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Freitag, 3. Februar 2017

Gewinnen mit dem FCSP





Auf dem Platz ist das ja leider gerade nicht sooo einfach, aber bei Verlosungen im Vereinsumfeld hab ich bisher immer Glück gehabt. Schon als ich das Foto vom bemehlten Robin in der Millerntor Gallery gesehen habe dachte ich, das muss unbedingt an die Wand. An meine Wand. Schon weil alle die bei mir an der Wand hängen ihre Karriere beim magischen FC beendet haben und eine möglichst lange Karriere von Robin bei uns durchaus erstrebenswert scheint. Alberne Fußballfanesotherik, aber man kann's ja mal versuchen.

Dass die AFM ein paar Wochen vor Weihnachten 50 Drucke unter den Mitgliedern verlost hat war mir allerdings schon längst entfallen, glücklicherweise ist die Gewinnbenachrichtigung nicht im Spamordner gelandet und ich konnte heute meinen Mehlrobin abholen.

Morgen noch einen schicken Rahmen holen, aufhängen und ab dann gewinnen immer wir. Bestimmt.


Mehlfoto: Thomas Koch
Mehlfotobier: Buddelship Mr.O, Double IPA, 7.9%
Mehlfotomucke: Beginner - Advanced Chemistry

Donnerstag, 8. Mai 2014

Dunkle Wolken überall
















Auf dem Regenradar bewegt sich ein großer blauer Fleck auf Hamburg zu. Formatfüllend, kein Entkommen möglich. Trotzdem setze ich mich ins Auto, denn die Abteilung Fördernde Mitglieder hat zum alljährlichen Ü50 Treffen auf das Trainingsgelände eingeladen und dem kann ich mich aus mehreren Gründen nicht verweigern. Zum einen war mein Erscheinen in den letzten Jahren ein zuverlässiger Indikator für anstehende Trainerentlassungen - und in den letzten Wochen hängen dunkle Wolken auch über unserem Übungsleiter. Zum anderen ist das die wahrscheinlich letzte bequeme Möglichkeit von Fabian Boll mein Trikot signieren zu lassen, am besten beidseitig, damit ich das ab und zu mal andersherum aufhängen kann. Abgesehen davon könnte ich mal wieder ein wenig Sportfotografie üben wenn die Jungs über den Platz toben.

Der dunkelblaue Fleck erwischt mich dann auf der Fahrt, es schüttet wie aus Eimern. Trainieren Profis eigentlich bei so einem Sauwetter auch, oder warten die bis es aufgehört hat? An der Kollau gibt es jedenfalls null Unterstellmöglichkeiten, es sei denn man besetzt kurzerhand das Gebäude. Gott sei Dank tröpfelt es nur noch ein wenig als ich dort ankomme. Auf dem Parkplatz läuft mir Buchti über den Weg und verschwindet durch eine Hintertür im Trakt. Wenn die Spieler jetzt erst eintrudeln wird es wohl noch etwas dauern, ich krame ein wenig im Kofferraum und finde einen abgewrackten Restschirm mit gefährlichen Spitzen, der ist im Falle eines Falles immer noch besser als nichts, muss man halt etwas aufpassen mit dem Ding.

Benötigt wird er dann doch nicht, es bleibt halbwegs trocken und der Schrott kann am Geländer hängen bleiben. Angesichts der unsicheren Wetterlage haben sich die Organisatoren für heiße Würstchen aus dem Topf entschieden, ein Holzkohlegrill verträgt sich halt nicht so mit Hamburger Wetter. Das Training fällt ebenfalls aus, denn die Mannschaft tritt um 18:30 bei einem Benefizspiel gegen Teutonia an, weil ein durchgeknallter amerikanischer Grundstücksverteidiger einen ihrer Spieler erschossen hat. Der wollte dort eigentlich nur ein Jahr zur Schule gehen, wurde aber wohl über die Gefahr für Leib und Leben die in solchen Bananenrepubliken droht nur ungenügend aufgeklärt.

Bleibt eine knappe Stunde für Fragen an Trainer und Sportchef (kritisch gerne, aber bitte nicht aggressiv), die Antworten befriedigen mich aber nur so mittelmäßig wenn ich ehrlich bin, sonderlich souverän wirkt der Trainer dabei auch nicht immer. Im Schlepptau dabei ist Schnecke Kalla, der den Übungsleiter sogar zu Rauchpausen auf den Balkon begleitet, und zu meinem Glück lässt sich auch Boller noch blicken, der natürlich sofort umringt wird und die zahlreichen Foto- und Autogrammwünsche wie immer gut gelaunt erfüllt. So komme ich wenigstens zu meinem signierten Trikot und als Ausgleich zur verpassten Sportfotografie zu einem richtig schicken Regenbogen auf der Rückfahrt.















Freitag, 22. November 2013

Im Oarsch, des samma mir















Neulich hat Inchtomania sich in ihrem Blog Sorgen gemacht um diesen Planeten und sich angesichts der aktuellen Katastrophen gefragt, was die Experten noch für Expertisen brauchen um einen Klimavertrag zu basteln und zu unterzeichnen.

Diese Sorgen habe ich mir auch mal gemacht. Die macht sich jeder der Kinder hat – und ich habe wie Inch schon ein Enkelkind, ich müsste mir noch mehr Sorgen machen. Unter anderem deshalb habe ich damals gegen Brokdorf demonstriert, in Menschenketten gestanden gegen Atomkraftwerke und bin gegen Nazis auf die Straße gegangen (was ich weiterhin machen werde). Ich habe ein Patenkind in Ruanda, dem dadurch hoffentlich irgendwann eine Flucht über das Mittelmeer erspart bleibt und selbstverständlich beziehe ich Ökostrom und kaufe mein Bier nur in Pfandflaschen.

Aber ich kann und will mir nicht mehr Sorgen um diesen Planeten machen, so derbe viel Jahre werde ich hier eh nicht mehr verbringen und der ist auch viel zu groß für mich. Es regt mich auch nicht mehr auf, dass in einem Monat soundsoviel Bundesländer Regenwald vernichtet werden, denn das habe ich schon vor Jahren gelesen. Inzwischen müssten sie mehrfach Regenwald in der Größenordnung Deutschlands vernichtet haben, solche Mengen an Wald kann sich eh kein Mensch wirklich vorstellen, so wenig wie 100 Millionen Tonnen an Plastikmüll im größten Meeresstrudel. Aber jeder Idiot kann sich ausrechnen, dass das irgendwelche Auswirkungen haben wird, trotzdem holzen sie fröhlich weiter und es wird sie niemand daran hindern. Die 100 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer werden ebenfalls nicht weniger, nur weil wir überlegen ob wir eventuell demnächst die Plastiktüten verbieten oder wenigstens teurer machen.

