Freitag, 30. Dezember 2011

Restlaufzeit für Leibgerichte














Geht es eigentlich nur mir so, dass laufend irgendwelche grandiosen Spezialitäten vom Markt verschwinden, auf die man unmöglich verzichten kann? Könnte man, als Gegenentwurf zum Ausländerbleiberecht, nicht auch eine Ausländerbleibepflicht einführen, für besonders verdiente Mitbürger?
Als ich mir neulich mal wieder etwas Futter von meinem Stammchinesen einpacken ließ, lag im Päckchen noch eine unangenehme Überraschung bereit, die Familie Kwong verabschiedet sich, nach 36 Jahren gehen sie in den verdienten Ruhestand.
Im Jahr 1976 erfüllten wir unseren Lebenstraum und eröffneten das China-Restaurant Kwong in Rahlstedt. Unser Wunsch und Ziel: die traditionelle chinesische Küche und Kultur in die Hansestadt zu bringen. In den 36 Jahren sind viele Gäste zu Freunden geworden. Wir haben miterlebt, wie Familien gewachsen und neue Generationen entstanden sind, uns aber die Treue gehalten haben, dafür möchten wir uns ganz besonders bedanken. Auf Wunsch können Sie ein persönliches Andenken als Dankeschön aus unserem Restaurant mitnehmen.
Tja, seit 36 Jahren bin ich dort jetzt Stammgast, was nehm ich mit? Den dicken Buddha vor der Tür kriege ich nicht transportiert, abgesehen davon würde der zu meiner Einrichtung nicht recht passen, ebenso wenig wie chinesische Vasen und Stehlampen. So ein Andenken will wohlüberlegt sein.
Als uns Frau Kwong persönlich an der Tür verabschiedete, fragte ich gleich nach der verbleibenden Frist für derartige Überlegungen. Dreißig Tage bleiben mir, am 29.Januar ist Schluss, es geht zurück nach Hause. Herr Kwong findet, 36 Jahre in der Küche sind genug.

Das kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, aber, wer zum Geier macht mir dann noch Khan-Shau Garnelen? Oder Frühlingsrollen, die Vegetarier zum weinen bringen würden? Was ist mit der Ente in Zitronensauce? Und was mit den bestimmt 100 Gerichten auf der Karte, die ich noch nicht probieren konnte, weil ich so oft Khan-Shau Garnelen gegessen habe?
Hätte man das nicht frühzeitig bekannt geben können, so ungefähr ein Jahr vorher? Oder zwei? Jetzt fallen mir auf Anhieb mindestens zehn Gerichte ein, die ich dort schon immer mal essen wollte. Das ist in dem einen Monat nicht zu schaffen, ganz egal wie häufig ich da noch auflaufe. Ich muss die Restlaufzeit nutzen, um mich mit Khan-Shau Garnelen vollzustopfen.
Das muss immerhin bis an mein Lebensende reichen, es sei denn das Rezeptbuch vom Herrn Kwong steht auch unter den mitzunehmenden Andenken. Fragen werde ich auf jeden Fall danach.

Im Player: WellBad - Beautiful Disaster

Dienstag, 27. Dezember 2011

Volle Packung nächstes Jahr



Weihnachten wäre geschafft, man kann ja langsam froh sein, dass es nur ein relativ kurzes Wochenende war, ich fürchte für längere Weihnachtsfeiern ist unsere Kondition nicht mehr geeignet. Andererseits bieten arbeitnehmerfreundlicher gelegene Feiertage mehr Zeit für Erholungspausen, man müsste nur die Konzerttermine entsprechend anpassen.
Jamaica Papa Curvin haben wir uns geschenkt, die hochprozentigen Mitbringsel aus dem Regenwald und die Mischversorgung auf dem Weihnachtsmarkt wirkten zu lange nach, der heilige Abend reichte gerade noch für Kinderbescherung, Portugiesenviertel und Hafenrundgang. Ein mitternächtliches Reggaekonzert hätte sicherlich unheilige Auswirkungen auf den nächsten Tag gehabt, die volle Packung Blues war da aber fest eingeplant, man muss halt Prioritäten setzen. Papa vielleicht nächstes Jahr mal wieder, man soll sich immer was fürs nächste Jahr aufheben.

