Sonntag, 23. Oktober 2022

Ackerbonbons

 









Man kann ganz wunderbar Suppe aus diesen Dingern machen, die noch viel wunderbarer schmeckt wenn man sie mit Tomaten, Ingwer, Karotten, Süßkartoffeln und anderen Dingen verbessert. chefkoch.de kennt weit über 2000 Rezepte für Kürbissuppe und noch einmal fast 400 für Kürbiskuchen, das sind dann wohl die Haupteinsatzgebiete. In kleine Würfel geschnitten kann man das Fleisch auch süß-sauer einlegen und dann schmeckt das sogar halbwegs. Außerdem machen sich die Kerne gut auf allerhand Backwaren, oder als Kürbiskernöl - und wer das Zeug gar nicht essen mag kann sich Laternen daraus schnitzen. Fast alles sinnvolle Verwendungen.

Aber wenn man sehr sehr viele Kürbisse hat und keine Lust mehr auf Suppe, kann man damit natürlich auch Pyramiden bauen und sie dekorativ im Garten verteilen, damit vorbeifahrende Touristen anlocken und ihnen Kürbisse verkaufen, oder wenigstens Kürbiswaffeln mit Schlagsahne.

Der Andrang hielt sich allerdings in Grenzen, hoffentlich taugt der Rest wenigstens als Viehfutter.  


Fotos dazu: Nikon D7200

Musik dazu: Rachid Taha - Diwân / Diwân 2 

 



 

Samstag, 15. Oktober 2022

Feuer im Kessel

 









 

Also ich hätte Etienne einfach laufen gelassen, statt eine rote Karte zu riskieren. Schließlich besteht bei Amenyido immer noch eine gut neunzigprozentige Chance, dass er den verstolpert und dem Torwart dabei in die Arme fällt. Hat Schonlau wohl nicht gewusst, da muss man halt auch in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob man schon duschen gehen will. Ein Jubel im Stadion, als wären wir gerade in Führung gegangen und ich denk noch, gegen zehn wird's jetzt bestimmt NOCH schwerer und Unterzahlspiel isses auch nicht, weil wir mit Matanovic auf dem Platz auch immer nur zehn sind.

Dabei sahen wir bisher eigentlich schon gegen elf Rauten ziemlich gut aus. Also, so richtig gut. So nicht-zu-glauben-gut. 1910 Derbystyle. Was man sich vorher gewünscht hätte, aber nicht zu fragen wagte, eine Mannschaft mit Herz, Leidenschaft und endlich auch mal mit der nötigen Portion Glück, zumindest in der zweiten Hälfte.

Wer hätte das vor dem Spiel für möglich gehalten? Diese Stolpertruppe, die seit Wochen nichts auf die Kette kriegt, haut den Tabellenführer und Stadtrivalen mal eben, verdient, mit 3:0 aus dem Stadion und holt sich die Stadtmeisterschaft zurück. Hätte den Rauten sogar eine richtige Packung mitgeben können. Und weil der DFB Pokal uns ja sowieso egal ist, hab ich jetzt mindestens eine Woche das Grinsen im Gesicht und die leise Hoffnung, das in Bielefeld weiter ausbauen zu können.

Das wäre nicht ganz unwichtig, so schön eine Stadtmeisterschaft auch ist.

Was sonst noch gut war:

Afeez again! Wieder überall dabei und mitten drin wird der langsam unverzichtbar.

Manolis! Macht bestimmt keinen Spaß gegen den zu spielen und das ist auch gut so.

Mario Vušković. Man kann einem Gegenspieler auch schon mal bei schlimmen Wadenkrämpfen helfen, vor allem wenn's bei der eigenen Mannschaft gerade keinen interessiert.

Choreo dem Ereignis angemessen, auf beiden Seiten viel nette Lichter und Stellingen sogar ohne Schreibfehler, muss man ja auch mal erwähnen.

Was eher nicht so gut war:

Feuerwerk auf Rasen ist kacke, aber bei einem hohen Anteil von Hohlbirnen leider zu erwarten.

Für ein Derby mit dem Ergebnis hätte die Hütte nicht nur bei den Pyromanen brennen müssen, aber ohne Vollbier singt Sankt Pauli nicht.