Wer soll denn den Planeten retten? Mutti Merkel und Barack Obama, zusammen mit wem? Kim Jong-un, Xi Jingping, Robert Mugabe und dem lupenreinen Demokraten aus Moskau? Der eine interessiert sich mehr für Schneekanonen und Skilifte, die anderen veranstalten mittelalterliche Hexenjagden auf Schwule, Öko-Aktivisten und kleine Punkmädchen - und Mutti muss gerade mit dem dicken Sigmar verhandeln, die hat keine Zeit für globale Probleme. Ich kann mich täglich über die kleinen und großen Arschlöcher dieser Welt aufregen, aber außer erhöhtem Blutdruck bringt mir das nichts ein, das lerne ich langsam. Unternehmen kann ich höchstens etwas gegen die Arschlöcher in meinem Umfeld, und das auch nur sehr begrenzt, will ich mich nicht strafbar machen.

Auf das Schicksal der Menschheit wird das alles keinen Einfluss haben, der Planet ist im Eimer, früher oder später. Ganz egal ob ich meinen Müll trenne oder nicht, ganz egal ob ich ein Elektroauto fahre oder einen Porsche Cayenne oder nur Fahrrad und ÖPNV. Klimaprotokolle werden uns nicht retten, das sind alles Alibiveranstaltungen ohne Wert. Wir haben den Planeten ausgebeutet bis zum Exzess und wir werden ihn weiter ausbeuten, bis nichts mehr geht. Es werden weiter Wälder gerodet für irgendeinen Mist, für Ölpalmenplantagen oder was auch immer, es werden weiter ganze Landstriche vergiftet um Edelmetalle oder Öl aus diesem Planeten zu pressen. Kein Protokoll wird daran etwas ändern. Eher kommt jemand mit einer neuen bahnbrechenden Idee um die Ecke wie Fracking, gegen die man dann wieder auf die Straße gehen muss, weil die das-ist-alles-ganz-harmlos-Experten schon immer daneben lagen mit ihrer Einschätzung.

Die Auswirkungen dessen, was wir heute tun oder nicht tun, werden wir vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren zu spüren bekommen, das was wir heute erleben ist doch nur die Quittung für die letzten zwanzig Jahre unseres Daseins. Oder fünfzig, hundert, was auch immer irgendwelche Wissenschaftler herauszufinden geglaubt haben. Die Menschheit ist viel zu träge um auf globale Bedrohungen reagieren zu können, das funktioniert nur in Roland Emmerich Filmen. Die Menschheit ist der Frosch der im Kochtopf sitzt, und trotz seines Wissens um die Auswirkungen den Regler immer weiter aufdreht. Zu blöd für diese Welt.

Es werden weiterhin Menschen durch Tsunamis sterben, den Amis werden weiter ihre Hütten um die Ohren fliegen, die Eisbären werden immer weniger Eis haben und das alles könnten wir wahrscheinlich nicht einmal verhindern, wenn wir JETZT SOFORT aufhören würden, so viel Unsinn auf diesem Planeten zu veranstalten. Aber das werden wir nicht.

Daher wird irgendwann etwas passieren, was uns (oder den Menschen, die dann noch auf diesem Erdball herumlaufen) ganz und gar nicht gefällt. Je nachdem welcher „Wissenschaftler haben gerade herausgefunden“ Meldung man glaubt, kann das alles mögliche sein. Große Dürren sind sehr beliebt in der Vorhersage, nicht nur dort, wo sie jetzt schon auftreten und Menschen entweder dadurch sterben, oder auf der Flucht nach Lampedusa. Mehr Überschwemmungen sowieso, ein Wohnsitz in unmittelbarer Nähe von Flüssen und Meeren ist folglich keine gute Investition.  Größere Ozonlöcher. Noch viel schlimmere Stürme als sich selbst Roland Emmerich vorstellen kann. Und am Ende liegen sogar noch die Wissenschaftler richtig, die den Golfstrom abreißen sehen und die nächste Eiszeit vorhersagen.

Die tritt idealerweise genau dann ein, wenn wir sämtliche fossilen Brennstoffe verfeuert haben und die Wahl haben zwischen Arsch abfrieren oder der Flucht nach Afrika. Ob die uns da mit offenen Armen empfangen oder sich dran erinnern, dass wir ihnen x-hundert Jahre vorher den Mittelfinger gezeigt und sie wieder zurückgeschickt haben, wäre eine spannende Frage.

Nein, diesen Planeten wird nichts retten. Schon gar keine Gespräche über Termine für nächste Gespräche, keine Umweltbeauftragten, keine Arbeitsgruppen, keine Klimavertragbastler. Bis die den letzten Satz im Protokoll ausgehandelt haben ist kein Regenwald mehr da. Der Homo Sapiens wird sich in Rekordzeit selbst abschaffen, es war definitiv ein Fehler von den Bäumen herunterzukommen, wir wissen ja was in der Natur mit den Fehlentwicklungen passiert. 

Und jetzt ist auch noch Dieter Hildebrandt gestorben. Im Oarsch, des samma mir.


Arschtrittmusik: But Alive - Bis jetzt ging alles gut.../ Hallo Endorphin

Das Foto zeigt ein, von meinem alten Weggenossen Slartibartfass edel gestaltetes, Stück dieses Planeten, den wir gerade zu Grunde richten. Archivbild 2005, erste Digitalknipse.

Dienstag, 27. August 2013

Montagsvisionen















Vorspiel
Mein neues Motto für Montagsspiele: Wer keinen Stress hat, der macht sich welchen. Mehrmals dödelt das Handy und informiert mich über die Ankunftszeit von Mudder und Schwesterherz, die scheinbar damit rechnen vom Flughafen abgeholt zu werden. Der Flieger aus Edinburgh landet pünktlich um 16:15, mal kurz die Zeit berechnet und losgefahren, sollte locker reichen, nach Fuhlsbüttel brauch ich nur eine halbe Stunde.
Heute natürlich nicht, es ist unglaublich, ich komme keinen Meter vorwärts. Egal welche Schleichwege ich versuche, überall ist Stau. Durch die Verzögerung bei der Gepäckausgabe komme ich zwar pünktlich, aber der Rückweg ist ähnlich grausam, die Stadt leidet unter akuter Verstopfung. Als ich die beiden abgeliefert habe hetze ich schon wieder mit unzulässiger Geschwindigkeit zurück, an der Tanke ein kurzer Aufenthalt, eine Tüte Fisherman´s Friend besorgen. Beim Spiel gegen Bielefeld war ich völlig ausgetrocknet, das war mir eine Lehre. Wenn es schon kein richtiges Bier gibt, dann müssen Halspastillen helfen, und gegen Dünamo gibt es ganz sicher kein richtiges Bier.

Endlich zu Hause schaffe ich es gerade noch eine Sportzigarette für unterwegs zu basteln, die Klamotten in braun-weiß zu wechseln und den Bus zu verpassen. Irgendein Honk hat die Baustellenampel so eingestellt, dass der inzwischen wieder pünktlich fährt, man muss wirklich mit allem rechnen.

