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Dienstag, 12. September 2023

Ein Alptraum in Blau

 









 

Wenn ich in den letzten Wochen etwas gelernt habe, dann dies: Der Beschiss lauert vielleicht an jeder Straßenecke, noch viel mehr lauert er aber im sogenannten Fachhandel, denn heutzutage ist es scheinbar ausreichend, wenn man den Unterschied zwischen Kartoffel und Ananas kennt, um einen Fachhandel für Obst und Gemüse zu eröffnen. So etwas wie Waren- oder gar Sortenkunde ist dafür augenscheinlich nicht nötig.

Rechtzeitig vor Beginn der Zwetschgensaison geht meine einzigartige und wunderbare Fachhändlerin in Rente und übergibt ihr seit 40 Jahren existierendes und florierendes Geschäft an ihre Nachfolger. Ein Drama in mehreren Akten, denn die Nachfolger haben momentan überhaupt keine Zwetschgen im Angebot, wissen auch nicht wann oder ob sie überhaupt welche bekommen und schon gar nichts von irgendwelchen Sorten. Wenn die Existenzgründung so anfängt seh ich schwarz.

Folglich geht die Suche nach einem zuverlässigen Fachhändler wieder los, der außer bei Kartoffeln und Ananas auch auf dem Gebiet des deutschen Kernobstes die nötige Expertise besitzt und das ist, zumindest im Norden dieser Republik, ein Ding der Unmöglichkeit.

Fachhändler*in Nummer 1 erklärt mir, die Zeit für Bühler wäre längst vorbei. Auf meinen Einwand, ich würde schon seit 40 Jahren im August Bühler Zwetschgen kaufen, weil die Dinger halt im August reif sind, kommt nur ein schnippisches "wir bekommen jedenfalls keine mehr" und das ist immerhin eine Aussage, mit der ich etwas anfangen kann. Hier muss ich in Zukunft nicht mehr nachfragen und das erspart Zeit.

Fachhändler Nummer 2 berichtet strahlend, sie hätten NUR Bühler im Angebot und wühlt dabei demonstrativ mit beiden Händen in der Zwetschgenauslegeware herum, die auf den ersten Blick weder von der Farbe noch von der Größe auch nur die kleinste Ähnlichkeit mit Bühlern hat. Dabei fällt mir ein, dass der vor drei Jahren schon mit beiden Händen in seinen Fakezwetschgen gewühlt hat und ich damals schon keinen Bock auf eine falsche Sorte Corona-Obst hatte.  

Fachhändler Nummer 3 ist im Netz eine große Nummer bei den Bewertungen, hat zwei Filialen in teuren Einkaufszentren mit entsprechendem Publikumsverkehr aber NOCH keine Bühler wobei das nächste Woche schon anders aussehen könnte, schließlich hätte die Saison gerade erst begonnen. Leider klingt das in der nächsten und auch in der übernächsten Woche ähnlich, Cheffes im Hintergrund genölter Kommentar "wir haben sehr aromatische Sorten im Angebot" klingt für mich wie "such woanders." Ja, mach ich.

Fachhändler Nummer 4 entpuppt sich als Hauptfiliale der Nachfolger, muss seinen Großhändler fragen ob Bühler eine Sorte wäre und ob er diese besorgen könnte. Die Antwort ist zwar äußerst unbefriedigend für mich, aber immerhin hat der Fachhändler etwas dazugelernt. Better luck next year?

Fachhändler Nummer 5 muss ich kurz in einem Kund*innengespräch unterbrechen. Er fragt, freundlich lächelnd, ob das denn keine Bühler wären in seiner Auslage, worauf ihm die Kundin detailliert den Unterschied in Aussehen, Geschmack etc erörtert und ich wünschte, diese Kundin würde irgendwo ein Fachgeschäft eröffnen. Endlich jemand mit Ahnung, aber leider ohne Obstladen.

Fachhändler Nummer 6, 7 und 8 befinden sich auf dem Wochenmarkt, mit eigenen Erzeugnissen aus dem Alten Land. Damit kann ich leider nichts anfangen und ja, die muss ich nicht probieren, ich weiß dass die schmecken, aber für meine Zwecke halt nicht geeignet sind. Ich wünschte es wäre anders, das würde viel erleichtern.

Fachhändler Nummer 9 ist der letzte auf dem Markt und hat tatsächlich Bühler, jedenfalls steht das auf dem Schild, auch wenn die nicht so aussehen und nach Wochen verzweifelter Suche bin ich so blöde und fall darauf rein. Ich hätte nicht gleich auf 4 Kilo hereinfallen müssen, aber so lernt halt jeder ein wenig dazu, zum Beispiel wem man trauen kann. Vielleicht ja dem Internet?

Seit Jahren weigere ich mich standhaft, Bücher im Internet zu bestellen und soll jetzt Obst online kaufen? Das wäre sogar möglich, nur müsste ich zehn Kilo abnehmen um den Mindestbestellwert zu erreichen, oder ein paar sündhaft teure exotische Früchte dazulegen, was dem ohnehin nicht unerheblichen CO2-Fußabdruck noch einen gigantischen Boost hinzufügen würde.

Eine weitere Recherche zeigt das ganze Drama: Bühler sterben langsam aus, die Sorte ist nicht so gefragt. Der Trend geht mehr zu großen, in Bodennähe wachsenden Früchten, die einfacher und billiger geerntet werden können, meist in Ländern mit billigeren Arbeitskräften und der scheiß Trend kann mich mal am Arsch lecken weil ich kein ungarisches Trockenobst kaufen werde.

Eher baller mir ein paar Kühlboxen in den Kofferraum und fahr nächstes Jahr persönlich nach Baden-Württemberg.   

Foto dazu: Keine Bühler

Musik dazu: Nightmares on Wax - Smoker's Delight / Carboot Soul




Mittwoch, 17. Mai 2023

Das Nachkochbuch, Akt I bis IV

 










Es ist mal wieder Zeit für abwechslungsreiche Küche und vor allem ist es an der Zeit, mal selber ein Buch zu schreiben. Ein Nachkochbuch, mit dem Titel: Was es werden soll und was es wirklich wurde. Mit ehrlichen ungeschönten Handyfotos statt Hochglanzfoodfotografie und vor allem mit einem ganz wichtigen Fazit: Nachkochen? Oder lass ich's lieber sein?

Der erste Kandidat stammt aus der Spiegelrubrik "Kochen ohne Kohle", bei der es wenigstens nicht voll auf den Geldbeutel geht wenn's mal nicht schmeckt. Pink Pasta mit Rote Bete, Feta und Walnüssen. Das sieht zwar auf den Fotos schon recht gewöhnungsbedürftig aus, aber warum sollte man aus Rote Bete nicht mal etwas anderes machen als Labskaus und Borschtsch?

Ganz einfach, weil die Rote Bete in Labskaus einfach besser aufgehoben ist. Mit Pasta mag das essen wer will, meins ist es nicht. Vielleicht hab ich auch einfach Pech gehabt und keine besonders gute vorgekochte Bete erwischt, jedenfalls ist das Ergebnis trotz Knoblauch und Schafskäse ziemlich ernüchternd und die Bio-Zitrone hat's auch nicht rausgerissen.

