Mittwoch, 17. September 2014

Orangen flambiert
















Den ganzen Tag über knallt die Sonne, der Himmel ist wolkenlos. Wenn die beste Gastgeberin von allen mich nicht irgendwo hinschleift halte ich mich ganz ruhig im Schatten des Tipis auf, gönne mir einen Gin Tonic, eine Sportzigarette, und warte. Die Kamera schussbereit, falls sich irgend ein interessantes Viech den winzigen Blüten der Hecke nähert. Hier gibt es schwarze Bienen, schwarz-weiße Hummeln und vor allem reichlich von diesen irre schnellen Kolibrifaltern, die leider so schnell weg sind wie sie kommen und natürlich immer dann auf die andere Heckenseite wechseln, wenn man sich entschlossen hat doch aufzustehen.

Am alten Gemäuer vor dem Grill kriecht ein Gecko herum. Fluchtdistanz ungefähr dreimeterfuffzig, dafür braucht man kein Makro, dafür braucht man ein 500mm Tele. Er kriecht auf der seitlichen Mauer des Hundehauses weiter, aber da ich nicht weiß was Tobi davon hält, wenn ich mit der Kamera in seinem Refugium herumschleiche, verzichte ich auf einen weiteren Annäherungsversuch.

Schmetterlinge sind rar dieses Jahr, oder denen ist es auch zu heiß. Das einzige ewig stillhaltende Model im Garten ist die Spinne am großen Kaktus vor der Einfahrt, aber an die komme ich nicht nah genug ran ohne das Gemüse davor zu zertrampeln.

Also wartet man und wartet und wartet, und so etwa nach dem dritten Gin Tonic und der dritten Sportzigarette stehen auf einmal die Orangenbäume in Flammen. Eine gute Stunde vor Sonnenuntergang brezelt die Sonne derart auf die Plantage, dass die Bäume leuchten als hätte sie jemand lackiert. Ein unfassbares Licht, was für ein Bild. Ich springe ins Haus um das Objektiv zu wechseln und stehe dann ziemlich ratlos vor den Bäumen, die so dicht stehen, dass sie sich bei der tief stehenden Sonne gegenseitig reichlich Schatten spenden. Grmpf.

Bleibt nur der Baum in der ersten Reihe? Ich will mehr davon. Die beste Gastgeberin von allen empfiehlt mir die Dachterrasse, von da kann man das ganze Feld überblicken. Juhuu, Dachterrasse, da war ich ja noch nie. Ganz viel Platz hier oben, völlig verschenkt eigentlich, wer will bei der Affenhitze schon auf Dachterrassen sitzen.

Dummerweise steht man dann auf dem Dach eines Hauses, das den größten Schatten überhaupt wirft. Nix mit Orangen flambiert, alles dunkel im Keller, verdammt. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei und ich kann mich wieder beruhigen. Gleich ist Sonnenuntergang, der war gestern Abend sehr spektakulär und das Stativ ist eh aufgebaut...

Heute ist er natürlich nicht mal halb so dolle, was soll das? Gestern ein riesiges Bohei und heute Standard?  Das Wetter war gestern nicht anders. Weil die dusselige Hecke höher ist als mein Stativ, empfiehlt mir die beste Gastgeberin von allen erneut die Dachterrasse. Die taugt jedoch überhaupt nicht zum fotografieren, in der einen Richtung wirft sie Schatten und in der anderen habe ich das halbe Dach und den Schornstein mit drauf.

Bis ich da wieder aufschlage muss eine Lösung für solche Probleme her. Eine hydraulische Bühne wäre nicht schlecht.