Der Zeitplanung wesentlich zuträglicher war das frühe Zubettgehen allerdings auch nicht. Opulentes Frühstück mit meinem neuen Toaster, ein Spaziergang um die Alster inklusive Getränk am Wasser, danach schnell die Erdnussschnitzel  in den Ofen, futtern und weg...
War ohnehin schon ein wenig eng, aber da die Hühnerteile auch nach 45 Minuten noch nicht richtig durch waren, konnten wir uns wenigstens das Futtern sparen und auf irgendwann nach Mitternacht verschieben. Hätten wir geahnt, dass der resolute Mr.T einen Tisch direkt am Tresen des Mayday besetzen konnte, wir wären deutlich entspannter vorgegangen.
Ein Weihnachtskonzert von Blues Package könnte man sich auch ganz entspannt in der letzten Reihe anhören, selbst die gelegentlichen Anfälle des Pappenheimers bei Songs von Dylan oder Neil Young waren diesmal erträglich, doch der erhöhte Frauenanteil in dieser Ecke machte sich zeitweilig sehr negativ bemerkbar.  Gnadenloses Geschnatter, das mühelos jede E-Gitarre übertönen kann. Sabbeln kann man in Cafés besser, warum gehen die in Konzerte?
Im Normalfall werden Blues Package Konzerte erst in der zweiten Hälfte richtig interessant, daher hab ichs eine Weile ertragen, aber als die mit One Way Out von den Allman Brothers anfingen wars mir dann zu blöd, beim interessanten Teil sollte man sich eh vorne aufhalten. Der wurde sogleich veredelt durch Claus "Dixi" Dierks, der eigentlich rein privat da war, aber rein zufällig auch rein privat immer seine Mundharmonikasammlung mitschleppt, was in einer etwas längeren Bluessession gipfelte. Fast ohne Geschnatter, was für ein Stück Glück. Vielleicht hätten wir am 23. doch den Downtown Bluesclub besuchen sollen, statt Santa Pauli. Nächstes Jahr, man soll sich immer was fürs nächste Jahr aufheben.

Der Montag war eigentlich reserviert für einen Ausflug nach Schleswig, ein Tomatensüppchen in der Schleswiger Brauerei schlürfen, ein paar Liter Schleswiger Pils mitnehmen, meine zerdepperten Gläser ersetzen, mehr Meer gucken, in Eckernförde oder so. Der Pappenheimer war so schlau, sich kurz vorher auf der Webseite über die Öffnungszeiten zu informieren, wodurch die Planung spontan geändert werden musste. Weihnachten geschlossen. Arbeitnehmerfeindlicher Laden, keine Tomatensuppe, keine neuen Gläser, verdammt.
Timmendorfer Strand war näher, für die andere Tour hätte man sowieso früher aufstehen müssen, die Tage im Winter sind einfach zu kurz für Tagesausflüge. Jedenfalls, wenn man erst um 4 ins Bett geht. Timmendorf ging aber noch und war fast so voll wie im Sommer, unglaublich. Alles erleuchtet, die Massen flanierten und einen Weihnachtsmarkt gab es auch noch, mit Glühwein und Spanferkel.
Nur auf die Tomatensuppe musste ich bisher verzichten, die gab es nicht mal abends im Santorini. Vielleicht nächstes Jahr, man soll sich immer was fürs nächste Jahr aufheben.