Also mehr Geld ausgeben und in der nächsten Rubrik stöbern, Frau Lugert empfiehlt als Nervennahrung Cincinnati Chili, ein amtlicher Berg Spaghetti mit einem Berg Fleischsauce, getoppt mit Bohnen, gehackten roten Zwiebeln, gehobeltem Cheddar und Kekskrümeln (alles optional), das verspricht massenhaft Kalorien und ungesunde Fette, aber satt wird man davon garantiert.

Die Fleischsauce ist eine Art Bolognese mit Schokolade statt Rotwein und einer Vielzahl an Gewürzen statt Würzgemüse, unter anderem Zimt, Cumin, Cayennepfeffer, Nelken, Paprika und Piment. Nicht zu vergessen der Esslöffel Weinessig und der Esslöffel Worcestersauce, bei knapp 1.4 Kilo Fleischsauce machen die geschmacklich garantiert den Unterschied. Auf die Bohnen habe ich verzichtet und das nur unter Zwiebeln und Cheddar begraben, der sogar noch ein wenig zu schmelzen beginnt wenn man ein paar Minuten wartet.

In Cincinnati ist das Fastfood und so schmeckt es auch, völlig überladen, total ungesund aber irgendwie geil. Kann man machen, macht man aber wahrscheinlich auch nur ein einziges Mal weil eine vernünftige Bolo halt doch geiler ist und ein richtiges Chili weniger aufwendig. Vor allem habe ich jetzt eine höchst überflüssige Flasche Worcestersauce hier stehen, die ich garantiert nie wieder brauchen werde.

Kaum ist die Küche geputzt und der Fleischberg verdaut geht es weiter mit Frau Lugert und ihrer Nervennahrung, diesmal vegetarisch. Gemüse ist ohnehin viel gesünder und das schnellste Artischockenpesto der Welt verspricht wenig Aufwand, sowohl an Zeit als auch an Material. Artischocken, Knoblauch, Thymian, Mandeln, Parmesan, Olivenöl.  Hört sich eigentlich gut an, zwar sind mir Artischocken bisher nur als relativ geschmackloser Platzhalter für leckerere Dinge auf Pizza begegnet, aber wer weiß..

Aus genau diesem Grunde schmeckt dieses Pesto auch mehr nach Knoblauch und Thymian als nach Artischocken, zu Pasta fand ich das trotz zusätzlicher Dosis Parmesan recht enttäuschend, allerdings waren Rigatoni wohl eher eine unglückliche Wahl. Die im Glas eingekerkerten Reste schmecken jedenfalls nach einem Tag im Kühlschrank vorzüglich, da fehlt nur noch das passende Brot und woher ich das bekomme weiß ich schon. Sieger nach Punkten.

Kaum verlässt man auf der Suche nach kreativen neuen Einflüssen die (meist) seriöse Presse wird es schräg, ganz besonders wenn der Algorithmus bei Youtube zuschlägt. Rezepte aus der Hölle. Kondensmilch mit Nutella verquirlen! Du wirst begeistert sein! Spätestens hier hätte ich Youtube verlassen sollen, doch dann hab ich diesen Frankfurter PROFIKOCH gefunden und weil Profiköche ja wissen was sie tun und jeden Handgriff auch noch so schön im Video zeigen, kann ja nichts in die Hose gehen. 

Schon gar nicht bei solchen Gerichten wie Chinesische Bolognese, der Titel allein weckt ja sofort niederste Instinkte, also sofort einkaufen. Bio Rinderhack, Frühlingszwiebeln, aromatische Tomaten, Knoblauch, Ingwer, das kann nur gut werden. Wenn das schmeckt kauf ich mir vielleicht sogar seine angepriesene Wokpfanne, Influencer wollen ja auch leben und ich brauch eh eine neue. Denkt man sich so.

Schön anbraten, die Nudeln dazu und dann alles ertränken in einer Suppe aus Ketchup (ganz großes Ding in Asien), heller Sojasauce (Salz), dunkler Sojasauce (Salz), Austernsauce (Salz), Hühnerbrühe (Salz) und einem Teelöffel.....  Salz. Ein Esslöffel Zucker rundet das Geschmackserlebnis ab, ein Esslöffel Stärke bindet die salzige Suppe und die ganz ganz ganz leichte asiatische Schärfe dieser "chinesischen Bolo" besorgen eine Prise weißer Pfeffer und eine Prise Five Spice (aber nicht zu viel sonst Katastrophe).

Bewundernswert allerdings, wie er sich das Zeug anschließend reinschaufelt ohne eine Miene zu verziehen, ich muss den Chefkoch mal fragen ob er das auch kann wenn ihm etwas misslingt, aber ich schätze dem passiert das gar nicht erst.

Und ich baller mir jetzt 2 Liter Eistee durch den Körper um das Salz wieder auszuschwemmen.

 

Fotos dazu: Samsung A33 - Pink Pasta / Cincinnati Chili / Artischockenpesto / ChinaBolo

Musik dazu: Thees Uhlmann - 100.000 Songs Live in Hamburg / Kettcar - und das geht so (Live)

 

 








  

















Dienstag, 26. April 2022

Wo geht's denn hier zur Bestäubung?

 









Das Internet kann für Hobbyfotografen eine ungemein hilfreiche Sache sein, das Alte Land informiert sogar mit einem Blütenbarometer über den Zustand der Kirsch- und Apfelblüte, was man dann nur noch mit dem Wetterbericht koordinieren muss, damit man möglichst einen Wochentag erwischt. Bei schönem Wetter plus Blütenpracht wird's bestimmt voll am Wochenende.

Dummerweise hat neulich jemand im Forum ein Foto von Kirschblüte mit anfliegender Biene gezeigt und weil ich Bienen unglaublich niedlich finde, will ich so etwas natürlich auch unbedingt haben. Packe dafür extra das 100mm Makro ein, weil ich damit schon einmal erfolgreich fliegende Viecher fotografiert habe und das Bokeh bei dem Ding auch nicht ganz schlecht ist, was bei ganz viel weißen Blüten ein Vorteil sein könnte.

Außerdem schweben mir ganze Felder voll blühender Kirschbäume vor, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass es in der ganzen Ecke keine einzige Erhöhung gibt, von der man einen Überblick auf blühende Felder hätte. Wenn die nicht gerade direkt hinter einem Deich wachsen wird es schwierig ohne Drohne.

Heute war es dann endlich soweit, die Kirsche in Vollblüte, der Apfel immerhin schon Mittelblüte, die Sonne lacht noch dazu, da wird doch sicherlich ordentlich bestäubt. Durch unliebsame Erfahrungen mit dem Elbtunnel wähle ich die Route über Wilhelmsburg und die Köhlbrandbrücke, habe damit ausnahmsweise eine richtig gute Idee und bin eine Stunde später in Jork. Schon auf dem Weg sind sehr viele Felder mit "Bäumen" zu sehen, aber das sind wohl alles Pflaumen oder Stachelbeeren, denn blühen tut da nix, nicht mal mittel.   

Überhaupt sollte ich mich langsam von der Vorstellung befreien, hier würden irgendwo viele alte und mächtige Kirschbäume stehen, so wie der in Omas Garten damals. In irgendeinem Hinterhof des letzten Biobauern vielleicht, ich kenne nur leider keinen mehr und bis ich mich hier durchgefragt habe nach Heinrich, den wir immer nur Kirschbauer nannten, weil er mal einen Hof erben würde, ist der Tag rum. 

