Donnerstag, 19. März 2015

Fischmarkt ist für Fisch
















Die Große Elbstraße ist die Hamburger Fischstraße Nummer 1, hier gibt es alles, von Sprotte bis Scampi, vom Matjesbrötchen auf die Hand bis zum Hummerbrötchen bei Hummer Pedersen, vom Klebereisröllchenlachs bei Henssler & Henssler bis zum Thunfischpfeffersteak in Kowalkes Fischereihafenrestaurant. Aal und Auster, Lachs und Lobster, Heil- oder Kaputtbutt, was immer man dem Meer an Schätzen entwenden kann ist hier käuflich zu erwerben. Nur den besten Backfisch der Stadt, den gibt es ganz woanders...

Leider sind die Schlangen hier bei Ausflugswetter nicht nur vor den Eisbuden unglaublich lang, auch die Fischbrötchenverkäufer haben mit erhöhtem Publikumsverkehr zu kämpfen. Eiserne Regel: Wenn Menschen bis auf die Straße stehen, unbedingt einen Blick in den Laden werfen, der Tresen kann im Fischgroßhandel durchaus noch ein paar Meter weiter entfernt sein als gedacht.

Eine halbe Stunde anstehen um 13.50 für ein Hummerbrötchen zu latzen? Eher nicht. Die Alternative bietet zudem eine Möglichkeit, der Currywursttestreihe eine weitere Folge hinzuzufügen. Gourmet Hofladen hört sich gut an, alles Bio und so und die Currywurst kommt vom Bunten Bentheimer Landschwein, wenn das nix is.

Schlange: Null. Hinterm Tresen wuseln die Kinder herum, wo soll man die auch lassen wenn man im Laden stehen muss am Wochenende. Familienbetriebe find ich ja schon mal sympathisch, sieht auch sehr viel nach Heimwerkerei aus hier, Rouladen im Glas stehe ich trotzdem irgendwie skeptisch gegenüber. Bio hier, Bio da, alles wunderbar, einmal Curry Pommes Mayo bidde.

Uuuuund *knack* da isser, der Fehler. Die Bunte Bentheimer Landsau, praktisch zerkleinert und in Gedärm verpackt, landet in der Fritteuse. Immerhin nicht in der mit den Pommes, aber trotzdem, das geht gar nicht. Dementsprechend enttäuschend ist dann auch das Ergebnis. Die Currywurstsauce reißt das zum Teil wieder raus, die ist durchaus lecker, aber die Beilagen dafür schwach. Standardpommes mit Pommeswürzmischung und Großhandelseimermayo, das hat mit Gourmet nix zu tun, das kann der Imbiss nebenan auch. Anständige Mayonnaise dazu (vielleicht mal bei Vincent Vegan nachfragen) und die Wurst auf den Grill, dann kann das was werden, so ist das nicht mal in den Top 10.

Auf dem Fischmarkt sollte man einfach nur Fisch essen, sonst nix.

Ärmeltippmusik: Grace Slick - Dreams / SoKo - I Thought I Was An Alien

Sonntag, 15. März 2015

Technische Probleme


















Vorspiel
Düdelüdelüd.
9 Uhr, wtf?
Düdelüdelüd.
Das ist gar nicht der sch... Wecker, das ist das Telefon. Ich muss was? Ich muss sterben vielleicht, aber ganz sicher nicht in die Firma kommen. Technische Probleme? Geht mich an Spieltagen nix an, gibt noch zwei Kollegen die das können, die stehen auch in diesem Telefonbüchlein, in dem ich demnächst nicht mehr stehen werde wenn das so weitergeht.
Umdrehen, weiterpennen, richtigen Wecker nicht hören, super Tagesanfang, darauf kann man aufbauen. Den richtigen Bus bekomme ich trotzdem, weil der durch die schicke neue Baustelle 5 Minuten Verspätung hat, dadurch aber nicht die richtige U-Bahn. 8 Minuten Wartezeit. Umsteigen in die U3, eine Station fahren, alle wieder aussteigen. Technische Probleme, bitte nehmen sie den nächsten Zug. 8 Minuten Wartezeit, again. Summiert sich inzwischen auf eine gute halbe Stunde, das wird auf den Stehplätzen ähnlich eng wie in der Bahn, verdammt.

Vor dem Stadion ist wieder Hindernislauf angesagt, Dombaustelle, Apfeltaschen erst nach dem nächsten Heimspiel. Keine Schlange vor dem Eingang, den ersten Bierfassträger um einen halben Liter erleichtern, Stufen hoch: voll. Haufenweise Leute mit dämlichen Piratenhüten von Captain Morgähn, warum man sich freiwillig zur Werbetafel macht ist mir schleierhaft. Das ist mir zu eng hier oben, ich geh in die Meckerecke. Überraschte Gesichter bei Koschi und Herrn B. als ich da auftauche, aber hier unten kann man sich wenigstens noch bewegen. Der Wind ist unangenehm, der Regen wird schon noch aufhören. Heute Blockfahne steht am Gegengeradenzaun, da hab ich ja instinktiv richtig gewechselt, so kann ich die wenigstens von der Seite fotografieren. Das ist zwar immer noch Mist, aber garantiert besser als von unten. Herr B. unterbreitet mir ein fast unschlagbares Angebot, eine Karte für das Spiel in Berlin am Freitag ist über. Das wäre die Gelegenheit mal in die Alte Försterei zu kommen, aber aus der Nachtschicht zum Fußball, da muss ich überlegen. 