Flambierte heiße Musike aus Nordafrika: Imarhan Timbuktu - Akal Warled



Montag, 15. September 2014

Mit Gábor wär das nicht passiert



















Vorspiel
Um 10 Uhr aufstehen ist kein Problem, an diese Zeit habe ich mich schon in Portugal gewöhnt und im Regenwald auf der Zaubercouch kann man eh nicht länger schlafen. Trotzdem gruselt es mich schon bei dem Gedanken an die mindestens vier Stunden die ich stehen muss, mein Knie zickt schon seit Wochen rum und durch solche Aktionen wird es garantiert nicht besser. Dafür freue ich mich endlich mal wieder auf ein Spiel, gegen die Münchner haben wir in den letzten Jahren immer recht spektakulär gewonnen und jetzt mit Meggi auf der Bank ist das der richtige Aufbaugegner.  Die liegen uns.

Frühstück wird ins Stadion verlegt, zweimal Bratwurst, einmal Bier, Wellenbrecher suchen, setzen, essen. Nach der Wurst ne Kippe, dann ist stehen angesagt. Es wird voll, aber für eine halbe Stunde kann ich den Wellenbrecher noch als Lehne benutzen. Das ist glücklicherweise meist der Zeitpunkt an dem das Rahmenprogramm von den Schmerzen im Knie ablenkt, komischerweise macht ihnen mitwippen zu anständiger Mucke weniger zu schaffen als bloßes rumstehen.

Eine halbe Stunde vor Anpfiff wird es spannend, begleitet von "Hooligans Hooligans" Rufen der Gegengerade versuchen ein paar vermummte Gestalten der Kategorie "Gewalttäter Sport" unseren Trainer mit Gegenständen zu bewerfen. Zuerst kann er noch darüber lachen, aber als ihn eine geballte Ladung aus Hunderten von Papierschnipseln nur knapp verfehlt schlägt er zurück.
Rainer kündigt eine Premiere an, die 1860er haben eine neue Hymne. Da Gästehymnen bei uns immer gespielt werden müssen wir die ertragen. An deren alte Hymne kann ich mich nicht mehr erinnern und die neue werde ich ebenfalls schnell verdrängen, wieso wehren sich die Fans anderer Vereine eigentlich nicht gegen solche Machwerke? Oder haben die woanders alle einen grauenhaften Musikgeschmack? 

Die Münchner weinen sich auf einer Tapete über ihren Vorsänger aus, der scheinbar beim zündeln erwischt wurde und nun Stadionverbot hat. Stadionverbote finde ich zwar auch dämlich, aber warum "wir" uns blamiert haben, nur weil der zu dusselig war und sich erwischen ließ, das verstehe ich nicht ganz. Wahrscheinlich so ein Ultrading  mit Ehre und ähnlichem Blödsinn. Wesentlich bewegender ist die Choreo auf der Süd. Sie gilt einem Fan der sich das Leben nahm, Depressionen, wieder einmal. Nicht tausend Freunde können dagegen helfen, wie bitter ist so etwas.

Neucheftrainer Thomas Meggle wird euphorisch begrüßt, die Mannschaftsaufstellung mit reichlich Überraschungen, trotz der vielen Verletzten. Budi und Buchti nur auf der Bank, die IV mit Ziereis und Torre, mit Nöthe, Verhoek und Thy gleich drei Stürmer, holla. Kringe, Daube, Buballa, wer spielt auf der Außenbahn? Auf der Bank ein Name den ich vorher nie gehört habe, Litka. Meggi wird wissen was der kann, ich bin leicht euphorisch. Kann an der Sportzigarette liegen oder am zweiten Bier, der Bierfassmann läuft einem hier andauernd über den Weg.

Dann geht´s endlich los, Herz von Sankt Pauli, Hells Bells und Konfetti satt, davon werde ich morgen noch was haben.