Im Alten Land werden Traditionen noch hoch gehalten, hier heißt wahrscheinlich jeder dritte Kirschbauer Heinrich, da kann man mal sehen wie dumm der Gebrauch von Spitznamen eigentlich ist. Auf dem Obstmarschenweg ist ein Hof neben dem anderen, aber nicht mal ein dekorativer Kirschbaum vor der Tür, wahrscheinlich alles im Hinterhof versteckt. In Franken steigen sie jedenfalls noch auf Leitern um Kirschen zu pflücken, hier hat man das wohl abgeschafft.

Folglich konzentriere ich mich auf das was da ist, die Kirschbäume in der Stadt, davon stehen immerhin einige herum, die durchaus nach Vollblüte aussehen. Nur die Brummer fehlen völlig, entweder haben Bienen auch keinen Bock am Montag wieder ackern zu müssen, oder die haben den Nektar schon komplett bei der Mittelblüte weggesoffen. Hier fliegt nicht ein bestäubungswilliges Insekt durch die Lüfte, wenn ich da an die Zierkirschen vor meinem alten Bürofenster denke, was da los war, ich hätte die Kamera einfach mal mit zur Arbeit nehmen müssen. 

Neuenfelde entpuppt sich ebenfalls als Pleite, weil die Landlords mit ihren schicken Prunkpforten und Reetdachkaten lieber auf Eiche oder Kastanie im Vorgarten setzen, wenn da schon ein Baum stehen muss. Letztlich entdecke ich noch eines dieser modernen Kirschanbaugebiete, was sich als ähnlich fotogen erweist wie Hopfen, nur ohne Dolden für's Makro. Und natürlich ohne Bienen, was bei meinem Talent für Tiere in freier Wildbahn zu erwarten war.

Eventuell sollte ich mein Glück besser bei Imkern versuchen.

Fotos dazu: Jork, Altes Land - Nikon D7200, 50mm Nikkor, 100mm Tokina Makro

Musik dazu: Kirsty MacColl - Titanic Days/Kite/Electric Landlady

 










 

Dienstag, 2. Februar 2021

Wie man Kunden gewinnt (und sofort wieder verliert)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich geht das alles noch und eigentlich ist es auch nur die Lockdownlangeweile, die mich über einen neuen Rechner grübeln ließ. Acht Jahre sind zudem ein stolzes Alter für einen Computer, der auch ab und zu mit Spielen gefüttert werden will. Fällt zwar bei zehn Jahre alten Spielen meist nicht auf, aber wer weiß ob ich nicht auch irgendwann als Cyberpunk durch die Straßen laufen will und dann wird's doch langsam eng.

Eine mehrtägige Informationssammlung ergab allerdings recht schnell, dass alleine die angepeilte Grafikkarte ungefähr halb so viel kosten würde wie mein kompletter letzter Rechner. Wenn man denn eine bekommen könnte, denn durch die ganze Bitcoinfarmerei sind nicht nur die Preise in idiotischen Höhen, es gibt schlicht kaum Karten auf dem Markt.

Eine neue Tastatur könnte man dennoch ins Auge fassen, eine möglichst präzise arbeitende mit präzisen Tasten für meine unpräzisen Finger, weil die alte inzwischen so verranzt ist, dass man einen Liter Waschbenzin und zwei Stunden Arbeit gegenrechnen kann, aber was nimmt man da? Jemanden fragen der sich auskennt, wenn man sich Jahre nicht mit der Thematik beschäftigt hat, beste Idee.

Also das Kind angerufen und einen Lachflash ausgelöst, weil der zu Weihnachten auch nur einen Gutschein bekommen hat, es gibt zur Zeit keine Tastaturen. Zumindest keine mit taktilen Switches, was für Gamer unheimlich wichtig ist und eventuell auch für Menschen mit weniger präzisen Fingern wie mich. Vielleicht auch für Bitfarmer, wer weiß das schon, jedenfalls hab ich einen Ansatzpunkt und der Favorit ist schnell gefunden.

Mein Objekt der Begierde sieht nicht nur schick aus, es hat auch genau alles was ich brauche und nicht eine unnötige Taste mehr, dazu noch einen richtigen Regler für die Lautstärke, den man flugs nach rechts drehen kann wenn die Sleaford Mods laufen und auch schnell wieder nach links wenn der Nachbar klopft, perfekt. Lieferbar in 2 bis 3 Monaten bei Jeff Bezos seinem Kramladen.

Monate scheint zu stimmen, denn auf der Seite des Herstellers steht der gleiche unangenehme Satz: Zur Zeit nicht lieferbar. Dummerweise bin ich einer dieser nervigen Typen, die immer alles sofort haben müssen, wenn sie sich erst mal entschieden haben - und aufgeben ist keine Option. Also alle Platinenhöker und Netzteilversender in Deutschland abgesucht, die Hoffnung stirbt zuletzt - und schließlich ist es ein traditionelles kleines Versandhaus im Norden der Republik, das allen anderen eine Nase voraus ist, weil Nerds da wahrscheinlich niemals nach Hardware suchen: OTTO Versand Hamburg. Auf Lager, lieferbar bis morgen. Strike!

Als Gast bestellen kann man da leider nicht aber, naja, ein Kundenkonto mehr oder weniger ist nun auch egal. Mein von KeePass generiertes 20stelliges Passwort findet Otto zwar nur mittelgut, teilt mir aber immerhin mit, ich hätte erfolgreich ein Kundenkonto eröffnet und könne mich nun einloggen. Bis zur Kundendatenbank scheint sich das noch nicht herumgesprochen zu haben, denn das Passwort ist trotz copy&paste falsch und ein neues schicken können sie auch nicht, weil die Mailadresse im System nicht vorhanden ist. 

Wenigstens auf Twitter ist OTTO fix und verspricht Abhilfe, würde man eine Mail an xxx@ otto.de schicken und das Problem schildern. Ähnlich schnell ist der Autoresponder bei otto.de, der mir Hilfe in etwa 7 bis 10 Tagen verspricht, da man aktuell etwas überlastet wäre und ich kann mir gerade sehr gut vorstellen woran das liegt. Auf Twitter ist man zwar überzeugt, dass es ganz bestimmt auch schneller geht, aber das war vor zwei Wochen und deren Rechner ist wohl noch sehr viel älter als meiner.

Der nächste Kandidat ist ein ganzes Computeruniversum, das immerhin kurzfristig liefern kann, in 3 bis 5 Tagen und dazu noch angenehmere Zahlungsarten zulässt als Paypal. Allerdings werde ich sofort skeptisch, als nach 5 Tagen ein Statusupdate kommt, in dem der alsbaldige Wareneingang verkündet wird. Der Warenausgang in meine Richtung hätte mich mehr interessiert, der findet allerdings auch in den nächsten zwei Tagen nicht statt, dafür ist das Teil laut Webseite tatsächlich gerade lieferbar. Stückzahl:1.

Meins war das wohl nicht, also ruf ich da jetzt an, in Frankfurt. Dort spricht man englisch, jedenfalls der Computer und wenn ich auf die two pressen tu kriege ich jemanden an die Strippe. Der freundliche Mensch guckt sich meine Kundennummer an und weiß zu berichten, dass mir die Tastatur am Montag zugeschickt werden soll. Scheinbar können die nur eine maximale Anzahl an Paketen pro Tag verschicken, aber wenn man am Montag halt in der Liste steht..