Schreibmusik: Steve Winwood - Arc Of A Diver / Refugees Of The Heart
Fotos 3,4,7,8 und 9 freundlicherweise bereitgestellt von xs4all









Samstag, 24. Dezember 2011

Frohes Fest















Allen Lesern, den stillen ebenso wie den kommentierenden, ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest, ich hab keins. Also, froh schon, nur besinnlich nicht, aber ich will es ja nicht anders. Die seit Jahren liebgewordene Tradition, die Festtage mit Regenwaldchaoten zu verbringen, möchte ich keinesfalls unterbrechen. Apropos brechen, so schlecht war der Glühwein/die Feuerzangenbowle/das Bier gestern auf dem Santa Pauli Weihnachtsmarkt nicht, dafür floss es reichlich und abwechslungsreich. Ich bin immer noch etwas angeschlagen, zumal der Tag heute nicht gerade eine Erholung war, die familiären Pflichten darf man ja auch nicht vernachlässigen.
Jetzt muss der Garnelen-Seeteufel-Spieß vom Portugiesen erst einmal sacken, danach wird sich dann entscheiden ob wir noch Jamaica Papa Curvin in der Fabrik besuchen, oder unserem Zustand Tribut zollen und eine Pause einlegen, schließlich müssen wir morgen Abend schon wieder nach Altona.
Die Worte des jungen Hüpfers Willnix am gestrigen Abend hab ich dabei noch im Ohr. "Was? Ihr wollt jetzt wirklich noch los? In Eurem Alter?"
Einen ähnlich herausfordernden Satz habe ich heute von ihm noch nicht vernommen, eine Pause würde unserem Ruf daher wohl nicht schaden.

Die Fotos wurden freundlicherweise bereitgestellt von meinem alten Pappenheimer xs4all, ich pass derweil lieber auf die Regenwaldchaoten auf, statt selber zu fotografieren.

Die Musik ist momentan sehr schön, fast weihnachtlich, nur nicht dazu geeignet, den Hintern mehr als nötig in Bewegung zu setzen: Harry Manx - Bread & Buddha.
Aber wenn ich jetzt Reggae auflege, dann gehen wir nachher wirklich noch Papa besuchen.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Apfel-Ingwer-Alfons














Neulich hab ich doch glatt mal wieder die Glotze angemacht, um mich vor der Nachtruhe ein wenig mit Dünnsinn berieseln zu lassen. Im ZDF lief gerade Lanz kocht, was ein sehr irreführender Titel ist, denn Lanz ist der einzige, der in seiner Sendung nicht kocht, das übernehmen ja immer die geladenen Spitzenköche. 
Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass ich mich jemals an einem dieser Gerichte vergreifen werde, aber bei solchen Sendungen kann man auch Kleinigkeiten lernen, so wie das unkomplizierte Öffnen von Spaghettipackungen durch Cornelia Poletto. Die war diesmal leider nicht zugegen, dafür hat der Herr Kotaska leckere Seeteufelfilets in Rotwein pochiert und auf Rosenkohlblättern serviert.  Den Anblick allein fand ich schon sehr reizvoll, das Rezept sollte ich beim nächsten Portugalurlaub dem Chefkoch zukommen lassen, das erspart die eigene schweißtreibende Küchenarbeit und sorgt mit Sicherheit für ein gelungenes Mahl. Die Ente mit gezupftem Rotkohl vom Herrn Kleeberg war auch nicht uninteressant, meinen Freund L. hätte das definitiv begeistert, der bekommt ja schon bei Dosenrotkohl feuchte Augen.
Was mich aber wieder am meisten verblüffte war die scheinbar grenzenlose Verehrung, die Meister Alfons Schuhbeck von seinen Kollegen entgegengebracht wird. Ein Lob von Alfons für die eigene Kreation scheint ähnlich viel zu bedeuten wie ein Stern des Guide Michelin, oder eine lobende Erwähnung im Gault Millau.
Ob diese Bewunderung ihren Ursprung in Schuhbecks Küchenkunst hat, oder in der Tatsache, dass der Mann jeden Scheiß unter seinem Namen verkaufen kann, ohne seinen Ruf zu schädigen, würde mich wirklich interessieren. 
Sein gebratenes Zanderfilet auf Apfel-Ingwer-Wirsing hätte ich, trotz meiner Abneigung gegen Wirsing, schon gerne probiert. Schon um herauszufinden, ob es Ähnlichkeiten zu einer weiteren Schuhbeck-Kreation gibt, dem Apfel-Ingwer-Chickenburger den McDonalds gerade im Angebot hat. 