Was ich recht seltsam fand, um es mal vorsichtig auszudrücken:

Alles schubst, drängelt und meckert am Mittelkreis rum, beide Torhüter, die am Mittelkreis nichts zu suchen haben, bekommen die gelbe Karte und der Spieler, um den es eigentlich geht, liegt minutenlang allein verletzt im 16er rum und wartet auf die Betreuer? Prioritäten irgendwo?

Was so richtig scheiße war:

Die Hamburger Polizei, oder die Hilfsprügeltrolle aus den schwarzen Fahrzeugen (ist das der neue Darth Vader Style?), oder beide, was durchaus möglich ist bei der Besetzung hier. Wäre Olaf noch Bürgermeister hätte es sicher keine Polizeigewalt gegeben, aber hier gibt es doch ziemlich "handfeste" Beweise. Und wie immer werden wir alle hoffen, dass es Konsequenzen gibt und wie immer werden wir enttäuscht werden. 

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Hamburger SV, Endstand 3:0

Tore dazu: Eric Smith (61.), Marcel Hartel (74.), David Otto (89.) 

Links dazu: Stadtderby Feuerwerk by Groeni, Hamburg ist braun-weiß sagt der Millernton

Musik dazu: Wolf Alice - My Love Is Cool

 

















 

Sonntag, 2. Oktober 2022

Überall ist Meckerecke

 










Einer hat Corona, ein anderer muss gerade beim Umzug helfen und der Oberoptimist hat seinen Bus verpasst und darf sich in die endlosen Schlangen vorm Stadion einreihen. Frühzeitiges Erscheinen hat was, nämlich Zeit genug für ein frisch gezapftes bierähnliches Getränk, die Stadionzeitung und einen Tweet über meine Gefühlslage.






Das ist die Hoffnung, denn eigentlich ist unsere Defensive ja relativ stabil, wären da nicht diese fatalen Aussetzer ab und zu, die uns schon so manchen Punkt gekostet haben. Und ohne Jackson und Paqa fragt man sich halt, wer bei uns für Torgefahr sorgen soll. Ein 4:3 ist also eher nicht zu erwarten, da würd ich doch lieber ein torloses Unentschieden mitnehmen, als kleineres Übel, bevor die uns die Hütte vollhauen. So weit ist es schon gekommen, nach beinahe zwei Jahren mit teilweise grandiosen Heimspielen also wieder das alte Sankt Pauli Gefühl, Hauptsache nicht auf die Fresse, muss man sich auch erst dran gewöhnen.

Schulle sieht das wohl ähnlich und verstärkt die Defensive, Doppelsechs mit Eric und Afeez. Ritzka spielt für den verletzten Paqarada und in den ersten 15 Minuten sieht das alles gar nicht mal so gut aus. Mein Nachbar legt sich fest, Zander ist der Sündenbock, seine Abspiele sind eine Katastrophe, seine Ballannahme schlimm und überhaupt, Zander, ey, was macht Zander schon wieder. Was ist denn das für eine Spieleröffnung? ZANDER! EY!

Die Aufstellung hab ich zwar nicht mitbekommen, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Zander gar nicht auf dem Platz steht. Seit die 11 nicht mehr als Erkennungsmerkmal für den Linksaußen taugt und jeder Holzfuß mit einer 10 auf dem Rücken rumlaufen darf, hab ich mir Rückennummern nicht mehr gemerkt, aber Gesichter erkennen kann ich von hier oben noch gut. Letztlich kann ich David Nemeth als Sündenbock identifizieren und Luca rehabilitieren, das Gemecker hört für einen kurzen Zeitraum auf, weil wir langsam die Spielkontrolle übernehmen, setzt dann wieder ein, weil wir die Kugel einfach nicht in den Kasten kriegen, wobei "wir" hauptsächlich Eggestein und Amenyido sind, die sich als unglaubliche Ballverstolperer erweisen und diesmal kann ich leider keinen von beiden in Schutz nehmen.

Heidenheim erscheint mir trotzdem auf einmal schlagbar und vielleicht wären sie das auch gewesen, hätten sie in Unterzahl weiterspielen müssen, nach dem Foul an Saliakas. Hat nochmal für etwas Feuer auf den Rängen gesorgt und Schulle eine gelbe Karte, für was kann man sich denken. 