Ganz sicher ist die bis dahin auch wieder auf Lager. Ganz sicher bin ich nicht, entdecke aber gleichzeitig, dass Bezos sein Kramladen die inzwischen wieder liefern kann - bis morgen. Das ist gleichzeitig das Ende meiner Geschäftsbeziehungen zum Computeruniversum und wenn DHL das Paket nicht dreimal ums Auto getragen hätte, wäre es auch am nächsten Tag hier gewesen. 

Genau das ist der Grund, warum das Arschloch Bezos jedes Jahr Milliarden verdient und der Rest einfach keine Kunden mehr locken kann. Falls Otto sich tatsächlich irgendwann meldet kann ich denen immerhin jetzt einen Link schicken und muss nichts weiter schreiben.


Foto dazu: Roccat Vulcan 120 / Nikon D7200

Musik dazu: Sleaford Mods - Key Market / English Tapas / Spare Ribs


 

Sonntag, 22. September 2019

Lifestylequatsch für Kaffeejunkies

















Aus keinem Tankstellenkühlregal sind sie wegzudenken, die kalten "Kaffeespezialitäten" aus dem Pappbecher von so sympathischen Firmen wie Nestlé oder Mövenpick, die mehr aus Milch, Zucker und Aroma bestehen als aus Kaffee. Da ich von so sympathischen Firmen nichts kaufe muss ich das also selber machen, am besten natürlich gleich mit kalt angesetzem Kaffee.   

Seit ich mir einen Vollautomaten angeschafft habe ist das Zeug hier zur unangefochtenen Droge Nummer 1 geworden. Kaffee und Espresso geht also klar, blieb nur noch zu klären, wie ich am bequemsten an größere Mengen Cold Brew komme, weil das Zeug hier leider auch rasend schnell verdunstet und die bisherige Methode mit Haushaltsdose und Kaffeefilter auf Dauer zu umständlich scheint.

Da kalter Kaffee schon seit einiger Zeit ein großer Hype ist, haben schlaue Leute natürlich direkt diverse Hilfsmittel erfunden, von denen ich mich für ein 1.5 Liter Brew Jar entschieden habe. Kaltes Wasser rein, den Edelstahlfilter mit grobem Kaffeepulver füllen, 18 bis 24 Stunden im Kühlschrank stehen lassen, zack, fertig ist der Kaffee. So haben die sich das gedacht und ich mir eigentlich auch.

Doch leider passen in den Filter gerade mal 150 Gramm Kaffee, auf eineinhalb Liter sind mir das mindestens 100 zu wenig. Für Leute die ihren Cold Brew pur trinken möglicherweise ausreichend, aber für meine eiskalten Eiskaffees oder die Tonicmische deutlich zu wenig Wumms und vor allem zu wenig Aroma, trotz erstklassiger Bohnen.

Immerhin habe ich durch die vielen Experimente inzwischen eine Sorte gefunden, die dermaßen schokoladig ist, dass man sich die Kugel Eis im Drink fast sparen kann.

Foto dazu: Brewjar Cold Brew Jar
Musik dazu: Thees Uhlmann - Junkies und Scientologen


Dienstag, 12. Februar 2019

All die leckeren Sachen..
















..kann man ganz einfach selber machen. Das suggeriert jedenfalls der wöchentliche Einkaufszettel meines Lieblingsdiscounters, der nicht nur tolle Rezepte für das Wochenende beinhaltet, sondern auch gleich die passenden Zutaten offeriert. Ganz billig preiswert natürlich. Hähnchenschenkel für'n Appel und für'n Ei, das passende Gemüse, Gewürze, Senf, Olivenöl etc pp, man muss überhaupt nicht mehr woanders einkaufen.

Das klingt eigentlich gar nicht so blöde. Blöde ist nur jemand, der sich von solchen Titeln wie Chili-Senf-Ofengemüse triggern lässt, spontan den ganzen Kram (ohne die Hähnchenschenkel) kauft, ohne das Rezept aufmerksam zu studieren und sich erst in der Küche über die Mengen- und Zeitangaben wundert. Also ich.

Inzwischen habe ich gelernt, dass mit der Vorbereitungszeit (hier 10 Minuten) wahrscheinlich das Auspacken der Einkaufstaschen gemeint ist und keineswegs die ganze Gemüseschnibbelei, denn fast 2 Kilo Gemüse zerkleinert nicht einmal der weltbeste Chefkoch in zehn Minuten schätze ich. Das zählt dann wohl zur Zubereitungs- und Garzeit, die mit etwas über einer Stunde etwas realistischer ausfällt.

Den Rosenkohl zu putzen und Möhren sowie Süßkartoffeln in dünne Scheiben zu schneiden verschlingt dann auch locker eine halbe Stunde, obwohl ich natürlich die Mengen auf eine Person umgerechnet habe. Als Küchenlegastheniker mit scharfen Messern zu hantieren erfordert höchste Genauigkeit und Aufmerksamkeit, hätte ich dem Rezept beim ersten Blick ebendiese Aufmerksamkeit geschenkt, wäre mir wohl vorher schon die eine oder andere Merkwürdigkeit aufgefallen.

Spätestens jedoch bei der Herstellung der Gemüsemarinade merkt man, dass niemand dieses Rezept wirklich getestet haben kann. Zwei Esslöffel Olivenöl, zwei Teelöffel scharfer Senf und Chiligewürz nach Geschmack. Für insgesamt 1.75 Kilo Gemüse. Das müsste man schon mit der Pipette verteilen, damit jedes Gemüseteil auch wirklich einen Tropfen abbekommt. Reicht trotzdem nicht, auch nicht für lächerliche 400 Gramm, also verdreifacht man die Menge, damit auch wirklich das ganze Gemüsemischmasch ordentlich mit Chili-Senf-Öl benetzt ist und endlich kann das in den Ofen. Zwanzig bis dreißig Minuten, nach meinen Erfahrungen mit den vorigen Angaben also lieber dreißig, Rohkost ist nicht so meins.

Wird es dann leider doch, denn der Rosenkohl hat nach dreißig Minuten zwar schon das eine oder andere schwarze Blättchen vorzuweisen, ist aber dennoch steinhart und nicht wirklich genießbar. Immerhin taugen die dünn geschnittenen Möhren und Süßkartoffeln so halbwegs als Beilage für meinen Lammlachs vom Grill und vielleicht war das ja der Fehler. Eventuell muss da wirklich ein dicker Hähnchenschenkel im Ofen brutzeln, damit der Rosenkohl garen kann.

Ausprobieren werde ich das allerdings nicht mehr, so sehr hat das Chili-Senf-Gedöns nun doch nicht gerockt.

Foto dazu: Smartphone
Musik dazu: The Tallest Man On Earth - Dark Bird Is Home 


  

Samstag, 10. Februar 2018

Küchenkatastrophen
















Roggenbrot mit Sauerkraut schmeckt auch dann wie Roggenbrot mit Sauerkraut, wenn man pfundweise Pastrami in der Mitte schichtet, das Zeug dick mit Appenzeller überbackt und mit selbst gerührtem 1000 Island Dressing verfeinert. Wieso ich auf die blöde Idee gekommen bin ein Reuben Sandwich selber zu machen? Das blöde Internet ist natürlich schuld daran. Reuben Sandwich. Voll berühmt ey, das Reuben, muss man mal gegessen haben. Am besten natürlich in den berühmten New Yorker Delis, vielleicht sogar in dem Laden in dem Harry und Sally eins gegessen haben. Komm ich im Leben nicht mehr hin, also selber machen. Abwechslung auf den Speiseplan, jippiyeah.

