das streckenweise schon, man kann häufig von seinem Sitz aufspringen , "Aaaah" und "Ooooh" rufen, wenn wieder eine gute Chance versemmelt wird, kann sich fünf Minuten abregen bevor man sich erneut aufregen muss, aber wenn am Ende keine drei Punkte bei rumkommen ist der Spaßfaktor trotzdem nur so lala. 

Weil: Ich muss Muddern morgen anrufen, zum 86. gratulieren. Lässt sich nicht vermeiden. Und am Ende wird sie wieder tröstend sagen "Naja, wenigstens haben sie nicht verloren."
ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!


Was sonst noch gut war:
Nicht das Schiedsrichtergespann, außer in einer Szene vielleicht, in der sie zwar auch nicht gut waren, aber ohne die wir höchstwahrscheinlich verkackt hätten.

Was sonst noch schlecht war:
Die Friteusenwurst mit Ketchup in dem Laden mit den "Champignongs", ein Merkmal das ich im Kopf behalten kann.

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Jahn Regensburg, Endstand 2:2
Bier dazu: Distelhäuser Distel Blond, 5.1%
Musik dazu: Nils Petter Molvær - Khmer / Solid Ether






















Freitag, 6. Januar 2017

Als Erstes 'ne Wurst














Frohes neues Jahr!

Weil mir gerade nichts anders einfällt, der letzte Currywursttest schon eine ganze Weile her ist und ich zwar im Cliff schon mal eine gegessen, den Testbericht dazu aber völlig vergessen habe, gibt's im neuen Jahr als Erstes eine Wurst. Und natürlich, weil die portugiesische Kleinfamilie etwas spazieren gehen, etwas gucken und etwas essen wollte und mir in der kurzen vorhandenen Zeit nichts sinnvolleres einfiel, als ein kleiner Spaziergang an der Alster. Da man im Cliff auch bei Sonnenschein drinnen sitzen kann und Portugiesen (selbst eingewanderte) ausgesprochene Frostködel sind bot sich der Laden einfach an.

Dabei lernen Touristen auch gleich etwas über Preise mit Alsterblick , die 11.90 für eine Curry mit Pommes machten beim Chefkoch jedenfalls enormen Eindruck, wahrscheinlich mehr als die hausgemachte Currysauce mit Röstzwiebeln.  Die ist, trotz Gemüseeinlage und Röstzwiebeln, eher unauffällig. Die feine Kalbsbratwurst jedoch findet Gefallen sogar beim Meister, da werde ich nicht widersprechen. Die Pommes sind, nun ja, Pommes halt. Was die beiden Dips rausreißen könnten, wenn man etwas einfallsreicheres gefunden hätte als Tomatenketchup und süße Dänenremoulade.

Fazit 1: Nicht ganz schlecht aber viel zu teuer.

Fazit 2: Ich hätte mit denen vielleicht um die Binnenalster laufen und in den Colonnaden 'ne Edelcurry futtern sollen. Beim nächsten Besuch vielleicht...

Curryfoto: Samsung S5
Currybier: Mashsee Hafensänger, Baltic Porter, 6.1%
Currymusik: Al Jawala - Hypnophonic   



Dienstag, 26. Mai 2015

Kleine Teufeleien im Regenwald















"Wenn Du das nächste Mal im Regenwald bist musst Du unbedingt eine Teufelscurrywurst probieren" schlug mir der Hippo vor ein paar Wochen am Telefon vor "das wäre doch mal etwas für Deinen Currywursttest." Angeblich wäre diese ultrascharfe Variante erst nach Vorlage eines Ausweises zu bekommen und nur auf eigene Gefahr zu verzehren.

Ich kann mir schon denken was die Jungs vorhaben, die wollen sich angucken wie mein Gesicht rot anläuft, der Schweiß in Bächen von der Stirn rinnt und ich fluchend nach Luft japse. Und möglichst noch fotografieren dabei. Nachdem ich in über zehn Jahren alle legendären Arten von Regenwaldpartys spielend überlebt habe, muss mich doch wenigstens eine Currywurst irgendwie aus der Bahn werfen können..

