Samstag, 1. Oktober 2011

Frühstück mit Stil














Bei aller Liebe zum Verein, auf die Idee einen Totenkopf auf meinen Frühstückstoast zu brennen bin ich noch nicht gekommen. Obwohl ich mir durchaus mal einen neuen Toaster anschaffen könnte, meiner wäre langsam reif fürs Museum.
Ausgerechnet in Bayern gibt es St.Pauli Toast zum Frühstück, ein eindeutiges Zeichen von (zumindest fußballerischer) Heimatverbundenheit, der Norden ist immer noch tief im Herzen von Mr.T, trotz seines nun schon etliche Jahre andauernden Exils.
Leider hat das geplante frühe Frühstück mal wieder nicht geklappt, zu viel Sauschwanzlbeisser am Abend verhinderte ein rechtzeitiges Erscheinen in der Neustädter Sofien-Apotheke. Ein Vorrat des begehrten Magentonikums ist leider nur dort zu bekommen, aber für die nächsten Tage wirds noch reichen.
Nötig wird es werden, denn ich gedenke meinen Magen heute noch schwer zu belasten, irgendwo auf dem Land, in einem Ort, dessen Namen ich längst wieder vergessen habe, ebenso wie den Namen des Gasthofes. 

Woran ich mich aber noch sehr genau und sehr gerne erinnere, ist die hübsche Kellnerin und die Speisekarte. Mal gucken, was sich davon alles gehalten hat in den letzten Jahren.

Donnerstag, 29. September 2011

Heiligs Blechle















Gibt es eigentlich so etwas wie den Tag der Schlafmützen? Dann war der heute. Die erste Schlafmütze begegnete mir schon, kurz nachdem ich das Haus verlassen hatte. Keine 100 Meter weit gekommen, dann hats auch schon gekracht. Vorfahrt ist, wenn man trotzdem lacht. Dabei hab ich das kommen sehen, leider war ich der Einzige, und genutzt hats mir auch nix.
"Ich hab Sie überhaupt nicht gesehen, das tut  mir leid, ich hab nur die Parklücke im Blick gehabt."  Und dann zu schnell gewendet, soll vorkommen. So etwas regt mich zum Glück nicht weiter auf, die Karre ist immerhin 15 Jahre alt. Die meines Unfallgegners war allerdings erst 3 Wochen alt, was ihn sichtlich mehr betrübte als die Schrammen an meinen Türen.
Mein Problem wird nur sein den Schaden irgendwie einzugrenzen, denn wenn ich damit zu Toyota fahre übersteigt der garantiert den Restwert. Mit der Beule kann ich zwar leben, aber eine finanzielle Entschädigung hätt ich dann doch gerne dafür. Zumal ich es hasse, mich um so einen Kram kümmern zu müssen.

Als ich eine Stunde später in die Firma komme herrscht gespenstische Stille, nicht eine Anlage läuft, kein Band, kein Roboter, nichts. Seit Stunden. Weil eine Schlafmütze in der AV einen Schrank so geschickt verschoben hat, dass die öffnende Tür einen Notschalter betätigte, der wiederum die halbe Firma stromlos machte. Inklusive Teile der EDV Abteilung, weil tatsächlich irgendein Switch nicht an der USV hing, was dann die Datenbank zerschoss. Kleiner Schalter, große Wirkung. Ich hab nicht einmal geahnt, dass es solche beknackten Schalter überhaupt gibt, und wenn, dann hätte ich die gesichert wie Fort Knox. Wenigstens mit Panzerglas und Nothammer.

Ich war zwar davon überzeugt, für die Anlagen weder die EDV noch die Datenbank zu benötigen, aber da ich die Chefetage nicht zu einem Test überreden konnte, verliefen die nächsten Stunden einigermaßen entspannt. Mit Computern kann man schlecht arbeiten, wenn die Computer nicht arbeiten.
Dafür wird es leider später um so hektischer, wenn man den ganzen Kram in zwei Stunden erledigen muss, für den man vorher den ganzen Tag Zeit gehabt hätte.