Roggenbrot mit Sauerkraut, völlig bescheuerte Idee. Das Dressing immerhin war tauglich, das hat die ganze Chose noch halbwegs gerettet, hätte ich mehr von machen sollen. Könnte man auch gut zum Salat... okay, vergessen wir's.

Wenn das mit der festen Nahrung schon nicht klappt, dann wenigstens mit dem flüssigen Nachtisch, flüssig kann ich. Also, eigentlich. So lange es sich nicht um Tee handelt jedenfalls. Mit Tee habe ich keinerlei Erfahrungen jenseits des Teebeutels und das auch nur bei schweren Männergrippen, denen ich in den letzten Jahren erfolgreich aus dem Weg gehen konnte.

Matcha zubereiten soll allerdings ganz einfach sein, etwas heißes Wasser, die richtige Menge dieses sündhaft teuren Pulvers dazu und ab in den Milchaufschäumer bis es schäumt.

Jedoch, es will nicht so recht. Mein Matcha schäumt weniger als der Kaffee aus der Padmaschine, das kann nicht richtig sein. Der heftig geschwungene Schneebesen hilft ebenfalls nicht weiter, kein Schaum weit und breit, aber ob sich bei meinem Talent der Kauf eines Matcha-Besens aus Bambus gelohnt hätte? Auf den Matcha Gin Tonics die KleinerTod neulich bei Twitter in den Raum gestellt hat, war ein richtig dicker Schaumrand zu sehen. So etwas will ich auch, das Auge trinkt schließlich mit.

Mein MatchaGT ist leider nur grün, aber immerhin schmeckt er. Wie Gin Tonic mit Matcha halt, aber das war schon vorher deutlich erfolgversprechender als Roggenbrot mit Sauerkraut.

Getränk dazu: Matcha, Bombay Sapphire, Fever Tree Mediterranean Tonic
Musik dazu: Frank Zappa - Halloween 77: Live at the Palladium, NYC, Box Set Disc 6

 

Sonntag, 14. Januar 2018

Kein Cyberzauber

















Alle paar Jahre gönne ich mir eine neue Tastatur, spätestens wenn sich die in langen Jahren gebildete Fettfinger-Staub-Nikotin-Kruste nur noch mit Hilfe von leicht entflammbaren Flüssigkeiten und Spachtel entfernen lässt, das ist einfach zu viel Aufwand. Alle paar Jahre kann man mal 70 Euro investieren für das meistgenutzte Stück Hardware.  

Doch bevor ich auf den Bestellknopf drücken kann, macht mich der Pappenheimer auf eine möglicherweise günstigere Lösung aufmerksam. Man benutzt heutzutage keine Q-Tips mit Alkohol mehr, sondern eine wabbelige Masse namens Cyber Clean, die man einfach nur auf die Tastatur pappen und wieder abziehen soll, schon is allet wieder schick.   

Das klingt so dermaßen nach Cyber-Esoterik, dass sich mir sämtliche Nackenhaare sträuben, ein untrügliches Warnzeichen. Dennoch war ich so blöd bin ich das finanziell überschaubare Risiko eingegangen, habe eine Dose von dem Cyber-Wabbel bestellt und was soll ich sagen, die sträubenden Nackenhaare lagen wie immer richtig.

Das Zeug erinnert ein wenig an Slime und es macht auch fast so viel Spaß damit zu spielen, aber der Reinigungseffekt liegt natürlich im erwartbaren Bereich. Oberflächlich anhaftenden Staub und etwas losen Schmutz zwischen den Tasten kann man damit entfernen, doch am optischen Gesamteindruck einer fünf Jahre alten Tastatur ändert sich dadurch nur wenig.

Alles andere wäre allerdings auch Cyberzauber gewesen.

Bier dazu: Boulevard Brewing - Tank 7 Farmhouse Ale, 8.5%
Musik dazu: Ryan Adams - Prisoner

Donnerstag, 25. Mai 2017

Verschollen im Hafen
















Eine Fotosafari mit dem allerbesten Fotosafariplaner überhaupt. Nicht. Zur Nachahmung daher nicht unbedingt empfohlen.

Die Hamburger Presse ist schnell dabei wenn es um irgendwelche Superlative geht, ganz besonders im Hafen. Das größte Dings und das längste Bums, diesmal eines das nicht unter die Köhlbrandbrücke passt und daher am Burchardkai festmachen muss, ein ganz großes Dingsbums. 400 Meter lang! Mehr als 20.000 Container! Die MOL TRIUMPH, eines der größten Containerschiffe der Welt! Im Hamburger Hafen! Weltsensation! Zwar ohne 20.000 Container, weil man die Elbe dafür noch ein paar Meter mehr ausbaggern müsste, aber trotzdem: Weltsensation!

Natürlich sind diese Berichte garniert mit schicken Bildern, unter anderem einer Nachtaufnahme vor der Köhlbrandbrücke, aus einer mir völlig unbekannten Perspektive. Das erweckt unglücklicherweise meine Neugier und ich beschließe, auch so ein Foto machen zu wollen. Zwei Tage habe ich Zeit bis der Pott wieder verschwindet, am ersten regnet es, am zweiten dummerweise nicht und ich mache mich auf den Weg.

Hafengebiet! Das erfordert seriöse Planung, wo ist dieser Standpunkt und wie kommt man da am besten hin? Kommt man da überhaupt irgendwie hin? Die moderne Technik bietet vielfältige Hilfsmittel, der Standpunkt ist mit der Hilfe von Google Maps relativ einfach zu ermitteln, jedenfalls wenn man weiß wo der Burchardkai ist. Laut Google Earth ist gegenüber unwirtliches Ödland mit Grünstreifen am Elbufer, aber die Aufnahmen sind von 2007, da kann inzwischen wer weiß was sein, Raffinerien, Tanklager, Containerstellplätze.

Wahrscheinlich kommt man mit dem Auto da hin. Man müsste auf die A7 und durch den Elbtunnel, was schon doof genug ist, dann Waltershof runter und darauf vertrauen, dass das Navi aktuell genug ist und man nicht irgendwann vor abgeschlossenem Firmengelände steht. Mit dem Auto im Hafen kann auch dazu führen, dass man eine halbe Stunde vor einer abgesperrten Kreuzung auf einen Schwertransporter warten muss und möglicherweise gibt es da überhaupt gar keine Parkplätze.

Beim genaueren Betrachten der Karten kommt mir die vermeintlich beste Idee überhaupt, ich fahre nach Altona, parke die Karre am Fischmarkt, setzte mit der Fähre über zum Bubendey-Ufer und geh die paar Meter einfach zu Fuß. Gedacht und ausgeführt. Dass ich erst einen Parkplatz kriege, der ungefähr mittig zwischen den Anlegern Fischmarkt und Dockland liegt, geschenkt. So kann ich mir wenigstens aussuchen wo ich ein- und aussteige, auch wenn ich dafür ein wenig laufen muss. Zurück zum Fischmarkt...