Zum Glück für David Nemeth spielen wir in der zweiten Hälfte auf die Süd, weshalb jetzt unsere Offensivkräfte mehr im Fokus stehen. Pech für Amenyido und Eggestein, die weiterhin mehr für Slapstick als für Torgefahr sorgen und kaum kommt mit Daschi mal etwas Schwung in die Partie ist auch das Minuten später wieder vorbei. Das ist eines dieser total ätzenden Spiele, bei denen man noch eine Stunde so weiterspielen kann ohne das ein Tor fällt, aber genau weiß, dass der Gegner nur eine verf##te kleine Chance braucht um dich mitten ins Herz zu treffen, am besten 90+4.

Tja und dann hat ausgerechnet Matanovic diese Chance, 90+3 oder so. Aber ist halt Matanovic, selbst wenn er mal was richtig macht, es ist immer noch ein Bein zwischen ihm und dem Tor.

11 von 40. Bitte 3 in Braunschweig. Ist nötig.

 

Was sonst noch gut war:

Support für Samstag 2030 sehr angemessen, Spiel nicht so. Stimme war weg und das ist gut so.

Blindenfußballer abfeiern! Meisterschalen und Pokale sammeln!

Afeez! Großartiges Spiel. Seine Verletzung hoffentlich nicht schwer, auf jeden Fall absolut unnötig, wenn der Pass nicht schlampig kommt muss er da nicht so reingehen. So etwas regt mich mehr auf als David Nemeth.

Lars Ritzka guter Junge. Kein Paqarada, aber das war auch nicht zu erwarten.

Was sonst noch schlecht war:

Unsere Standards gaben auch mal mehr Anlass zur Hoffnung.

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - 1.FC Heidenheim, Endstand 0:0 

Musik dazu: Eddie Vedder - Earthling

Links dazu: Umkämpftes Unentschieden von Groeni, Ein Tor lag in der Luft von KleinerTod und Großer K(r)ampf vom Millernton














Montag, 26. September 2022

Platzregenbogen

 









Bekanntlich gibt es in Hamburg eine Stelle, an der es IMMER regnet, selbst in der Hitzewellenperiode (früher: Sommer), was aber an dieser Stelle niemanden stört. Dafür kann man hier, zumindest bei Sonnenschein, auch fast immer einen Regenbogen sehen. Oder zumindest einen Anschein davon 😊.  

Sehr viel bunter wird es dieses Jahr wohl auch nicht mehr.

Fotos dazu: Alsterfontäne / Nikon D7200

Musik dazu: Lucas Niggli & Matthias Loibner - Still Storm





Sonntag, 11. September 2022

Sonntagsmittagsschlaf

 










Die halbe Nacht nicht richtig pennen können, um neun wach werden wenn der Wecker auf zehn steht, natürlich ist man da gerädert, aber immerhin bleibt so Zeit für ein vernünftiges Frühstück. Im Telegrammkanal die erste Absage, der Skipper ist nicht fit genug für's Stadion. Meine Knochen sagen ähnliches und wenn man nicht ausgerechnet heute einen autofreien Heimspieltag ausgerufen hätte, ich würde die Karre nehmen. Wieder ins Bett gehen wäre eine Alternative, die mir kurz in den Sinn kommt, aber ich hab in den letzten Jahren einfach auf zu viele Spiele verzichten müssen, als dass so etwas ernsthaft in Betracht käme.

Folglich quäle ich mich brav solidarisch mit dem ÖPNV durch die Gegend, bewundere die vielen Autos, die vor der Gegengerade stehen und denke mir, was für ein solidarischer Vollpfosten ich bin, weil meine Arthrose gerade deutlich auf die Solidarität scheißt. 

Und als wäre das nicht alles schon schlimm genug, muss man dann noch ein mittelmäßiges Spiel zweier mittelmäßiger Zweitligisten ertragen. 

Man mag es kaum glauben, aber wenn der Millernton von 25:7 Torschüssen schreibt wird es wohl stimmen. Die Hälfte davon hab ich wohl verpasst als ich pinkeln war, oder das Querpassvorunzurückfestival hat uns alle so eingelullt, dass wir etwaige Highlights schlicht verdrängt haben. Ganz kurz hatte ich den Verdacht, dass Kauczinski wieder auf der Bank sitzt, doch der blonde Haarschopf unseres Cheftaktikers sprach dagegen. Immerhin hat das lustlose Gedaddel nach fast 40 Minuten auch die Sandmänner in einen kurzen Mittagsschlaf versetzt und Jackson Irvine damit (wieder einmal) ein wunderschönes Kopfballtor ermöglicht. Herr der Lüfte. Erwecker des Stadions. Wer, wenn nicht er?