Über Lautsprecher dudelt die Bornheimer Hymne und pünktlich zur Aufstellung gibt es frisches Bier und überraschenderweise sogar eine Sportzigarette dazu. Keine Überraschungen hingegen bei der Mannschaft, Ewald hat sein Team gefunden, Kalla, Koch, Daube, Ratsche, Thy, Maier, Nöthe..."Wieso eigentlich Nöthe?" fragt jemand. "Na weil er der einzige Stürmer ist, der getroffen hat in den letzten Spielen." Leuchtet ein.
Ewald macht die Runde und pusht die Ränge, das ist fast so gut wie weiland die Trullerfaust, wäre schön wenn das die Jungs ebenfalls ein wenig pushen würde.

Das Herz von St.Pauli, Hells Bells und.... Blockfahne! Was für ein Teil! Über die gesamte Läge der Gegengerade, die hätt ich jetzt gern frontal vor der Linse, muss gewaltig aussehen. Der Mittelteil sieht aus wie das schon einmal verwendete Black Flag Thema, der Rest ist neu und von hier aus leider nicht zu entziffern, so wenig wie die Choreo auf der Süd, das ist der Meckereckennachteil.Die Mannschaft läuft zum 25. Jubiläum des Fanladens mit speziellen Jacken auf. Kein Fußball den Faschisten, kann man nicht oft genug erwähnen. Heute am besten auch kein Fußball den Frankfurtern.

Spiel (1)
Wir beginnen ziemlich giftig, setzen nach und erobern Bälle, manchmal auch Bälle die wir kurz zuvor verloren haben, aber das sieht nach Kampf aus. Gefällt, bis auf die ungenauen Abspiele, aus dem Rückraum müsste Halstenberg schießen. "Zieh ab" schrei ich noch, weil Halste doch nen recht strammen Schuss hat, da zieht er auch schon ab. Erster Stock, Spielwaren, Computer, Elektronik...
Die Frankfurter wirken bisher nicht wirklich gefährlich, das soll die beste Rückrundenmannschaft sein? Wenn wir so weitermachen, Ratsche die Bälle weiter abgrätscht, Nöthe vielleicht mal die Kontrolle behält, wird schon. Ecke für uns, Standards sind ja seit letztem Wochenende unsere Waffe, Dennis hat geübt. Ecke kommt rein, Lasse schraubt sich in die Luft und Laaaaaaaaaaaaaaaaa Lasse rutscht der Ball über den Schädel, verdammte Hacke. Das hätte das 1:0 sein können, wo der doch sonst so gut einnicken kann, sogar mit Gehirnerschütterung.

Zwanzig Minuten geht das gut, darauf folgen zehn Minuten des üblichen Mittelfeldgedaddels mit unsauberen Pässen, in denen wir die Frankfurter einladen doch bitte etwas mitzuspielen, was die sich nicht zweimal sagen lassen. Steiler Ball auf Schnecke, steilsteilsteil... nicht mal mit Turboschneck zu kriegen. Koschi geht steil im Meckereckenstyle "Dasiswieümmer! Wie ümmer! Ümmerümmerümmerdieselbescheiße." Antizipation ist das Zauberwort. Nicht vorhanden bei uns, sonst würde sich auch mal jemand bewegen der gerade NICHT den Ball am Fuß hat, aber alle stehen rum und gucken zu. Was der wohl damit vorhat? Nix, is wech dat Ding. Technische Probleme.

Distanzschüsse von Ratsche und Daube für den Frankfurter Schlussmann sind die einzige Ausbeute.
Halste kriegt eine hohe Flanke serviert und köpft das Ding in den gegnerischen Strafraum, wo natürlich keiner reinläuft. Kollektives Stöhnen. "Was soll er denn auch machen?" pöbelt Koschi "Wo soll er den denn hinköpfen? Der kann den doch nur in den 16er legen." Sehen alle, nur Nöthe und die zwei anderen Figuren nicht, die wie angewurzelt stehenbleiben. Erst gucken, dann laufen, dann ist man immer den einen Schritt zu spät.
Dazu diese dämlichen Ballverluste, bei denen wieder nicht energisch genug nachgesetzt wird. Beschert uns vor der Halbzeit noch ein paar nette Strafraumszenen, bei denen ich froh bin, dass die auf der abgelegenen Platzseite stattfinden. Man ahnt das Grauen mehr als dass man es sieht.
Halbzeitparadoxon: Neues Bier + Ernüchterung.

Zwischenspiel
Zur Ernüchterung gesellt sich Ratlosigkeit. Der FSV ist jetzt nicht die Übermannschaft, egal was die in der Rückrunde bisher gespielt haben, aber von uns kommt einfach zu wenig. Wie immer ist irgendwann ein Bruch im Spiel, von da an klappt auf einmal nichts mehr so richtig. Fotografisch klappt heute auch nichts richtig, was da an Tapeten gezeigt wird im Süden ist aus dieser Perspektive nicht zu entziffern. Die Auswärtskarte ist inzwischen auch weg, gegen Union sollte man nicht so lange überlegen. Dafür kann ich mein Bier an den Zaun hängen und die Hände in den Hosentaschen aufwärmen, arschkalt zieht der Wind durch die Meckerecke, das ist nix für Winterspiele.