Die Fähre kostet eine Tageskarte, der anschließende Marsch eine Menge Nerven, denn die paar Meter am anderen Ufer entpuppen sich gefühlt als paar Kilometer, immer schön am Rand entlang, links die Flutschutzmauer, rechts eingezäuntes Ödland, geradeaus Weg ohne sichtbares Ende. Immerhin ein schattiger Grünstreifen unter Bäumen, was angesichts der immer noch 26 Grad ein Segen ist. Ein sehr kleiner, denn der Weg will nicht enden. Sogar Menschen kommen mir einmal entgegen, nur zwei, aber immerhin, ich bin nicht der einzige Bekloppte der hier am Arsch der Heide rumläuft.

Da ich praktisch veranlagt bin habe ich das Handy in der Firma vergessen, weiß also weder wie spät es ist, noch kann ich feststellen wo ich bin. Die Sonne steht schon ziemlich tief und bisher habe ich nur eine leise Ahnung, wo dieser Hotspot sein könnte. Die Planung erweist sich aber wenigstens in diesem Punkt als gelungen, denn der Weg führt tatsächlich direkt zum Ziel. Zuerst zu einer breiten metallenen Treppe mit einem Tor, das zur anderen Seite der Flutschutzmauer führt. Theoretisch, denn es ist mit Kette und Vorhängeschloss gesichert und klettertechnisch wahrscheinlich nicht einmal von sportlichen Mittzwanzigern zu bewältigen.

Wozu baut man so etwas, wenn man es dann nicht benutzen kann? Bleibt nur die rostige Leiter an der Mauer, eine dieser steilen Hafenleitern, die man freiwillig nur benutzen würde wenn man besoffen ins Wasser gefallen ist. Unerwartet bekomme ich dabei Hilfe von den Cops, die hier gleich mit vier Leuten zum Schiffe gucken vorgefahren sind, denn selbstverständlich gibt es hier eine Straße. Und Parkplätze ohne Ende, keine zehn Meter entfernt. Muss man wissen.

Die Uniformierten erweisen sich trotz anfänglich skeptischen Blicken als wahre Freunde und Helfer, ich muss nur meinen alten Kadaver über die Mauer hieven, die Ausrüstung wird mir gereicht. Sehr nette Leute, muss ich schon sagen. Wahrscheinlich haben sie mit professionellem Blick erkannt, dass ich schon von der Latscherei ziemlich fertig war und sich erinnert, dass man älteren Menschen helfen soll, auch wenn es Zecken sind.
Im Gegenzug können sie dann auf der Wache erzählen, sie hätten einem St.Pauli Fan mit FCK NZS T-Shirt geholfen und der hätte sich sehr höflich und in angemessenen Worten für die Hilfe bedankt, das erleben die bestimmt auch nicht so oft.

Der Hotspot auf der anderen Seite der Mauer ist schnell zu erkennen, einmal durchs Gebüsch und um die nächste Ecke, wo die ganzen Freaks mit den Stativen stehen hat man den besten Blick. Es sind auch noch diverse Standorte zu vergeben, also flugs das Stativ aufgebaut und ein paar Probeaufnahmen im Abendlicht gemacht. Danach heißt es rumstehen, mit den Umstehenden ein wenig vom Fach simpeln (alle mit dem Auto da, na klar) und auf die blaue Stunde warten.

Aber kaum gehen drüben die ersten Lichter an wird die Aussicht gestört, durch weitere 366 Meter Containerschiff, die CMA CGM ALASKA, von drei Schleppern langsam in den Hafen bugsiert. Mein Nebenmann ist wenig begeistert, lag ihm doch vor zwei Tagen schon ein Feeder stundenlang vor der Nase und nun dies, doch die Aufregung ist unbegründet: Innerhalb einer knappen halben Stunde haben sie den Kahn hinter den beiden anderen Giganten eingeparkt. Muss man können.


Wenn nicht gerade ein dämlicher blauer Schaufelraddampfer im Hafenbecken herumkurvt kann man hier ganz toll Containerfrachter fotografieren, was mich eine ganze Weile beschäftigt. Dadurch bin ich jetzt im Besitz von 50 mehr oder weniger ähnlichen Fotos in diversen Phasen des Sonnenuntergangs, von denen ich ungefähr die drei machen wollte, die ich letztlich auch behalten werde.

Inzwischen ist es dunkel, daher latsche ich auf dem Rückweg lieber über die alte Pflasterstraße, um mich auf dem Grünstreifen nicht noch auf die Nase zu legen. Super Idee, abgesehen vom harten Pflaster wähle ich damit den deutlich längeren Weg, weshalb ich den Anleger nicht auf Anhieb finde. Auf dem sitze ich dann irgendwann alleine rum und hoffe, dass ich nicht die letzte Fähre verpasst habe. Mein einziger Anhaltspunkt ist das Datum der Kamera, nur leider habe ich keine Ahnung ob die auf Sommerzeit eingestellt ist.

Ich stelle mich schon seelisch darauf ein, auf dem angrenzenden Parkplatz einen LKW Fahrer aus der Koje zu holen, sonst ist hier weit und breit kein Mensch der mir ein Taxi rufen könnte, doch der Notfall tritt nicht ein, die HADAG fährt noch.

Bis Dockland diesmal nur, in der Hoffnung die Karre könnte doch etwas näher dran sein als am Fischmarkt. Aber nein, es ist wirklich ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden Anlegern. Wenn schon verkacken, dann richtig.

Beklopptes Hobby, aber wenigstens kommt man mal an die frische Luft.

Fotos dazu: MOL TRIUMPH, Burchardkai Hamburg, Nikon D90
Bier dazu: Wacken Beer Baldur, Nordic Märzen, 5.5%
Musik dazu: Hattler - Live Cuts














Sonntag, 19. Februar 2017

Woran man beknackte Rezepte erkennt














Auf Dauer kann das nicht gesund sein, dieser Griff zu Fertiggerichten oder Telefonen. Irgendwann hat man auch die Schnauze voll von Pizza- und Chinaman, vor allem wenn man im Internet laufend  über lecker klingende Rezepte fällt. Natürlich alles ganz simpel und daher auch für Küchenlegastheniker geeignet, wie die gefüllten Süßkartoffeln, die mich vor ein paar Wochen auf der blöden Startseite des Firmenbrowsers anlachten. Klang alles total super, dabei hätten schon die Mengenangaben misstrauisch machen sollen..

Denn um die Süßkartoffeln zu füllen, soll man erst das Fleisch der vorher im Ofen gebackenen Kartoffel entfernen. Dieses wiederum gibt man zusammen mit Sahne und ein paar Gewürzen in einen Mixer und füllt das zurück in die Kartoffelschale. Soweit die Theorie.

Nun war ich in Mathe zwar nie die große Leuchte, aber die letzten Fragmente der Mengenlehre in meinem Gedächtnis sagen mir, dass da etwas nicht aufgehen kann. Ganz abgesehen davon, dass man leere Süßkartoffelschalen nicht mit dünnem Brei füllen und daher weder Käse noch Schinken darauf streuen kann.
Es sei denn man füllt das ganze Zeug in einen Teller und isst Süßkartoffelsuppe. Was nicht der ursprüngliche Plan war.

Eine Woche später twittert jemand in meiner Timeline etwas von Rosenkohlauflauf. Au ja! Rosenkohl! Gesund und außerdem lange nicht gegessen. Auflauf ist auch toll, dann hat man das Schlachtfeld schon aufgeräumt bevor das Essen fertig ist und locker zwei Tage was zu futtern. Das Rezept dafür suche ich bei Menschen, die sich vermeintlich mit der Kochkunst auskennen und damit im Internet angeben. Also auf chefkoch.de. Zu dumm, dass der Chefkoch sich damals nicht rechtzeitig diese URL gesichert hat, dann hätte man vermutlich etwas Gescheites finden können.