Spiel (1)
Da ist Zug drin, das sieht man gleich, auch wenn München nach ein paar Minuten einmal gefährlich vor unserem Tor auftaucht, die Jungs wollen es wissen. Bevor ich in weitere Euphorie ausbreche werd ich aber eine gute Viertelstunde warten, man kennt das ja mit dem starken Anfang. Außerdem verwirrt mich die Aufstellung doch etwas, spielt Lenny Thy tatsächlich in der Defensive? Ein zweites mal kommt München gefährlich vor das Tor, der Okotie ist stark, der kommt zu leicht in den Strafraum. Wir halten aber dagegen und werden für den Einsatz mit einer Ecke belohnt. Der Keeper, das erste mal seit gefühlten 100 Jahren nicht mehr Gábor Király, bekommt den Ball nicht unter Kontrolle und irgendwer wuselt das Ding ins Netz. 1:0 Woohoo, doch bevor man sich richtig zu Ende freuen kann pfeift der Schiri ab. Kein Tor aus irgendwelchen Gründen, Mist, verdammter. 

Kann nur besser werden, der Einsatz stimmt endlich wieder. Kopfball Nöthe aber der Keeper ohne Jogginghose hält auch den. Mit Gábor hätten wir sicher schon die Führung, der hatte immer zuverlässige Patzer im Programm.

Und dann fällt in unserem Strafraum einer um und der Schiri pfeift Elfmeter. Was ich gar nicht fassen kann, weil der noch zwei Meter gelaufen ist bevor er fiel, Zeitlupe bitte. Am Elfer ist Tschauni fast noch mit den Fingern dran, zumindest ist er in der richtigen Ecke, aber das Leder ist drin, 0:1 verdammte Hacke. Lässt uns aber nicht auseinanderbrechen, wir nehmen wieder Fahrt auf und kommen abermals zu Chancen. Das sieht alles sehr viel besser aus als unter Vrabec, auch wenn noch nicht alles klappt, Ziereis gegen Okotie völlig überfordert ist und der Münchner Keeper gegen uns sehr viel besser hält als Gábor in den letzten Spielen. Ganz besonders Görlitz gefällt mir wesentlich besser als bei seinen ersten Auftritten, sehr aktiv heute, legt einen Ball schön ab auf Johnny Verhoek, der zieht ab, 1:1, Woohoo! Endlich. Geht doch.

Wir drücken weiter auf die Führung, München hält mit Fouls dagegen und auch der Schiri fängt an mir auf die Nerven zu gehen. Zwei Minuten vor der Halbzeit Freistoß für uns, Kringe per Kopf, Tor. 2:1. Woohoo und wieder pfeift die Pfeife ab, aus welchen obskuren Gründe auch immer. Mein Nachbar ist kurz vor dem Pöbelkollaps als eine einzige Minute Nachspielzeit angezeigt wird, aber selbst die ist zu lang für uns. Konter München, Okotie wieder, starker Ball auf Stark, 1:2. Halbzeit. Waaaaas für eine Scheiße. 

Zwischenspiel
Nur wenige Meter hinter mir sitzt der Dartmeister, Bierservice beantragen muss ich heute aber nicht, ein Bierfassmann ist laufend in meiner Ecke unterwegs und macht den Pfandbecher jederzeit wieder voll, von den Schmerzen im Knie abgesehen ein Service wie im VIP Bereich. Auf dem Rasen wird derweil vom Noch-Präsidenten ein Pokal vergeben, für den Sieger des Fanclubturniers. Mangels Motiven und Motivation tausche ich Kamera gegen Pausensportzigarette, dann geht es auch schon weiter auf dem Rasen. Direkt vor meinen Augen entzünden ein paar Hooligans Pyrotechnik in ganzen Bündeln, unglaublich was hier abgeht, muss ich die Kamera tatsächlich wieder rauskramen.

Spiel (2)
Die Jungs geben nicht auf und drücken weiter aufs Tempo. Das ist nicht immer ganz geschickt, da ist auch ab und zu mal ein Fehlpass dabei oder es wird eine Situation nicht richtig antizipiert (das wollte ich immer schon mal schreiben) aber Einsatz, Wille und Leidenschaft sind deutlich verbessert, wenn das kein Trainerwechselstrohfeuer ist macht das Hoffnung. Im Vergleich zu Sandhausen ist da eine ganz andere Truppe auf dem Platz, nur stimmt das Ergebnis noch nicht. Im Umschaltspiel sind wir zu behäbig, so kann sich die Münchner Abwehr immer wieder bequem zurückziehen und dichtmachen, kommt etwas aufs Tor ist der Münchner Keeper dran (ich beginne Gábor zu vermissen) oder der Schiedsrichter pfeift vorher ab wegen irgendwas.