Der ist, gemessen am gemeinen McDurchschnittburger, trotz oder wegen Alfons, wirklich nicht übel. Sterne gibt es dafür wohl eher nicht, aber in Zeiten, in denen selbst durchschnittliche Currywurstbuden im Michelin lobend erwähnt werden, kann man sich nie sicher sein.

Einen Stern für gute Musik bekommt die Oysterband - Holy Bandits/Here I Stand

Dienstag, 20. Dezember 2011

Es geht auch mit Würstchen














Vorspiel
Keine vier Stunden hab ich geschlafen als der Wecker klingelt, um 4:15. Scheiß Frühschicht, Scheiß Sport 1. Wenigstens hat am Wochenende niemand für Stromausfall gesorgt, alle Rechner laufen, es gibt keine Probleme und ich kann nebenbei ein paar Kaffeespezialitäten aus dem neuen Vollautomaten ziehen, Cappuccino, Ristretto, Cappuccino mit nem Ristretto obendrauf, nach ein paar Pötten bin ich wach. Klappt wunderbar heute.
Als die Frühstückpause naht fällt mir ein, dass es in der Kantine heiße Würstchen gibt. Womöglich sind das ja Frankfurter, damit könnte man versuchen, nach dem gegen Dresden so erfolgreichen Christstollenorakel, ein Werrschtscheroragel (hessisch für Würstchenorakel, schreibt Herr Ärmel, und der muss es wissen) zu beschwören.
Leider steht auf der Preistafel was von Wiener Würstchen. Wir spielen zwar nicht gegen Rapid, aber da mir der Unterschied zwischen Wienern und Frankfurtern eh nie klar war, nehm ich trotzdem zwei mit. Kann nicht schaden, außerdem hab ich langsam Hunger. Kurz vor Feierabend noch Mails abrufen, ich soll jetzt doch meine Spiegelreflex mitbringen, Montagsspiele im Winter sind dunkel und überfordern Kompaktkameras.

Um 15 Uhr kann ich abhauen und mich zwei Stunden aufs Ohr legen, dann ruft der Dartmeister an, ich hab heute nen Chauffeur zum Stadion. Eine Stunde vor Spielbeginn vor der Gegengerade war als Treffpunkt ausgemacht, Gruppenfotos knipsen für die Fanräume Förderwand.  Da ich die Kamera nicht mit ins Stadion nehmen darf, natürlich VOR der Gegengerade, was ungefähr dreiviertel aller Betroffenen auch mitbekommen, der Rest ist schon im Stadion  und wartet dort vergeblich auf den Fotografen.
Die Fotosession wird ungefähr so planlos wie der Plan mit der Kachelwand, weil niemand so recht weiß, wie das nachher überhaupt aussehen soll. Also Gruppenfoto in (fast) voller Besetzung und dann noch einmal in Kleingruppen, damit auch jeder drauf ist, worüber man sich als Fotograf direkt mal freuen kann.
Vor der vogelwilden Knipserei kann ich wenigstens noch ein Bier zu mir nehmen, danach schnell die Kamera in den Kofferraum und rein ins Stadion. Welcome to the hell of St.Pauli, hoffentlich. Drinnen treffen wir den Rest der Truppe und beschließen, die Fotosession nach dem Spiel fortzusetzen.
Damit nachher auch wirklich jeder drauf ist. Die Frage ist nur, wie man nach dem Spiel so drauf sein wird, da herrscht allgemeine Skepsis.