Das ist auch die Frage in der zweiten Halbzeit und weil die nicht zufriedenstellend gelöst wird machen wir das, was wir zur Zeit wirklich am besten überhaupt können: den gleichen dämlichen Fehler innerhalb weniger Minuten wiederholen. Wobei wir wie schon gegen Paderborn das Glück haben, dass der nur einmal bestraft wird. Reicht aber völlig um den Tag endgültig zu versauen, denn 70% Ballbesitz machen nur Spaß, wenn man mit dem Ding auch was anfangen kann und will.

 

Was sonst noch gut war:

Awarenesssammelaktion vor dem Spiel, das sah schon ganz gut aus in dem Eimer. Endlich ist auch mal jemand so clever und steht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hab zwar keinen Plan was die mit der Kohle vorhaben, aber kann ja nix schlechtes sein und es schmerzt wenigstens nicht in den Knien, also gute Soli.


Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St. Pauli - SV Sandhausen, Endstand 1:1

Tore dazu: Jackson Irvine (38.) David Kinsombi (71.)

Musik dazu: Ludovic Navarre/St.Germain - From Detroit to St.Germain

Links dazu: Torverhältnis versaut von Stefan Groenveld

 

 









 

 


Mittwoch, 31. August 2022

Altonafrikanische Frauenpower

 









Besuch ist anstrengend, Besuch will was erleben. Schließlich sind wir hier in einer Weltstadt, da wird es doch sicherlich etwas zu erleben geben, am besten mit Livemusik an der frischen Luft und angemessener Versorgung mit Kaltgetränken und anderen Leckereien. Irgend eine Art Festival vielleicht.

Besuch kann googeln und findet die Alafia, das 20. Afrikafestival, von Freitag bis Sonntag in der Großen Bergstraße in Altona. Das hatte ich durch zwei Jahre Coronazwangspause überhaupt nicht mehr auf dem Schirm, bin allerdings auch semi-begeistert von der Idee, weil dieses Festival einfach eine bessere Umgebung verdient hätte als diese öde Einkaufsmeile. 

Eine Bühne plus vielleicht fünfzehn Buden mit Klamotten, Kokosnüssen, Kochbananen und Krokodilburgern, das würde auch locker auf den Platz der Republik passen, der Grünstreifen wird schließlich bei der Altonale auch genutzt. Warum die Alafia immer zwischen Ikea und abgeranzten Versicherungsbüros stattfinden muss ist mir ein Rätsel und sollte dringend geändert werden.

Um wenigstens den Ikeakunden aus dem Weg zu gehen, entscheiden wir uns für den Sonntag. Die letzten zwei Bands spielen zu altherrenfreundlicher Anstoßzeit um 16 und um 18 Uhr, dazwischen bleibt bestimmt noch Zeit für totes Tier in scharfer Erdnusssauce oder etwas ähnlich exotisches. 

Das läuft natürlich nicht ganz so wie geplant, weil man sich für Fotos rechtzeitig anständige Plätze sichern muss, am besten bevor überhaupt jemand auf der Bühne steht. Danach gilt es, den überaus langen und anstrengenden Soundcheck zu überstehen und noch bevor die Band ihre ersten sauberen Takte spielt ist man schon wieder eine anstrengende Stunde auf den Beinen, fast wie früher beim Fußball.

Noch anstrengender wird es, wenn man nicht einfach einen Haufen Fotos schießen und wieder abhauen kann, weil die Musik gefällt. Das ist sowohl bei Rama N'Goni aus Burkina Faso, als auch bei Habyba aus Ghana der Fall, also bleibt zwischendurch gerade mal Zeit für eine mit diversen Schnäpsen und Säften gefüllte Kokosnuss. 

Für Krokodilburger fährt da ja auch ernsthaft keiner hin.


Fotos dazu: Alafia22, Rama N'Goni & Band, Habyba & Band - Nikon D7200

Musik dazu: Tinariwen - Live in Paris