Mittwoch, 10. August 2011

Schöner wohnen am Stadtrand














Der Bezirksamtsleiter in Hamburg Mitte versucht momentan durch bauliche Maßnahmen, Obdachlose aus der Stadt zu verbannen. Sie behelligen angeblich die Passanten, stören zumindest jedoch das Stadtbild, was nicht gerade förderlich ist für den Tourismus - und auf den wird hier viel Wert gelegt.
Während die Schlafplätze unter der Kersten-Miles-Brücke durch Findlinge und künstlich angelegte Regenabläufe verknappt werden, hat scheinbar schon einer die Konsequenzen gezogen und seine Habseligkeiten an den Stadtrand geschafft, wo er seit mindestens drei Tagen sein Domizil aufgeschlagen hat. Im Niemandsland zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist die Chance möglicherweise höher, von der Staatsmacht unbehelligt zu bleiben.

Vor Regen vollständig ungeschützt direkt neben einer Hauptstraße zu kampieren ist vielleicht nicht die geschickteste Wahl, aber die logistische Meisterleistung, zwei überfüllte Einkaufswagen, vollgepackt wie eine Eisenbahn in Pakistan, halbwegs unfallfrei an diese Stelle zu bewegen, nötigt mir allerhöchsten Respekt ab.

Seitdem überlege ich, ob ich Bezirksamtsleiter Markus Schreiber ein paar Vorschläge machen sollte. Zum Beispiel den, ein paar provisorische Brücken weiter außerhalb der Stadt bauen zu lassen. Kostet auch nicht mehr als der Schwachsinn an der Kersten-Miles-Brücke und ist ein prima Regenschutz, vielleicht kommen die anderen dann freiwillig hinterher, hier stören sie auch niemanden.
Mich haben sie in der Stadt schon nicht behelligt, obwohl ich da häufiger parke, aber das hielt ich von vornherein für ein Ammenmärchen, mit dem Herr Schreiber mal wieder in de Presse wollte. Das schlechte Nachrichten besser sind als gar keine Nachrichten gilt aber nur fürs Showgeschäft, nicht für die Politik.

Das muss er noch lernen, wenn er irgendwann tatsächlich mehr werden will als Bezirksamtschef. Was der Himmel verhüten möge.

Schreibmusik: Ry Cooder - Get Rhythm

Kommentare:

  1. Schreiber hält seine Visage seit Jahren in jede erdenkliche Kamera weil er sich mehr Popularität für seine angesterbte Karriere erhofft. Bei mir ist er dadurch immer unpopulärer geworden.

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  2. angestrebte angestrebte angestrebte

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  3. Geht mir ebenso, wenn irgendwo eine öffentliche Toilette eingeweiht wird und die Presse dabei ist schneidet Schreiber garantiert das Band zur Pinkelrinne durch. Der Typ nervt mich seit Jahren, nach seiner letzten Aktion ist er vollends unten durch.

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  4. Ich kenne Herrn Schreiber nicht. Aber das mit den Obdachlosen hätte hier auch passieren können. Es heißt ja, hier gäbe es genug Unterkünfte, wo die nachts hin könnten. Sicher bin ich mir da nicht. Jedenfalls sieht man sie kaum noch im Stadtbild... seit diese komplett kameraüberwacht ist

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  5. Das passiert schätzungsweise in jeder größeren Stadt, denn Obdachlose stören das Stadtbild, jedenfalls in den Augen der (meisten) Politiker, die Vertreibung wohl für die kostengünstigste Maßnahme halten. Unterkünfte gibt es hier angeblich auch genug, nur werden die am Tage geschlossen und in der Nacht sind sie nicht sehr beliebt, weil da viel geklaut wird.

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