Der ist sowieso inzwischen ob seiner hirnausgewürfelten Entscheidungen zum Liebling des Publikums geworden. Für kleine Rempler gibt es Karten, echte Sensen nimmt er dagegen nicht einmal wahr. Münchner Schauspieleinlagen nimmt er reihenweise für bare Münze, Abseits ist eine Münzwurfentscheidung, wieso muss ich bei der Leistung dieses Schiri-Teams eigentlich laufend an Münzen denken?

Meggi wechselt langsam durch, für Daube kommt Budimir, Kringe wird nach seinen üblichen (guten) 70 Minuten durch Ratsche ersetzt und am Ende darf auch noch Maurice Litka aus der U19 ran. Solche Entscheidungen können manchmal Geschichte schreiben, vielleicht wird der Jung ja zum Helden des Tages. Ante erfreut kurzzeitig durch eine Kopfballstafette mit sich selber, an drei Gegnern vorbei, bis er gelegt wird. Auf den Rängen wird wieder gesungen wie verrückt, hat gegen Sandhausen ja geholfen, den Ball einfach ins Tor singen.

Hätte klappen können, wäre da nicht diese Pfeife, die entweder gar nichts oder das falsche sieht. Seine Kollegen an der Seite sind ebenbürtig. Klare Ecke für uns, nicht gegeben. Durchmarsch von Litka unsanft gestoppt, nicht gepfiffen. Alles in der Nachspielzeit. Meggi regt sich auf, erklärt der Pfeife kurz warum er sich aufregt und wird zum Dank dafür auf die Tribüne geschickt. Was für eine Grütze, da ist er endlich Cheftrainer und darf wahrscheinlich gleich im nächsten Spiel nicht auf die Bank. Kurz vor Schluss noch einmal Litka auf Budimir, doch der kriegt das Ding nicht unter Kontrolle, dann pfeift die Pfeife ab. Ein Spiel unverdient gewonnen, ein Spiel unverdient verloren, alles gleicht sich irgendwann aus. Nur habe ich trotz dieser Niederlage irgendwie das Gefühl, ab jetzt wird alles besser.

Nachspiel
Die Tresenkurve, Herrn L. und einen weiteren Bierfassmann treffe ich vor den Fanräumen, man ist nicht gut gelaunt hier und kann meine Euphorie in der Niederlage nicht ganz verstehen, die zum Teil dem engagierten Auftritt der Boys in Brown und zum Teil der ausgezeichneten Bierversorgung am heutigen Tag zu verdanken ist. Außerdem MUSS man jetzt optimistisch sein nach dem ganzen Zirkus, wenn man in dieser Lage auch noch pessimistisch wäre könnt man´s ja nicht aushalten. Außerdem haben wir nur verloren, weil die den alten Jogginghosenträger nach Fulham abgeschoben haben, mit Gábor wär das nicht passiert. Nach gestoppten 5 Stunden und 15 Minuten auf den gebrechlichen Beinen humple ich neben Herrn L. zum Bahnhof wie ein lahmer Hund, ich brauche unbedingt einen Sitzplatz. Spätestens in der nächsten Saison, aber in dieser wär irgendwie noch besser.

Nachtrag
Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn möchte ich darauf hinweisen dass ich, trotz meiner (nicht unverdienten) Lobhudelei über den genialen Biertresen in Block C beim letzten Heimspiel, Koschis Original Zaunbierhalter (für die kurzfristige Aufbewahrung von immerhin drei Bechern Astra) für eine der besten Erfindungen im Stadionbieraufbewahrungsbereich halte. Technisch ist er dem Tresen deutlich überlegen, aber halt nur am Zaun. An dem würde ich mit den Jungs auch gerne öfter stehen, wenn man in der Meckerecke vernünftig Fußball gucken könnte. Aber jetzt, wo die gerade wieder anfangen Fußball zu spielen...nee, geht nich.