Dann endlich ankommen und einsingen. Der Vorfilm des heutigen Dramas wird gesponsert von der Südkurve, Montag weghaschen. Dem steht nichts im Wege, schließlich sind wir hier nicht in Bayern, wo friedliche Pyrotechnik einfach beschlagnahmt wird. Für jede Halbzeit ein Glücksbringer, das muss. Wer weiß, ob die Wiener Würstchen helfen. Die Nordkurve glänzt ebenfalls mit friedlicher Pyrotechnik, vollständig illuminiert durch Wunderkerzen, leider hab ich nur noch die Ixus dabei, und damit werden die Fotos nichts, ich hoffe auf andere Fotografen.
Der Frankfurter Anhang zündelt und qualmt auch, was demnächst wohl für weniger Auswärtsfahrer sorgen wird, für noch mehr Sicherheitsspiele und für noch weniger genießbares Bier.

Spiel (1)
Das sieht nicht so gut aus, wieder einmal. Immerhin zeigen sie Einsatz, wenn ich das mit Ingolstadt vergleiche, sehr viel mehr Einsatz. Trotzdem ist Frankfurt überlegen, spielerisch eindeutig besser und immer gefährlich. Wir haben dafür Tschauner, der mehrfach saustark reagiert und heute eindeutig beweist, dass er, allen dusseligen Umfragen zum Trotz, besser ist als Jogginghosen-Gábor.
Für uns springt trotzdem nicht viel raus, nach ner halben Stunde gibts immerhin mal Eckball für uns, danach viel Gewusel im Strafraum und Toooooooooooooooooooor. 1:0 nach so einer durchwachsenen Leistung, da hat keiner mehr mit gerechnet, aber das Ding ist drin, der Capitano trifft zur Führung, woohoo.
Morena, wann hat der das letzte mal getroffen? Egal, das beruhigt.
Der eingewechselte Gekas beruhigt weniger, seine Fallsucht macht ihn gleich zum Publikumsliebling, kurz vorher war es noch der Schiedsrichter. Frankfurt hat weiter mehr vom Spiel, aber wir stehen etwas besser und kommen auch zu Chancen. Aus unseren wird nichts wegen Hektik und Unvermögen, aus den Frankfurter Chancen wird nichts wegen Tschauner. Bester Mann auf dem Platz.
Endlich Halbzeit, ich brauch ein Bier.

Zwischenspiel
Ich bin unschlüssig, vielleicht nehm ich doch lieber Wasser. Dann entscheide ich mich für die falsche Lösung und nehm alkoholfreies Holsten. Was für ein Schweinkram. Wenn es schon sein muss, dann entscheidet euch endlich für Jever Fun, das kann man wenigstens trinken wenn es eiskalt ist, und kalt genug ist es heute. Die Holstenplörre ist untrinkbar, irgendwie würge ich das Zeug trotzdem runter, die Stimmbänder brauchen Kühlung. Kurzer Halbzeitklönschnack und zurück auf den Sitzplatz, dieses mal etwas weniger stumme Nachbarn da oben, aber da geht noch mehr hoffe ich, wenn bei den Jungs auch was geht.