In Bus und Bahn treffe ich vielleicht noch ein knappes Dutzend Fans, untrügliches Indiz für akutes Scheißeichbinzuspätdransymptom, was für Schweißausbrüche, laufendes auf die Uhr gucken und zwanghaftes Kopfrechnen sorgt. Eine Viertelstunde vor Anpfiff ist am Eingang tote Hose, ich kann mir den Abklopfer aussuchen, doch dahinter staut es sich, weil die alten Kartenabreißer einfach effektiver gearbeitet haben als dieses dämliche elektronische Einlasssystem. Ich hetzte die Treppen hoch und renne beinahe einen Mann mit Bierfass um. Einen von drei Bierfassmännern. Hier? Heute? Bierfassmänner? Gegen Dünamo?

"Ist da etwa Vollbier drin?" frag ich ihn. "Ja sicher" erwidert er. Habe ich so ein schlechtes Gedächtnis? Gab es gegen die Spacken schon mal Vollbier? "So sicher fand ich das jetzt nicht" sag ich, "dass es gegen Dresden Alkohol gibt." Er grinst mich an. "Die Dresdner kriegen auch keinen."

Meine Fresse, das verschlägt mir glatt die Sprache. Ich hab mich ja schon immer gefragt, wieso wir kein Bier kriegen, wenn die Gäste sich nicht benehmen können. Hat da tatsächlich mal jemand drüber nachgedacht bei der Behörde für Stadionbierverbote? Ein frisches Pils in der Hand bin ich fünf Minuten vor Anpfiff auf dem Platz, muss den Becher aber sofort Herrn L. in die Hand drücken, um den Stinkefinger auf der Südtribüne zu fotografieren, ins Fernsehen kommen die damit nicht.
Die Gegengerade singt sich derweil warm, ganz schön laut heute Abend. "Was'n hier los?" frag ich Herrn L. "Es gibt Bier" ist die lakonische Antwort. Stimmt, hätte ich selber drauf kommen können. Mein Bier hat jedenfalls deutlich abgenommen, als ich es wieder in Empfang nehmen kann, wieso hat der sich nicht selber eins geholt? Kamera wegpacken, Stimme ölen, es geht los.

Spiel (1)
Wer zu spät kommt muss erst mal sortieren. Wer steht eigentlich auf dem Platz? Boller wieder dabei, schön. Buchti, Fin, Ratsche und Verhoek wieder in der Startelf, die Abwehrkette wie gehabt, alles gut. Wir gleich im Vorwärtsgang, der Ball segelt im Dresdner Strafraum herum, auf einmal brüllen alle Hand! Elfmeter! nur ich sehe nix, weil Bartels direkt davor steht. Könnte aber Hand gewesen sein, nen Elfer gibt es trotzdem nicht.

"Das 1:0 fällt in der sechsten Minute" sagt mein Nachbar. Naja, hoffentlich auf der richtigen Seite. Erster Eckball für Dresden, nicht so gut. Kurz darauf wird Ratsche gelegt, Freistoß für uns, die Stadionuhr zeigt fünfdreißig. "Das könnte was werden mit dem 1:0 in der sechsten Minute" sag ich, und der Nachbar strahlt. Leider taugen seine Visionen nichts, die sechste Minute vergeht ohne Treffer. Die zehnte Minute auch und alle anderen Minuten, in denen Gonther, Verhoek, Thy und andere versuchen, die Pille irgendwo im Kasten zu versenken. Wir sind deutlich am Drücker, Dresden kommt selten vor unser Tor, aber es fehlt das Glück, die nötigen letzten Zentimeter, es fehlt das Tor, das dem Spiel unserer Jungs die nötige Würze verleihen würde. Zwei bis drei etwas brenzlige Situationen für uns, weit mehr für die Dünamos, das sollte irgendwann für etwas Zählbares reichen. Dann geht Lenny Thy in den Strafraum und wird von nem Dresdner gelegt, den Handelfer hab ich nicht gesehen, den hier schon, doch wieder bleibt der Pfiff aus. Der Schiedsrichter leitet das Spiel bis dahin eher unauffällig, aber das geht mir auf den Sack jetzt. "Welcher Blödmann ist das?" frag ich Herrn L., aber der war nur drei Minuten vor mir im Stadion und weiß ähnlich viel. Wir sind bis zum Pfiff weiter am Drücker, aber wenn etwas durchkommt in der richtigen Richtung, dann hat der Dresdner Keeper immer noch nen Finger dran, es ist zum aus der Haut fahren.

Zwischenspiel
Herr L. macht keinerlei Anstalten Bier zu holen, auf meinen auffordernden Blick gesteht er verschämt, kein Geld dabei zu haben. Am Wochenende hat er dafür in einem Wolfsburger 5 Sterne Hotel logiert und sein neues Auto abgeholt, kein Wunder wenn man da etwas klamm ist. Also mache ich mich auf für Getränke zu sorgen, was hier oben ziemlich schnell erledigt ist, sehr viele Halbzeittapeten dürfte ich nicht verpasst haben. Die Zeit vergeht im Fluge, sie spielen wieder Depeche Mode. Hoffentlich hat diese Mode bald ein Ende, ich will Cock Sparrer wiederhaben.

Spiel (2)
Kein Grund zu wechseln, die Mannschaft kommt unverändert aufs Feld und nur zwei Minuten später setzt Halstenberg einen Hammer an den Pfosten, so eine Scheiße, hätte der nicht mal sitzen können? Endlich mal ein Ball, an den der Torwart nicht rankommt, und dann fehlen wieder ein paar Zentimeter. Wir sind weiter drückend überlegen, aber Dresden gefährlich bei Kontern. Torre wieder sehr kompromisslos und energisch, ich liebe seine Spielweise, heute sogar ohne Karte. Zehn Minuten später der erste Wechsel, Boller geht für Kringe. Kann man machen, so doll läuft das heute nicht beim Käptn. Schachten ist auch ein halbes Jahr ausgefallen nachdem er Vater wurde, hoffentlich gehts bei Boll schneller vorbei mit dem Babygeschrei.

Inzwischen läuft Fin Bartels mit Kopfverband herum, keiner hat was gesehen, aber der Turban wird wohl einen Grund haben. Herr L. findet das super "Jetzt kann ich ihn viel besser erkennen."
Der Turban hindert Fin nicht weiter an seinem Spiel, er wuselt weiter mit Ratsche im Mittelfeld herum wie vorher, wir kommen weiter zu Chancen. Eine nach der anderen, Verhoek verpasst, kommt zu spät, setzt den Ball neben das Tor, ich krieg echt Pickel hier oben.
Dresden wechselt Ouali ein und der Name erzeugt sowohl bei mir als auch bei Herrn L. ein sehr unangenehmes Gefühl. Ou Ali. Wenn das man gut geht. Geht es nicht.

Der wird gleich gefährlich der Ouali, und der anschließende Eckball ist von hier aus wunderbar zu sehen. Fast wie in Zeitlupe sehe ich einen Dresdner im Strafraum hochsteigen. Einen mit Vollbart, mein Adlerblick erkennt jede Falte seines angestrengten Gesichtes, der bleibt in der Luft stehen, der will überhaupt nicht mehr runter, er ist der einzige Spieler im Strafraum der schweben kann und er trifft die Kugel voll. 0:1 Dresden.