Der Stau am Anreisetag hat dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht und mir als Ersatz ein unspektakuläres Schnitzel mit Bratkartoffeln beschert, aber so ganz wollte ich mir die Geschichte nicht entgehen lassen. Als kleine Stärkung nach dem zweiten Frühstück taugt 'ne Curry mit Pommes allemal und glücklicherweise ist der Imbiss nur einen Steinwurf von der Schlagerhölle entfernt, in der man dazu ein frisch gezapftes Pils bekommt.

Die teuflische Pelle wird in vier Schärfegraden angeboten, von denen mir die zweite Variante vorerst genügen würde. Schließlich impliziert der Name "Teufelscurrywurst" schon eine gewisse Grundschärfe, eine normale steht ebenfalls auf der Karte. Von der Wurst will man ja auch noch etwas schmecken, um sie überhaupt beurteilen zu können und außerdem stehen auf dem Regal drei äußerst verdächtige Fläschchen mit gelb und grün schillernden Substanzen, die wohl für die drei Schärfegrade verantwortlich sind. Wer weiß was das ist...

Kaum kriegt der Pappenheimer mit, dass ich bei der entzückenden jungen Dame die zwo ordere, fängt er auch schon an etwas von "Warmduscher" zu krähen, obwohl er hier wahrscheinlich noch nie gegessen hat. Eigentlich sollte ich aus dem Alter raus sein, in dem man sich von so einem Blödsinn provozieren lässt. Ganz besonders sollte man sich nicht von jemandem provozieren lassen, der bisher vor dem Hassburger am Millerntor gekniffen hat. Trotzdem gehe ich auf Stufe 3, Warmduscher fiele dann schon mal weg.

Für die Saucen gibt es einen Merkzettel an der Wand, die Dame vergewissert sich sorgfältig über die zu enthaltenden Ingredienzen und Mengen, vermischt das mit der Saucengrundsubstanz und kredenzt mir das ganze mit einer zerstückelten Bratwurst vom Grill nebst Pommes/Mayo auf einem Pappteller. Zum mitnehmen, für die Schlagerhölle. Viereurozwanzich zusammen, da kannste nich meckern, woll.

Mehr isses allerdings auch nicht wert. Die Pommes sind unterer Imbissstandard, die Mayo viel zu sauer und die Wurst ist halt 'ne Wurst. Unspektakulär und relativ klein. Vom Teufel nichts zu spüren, die Schärfe eher als mild zu bezeichnen. Höchstwahrscheinlich irgend ein Tomatenketchup als Grundsubstanz, dem dann mehr oder weniger große Mengen aus den drei kleinen Flaschen zugefügt werden. Sollte ich noch einmal in die Verlegenheit kommen dort eine Currywurst zu essen, dann probier ich halt die vier. Von  mir aus auch mit Fotografenbegleitung vom Hippo, aber ohne Pommes und Mayo.

Fotos: Speisekarte (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von xs4all): Pentax fuffziger Planar / Currywurst: Canon Kompaktknipse
Musik: Pappenheimerplayliste, derzeit etwas anstrengend

Samstag, 18. April 2015

Neunzig Minuten sind lang


















Vorspiel
Freie Freitage bringen nicht wirklich viel wenn man aus der Nachtschicht kommt. Um 13 Uhr bin ich zu kaputt um aufzustehen, um 14 Uhr die Sonne zu hell und der Kinderspielplatz zu laut zum schlafen. Also gute zwei Stunden Zeit um anständig zu frühstücken, soweit das mit zwei Scheiben Toast und einer fast leeren Packung Knäckebrot überhaupt möglich ist. Danach beginnt die mentale Spielvorbereitung, Sportzigaretten vorbauen und versuchen das flaue Gefühl im Magen zu ignorieren. Gegen Ende der Saison wäre ich gerne Mittelmaß. Eine graue Fußballmaus im langweiligen Mittelfeld der Tabelle, dann könnte man ganz entspannt zu den letzten Spielen fahren, dieser allwöchentliche Kampf um lebensnotwendige Punkte zerrt an den Nerven. Dabei bräuchte ich mir eigentlich keine Sorgen machen, schließlich hat Peter Neururer gerade prophezeit wir würden heute 2:1 gewinnen und keinesfalls absteigen. Leider weiß man bei Peter nicht genau ob nun der Fußballexperte aus ihm spricht oder der Fan mit braun-weißer Brille.