Spiel (2)
Das Spiel läuft keine 10 Minuten, dann liegt ein Frankfurter im eigenen Strafraum, allgemeine Verwirrung, dann stellt sich heraus, er wurde von einer Papierrolle am Kopf getroffen und hat spontan beschlossen, ein wenig vor sich hin zu sterben. Das beeindruckt den Schiedsrichter, der daraufhin im Falle weiterer Wurfgeschosse mit Spielabbruch droht.  Die Südkurve wird vom Stadionsprecher ermahnt, woraufhin die halbe Gegengerade dermaßen sauer auf "die Idioten in der Südkurve" ist, dass der Wechselgesang verweigert wird. Dabei war es nicht "die Südkurve", es war nur ein Idiot in der Südkurve, aber das spielt dann keine Rolle. Während alles mit sich selbst beschäftigt ist, fängt Eintracht Frankfurt auf dem Rasen an, unsere Mannschaft zu zerlegen. Es geht nichts mehr, weder auf dem Rasen, noch auf den Rängen. Fuuuurchtbar. Was für ein Glück, dass wir schon einen auf der Habenseite verbuchen können, es ist eine Frage der Zeit, wann der Ausgleich fällt.
Tschauner rettet das 1:0, mal großartig, mal sehr glücklich, aber lange geht das nicht mehr gut. Und kaum hab ich das gedacht, gibts einen Konter wie aus dem Lehrbuch, 4 gegen 2, Bartels marschiert durch, passt auf Max Kruse und es steht 2:0. Woohoo. Den hab ich nicht kommen sehn, so wie wir uns vorher angestellt haben, aber das Ding war ganz große Klasse. Es geht also doch noch.
Danach ist der Ärger schlagartig verflogen und es wird wieder gesungen, der Support setzt wieder ein, noch 20 Minuten überstehen. Die überstehen wir tatsächlich sogar recht gut, sind durch Konter immer gefährlich und können mit etwas Glück erhöhen.
Es ist mir aber irgendwann klar, mehr Tore fallen nicht, schließlich hab ich nur zwei Würstchen gegessen. Geht scheinbar auch mit Wienern. Frankfurt steckt zwar nicht auf, erzielt aber nur noch einen Wirkungstreffer, als sich Tschauner kurz vor Spielschluss verletzt. Wenn ich mir etwas zu Weihnachten wünschen kann, dann ist das keine ernsthaftere Verletzung. Thank God its Winterpause.

Dieser Orakelkram ist natürlich völliger Quatsch. Aber trotzdem werde ich mich mal erkundigen, was es für Bochumer Spezialitäten gibt, und ob die hier erhältlich sind.

Nachspiel
Zum Auto, Kamera wieder rausgeholt, Fotosession zweiter Teil. Wenn ich mir die Fotos so ansehe, dann sind die Gesichter nach dem Spiel wesentlich tauglicher für die Förderwand. Deutlich entspanntere Gesichtszüge, vor dem Spiel musste man das Lachen noch einfordern, danach kam es von alleine. Glücklicherweise hab ich die Klappe gehalten als es um die Nachbearbeitung ging, den ganzen Kram für die Kachelwand zusammenpuzzeln darf dann jemand anders. Ich bin schon gespannt, was dabei am Ende rauskommt.

Heute wär jedenfalls ein idealer Zeitpunkt und das ideale Licht gewesen, um mit der Kamera hinterher ein wenig die alte Gegengerade einzufangen. Den hab ich nur verpasst, weil der Dartmeister zum Aufbruch drängte, ein Chauffeur hat halt nicht nur Vorteile.
Dafür lief in seinem alten Benz inspirierende Musik, die nach einem Nachschlag verlangte:
Rory Gallagher - Stage Struck / The Beat Club Sessions / Defender



Sonntag, 18. Dezember 2011

Weihnachtsbasteln














Coverdesigner wäre mein Wunschberuf gewesen, mit 13 oder 14. Mein bester Freund, und direkter Banknachbar in der Schule, war davon ebenso begeistert wie ich, was zur Folge hatte, dass in vielen Schulstunden kleine Schallplattencover gebastelt wurden, statt dem Unterricht zu folgen. Viele Bands sind damals entstanden, deren LPs alle echte Kracher gewesen wären, hätte es die Musiker wirklich gegeben. Nicht zuletzt dank unsres exzellenten Designs natürlich. Inklusive Namensgebung der Bands, Musiker, Titel, wir hatten eine ganze Sammlung fantastischer Fantasiebands. Mindestens so gut wie Cream oder die Jimi Hendrix Experience, deren richtige LPs wir uns nicht leisten konnten.