Ich könnte kotzen. Was für ein Segen, dass man von hier aus den Dresdner Fanblock nicht sehen kann, wie sie feiern, als ihre Spieler auf den Block zustürmen. Kotzenkotzenkotzen. Schluck Bier nehmen. Brüllen. Forza verdammte Hacke, das darf alles nicht wahr sein. Die Luft brennt für knappe zwei Minuten, dann explodiert das Stadion, weil Kringe einen Freistoß von Buchti in den Winkel zirkelt. Woohoo 1:1 DAS war mal die richtige Antwort.

Jetzt brennt die Hütte richtig, noch knappe zwanzig Minuten zu spielen, Zeit für die zweite Luft. Auf dem Rasen ist weiter Hochspannung, Dresden wechselt erneut, Poté kommt. Noch so ein Name, der bei Herrn L. und mir Unbehagen auslöst. Doch es ist wieder Ouali der Probleme bereitet, Nehrig senst ihn um an der Strafraumgrenze, leider auf der falschen Seite der Linie. Scheiße ungerecht trotzdem wenn man zweimal keinen bekommt. Eigentlich könnte Tschauner auch mal einen Elfer für uns halten. Das denke ich zwar, trau mich aber nicht es auszusprechen. Vielleicht hätte er ihn dann nicht gehalten, so springt er in die richtige Ecke und lenkt das Ding um den Pfosten. Philipp Tschauner Fußballgott! Sogar die eher ruhige Nachbarschaft hier oben gerät langsam in Ekstase, endlich kann man mal stehen bleiben. Aufrecht kann man besser brüllen und wir brüllen die Jungs nach vorne in den letzten Minuten. Ratsche geht für Nöthe, vielleicht trifft der ja.

Noch drei Minuten auf der Uhr, da wird Buchtmann gelegt. Wieder eine gute Entfernung eigentlich, aber leider bleibt er ziemlich lange liegen. Der Turbanträger geht inzwischen vom Platz, Bartels raus, für ihn kommt Sebastian Maier. Herr L. stößt mich an und schreit: "Der macht ihn jetzt rein, das wird wieder so 'ne typische Sankt Pauli Geschichte." Irgendwie haben die Leute alle zu viel Visionen heute, muss am Montag liegen. Vielleicht ist ja auch Vollmond.
Tja, und der Rest ist halt wieder so eine typische Sankt Pauli Geschichte. Ein kurzer Blick, zwei drei Schritte zurück, Anlauf und rein das Ding. Sebastian Maier, 19 Jahre alt, macht das 2:1, macht den Siegtreffer und versetzt 28000 Menschen in einen Freudentaumel. Wieder mal ein Spiel, an das man sich noch Jahre erinnern wird, wieder mal ein Spiel, bei dem man weiß warum man zum Fußball geht. Und warum man genau in dieses Stadion geht. Wegen der Visionen.

Den Sitzplatz werde ich möglicherweise in der nächsten Saison trotzdem gegen Hardcorestehen eintauschen, denn auf der vom Verein übermittelten Warteliste für Dauerkarten stehe ich, juhuu, auf Platz 1 bis 200. Drückt mir die Daumen nächstes Jahr.

Nachspiel
Es macht Spaß die Jungs auf dem Platz feiern zu sehen, das ist eine feine Truppe, die werden uns noch viel Spaß machen. Die werden sicher auch noch das eine oder andere Gurkenspiel abliefern, aber für die Zukunft bin ich ganz optimistisch, das wächst sich zurecht. Herr L. mahnt zum Aufbruch und ist dann ganz verblüfft, dass ich trotz Vicky Leandros nicht aus dem Stadion flüchte. Das ist wohl die Altersmilde, nach solchen Spielen stört mich sogar Vicky L. nicht sonderlich. Trotzdem irgendwie enttäuschend, dass Boller da als Mannschaftskapitän nicht interveniert. Andererseits, besser Vicky als Eye of the Tiger oder Final Countdown, es geht immer schlimmer, wer weiß was sonst noch in der Mannschaft schlummert.
  
Noch ein Bier vor dem Stadion und ab nach Hause, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Auch Scheißmontage können manchmal Spaß machen.

Macht auch Spaß: Social Distortion -  Somewhere Between Heaven And Hell/Hard Times And Nursery Rhymes













Sonntag, 3. Februar 2013

Manches ändert sich nie















Vorspiel
Endlich wieder Fußball, doch als ich aufwache wird meine Vorfreude etwas gebremst, es kratzt verdächtig im Hals und der Hustenreiz ist unangenehm. Ich gönn mir noch eine Stunde Schlaf, aber besser wirds nicht. Einen blöderen Zeitpunkt sich zu erkälten kann es kaum geben.
Das Frühstücksorakel hingegen ist ein kleiner Trost, es gibt lecker Naschkram aus der Cottbuser Baumkuchen Manufaktur und ein paar Tassen starken Kaffee. Man hatte mir letzte Saison Spreewaldgurken empfohlen, aber Cottbus liegt allenfalls am Rande des Spreewalds, außerdem habe ich Angst damit ein Gurkenspiel heraufzubeschwören. Handgedrechselter Baumkuchen hingegen scheint mir eine extrem gute Wahl zu sein, damit wäre alles andere als ein überzeugender Heimsieg eine Enttäuschung.

In der Bahn treffe ich ein Paar mit kleinen Kindern und nutze die Gelegenheit für eine Fragestunde, schließlich soll ich dieses Jahr noch die Kleinen ins Stadion schleppen. Wenn man gute Nerven hat geht das wohl auch auf der Gegengerade, da ist auf jeden Fall mehr los als im Kinderblock.

Herrn L. und Tommi treffe ich am Bahnhof, fünf Minuten später trennen sich unsere Wege wieder, Herr L. hat einen Sitzplatz. Im Stadion lange Schlangen an den Bierständen, das hat sich nicht geändert. Nur meinen alten Stand gibt es leider nicht mehr, da hatte ich das Astra in wenigen Minuten. Ich muss früher kommen und mich genauer umsehen, alles so neu hier.

Und schon ziemlich gut gefüllt die Ränge, noch ein Grund früher zu kommen. Ich latsch hoch bis zu den Sitzplätzen um dem Dartmeister die versprochene DVD zu überreichen, der Blick auf das Spielfeld von hier oben ist großartig.  Die ganze Tribüne ist großartig, nur lässt sie sich aus dieser Position nicht adäquat einfangen, weshalb wir zu Koschi und Herrn B. in die neue Meckerecke umziehen, direkt unter der Anzeigetafel, mit Blick über die ganze Länge der Gegengerade. 