Dass ich das alles so gelassen sehe muss irgend etwas mit dem kommenden Wochenende zu tun haben, oder mit Ray Wylie Hubbard - Crusades Of The Restless Knights.

Mittwoch, 28. September 2011

Stadtansichten: Hamburger Rathaus
















Die Freiheit, die die Alten erwarben, möge die Nachwelt würdig erhalten. Dieser Sinnspruch steht über dem Eingang des Hamburger Rathauses, allerdings lateinisch - und das spricht ja hier kein Mensch mehr. Wahrscheinlich nicht einmal ein Bezirksamtsleiter.
Nun kann ja jeder Freiheit anders interpretieren. Für manchen ist es Freiheit, unter Brücken schlafen zu können, wenn man kein Dach über dem Kopf hat. Recht anspruchslos, doch anderen ist das schon wieder viel zu viel. Die bauen dann Zäune davor und halten das für eine großartige Idee, weil jetzt niemand mehr unter Brücken schlafen muss.

Das ehrwürdige Hamburger Rathaus hat seit der Fertigstellung 1897 schon schlimme Gestalten in seinen Mauern beherbergt, bisher hat es alle überstanden. Einige haben es glücklicherweise nie bis ins Rathaus geschafft, auch wenn sie sich alle Mühe gaben, insofern bin ich recht optimistisch, dass es auch dem Herrn mit dem Zaun nicht glücken wird. Denn hier haben immer noch sehr viele Menschen eine ganz andere Auffassung von Freiheit. In diesem Sinne: Schreiber, hau ab! Und nimm den Scheiß Zaun gleich mit.

Eigentlich sollten das hier nur die Stadtansichten sein, aber das passte zum Thema und musste raus. Noch besser gepasst hätte es vielleicht, wäre der Tag der offenen Tür im Rathaus gerade an diesem Wochenende gewesen, das hätte durchaus spannend werden können. Leider ist das aber schon fast zwei Wochen her, einer dieser Termine, die ich immer im allerletzten Moment wahrnehme. Um 16 Uhr hat man mich gerade noch reingelassen, allerdings ohne meinen Rucksack, die restliche Kameraausrüstung musste draußen bleiben. War nicht weiter tragisch, da man außer einem Weitwinkel kaum etwas brauchen dürfte. Das letzte mal war ich in dem Kasten, als die Grünen in die Bürgerschaft kamen und Georg Danzer gegen Atomkraftwerke sang.
Im Plenarsaal fand eine Bürgerfragestunde statt, mit der Präsidentin der Bürgerschaft und noch ein paar Nasen, wenig interessant. Die Fraktionen verteilten lustige Gimmicks wie Luftballons und Kugelschreiber und eigentlich waren viel zu viele Leute da. Und zu viele Ordner die verhindert haben, dass man für eine bessere Perspektive mal eben über die dicken Absperrkordeln klettert. Mist auch.

Da ich nur noch eine knappe Stunde Zeit hatte, bin ich da mehr oder weniger durchgehetzt. Lohnt sich schon, alles ganz gediegen da. Sogar eine aussterbende Spezies hätte man, quasi in freier Wildbahn, beobachten können. Die FDP ist hier tatsächlich noch im Rathaus vertreten, nicht nur am Tag der offenen Tür. Aber ich bin fast sicher, irgendwann werden sie diesen Tag zu schätzen wissen.

Ich weiß etwas anderes zu schätzen, und zwar Gillian Welch - Revival














Sonntag, 25. September 2011

Ein Stern in der Trabantenstadt














Als ich in Hamburg aufwuchs gab es Norderstedt noch nicht, das wurde erst am 1. Januar 1970 durch den Zusammenschluss von vier Vorstadtgemeinden gegründet. Seither klebt diese Stadt irgendwie am Nordrand Hamburgs. Später habe ich zwar ein paar Jahre noch weiter nördlich gewohnt, aber trotz einiger Freunde aus dieser Ecke bin ich dort nie wirklich rumgekommen. Einen wirklich hervorragenden Griechen gab es mal, aber das ist lange her. Immerhin Segeberger Kennzeichen, besser als PI oder WL. Aber sonst?