Auf den Ohren die CD des Jahres mit dem Song des Jahres, das dazugehörige Video des Jahres wurde dankenswerterweise vor dem Spiel im Stadion gezeigt.
Marcus Wiebusch - Konfetti - Der Tag wird kommen




















Sonntag, 14. September 2014

Erst der Schnaps, dann der Sport
















Termine Termine Termine, das Wochenende ist voll davon, weshalb der Ausflug in den südwestfälischen Regenwald dieses mal ein ausgesprochen kurzer ist. Abzüglich An- und Abreisetag bleibt uns nur der Freitag für allerlei Vergnügungen, deshalb ist natürlich auch dieser Tag randvoll mit Terminen, sogar früh aufstehen muss man dafür.

Als erstes steht ein Besuch der Märkischen Spezialitäten-Brennerei auf dem Plan, dort wird außer diversen fruchtigen Spirituosen auch Whisky produziert, den ich unbedingt verköstigen will. Der Dorfscheff höchstselbst erklärt sich bereit eine der motorisierten Kutschen zu lenken, damit die Schar der Wochenendgäste sich ohne Angst vor der Staatsmacht die Kante geben durch die Spezialitäten naschen kann. Ganz so schlimm wie andernorts befürchtet wird es dann doch nicht, da für die qualitative Beurteilung der Brände und Liköre schon mikroskopisch kleine Mengen ausreichend sind.

Der Single Malt rinnt trotz seiner 55% erstaunlich milde durch die Kehle und kann geschmacklich mit so einigen Schotten durchaus mithalten. Ein paar Jahre mehr im Fass würden ihm sicher gut tun, aber diese Zeit bekommt er wohl nicht, denn die ersten drei Fässer sind schon komplett ausverkauft. Geht scheinbar weg wie geschnitten Brot, und nicht nur der Whisky, denn auch mit den restlichen Spirituosen sieht es ähnlich aus, die Regale sind sehr spärlich bestückt. Vom Ingwerbrand ist nur noch eine Flasche am Lager, die ich ohne eine vorherige Kostprobe leider verschmähen muss und der Hippo muss auf eine große Pulle des begehrten Pflaumenlikörs verzichten, davon sind nur noch wenige Probierfläschchen vorhanden. Nach unserem Besuch deutlich weniger, denn sowohl der Pappenheimer als auch meine Wenigkeit sind vom Aroma dieses Stöffchens derart angetan, dass wir die Vorräte trotz des exorbitanten Preises gnadenlos plündern. 

Umgerechnet hätte man sich davon wahrscheinlich auch eine Pulle Höhlenwhisky gönnen können, wären nicht andere schneller gewesen. Als Pflaumenersatz nimmt Hippo einen Whiskylikör mit, der mir auf den zweiten Schluck doch etwas dünn daherkommt, ich war ohnehin nie ein großer Fan von Drambuie und ähnlichem Gedöns. Mit edlen Tropfen soll man nicht panschen.

Praktischerweise kooperiert die Brennerei mit der direkt in der Nachbarschaft angesiedelten Privatbrauerei Vormann, der wir die traditionell zur Immeckevorglühparty angeschafften Holzfässer mit hervorragendem Altbier (ja, es gibt hervorragendes Altbier!) zu verdanken haben. Praktisch auch für uns, weil Herr Sleeper für seine Kronkorkensammlung ein paar seltenere Stücke erstehen kann, sobald die gekauften Flaschen geleert sind. Praktisch weiterhin, weil der Herr Vormann so nett ist und in der eigentlich noch nicht geöffneten Brauereigaststätte anruft um uns anzumelden. So kommen wir nicht nur zu einem frischen Alt vom Fass (welch Paradoxon!), auch ein paar heiße Frikadellen auf die Hand sind drin, man hat eh grad zu Mittag gekocht. 