Der HVV verarscht mich mal wieder exquisit, kaum sitze ich in der U-Bahn erzählen sie was von Streckensperrung mit Ersatzbussen und zwanzig Minuten Verzögerung, darauf könnte man bei entsprechender Streckenangabe auf der Webseite auch hinweisen. Gott sei Dank gibt es andere Möglichkeiten, ich steige Lübecker Straße um und bin so früh im noch fast leeren Stadion, dass ich mir sogar noch einen Wutburger leisten könnte, hätte ich schon wieder Hunger. Immerhin gut zu wissen, dass es die Teile wenigstens in der Gegengerade noch gibt.

Mit einem frischen Bier auf die Ränge, den Nachbarn begrüßen und die Sonne genießen, so schlecht fängt der Nachmittag nicht an. Als die Jungs zum Aufwärmen auf den Platz kommen lacht die Sonne noch ein bisschen freundlicher, denn zumindest Koch und Sobiech sind dabei, müssen wir wohl doch nur auf Halstenberg verzichten. Gegen die starke Nürnberger Offensive wäre ein Ausfall unserer defensiven Leistungsträger kaum zu kompensieren gewesen.

Zum zweiten Bier gibt es die obligatorische Gästehymne und die Aufstellung, Mlapa im Sturm, Sylvestr auf der Bank, außer Schäfer und dem unerträglichen Pinola die einzigen Nürnberger Namen die mir etwas sagen. Schiedsrichter ist der ebenfalls oft unerträgliche Manuel Gräfe und bei uns spielt die Teilerfolgself der letzten Wochen, mit Schachten für den ergrippten Halstenberg in der Startelf und mit Ratsche auf der Bank. Der Laden ist mittlerweile proppenvoll und der inzwischen ebenfalls anwesende weibliche Fußballsachverstand, der sich so hervorragend 4:0 Ergebnisse herbeiwünschen  kann, tippt auch heute auf einen Sieg für uns. Kann ja nichts mehr schiefgehen.

Schicke Choreo auf der Süd, Hells Bells, Konfetti, ab dafür...

Spiel (1)
Papier im Bier! Dammit, ich brauche dringend einen Museumsbierbecherdeckel, das geht ja gar nicht. Bevor ich mich auf Fußball konzentrieren kann muss das Zeugs aus dem Becher gefischt werden und noch bevor ich damit fertig bin baut Schnecke das erste Mal Scheiße auf dem Platz. Mensch Jan-Philipp, das gibt wieder fett Kommentare in einem Forum das Du hoffentlich nicht liest. Noch so ein Bock wie gegen Karlsruhe und Düsseldorf ist vergessen, der Nürnberger kommt diesmal glücklicherweise zu spät. Die Franken sind deutlich aktiver und setzen uns von Anfang an unter Druck, also genau das was Ewald vorausgesagt hat. Unsere Abwehr wirkt nicht gerade sicher in dieser Phase und nach vorne geht schon mal gar nichts. Nach fünfzehn Minuten versucht es Choi endlich mal, bleibt aber an zu vielen Beinen hängen und prompt geht es zurück in die falsche Richtung. Schnecke ist zu weit weg von seinem Gegenspieler und der dreht die Kugel in Richtung langer Pfosten, knapp vorbei. Jan-Philipp! Ufbasse!

Das ist überhaupt das Problem, wir sind zu weit weg vom Gegner, kriegen überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel. Was sicher auch am Gegner liegt, die Düsseldorfer waren hier völlig von der Rolle, Nürnberg ist ein anderes Kaliber. Erst nach zwanzig Minuten bessert sich das etwas, Verhoek hat sogar so etwas wie eine Torchance, tritt aber scheinbar in den Rasen und bleibt liegen. Kurz darauf versucht es Schachten, leider zu nahe ans Tor für eine Flanke und zu schlapp für einen Torschuss, was immer es werden sollte, für Schäfer im Tor kein Problem. Die dickste Chance dann wieder für Verhoek, aber erneut ist Schäfer schneller am Ball. Auf der Gegenseite gibt es die erste gelbe Karte für einen Nürnberger Schwalbenversuch im Strafraum. Donnerlüttchen, das ist direkt mal ein Punkt für Gräfe. Gar nicht so übel bisher der Manuel, jetzt muss er nur noch bemerken wie die unseren kleinen Asiaten beackern, da könnte man auch mal ne Karte ziehen hin und wieder.

