Samstag, 27. August 2011

Schlammschlacht reloaded














Als ich heute Morgen die Augen aufschlug lachte mich allerfeinstes Festivalwetter an. Trocken, sonnig, fast schon zu warm für Open Air, aber dafür gibt es ja passende Kleidung. Also machte ich mich ein paar Stunden später hoffnungsfroh in kurzen Hosen und T-Shirt auf den Weg. Unterwegs schnell noch ein paar Kalbsbratwürste für den Grill holen, der sicher schon aufgebaut war.
Die Herrschaften in der Wagenburg machten einen sehr entspannten Eindruck, da waren schon einige Flaschen geleert, auf nüchternen Magen, nichts mit aufgebautem Grill. Da der Gang zum Festivalgelände demnächst bevorstand war Eile geboten, Feuerstelle anheizen, Würstchen drauf, wenden, Würstchen runter, rein und wegspülen.    
Nicht schnell genug, das seit dem letztem Wutzrock gefürchtete Schlam(m)assel drohte inzwischen am Horizont mit dunklen Wolkenbergen und feister Illumination. Bevor die letzte Wurst verschlungen war tobten schon die ersten Windböen durch Zeltreihen und Pavillons, gefolgt von gut gemeinten Warnungen, man möge doch den überflüssigen Sonnenschutz besser abbauen, bevor der angekündigte Sturm das erledigt.
Da unsere Konstruktion zwischen den beiden Bussen gut verankert war, haben wir selbstverständlich nicht im Traum daran gedacht die Warnungen zu beherzigen, denn Sonnenschutz ist im Allgemeinen auch ein tauglicher Regenschutz. Und der war bitter nötig, denn die Gewitterfront hatte reichlich Wasser mitgebracht. 

So saßen wir dann in gemütlicher Runde weiter zusammen, nach den Erfahrungen beim Pukkelpop in Belgien ist man auch hierzulande vorsichtiger geworden, die Auftritte der Bands wurden verschoben, Kunstpause. Die genutzt wurde um Wutzrocktorte, Knabberkram und weitere Getränke zu sich zu nehmen, kann ja nicht ewig dauern so ein Gewitter.

Lange genug allerdings, um einen großen Teil des Geländes wieder in eine Schlammwüste zu verwandeln, für die ich nicht das richtige Schuhwerk besaß. Lange genug, um den Auftritt von Slime auf "irgendwann gegen 1" zu verlegen und lange genug, um den Exilwestfalen mit Slivovic, Wodka und furchtbarem finnischen Salmiakki abzufüllen.

Nachdem Herr H. während einer zehnminütigen Regenpause hibbelig zum Aufbruch in Richtung Bühne drängte (ich will Die Rakede sehn, die spielen bestimmt schon. Die Rakede, Die Rakede), erklärte der Exilwestfale seinen Tag für beendet. Ein weiser Entschluss, den ich ihm in diesem Zustand überhaupt nicht mehr zugetraut hätte, aber diese Mischung diverser Alkoholika war wohl am sichersten liegend zu verarbeiten.

Die Rakede aus Köln stand auch wahrhaftig schon auf der Bühne, konnte mich allerdings nicht wirklich begeistern, was zum Teil an der Musik lag, zum Teil auch an meinem Zustand. Weste und Shirt waren am Rücken durchnässt und blöderweise habe ich, trotz Taschenlampe, ein Schlammloch auf dem Weg übersehen, was mir zusätzlich nasse Füße bescherte. Das verkürzte Programm war gerade ausreichend für ein Kaltgetränk und ein paar Fotos, der kurz darauf wieder einsetzende Regen trieb uns dann zur Wagenburg zurück, mit Ausnahme vom Herrn A.aus N. - und dem Herrn H., der auf keinen Fall Slime verpassen wollte. Auf gaaaar keinen Fall.

Wäre ich jetzt gemein und wäre ich F*c*book, vallah, dann würde ich die Bilder seiner "triumphalen" Rückkehr nach 30 Minuten Pogo in der Matschpit veröffentlichen. Das SchlammAssel T-Shirt aus dem letzten Jahr wird mich für immer an diesen Anblick erinnern. Glücklicherweise konnten wir ihn mit vereinten Kräften davon überzeugen, dass ein Bad in der Elbe bei Dunkelheit, in Verbindung mit zu viel Adrenalin und Alkohol, seiner Gesundheit ganz sicher abträglich wäre.
Herr A. hat sich dann erbarmt und ihn mit der Gießkanne gesäubert. Großartig! Für solche Momente geht man schließlich auf ein Open Air, Slime kann ich immer noch mal sehen.
Ich bin zwar langsam zu alt für diesen Scheiß, aber es ist immer wieder herzerfrischend zu sehen, wenn andere den Scheiß übernehmen.

Jetzt hoffe ich auf den nächsten Tag. Sonne ist mir egal, aber trocken bitte. Ich will Rainer von Vielen nicht verpassen. Auf gaaaar keinen Fall.

Auf keinen Fall verpassen werde ich auch das nächste Konzert von Wirtz - Akustik Voodoo






Kommentare:

  1. Sehr unterhaltsamer und amüsanter Bericht, der - vorgelesen - allerdings nicht den gewünschten Effekt bei der neben mir liegenden M. hatte. Sie ist schon selig davongesegelt... und bittet um Bescheid, ob am Sonntag, den 4.9. gegen Abend das griechische Buffet gegen ein chinesisches Essen eingetauscht werden könnte; unter Abholung vom Flughafen, versteht sich. Ankunft voraussichtlich 18.10 h.

    AntwortenLöschen
  2. Falls ich die Wahl hätte würde ich mich eher für meinen Stammgriechen entscheiden, aber wie auch immer, nach 2 Wochen in Griechenland hätte ich vielleicht auch die Nase voll.
    Flughafen geht klar.

    AntwortenLöschen
  3. χαίρομαι γι' αυτό!

    AntwortenLöschen