Spiel (2)
Wir jetzt auf die Nordbaustelle, gleich mit nem Angriff, sieht gut aus, Schnecke geht bis zur Grundlinie, setzt sich schön durch und passt zu wem auch gerade immer in der Mitte und *zäng* ist das Ding inne Maschen. Woohooo 1:0 geht doch baby, wer war das? Lennaaaaaart THY! 
DAS find ich ja mal gut, dass gerade Lenny trifft, das heißt eine ganze Woche keine "istnichtviertligtauglich" Kritiken lesen müssen. Fünf Minuten später kann Nöthe nachlegen, kriegt den Ball jedoch nicht unter Kontrolle. Von hier aus sieht das zumindest unglücklich aus, womit die Frage wieder aufkommt, wieso eigentlich Nöthe? Egal, wir sind wenigstens wieder im Vorwärtsdrang und beschäftigen die Frankfurter Abwehr, so muss es sein. Nachlegen, zweiten Treffer erzielen, Blutdruck runterfahren.
Und *zack* steigt der Blutdruck in ungeahnte Höhen, weil die Abwehr auf einmal gewaltige technische Probleme bekommt, als Maier eine Flanke butterweich in die Tormitte nickt, wo sich gleich zwei Frankfurter um diese Sahnevorlage kümmern dürfen. 1:1 und Koschi tobt. "Das war ein scheiß Eigentor. Ein scheiß Eigentor." Das war auf jeden Fall eine super Torvorlage, so eine bekommt man selbst von seinen eigenen Mitspielern selten serviert. Was für eine Grütze. Wenn es einen Wettbewerb für blöde kassierte Kacktore gäbe, wir wären in dieser Saison ganz vorne mit dabei.

Schockt für gute zehn Minuten, in denen die Frankfurter weiter an Fahrt gewinnen weil wir wieder Ködelhosenfußball spielen. Nach vorne geht erst nix, dann kommen wir wenigstens zu ein paar Ecken, aber bringt alles nichts ein. Koschi will Nöthe rausnehmen, aber wen bringen? Verhoek, damit er wieder ein paar Gegner unterlaufen kann, dafür eine gelbe Karte kassiert und sonst aufgedreht aber wirkungslos über den Platz tobt? "Du musst noch meine drei Punkte fotografieren" sagt Koschi, "jedenfalls wenn wir heute noch drei Punkte holen." Sieht nicht so aus als würde das passieren.

Möhlmann wechselt gleich zwei Spieler aus, Ewald reagiert kurz darauf ebenfalls mit einem Doppelwechsel. Buballa für Halste und Verhoek für Nöthe. Zwischendurch verschätzt sich Lasse bei einer Rückgabe und zwingt Himmelmann zu einem Kreislauf anregenden Zwischenspurt. Meine Fresse, die betteln geradezu um das zweite Tor.
Verhoek ist auch gleich in der Verlosung, schöner Ball von Schnecke auf den langen Pfosten, wo sich Daube und Verhoek nicht einig sind wer den jetzt einnetzt, leider geht das Duell unentschieden aus.
Benno wechselt wieder, Kapplani kommt rein für Dedic. "Scheiße, Kapplani" unkt Koschi, "Benno wechselt gerade den Sieg ein."
Bei dem Namen Kapplani beschleichen mich auch ungute Gefühle, aber das ist meistens so, wenn ich einen gegnerischen Namen kenne hat das selten angenehme Ursachen. Der zieht auch direkt einen Freistoß gegen Lasse, "siehste" ruft Koschi "siehste" aber wird nichts draus. Auf die Anzeigetafel schielen bringt nichts aus diesem Blickwinkel, noch fünf Minuten sagt jemand. Ewald holt Maier vom Platz, Alushi kommt. "Das wird nichts mehr heute" sag ich, da setzt sich Schnecke wieder einmal durch vorne, beste Offensivaktionen heute, aber niemand kann die Flanke richtig verwerten. Am Ende ist es Gonther, der blank vor dem Frankfurter Keeper steht und ihm den Ball direkt in die Arme köpft. Nicht.zum.aushalten.
Drei Minuten gibt es obendrauf und das bricht uns fast das Genick, aber Himmelmann ist mit der Hand gerade noch dran am Ball und kann zur Ecke klären. Dann ist Schluss und wieder sind sich alle einig: das ist einfach zu wenig, in allen Belangen. Zu wenig Kampf, zu wenig Leidenschaft, zu wenig Spielverständnis, aber dafür ganz viel technische Probleme.  


Nachspiel
Koschi verabschiedet sich schon im Stadion, will in den Urknall und Werder gegen Bayern gewinnen sehen, der Rest wechselt vor die Gegengerade. Herr B. ignoriert die Fassläufer und verlangt politisch korrektes Bier aus den Fanräumen, obwohl da eindeutig weniger drin ist. Wir vernichten die letzte Sportzigarette und quatschen über das Sofa, das man in der dritten Liga vielleicht mitbringen kann um die Meckerecke wohnlicher zu gestalten, mit angeschraubtem Tresen. Meckerloge, das wär doch mal wieder was kultiges was sonst keiner hat, garantiert kultiger als Piratenhüte. Auch @diepauliane schaut kurz vorbei, diesmal ohne mir das Kreuz zu brechen, eine Umarmung ist auch sehr viel angenehmer in diesen harten Zeiten."Wir schaffen das" sagt sie "keine Ahnung wie, aber wir schaffen das."