Leider ist das Zwischenhoch nur von kurzer Dauer, nach zehn Minuten fangen sich die Franken und nähern sich wieder unserem Strafraum. Jetzt sieht man auch warum die länger nicht mehr gewonnen haben, sie verwerten ihre Chancen nicht, eine prima Vorlage von Schnecke jagt Pinola unters Dach. Mensch Jan-Philipp, ich dachte eigentlich die Zeiten sind vorbei in denen Du mich wahnsinnig machst. Noch zwei Minuten, bloß nicht vor der Pause einen kassieren. Doch dann ist Mlapa auf einmal durch und zieht ab. Auuuuuuund doch kein Tor. Weil Robin den Fuß dazwischenreflexhext. Gute Güte, mein Herz. Meine Kehle. Mehr Bier. Pause.

Zwischenspiel
Meine Bierbestellung kommt pünktlich zur Halbzeit, das ist eigentlich auch alles was bisher gut läuft. In der Nachbarschaft hält sich die Begeisterung über das Geschehen auf dem Rasen ebenfalls in engen Grenzen. Der weibliche Fußballsachverstand erklärt sich spontan mit einem 0:0 zufrieden wenn dafür die Rauten in Bremen verkacken, aber der Comedyclub interessiert mich nur am Rande solange uns das Wasser selber bis zum Hals steht. Der Unterhaltungswert dieses Vereins ist natürlich enorm, aber ich hätte gerne ganz humorlose drei Punkte heute, bevor ich an die einen Gedanken verschwende. Die Aussicht ist dummerweise trübe, alle um mich herum haben sich mit dem weiblichen Fußballsachverstand solidarisch erklärt und sind mit einem 0:0 zufrieden, denn so wie die Nürnberger bisher spielen könnte es sehr viel schlechter kommen. Dem könnte ich mich beinahe anschließen, denn so wie die Jungs da unten heute rumhühnern ist ein Tor auf der richtigen Seite eher unwahrscheinlich. Aber ein Punkt dürfte das unangenehme Gefühl im Magen vor den nächsten Spielen nicht verbessern, ein Punkt ist zu wenig.
Der Süden schickt noch einen Halbzeitgruß der wohl dem Gästeblock gewidmet ist, während die staatlichen Organe im Norden die Abendsonne genießen. In der Sonne stehen, Fußball gucken und dafür auch noch bezahlt werden, keine Ahnung worüber die sich immer beschweren. Wenn man Zeitung liest könnte man denken die müssten sich dauernd prügeln. Bei Sportfotografen sieht das jedenfalls deutlich stressiger aus, die können sich nicht mal in der Halbzeit eine Pause gönnen.

Spiel (2)
Aaaaaaaaaaaaaaaaleckmichdochgleicham.. verdammt war das knapp, kaum läuft das Spiel wieder drischt ein Nürnberger die Kugel an den Pfosten. Das wärs gewesen, wenn die hier einmal treffen ist das Ding gelaufen. Und es sieht grad nicht gut aus, unsere Offensivbemühungen wie gehabt viel zu harmlos und hinten steppt zeitweise der Bär. Wenn Nürnberg Druck macht werden die Jungs nervös, sogar Lasse lässt sich davon anstecken. Andererseits ist es mir immer noch lieber jemand haut den Ball kompromisslos auf die Tribüne, als eine riskante Rückgabe zu versuchen. Der einzige der sich von dem ganzen Mist nicht anstecken lässt ist Himmelmann, der mehr als einmal mit großartigen Reflexen das Schlimmste verhindert und auch bei Standards immer hellwach ist. So langsam muss ich selbst als alter Tschaunerfan zugeben, dass Robin wesentlich nervenschonender spielt. Früher haben mich Eckbälle jedenfalls weit mehr beunruhigt.  

Wir bekommen sogar ein paar offensive Minuten, Schnecke holt 'ne Ecke, Lasse einen Kopfball und Verhoek hat zwanzig Minuten vor Ende das 1:0 auf dem Fuß. "Das hätte den Spielverlauf völlig auf den Kopf gestellt" meint der Nachbar, aber danach fragt später keiner mehr, ich gewinne heute auch durch ein dusseliges Eigentor wenn es nicht anders geht. Schachten geht dann vom Platz und wird durch Lenny Thy ersetzt, Buballa rückt in die Viererkette. Im Mittelfeld sieht Daube eine völlig unberechtigte gelbe Karte, endlich kann man mal richtig pöbeln gegen Gräfe, hätte mich auch gewundert wenn das ausgeblieben wäre.