Die unmittelbare Nähe eines Zaunes birgt weitere Vorteile: Koschis DIY Bierbecherhalter, ausgelegt für drei der endlich auch hier erhältlichen Pfandbecher. Hervorragende Idee, sehr gut umgesetzt, ich bin schon gespannt wann der erste Ordner das Teil für einen Schlagring hält und aus dem Verkehr zieht.

Kurz darauf wird es endlich richtig kuschelig, im Forum wurde zur Einweihung ein lautstarkes "You'll never walk alone" gefordert, eingesungen von niemand geringerem als Gerry & The Peacemakers bzw. seiner Konserve, ausgesungen von 13.000 Kehlen in meinem neuen Wohnzimmer. Da sind die Äuglein bei so manchem feucht geworden schätz ich.
Danach der übliche Ablauf, Hells Bells und Konfetti, Fahnenschwenker und Aux Armes, manches ändert sich Gott sei Dank nie, sieht man mal von der rasant angewachsenen Lautstärke ab. Endlich richtig Krach unterm Dach. Endlich wieder Fußball.

Spiel (1)
Ich bin abgelenkt. Ziemlich viele Leute sind abgelenkt stell ich fest, überall hört man lobende Worte für die neue Tribüne, lobende Worte für das Spiel sind schwerer zu finden. Mittelfeldgeplänkel mit gelegentlichen Ausflügen in Richtung gegnerischer Strafraum, keine wirklich zwingenden Aktionen von beiden Seiten, aber man bemüht sich. Cottbus bemüht sich ein wenig mehr, steht sehr eng und greift früh an, genau so hab ich mir das eigentlich von unseren Jungs vorgestellt. Die fangen da an wo sie letztes Jahr aufgehört haben, eine Verbesserung der Spielkultur kann ich nicht erkennen, die Abschläge von Tschauner sind gewohnt katastrophal. Schüsse entschärfen kann er weiterhin ziemlich gut, das beruhigt. Was machen die im Trainingslager außer Playstation zocken? Koschi sieht jetzt schon ein mageres 0:0 auf uns zukommen, aber ich denke an den Baumkuchen und bin weiter optimistisch. Das ist ein Hammerorakel, das kann überhaupt nicht schiefgehen.  

Zwischenspiel
Die Versorgung mit Bier ist unglaublich zäh, selbst während des Spiels brauchen die Versorger unverhältnismäßig lange, trotzdem rollt der Nachschub unaufhörlich an. Das muss sich unbedingt einspielen, sonst werde ich dort nie Bier holen gehen. Auf den Rängen entdecke ich Herrn L., sein Sitzplatz entpuppt sich als Mogelpackung, in dem Block stehen alle bis in die letzte Reihe und direkt vor seiner Nase hängt ein Banner der St.Pauli Skinheads. Auf alte Leute wird heutzutage einfach keine Rücksicht mehr genommen. Mit Block 2 gibt es einen kurzen Winkkontakt nach telefonischer Standortbekanntgabe, früher bin ich zur Halbzeit auf ein Gespräch vorbei, heute spar ich mir den Weg, zu anstrengend. Mir ist kalt, das eiskalte Bier wird daran nichts ändern, ganz im Gegenteil, doch für Glühwein müsste ich selber laufen. Ich hoffe auf ein erwärmendes Spiel in der zweiten Hälfte.

Spiel (2)
Wieder werde ich enttäuscht, es läuft einfach nichts zusammen. Solange wir zwanzig hochkarätige Chancen für ein Tor brauchen wird sich das nicht ändern, vor allem müsste man dafür eine Kreativabteilung haben die solche Chancen generiert. Die Rolle füllen heute weder Buchtmann noch Bartels aus, wenn in die Spitze mal was kommt geht das daneben oder wird gleich verstolpert. Wenn man kein Glück hat kommt auch noch Pech dazu, manche nennen es sogar Unvermögen. Ebbers kommt für Buchti, mit neuem Kampfhaarschnitt im GI Joe Style, die 100 muss fallen. Ich will ein Tor. Jetzt. Ich will das Dach wegfliegen sehen beim anschließenden Radau, ich will eine anständige Einweihung des neuen Tempels, so ähnlich wie bei der Verabschiedung des alten.
Ist zu viel verlangt, wir haben eher noch Glück bei einem Abseitstreffer und einer elfmeterreifen Notbremse von Torre, insofern hätte die Premiere auch völlig in die Hose gehen können, was irgendwie auch wieder typisch wäre für diesen Verein. Manches ändert sich halt nie.

Eine Sache bin ich aber jetzt endgültig los, teure Frühstücksorakel werd ich mir in Zukunft stecken. Solange es "funktioniert" hat war das eine lustige Angelegenheit, aber wenn ich für 25 Euro Baumkuchen bestelle muss ein Heimsieg dabei rausspringen. So umwerfend wie erwartet war der nämlich nicht.

Nachspiel
Die letzten Bierbecher sind aus Weichplastik, wieso können eigentlich zu wenig Pfandbecher am Start sein? Gibt die niemand mehr ab? Alles für VcA, das macht man nach dem Spiel, meine Finger frieren fest, und das innere Zittern macht sich unangenehm bemerkbar. Trotzdem gehen wir noch am AFM Container vorbei, wo ich Herrn L. ein wenig für seinen Stehsitzplatz verspotte, er zeigt sich jedoch relativ unbeeindruckt. Auch den Vorteil der freien Standortwahl bei Stehplätzen wischt er lässig beiseite. Den gedenke ich demnächst voll auszukosten, wenn es mir gelingt Tommi für ein rechtzeitiges Erscheinen zu begeistern. Nichts gegen die Meckerecke, aber trotz der freundschaftlichen Verbundenheit zur Tresenkurve ist das nicht meine erste Wahl. Was den Blick auf das Spielfeld angeht bin ich nach einem halben Jahr auf der Haupttribüne verwöhnt.

Musikalische Verwöhntherapie: Bo Diddley & Ronnie Wood - Live at the Ritz
andere Verwöhntherapie: Bett. Jetzt. Mit zwei Decken.









Sonntag, 9. Dezember 2012

Schnee weg, Bier weg, Punkte weg














Vorspiel
Sonntagsspiele haben einen winzigen Vorteil, man kann eine halbe Stunde länger schlafen als am Samstag. Möglicherweise kann ich auch gleich wieder ins Bett gehen, wenn ich so aus dem Fenster sehe ist eine Spielabsage nicht unwahrscheinlich, der Schnee liegt dick auf Autos und Bäumen. Ich fahr den Rechner hoch und guck mir die Webcam der Baustelle an, die ist an Spieltagen nicht online, das letzte Bild zeigt eine geschlossene Schneedecke auf dem Platz.

Einen Kaffee und eine Kippe später bittet man auf der Homepage die Fans, doch bitte mit der Schneeschaufel zum Stadion zu kommen. Der Herr Schiedsrichter würde schon spielen lassen, aber der Schnee müsste vorher weg. Damit konnte nun wirklich niemand rechnen.