Auf dem Rückweg fährt der Dorscheff für uns Touristen ein paar Extrarunden über die Dörfer, durch den tiefsten südwestfälischen Regenwald und über erstaunlich hohe Brücken, die sogar noch über die A46 und ihre ebenfalls erstaunlich hohen Brücken führen und bei denen ich mich immer gefragt habe, wie man da oben wohl hinkommt. Herr Ärmel und ich sind uns recht schnell einig, dass man hier noch einmal mit genug Zeit für eine Fotoexkursion auftauchen müsste, leider drängt heute die Zeit, wir müssen zum Sport.

Wir müssen Sport fotografieren, denn im Regenwald ist Marathon angesagt an diesem Abend. Die kurze Distanz, für die Kurzen. Von all den Freunden und Bekannten im Ort sind genug Kurze auf der Distanz, die man vielleicht mal einfangen könnte. Da Hippos Junior felsenfest davon überzeugt ist, mindestens unter die ersten drei zu kommen, kann das ja nicht so schwer sein. Warum man diese Veranstaltung gerade für Kinder am Abend durchführen muss ist mir allerdings nicht klar, das bedeutet hohe Isozahlen für schnelle Verschlusszeiten und verdirbt mir etwas den Spaß an der Sache, zumal sich die ganze Aktion mehr und mehr verspätet.

Herr Ärmel dagegen hat sehr viel Spaß an der Warterei, er hat ein neues Hobby entdeckt, packt seine Spiegelreflex auf den Tisch und macht Selfies mit dem Schmattfohn. Natürlich nicht das alberne Zeugs, das gerade als großer Hype durch das Netz geistert, sondern künstlerisch wertvolle Selbstporträts unter Zuhilfenahme diverser Gerätschaften und örtlicher Begebenheiten. Wenn das mal kein neuer Trend wird..

Am Ende habe ich etwa 100 mittelprächtige Marathonfotos mit irgendwelchen unbekannten Kindern auf der Karte, aber Hippos Junior ist nicht dabei. Bei drei weiteren Fotografen, inklusive des Erzeugers, besteht ja noch eine Chance. Vielleicht in schwattzweiß beim Pappenheimer.

Vielen lieben Dank wieder einmal an Gastgeber, Chauffeure, Exzellentspeisenzubereiter und die anderen Gäste, nächstes mal vielleicht mit etwas mehr Zeit und nicht an Heimspielwochenenden ;)

Schnapsmusik: Todd Snider - Songs For The Daily Planet / Viva Satellite





 

Donnerstag, 11. September 2014

Was man so tut, wenn man nichts tut
















Mehr als 30° im Schatten fördern nicht gerade die Bewegungslust, gleich einen Tag nach der Anreise laufen wir durch die Gassen eines alten Dorfes und sehen Mittelaltermimen bei ihrem (exzellenten) Schauspiel zu, danach bin ich hinüber. Auszeit. Völlig. Portugal ist pure Erholung von allem Stress und vor allem vom Alltag. Fast kein Internet, keine Blogs lesen, nichts schreiben, keine Nachrichten, bis auf die wichtigen über die Trainerentlassung beim magischen FC, - danach ist Schluss. 

Leben genießen auf die portugiesische Art, ausschlafen, viel chillen, morgens ein leckeres Frühstück im Café Central mit frisch gepresstem Orangensaft, Galão und Tosta Mista, der nicht Tosta Mista heißt, weil auch noch Tomaten drauf sind. Den Störchen beim Nestputz zusehen, ein wenig in der Gegend herumschlendern bzw. sich fahren lassen, mit offenen Fenstern, weil es sonst nicht auszuhalten ist.