Das ausgewählte Rezept strotzt auch hier vor Ungereimtheiten, die mich als Küchenlegastheniker verwirren, abgesehen vom Griff zur Maggiwürze. Wenn ich in Scheiben geschnittene Pellkartoffeln, gar gekochten Rosenkohl und eine in der Pfanne zubereitete Hackfleischkäsesauce übereinander schichten soll, warum muss das dann noch 30 bis 40 Minuten bei 200° in den Ofen? Miteinander verschmelzen wird die Masse auch in drei Stunden nicht und für den Käse reichen 15 Minuten. Oder sogar nur 10, was weiß ich. 

Auch die Empfehlung, die Hackfleischsauce etwas kräftiger zu würzen, weil die Pellkartoffeln ja nicht gesalzen sind, erscheint mir höchst überflüssig. Ein paar Flocken Meersalzbutter auf die Scheiben und das Problem ist gelöst. Mit Meersalzbutter und ohne Maggi war das dann auch gar nicht so schlecht. So unglaublich umwerfend allerdings auch nicht, dass ich das wiederholen müsste.

Als Retter meiner bisherigen Bemühungen in der Küche erwiesen sich dann die veganen Zeitrafferköche von @bosh.tv mit ihrem Rezept von Spicy Tofu Zoodles. Mit einem Saucenmix aus Erdnussbutter, Reiswein, Sojasauce, Sesamöl, Sambal Oelek, frischem Knoblauch und Ingwer. Schon diese Kombination ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Hammer! Allerdings braucht man für die Zoodles einen Spiralschneider, den ich nicht habe, damit man Zucchini in dünne kleine Gemüsenudeln schnibbeln kann, was ich nicht konnte. Weshalb ich die kurzerhand durch ordinäre Spaghetti ersetzt habe.

Beim Einkauf leider völlig vergessen habe ich den Tofu, daher mussten Garnelenschwänze und Hühnerfilet als Ersatz dienen, aber sonst ist alles wie im Rezept. Sogar das Topping aus gehackten Schalotten und Sesamsamen. 

Kann man mal machen. Auch zweimal.

Rezeptfotos: Rosenkohlauflauf & Fake-Zoodles / Samsung S5
Rezeptbier: Craftwerk Hop Head IPA 7, American Indian Pale, 8.0%
Rezeptmucke: Neil Young - Mirror Ball



Donnerstag, 22. September 2016

Orangenstadt
















Vier Besuche in den letzten sechs Jahren, ich hab gerade mal nachgesehen. Eigentlich kenne ich alles in Silves und wahrscheinlich hab ich auch alles schon einmal fotografiert, aber da ich ohnehin das Kind dort abliefern und irgendwo frühstücken muss, kann ich auch gleich dableiben. Ein Ausflug auf die Burg würde sich anbieten...

Nach wenigen Minuten wird schnell klar, das ist keine wirklich dolle Idee bei den Temperaturen. Es geht bergauf, in den engen Gassen staut sich die Hitze erbarmungslos und auf den schattenlosen Plätzen brezelt mir die Sonne derart auf den Kopf, dass ich versucht bin schnellstens irgendwo Unterschlupf zu suchen. Gelegenheiten gäbe es genug, auf dem Weg sind an allen strategisch günstigen Positionen Bars und Restaurants zu finden. Ich muss an den Pappenheimer denken und wie lange es wohl dauern würde ihn bis zum Castelo dos Mouros zu schleppen, bei diesen Angeboten und den höllischen Temperaturen.

Die Pforten der Kathedrale Sé de Silves sind leider geschlossen, davor stört gerade eine Stadtführung mit mindestens dreißig englischen Touristen das Bild. Das muss eine der Busladungen sein, die unten am Central Cafe laufend ausgekippt werden. Englische Touristen, das hat mir meine Gastgeberin mal verraten, kann man ganz einfach an ihren rot leuchtenden Köpfen erkennen und das sieht vor diesem Hintergrund einfach nicht gut aus.

Vor der Burg wird die Statue von König Sanchos I. schwer belagert, Männer mit Schwertern sind wohl aktuell gerade sehr beliebt. Ein Foto mit Vati, ein Foto mit Mutti, ein Foto mit den Kindern, ein Foto mit Vati und den Kindern und ääääh, excuse me sir, could you please....
Klar, kein Problem. Wenn ich danach den Sancho mal 'ne Weile für mich alleine haben könnte..

Endlich am Castelo angekommen wird man sogleich schockgefrostet, im Eingangsbereich mit den Kassen herrschen geradezu eisige Temperaturen, die Klimaanlage läuft garantiert auf Anschlag. Hier könnte ich glatt länger verweilen, doch nach Entrichtung des fälligen Obolus wird man sogleich wieder in die unbarmherzige Hitze entlassen.

Eigentlich besteht die ganze Burg nur noch aus Mauern, Zinnen und ein paar Türmen, das war mir ganz entfallen. Der gesamte historische Innenbereich besteht aus ein paar abgesperrten Quadratmetern mit wenig fotogenen Ausgrabungen, die in den letzten sechs Jahren scheinbar nicht fortgesetzt wurden. Der Rest ist ein modern gestalteter Park mit gemauerten Wegen, gestutzten Hecken, Feigen-, Orangen- und sonstigen Bäumen. 

Ein Rundgang auf den alten Mauern gibt mir den Rest, mir wird irgendwie blümerant. Liegt wahrscheinlich an dem noch nicht genossenen Frühstück, kein Kaffee und nix im Magen kann auf Dauer nicht gut gehen. Die Rettung scheint nahe, denn es gibt ein Burgcafé mit ganz erquickenden Extras: Auf der Terrasse läuft ein riesiger Ventilator, der zudem noch einen feuchten kühlen Nebel versprüht - und nur wenige Meter davor ein freier Tisch. Naja, eigentlich sind fast alle Tische frei, weil nicht viele so bekloppt sind in der Mittagszeit auf einer Ruine herumzulaufen.

Der Service in Portugal ist nicht gerade berühmt für seine hohe Motivation, die einzig erkennbare Servicekraft schnippelt schwer beschäftigt mit einer kleinen Schere minutenlang in ihren Minzetöpfen herum, bevor sie sich dazu bequemt wenigstens einige Worte über ihre Schulter zu bellen. Meine Rettung erscheint in Gestalt einer niedlichen kleinen Krawallhaarschnittpunkerin und nimmt die Bestellung auf, einmal Tosta Mista und einen Galao, den sie aber nicht hätten. "we do the Latte Sir". Egal, Milch und Kaffee halt, passt schon.

Mir ist immer noch blümerant, trotz der gelegentlichen Erfrischungen aus dem Ventilatorsprühnebel. Nach fünf Minuten schon bedauere ich meine Bestellung, eigentlich habe ich überhaupt keinen Appetit. Zehn Minuten später bedauere ich die Bestellung noch weit mehr, denn der Tosta Mista ist wahrscheinlich der schlechteste ganz Portugals.