Im Viertel werden sich schon genug Schneeschipper melden, ich hätte eh keine Schippe, bau mir meine Sportzigaretten vor und geh mein Orakelfrühstück zubereiten. Naja, ich versuch es. Kennt jemand Getzen, Klitscher oder Käulchen? Seltsamen Kram gibts im Erzgebirge, das meiste aus Kartoffeln und Buttermilch zubereitet. Ich hab mich für Klitscher entschieden, eine Art Kartoffelpuffer, und Kartoffelpuffer gibt es in der Tiefkühltruhe, wenn auch ohne Buttermilch schätz ich. Immerhin Spreewälder Apfelmus dazu, obwohl, das ist eher Cottbus. Egal, was anderes gibts nicht, gegen Aue muss das reichen.

Bei der Witterung ist die doppelte Lage an Klamotten angesagt, dicke Socken und ein Schal mehr als sonst kann auch nicht ganz verkehrt sein. Der Bus ist nicht nur überraschend pünktlich, der Fahrer macht sogar gut Tempo, ich hab sofort Anschluss und darf dafür U Bahn Sankt Pauli eine Viertelstunde auf die Jungs warten, kauf mir den Übersteiger und beobachte die Schwarzhändlerspacken vor dem Ausgang. Umsatz gleich Null, hoffentlich bleiben die drauf sitzen. 

Im Stadion die übliche Wurst, dazu gibt es gleich ungefragt ein Bier, dabei war mir eigentlich mehr nach Glühwein, möglichst 0.4 im Pfandbecher, aber was willste machen, geschenkter Gaul und so.. also doch Bier heute. Damit entern wir die Plätze, letzte Reihe dieses mal, direkt vor den Logen. Super denk ich, hier kann man sogar stehen während des Spiels, da tickt mir auch schon von oben jemand auf die Mütze. Ich dreh mich um und erblicke das breite Grinsen von Koschi, der durch irgendwelche Beziehungen an einen Platz in der Astra-Loge gekommen ist. "Wie geil" sag ich, "damit ist unsere Bierversorgung ja gesichert," täusch mich darin allerdings gewaltig, der Mann geht während des Spiels einfach nicht zur Tränke.

Spiel (1)
Der Schnee ist weg, wenigstens vom Platz, der sich allerdings in einem erbärmlichen Zustand zeigt, vielleicht hätte man das Elend bedeckt lassen sollen. Ein furchtbarer Acker, an den sich die Spieler nur schwer gewöhnen. In der ersten Minuten verhungert die Pille laufend im schweren Geläuf, flach spielen ist nicht die Lösung. Die finden wir ab und zu, und dann geht es auch gleich Richtung Strafraum. Im Stadion ist immer noch 12:12 angesagt, das fällt angesichts unserer Anfangsoffensive sichtlich schwer, bei Lattentreffern ist man doch etwas aufgeregter. Darf man eigentlich TOR schreien in den ersten 12 Minuten? Kann man das überhaupt verhindern, wenn einer trifft? Finden wir leider nicht heraus, es passiert nichts, dann ist endlich Lärm, auch im überschaubaren Gästeblock. Das pusht, mit der Zeit lernen auch die Auer dazu und spielen mit, soweit das bei dem Boden überhaupt möglich ist. Unsere Jungs versuchen darauf sogar Hackentricks am Fließband, aber wie das bei Fließbändern so ist, die enden meist ganz plötzlich. Ähnlich wie die Grätschen auf dem Platz, die enden häufig in Schneebergen, so wird man wenigstens halbwegs sanft gebremst. Das Spiel ist recht ausgeglichen, was wir hinten gut verhindern können kriegen wir vorne nur nicht annähernd so gut hin, dabei sind Chancen durchaus da. Aue kassiert einiges an gelben Karten, die Wahrscheinlichkeit einer Ampelkarte steigt, denn auf dem Rasen rutscht man schnell mal weiter als man eigentlich will. Die letzten zehn Minuten kommt noch mal Druck von uns, wird aber nix mehr, 0:0 zur Pause, nicht eine Minute Nachspielzeit, völlig unverständlich, Unterbrechungen gab es genug.

Zwischenspiel
Die Bierversorgung aus der Loge lässt arg zu wünschen übrig, in der Pause ist alles drinnen, wärmt sich auf und futtert Schnittchen. Von Tommi gibt es dafür Nachschub, der mich allerdings vor Probleme stellt, ich habe keine Hand mehr frei und muss Fotos machen. Über Süd und Gegengerade läuft eine ellenlange Tapete, der Weihnachtsmann läuft über den Rasen, die Gegengerade liefert sich eine Schneeballschlacht mit unserer Ersatzbank und die Süd glänzt mit einer schicken Antifa-Choreo, man kommt kaum hinterher. Richtig was los hier in der Halbzeit, mit einem vollen Bier auf dem Boden ist mir das zu unsicher. Die Loge über mir hat schöne Becherhalter, ich deponier dort meinen vollen Becher und dokumentiere das Geschehen auf Rängen und Rasen. Fünf Minuten später läuft das Spiel wieder und meine Hand greift ins Leere, das Bier ist weg.
Wie kann auf nicht besetzten Logenplätzen ein Bier verschwinden? Ich verdächtige sofort Herrn L., der durchaus zu solchen Streichen in der Lage ist, kann aber beim besten Willen nichts entdecken, auch ein näherer Blick über die Brüstung ist erfolglos. Herr L. will allerdings vor kurzer Zeit noch die Bedienung gesehen haben.
Das nenn ich mal gründliches Servicepersonal, räumt in Windeseile alles weg, was nicht in eine Loge gehört, auch randvolle Pfandbecher. Hoffentlich ist der leere wenigstens bei Viva con Agua gelandet hinterher.