Aushalten kann man es unter dem grünen Dach des Tipis, bei Schokoladenkuchen und Rotwein-Butter-Eis. Aushalten kann man es auch im Minifreizeitpark um die Ecke, wo man unter großen Sonnensegeln eiskaltes Bier bekommt, den Kindern bei den ersten mutigen Sprüngen vom Beckenrand oder beim füttern der Ziegen im Ministreichelzoo zusehen kann, der noch weitaus mehr nette Motive bieten würde, wären die wirklich interessanten Tiere nicht hinter engmaschigen Gittern verborgen.

Die heimische Tierwelt ist auf dem nahen Reiterhof vertreten, der gleichzeitig als Hundepension dient. Dürfte erfolgreich sein, denn die Portugiesen haben viele Hunde, in jeder abgelegenen Hütte kläfft es, meist mehrstimmig. Preis der ländlichen Abgeschiedenheit, irgendwer muss aufpassen.

Auf dem Rückweg kann man dann den Chilis beim wachsen und der Sonne beim sinken zusehen, es wird Zeit für den ersten Gin Tonic des Abends und die erste chillige Zigarette. Was man halt so tut, wenn man nichts tut.

Dummerweise ist es damit schlagartig vorbei, kaum bin ich wieder in Deutschland. Stress pur. Hierhin, dahin und wieder zurück. Daher gibt es mehr vom Leben genießen auf portugiesische Art erst wieder nach dem nächsten Ausflug, wenn ich Zeit genug habe mehr als 30 Fotos zu entwickeln.

Tut gut, die letzten Scheiben einer Legende: Johnny Winter - Roots / Step Back












Freitag, 5. September 2014

Drei goldene Tipps gegen Hitzschlag

















1. Eiskalt trinken (vorzugsweise Gin Tonic)
2. Eiskalt essen (vorzugsweise hausgemachtes Mango Sorbet)
3. Eiskalt chillen (ab in den Schatten und nicht bewegen)

Risiken und Nebenwirkungen? Sind völlig wurscht bei diesen Temperaturen, echt mal. :D

Samstag, 30. August 2014

Platzprobleme





Vor vierzig Jahren sind wir mit dem Käfer nach Dänemark, vier Leute, zwei Zelte, Tisch, Stühle und Gepäck. Geht natürlich nur mit Dachgepäckträger, aber geht, wenn man geschickt packen und verpacken kann. Dieses Talent ist heute wieder gefragt, ist man mit Billigfliegern unterwegs. Zwei Gepäckstücke, 15 Kilo für den Laderaum und 10 für das Handgepäck, sollten für 9 Tage eigentlich ausreichen. Dumm ist nur, dass die wichtigen und teuren Sachen für das Handgepäck entsprechend viel wiegen. Mit Kamerarucksack, Laptop und dem ganzen notwendigen Zubehör komme ich auf 11.4 Kilo, der Laderaumkoffer auf 12.5, da heißt es abspecken oder umpacken.

Der Kugelkopf zeigt auf meiner Personenwaage kein Gewicht an, ist sozusagen schwerelos, bis er im Koffer ist, dann schlägt er ein ganzes Kilo drauf. Ähnlich ist es mit der alten externen Festplatte, die eigentlich trotz der antiquierten Bauweise und dem Metallgehäuse keine 500 Gramm wiegen dürfte, das Handgepäck nach der Entfernung allerdings ebenfalls um ein sagenhaftes Kilo erleichtert. Jetzt hoffe ich nur, dass vier Lagen T-Shirts ausreichend sind um die Platte vor allzu schweren Stößen zu schützen und der Kugelkopf sich auch am Ende des Fluges noch im Koffer befindet, vorzugsweise zusammen mit dem Stativ, das es schon aus Platzgründen nicht ins Handgepäck schafft.

Käfer packen war einfacher.

Bei den Symbolfotos bitte keine Kommentare zum Staub, den sieht man erst auf den Aufnahmen, sonst hätte ich vorher etwas intensiver geputzt.

Ich bin dann mal weg...