Für mich ist Norderstedt immer die Trabantenstadt geblieben, der einzige Grund nach N-Town zu fahren wäre ein Besuch bei Freunden, aber die meisten wohnen dort schon längst nicht mehr.

Nur einem Zufall hab ich es zu verdanken, dass Norderstedt wieder auf meinem Radar aufgetaucht ist. Auf der Suche nach Konzertterminen von  Tish Hinojosa stolperte ich über den Musicstar.
Soso, Norderstedt hat also einen Liveschuppen, kaum zu glauben. Bisher hielt ich die Trabantenstadt für kulturelles Ödland, so kann man sich täuschen. Hab ich auch gleich wieder vergessen, bis vor ein paar Tagen.

Was für ein unglaubliches Glück, dass ich dann doch mal nach der Webseite gesucht habe. Der Laden müsste das reinste Paradies für mich sein. Rod Picott, Anne McCue, Gurf Morlix! Gurf Morlix! Und alles immer schön am Wochenende. Seltsamerweise stehen keine Eintrittspreise auf der Seite, aber die sollte eh mal überarbeitet werden. Sieht fast so aus, als sollte ich in nächster Zeit öfter nach N-Town fahren. Daher war ich auch recht gespannt auf den Laden, wer immer das Booking da macht, der liegt voll auf meiner Wellenlänge.

Und so hab ich tatsächlich mal wieder die Stadtgrenze überquert, direkt am Marktplatz jede Menge freie Parkplätze gefunden und den Musicstar gesucht. Und gesucht. Gesucht. Und gesucht.
Man muss in N-Town einfach in kleineren Maßstäben denken. Aber das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten. Einkaufszentrum Tiefparterre mit Wendeltreppe und Anschluss an die Cafeteria. Eine Bühne, auf der zwar eine Band spielen kann, sofern sie gerne miteinander kuscheln, und ein Zuschauerraum in etwa der gleichen Größe. Drei Reihen Stühle vor der Bühne, mit den drei Stühlen an der Seite zusammen vielleicht 18 Sitzplätze, alle reserviert. Dazu vielleicht 10 Stehplätze, ab 15 wirds enger.

Von den knapp 30 Menschen im Raum sind gleich 5 für Technik zuständig, 3 Videokameras, Mischpult für die Anlage, Bildregie. Der Chef kündigt Rod Picott an, der Chef ist Nummer 6. Das muss Wolfgang sein, der Mann mit dem Musiksachverstand.
Womit hat der Rod Picott hergelockt? Den kennt doch hier kein Mensch, wer guckt sich den an, außer mir? Das offensichtliche Stammpublikum, das Wolfgangs Musikgeschmack vertraut. Alles so in gesetzterem Alter, ich falle nur auf, weil ich der Neue bin. Denn auf die Frage, wer denn heute das erste mal hier wäre, meldet sich außer mir nur noch eine Dame in der ersten Reihe. In der, neben den Kameramännern, auch offensichtlich Familienangehörige der Kameramänner sitzen. Bis in die zweite Reihe, es sei denn, die beiden Damen haben nur den gleichen Friseur. Rotwein und Bier sind die vorherrschenden Getränke, mehr Rotwein bei den Damen.
Bei denen hat Rod nach 5 Minuten schon schwer einen Stein im Brett, entpuppt er sich doch als äußerst sympathischer und unterhaltsamer Charmebolzen, der nach einhelliger Meinung der Mädels auch noch aussieht wie der hübschere Zwillingsbruder von Dr.House. Singen kann er auch besser. Begleitet wird er von Rob van Duuren auf der Pedal Steel, mehr oder weniger improvisiert, sie kennen sich erst seit zwei Tagen. Klappt aber. Ebenso mit dem Mann an der Mundharmonika, der wohl zu den Stammgästen gehört, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Auf jeden Fall war er nebenbei für den CD Verkauf zuständig.
Obwohl ich Rod Picott sehr mag war ich skeptisch, wie immer bei solchen Konzerten. Wenn die Kommunikation mit dem Publikum nicht klappt, dann kann ein Mann mit Gitarre leicht zu einem Langweiler werden, sind die Songs auch noch so gut. Aber hier klappt alles, das ist Bildungsbürgertum, mit denen kann man kommunizieren. Songwriter haben ja häufig ein paar Geschichten zu ihren Songs auf Lager, Dr.House Rod Picott  hat es auch im Nu geschafft alle damit zu fesseln. Charmebolzen halt, obwohl er ja nicht der Typ ist, der lustige Lieder schreibt. Aber eins hat er doch mal geschrieben, das wollte er uns nicht vorenthalten.
Nach zwei Sets a 40 Minuten war der Mann dermaßen durchgeschwitzt, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich. Da half auch nicht der stete Griff zum wunderbar riechenden Handtuch, da konnte er nicht genug von kriegen. In Amerika kennt man scheinbar keine frühlingsfrischen Weichspüler, fragt deutsche Hausfrauen! The hardest sweating man in Showbiz. Er war jahrelang nur die Nummer zwei, aber dann ist James Brown gestorben. Am Ende hätten ihn nach den zwei Zugaben trotzdem alle gerne geknuddelt glaube ich, ganz besonders die Damen.