Spiel (2)
Das elitäre Logenvolk ist inzwischen wieder draußen, das sichert mir Ersatzbier für die zweite Hälfte, Koschi hat ein Einsehen. Immerhin, jetzt klappt das, sogar richtige Gläser gibt es da oben. Der Stoff ist auch nötig, denn nach ein paar Minuten führt Aue mit 0:1, ausgerechnet Torre macht Bockmist, dann versucht er den wieder gut zu machen und fälscht den Ball auch noch ab, der sitzt. Genau im Winkel, was fürn Dreck. 
Nach dem ersten Schock beruhigt mich meine nette Nachbarin, sie wär da noch ganz optimistisch. Stimmt ja auch, ist nur ein Tor, wir haben mindestens 40 Minuten Zeit und eigentlich waren wir bisher besser, das klappt noch. Kann passieren. Spiele drehen ist unsere Spezialität, auf geht's.
Zehn Minuten laufen wütende Angriffe ohne Erfolg, dann ist die Luft raus, dafür laufen wir in Konter, die unsere Abwehr ganz schlecht aussehen lassen. Herr L. verzweifelt wieder mal bei den Aktionen von Kalla, und ich muss leider zugeben, dass der für jede gute Aktion drei andere Dinger völlig versemmelt. Kaum hat man einmal "schön gemacht Jan-Philipp" gerufen muss man sich eine Minute später dafür rechtfertigen. Seine Kollegen machen es aber auch nicht besser, die Ochdnung ist hinten völlig verloren gegangen, ein grauenhaftes Gebolze auf einem grauenhaften Acker. Tschauner rettet mehrfach in höchster Not, seine Abschläge kann man leider auch oft nur als Notfälle bezeichnen.
Und bei dem vogelwilden rumgeglitsche und gestochere auf dem Platz dauert es auch nicht lange, dann steht es 0:2. Mit Ansage. Aue schindet Zeit ohne Ende, schläfert alle ein und dann ein eiskalter Konter. Was ist das für ein Hühnerhaufen da unten, ich glaub es ja nicht. Sind wir hier im Weihnachtsmärchen? Noch eine Viertelstunde, das wird nichts mehr. Inzwischen sind außer Saglik auch  Daube und der Ebbefant drin, der sogar einen Kopfball aufs Tor bringt, dummerweise direkt auf den Torwart. Wir verwerten unsere Chancen nicht, keiner ist dazu heute in der Lage, und wenn die noch drei Tage spielen. Eher sorgt der Hühnerhaufen namens Defensive noch für ein Debakel, als das wir mal den Kasten treffen.
Kurz vor Schluss kassieren wir folgerichtig das 0:3, wenn schon, denn schon.  Haben wir jemals gegen Aue gewonnen? Ich kann mich nicht erinnern. Drei Kartoffelpuffer einer norddeutschen Firma können jedenfalls nichts an der Bilanz ändern, das war eher kontraproduktiv.
Der Schiri lässt tatsächlich nur zwei lächerliche Minuten nachspielen, ich will mich schon aufregen, da fällt mir ein, dass bei vier Minuten Nachspielzeit eher noch ein Treffer für die Erzgebirgler fällt und ich geb mich geschlagen. Sind die Punkte halt auch weg.

Nachspiel
Koschi will noch das Buffet plündern, zur Strafe muss er wohl die beiden lautstarken Fans aus dem Erzgebirge ertragen, die sich ebenfalls in der Loge tummelten. Seltsame Zusammensetzung, das muss ich mir noch mal genauer erklären lassen. Nach einem kurzen Klönschnack am AFM Container will Herr L. mich zu einem Domaufenthalt überreden und lockt mich mit Pommes und Erdnusssauce, aber das kann ich dank der Informationen des Exilwestfalen inzwischen selber machen. Crêpe zieht als zweites Argument schon eher, genau darauf hat er es ohnehin abgesehen. 
Das Wetter ist beschissen, es regnet Bindfäden und mir ist kalt, trotz der mehrlagigen Kleidung. Dagegen muss man etwas machen, ich geb eine Runde Glühwein aus, am letzten Stand vor der U-Bahn, der hat Schirme zum unterstellen. Hinter mir murmeln Stimmen etwas von "ohneohneohne" und ich bestell dreimal Glühwein mit Schuss, worauf mir Schwerhörigkeit vorgeworfen wird. Ich hab aber nichts an den Ohren, ich hab nur Geschmack, ohne Rum taugt das nix.
Setzt sich auch durch, die nächsten Runden sind ebenfalls mit Schuss, bis mir warm genug ist. Manche Tage erträgt man besser im Delirium.

Was für ein Segen, dass ich nächstes Wochenende Weihnachtsmärchen gucken geh, sonst wäre Ingolstadt tatsächlich eine Option gewesen. Nächstes Jahr gehts weiter, hoffentlich wieder auf der Gegengerade. Da ist mir noch nie ein Bier abhanden gekommen.

Musik, die der Dartmeister heute eigentlich bekommen sollte, aber wenn man nicht am Treffpunkt ist hört man was anderes als Rory Gallagher - The Beat Club Sessions















Sonntag, 2. Dezember 2012

Saumagen wird unterschätzt














Vorspiel
Als der Wecker klingelt frag ich mich, ob ich eigentlich bescheuert bin. Ich könnte noch locker eine weitere Stunde pennen, dafür müsste ich nur auf den Saumagen verzichten. Aber jetzt hab ich den Kram schon besorgt, dann sollte ich das durchziehen, auch wenn es noch so albern ist.
Die Dose flugs von beiden Seiten geöffnet, den Inhalt auf einen Teller gedrückt und zwei Scheiben abgeschnitten. Ziemlich feste Konsistenz, Fleisch und Kartoffelstücke sind zu erkennen, kein Fett oder merkwürdige Substanzen, riecht eher unauffällig, was mich bei Fleischkonserven beruhigt. Fleisch aus Dosen ist normal ja nicht so meins, aber als es in der Pfanne liegt entfaltet sich doch ein würziges Aroma.

Trotz des seltsamen Namens, Birnes Leibspeise schmeckt nicht schlecht, Pfeffer und Thymian sind auffällig, pikant gewürzt, dazu würde eine anständige Portion Bratkartoffeln passen, ich hab leider nur zwei Scheiben Brot. Geht aber gut runter, als Grundlage für kaltes Bier an kalten Tagen bestimmt nicht übel, der Rest wird sich zeigen.

Draußen ist es arschkalt und ungemütlich, gegen Kaiserslautern frier ich immer schon vorher, es gibt weitaus angenehmere Gegner. Ergo zwei T-Shirts drunter und dicke Socken, die Kälte kommt von unten.
Ich mach mich auf den Weg mit drei sauteuren Karten in der Tasche, Herr L. musste unbedingt nach Dresden, was nur mit einem rothaarigen Frauenzimmer zu erklären ist, und Gustel hab ich natürlich (natürlich!) nicht erreicht, trotz drei Tagen Telefonterror auf allen Leitungen. Eine Karte hat glücklicherweise der Exilwestfale abgenommen, der schon immer mal ans Millerntor wollte. Die andere versuch ich über das Forum loszuwerden, aber 50 Euronen sind für die meisten ein zu happiger Preis, das wird nix.

An der U-Bahn treff ich den Exilwestfalen, danach noch einen Sprung ins AFM Büro, wo mir Tommy erklärt dass er die Karte wohl nicht loswerden wird. Hab ich irgendwie geahnt. Keine Ahnung wo die Schmerzgrenze eines durchschnittlichen AFM Mitgliedes ist, aber ich sag ihm für nen Zwanni kann er sie verkloppen wenn sie einer haben will. Scheinbar ist auch das für einen gepolsterten Sitzplatz auf H4 noch zu teuer, der Platz neben uns wird leer bleiben. Blöd, wenn man nicht ans Telefon geht, aber mein Geld ist es nicht.

Im Stadion ein eiskaltes Bier und ab auf die Plätze. Vorprogramm mit dem Betzelied, Mannschaftsaufstellung und jubelndem Auswärtsblock, danach unsere Jungs und Diffidati von der Süd, ein gemeinsames "Scheiß DFB" und Schluss. Heute gibt es weder große Choreos noch Lärm, 12:12 ist angesagt.