 

Freitag, 29. August 2014

An der Elbmündung

















Ab und zu muss ich mit Muddern aufs Land, die Verwandtschaft besuchen. Meistens kommen wir nur bis Lat: 53.7 Lon: 9.11667, aber in letzter Zeit ist häufiger Cuxhaven das Ziel. Fünf Stunden im Auto, eine Stunde im Restaurant, zwei bei Onkel und Tante auf dem Sofa. Von der Sofazeit muss ich unbedingt was abzweigen, das Wetter taugt für eine kleine Exkursion durch Cuxhaven.

Vor dem Ausflug der übliche Besuch im Strandhaus Döse, Bratkartoffeln, Rührei mit Nordseekrabben und Smalltalk. Der Blick aus den großen Fenstern des 50er Jahre Panoramarestaurants rockt. Der Himmel ist tiefblau mit hübschen kleinen Wölkchen und die Sonne ballert auf die unzähligen leuchtend gelben Strandkörbe, was für geile Kontraste. Stünde nicht gerade das Essen auf dem Tisch müsste man eigentlich sofort auf den Deich und an den Strand um den idealen Blickwinkel zu suchen für dieses Szenario.

Als wir eine Stunde später das Strandhaus verlassen ist die Sonne hinter einer gewaltigen Wolke verschwunden und die Strandkörbe leuchten nicht mehr. Die älteren Herrschaften kann ich auf dem Weg zum Auto sicher überholen, also schicke ich sie vor und will kurz an den Strand, doch während ich noch überlege ob sich das bei dem Licht überhaupt noch lohnt werde ich auch schon aufgehalten.

Ein junger Mann erhebt sich aus einem am Weg stehenden Strandkorb. "Sie haben ihre Kurkarte sicher dabei?" fragt er mich. Stimmt, da war doch was. "Nee" sag ich "ich bin nicht auf Kur, ich bin nur zu Besuch. Ich will mich auch nicht an den Strand legen, ich will nur ein paar Fotos machen, dann bin ich wieder weg." Solche Fälle sind aber anscheinend nicht vorgesehen, er will trotzdem drei Euro von mir haben. "Damit wir das hier alles ordentlich halten können am Strand" erklärt er diese wohl immer noch unpopuläre Maßnahme und ich möchte nicht wissen wie oft am Tag er den Spruch raushauen muss. Da die Wolke sich sehr hartnäckig vor der Sonne hält und sich das in den nächsten 15 Minuten nicht ändern wird verzichte ich auf anstrengende Diskussionen, mein Parkschein läuft eh gerade ab.

Beim letzten Besuch habe ich mich schon gefragt wer hier freiwillig Urlaub macht, diese Küstenbewohner waren schon immer Strandräuber, daran hat sich nichts geändert. Für die kurzen Aufenthalte an den beiden Cuxhavener Wahrzeichen, der Alten Liebe und der Kugelbake, die den geographischen Übergang von Elbe und Nordsee markiert, werden reichlich Parkgebühren fällig. Ein Wunder eigentlich, dass der Aufenthalt auf der Plattform kostenlos ist. Auch den sehr fotogenen Mann am Schifferklavier darf man - selbstverständlich - kostenlos fotografieren, das steht zumindest auf einem der Schilder über seinem Klingelbeutel. Wenn man das aus der Entfernung macht guckt er trotzdem etwas sparsam, da ich schon die Kurtaxe gespart habe trage ich ein wenig zu seinem Einkommen bei.

Gewaltig viele Attraktionen hat die Stadt nicht zu bieten, der Star ist hier das Wasser, die Elbe, die Nordsee, Ebbe und Flut, Watt und Wind. Zu Fuß zur nächsten Insel und mit der Fähre zurück, Drachen steigen lassen, Südwester auf dem Kopp und Gummistiefel dabei, das muss man mögen. Wenn die Strandräuber nicht wären könnt man sich das direkt mal überlegen, allerdings würde ich dann eine Hallig im Herbst bevorzugen.

Ebbe, Flut und BPM: Fatboy Slim - You've Come A Long Way, Baby