Mittwoch, 10. April 2013

Ostern von der Wasserseite
















Ein paar Wochen vor den Feiertagen machte mich Herr H. freundlicherweise auf die traditionelle Osterausfahrt der Omka aufmerksam, denn leider bin ich beim Käptn immer noch nicht im Mailverteiler. Nach Stade sollte es diesmal gehen, mit Altstadtbesichtigung und pünktlicher Rückkehr zu den Osterfeuern am Blankeneser Elbstrand. Da sich der Pappenheimer ohnehin zum Spiel des magischen FC gegen Paderborn angemeldet hatte, genau die richtige Vorbereitung für südwestfälische Landratten. Mit wasserdichtem Kameragehäuse kann ja nicht viel passieren, und für Pappenheimer gibts zur Not einen Rettungsring an Bord, jetzt musste ich ihm nur noch das frühe Aufstehen am Ostersamstag verklickern.

Nach einem kurzen Telefonat mit Käptn Stefan und der Platzreservierung war auch das kein Problem mehr, denn Stade wurde zu Gunsten des neu eröffneten Hafenmuseums vom Plan gestrichen, 12:45 Abfahrt sollte auch mit Herrn xs4all machbar sein, sogar mit Frühstück.

Drei Bier und eine Stunde S-Bahn später pünktlich am Harburger Binnenhafen angekommen und mit einer sehr überschaubaren Anzahl an Mitreisenden an Bord der Omka gegangen, das ließ viel Platz zum fotografieren, denn der überwiegende Teil der Gäste hielt sich bei der Witterung lieber im Innenraum auf. Nur die Knipser ließen sich von zeitweiligem Schneetreiben nicht vertreiben, Frühling in Hamburg rockt.

Nach der wie immer herzlichen Begrüßung durch den Schiffsführer und Eigner die kleine Hafenrundfahrt durch den Harburger Binnenhafen, diesmal leider ohne weckendes Tuten für Gunter Gabriel, der sich inzwischen eine ruhigere Ecke gesucht hat für sein Hausboot. Dafür ist mir aufgefallen, dass die Motivsuche sich sehr viel schwerer gestaltet, wenn man diese Strecke schon bei weit besserem Wetter gefahren ist. Für schöne Schleusenfotos ist daher xs4all zuständig, demnächst (hoffentlich) auf Schnittmengen.

Bei der Fahrt entlang des schick verklinkerten Kohle-von-Beust-Kraftwerks gab es wieder ein paar neue Informationen über die Vernichtung funktionierender Ökosysteme, das wirkt immer so schön auf den Blutdruck. Reisen bildet und hält gesund. Unter Kattwyk- und Köhlbrandbrücke hindurch auf die Norderelbe. Im Magen eine heiße Käse-Hack-Suppe, im Hafen die übliche Mischung aus Containerriesen, Kreuzfahrern, Barkassen und Fähren, am Millionengrab Elbphi vorbei zur angemeldeten Führung im erst zwei Tage zuvor eröffneten Hafenmuseum.

Also erst einmal über Bordwände klettern, über Tampen und Rohre steigen, Treppen rauf und runter, direktemang hinein in die Cafeteria der MS Bleichen. Alles unter fachkundiger Führung eines Herrn, den wir für unseren gebuchten Museumsführer hielten, der sich am Ende der Tour allerdings als Fachmann für die MS Bleichen (und ihr gastronomisches Angebot) herausstellte. Andere Tour, anderes Museum, andere Kasse. Kobern kannte ich bisher nur vom Kiez, aber Museen gehts ja ähnlich schlecht wie dem Rotlichtgewerbe.

Zur Ehrenrettung der Bleichenbesatzung muss man sagen, dass ein Euro für den Pott Kaffee durchaus ein reeller Preis ist, den Euro für den Kuchen habe ich mir angesichts der gedeckten Apfeltorte auf der Omka trotzdem gespart. Und solange das Hafenmuseum nicht gewaltig aufgeräumt wird, ist eine Führung auf dem alten Kahn nicht weniger interessant, denn das Museum sah zumindest im Außenbereich noch sehr nach Baustelle aus. Bei der komplizierten Anreise wird das kein durchschlagender Publikumserfolg werden, aber solange das nicht so viel kostet wie die Baustelle auf der anderen Seite solls mir egal sein.

Höhepunkte des Tages waren eindeutig die Osterfeuer am Blankeneser Elbufer, dazu kaltes Astra und ne Wurst vom Grill, alleine dafür hat sich die Tour schon gelohnt, da lass ich einfach mal die Bilder sprechen. Und da ich keine Zeit habe für diesen Tag drei kurze Versionen zu schreiben, nur um die Fotos aufzuteilen, gibt es gleich die volle Dosis. Wie immer macht ein Klick die Fotos groß. Ganz neu: sogar mit Bildunterschrift.

Großer Dank an den Käptn und die Mitreisenden für die angenehme Fahrt in netter Gesellschaft, wenn ich es endlich mal in den Mailverteiler schaffe bin ich öfter dabei. Ich kenn auch noch ein paar geeignete Kandidaten für solche Ausflüge, wenn die nicht gerade Rücken haben, so im Sommer vielleicht...