Ich hab mir lieber meine momentane Lieblingsscheibe signieren lassen. Die ist manchmal richtig traurig, aber wunderschön. Ich hätte mir Still i want you bad wünschen sollen, ich Idiot. Fällt mir jetzt auf.
Kann ich nur jedem empfehlen: Rod Picott - Welding Burns

In der Pause ging ein Sparschwein rum, das Geld bekommt der Künstler. Hochgerechnet könnte er wahrscheinlich nicht mal den Flug davon bezahlen, keine Ahnung wie das geht. Aber ich freu mich, dass sowas geht, dafür zahl ich auch gerne etwas mehr.
Der Laden sieht mich wieder, definitiv. Anne McCue fällt leider aus, aber Gurf Morlix!
Gurf Morlix!
Kennt auch keiner, was? Tja.



Samstag, 24. September 2011

Wo, bitte, geht's zur Demo?
















Vorspiel

Ist es vielleicht möglich, dass ich an einem Heimspieltag mal ausschlafen kann? Sonntagsspiele um 13 Uhr sind dafür so wenig geeignet wie Montagsspiele, bleibt also nur der arbeitsfreie Freitag. Arbeitsfrei heißt natürlich gar nichts, denn ich muss heute zu einer dusseligen Schulung, noch eine Stunde früher als gewohnt. Also bleibt nur das an solchen Tagen übliche Vorhaben eines Mittagsschlafes.
Der wird nach einer Stunde rüde durch Telefonklingeln unterbrochen, kaum das ich weggedämmert bin. Wtf? Wer ruft mich um 14 Uhr an?
"Schönen guten Tag, Herr Beeblebrox, hier ist ihr Kundenberater von Pillemann & Söhne." schallt es mir entgegen. "Wir möchten gerne ihre Meinung wissen zu unserem neuen Webauftritt, wie finden Sie Pillemann 2.0?"
"Mooooment," unterbech ich seinen Redefluss "wer zum Teufel hat Ihnen eigentlich gestattet, mich hier anzurufen und dämliche Fragen zu stellen? Was interessiert mich der Webauftritt von einem Laden, bei dem ich allenfalls mal ein paar Schuhe bestellt habe. Können Sie sich vorstellen, dass ich eventuell andere Dinge zu erledigen habe?"
"Ja, aber, ääähm, ich hab hier Ihre Telefonn.."
Genau. Weil es blöderweise bei der Bestellung erforderlich ist, diese anzugeben. Deswegen hasse ich solche Anmeldungen, nicht ohne Grund. Kein Freifahrschein für Anrufe.
"Schreiben Sie es auf oder geben Sie es in den Rechner ein: Kunde wünscht keine Anrufe. Kunde ist ungehalten und Kunde nimmt grundsätzlich nicht an Umfragen teil." 