Ich würde das so gerne glauben, aber dann müssen wir die vielen technischen Probleme bald mal beheben.

Fotos: Gegengerade Millerntor
Abstiegsangstblues: Guy Davis - Skunkmello


















Freitag, 13. März 2015

Kranorama





Hafen Hamburg, Terminal Burchardkai.

Kranoramafunk: Captain Overdrive - Captain Overdrive / Blackout Steammachine

Mittwoch, 11. März 2015

Der Schwarm














Sonne und Hunger. Sonnenhunger. Frühling bricht aus in Hamburg, auch noch arbeitnehmerfreundlich am Wochenende, der Winter liegt scheinbar in seinen letzten Zügen. Überall sollen schon Krokanten aus dem Boden gucken, da muss man doch raus aus der Bude, Makro einpacken, Blümelein knipsen. Nur, wo zum Teufel findet man diese Frühjahrsblüher? Auf Verkehrsinseln? In Muttis Garten? Planten un Blomen! Wenn garantiert irgendwo irgendwas blüht, dann dort.

Knapp zwanzig Grad und blauer Himmel sorgen in Hamburg sofort für wuselige Aktivität, der Schwarm ist unterwegs um möglichst viel Sonnenstrahlen zu erhaschen, die Straßen sind voll, die Wege noch voller. Vollvollvoll. Nach zwei Gartenumrundungen gibt es den Chefparkplatz, zwei Minuten Fußweg vom Haupteingang, schon von weitem erkennbar durch die gewaltige Schlange vor der Eisbude. Im Park muss man sogar auf den schmalen Nebenwegen anderen Menschen ausweichen, jede im Sonnenlicht stehende Bank ist besetzt, auf den hügeligen Rasenflächen sitzen Menschen im Gras und lesen oder smartphonen, vollvollvoll. Wo gibt es hier Kroküsse? Wie sehen die Dinger überhaupt aus? 

Eine halbe Stunde finde ich nur Grünzeug, dann stolpere ich über ein von Fotografen belagertes Feld mit buntem Gedöns, sehr viel blau, dazwischen ein paar gelbe Exemplare, keine Ahnung ob das jetzt Kroketten sind, aber jede Menge Bienen dabei. Noch jemand am schwärmen heute, die wähnte ich noch im Winterschlaf, kommt aber nicht ungelegen. Blöde ist nur die Lage des Buntgemüsefeldes, das Stativ ist mehr Hindernis als Hilfsmittel, ich hätte den Bohnensack mitnehmen und mich in den Staub legen müssen. Für Bienengewusel brauche ich kurze Belichtungszeiten und eine kleine Blende, damit fallen schon mal die 70% der Blümchen weg die im Schatten liegen, den Rest krieg ich so halbwegs gebacken. Nach einer guten Stunde ist die Lust an Bienenschwärmen vergangen, denen die ganze Zeit beim Fressen zusehen macht irgendwie Hunger.

Auf zum Hafen, Fischbrötchen futtern. Das gleiche Bild wie in der City, vollvollvoll. Zwei Hafenumrandungen später immerhin Parkplatz für leitende Angestellte, fünf Minuten Fußmarsch zum Fischmarkt. Der Schwarm ist auch hier unterwegs, Menschenmassen schieben sich am Hafenrand entlang, sitzen auf Mauern, Bänken und an Hauswänden, lassen ihre Beine über die Wasserkante baumeln oder verstopfen die Hafenfähren. Sonne satt, endlich. Für Eis oder Fischbrötchen muss man auch hier längere Wartezeiten in Kauf nehmen, beste Unterhaltung dabei garantieren blubbernde Achtzylinder aus vergangenen Zeiten und moderne Zahnarztharleys, endlich mal wieder ein Wetter um gesehen zu werden. Vom Schwarm.

Fotos: Hafenfähre/Dockland - Planten und Blomen Eisbude - Krokantenbiene - Fischauktionshalle - Große Elbstr./Wasserseite - Cruise Center Altona Eisbude - Werfthafen - Hudson Hornet - Pontiac Bonneville - Letzter Imbiss vor New York - Futterneid

Musik: Auf der Maur - Auf der Maur/Out Of Our Minds










 

Sonntag, 8. März 2015

Morgens in der Mangolei
















Wer leckere Konfitüren abseits der Regalware liebt muss sie entweder selber machen, oder tiefer in die Tasche greifen. Das fängt schon bei Benzingeld und Parkhaus an, denn das Mutterland Stammhaus ist im Bieberhaus am Hauptbahnhof. Da gibt es jede Menge teures Zeugs, was es sonst fast nirgendwo gibt. Aberwitzig teure Obstbrände, Bio-Joghurt vom Bauern nebenan, handgedrechselte Kekse und Schokolade, Omis selbst gebackenen Zitronenkuchen in handlichen Scheiben, Grill- und Steaksaucen aus Professor Grillmeisters eigenem Kochtopf, Mama Italias berühmtes Geheimpesto oder dieses brandgute Peacetazienzeugs, für das ich sonst in die Fabrik fahren muss. Und spezielle Spezialkonfitüren, alles vom Feinsten.