Osterfeuermusik: The Touré-Raichel Collective - The Tel Aviv Session

Update: Endlich bin ich im Mailverteiler, die nächste Tour mit dem feinen kleinen Schiffchen werde ich mir auch nicht entgehen lassen, am 1. Mai zur Apfelblüte ins Alte Land fahren, hört sich gut an, wenn es denn schon blüht im Obstgarten.












































Montag, 8. April 2013

Angepappt















In der Praxis, liebe Praktiker, lassen sich eure Werbezettel nur sehr schlecht von der Autoscheibe entfernen. Da nutzen auch die lustigen Minisaugnäpfchen nichts, wenn hohe Luftfeuchtigkeit und Nachtfrost für zusätzliche Adhäsion sorgen klebt der Papierkram nämlich von ganz alleine, und das bombenfest. Jetzt bin ich außerordentlich gespannt, mit welchen Hilfsmitteln euer Mitarbeiter morgen die Reste davon entfernt. Praktikern dürfte das ja nicht besonders schwerfallen.

Das nächste Mal sollte die Drückerkolonne ihre überflüssige Werbung besser wieder in den Briefkasten werfen. Nicht in meinen natürlich, wer lesen kann ist da klar im Vorteil.

Werbefreie Musik:  Bombino - Nomad

Sonntag, 7. April 2013

Augen auf beim Sockenkauf
















Socken sind ein steter Quell der Ärgernis. Zum Beispiel nach der Wäsche, es gibt fast nichts schlimmeres als Socken aufzuhängen. Denn auch wenn man sich grundsätzlich einfarbige Socken kauft, spätestens nach mehreren Waschvorgängen kann man dunkelblau und schwarz kaum noch unterscheiden, oder alt von neu, denn durch den obligatorischen Waschmaschinenfraß oder andere Schäden ist man ja gezwungen ab und zu nachzukaufen, und die Wahrscheinlichkeit gleiche Firma und Farbe zu erwischen tendiert gegen Null. Was die Aufhängerei noch nervtötender macht, weil man nach Farbe, Länge, Stoffqualität und anderen Anhaltspunkten sortieren muss.

Einen ganz feinen Trick hat mir vor Monaten der Exilwestfale verraten, der seine Fußbekleidung einfach komplett entsorgt wenn eine bestimmte Anzahl unterschritten wird. Die Neuanschaffung garantiert dann für Monate vollständige Kompatibilität, da hat selbst der Waschmaschinensockenfresser keine Chance.

Die Gelegenheit das in der Praxis zu testen war gerade günstig, mit leerer Sockenschublade und vollem Terminkalender. Wäsche waschen und aufhängen ist extrem ungünstig wenn man Besuch hat, also hab ich die Einkaufstour des Pappenheimers genutzt um 30 Paar neue Fußwärmer zu erstehen.

Zu einem Preis, der mich hätte misstrauisch werden lassen müssen. Bei den Dingern hat man nämlich eindeutig an Stoff gespart, die gehen grad mal bis zum Knöchel. Das sind keine Socken, das sind Söckchen. Sei wann gibt es Söckchen in Größe 46? Und warum kann man das nicht auf die Banderole drucken? Die Dinger taugen allenfalls für den Türkeiurlaub und die zwei Wochen norddeutschen Hochsommer, aber momentan hab ich kalte Füße, und das ist kein Zustand. 

Mir graut jetzt schon vor morgen früh, denn selbstverständlich hab ich die alten Klamotten noch nicht entsorgt, die Maschine läuft.

Sockenwaschmusik: Banco de Gaia - Last Train To Lhasa


Freitag, 5. April 2013

Einmal kreischen 5 Euro















Mit ungefähr zehn habe ich das erste Mal in einer Achterbahn gesessen, das Schleudertrauma gab es für eine lächerliche Mark und man konnte im Wagen sitzen bleiben, für die Verlängerung wurde jeweils 50 Pfennig kassiert.  Äußerst geschickt von den Schaustellern, denn so wurden wir im Handumdrehen unser gesamtes Taschengeld in der Achterbahn los. Nach diesem Abenteuer waren Kettenkarussell und Zuckerwatte erst einmal abgemeldet, und das trotz ohne Looping und ähnlichem Schnickschnack.
Richtig gute Achterbahnen benötigen nämlich keinen Looping, der ist nach wenigen Sekundenbruchteilen schon vorbei, ohne groß Eindruck zu hinterlassen. Fiese Steigungen, enge Kurven und rasante Talfahrten machen deutlich mehr Spaß und bieten das längere Vergnügen. Die „Wilde Maus“ hat mich jedenfalls schwer an mein erstes Achterbahnerlebnis erinnert,und wenn der Pappenheimer und ich nicht die sperrigen Kameraausrüstungen auf dem Buckel gehabt hätten, die eine oder andere Fahrt wäre sicher drin gewesen.

Was ich aber damals wie heute nicht begriffen habe ist der Sinn hinter dem ohrenbetäubenden und kilometerweit zu hörenden Gekreische der (vorwiegend weiblichen, meist jugendlichen) Achterbahnpassagiere. Früher bin ich von einer Art frühpubertärem Balzverhalten ausgegangen, das besonders Eindruck bei den jungen Männern hinterlassen sollte, die hinterher das Mitreiseangebot der Schausteller angenommen haben.

Aber wenn ich mir die Fotos so ansehe die am Ostersonntag entstanden sind, dann mögen die vielleicht einfach nur Insekten.

Keine Kreischmusik: Paul Weller - Catch-Flame! - Live At The Alexandra Palace