Leider war die Coverbastelei meinen schulischen Leistungen weitaus abträglicher als seinen, ich flog irgendwann von der Schule, er hat später studiert. Und dann einen Plattenladen aufgemacht und Rezensionen in der Presse geschrieben, Musik hat uns beide nie mehr losgelassen, auf die eine oder andere Art und Weise.

In den letzten Jahren hab ich wieder angefangen Cover zu basteln. Nicht mehr für Fantasiebands, heute werden die mit Tonträgern gefüllt, auch wenn die angeblich aus der Mode kommen. Für mp3 jedoch bräuchte man kein Cover, weshalb ich diese Entwicklung sehr bedauerlich finde.
Das große Grafiktalent war ich zwar nie, dafür hatte ich immer Ideen ohne Ende, die dann meistens schwierig umzusetzen waren. Heute ist das relativ einfach, im Internet gibt es Bildmaterial genug. Und so bin ich irgendwann auf unglaublich großartige Grafiken gestoßen, auf diversen Pearl Jam Fanseiten, die ich unbedingt für das ultimativ beste "Best Of Pearl Jam" Doppelalbum aller Zeiten verwenden musste. Screaming - das ging dann an eine Mailbekanntschaft in Wien, als Revanche für eine CD von Zucchero.
Das nächste Projekt war das ultimativ beste "Best of Bruce Cockburn" Doppelalbum aller Zeiten, Dust and Diesel ging an meine kleine Schwester, um mal zu zeigen was jenseits von Bruce Springsteen noch passiert. Kam glaub ich ganz gut an damals.

Eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor, den Weihnachtstress durch Bastelkram auch noch zu erhöhen, aber ich konnte nicht anders, als ich dies unglaublich fantastischen Wölfe im Netz gefunden habe, die geradezu nach dem ultimativ besten "Best of Los Lobos" Doppelalbum verlangten. Da meine bastelfreudige Nachbarin mir mit Klebstoff aushelfen konnte, ist daraus ein sehr schickes Digipack geworden, 2 CDs mit 37 in langen Nächten ausgesuchten Stücken einer meiner Lieblingsbands. Oder wie es in einer AMG Review heißt:
The simple fact, not stated nearly often enough, is that Los Lobos are one of America's truly great rock & roll bands, and they've been making consistently strong albums since 1984's How Will the Wolf Survive.
Und die hab ich alle, da fiel die Auswahl schwer. Mal sehen, wer das bekommt.

Im Ohr der Nachtxzess auf DBWG Radio, sehr chillig grad, und ich muss jetzt ins Bett wegen Scheiß Sport 1.