Wenn man da ohne Frühstück im Bauch und im Hochgefühl eines gerade im Radio verfolgten Auswärtssieges hinfährt, dann gibt man wirklich sehr viel Geld aus - für fast nix, jedenfalls wenn man den Inhalt des Körbchens sieht. Passt auch alles dreifach verpackt in eine recht kleine Papiertüte, die immerhin angesichts des Gesamtgewichtes doppelt verstärkt wird. Der geschätzte Preis pro Kilo dürfte sich um und bei 50 Euro bewegen, teurer wird es noch durch die geschätzte Ausfallquote von 50%, denn ungefähr die Hälfte meiner höchstwahrscheinlich ganz fantastisch einmalig leckeren Schlemmereinkaufsschnäppchen entpuppen sich später als völlig überbewerteter Schnickschnack, von dem ich besser die Finger gelassen hätte. Aber egal, man gönnt sich ja sonst nichts.

Der erste Frühstückstest endete dann auch wie beinahe erwartet, die Quote wurde erfüllt. Trotz des höchst originellen Namens und meiner Vorliebe für Mangos, wenn man sich das Zeug aufs Brötchen gießen muss stimmt etwas mit Konsistenz nicht, außerdem schmecken Mangos echt anders. Dafür ist der Rosa Pampelmusen Fruchtaufstrich (75%!) vom Gartenhaus Testorf ein Knaller, nach so etwas hab ich ewig schon gesucht, fast so gut wie der meiner verschollenen Marmeladentante.

Aber mit der gleichen Problematik behaftet, man muss ewig durch die Stadt gondeln. Mit unsicherem Ausgang, denn davon waren nur noch zwei Gläser im Regal.

Mangomusik: Sonny Landreth - South Of I-10 / Levee Town

Freitag, 6. März 2015

Verschollen auf dem Sofa
















Der Astronaut und Wissenschaftler John Crichton experimentiert mit neuen Antriebstechniken und wird dabei durch ein Wurmloch in einen entfernten Teil des Universums gesaugt. Scheiß Technik. Als wäre das nicht schon blöde genug, landet er mitten in einer Auseinandersetzung zwischen entflohenen Sträflingen und einer faschistoiden Macht die sich "Peacekeeper" nennt. Weil die ihn wahrscheinlich ähnlich genau untersuchen würden, wie es die Amis mit E.T. vorhatten, verzieht er sich zusammen mit den anderen Knastis in einem lebenden biomechanischen Raumschiff namens "Moya" in die unerforschten Gebiete dieser Gegend, die natürlich für alle (meistens unangenehme) Überraschungen bereithalten.
Seine neuen Freunde sind ein baumlanger luxanischer Krieger, der Menschen mit seiner Zunge problemlos K.O. schlagen kann, im Ernstfall aber lieber ein schießendes Schwert benutzt, eine blauhäutige Priesterin, die biologisch eigentlich der Pflanzenwelt zuzuordnen ist und daher bei starkem Lichteinfall stundenlange Orgasmen bekommt, ein fliegendes Furzkissen namens Rygel XVI, ehemals Herrscher über x-Milliarden Hynerianer und der pilzköpfige Pilot Moyas, der über Nervenstränge mit ihr verbunden ist und den Rest des Raumschiffs mit seinen Krakenarmen bedient. Mal ehrlich, dagegen spackt so etwas wie die Enterprise doch völlig ab.
Der Knaller allerdings ist die ebenfalls unfreiwillig auf Moya gestrandete Lederbraut, eine Peacekeeperkampfpilotin, die nach dem Ablegen der meisten Verhaltensauffälligkeiten langsam beginnt das Herz unseres Helden zu erobern. Yo baby yo baby yo! Lovestory! Episch! Meins!

Da können die Amis noch so viel Kirks durch das All trekken lassen, die gottverdammt verfrellteste Sci-Fi Serie aller Zeiten kommt Aus:Tralien. Leider waren nicht alle meiner Ansicht, weshalb nur drei der vier Staffeln für das deutschsprachige Publikum synchronisiert wurden und die dämlichen Amisender nach der vierten Staffel ebenfalls keine Lust mehr hatten auf Sex & Drugs im Weltall, wodurch das ganze Vergnügen mit einem üblen Cliffhanger endete. Immerhin war der weltweite Protest erfolgreich und Farscape - Verschollen im All konnte durch eine (aus unabhängigen Geldquellen finanzierte) Miniserie beendet werden. War ich wohl doch nicht der einzige Fan.