Kommt natürlich wie es kommen muss, ich hau mich wieder hin und verpenn prompt. Um 16 Uhr wollte ich im Bus sitzen, nicht aufwachen. Das Gute an Freitagen ist nur, dass die Dinger alle 10 Minuten fahren.
Blieb also noch Zeit für zwei Bierchen in trauter Runde, bevor ich mich auf meinen Platz begab, vor dem Ralle Gunesch und Thees Uhlmann die Taktik noch einmal durchgingen.

Endlich richtig angekommen, wird mir sogleich eine Fahne in seltsam fremden Farben über die Schulter gelegt, ich bin umzingelt. Eine Horde englischer Gentlemen, Fans der Blackburn Rovers, mitsamt ihrem Guide, einem St.Pauli Fan aus Leipzig, unschwer am Dialekt zu erkennen. Der Schwarzmarkt scheint immer noch hervorragend zu funktionieren, aber bei solchen stimmgewaltigen und textsicheren Gästen seh ich mal darüber hinweg, dass ich meine Karte erst mühsam ertauschen musste. Die ersten fast abstinenten Engländer meines Lebens, sie haben sich auf Bier beschränkt und einen Zug aus der Sportzigarette abgelehnt. Ungewöhnlich. Aber laut und gut dabei.

Erste Hälfte

Unkonzentriert. Fehlpässe ohne Ende und kaum zwingende Szenen. Das relativ frühe 1:0 durch Ebbe nach 20 Minuten hat für mehr Ruhe gesorgt als gut tat, danach ging kaum noch was nach vorne. Ein zweiter Treffer vor der Pause wäre dringend nötig gewesen, denn Aue war immer dran, die haben nie aufgesteckt.
Wir wollen spielen, die wollen kämpfen. Kämpfen klappt besser. Die Engländer singen fleißig mit, bringt aber nichts ein. Wird schon werden, in der zweiten Hälfte mehr Dampf machen, auch auf den Rängen. Wir sind Sankt Pauli.

Halbzeit

Ich will mich grad aufmachen um ein Bier zu holen, da entdeck ich meinen Nachbarn aus dem Spiel gegen Münschen, der einen Vorrat dabei hat und mir den Weg erspart. Gegengerade rockt. Nach ein wenig Spielanalyse kommt das Thema irgendwann auf  Markus Schreiber und die geplante Demo gegen den selbsternannten Großinquisitor von Hamburg City. Dabei lerne ich jemanden kennen, der als Sozialarbeiter schon das Vergnügen von Podiumsdiskussionen mit dem Herrn hatte und von vielen peinlichen Momenten des Markus S. zu berichten wusste. Meine Menschenkenntnis hat mich noch nie im Stich gelassen, ich erkenne einen Vollpfosten, schon vor seinen Taten.

Zweite Hälfte

Endlich wach? Nein, Aue fängt stark an. Verdammt, ich steh hier, weil ich in der zweiten Halbzeit Action sehen will. Vor meinen Augen, nicht in der anderen Hälfte. Wenn wir ne Chance haben wird die verdaddelt, keiner, der mal aus der zweiten Reihe abzieht, nichts. Dafür spielt Ralle inzwischen, weil Schachten immer noch an seiner Erkältung laboriert. Zehn Minuten später noch ein Wechsel, und der ist mal richtig Scheiße. Lasse Sobiech muss verletzt raus, für ihn kommt Funk. Dem hätt ich auch ein angenehmeres Debüt gewünscht.
Kurz danach der Ausgleich durch nen Konter, was für'n Dreck. Im Stadion wird es lauter, aber unsere Chancen werden verspielt, Finn hätte das 2:1 machen müssen. Dafür kassieren wir den Treffer, wieder nach nem Konter, 1:2. Das wird nix mehr hier, nach vorne geht zu wenig. Schubert reagiert einzig folgerichtig und bringt mit Saglik noch einen Stürmer, Bruns muss raus.
Das hätte beinahe geklappt, Saglik spielt Ebbers im Strafraum an, der ist frei vorm Kasten und schießt den Torwart an. Waaaaaas für eine Scheiße, das wird hier echt nix mehr. Dafür holt mein Nachbar noch ein paar Bierchen als Nachschub, Stimme ölen.
Aber alles anfeuern hilft nicht, noch ein Konter, 1:3. Vielleicht ein Dämpfer zur rechten Zeit, wir sind nicht unschlagbar. Nur am Millerntor hätte es nicht sein müssen. Die letzten 5 Minuten ist nochmal alles laut, aber das 2:3 durch Finn in der Nachspielzeit war nur noch Kosmetik.
War nicht unverdient für Aue, die waren gut eingestellt, haben mehr investiert, die hatten keinen Bock hier zu verlieren, nur weil alle das erwartet haben. Die haben dagegen gehalten und da muss von uns einfach mehr kommen. Düsseldorf ist ein anderes Kaliber.