Samstag, 17. Dezember 2011

Abramowitsch für Anfänger



Eine Yacht, wie sie sich der Herr Abramowitsch ab und zu mal kauft, könnte ich mir ebenso wenig leisten wie den FC Chelsea. Würde mich auch ehrlich gesagt nicht reizen, der FC Chelsea. Blau steht mir nicht.
Dafür lagert irgendwo im Keller ein Schlauchboot und seit heute hängt an der Wand eine Inhaberschuldverschreibung des FC St.Pauli. Kein ganzer Verein, aber immerhin, ich finanziere den richtigen, zusammen mit etlichen tausend anderen Zeichnern. Kleine Leute, kleine Brötchen.
Vor ein paar Wochen war ich schon auf der Auftaktveranstaltung, Anteile zeichnen, heute durfte man im Ballsaal seine Schmuckurkunden in Empfang nehmen, sich mit Spielern fotografieren lassen (was ich heute mal gelassen habe) oder nach Autogrammen jagen, was ebenfalls nicht mein Revier ist. Eine Ausnahme hätte ich wohl bei Fabian Boll gemacht, allein schon um seine Reaktion auf mein neues ACABAB Shirt zu sehen, doch der war leider nicht anwesend.
Kaum hatte ich meine Urkunde in Empfang genommen, und dem Ding am Tresen von einer der netten Damen einen Rahmen verpassen lassen, wurden alle Anwesenden wieder aufgefordert zu gehen.
Aufgrund einer technischen Störung sollten alle möglichst zügig, aber ohne Panik, das Gebäude verlassen. Die Ansage dürfte immer gleich lauten, egal ob Bombenalarm oder verstopfte Toilette, die meisten gingen wohl von einer verstopften Toilette aus, denn so richtig gehen wollte niemand.
So stand ich mit 20 anderen Menschen recht unschlüssig eine Weile vor der Haupttribüne herum, während die doppelte Anzahl neuer Besucher, trotz immer noch laufender Bandansage, das Gebäude betraten. Da sie von den drei Ordnern in keinster Weise daran gehindert wurden, bin ich ebenfalls wieder hochgegangen. 
Die technische Störung schien irgendwann behoben zu sein, vielleicht war es auch nur die Ansage, die sich nicht stoppen ließ, oder die Haupttribüne litt irgendwo unter dem gerade einsetzenden Hagelschauer, der Hauptgrund, weshalb ich wieder zurück wollte.
Der andere Grund war die Verpflegungsecke, mit Würstchen, Kuchen und Getränken, die mich an mein (nicht vorhandenes) Frühstück erinnerte - um 16:30! Da immer das gleiche Volk von diesen Ecken angezogen wird traf ich auch gleich ein paar bekannte Nasen, was sich durchaus positiv auf das Frühstück auswirkte, in Gesellschaft speist es sich einfach besser.
Dabei kann man sich nochmal in Ruhe seine Urkunde ansehen, feststellen, dass man das falsche Motiv bekommen hat, aber leider nicht den falschen Betrag, und nach dem leckeren Würstchen, und dem furchtbar süßen Lebkuchenkuchen, noch ein leckeres Würstchen hinterherschieben. Das ganze mit einem Getränk runterspülen, und schon waren die 6 Euro wieder drin, die ich dämlicherweise damals für das Porto überwiesen hatte, obwohl ich die Urkunde ja abholen wollte.

Jetzt könnte ich jedes Jahr ein kleines Stück abschneiden und 6% Zinsen kassieren. Oder nach 7 Jahren das ganze Teil zurückgeben, ich mach es aber wie Abramowitsch, der dürfte den größten Teil seiner in den FC Chelsea investierten Kohle auch nicht wiedersehen.
Wenn es auf Sankt Pauli genug Bekloppte gibt, wie Abramowitsch und mich, dann werden sehr viele Urkunden nicht zurückgegeben werden.  Wenn man davon im Endeffekt einen Teil der Zinsen bezahlen kann, dann wars ein gutes Geschäft für den Verein.
Dafür fehlen aber wohl ein paar Abramowitsche, so viel Mist macht Kleinvieh nicht.

Im Dunkel der Ecke Haupt- und Südtribüne überfielen mich dann am Ende noch ein paar angeheiterte Damen aus Aachen, denen ich den Weg zur Reeperbahn erklären sollte. Was ich selbstredend getan habe, worauf dann weitere Fragen folgten, die Mädels wollten auf dem Kiez auch noch günstig und gut essen gehen. In Kombination nicht ganz einfach, aber machbar, wenn auch kaum auf einem Samstag Abend.
Meine Erläuterungen fanden derart Anklang, dass eine des lustigen Trios anfing, mich zu drücken und zu herzen, dass mir Angst und Bange wurde. Nää, du biss aber ne jute Kerl, zupfte sie fortwährend an mir herum, hätte ich etwas mehr Zeit gehabt und nicht so viele Würstchen gegessen, da wäre mehr drin gewesen.
Womit ich selbstverständlich nur eine harmlose Einladung zum Essen meine.

Im Ohr eine grandiose Konzertkonserve, manchmal lohnen Bootlegs:
Ray Wylie Hubbard & Gurf Morlix - Live at The Everyday Inn, Rockingham, Vermont, 2006