Spiel (1)
Wir ohne Mohr und Bartels, Boll noch auf der Bank. das wird nicht einfach. Sehr merkwürdige Atmosphäre. Murmeln und verhaltenes Raunen auf den Rängen, mehr ist nicht zu hören. Ganze zwölf Minuten und zwölf Sekunden soll das Stadion schweigen, gegen das "Sicherheitspapier" der DFL, eine Protestform, die von großen Teilen der Haupttribüne ganz locker über neunzig Minuten durchgehalten wird. Wir können das.
Es ist allerdings mühselig, wie der spitze Schrei über unseren Plätzen beweist, als Kalla nach zehn Minuten einen Ball gegen den eigenen Pfosten setzt. Nicht der erste Aufreger, und das, wo man sich nicht mal lautstark aufregen darf, verdammt. Ich guck auf die Uhr, noch zwei Minuten bis ich mich nicht mehr beherrschen muss, da klatscht es schon wieder hörbar an den Pfosten. Gleich darauf ein drittes mal Alu durch Idrissou, dann ist endlich das Publikum da, die Schweigeminuten sind um, Gänsehautatmosphäre, volle Lautstärke, so muss Fußball. Jetzt müssen wir nur noch mitspielen, bisher übernimmt das weitgehend die Pfalz.

Für Idrissou gibt es kurz darauf die gelbe Karte vom starken Schiri Stark, womit er nicht ganz einverstanden ist, der Herr gestikuliert und meckert. "Jaaa" brüll ich, als Stark erneut in Richtung Tasche greift, "erzähl ihm noch mehr, der mag das", aber Idrissou entschließt sich dann doch rechtzeitig zum Rückzug. Wäre eine gute Gelegenheit gewesen den gefährlichsten Mann loszuwerden. Danach entwickelt sich ein munterer Schlagabtausch, wobei wir vorne nicht so recht durchkommen, Lautern ist gefährlicher. Ein wirklich mulmiges Gefühl will sich aber trotzdem nicht einstellen, unsere Abwehr steht überwiegend sicher und Tschauner ist ebenfalls gut aufgelegt heute, nur seine Abstöße sind mal wieder arg verbesserungswürdig.
Kurz vor der Halbzeit noch einmal Ecke für den FCK, "ich hasse Eckbälle um diese Zeit" sag ich, und der Exilwestfale nickt verständnisvoll, es bleibt aber ohne Folgen. 

Zwischenspiel 
Bisher haben wir Pech mit den Plätzen, die Bedienung verteilt Bier heute nur an Bändchenträger, also geht der Exilwestfale Nachschub holen. Ich kümmer mich fotografisch ein wenig um die Halbzeittapeten, verpass dabei aber einige, weil ich erst Boller beim Aufwärmen und dann den Dartmeister nebst Bezugsgruppe gegenüber auf der Gegengerade als Motiv entdeckt hab. Diese Kompaktknipsenteles sind einfach zu langsam. Die verpassten Tapeten gibt es aber garantiert im Blog von KleinerTod,  der ein paar Reihen unter mir ebenfalls mit der Kamera hantiert und sich weniger ablenken lässt. Kurz vor der zweiten Hälfte kommt das Bier. Arschkalt, schlechte Wahl wenn man ohnehin schon friert, es sollte Glühwein endlich auch als 0.5er geben. Gegen Durst UND Kälte. Oder Pharisäer. Wieso gibts eigentlich keinen Pharisäer im Stadion? Wann ist die nächste JHV?

Spiel (2)
Vor dem Anpfiff quatscht Idrissou mit Schiri Stark und macht scheinbar Scherze. "Will der sich etwa einschleimen?" frag ich den Exilwestfalen. Der steht ganz oben auf dem Zettel, der soll bloß was versuchen. Es geht munter weiter, Schlagabtausch Teil zwei, wieder mit Vorteilen für die Pfalz. "Zu ungenaues Passspiel" mäkelt der Exilwestfale neben mir nach einem unnötigen Ballverlust.  "Tja" sag ich, "das ist halt zweite Liga." Dortmunder sind inzwischen zu verwöhnt.
Tschauner darf sich mehrfach auszeichnen, jedenfalls mit den Händen, der Fuß ist heute nicht sein Freund. Nach einer Viertelstunde können wir uns etwas befreien, setzen endlich konsequenter nach, so kommt man auch mal vors Tor, immer öfter, denn ungenaues Passspiel kann Kaiserslautern auch wenn man sie frühzeitig attackiert. Auf den Rängen geht es ziemlich ab, Nord, Gegengerade und Süd befeuern sich gegenseitig mit Wechselgesängen und auch der Gästeblock ist bemerkbar. Laut und fair, kein ödes Scheiß Sankt Pauli geprolle, aber durchgehend guter Support für ihre Mannschaft, solche Gäste mag ich. Feiern können allerdings wir, denn in der 67. Minute macht unser aktueller Knipser Daniel Gincek das 1:0, nach den letzten starken Minuten ist das durchaus nicht unverdient. Woohoo, endlich steht auch die Haupttribüne mal auf und singt. Woohoo ist allerdings auch einfach zu merken.  
Noch über zwanzig Minuten Schlagabtausch, fünfzehn Minuten davon spielen unsere Jungs Fußball wie von einem anderen Stern, lauter kleine Messis auf einmal, mittendrin Obermessi Buchtmann, der es leider nicht schafft einen zweiten Ball zu versenken, verdient gehabt hätt er es heute. In den anderen fünf Minuten bauen sie dafür wieder ein paar Schnitzer ein, die zu gefährlichen Kontern führen, man muss die Spannung hochhalten. Erträglich gemacht wird das durch die neue Bedienung, es gibt doch noch ein Freibier. Zwei Minuten vor Schluss wieder eine Ecke gegen uns. "Hab ich schon erwähnt, dass ich Eckbälle zu solchen Zeitpunkten hasse?" frag ich meinen Nachbarn, aber auch diesmal geht alles gut. Ebbe kommt noch und hat zwei Minuten Nachspielzeit für sein Jubiläumstor, leider zu kurz, das Stadion ist komplett auf den Beinen und singt das Ende herbei. Schluss, aus, abfeiern. Richtig gut abfeiern, das hamse sich verdient.

Nachspiel
Bis zum Spiel der Dortmunder in Bayern hat der Exilwestfale noch etwas Zeit, das investieren wir in ein kurzes Treffen mit der Tresenkurve vor dem AFM Container und in eine Portion belgische Pommes mit Erdnussauce auf dem Dom, denn natürlich muss er als Erdnusssaucenconnaisseur unbedingt meine letzte Entdeckung auf Tauglichkeit überprüfen. Jetzt bin ich mal gespannt ob er den Namen behalten und eine Bezugsquelle gefunden hat, da würde ich dann auch einkaufen wollen. Geiles Zeug, leider als Orakel völlig untauglich.

Aber sag nochma einer was gegen Pfälzer Saumagen.

HeimspielsieggegendiePfalzMusik: Mark Lanegan - Whiskey For The Holy Ghost