Bis dahin ist hoffentlich der einzig Schuldige an dem Drama wieder in Hamburg und kann seinen Becher knipsen.

Nachspiel

Über den Bezirksamtsleiter Mitte, Herrn Markus Schreiber, habe ich vor einigen Tagen schon ein paar Worte verloren, inzwischen hat der Mann scheinbar völlig den Verstand verloren. Nach künstlichen Bachläufen und Findlingen soll jetzt ein Stahlzaun die Obdachlosen von ihrem Lager unter der Kersten-Miles-Brücke fernhalten. Hat der Herr mal eben so entschieden und aufbauen lassen, aus Steuergeldern. Das erforderte eine eindeutige Stellungnahme, auch meinerseits. Demoaufruf mehrerer Fanclubs, nach dem Spiel auf dem Vorplatz Südtribüne.
Da hab ich erst einmal nichts gefunden, außer Shoppern vor dem Fanshop, also zurück zur Gegengerade. Nichts mit Demo. Wo zum Teufel soll der Vorplatz Südtribüne sein, wenn nicht vor der Südtribüne? Auf dem Weg zur Budapester runter treffe ich auf eine Roboterarmee, in Dreierreihe am Straßenrand stehend, bestimmt 100 Meter lang. Schockierend, sieht aus wie bei Star Wars kurz vor der Invasion.

Ich entschließe mich, mit dem vordersten Roboter ein paar Worte zu wechseln. "Ich würde gerne mein Missfallen als Bürger dieser Stadt kundgeben. Wo, bitte, gehts denn hier zur Demo?"
"Immer geradeaus, die Straße runter" antwortet er freundlich, "Sie können es gar nicht verfehlen."
Ein paar hundert Meter weiter treffe ich dann tatsächlich auf eine nicht unerhebliche Menge Menschen, die dem Herrn Schreiber ein paar unfreundliche Worte an den Kopf werfen wollen.

Roboterarmee und Demozug standen sich dort eine ganze Weile gegenüber, begleitet von antifaschistischem Liedgut, fröhlichen "Haut ab! Haut ab!" Aufforderungen und "Wir sind St.Pauli - Scheiß Polizei" Klarstellungen. Als dann das Zeckenlied erklang quittierte der Roboter vor mir das mit einem verständnislosen Kopfschütteln, was mich zu einem "Wat denn? Einfach mal Solidarität zeigen mit denen, die wirklich unter Brücken schlafen müssen." hinreißen ließ. Mir schien fast, als hätte er danach für ein paar Sekunden nachgedacht, aber ich kann mich auch täuschen.

Hinter mir schien sich kurz darauf eine Art Aushilfsradiomoderatorin aufzuhalten, die den Text der Transparente laut in ein Mikro brüllte.
"Zäune einreißen! Ja, einreißen. Zäune. Für die kollektive äääh  Eignung nee Aneignung ääääh.."  "öffentlicher Räume" helfe ich ihr aus, und bemerke erst beim Schulterblick, dass es sich um einen weiblichen Roboter mit Headset handelt. Meine Hilfe ist anscheinend nicht gewollt, denn urplötzlich ist sie verschwunden.
Der Zug setzte sich irgendwann in Bewegung und ich beschloss mich einzureihen, einmal durchs Viertel, Schreiber abschreiben. Bestimmt meine erste Demo seit 10 oder mehr Jahren, aber das war nötig.
Hoffentlich hilft es, der Vogel geht mir derbe auf den Sender.
Und hoffentlich ist es friedlich geblieben. Die Roboterarmee war zwar recht imposant, aber ohne Boller haben sie keine Chance.