Der bin ich eigentlich auch erst jetzt so richtig, denn als das vor 15 Jahren in der Glotze lief konnte ich nur einige Folgen sehen. In chronologischer Reihenfolge und ohne Lücken ist das eine derart grandiose Zeitverschwendung, dass ich zu fast nichts anderem mehr komme gerade, zum Frell noch einmal. Fantastische Geschichten, noch fantastischere Orte, ekelhaft fiese und übermächtige Gegner, reichlich trockener Humor, außerirdischer Sex, abgefahrene Drogen und Aliens, die dank Jim Hensons Puppenspieltechnik endlich mal aussehen wie Aliens und nicht wie Menschen mit merkwürdigen Nasen- oder Schädelformen. Wenn mich die Erinnerung nicht trügt wurden in einer Folge sogar Puppen aus dem Henson-Klassiker Der dunkle Kristall verwurstet. Das ist natürlich lange nicht so perfekt wie moderne Computertrickserei, hat aber mindestens soviel Charme wie das Bügeleisen der Orion.

Und für hoffnungslose Romantiker wie mich, quasi als Dreingabe, die beste Sci-Fi Romanze seit Cliff Allister McLane und Tamara Jagellovsk. Nur sehr viel länger und sehr viel komplizierter, wie es halt so ist wenn man sich in eine außerirdische Amazone verguckt. Kommt im Romanzenranking gleich hinter Chuck, weshalb ich die nächsten Tage auch noch verschollen bin, nur auf dem Sofa. Er muss sie doch einfach nur mal in den Arm nehmen jetzt, verdammte Hacke, die wartet doch nur darauf...

Romanzenpausenmusik: Todd Snider - Viva Satellite

Montag, 2. März 2015

Nur ein Traum

















Vorspiel
Die ganze Nacht nicht vernünftig gepennt, dazu noch der Beginn einer nervigen Erkältung die ich schon seit München nur halb erfolgreich bekämpfe, die Stimme vor dem Spiel schon im Arsch und kein sonderlich gutes Gefühl im Bauch. Ein Tag kann kaum schöner anfangen. Immerhin scheint die Sonne, dabei war Hamburger Wetter angesagt.

Kaffee, Kippe, Internet. Was erlaube HVV? Egal was ich in die blöde Suchmaske eingebe, ich soll mit der Regionalbahn fahren. Zwischenhaltestellen akzeptiert er zwar, aber nur inklusive einstündiger Stadtrundfahrt. Sieht aus als wäre irgend eine Strecke gesperrt, es lässt sich nur beim besten Willen nicht herausfinden welche, für mich ist eigentlich nichts relevantes dabei. Ich beschließe den Vorschlag zu ignorieren, sitze am Ende aber doch in der Regio, die einzige Alternative bei verpasstem Bus.

Eine Stunde vor Anpfiff im Stadion, eine Wurst zum Frühstück, ein Bier zum wegspülen und den letzten freien Platz am Wellenbrecher einnehmen. Ganz schön voll schon um diese Zeit, Erwartungshaltung anyone? Mein Nachbar war auch in München und so ist für reichlich Gesprächsstoff gesorgt, ob sich Restaurant- und Kneipentipps noch lohnen angesichts der Tabellensituation ist fraglich, aber vielleicht steigen ja beide ab.

Die Auer bekommen ihr Steigerlied, wir die Aufstellung. Kalla in der Startelf, nachdem Schachten verletzt ist und Startsev gerade U23 gespielt hat wohl auf der Außenverteidigerposition. Also da, wo er noch nie so richtig überzeugen konnte. Alushi ist drin, Ratsche nur auf der Bank und Nöthe im Sturm, weil er der einzige Stürmer ist der in den letzten Spielen getroffen hat, Thy und Sobota sollen ihn unterstützen. Das Stadion riecht ein wenig nach Aufbruch, nach jetzt oder nie, es ist schon vor dem Anpfiff schön laut, hoffentlich hilfts. Ewald ballt die Fäuste, drei Punkte heute, oder wir sind bald back in hell.


Herz von St.Pauli, Hells Bells, Konfetti und los gehts.

Spiel (1)
Das ist im Ansatz ordentlich, wir spielen auf die Nordkurvenbaustelle, haben viel Ballbesitz (wie in München), schießen nicht aufs Tor (wie in München), kriegen Ecken die wir schlecht verwerten (wie in München) und kommen daher auch zu wenig Chancen (wie..) aber: wir schießen kein Eigentor. Kleine Fortschritte werden ja vielleicht auch mal belohnt, in diesem Fall durch einen netten Regenbogen über der Nordkurve, leider noch nicht durch Tore. Kleine Fehler hingegen werden normal sofort bestraft, doch Aue macht nichts aus den wenigen Konterchancen. Dafür hilft ihnen nach 15 Minuten die Latte, das Mistding ist zwei bis drei Zentimeter zu niedrig für den Kopfball von Koch. Maaan ey, warum kann so ein Ding nicht mal einschlagen, für ein kleines bisschen Glück würd ich sogar freiwillig Vicky Leandros hören. Was waren das noch für Zeiten, als Vicky der einzige Aufreger war. 