Das Spiel ist weiterhin zum Nägelkauen, Himmelmann reagiert erneut stark gegen einen Nürnberger und dann wechseln die auch noch Sylvestr ein, ihren Toptorjäger. Die wollen ums Verrecken drei Punkte mitnehmen heute, so wie die hier aufgetreten sind kann ich ihnen das nicht mal verübeln. Andererseits dürften die das auch mit zehn Mann zu Ende spielen, Herr Gräfe! Das eindeutig taktische Foul an Choi war definitiv gelb-rot würdig! Scheiß Schiedsrichter, der Pluspunkt ist wieder weg. Cooper kommt für Sobota, war nich so doll vom Waldi heute. Uuuund beinahe noch das 0:1, wieder rennt jemand ungehindert in unseren 16er und zieht ab, wieder ist es Himmelmann der uns den Arsch rettet. Spieler des Tages heute, bitte weitermachen. So lange die Null steht haben wir wenigstens einen mickrigen Punkt.

Nein drei! Dreidreidrei! Jetzt! Super Flanke auf Lenny an der Strafraumgrenze, direkt vor meinen Augen holt er den runter, hat Mühe den Ball zu kontrollieren, aber auch jede Menge Zeit. Doch leider ist es Lenny und so lieb ich ihn hab, er ist einfach kein Torjäger und er wird auch keiner mehr. Mein euphorisches "Yiiiiiieaaaaaa" verröchelt stumm als er die Pille nur so ungefähr halb kontrolliert und das Ding dann in die Wolken jagt. "Jeder andere" stöhne ich laut, "da hätte jeder andere stehen können." Buballa hat neulich ein ähnliches Ding direkt in den Knick gejagt, der ist leider defensiv beschäftigt gerade. Noch fünf Minuten, Verhoek geht raus, Nöthe kommt. Der wird es nicht richten, aber Johnny sieht ziemlich platt aus.

Eigentlich können wir froh und glücklich sein, wenn hier nichts mehr passiert ist das ein glücklicher Punktgewinn. Den wir in erster Linie Himmelmann zu verdanken haben und in zweiter Linie dem Nürnberger Pech. Ein Punkt. Wahrscheinlich zu wenig für den Klassenerhalt, aber zu viel für die Leistung. Ich schiele kurz auf die Anzeigetafel, 89 irgendwas. Buballa geht da unten gerade steil, guter Sprint, guter Einsatz, springt immerhin eine Ecke dabei raus. Eine Ecke? Als Daube sich den Ball zurechtlegt ist das ein merkwürdig ungewohnter Anblick, ist das wirklich unsere erste Ecke in diesem Spiel oder hab ich eine übersehen? Die erste Ecke in der 90. Minute? In einem Heimspiel? Da kann man mal sehen. Daube tritt an, die Kugel fliegt in den Strafraum..

..und das Stadiondach hebt ab. Tooooooooooooooooooooor in der letzten Minute durch Lasse! Sobiech! Den Mann den wir unbedingt den Rauten abkaufen müssen, koste es was es wolle und den ich schon in seiner ersten Saison hier ins Herz geschlossen habe, der auch überhaupt keine Raute ist sondern im Tiefsten seines Herzens braun-weiß und nur in einer unglücklichen Lage war, dem ich sein erstes Tor hier damals schon so gegönnt habe weil er immer unermüdlichen Einsatz zeigt. Lasse! Sobiech! Yaman! Herr der Lüfte! Stadionexplodierenlasser! Der allumfassend tosende Jubel ist derart extrem und befreiend, dass die Hälfte glatt den Einsatz beim Song 2 verpasst, weil wir uns immer noch in den Armen liegen und schreien wie die Verrückten, als das Stück längst zu Ende ist.

Drei Minuten. Drei Minuten lässt Gräfe nachspielen, viel zu viel. Außerdem sind zwei schon durch den Torjubel weg, pfeif ab Mann. Jetzt kriegen die auch noch einen Freistoß und Schäfer geht mit nach vorne. Pfeif! Ab! Jetzt! Nicht dass der hier noch den Tschauner macht. Freistoß kommt, Ball wird geklärt, jetzt schnapp sich doch mal einer das Ding, wo der Schäfer nicht im Kasten ist.....AUS! AUS! 1:0, 3 Punkte! Unverdient megaglücklich my ass, scheißegal. Ausgleich für die Kackspiele. Die ganze Gegengerade singt. Neunzich Minuten sind lang, neunzich Minuten sind lang, erst fang' se ganz langsam an, aber dann..