Zwei sehr dicke Scheiben sehr fluffiges Toastbrot, leicht gebräunt und furztrocken, die sich im Mund zusammen mit dem Klebekäse und etwas dünnem Schinken in einen widerspenstigen Brei verwandeln. Mit dem dünnen Milchkaffee lässt sich der gerade eben noch runterspülen. Nach drei Bissen ist der Kaffee alle und ich gebe auf, an dem Brot könnten sogar Elefanten ersticken. Ich brauche ein Krisenüberwindungsgetränk, aber Gin Tonic fällt aus naheliegenden Gründen aus,


Mein Blick fällt auf eine Werbetafel der Stadt. Silves, Capital da Laranja. Hauptstadt der Orangen. Das ist bestimmt keine Übertreibung, die ganze Umgebung besteht mehr oder weniger aus Orangenbaumplantagen, ich selber wohne gerade inmitten einer solchen. Man sollte sich etwas kaltes aus Orangen bestellen, damit kennen die sich vielleicht sogar hier im Burgcafé aus.

Und das ist auch die beste Idee des ganzen Tages. Für den Homemade Orange Blossom Icetea würde ich sogar noch einmal wiederkommen, das Zeug kann Leben retten.

Orangenstadtfotos: Silves, Portugal / Rio Arade, Markthalle, Kathedrale, Castelo / Nikon D90
Orangenstadtbier: Propeller Aufwind, Double Pale Ale, 6.5%
Orangenstadtmusik: Rilo Kiley - Under The Blacklight
































Freitag, 26. August 2016

Die Schweiz in drei Tagen (mit Torte)
















Bei fotografischen Exkursionen hilft es ungemein, sich über das Ziel schon vorher ein wenig zu informieren. Guckt man sich die Fotos an, die von der Suchmaschine geliefert werden, scheint das Schloss die Plöner Hauptattraktion zu sein. So ziemlich die einzige überhaupt. Etwas oberhalb der Stadt gelegen, bekommt man das Wahrzeichen am besten wohl von der Wasserseite vor die Linse. Wie gut, dass es auf dem Plöner See regen Ausflugsverkehr gibt, alle zwei Stunden legt ein Boot an den Anlegern ab, das letzte um 16 Uhr sollte ich auf jeden Fall kriegen. Plöner Schloss in der Abendsonne, jedenfalls wenn Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein das Ding so gebaut hat, dass die auch Abends auf seine riesige Terrasse scheint.

Da es etwas außerhalb der Stadt wohl weniger Probleme gibt einen Parkplatz zu finden, entscheide ich mich für den Anleger Plön Fegetasche. Eine exzellente Wahl, direkt vorm Anleger ist etwas frei. Nichts mehr frei ist auf dem Boot, das gerade angelegt hat. Um, äh, 15 Uhr? Das stand nicht auf dem Plan, aber bei dem Wetter fahren die vielleicht ja öfter. Gibt mir eine gute Stunde Zeit für einen Kaffee mit leckeren Beilagen, auf der sonnigen Terrasse des nahen Restaurants...

Dummerweise ist heute Muttertag oder irgend etwas in dieser Richtung. Die einzige Kellnerin ist vollauf damit beschäftigt, den anwesenden Damen Blümchen zu überreichen, dabei mit jeder einen längeren Plausch zu halten und nebenbei mit ihrem Smartphone zu spielen, einzelne Herren werden heute nicht bedient. Ich fühle mich diskriminiert, außerdem knurrt mein Magen, was die Sache noch verschlimmert. 

Zwei Zigarettenlängen und mehrere leider nicht aufsehenerregende Turnübungen später werde ich endlich bemerkt. Was ist denn so an Gebäck vorrätig heute? Die junge Dame überlegt kurz, wirft ihre Stirn in Falten  und schnattert dann los wie weiland Dieter Thomas Heck bei der Hitparade: Scharzwälderkirschkäsesahnenussmarzipanerdbeerrhabarberrhabarberrhabarberschokoladebirne.. "Halt!" stoppe ich ihren Redefluss, "das ist genau das, was ich gehofft und nicht erwartet habe." Schokolade und Birne, eine Traumkombination, selbst wenn die nur halb so gut sein sollte wie von Andersen in Wandsbek...

Leider ist sie nur fast halb so gut, dafür kommt sie immerhin schon eine Viertelstunde später. Der Bezahlvorgang gestaltet sich ähnlich zäh und ich sehe mich schon als Zechpreller in Richtung Anleger flitzen, doch als der letzte Ausflugsdampfer in Sicht ist darf ich endlich zahlen. Normal gebe ich gerne deutlich mehr als 10% Trinkgeld, aber manchmal müsste man auch mindestens 10% abziehen, vor allem wenn man sich durch desinteressierte Kellner als letzter in einer Schlange einreihen darf.


Ich erwische trotzdem einen guten Platz, kann mich auf dem Boot sogar relativ frei bewegen, jetzt muss das Plöner Schloss nur noch von der Abendsonne angeleuchtet werden, dann ist alles schick. Vorerst gibt es aber nur ein paar Engstellen zwischen den immer größer werdenden Teichen, ein paar Anlegestellen, ein paar einsame Paläste, ein paar einsame Fischerhütten und Ufer. Viel Ufer.

Waldufer, Schilfufer, Grasufer, Dschungelufer, Inselufer. Auf die Inseln darf man nicht, das ist Vogelschutzgebiet und jetzt brütet alles. Sogar die Seeadler. Daher ist wohl auch absolut nichts zu sehen an Vögeln, alles volle Kanne mit Brüten beschäftigt. Wenn es kein Vogelschutzgebiet wäre dürfte man aber trotzdem nicht drauf, weil das Betreten von Inseln in Schleswig-Holstein generell verboten ist. Das muss einmal anders gewesen sein, sonst hieße eines der winzigen Eilande nicht ausgerechnet Liebesinsel. Wo geht es denn jetzt in Richtung Plön? Ufer hab ich zur Genüge im Kasten, sieht eh alles gleich aus, egal auf welchem der Seen man sich gerade befindet.

Statt dessen laufen wir nach sechzig Minuten in Malente ein, dem Wendepunkt unserer zweistündigen Tour. Malente! Das Malente, in dem die Deutsche Fußballnationalmannschaft mal ihre Trainingslager hatte und trotzdem Weltmeister wurde. Nix mit Schloss in der Abendsonne, Hotels und Kurhäuser an der Malenter Uferpromenade. Tolle Motive. Nicht.

Und jetzt den ganzen Scheiß noch mal zurück, eine weitere Stunde mit Ufern, nur rückwärts. Ich bestell mir ein Beruhigungsbier und frag die Bedienung, ob es hier noch eine andere Route gibt, aber nein, es gäbe zwar noch ein anderes Schiff, aber nur diese Route. Allerdings gibt es in Fegetasche noch einen zweiten Anleger, schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite, das wäre der auf dem Großen Plöner See gewesen, zu dem es keine schiffbare Verbindung gibt. Die Kollegen hätten dort aber inzwischen auch Feierabend.

Das ist wieder so dermaßen gut geplant alles, ich bin stolz auf mich. Und diese Dödeligkeit, mit der ich die beste Planung wieder zunichte mache, echt Zucker. Einer der Gründe, warum ich überall zweimal hin muss.

Bei Plön muss ich allerdings noch überlegen, ob sich das überhaupt lohnt. Das Schloss geht zur Not auch als Panorama.


Plönfotos: Edebergsee, Höftsee, Schwentine,Behler See, Dieksee, Plön, Plöner Schloss
Plöngetränk: Bombay Sapphire East / Tonic 
Plönmusik: Sting - Bring on the Night