Ansonsten: Auswärtssieg. Und Beginner - Blast Action Heroes

Mittwoch, 21. September 2011

Schlemmen mit Handicap
















Heute morgen marschiert jemand ins Büro, als ich mir gerade meine Frühstücksportion Kinderbrei in der Mikrowelle warm mache. "Ich hab mal wieder was zu verschenken" höre ich ihn sagen. Super, Deputatware, hat mal wieder jemand ein paar Kartons fallen lassen im Lager. Gleich mal gucken was er so anschleppt.
Sonnenblumenöl, leider aromatisiert, Essig mit Passionsfruchtsaft, lauter Zeugs, das ich nicht anrühre. "Kräuter gibts aber auch ein paar Dosen" sagt er, "gefriergetrocknet, Dill, Petersilie, Schnittlauch, so lange der Vorrat reicht."
"Schnittlauch? Wenn Du noch ein paar Eier besorgst nehm ich Dir ne Dose ab" entgegne ich noch - und in diesem Moment fällt mir siedendheiß die Lösung meiner Probleme ein. Rührei! Verdammt, warum bin ich da nicht früher drauf gekommen. Da überleg ich seit Tagen, mit welchen Beilagen man schnödes Kartoffelpü irgendwie interessanter machen kann, aber auf Rührei bin ich nicht gekommen. Dabei kann man das auch für Zahnkranke abwechslungsreich gestalten, mit Tomaten, Kräutern, Nordseekrabben, Paprika, Zwiebeln etc pp.
Wahrscheinlich hängt mir Rührei nach spätestens drei Tagen trotzdem zum Hals raus, aber drei Tage sind in meinem Zustand ein enormer Zeitgewinn. Suppe kotzt mich langsam mächtig an, von Babynahrung ganz zu schweigen. Rührei, das klingt wenigstens halbwegs wie "feste Nahrung" - nicht ganz verkehrt wenn ich an Freitag denke, denn spätestens zum Heimspiel gegen Erzgebirge Aua muss die Flüssignahrung wieder auf Bier umgestellt werden, wenigstens für ein paar Stunden.
Rührei könnte eine Grundlage sein. Wie gut, dass ich kein Vegetarier bin.

Derweil bleibt mir nur die Hoffnung auf heitere Tage mit JJ Grey & Mofro - Brighter Days.

Sonntag, 18. September 2011

Schachmatt
















Das ist echte Folter, wenn man am offenen Fenster sitzt und einem köstliche Gerüche aus der nachbarschaftlichen Küche um die Nase wehen. Wenn Frau S. am Herd steht, dann riecht es hier immer wie früher bei Muttern. Seit die Abluft ihrer Dunstabzugshaube nach draußen geleitet wird bekomme ich haarklein mit, was Herr S. täglich auf den Tisch bekommt, die Crème de la Crème der deutschen Hausmannskost, mindestens. So manches mal war ich schon versucht zu klingeln und mich ganz unverschämt selber zum Essen einzuladen. Gerade heute ist das wieder mal gemein, so gemein, hundsgemein, denn ich bin immer noch schachmatt, bekomme immer noch nichts runter außer Suppe und Pudding, und das auch nur sehr vorsichtig.

Hilft auch wenig, wenn man sich aus dem oberen Preissegment so Zeugs wie Hummercremesuppe aussucht, Dosenfraß macht keinen Spaß. Und wenn die Heilung weiter so "zügig" fortschreitet werde ich mir wohl noch einige der Dosen mit in die Firma nehmen müssen.
Hätte ich einen Job als Vorkoster, könnte ich mich wenigstens guten Gewissens krankschreiben lassen.