Für meine Nerven dürfen sie gerne wieder etwas kürzer sein beim nächsten Spiel, von diesen Dramen in der letzten Minute kann ich pro Saison nur eine begrenzte Zahl verkraften, zumal die meistens eh nach hinten losgehen.

Nachspiel
In der Hoffnung noch jemanden zu treffen greif ich mir ein 3-Punkte-Pils für schmale 4 Euro und suche die Tresenkurve vor den Fanräumen. Kleine Besetzung heute, Herr B. weilt nebst Gattin in St.Peter-Ording. An einem Heimspielwochenende? So eine Gattin hatte ich auch mal, kommt mir nicht mehr ins Haus. Wir freuen uns noch eine Bierlänge über die äußerst unverhofft gewonnenen Punkte, dann schlägt der kleine Hunger zu. Erbarmungslos, weil Knäckebrot keine vernünftige Grundlage ist für reichlich Bier und andere Genussmittel. Letztes Wochenende mit Rummelplatz vor der Haustür, leerem Magen und zwei Sportzigaretten intus, kann nur in einem üblen Fressflash enden. Das gefüllte Ofenbrot füllt zwar den Magen, befriedigt die Geschmacksnerven aber nicht so wirklich. Die Currywurst, klassisch vom Grill, Variante "Hot" ist ein idealer Nachtisch und gleichzeitig etwas für die Rubrik Currywursttest. Knackige Grillwurst aus dem Schredder mit Brot und Sauce aus eigener Herstellung, sehr viel besser als der übliche Imbissbudenstandard, die beste bisher auf dem Dom.
Der recht hohe Schärfegrad (3 von 5 Schweißperlen) ist sicher nichts für empfindsame Menschen, dennoch: sehr lecker. 82 Curry werde ich mir merken. Die gefühlt deutlich angeschwollene Zunge bekämpfe ich mit einer Kirschtasche, das anschließende Völlegefühl mit einer Kippe und ab nach Hause. Rauschschlafen.

Fotos: Gegengerade Millerntor / Hamburger Dom
Musik: Marshall & The Fro - Friends for Life / John Butler Trio - Sunrise over Sea






















Donnerstag, 19. März 2015

Fischmarkt ist für Fisch
















Die Große Elbstraße ist die Hamburger Fischstraße Nummer 1, hier gibt es alles, von Sprotte bis Scampi, vom Matjesbrötchen auf die Hand bis zum Hummerbrötchen bei Hummer Pedersen, vom Klebereisröllchenlachs bei Henssler & Henssler bis zum Thunfischpfeffersteak in Kowalkes Fischereihafenrestaurant. Aal und Auster, Lachs und Lobster, Heil- oder Kaputtbutt, was immer man dem Meer an Schätzen entwenden kann ist hier käuflich zu erwerben. Nur den besten Backfisch der Stadt, den gibt es ganz woanders...

Leider sind die Schlangen hier bei Ausflugswetter nicht nur vor den Eisbuden unglaublich lang, auch die Fischbrötchenverkäufer haben mit erhöhtem Publikumsverkehr zu kämpfen. Eiserne Regel: Wenn Menschen bis auf die Straße stehen, unbedingt einen Blick in den Laden werfen, der Tresen kann im Fischgroßhandel durchaus noch ein paar Meter weiter entfernt sein als gedacht.

Eine halbe Stunde anstehen um 13.50 für ein Hummerbrötchen zu latzen? Eher nicht. Die Alternative bietet zudem eine Möglichkeit, der Currywursttestreihe eine weitere Folge hinzuzufügen. Gourmet Hofladen hört sich gut an, alles Bio und so und die Currywurst kommt vom Bunten Bentheimer Landschwein, wenn das nix is.

Schlange: Null. Hinterm Tresen wuseln die Kinder herum, wo soll man die auch lassen wenn man im Laden stehen muss am Wochenende. Familienbetriebe find ich ja schon mal sympathisch, sieht auch sehr viel nach Heimwerkerei aus hier, Rouladen im Glas stehe ich trotzdem irgendwie skeptisch gegenüber. Bio hier, Bio da, alles wunderbar, einmal Curry Pommes Mayo bidde.