Heute muss man sich laufend aufregen, vor allem über unsere Ecken. Daube sollte keine Ecken schlagen, das wird in diesem Leben nichts mehr, dabei sind Standards nun wirklich etwas das man üben kann. Bei Aue hat jemand Aua, die müssen nach zwanzig Minuten schon wechseln, keine zehn Minuten später ein zweites Mal. Sehr verletzungsanfällig die Auer. "Noch zwei und wir haben Überzahl" grinst mein Nachbar. Die müssten auch im 11 gegen 11 zu schlagen sein, wenn wir endlich mal treffen. Und wenn Schneckes Rückpässe auf Himmelmann nicht auf dem Rasen verhungern, wo sie leichte Beute der Auer werden. "Was für ein Bock" stöhnt mein Hintermann "ein typischer Kalla." Gott sei Dank ist Robin schneller am Ball und kann klären, doch auf einmal sind die Erzgebirgler da. Eckball durch Alibaz, Schnecke klärt zur Ecke. Nochmal Alibaz, wieder Ecke. Alibaz zum dritten, Kopfball und Glanzparade von Robin = Ecke. Fünf Ecken am Stück und wir kriegen die Pille nicht weg da hinten, ich schrei mir hier die Lunge aus dem Hals verdammte Hacke, die ganze Nachbarschaft guckt schon. "Kann es sein dass Du gerade ganz schön auf Zinne bist?" fragt mich jemand. Kann es sein dass das halbe Stadion gerade am Rande eines Infarkts ist? Was machen die auf einmal? Ecken fangen bis einer im Netz zappelt? Und warum verdammt haben wir nicht so einen Ali Baba, der Vogel bringt die Bälle wenigstens anständig rein, so einen könnte sogar Budimir verwandeln.

Sieht man von der Glanzparade ab baut auch Himmelmann auf einmal Mist, steht kilometerweit vor seinem Tor, so etwas habe ich immer gehasst. Versucht auch sofort jemand auszunutzen nach einem weiteren Katastophenpass, diesmal von Sobiech, glücklicherweise hat Aue keinen Ibrahimovic und das Ding landet im ersten Stock. Das Spiel ist jedenfalls weg, Aue übernimmt die Kontrolle, von jetzt auf gleich rennen wir nur noch hinterher. Was so eine Eckenserie doch ausrichten kann. Wir sind viel zu passiv und warten mal wieder auf den Ball, während das Erzgebirge sofort aggressiv auf den ballführenden Spieler geht, an der Seitenlinie steht der Trainer und treibt seine Leute nach vorne. Die wittern Morgenluft, wenn man auswärts irgendwo drei Punkte mitnehmen kann, dann am Millerntor.   
"Verunsichert. Die sind alle verunsichert." fällt mein Nachbar in ein minutenlanges Mantra. "Völlig verunsichert sind die alle. Und dann nur eine Minute Nachspielzeit." Wat'n Segen, denn momentan riecht es stark nach einem 0:1, die müssen in der Pause eingenordet werden, da läuft nix zuammen gerade.

Zwischenspiel
Ich bin völlig ausgetrocknet, dafür hört sich meine Stimme bestimmt gut an inzwischen. Lee Marvin Style, jedenfalls wenn ein frisches Bier die Artikulation wieder möglich macht. Das muss ich heute leider selber holen, der Dartmeister ist krank und der Lange hat noch einen vollen Becher, kein Nachschub von den Sitzplätzen zu erwarten. Dauert erstaunlicherweise keine zwei Minuten, die Bierfassträger haben vorsorglich einen ganzen Tisch vorgezapft, ich bin ratzfatz wieder am Platz, kann Halbzeittapeten knipsen und die dusseligen recolution Werbeaufkleber auf dem Wellenbrecher mit Abstiegsgespenstern überkleben. Das hat mit Fußball nix zu tun.

Spiel (2)
Weiter gehts, und weiter gehts nicht gut. Beide Mannschaften nicht sehr ballsicher, zwei bis drei Stationen und weg isser wieder. Mein Nachbar murmelt wieder etwas von "verunsichert" vor sich hin, da fällt Halstenberg der Ball irgendwo im Mittelfeld vor die Füße und er zieht direkt ab, mindestens 30 Meter Torentfernung und was für ne Granate. Leider drüber, und tiefer hätt ihn der Keeper gehabt, aber wenigstens traut sich mal einer. Das hätte ein Weckruf sein können, leider weckt er nur Aue.
Wir holzen uns einen Scheiß zusammen dass es mich gruselt und haben mehr Glück als Verstand, dass Gonther nur die gelbe Karte sieht für ein ziemlich rüdes Foul, und dass Aue in der Tabelle unten steht weil sie ähnlich schwach im Abschluss sind wie wir. Etwas abgezockter und wir liegen hier ganz schnell mit 0:2 hinten, Aue muss sich nicht einmal mehr die Bälle erkämpfen, die kommen auch so, spätestens nach der dritten Station. Mein Nachbar sieht mittlerweile in jedem Auer Angriff den Rückstand. "Jetzt schlägts gleich ein! Gleich schlägt es ein!" hat das "alle verunsichert" abgelöst, doch auch bei uns ist immer noch ein Fuß dazwischen oder der Stürmer zu blind. An die nächsten Gegner darf man gar nicht denken, wenn man das hier sieht.

Und dann ist Nöthe auf einmal durch, bekommt den Ball von Daube serviert, es ist nur noch Männel im Kasten, eine Chance, eine Chance! Ein Ball! Die geheimnisvolle Anziehungskraft der Wolken! Up up and away auch ohne beautiful Balloon. "Ich kotz gleich im Strahl" fluche ich vor mich hin, was bei den vor mir stehenden Damen für kurze Irritation sorgt, seh ich wirklich so angeschlagen aus?