Uuuuund *knack* da isser, der Fehler. Die Bunte Bentheimer Landsau, praktisch zerkleinert und in Gedärm verpackt, landet in der Fritteuse. Immerhin nicht in der mit den Pommes, aber trotzdem, das geht gar nicht. Dementsprechend enttäuschend ist dann auch das Ergebnis. Die Currywurstsauce reißt das zum Teil wieder raus, die ist durchaus lecker, aber die Beilagen dafür schwach. Standardpommes mit Pommeswürzmischung und Großhandelseimermayo, das hat mit Gourmet nix zu tun, das kann der Imbiss nebenan auch. Anständige Mayonnaise dazu (vielleicht mal bei Vincent Vegan nachfragen) und die Wurst auf den Grill, dann kann das was werden, so ist das nicht mal in den Top 10.

Auf dem Fischmarkt sollte man einfach nur Fisch essen, sonst nix.

Ärmeltippmusik: Grace Slick - Dreams / SoKo - I Thought I Was An Alien

Mittwoch, 11. Februar 2015

Schon wieder ein Tier gerettet
















Politisch korrekte Ernährung ist nicht so einfach als Currywurstfan, auch wenn die Edelwurstschmieden sehr häufig ihre feine Kalbsbratwurst in der Bio-Variante anbieten. Dann hatte das dafür benötigte Kalb vielleicht ein glückliches, aber trotzdem relativ kurzes Leben. Über die Millionen in Currywurstdärme gepressten Schweine und Rinder, die jährlich über den Tresen deutscher Imbisse wandern, sollte man besser gar nicht nachdenken. 

Rettung für das schlechte Gewissen bietet Vincent Vegan, der mit seinem (der Name verrät es) 100% veganen Imbisswagen auf diversen Wochenmärkten steht. Inzwischen hat er sogar den Vegetarier mit seinen scharfen Burgern vor der St.Pauli Südkurve abgelöst und wer sich bei der Konkurrenz dort durchsetzt, der kann nicht ganz schlecht sein. Retten wir also mal ein Tier und futtern 'ne Curryvurst. Mit V.

Vurst und Beilagen kommen, in einem mit Backpapier ausgekleideten Körbchen, schon mal sehr viel appetitlicher daher, als in der üblichen Imbisspappschale. Die Konsistenz der Wurst ist anfangs etwas ungewohnt, aber auf der fleischigen Gegenseite gab es schon schlimmeres. Sollte sie irgendwo Eigengeschmack entwickeln, wird der durch die Sauce vollständig überdeckt. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, denn wenn wir ehrlich sind ist die Fleischpelle bei der Currywurst fast immer nur Geschmacksträger, sonst würde man ja Bratwurst essen.

In der veganen Variante steht und fällt das also durch die Sauce, und die ist der Hammer. Toll gewürzt, lecker tomatig (garantiert ohne diese geschmacklosen Fleischtomaten) und der Schärfegrad auf den Punkt. Brizzelt schön auf der Zunge, es bilden sich leichte Schweißperlen auf der Stirn, aber die Augen bleiben bis zum Ende fast trocken.

Das alleine wäre jetzt nicht besonders aufregend, doch die Beilagen machen dieses alterwürdige Fastfoodmenü zu einem besonderen Erlebnis. Süßkartoffelpommes mit (selbstverständlich ebenfalls vegan hergestellter) Mayonnaise, gegen die der übliche weiße Imbissklecks auf den Standardfritten zur schnöden Fettecke verblasst. Her-vor-ra-gend! Ein perfekter Kontrast zu der scharfen Curryvurst, wobei eine halbe Portion völlig ausreichend ist, macht pappsatt das Zeug.

Wenn ich nach einem Spiel mal wieder in die Südkurve muss steht das auf dem Speiseplan. Eine vegane Curryvurst unter den Top 5, wer hätte das gedacht.

Currywursttestmusik: Agressiva 69 - Agressiva 69 (Polen, 2001)



Freitag, 4. Oktober 2013

Curry mit Aussicht















Ist er nicht goldig, der Oktober? Morgen soll es mit der Herrlichkeit vorbei sein, also carpe diem, Frischluft einfahren. Geht natürlich nicht so schnell, wenn man erst morgens um vier ins Bett geht - und dann noch die vielen Vitamine..