Ewald wechselt, Daube geht für Cooper. Armandos erstes Heimspiel, werd zum Helden Junge. Nagel das Ding irgendwie in die Kiste, zur Not im Fallen mit dem Arsch zuerst, Hauptsache der Ball ist nachher über der Linie. Doch nein, es wird nichts besser. Null. Nada. Nothing. Aue weiterhin auf Angriff, wir weiter mit Holzfüßen und dem gewaltigen Glück, dass ab und zu jemand noch seinen Holzfuß in die Schusslinie bekommt. Das "jetzt schlägt es ein" Geunke meines Nachbarn erreicht ungeahnte Höhepunkte und einmal sehe auch ich den Ball schon im Netz, nur der fehlende Jubel der Auer Spieler ist beruhigend, wir haben wieder mal Glück gehabt. Eckenserien, wie in der ersten Hälfte ohne Treffer, aber Eckenserien. Die schlagen Diagonalpässe über 20, 30 Meter und natürlich kommen die auch an. Reihenweise, während wir wirklich jeden zaghaften Angriff verstolpern. Das ist unfassbar schlecht, das ist dritte Liga, unteres Mittelfeld. Machen wir so weiter muss das zwangsläufig in die Hose gehen. Dammit Janet.

Ewald zieht die letzten Trümpfe, Ratsche und Verhoek kommen für Koch und Thy, noch 15 Minuten um ein Tor zu machen, noch 15 eins zu verhindern. Die Hälfte dieser Zeit braucht Verhoek um sich zu akklimatisieren, dann setzt er einen Ratscheball per Kopf über Männel hinweg in Richtung Tor! Tor! Tor? Latte! Verdammte scheiß Latte again and again, es ist zum verzweifeln. Für die letzten Minuten ist es ein kleiner Weckruf, wir kommen wieder öfter in Strafraumnähe, versuchen wenigstens einen Abschluss, haben wieder Glück bei Kontern und Pech bei allen anderen Aktionen. Aue wechselt in den drei Minuten Nachspielzeit nochmal 90 Sekunden lang aus, dann ist das Elend vorbei. 0:0, das ist zu wenig. Nicht nur vom Ergebnis, vom ganzen Spiel. In diesem Zustand sind wir für die nächsten Gegner Kanonenfutter, nicht jeder ist so abschlussschwach wie Aue.      

Nachspiel
Ein frisches Bier geholt und vor den Fanräumen die Tresenkurve gesucht, die mich wie immer vorher findet. Die wenigen Vorteile der dritten Liga werden wieder rausgekramt, die Fehlerketten der letzten Jahre zum wiederholten Male analysiert und schon mal überlegt, wer von der Mannschaft überhaupt noch übrig bleibt wenn wir absteigen und ob uns ein Nico Empen nach oben schießen kann wenn Ebbe ihm ein paar Tipps gibt, Boller noch mal die Stiefel schnürt und Ralle aus Ingolstadt kommt. Bruuuuns könnt man auch mal fragen, schlechter sind die alle nicht. Naki füllt den Fragebogen aus und wir spielen eine PoHkalserie  gegen Homburg, Hansa, Heidenheim, Hoppelheim und hasivau.
Ich liebe Dich, ich träum von Dir, in meinen Träumen....

In der Realität sieht es eher düster aus, aber damit mag sich keiner befassen. Koschi ist in Bierlaune und schleppt eine Runde nach der anderen an. Dauert nicht lange und wir stehen in einer Meute weißblauer Auer, die uns so sympathisch finden, dass sie sogar zusammen mit uns absteigen würden, nur um wieder herkommen zu können. Das letzte Spiel von Fabian Boll war ihnen noch in bester Erinnerung, so wie mir die Fans aus dem Erzgebirge ebenfalls, eine der wenigen sympathischen Fanszenen aus dem Osten, bisher nur angenehme Leute getroffen.

Die Auerländer wohnen knapp 3 Kilometer vor der tschechischen Grenze, erzählen Geschichten über das Bierparadies und nötigen uns Erzgebirgsmedizin auf. Sankt Hubertus Tropfen und dazu noch ne Lage Bier, wenn ich mich nicht bald verpisse wird das noch übel enden. Herr B ist längst weg, aber kaum haben sich die Auerländer auf den Heimweg gemacht winkt Koschi mich zur nächsten Ecke. Ah, Bauprogramm, den nehm ich noch mit. Angeblich von einer marokkanischen Tante liebevoll handgepresst, da kann ich nicht nein sagen. Haut mich auch ganz gut aus den Latschen der Stick und verdrängt die schmerzhafte Erkenntnis, dass die Realität wohl bald Derbys gegen hasizwo bedeuten, mit unsicherem Ausgang, alles andere ist nur ein Traum.
Der Stick macht den Heimweg ein wenig beschwingter, nur ein Lächeln will mir nicht gelingen, dafür ist die Lage zu ernst. Bei einigen Spielern ist das leider noch nicht angekommen..

Fotos: Gegengerade Millerntor: Tor, zur Hölle, Ewald macht Dampf, Daggi liest vom Blatt, Konfetti, Fußball, Regenbogen, Kutten auf dem Zaun, Sticker, Kein Bier den Faschisten. klicken + F11 macht Foto groß
Traummusik: Gov't Mule feat. John Scofield - Sco-Mule