Immerhin sind wir um 14 Uhr unterwegs, das hat schon mal wesentlich länger gedauert. Der Pappenheimer möchte ins Treppenviertel, aber bitte ohne Treppen. Er ist etwas verschnupft und, naja, die vielen Vitamine...

Eine knappe Stunde später rollen wir in die Tiefgarage des Süllbergs. Hausers Edelrestaurant bietet auf der Terrasse einen guten Blick auf das Treppenviertel, ohne allzu viel Treppen steigen zu müssen. Zu halbwegs zivilen Preisen kann man da mal ein Bier oder einen Kaffee trinken.

Wenn die Versorgung klappt, aber da wird wohl nicht nur preislich ein Unterschied zum angrenzenden Sterneschuppen sein, was für ein Segen, dass hier oben eine steife Brise herrscht. Wäre der Laden voll würde alles zusammenbrechen, für zwei Bier und einen vom Pappenheimer gewünschten Espresso Corretto muss ich eine Viertelstunde anstehen. Meine Bestellung wird ohne Nachfrage angenommen, das finde ich überraschend, man kennt sich scheinbar aus mit derlei Wünschen, auch wenn sie nicht auf der Karte stehen.

Ich ahne dass dem nicht so ist, als der junge Mann anfängt mit einer Flasche Myers Rum zu hantieren. Rechtzeitig über den Irrtum aufgeklärt bemüht man sich dann, das Gewünschte zu beschaffen. Ein Anruf in der Küche, die Flasche Grappa wär unterwegs. Ich nutze die Zwischenzeit um die zwei Bier beim Pappenheimer abzustellen und mir eine Riesencurry mit Spezialsoße zu gönnen für nen Fünfer. So oft bin ich nicht in Blankenese, da nutze ich die Gelegenheit natürlich für den Currywursttest.

Der sehr junge Mensch in der Snackbude wirkt nicht besonders glücklich und schwer überfordert, denn keiner holt den BBQ Burger ab und wer hatte nochmal die beiden Bratwurst/Pommes? Niemand? Ich empfehle ihm etwas lauter zu rufen, so dass man seine Stimme auch jenseits der ersten Tischreihe hört, aber das verstößt wohl gegen irgendwelche Regeln. Erst als das geklärt ist beruhigt er sich ein wenig und kann die nächste Bestellung aufnehmen. Definitiv kein Doppelkernprozessor, im Imbissgewerbe wird der nicht glücklich. Ein Crashkurs in der Kleinen Pause wäre möglicherweise hilfreich.

Vor den Wurstgenuss hat der Herrgott noch den Corretto gesetzt, ich kümmere mich darum und der ist inzwischen auch fertig. Schon so lange fertig, dass er die nötige Mindesttemperatur klar unterschreitet, wenigstens das Bier ist wohltemperiert und wird bei diesem Wetter garantiert auch nicht wärmer. Die geheimnisvoll aus einem Wärmeschrank hervorgezauberte Spezialsoße entpuppt sich als Hamburger Standard, den man auch in jedem Supermarkt bekommt, die Wurst ist nicht übel, aber auch nicht der Überflieger.

Bleibt immer noch die Aussicht und die ist Bombe, deswegen versacken wir da trotz der Kälte ein wenig, der Pappenheimer knipst beidhändig in der Gegend herum, mal analog, mal digital, aber immer schön in Graustufen. Nebenbei verziert er Hausers Terrassenzaun mit einem seiner 500 frisch gekauften "St.Pauli Fans gegen Rechts" Aufkleber, im Regenwald haben sie neue Bushaltestellen bekommen, da muss man vorher mal probekleben. Fällt glücklicherweise nicht auf, obwohl er das Ergebnis hinterher aus allen möglichen Winkeln ablichtet.

Der eisige Wind treibt uns vom Berg an den Strand von Wittenbergen und genau so schnell wieder weg, denn ohne Sonne wird es langsam schweinekalt und wir brechen ab. Morgen im Stadion wird es noch kälter, da sollte man vorher ein paar Vitamine zu sich nehmen...

Vitaminzufuhrmusik: Javi Garcia & The Cold Cold Ground - A Southern Horror